Psychiatrische Pflege

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Kompetenz - zwischen Qualifikation und Verantwortung (2007)

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Kongressband Dreiländerkongress 2007 in Bielefeld

(die Kunst des

(die Kunst des Pflegens), persönliches Wissen in der Pflege und empirisch abgestütztes Wissen. Jede der von Carper beschriebenen Wissensgrundlagen ist in gleichem Maße wichtig, zusammen bilden sie das Interessensgebiet der Pflegewissenschaft. Die Herausforderung besteht darin, die verschiedenen Arten des Wissens zu einer Gesamtheit von Pflegewissen zu integrieren (Chinn & Kramer 1996: 14ff). Die wissenschaftliche Orientierung der Pflege bedingt zunächst, dass Fachwissen zum Beispiel durch Studien, durch Theoriebildung, durch Praxisund Evaluationsprojekte systematisch entwickelt und kritisch überprüft wird. Entsprechende Erkenntnisse müssen aber auch öffentlich zugänglich gemacht werden (z.B. in Form von Buch-, Zeitschriften oder Online-Publikationen), und sie müssen gelesen werden. Für die weitere Entwicklung unseres Fachgebiets und Berufs ist es zwingend, dass wir eine starke Schreib- (Publikations-) und Lesekultur entwickeln. Zur Entwicklung des Fachwissens gehört, dass sie im Rahmen einer Scientific Community (Wissenschaftsgemeinde) kritisch reflektiert und diskutiert werden. Die Entwicklung der Publikations- und Lesekultur, einer kritischen Diskussion in der Fachöffentlichkeit und die wissenschaftliche Qualitätssicherung brauchen Strukturen wie Netzwerke, Kongresse und Fachtagungen, Buch und Zeitschriftenpublikationen, Internet-Diskussionsforen und Mailinglisten. Im deutschsprachigen Raum sind in den letzten Jahren einige solche Strukturen entstanden. In der Schweiz gibt es das »Netzwerk Pflegeforschung in der Psychiatrie« (NPFP) 1 und im Rahmen des Vereins Förderung der Pflegewissenschaft (VfP) eine »Akademische Fachgesellschaft Psychiatrische Pflege« (AfP) 2 , in Deutschland eine »Sektion psychiatrische Pflegewissenschaft« in der Deutschen Gesellschaft für Pflegewissenschaft e.V. (DGP) 3 . Ein Meilenstein war die Etablierung des »Dreiländerkongresses Pflege in der Psychiatrie« 4 , der seit 2004 abwechselnd in Deutschland, in der Schweiz und in Österreich stattfindet, und der jeweils in einem Tagungsband dokumentiert wird. Am jährlichen Kongress der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Neurologie DGPPN, der im deutschsprachigen Raum wichtigsten wissenschaftlichen psychiatrischen Veranstaltung, finden seit einigen Jahren immer auch Symposien zur psychiatrischen Pflege statt. Auf Europäischer Ebene wurde im Jahre 2006 1 www.pflegeforschung-psy.ch, 2 www.pflegeforschung-vfp.ch, 3 http://www.dg-pflegewissenschaft.de/ sektion_PsychPfle.php, 4 www.nppw.de, 5 www.pflege-in-der-psychiatrie.de »HORATIO - European Psychiatric Nurses« 6 gegründet, eine Dachorganisation für die psychiatrische Pflege in den Europäischen Ländern (siehe Beitrag von Ward & Schulz in diesem Band). Eine zentrale Bedeutung kommt Fachzeitschriften zu. Artikel in wissenschaftlichen Fachzeitschriften spielen im Wissenschaftsbetrieb eine wichtigere Rolle als Buchpublikationen, weil sie aktueller und thematisch fokussierter sind. Wissenschaftliche Fachzeitschriften unterscheiden sich von allgemeinen Fachzeitschriften, vor allem durch ein Peer Review genanntes Verfahren, mit dem die wissenschaftliche Qualität der Artikel sichergestellt wird und durch eine Aufnahme der Artikel in wissenschaftlichen Datenbanken. Peer-Review bedeutet, dass die zur Veröffentlichung vorgesehenen Artikel durch einen oder mehrere Experten des entsprechenden Gebietes kritisch bewertet werden. Nach einer ersten Prüfung durch den Herausgeber der Zeitschrift, ob der Artikel grundsätzlich für eine Publikation in Frage kommt und ob er den Vorgaben für die Manuskripteinreichung entspricht, wird der Text – in der Regel anonymisiert – einem oder mehreren Gutachtern (Experten im Fachgebiet) zugestellt. Diese Gutachter (Reviewer, Referees) kommentieren den Artikel aufgrund wissenschaftlicher Kriterien und geben zu Händen des Herausgebers eine Stellungnahme ab, ob der Artikel veröffentlicht werden soll oder ob vor einer Veröffentlichung Änderungen vorgenommen werden müssen. Artikel mit anspruchsvollen statistischen Auswertungen werden in der Regel zusätzlich einem Statistiker unterbreitet. Die Kommentare der Reviewer werden dem Autor des Artikels zugestellt, mit der Aufforderung, den Artikel mit den von den Reviewern geforderten Änderungen erneut einzureichen. Die Autoren müssen bei einer erneuten Einreichung zu den von den Reviewern vorgebrachten Kritikpunkten Stellung nehmen und aufzeigen, wie sie diese berücksichtigt haben. In einer zweiten Runde geben die Reviewer eine Stellungnahme zur geänderten Version ab. Je nach dieser Stellungnahme wird dann der Artikel zur Publikation akzeptiert oder es werden weitere Korrekturen verlangt. Die Gutachter müssen unabhängig sein, das heißt sie dürfen nicht aus dem Umfeld des Autors stammen. Die Unabhängigkeit des Gutachters vom zu bewertenden Objekt ist das wesentliche Kriterium eines Peer-Reviews. Die Tätigkeit der Gutachter wird meistens freiwillig und unentgeltlich erbracht. 6 www.horatio-web.eu 92 93

Spezifische wissenschaftliche Fachzeitschriften für die psychiatrische Pflege mit Peer Review und Indexierung in den gängigen Datenbanken wie Medline oder CINAHL gibt es bisher nur in englischer Sprache 7 . Von den deutschsprachigen Pflegezeitschriften praktizieren die inhaltlich nicht spezialisierten Journals »Pflege« und »PrInternet« ein Peer Review Verfahren. Beide verlangen englischsprachige Zusammenfassungen der Artikel, was im Hinblick auf die Integration in die internationalen Datenbanken sehr wichtig ist. Die Sprache der Wissenschaft ist Englisch. Allerdings reichen die Kenntnisse in dieser Sprache oftmals nicht aus, um Fachartikel in dieser Sprache zu lesen. Dies erklärt, warum diese bisher im deutschen Sprachraum relativ wenig gelesen werden und Publikationen deutschsprachiger Autoren in diesen internationalen Journals selten sind. Im deutschen Sprachraum kennen wir als spezifische Fachzeitschrift für die psychiatrische Pflege einzig die »Psychiatrische Pflege Heute« 8 , welche eine ausgezeichnete Plattform zur Veröffentlichung von praxisbezogenen Artikeln darstellt und in der auch ausgewählte Forschungsberichte aus internationalen Journals in deutschen Übersetzungen publiziert werden. Da die »Psychiatrische Pflege Heute« aber nicht peer reviewed ist, keine Zusammenfassungen in englischer Sprache enthält und auch nicht in den Datenbanken Medline und CINAHL erfasst wird, erfüllt sie Anforderungen an eine wissenschaftliche Zeitschrift nicht. Von daher fehlt im deutschsprachigen Raum eine spezifisch auf pflegerische Aspekte psychischer Gesundheit und psychiatrische Pflege ausgerichtete pflegewissenschaftliche Zeitschrift, die von internationalen Datenbanken erfasst ist und deren Beiträge ein Peer-Review-Verfahren durchlaufen. Dieser Mangel soll mit der neuen »Zeitschrift für Pflegewissenschaft und psychische Gesundheit (PpG)« 9 behoben werden. PpG ist eine frei zugängliche Online-Zeitschrift mit 2 – 4 Ausgaben pro Jahr. Die Kosten der Herausgabe werden durch freiwillige Abonnementsbeiträge und Spenden gedeckt. Die in einigen Fachgebieten stark zunehmende elektronische Publikation und Probleme vieler Bibliotheken, die stark gestiegenen Abonnementskos- 7 Beispiele: Journal of Psychiatric and Mental Health Nursing, International Journal of Psychiatric Nursing Research, Archives of Psychiatric Nursing, Issues in Mental Health Nursing, Journal of Psychosocial Nursing and Mental Health Services, Mental Health Practice (teilweise peer reviewed), International Journal of Mental Health Nursing, 8 www.thieme.de/psychpflege, 9 www.zppg.eu ten zu finanzieren, führten in letzter Zeit zum verstärkten Ruf nach Open Access. Open Access meint, dass wissenschaftliche Literatur kostenfrei und öffentlich im Internet zugänglich sein sollte. Im Internet veröffentlichte Texte sind für alle Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen, für Studierende und für die interessierte Öffentlichkeit sofort erreichbar und leicht auffindbar. Sie können weltweit von jedem beliebigen Arbeitsplatz mit Internetanschluss komfortabel genutzt werden. Das Open-access- Publizieren wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft DFG und dem Schweizerischen Nationalfonds für die wissenschaftliche Forschung SNF unterstützt und gefördert. Informationen zu Open Access finden sich auf der Webseite . Ein Peer-Review-Verfahren und die Begleitung und Evaluation durch einen Beirat sichert die wissenschaftliche Qualität der Beiträge. Die Aufnahme in die Datenbanken MedLine und CINAHL wird nach dem Vorliegen des ersten Jahrgangs beantragt. In der Zeitschrift sollen primär pflegewissenschaftliche Studien, Artikel zur Forschungs methodologie sowie theoretische pflegewissenschaftliche Texte zu psychischer Gesundheit und Krankheit und zur Pflege in der Psychiatrie und darauf bezogene Diskussionsbeiträge veröffentlicht werden. Die Artikel sollen originell sein und auf die Pflege fokussieren. Sie sollten gut mit Literatur belegt sein oder einen ersten, praxisbasierten Anspruch auf Wissen, das in der aktuellen Literatur noch nicht beschrieben wird, darstellen. Beiträge, die bereits veröffentlichte Artikel kommentieren, sind willkommen. Die erwünschten Beiträge beinhalten: • • • • • • Berichte über klinische Pflegeforschung (qualitative und quantitative Studien, inkl. Einzel- multiple Fallstudien) Forschungsberichte können auch als Kurzbeiträge (»research in brief«, 500-1500 Worte) eingereicht werden. Systematische Literaturübersichten Berichte über Forschungsanwendungsprojekte oder innovative Praxisprojekte Evaluationsberichte (z.B. im Rahmen der Qualitätssicherung) Theoretische Artikel z.B. zur Klärung von Konzepten oder zur Theorienentwicklung Artikel über ethische Fragestellungen 94 95

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