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Procycling 07.2019

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NACHLESE Fahrer im Fokus

NACHLESE Fahrer im Fokus JAKOB FUGLSANG WAS WIR DIESEN MONAT GELERNT HABEN Diese Jungs haben’s drauf © Getty Images Haben wir Jakob Fuglsang alle falsch eingeschätzt? Haben wir und er uns von dem Eindruck täuschen lassen, dass seine Schokoladenseite die des Rundfahrers ist, wenn ihm Eintagesrennen am besten liegen? Ja, er wurde Siebter bei der Tour und gewann die Dauphiné 2017. Aber bei großen Rundfahrten sind seine besten Resultate ansonsten der elfte Platz bei der Vuelta 2011 und zwölfte Plätze beim Giro 2016 sowie der Tour 2018. Seine Karriere ist von guten Resultaten in anderen einwöchigen WorldTour- Rennen durchsetzt – er war in den Top Five von neun Etappenrennen, aber das ist kaum erfolgreich zu nennen. Nun denken Sie mal an Fuglsangs Ergebnisse bei Eintagesrennen, die sich dramatisch verbessern. Vor diesem Jahr hatte er sieben Top-Five-Plätze bei Eintagesrennen. Nur zwei davon waren auf WorldTour-Niveau und STRADE BIANCHE ein dritter bei Olympia AMSTEL 2016, als er Silber holte. Aber dann kam 2019. Er FLÈCHE gewann Lüttich–Bastogne–Lüttich und stand auf LIÈGE dem Podium bei Strade SAN SEBASTIAN Bianche, Amstel Gold QUÉBEC und Flèche Wallonne. MONTRÉAL Das ist das beste Œuvre des Dänen. LOMBARDEI Was hat sich für den 34-Jährigen also geändert? Laut Astana-Manager Dmitriy Fofonov liegt die Steigerung an „mehr Selbstbewusstsein“ und daran, dass er in eine Kapitänsrolle hineinwächst. Es ist das dritte Jahr, dass er einer der Kapitäne des Teams ist. Außerdem ist sein langjähriger Trainer Rune Larsen im Winter gegangen, sodass Fuglsang jetzt vom Chef trainer Maurizio Mazzoleni gecoacht wird. „Wenn wir es analysieren, liegen ihm sehr schwere Rennen mit einer großen Selektion – die sind gut für ihn“, sagt Fofonov. Ist Fuglsang also ein verspäteter Eintages-Spezialist oder ein verjüngter Allrounder? Die Tour im Juli bringt vielleicht weiteren Aufschluss. FUGLSANG BEI DEN HÜGELIGEN KLASSIKERN ’09 ’10 ’11 ’12 ’13 ’14 ’15 ’16 ’17 ’18 70 83 55 31 77 18 17 69 32 29 9 11 52 8 22 16 103 75 85 DNF 28 27 DNF Bei der Kalifornien-Rundfahrt schwärmte EF-Education-First-Manager Jonathan Vaughters von seinem neuen Star Sergio Higuita. Der Kolumbianer kam erst Anfang Mai zum Team, nachdem er die ersten drei Monate 2019 für das Euskadi-ProConti-Team gefahren war, und wurde gleich ins WorldTour-Aufgebot für Kalifornien gesteckt. Bei seinem ersten Rennen für EF wurde der 21-Jährige knapper Gesamt-Zweiter. Higuita war nicht der einzige junge Fahrer, der sich in den USA gut machte. Der Gesamtsieger Tadej Pogačar war mit 20 Jahren noch jünger als Higuita, und sechs der sieben Etappensieger waren 24 Jahre alt oder jünger. Vor diesen Erfolgen hatten Fahrer wie Alberto Bettiol (Higuitas Teamkollege) mit 25 die Flandern-Rundfahrt und Egan Bernal mit 22 Paris–Nizza gewonnen, während der 24 Jahre alte Mathieu van der Poel das Amstel Gold Race für sich entschied. Vaughters sagte zu Procycling, die Team-Hierarchien hätten sich über die Jahre geändert. „Die jungen Fahrer haben jetzt nicht mehr das Gefühl, dass sie fünf Jahre für einen Kapitän schuften und sich hocharbeiten müssen“, sagte er. „Sie haben vor niemandem Angst.“ Da die Sportwissenschaft so weit entwickelt ist, verlassen die Fahrer die U23 und werden als fast voll ausgebildete Fahrer Profis. Remco Evenepoel sparte sich die U23 komplett und ging mit 18 Jahren zu Deceuninck. Taktisch haben sie zwar noch zu lernen, wenn sie in die WorldTour kommen, aber wie Pogačar und Co. gezeigt haben, zählen Taktik und Hierarchie nichts, wenn man der Stärkste und Mutigste ist. 94 PROCYCLING | JULI 2019

NACHLESE TAKTIK-TIPPS: TU SO, ALS WÜRDEST DU FÜR DEINEN KAPITÄN DEN SPRINT ANFAHREN Die Formel für Sprints auf Flachetappen ist ganz einfach: Der Anfahrer beschützt den Sprinter und bringt ihn so nahe wie möglich an die Ziellinie, bevor der Sprinter beschleunigt und – hoffentlich – gewinnt. Massen sprints im Flachen sind chaotisch und die Pläne werden selten perfekt umgesetzt. Aber trotzdem gilt diese grundlegende Prämisse. Bei den Vier Tagen von Dünkirchen profitierte Jumbo–Visma von dieser Taktik, nachdem Dylan Groenewegen die ersten Teunissen (in Rot) und Groenewegen (in Grün) tricksten die anderen Sprinter bei den Vier Tagen von Dünkirchen aus. drei Etappen gewonnen hatte. Auf der sechsten und letzten Etappe, einem völlig flachen 191-Kilometer-Kurs von Roubaix nach Dünkirchen, rechnete man wieder damit. Trotzdem beschloss das holländische Team, alle zu überraschen. 250 Meter vor der Linie fuhr Mike Teunissen an der Spitze des Pelotons und Groenewegen klebte an seinem Hinterrad – gemäß der bewährten Formel. Aber während die Rivalen auf Groenewegen achteten, beschleunigte Teunissen noch einmal, riss eine Lücke und entwischte. Bevor irgendjemand verstanden hatte, was gerade passierte, hatte Teunissen einige Meter Straße zwischen sich und den Rest des Feldes gelegt und fuhr selbst zum Sieg. Dieses vorgetäuschte Sprintanfahren hat auch in der Vergangenheit schon funktioniert. 2011 gewann Mark Renshaw auf ähnliche Weise die 5. Etappe der Großbritannien-Rundfahrt vor seinem Kapitän Mark Cavendish. Das Peloton fällt vielleicht nicht jedes Mal darauf herein, aber Jumbo–Visma hat bewiesen, dass der Trick ab und zu funktioniert. © Corvos JULI 2019 | PROCYCLING 95