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Sport + Mobilität mit Rollstuhl 06/2021

Informationsschrift des Deutschen Rollstuhl-Sportverbandes

PARALYMPICSTOKIO

PARALYMPICSTOKIO 2020IVöllig andere Spieleals sonst üblichStrikte Hygienemaßnahmen und wenig bis keine Zuschauer werden keineaußergewöhnliche Atmosphäre zulassenDie Ausrichtung der Olympischenund ParalympischenSpiele, zwei der weltweit größtenSportereignisse, für 2020 in JapansHauptstadt Tokio geplant und wegender Corona‐Pandemie um ein Jahr verschoben,sorgt weiter für viel Kritik.Während ein Großteil der japanischenBevölkerung für eine erneute Verschiebungoder eine Absage ist, halten die japanischeRegierung, das Organisationkomiteeund vor allem das InternationaleOlympische Komitee (IOC) an derAusrichtung fest. Es steht viel Geld aufdem Spiel, Sponsorengelder und Gelderaus den TV‐Übertragungsrechten. Unisonoerklären die Verantwortlichen, dieGesundheit der Aktiven stehe an ersterStelle und die Spiele seien sicher. Mit dazubeitragen soll auch die Entscheidungder Regierung, die bereits im März gefallenist: Ausländische Zuschauerinnenund Zuschauer sind nicht zugelassen.Ob Einheimische die Spiele verfolgenkönnen, wird erst kurzfristig entschieden.Der Frankfurter Virologe MartinStürmer, Facharzt für Mikrobiologie undLehrbeauftragter für Virologie an derUniversität Frankfurt ist skeptisch. ImZDF‐Morgenmagazin spricht er sich füreine weitere Verschiebung aus, »da dasZusammentreffen von Sportlern undFunktionären aus der ganzen Welt mitunterschiedlichen Corona‐Situationenunkalkulierbar ist.« Er könne sich auchnicht vorstellen, wie bei der Diversitätder vielen Sportarten – mal in der Halle,mal draußen, mal mit mal ohne Kontakt– ein Hygienekonzept funktionierenkönne.So bleiben weniger als 100 Tage vorden Paralympics noch viele Fragen undUnsicherheiten. Dr. Karl Quade, der alsChef de Mission des Deutschen Behindertensportverbandes(DBS) seit 1996bei allen Paralympics dabei war, gehtdavon aus, dass die Spiele stattfindenwerden – aber völlig anders werden alsgewohnt. »Ich bin auf der einen Seiteaufgeregt, auf der anderen Seite fühleich, dass man sich mit vielen Dingen beschäftigenmuss, die noch gar nicht dasind. Bei allen Informationen, die wirtäglich aus Japan bekommen, merke ich,dass das doch völlig andere Spiele werden,als wir das bisher kannten«, wirder auf der Website des Verbandes zitiert.Wie die sichere Durchführung derSpiele gewährleistet werden soll, regelnsogenannte Playbooks, die Hygienekonzepteund Handlungsanweisungen enthaltenfür alle Menschen, die an denSpielen teilnehmen. Es wird täglich getestet,per App kann der Gesundheitszustandeingetragen werden und die Aufenthaltsdauerder Sportlerinnen undSportler ist auf das Mindeste beschränkt.Spätestens zwei Tage nachdem eigenen Wettkampf ist die Abreisevorgesehen. Kontakt und Austauschzwischen den Aktiven der unterschiedlichenLänder und Sportarten wird esim Olympischen Dorf nicht in der Formgeben, wie es die Teilnehmenden gewohntsind. »Uns erwartet sicher nichtso eine schöne Atmosphäre wie sonst«,ist sich Quade sicher. »Der Tagesablaufwird sein: Dorf, Training oder Wettkampfund zurück ins Dorf. Da ist nichtsmit dem Deutschen Haus, das immer eingroßartiger Treffpunkt für alle Seitenwar. Das fällt alles weg, das werden wirDr. Karl Quade vom DBS, seit 1996 alsChef de Mission bei allen Paralympicsdabei, geht davon aus, dass die Spielein Tokio statfinden werden.vermissen – jetzt steht allein der Wettkampfunter schwierigen Bedingungenim Fokus. Da müssen alle Abstriche machen– leider auch die Athletinnen undAthleten.«107 Startplätze für die Paralympicshaben Deutschlands Athletinnen undAthleten 100 Tage vor Beginn der Spielein Japan bereits gesichert – Tendenzsteigend, wie Quade im Podcast ›AllesPara‹ erklärt: »Wir hoffen auf 130 bis150 Athletinnen und Athleten.«Wer Deutschland dann vom 24. Augustbis 5. September 2021 bei den Paralympicsin Tokio vertreten darf, wirdspätestens am 19. Juli – wenige Tage vorBeginn der Olympischen Spielen – feststehen.Dann gibt der DBS die offizielleNominierung bekannt und will eineschlagkräftige Mannschaft zu den Spielenschicken. »Im Medaillenspiegel strebenwir einen Platz unter den bestenFoto: Oliver Kremer/DBS8Sport + Mobilität mit Rollstuhl 06/2021

Foto: Binh Truong/DBSEdina Müller ist optimistisch undhofft, dass trotz der Umstände derFunke und der Spirit überspringen.zehn Nationen an, aber das ist sonstschon schwer vorherzusagen und unterdiesen Bedingungen noch schwerer. Inder Para Leichtathletik, im Para Radsportund im Para Schwimmen werden75 Prozent aller Medaillen vergeben,diese Sportarten prägen den Medaillenspiegelund sie werden für unser gesamtsportlichesAbschneiden entsprechendmitverantwortlich sein«, sagtQuade, der auch Vizepräsident Leistungssportim DBS ist: »Ich hoffe, dasswir dort gut abschneiden.«Dass die Pandemie die Leistungenbeeinträchtigt oder gar zu einem Leistungseinbruchführen wird, weil vielerortsnicht kontinuierlich trainiert werdenkonnte, glaubt der ehemalige Standvolleyballernicht – im Gegenteil: »Ichtippe darauf, dass es wie auch bei denletzten Malen zu einer Rekordflut kommenwird.«Für Edina Müller, die 2008 und 2012im Rollstuhlbasketball und 2016 im ParaKanu erfolgreich bei den Paralympicsdabei war, sollen es die vierten Spielewerden. Die erfahrene Athletin spürt›auf jeden Fall‹ Vorfreude: »Ich erhoffemir, dass trotzdem der Funke und derSpirit der Paralympics überspringt unddie Leute zu Hause kräftig mit ihrenAthleten mitfiebern. Gespannt bin ichimmer auf die ganz besondere Begeisterung,die von den Leuten vor Ort ausgehtund ich bin mir sicher, sie werdentrotz der Umstände auch diese Spiele zuetwas ganz Besonderem machen.«gp mit Material von DBS-PresseROLLSTUHLBASKETBALLTrennung vor TokioRBB-Nationalmannschaft der Damen und Trainer Martin Ottogehen künftig getrennte Wegen Gut zweieinhalb Monate vor Beginnder Paralympics in Tokio kommt es zueinem Wechsel auf der Position desCheftrainers, um mit einer verändertenpersonellen Konstellation die gestecktenZiele in Japan zu erreichen. Die Rollstuhlbasketballerinnenstreben mindestenseine Medaille an, nachdem sie inLondon 2012 mit Gold und 2016 in Riomit Silber dekoriert worden waren.Martin Otto hatte die Mannschaft2016 im Anschluss an die Paralympicsübernommen. Bei der Heim‐WM inHamburg 2018 gewann er mit demTeam ebenso wie bei der EM 2019 dieBronzemedaille. Nachfolger wird derbisherige Co‐Trainer, Dennis Nohl, derdie Mannschaft bestens kennt. »Wirdanken Martin Otto für seine Arbeit derDennis Nohl wird neuerBundestrainer der Rollstuhlbasketball-Nationalmannschaft der Damen.vergangenen fünf Jahre und wünschen Dennis Nohl für die anstehende Vorbereitungauf die Paralympics den maximalen Erfolg«, sagt Christoph Küffner, Vorsitzenderdes Rollstuhlbasketball in Deutschland.Nico FeißtBekleidung für Tokio vorgestelltOlympische und paralympische Athlet*innen präsentieren Outfitsn In einer Mischung aus Live‐Talk und zahlreichen Bewegtbild‐Clips habenAthlet*innen von Team Deutschland und Team Deutschland Paralympics in Düsseldorfdie Kollektion des exklusiven Ausstatters adidas für die Olympischen undParalympischen Spiele in Tokio 2021 vorgestellt. Als Kulisse für das Event in derRhein‐Metropole, das erstmals in seiner Geschichte digital umgesetzt wurde,dienten Motive aus der kürzlich gestarteten Kommunikationskampagne desDeutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) sowie des Deutschen Behindertensportverbandes(DBS) zu Tokio,›Mein Weg‹. Den Look zu Tokio präsentiertenvor Ort in Düsseldorf die HockeyspielerinSelin Oruz, Para TischtennisspielerinStephanie Grebe, ParaLeichtathlet Johannes Floors (auf demFoto mit Denise Schindler) und der Trainerder U21‐Fußballnationalmannschaft,Stefan Kuntz, stellvertretend fürdie beiden Teams. Moderiert wurde dieVeranstaltung von der ehemaligenBahnradsprinterin und OlympiasiegerinMiriam Welte.Quelle: DBS-PresseFoto: FB RollstuhlbasketballFoto: Team Deutschland / adidasSport + Mobilität mit Rollstuhl 06/20219

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