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Sport + Mobilität mit Rollstuhl 01/2020

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Informationsschrift des Deutschen Rollstuhl-Sportverbandes

FACHBEREICHE Das

FACHBEREICHE Das wandelnde Regelbuch – das ist der Spitzname, den Katja Grotensohn in Schiedsrichterkreisen trägt. Als europäische Headofficial und internationale Schiedsrichterin ist sie eine der wenigen Frauen, die im Rollstuhlrugby ganz oben an der Spitze mitredet. BERND-BEST-TURNIER ROLLSTUHLRUGBYI Das wandelnde Regelbuch Schiedsrichterin Katja Grotensohn im Portrait D ie Geschichte, wie Katja Grotensohn zum Rollstuhlrugby kam, ist keine Gewöhnliche. »Für mich hat sich aus dem schlimmsten Tag meines Lebens das schönste Hobby ergeben«, erzählt die heute 47‐Jährige, die in der Nähe von Dortmund geboren wurde. Sie war 18 Jahre jung und mit Freunden zum Surfen in Holland, als einer der Freunde ans Ufer lief, sich vornüber ins Wasser fallen ließ – und liegen blieb. Die Szene hat Grotensohn bis heute im Kopf. »Mir ist sofort aufgefallen, dass etwas nicht stimmt«, erinnert sie sich. »Instinktiv wusste ich in diesem Moment, dass der Freund fortan querschnittsgelähmt sein wird.« Nach langer Rehabilitation fing er an, sich Stück für Stück sein Leben zurück zu erkämpfen, und fand 1996 den Weg zum Rollstuhlrugby. »Er hat uns gefragt, ob wir uns das nicht auch einmal ansehen wollen, also bin ich mit meinem damaligen Partner zu einem Spiel nach Duisburg gefahren«, erzählt Grotensohn. Die Sportart hat sie ab dem ersten Augenblick in den Bann gezogen. Als sie eine Situation beobachtete, in der ein Spieler seinen Kontrahenten überholte und zu diesem meinte: ›Na Benny, fühlst du dich heute wieder wie gelähmt?‹, war sie perplex und fasziniert zugleich. »Ich habe mir gedacht: Oha, der Humor hier ist hart, aber er gefällt mir. Weil ich glaube, dass man solche Schicksale nur mit einer gewissen Dosis Galgenhumor hinter sich bringt«, erklärt Grotensohn. Als sie dann erfahren hat, dass die Mannschaft noch einen Schiedsrichter sucht, stellte sie sich kurzerhand und ohne jegliche Vorerfahrung für das Amt zur Verfügung. »Mir fällt das Lernen relativ leicht und schon bald kannte ich das Regelwerk in‐ und auswendig. Und die praktischen Fertigkeiten eignet man sich durch sehr viel Übung an«, sagt die 47‐Jährige. Ende 1997 pfiff sie ihr erstes Spiel, 1999 bereits die Europameisterschaft und 2002 schließlich die Weltmeisterschaft. Ihre Karriere lief steil bergauf und erreichte ihren Höhepunkt, als Grotensohn 2004 die Paralympics in Athen pfeiffen durfte. Als die damalige Headofficial dann auch noch ins Ausland ging und nach Ersatz gesucht wurde, war Katja Grotensohn außerdem bis 2006 deren Nachfolgerin. Danach folgte eine dreijährige ›Beziehungspause‹ mit dem Rollstuhlyrugby. Der Grund dafür? »Ich habe geheiratet«, erzählt Grotensohn und grinst. 2009 KAM GROTENSOHN ZUM ROLLI-RUGBY ZURÜCK »Es wurde eine neue Position eingeführt, für deren Besetzung man jemanden gesucht hat, der die Regeln des Rollstuhlrugbys sehr gut beherrscht«, erklärt die Schiedsrichterin. »Und weil ich den Spitznamen ›wandelndes Regelbuch‹ trug, wurde ich für den Posten nominiert.« Seit dem 29. Februar 2019 ist sie außerdem auch europäische Headofficial und redete beim Rollstuhlrugby ganz oben an der Spitze mit. Und selbst beim Bernd‐Best‐Turnier nahm sie in der Vergangenheit die Position des Headofficials ein: »Das Bernd‐Best‐ Turnier ist eines meiner Lieblingsturniere, das für mich jedes Jahr zur Tradition gehört!«, erzählt sie. Besonders schätzenswert findet sie die Internationalität des Turniers und die Fokusverschiebung von Leistung auf Spaß: »Da treffen blutige Anfänger auf erfahrene Spitzensportler, man lernt unglaublich viel voneinander und hat gemeinsam eine ganz tolle Zeit«, schwärmt Grotensohn. Für das Turnier 2020, das vom 3. bis 5. April stattfinden wird, plant sie sogar einen Schiedsrichterlehrgang. Ihr ist wichtig, dass sich gerade Frauen nicht von dem männerdominierten Sport abschrecken lassen und sich das Schiedsrichteramt zutrauen. »Als Frau hat man auch Vorteile: Wenn man ihnen mit einer gesunden Portion Charme begegnet, gehen die Spieler nicht so hart mit einem ins Gericht wie mit den männlichen Schiedsrichterkollegen«, erzählt Grotensohn und lacht. Das Team aus Schiedsrichtern bezeichnet sie mittlerweile als ihre zweite Familie: »Für die Zukunft würde ich mir wünschen, dass wir Schiedsrichter auch europäisch noch mehr zusammenwachsen, um mit dem Rest der Welt im Rollstuhlrugby noch ein Stückchen besser mithalten zu können.« Ob Grotensohn auch bei den Paralympics in Tokio dabei ist, ist noch ungewiss und wird im Januar entschieden. Doch eines ist sicher: Der Rollstuhlrugby ist Katja Grotensohns große Leidenschaft, die sie mit ganzem Herzblut pfeifft. Text: Jana Rudolf 12 Sport + Mobilität mit Rollstuhl 01/2020

SERVICE SPORTKALENDER 2020 SPORTLICHE HIGHLIGHTS EN MASSE Zweifellos werden die Paralympischen Sommerspiele in diesem Jahr einen besonderen Platz im Sportkalender einnehmen. Darüber hinaus gibt es viele große und kleine Sportevents über das Jahr verteilt, auf die sich ebenso ein Blick lohnt. In unserem Sportkalender haben wir sie – ohne Anspruch auf Vollständigkeit – gelistet. ©Tokyo 2020 25. August bis 6. September Focus auf die Paralympics 2020 n Neben den Olympischen Sommerspielen und der Fußballeuropameisterschaft sind die 16. Paralympischen Sommerspiele, die vom 25. August bis zum 6. September 2020 in Tokio stattfinden, das sportliche Highlight des Jahres. 4.400 Athletinnen und Athleten aus 176 Ländern werden an den Start gehen. Innerhalb von dreizehn Tagen finden 540 Medaillen‐ Wettbewerbe in 22 Sportarten statt. Dabei geben die Sportarten Badminton und Taekwondo ihr paralympisches Debüt in Tokio. Quelle: www.dbs-npc.de www.paralympic.org/tokyo-2020 https://tokyo2020.org/ 21. bis 24. Mai Para Kanu WM n Auf der Regatta‐Bahn in Duisburg werden sich in diesem Jahr die Top‐ Athlet*innen im Para Kanu messen. Bis zu 8.000 Zuschauer*innen können die Wettkämpfe auf der 2180 Meter langen Strecke verfolgen. Seit der Einweihung 1935 fanden immer wieder internationale Wettkämpfe statt. Quelle: www.duisburg.de 3. bis 5. April Bernd-Best-Turnier feiert 2020 Jubiliäum n Zum 20. Mal findet das Bernd‐Best‐Turnier in in Köln statt. Seit 1999 beitet es Teams aus aller Welt die Möglichkeit zum sportlichen Vergleich. Mit vier Leistungsklassen ist es der wichtigste Treffpunkt und in dieser Breite einmalig in der Rugbyszene. Quelle: www.bernd-best-turnier.de www.bernd-best-turnier.de Sport + Mobilität mit Rollstuhl 01/2020 13

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