Psychiatrische Pflege

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Kompetenz - zwischen Qualifikation und Verantwortung (2007)

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Kongressband Dreiländerkongress 2007 in Bielefeld

Eine andere Jugendliche

Eine andere Jugendliche beim gleichen Dienst ergänzte: »Ich mag die Tatsache, dass die eigenen Notizen zusammen mit der Pflegerin aufgeschrieben werden. Dass meine Stimme verwandt wird, um die Aufzeichnungen zu machen, gibt mir das Gefühl gehört zu werden.« In einer irischen Akut-Station reflektierte ein Mann über das Wesen der Zusammenarbeit des Gezeitenmodells: »Ich konnte mehr darüber nachdenken, was ich tun musste und was wichtig war. Das hatte ich aus den Augen verloren. Die Pflegenden haben mir geholfen, andere Brennpunkte zu setzen. Bis dahin hatte ich nicht erkannt, was mich alles quält.« Eine andere Person äußerte sich über das Wesen der Befragung innerhalb des ganzheitlichen Assessments und stellte fest: »Die Fragen fühlten sich nicht so an, als kämen sie von außen. Sie kamen von dem was ich fühlte, was ich brauchte oder was wichtig war. Sie waren gute Fragen, über Dinge, die für mich wichtig waren…weil ich der Hauptspieler in meiner Krankheit bin, wissen Sie. Ich muss die meiste Arbeit selbst tun. Ich glaube, was ich von der Krankheit wahrgenommen habe ist sehr wichtig in diesem Rahmen.« Wiedergewinnung Die ausdrückliche Wertschätzung für die individuelle Stimme der Person und ihrer erzählten Geschichte durch das Gezeitenmodell scheint der Aspekt des Models zu sein, der bei Praktikern wie Patienten gleichermaßen gut ankommt. Den sich ereignenden therapeutischen Prozess innerhalb der Tide haben wir als Wiedergewinnung beschrieben. Die Menschen haben das Gefühl, dass sie etwas zurückfordern, wiedergewinnen, es urbar machen und wieder in Besitz nehmen können: die Geschichte ihres Lebens. Dies erhöht ein Gefühl von Person-sein und persönlicher Identität. Sie verwenden wieder ihre einzigartige menschliche Identität, statt nur ein »Patient« von vielen zu sein. Dieser Prozess von Wiedergewinnung oder Wiederaneignung hat mit erinnern zu tun oder wieder zusammenzufügen, ganz zu machen, ein Gefühl von sich selbst wieder herzustellen, das durch die Leiden des psychiatrischen Zusammenbruchs zerrissen 3 war. 3 Anm. d. Übers.: Durch die Übersetzung geht leider ein sinnhaftes Wortspiel verloren. Erinnern (remembering) und dismembered (zerrissen, losgelöst) haben im Englischen den gleichen Wortstamm (member = Zugehöriger, Mitglied). Die Autoren benutzen diese bildhafte Sprache um einerseits auf die Stigmatisierung und Zerstörung der Person durch die Erkrankung wie auch den (niedrigen) sozialen Status als Patient aufmerksam zu machen. Mit der Hilfe bei und an der Arbeit ihrer Geschichte, was oft in normalen Unterhaltungen (25) geschieht, lernen Menschen ihre Schwäche zu kompensieren, wenn sie nicht vollständig in der Lage sind die Lebensprobleme, die sie behindern, zu lösen. Es mag nicht möglich sein, Leiden aus der Menschheitsgeschichte auszuwaschen. Dennoch erscheinen die Möglichkeiten eines konstruktiveren Lebens unendlich zu sein. Literatur: 1) Beck, A. T. Successful outpatient psychotherapy of a chronic schizophrenic with a delusion based on borrowed guilt. Psychiatry, 1952, 15, 305-312 2) Ellis, A. Rational psychotherapy. Journal of General Psychology. 1958, 59, 35-49 3) Barker P It’s time to turn the tide. Nursing Times 1998, 18(94) 70-72 4) Barker P and Buchanan-Barker P The Tidal Model: A guide for mental health professionals London, Brunner-Routledge, 2005 5) Brookes N «Phil Barker: The Tidal Model of Mental Health Recovery”. Ch 32 in AM Tomey and MR Alligood (Eds) Nursing Theorists and their Work (6 th Edition) New York, Mosby, 2005 6) Buchanan-Barker P Uncommon sense: The Tidal Model of mental health recovery. Mental Health Nursing 2004, 23 (1) 12-15 7) Brookes ibid 8) Barker P, Jackson S and Stevenson C The need for psychiatric nursing: Towards a multidimensional theory of caring. Nursing Inquiry 1999, 6, 103-111 9) Vaughn K, Webster, D Orahood S and Young B Brief inpatient psychiatric treatment: Finding solutions. Issues in Mental Health Nursing 1995, 16(6) 519-31 10) Barker P The Tidal Model: The lived experience in person-centred mental health care. Nursing Philosophy 2000, 2(3) 213-223 11) Barker P The virtue of caring. International Journal of Nursing Studies 2000, 37, p 329-336 12) Barker P. J. Reflections on the philosophy of caring in mental health. International Journal of Nursing Studies 1989, Vol. 26 (2) ppl3l-141 13) Buchanan-Barker P and Barker PJ (2006) The Ten Commitments:A value base for mental health recovery. Journal of Psychosocial Nursing 44 (9) 29-33 14) Buchanan-Barker P and Barker P Lunatic language Openmind 2002, 115: p23 15) Szasz T S Curing the therapeutic state: Thomas Szasz on the medicalisation of American life. Interviewed by Jacob Sullum. Reason 2000, July: pp 27-34 16) Jonsson B Ten Thoughts About Time London, Constable and Robinson, 2005 17) Barker P The Tidal Model: The healing potential of metaphor within the patient’s narrative Journal of Psychosocial Nursing and Mental Health Services 2002, 40 (7) 42-50 18) McCann C Four Phenomenological Philosophers: Husserl, Heidegger, Sartre, Merleau-Ponty London, Routledge 1993 19) Stevenson C, Barker P and Fletcher E (2002) Judgement days: developing an evaluation for an innovative nursing model. J Psychiatric and Mental Health Nursing 9(3) 271-6 20) Stevenson C and Fletcher E (2002) The Tidal Model: The questions answered. Mental Health Practice 5(8) 29-37 52 53

21) Lafferty S and Davidson R (2006) Person-Centred Care in Practice: An account of the implementation of the Tidal Model in an adult acute admission ward in Glasgow. Mental HealthToday (March) pp31-34 22) Gordon W, Morton T and Brooks G (2005) Launching the Tidal Model : Evaluating the evidence. Journal of Psychiatric and Mental Health Nursing 12 (6) 703-12 23) Lynch J, Maxwell J and Collins R (2003) Patients and nurses perceptions of a collaborative model of engagement in a mental health setting.(Unpublished) 24) Cook NR, Phillips BN and Sadler D (2005) The tidal model as experienced by patients and nurses in a regional forensic unit Journal of Psychiatric and Mental Health Nursing 12 (5) 536-540 25) Zeldin T (2000) Conversation: How talk can change our lives. Mahwah, New Jersey; Paulist Press Die Herausgeber dieses Buches danken Ruth Ahrens für die Übersetzung des Textes aus dem Englischen. 54

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