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Nr. 25 | *:Innen

Am 8. März ist Internationaler Weltfrauentag. Wir werfen in dieser Ausgabe deshalb einen Blick darauf, was sich bei den Themen Emanzipation und Gleichstellung – auch im Alltag unserer Gemeinde – so tut.

INTERVIEW»Traut

INTERVIEW»Traut euch!«Foto: Bernd OswaldIm Gespräch mit BürgermeisterinKatharina Wöß-KrallKatharina Wöß-Krall ist seit 2019 Bürgermeisterinund damit die erste Frau in der Geschichte,die in Rankweil dieses Amt bekleidet. ImGespräch erzählt sie, wie sie in die Politik hineingewachsenist, warum Frauen oft zu strengmit sich selbst sind und welchen Rat sie jungenFrauen mit auf den Weg geben möchte.447° Rankweil und mehr

47°: Katharina, du bist die ersteBürgermeisterin in der GeschichteRankweils. Was bedeutet diese Rollefür dich und was hat sich seit deinemAmtsantritt 2019 alles getan?Katharina: Ich habe eigentlich seitmeinem Amtsantritt große Wertschätzungverspürt, sowohl seitensder Politik und der Mitarbeiter:innenin der Verwaltung als auchseitens der Bevölkerung. VieleMenschen haben mir signalisiert,dass sie stolz darauf sind, eineFrau an der Spitze ihrer Gemeindezu haben. Gleichzeitig war derWechsel aus der Rolle der Vizebürgermeisterinin die Gesamtverantwortungdamals ein großer undverantwortungsvoller Schritt. Mansieht plötzlich das große Ganze,nicht mehr nur das eigene Ressort.Die Intensität des Amtes verstehtman erst so richtig, wenn man mittendrinist. Ich habe in den letztenJahren vor allem gelernt, Prioritätenklarer zu setzen und dass es fürgewisse Visionen oft pragmatischeund realistische Lösungen erfordert.Wichtig ist es, stets mit denMenschen im Gespräch zu bleibenund gemeinsame Wege zu finden.Der Frauenanteil bei den Bürgermeister:innensteigt in den letztenJahren langsam, aber immerhinstetig, an. Vorarlberg stellt seit denletzten Gemeindewahlen im März2025 neun Frauen bei 96 Gemeinden.Wie können wir künftig noch mehrFrauen in das Amt der Bürgermeisterinbringen?Wir müssen aus meiner Sicht beiFrauen allgemein das Interesse anPolitik stärker wecken. Das gelingtam besten, indem man mit ihnenüber politische Agenden spricht,die ihr unmittelbares Lebensumfeldbetreffen. Die Möglichkeit,direkt an Verbesserungen mitzuwirken,könnte für viele einegroße Motivation sein. Zentral istin diesem Zusammenhang selbstverständlichdie Vereinbarkeitvon Beruf und Familien. Rankweilhat in den letzten Jahren mit demstetigen Ausbau der Kinderbetreuungwesentliche Schritte in diesemBereich gesetzt.Mit welchen Hürden sehen sichFrauen aus deiner Sicht in der Politikkonfrontiert, die Männer so nichthaben?Die Herausforderungen in derPolitik bzw. die Anforderungen aneinen Politiker/an eine Politikerinsind im Grunde für jeden dieselben– unabhängig vom Geschlecht.Frauen fühlen sich aus meinerSicht aber oft dazu verpflichtet,sich noch stärker zu beweisen undalles noch besser zu machen. Ichhabe das Gefühl, dass viele Frauendie Dinge erst perfekt können wollen,um sie in die Tat umzusetzen.Viele Frauen stellen ihr Wissennach wie vor unter den Scheffel.Wie ist das zu verstehen?Oft denken Frauen immer noch:„Das schaffe ich nicht.“ Sie trauensich weniger zu und sind zurückhaltender.Viele würden vor demEinstieg in die Politik beispielsweiseam liebsten einen Kurs absolvieren.Doch wie bei den meistenDingen im Leben muss man odereben auch Frau (lacht) in die Politikhineinwachsen. Ich lade deshalbinsbesondere junge Frauen immerwieder dazu ein, öffentliche Sitzungenzu besuchen, mitzureden,Fragen zu stellen. Eine sukzessiveHeranführung ist wichtig: persönlicheGespräche, konkrete Einblicke,Ermutigung. Wege entstehen,indem man sie geht – heißt es soschön.Wie erlebst du als Frau den Arbeitsalltagin der nach wie vor männlichdominierten Politik konkret – inSitzungen, Gremien usw.?Alles in allem sehr gut und konstruktiv– stets auf Augenhöhe. DerAustausch unter Frauen tut hin undwieder aber gut – einfach weil mandoch ähnliche Erfahrungen teilt.Hier ist insbesondere das einmalim Jahr stattfindende österreichischeBürgermeisterinnentreffenwertvoll. 2007 fand das erste Treffenin Stuhlfelden in Salzburg statt.Was damals im Kleinen begann,hat sich in den letzten Jahren zueinem Fixpunkt im Terminkalenderder österreichischen Bürgermeisterinnenentwickelt. Seit 2024sind auch Vizebürgermeisterinneneingeladen, um Frauen in allenkommunalpolitischen Ämtern zustärken und zu ermutigen, denSchritt in die erste Reihe zu wagen.Ich freue mich sehr, dass in diesemJahr das Treffen in Rankweil undWolfurt stattfindet – vom 12. bis 14Juli.Was würdest du abschließend jungenFrauen raten, die sich für die Arbeitinnerhalb der Politik interessieren,aber unsicher sind?Traut euch! Wirklich. Kommt zuSitzungen, hört zu, macht mit.Politik lebt davon, dass Menschenund speziell Frauen ihre Perspektiveneinbringen. Man muss nichtperfekt sein, um anzufangen. Manmuss nur bereit sein, Verantwortungzu übernehmen und dazuzulernen.Jede Frau, die sich engagiert,macht den Weg für andereein Stück leichter.Vielen Dank für das Gespräch.47° Rankweil und mehr5