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Procycling 07.2019

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NACHLESE EMAKUMEEN BIRA

NACHLESE EMAKUMEEN BIRA / 22.–25.05.2019 TREK GEWINNT MIT MANNSCHAFTS- LEISTUNG © Getty Images ERGEBNIS FAHRERIN TEAM ZEIT 1 Elisa Longo Borghini Trek-Segafredo 12:21:41 2 Amanda Spratt Mitchelton-Scott + 0:02 3 Soraya Paladin Alé Cipollini + 0:07 4 Taylor Wiles Trek-Segafredo + 0:14 5 Mavi Garcia Movistar + 0:34 Longo Borghini (r.) an einem der steilen Anstige, die typisch fürs Emakumeen Bira sind. Amanda Spratt freut sich über ihren Sieg auf der 2. Etappe. 2 Jahre seit Longo Borghinis letztem Sieg Die Gründung des Frauenteams von Trek-Segafredo war viel beachtet. Mit einem hohen Budget, Superstaraufgebot und der Unterstützung durch das Männerteam wurde allgemein erwartet, dass die Mannschaft die etablierte Ordnung aufmischen würde. Die Saison begann mit einem Traumstart beim ersten Rennen des Teams, der Tour Down Under, als die junge Italienerin Letizia Paternoster die 1. Etappe gewann. Bis Ende April fuhr es weitere Siege ein – acht insgesamt –, darunter drei Etappen der Setmana Valenciana, Dwars door Vlaan deren und zwei Etappen der Healthy Ageing Tour, für die fünf verschiedene Fahrerinnen gesorgt hatten. Noch keinen auf höchstem Niveau. Aber als Trek sein erstes Rennen in der Women’s World Tour gewann, eine Etappe und dann die Gesamtwertung des Emakumeen Bira, passte es vielleicht, dass dies einer starken Mannschaftsleistung bei dem seit über 30 Jahren ausgetragenen Etappenrennen zu verdanken war. Zudem galt die diesjährige Auflage der spanischen Rundfahrt als schwerer denn je, da die Organisatoren das Zeitfahren gestrichen und stattdessen weitere Anstiege eingebaut hatten. Elisa Longo Borghini gilt nicht unbedingt als Topkletterin, sondern als starke Klassiker-Fahrerin, die Siege bei der Trofeo Binda, der Flandern-Rundfahrt und Strade Bianche in ihrem Palmarès hat. Sie kam nach vier Jahren bei Wiggle-High5 und einer schweren Saison 2018 zu Trek, in der sie mit Erkrankungen und Erschöpfung zu kämpfen hatte. Ihr letztes Rennen hatte sie vor fast zwei Jahren gewonnen, im Juni 2017, als ihr das Double bei der italienischen Meisterschaft gelang. Beim Emakumeen Bira wollte sie, wie Trek sagte, um einen Etappensieg kämpfen. Da die schwersten Anstiege in die zweite Hälfte des Rennens gepackt waren, ging alles seinen Gang: Jolien D’Hoore gewann die 1. Etappe im Sprint, bevor Amanda Spratt – die Titelverteidigerin – die 2. Etap - pe aus einer Ausreißergruppe heraus für sich entschied und die Führung übernahm. Je eine Etappe ging an die beiden stärksten Teams, Boels und Mitchelton. Doch auf der 3. Etappe wendete sich das Blatt. Trek-Fahrerin Tayler Wiles gewann den Tag mit einem Angriff auf dem vorletzten Anstieg nach Opakua 20 Kilometer vor dem Ziel. Lauretta Hanson führte die 29-Jährige an den Fuß des Anstiegs, bevor diese alleine loslegte. Wiles, die in der Gesamtwertung 54 Sekunden Rückstand hatte, war gut drauf und fuhr einen Vorsprung von 40 Sekunden heraus, bis nur noch die steile Bergankunft in San - ta Teodosia – zwei Kilometer lang und bis zu 17 Prozent steil – zu bewältigen war. Da Wiles sich abgesetzt hatte, musste Lon - go Borghini nicht arbeiten und folgte den Hinterrädern ins Finale. Auf den letzten Metern sprang sie auf den zweiten Etappenplatz und gewann wertvolle Sekunden. Die Italienerin war nun Dritte in der Gesamtwertung, zwölf Sekunden hinter Spratt, als es in die letzte Etappe mit vier kategorisierten Anstiegen ging. Tour-Down- Under-Siegerin Spratt war immer noch die Favoritin. Aber davon wollte Trek nichts wissen. Erst schickte man Anna Plicher in eine Ausreißergruppe, und als sie gestellt wurde, griff Audrey Cordon-Ragot an. Die permanenten Angriffe zermürbten Mitchelton, die am letzten Anstieg zur Aufholarbeit gezwungen waren. Als Cor- 90 PROCYCLING | JULI 2019

NACHLESE TOUR OF CALIFORNIA WOMEN’S RACE / 16.–18.05.2019 BOELS-DOLMANS IN KALIFORNIEN SPITZE don-Ragot gestellt wurde, ging Longo Borghini einen Kilometer vor dem Gipfel in die Offensive. Auf den 18 weitgehend bergab führenden Kilometern ins Ziel fuhr die Italienerin eine kleine Lücke heraus und glaubte, Zeit zu haben, um sich umzuschauen und zu jubeln, doch die Verfolgerinnen – und Spratt – rauschten schnell heran. Wiles reagierte blitzschnell und räumte im Sprint die Bonussekunden vor Spratt ab, sodass Longo Borghini die Gesamtwertung um nur zwei Sekunden für sich entschied. Trek-Segafredo hat also seinen ersten WorldTour-Sieg, und so, wie es aussieht, wird es nicht der letzte sein. Der Parcours der Kalifornien-Rundfahrt der Frauen war ein ausgewogenes Menü aus drei Gängen – einem hügeligen und windigen ersten Gang mit einer Etappe nach Ventura, einem deftigen Hauptgang mit dem Anstieg zum Mount Baldy und einem unkomplizierteren Nachtisch – eine wellige Etappe mit flachem Finale in Pasadena. Es war anscheinend für jeden etwas dabei, außer dass Anna van der Breggen den Spruch wörtlich nahm, den ihr Landsmann Hennie Kuiper, der Rennfahrer aus den 1970ern, prägte: „Radrennen heißt, erst den Teller deines Gegners abzulecken, bevor du mit deinem eigenen beginnst.“ Van der Breggen vergeudete keine Zeit und machte sich zur Favoritin des Rennens, das sie bereits 2017 gewonnen hatte, wo sie im letzten Drittel der 1. Etappe nach Ventura als Solistin angegriffen hatte. Der Wind war unglaublich stark und hatte dem Peloton auf der ersten Hälfte der Etappe ins Gesicht geblasen. Aber als sie den Wind im Rücken hatte, als es zurück ging in die Surfer-Stadt, machte sie ihren Ausriss perfekt, und auch ein kleiner Abstecher zurück in den Wind hielt sie nicht davon ab, alleine mit 18 Sekunden Vorsprung über die Linie zu segeln. Am nächsten Tag waren van der Breggen und ihre Teamkollegin Katie Hall die stärksten im Anstieg zum Mount Baldy, der das Rennen definiert. Sie distanzierten alle, und nur vier Fahrerinnen hatten weniger als eine Minute Rückstand auf sie, während van der Breggen den ERGEBNIS Etappensieg Hall überließ. Boels-Dolmans stellte die Erste und die Zweite in der Gesamtwertung, während van der Breggen sich damit begnügte, mit einer 30-köpfigen Gruppe den Sprint der 3. Etappe in Pasadena auszutragen. Boels-Dolmans fährt immer noch sehr stark, aber es lief in diesem Jahr nicht alles nach den Vorstellungen des Teams, da das Frauenpeloton stärker und organisierter wird. Es hat kein WWT-Rennen gewonnen, bevor van der Breggen Flèche Wallonne für sich entschied. Aber die Kalifornien-Rundfahrt hat gezeigt, dass die Holländerin in starke Form kommt, und der zweite Platz für Hall unterstreicht ihre Fähigkeiten. Van der Breggens Hunger auf Siege schien vor dem Giro d’Italia nicht nachzulassen. Katie Hall war mit ihrem Sieg am Mount Baldy die Königin der Königsetappe. FAHRERIN TEAM ZEIT 1 Anna van der Breggen Boels-Dolmans 8:32:34 2 Katie Hall Boels-Dolmans + 0:29 3 Ashleigh Moolman CCC-Liv + 1:06 4 Clara Koppenburg WNT-Rotor + 1:25 5 Katarzyna Niewiadoma Canyon-SRAM + 1:34 © Getty Images JULI 2019 | PROCYCLING 91