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Sport + Mobilität mit Rollstuhl 07/2020

Informationsschrift des Deutschen Rollstuhl-Sportverbandes

KLINIK + SPORTFoto:

KLINIK + SPORTFoto: Privat»Freude am gemeinsamen Bewegen stelltfür mich den entscheidenden Nutzen vonRollstuhlsport in der Rehabilitation dar.Zu sehen und zu spüren, was im Rollstuhlmöglich ist, ist eine wichtige Erfahrung aufdem Weg aus der Klinik!«MANDY KRETSCHMERMit dem Ziel, die Lücke zwischenden Kliniken und denSportvereinen zu schließen,wurde das Konzept der DRS‐Klinikbeauftragtenund das ›Erfassungssystem derKlinikabgänger‹ vor 20 Jahren ins Lebengerufen. Für uns Anlass, DRS‐Klimabeauftragteaus den unterschiedlichen Klinikenin Interviewform vorzustellen.INTERVIEW DRS-KLINIKBEAUFTRAGTEISchnittstelle zwischenDRS und den PatientenMandy Kretschmer, Ev. Stift St. Martin KoblenzWie lange arbeiten Sie in IhremBereich und seit wann sind Sie DRS-Klinikbeauftragte?Mandy Kretschmer: Seit 2012 arbeiteich im Gemeinschaftsklinikum Mittelrheinbei Rehafit. 2017 habe ich densporttherapeutischen Bereich in derQuerschnittrehabilitation und damitauch die Position der Klinikbeauftragtenübernommen.Was hat Sie motiviert alsKlinikbeauftragte zu fungieren undwelche konkreten Aufgaben sinddamit verbunden?Mandy Kretschmer: Mit Beginn der Tätigkeitin der Querschnittrehabilitationbin ich in die Funktion als Klinikbeauftragtemehr oder weniger hineingerutscht.Über meine Arbeit mit den Patientenin der Klinik habe ich sehrschnell die Wichtigkeit der Vernetzungmit dem DRS und das daraus entstehendePotenzial für unsere Patienten erkannt.Das versuche ich seither auch unserenPatienten zu vermitteln.Innerhalb des klinischen Sportprogrammswerden den Frischverletztenu. a. die vielenMöglichkeiten des Rollstuhlsportsvorgestellt. Wie wichtig ist aus IhrerSicht Rollstuhlsport für die Patientenin der Reha-Phase?Mandy Kretschmer: Im Vordergrundsollte in meinen Augen das gemeinsameErleben von Bewegung und die Freudestehen, die damit verbunden sein kann.Einfach mal etwas machen, was nurSpaß macht und nicht zwingend funktionelleZiele verfolgt, lässt Patientendie neue und schmerzliche Situation imRollstuhl für eine kurze Zeit in den Hintergrundrücken. Das ist jedes Mal einetolle Erfahrung für mich. Aber auch zusehen, wie Patienten erkennen, welchenBeitrag der Sport zur Mobilität im Rollstuhlleisten kann und so unerwartetePerspektiven aufzuzeigen macht denRollstuhlsport für mich zu einem unerlässlichenTherapieangebot!Welche Sportarten bieten Sie inIhrer Klinik schwerpunktmäßig anund welche werden besondersnachgefragt?Mandy Kretschmer: Wir haben ein breitesSpektrum an Sportangeboten. Klassikerwie Basketball, Tischtennis, Bogenschießenund Boccia zählen ebensodazu wie Schwimmen, Kegeln, Krafttraining,Tanzen, Kleine Spiele und das Erprobenvon Handbikes. Die Angebotewerden alle gerne angenommen.Wie haben sich aus Ihrer Sicht dieAufenthaltsdauer und die Qualitätder sporttherapeutischen Erstbehandlungin den letzten Jahrenentwickelt? Was kann, was sollte eineKlinik leisten?Mandy Kretschmer: Aufgrund der Tatsache,dass ich noch nicht so lange inder Querschnittreha arbeite, kann ichkeine Einschätzung der Entwicklungder letzten Jahre geben. Was ich aber seheist, dass wir mehr und mehr ältereFrischverletzte haben. Hier sehe ich, nebenambitionierten Sportangeboten, dieAufgabe für uns Sporttherapeuten vorallem darin, die Freude an Bewegung zu14Sport + Mobilität mit Rollstuhl 07/2020

Foto: Privatwecken und das Miteinander in den Vordergrundzu stellen, so dass man auchdiese Patienten abholt.Eine hohe Motivation, auch nach derEntlassung regelmäßig Sport zutreiben, ist wichtig. Wie gelingt es,diese Motivation zu fördern?Mandy Kretschmer: Mein Anliegen inder Sporttherapie ist es, den Sport nichtnur als Wettkampf zu begreifen. Natürlichgibt es immer auch sehr ehrgeizigePatienten. Wichtig ist es mir, Erfolgserlebnissefür jeden Patienten zu schaffen,um somit das langfristige Interesse anSport und Bewegung im Rollstuhl zuwecken und dadurch auch psychischeRessourcen zu stärken.Seit gut zehn Jahren gibt es dasProjekt ›richtig mobil‹, bei dem jederEntlasspatient einen Rucksack mitvielfältigen Angeboten bekommt.Welche Potenziale sehen Sie indiesem Projekt?Mandy Kretschmer: Ich erkenne großesPotenzial in diesem Projekt, da esunseren Patienten aufzeigt, welcheSportangebote es in ihrer jeweiligenUmgebung gibt. Es ist ein guter Einstiegfür die Auseinandersetzung mit ebendiesen nach dem Klinikaufenthalt. Darüberhinaus können die Patienten auchzu anderen Themen Informationen erhalten.Demzufolge ist das Projekt ausmeiner Sicht eine wichtige Ergänzung inder Überleitung vom Klinikaufenthalt indas Leben danach.Die Klinikbeauftragten sind gutvernetzt und tauschen sich inregelmäßigen Treffen aus. WelcheProjekte/Ziele konnten bereitsumgesetzt werden, wo besteht nochHandlungsbedarf?Mandy Kretschmer: Zu bisherigen Projekten,›richtig mobil‹ ausgenommen,kann ich noch wenig sagen. Wichtig sindregelmäßige Treffen, damit ein tatsächlicherAustausch stattfinden kann undIdeen gemeinsam entwickelt werdenkönnen. Das Treffen der Klinikbeauftragtenvor dem Arbeitstreffen der jährlichenDMGP‐Tagung zu platzieren istaus meiner Sicht ein guter Ansatz!Welche Sportart interessiert Sie undwas sind Ihre eigenen sportlichenZiele?Mandy Kretschmer: Ich fahre sehr gerneFahrrad und im Winter genieße ichdas Skifahren. Um mich fit zu halten absolvierenich drei‐ bis viermal in derWoche ein Workout‐Programm.Vielen Dank für das Gespräch.Foto: Ev. Stift St. JosefEv. StiftSt. MartinKoblenzDas Ev. StiftSt. Josef in Koblenzist einer von fünfStandorten desGemeinschafts -klinikumsMittelrhein.n Das Ev. Stift St. Martin Koblenz, einKrankenhaus des GemeinschaftsklinikumMittelrhein, versorgt mit seinen ca.700 Mitarbeitern jährlich über 13.000stationäre und 28.000 ambulante Patienten.Neben der einzigen Palliativstationaller Koblenzer Krankenhäuser befindetsich hier auch das zweitältesteZentrum für Querschnittbehandlung inDeutschland und die einzige Akutgeriatrieim Raum Koblenz. Gemeinsam mitdem Kemperhof in Koblenz bildet dasEv. Stift einen Schwerpunkt zur qualitativhochwertigen Versorgung hämatologischerund onkologischer Patienten,die sowohl unter stationären Bedingungenals auch in der onkologischen Tagesklinikbehandelt werden. Im Querschnittzentrumwerden seit 1955 Menschenmit Rückenmarksschädigung undQuerschnittlähmung von einem multiprofessionellenTeam ganzheitlich behandelt.Ebenso werden alle Spätfolgender Querschnittlähmung, ob operativoder konservativ, behandelt. Unsere Patientensind sowohl junge als auch alteMenschen. Durch eine Sprechstundewird die lebenslange Nachsorge gewährleistet.Fast alle apparativen Untersuchungenkönnen im Ev. Stift St. Martindurchgeführt werden. Ziel der Behandlungist das Erreichen der größtmöglichenSelbstständigkeit und eine Wiedereingliederungdes Betroffenen in dieGesellschaft und das Berufsleben.Quelle: www.gk.deSport + Mobilität mit Rollstuhl 07/2020 15

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