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Sport + Mobilität mit Rollstuhl 06/2021

Informationsschrift des Deutschen Rollstuhl-Sportverbandes

SPORT VOR ORTVon langer

SPORT VOR ORTVon langer Hand geplant, fand am1. Mai das erste, speziell aufRollstuhlnutzer*innenzugeschnittene Fahrsicherheitstrainingstatt. Ein Teilnehmerberichtvon Patrick Moser.KOOPERATION DRS/ADACRichtig reagieren –richtig bremsenFahrsicherheitstraining für Rollstuhlfahrer*innen und wiestabiles Sitzen das Handling des Fahrzeugs beeinflußen kannAm 1.5.2021 gab es im FahrsicherheitszentrumWeilerswistein Fahrsicherheitstrainingder besonderen Art! In Kooperationzwischen dem ADAC und dem DeutschenRollstuhlsportverband e. V. (DRS)fand erstmalig ein Fahrsicherheitstrainingspeziell für Menschen mit Handicapstatt.Die insgesamt neun Teilnehmendenwurden von zwei Trainern in verschiedenenFahrmanövern im sicherenHandling ihrer speziell auf ihre Bedürfnisseangepassten Fahrzeuge geschult.Der Tag begann mit einer kurzenVorstellung und Einweisung in die aufdem Gelände geltenden Regeln. Außerdemwurde jedem Teilnehmenden zurKommunikation mit den Trainern einEin‐Richtungs‐Funkgeräte gegeben. Sokonnten die Trainer auch während derfahrpraktischen Übungen mit uns Teilnehmernkommunizieren.Kurz darauf ging es auch schon andie Autos. Die Trainer, die zum Teilselbst Rollstuhlnutzer mit individuellumgebauten Fahrzeugen waren, schautensich in den ersten Trainingsrundenauf einem Slalomparcours speziell dieSitzpositionen der Teilnehmenden an.Anhand eines umgebauten Fahrgestellsmit elektrisch verstellbarem Sitz wurdepraxisorientiert eine sichere Sitzpositionund deren Auswirkung auf das Handlingdes Fahrzeugs erarbeitet. Anschließendwurde versucht, diese in den eigenenFahrzeugen zu erreichen. Individuellbehinderungsbedingte Stabilisierungssystemewurden testweise in denFahrzeugen der Teilnehmenden simuliert.Instabile Sitzpositionen und derenFolgen im Straßenverkehr, gerade beiMenschen, die aufgrund einer körperlichenEinschränkung häufig ohnehin instabilersitzen und die Sitzposition nichteinfach jederzeit ändern können, konnteninsbesondere im schnelleren Hindernis‐Slalomverdeutlicht werden.Nach den Slalomübungen folgtenÜbungen zur Gefahrenbremsung aufverschiedenen Untergründen. Hier wurdenbedingt dadurch, dass einige Teilnehmendenbereits Sommerreifen aufgezogenhatten, während andere nochmit Winterreifen fuhren, die Auswirkungender witterungsangepassten Reifenwahldeutlich. Es zeigte sich eindeutlich längerer Bremsweg bei nassenund glatten Fahrbahnen mit Sommerreifenim Vergleich zu Winterreifen. Dertheoretische Hintergrund wurde im Anschlussan die fahrpraktischen Übungenmit den Trainern gemeinsam erarbeitet.Diese gaben jedem Teilnehmenden individuelleRückmeldungen. Dies konnte20Sport + Mobilität mit Rollstuhl 06/2021

Patrick Moser bei derGefahrenbremsung mit demRollikids-Auto.Gerd Waldvogel (l.)bei der Einweisungder Teilnehmenden.Fotos: Denis Schneideridealerweise verhalten sollte und dabeiauch mit Alltagsmythen aufgeräumt.Den Teilnehmenden wurde der Grundsatzdes Ausweichens auf asphaltierterStrecke verdeutlicht. Anschließendwurde Ausweichen auf trockener undregennasser Fahrbahn mit verschiedenenGeschwindigkeiten in der Praxis geübt.Die Teilnehmenden sollten einemHütchen als Hindernis ausweichen, dasin 12 Metern Entfernung zu einem festdefiniertenPunkt stand. Dieses Manöverwurde zunächst mit 30 Stundenkilometernund dann mit 50 Stundenkilometer,sowohl mit als auch ohne gleichzeitigerGefahrenbremsung, durchgeführt.Dabei wurde deutlich, dass der Instinktvieler Menschen bei Wahrnehmeneines Hindernisses die Gefahrenbremsungdeutlich vor dem definierten12‐Meter‐Punkt einleiten will. Die ersteHerausforderung bestand also darin,die eigene Angst zu überwinden, undbis auf 12 Meter an das Hindernis heranzufahrenund die nächste darin,dann tatsächlich auszuweichen. Erschwertwurde diese Aufgabe dadurch,dass die Trainer über Funkgeräte zusätzlicheAnforderungen an die Teilnehmendenstellten um die Aufgabe komplexerund damit realitätsnäher zu halten.dann in den nächsten Runden umgesetztwerden, so dass deutlich mehr Sicherheitbei den Teilnehmenden entstand.Nach der Mittagspause, die bei herrlichsonnigem Wetter auf der Terrassedes Trainingsgeländes verbracht wurde,folgten Fahrübungen zur Gefahrenbremsungin der Kurve. Auch diese wurde,angeleitet durch die beiden Trainer,zunächst auf trockenem und dann aufnassem Untergrund durchgeführt. Eswar dabei deutlich zu sehen, wie die Autos,insbesondere mit Sommerreifen,auf nassem Untergrund bei zunehmenderGeschwindigkeit ausbrachen. ImAnschluss wurde das Fahrzeugverhaltengemeinsam analysiert und verschiedeneMaßnahmen zur Gegensteuerungerarbeitet.Zum Abschluss des Tages wurde dasAusweichen vor Gefahren und Hindernissenthematisiert. Zunächst wurdetheoretisch erarbeitet, wie man sichArbeit am ›Sitzmobil‹: Der richtigeSitz und die passende Sitzposition sindenorm wichtig.Nach einem rundum gelungenen Tagfolgte ein sehr positives Abschluss‐Feedback mit Wünschen nach einemaufbauenden Training. Der Tag wird mirals Teilnehmer sicher lange positiv inErinnerung bleiben.Patrick MoserSport + Mobilität mit Rollstuhl 06/202121

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