GESCHICHTEDer „GartenVorarlbergs“Die Geschichte der Landwirtschaft im VorderlandDer Herbst hat sich über dasLand gelegt. In den Gärten, aufden Wiesen und Äckern, zwischenden Reben hat die Zeitbegonnen, in der sich das ganzeJahr verdichtet: Die Erntezeit.Nun zeigt sich, ob die harteArbeit und die Mühen über denSommer hinweg Früchte tragen.Der Höhepunkt des landwirtschaftlichenJahres ist geradefür unsere Region – den „GartenVorarlbergs“ – seit Jahrhundertenvon großer Bedeutung –für Wirtschaft, Kultur undNatur.Seit jeher ist das Vorderland eineder bedeutendsten WirtschaftsregionenVorarlbergs. Über Jahrhundertehinweg war die Region agrarischstrukturiert und die Landwirtschaftdas Rückgrat der regionalen Wirtschaft.Aufgrund der klimatischenBedingungen und der äußerstfruchtbaren Böden wurde die Regionmit den höchsten ErtragswertenVorarlbergs begünstigt.Von Hanf und WeinLange Zeit bestimmten Getreide,Flachs und Hanf das Bild der hiesigenFelder. Dadurch wurde nichtnur die Nahrungsmittelversorgungsichergestellt, sondern auch dieGrundlage für die Herstellung vonTextilien geschaffen. Der Wein,zunächst ein Privileg des Adels unddes Klerus, wurde aufgrund günstigerklimatischer Bedingungen imLaufe des Mittelalters mehr undmehr zum Getränk für die breiteBevölkerung. Noch im 18. Jahrhundertbestanden allein in Rankweiletwa 33 Hektar Weingärten. Erstaufgrund des kälter werdenden Klimasund durch billigere Importe im19. Jahrhundert ging der Weinbauin unserer Region zurück.447° Rankweil und mehr
Die Bedeutung der KlösterVon besonderer Bedeutung für dieEntwicklung der Landwirtschaftim Vorderland waren die Klöster.Diese waren nicht nur Orte desGlaubens und des Wissens, sondernauch der landwirtschaftlichenInnovation. Sie befassten sich mitObstbau und Veredelung von Bäumen,mit Imkerei, Käserei, Weinbau,Bierbrauerei, Gemüse sowieArzneipflanzen. Sie waren federführendbei der Entwicklung derDreifelderwirtschaft, die aufgrundder Einführung von Mais und KartoffelnEnde des 17. Jahrhundertsallmählich wieder aufgegebenwurde.Vielfalt trotz VeränderungIm Zuge der verstärkten Mechanisierungsowie Globalisierunginsbesondere im Laufe des 20.Jahrhunderts sah sich die Landwirtschafteinem tiefgreifendenStrukturwandel unterzogen. Dennochblieben die landwirtschaftlichenBewirtschaftungsformen inunserer Region bis heute vielfältig:Der Weinbau wurde wieder verstärktaufgenommen, wobei Röthisdie einzige Gemeinde ist, die denWeinbau nie gänzlich aufgegebenhat. Seit über 1.000 Jahren wirddort durchgehend Wein angebaut.In den Berggemeinden wird nachwie vor Vieh- und Alpwirtschaftbetrieben. Das Obst der charakteristischenStreuobstwiesen dientder Herstellung von Most oderSchnaps. Über die Region hinausbekannt ist etwa die „FraxnerKriasi“ (Kirsche) und der darausgewonnene Brand.Landwirtschaft zwischenNatur und KulturDie Erntezeit ist nicht nur derlandwirtschaftliche Höhepunkt desJahres, sie ist auch ein kulturellerMoment. Sie erinnert uns jedesJahr aufs Neue, dass Landschaftmehr ist als reine Kulisse, sie istLebensraum für Mensch, für Floraund Fauna. Und sie zeigt uns vorallem eines: dass Landwirtschaftnicht nur Arbeit bedeutet – sie setztuns in Beziehung zu unseren Mitmenschen,zur Natur, zu unsererGeschichte und letztlich auch zuunserer Zukunft.Der Weinbau hat in unserer Region seit jeher Tradition. Im 18. Jahrhundert bestanden allein in Rankweil etwa 33 Hektar Weingärten.Fotos: Bernd Oswald47° Rankweil und mehr5
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