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Sport + Mobilität mit Rollstuhl 07/2020

Informationsschrift des Deutschen Rollstuhl-Sportverbandes

Kraftvoll, dynamisch,

Kraftvoll, dynamisch, schnell:Para Eishockey.Seit 2019 sind Sie Leiter desFachbereichs Para Eishockey. Wiekam es dazu und mit welcherMotivation gehen Sie in ihre ersteAmtszeit?Stefan Steurer: Über meine beidenSöhne bin ich vor über zehn Jahren zumEishockey gekommen. Beim ESV Dachau,dessen 1. Vorsitzender ich derzeitbin, ist es uns gelungen, eine Abteilungfür Para Eishockey aufzubauen. Seit einigenJahren richten wir jeweils einSpieltagsturnier für die Deutsche Para‐Eishockey Liga (DPEL) aus. Die Begeisterung,der Einsatz und die Dankbarkeitder Sportler beeindrucken mich immerwieder und daher habe ich mich entschlossen,auch auf Verbandsebene mitzuarbeiten.Wie ist der Fachbereich derzeitpersonell aufgestellt?Stefan Steurer: Wir haben ein kleines,aber sehr motiviertes Vorstandsteam.Anthony Vilano ist stellvertretender FB‐Leiter und unterstützt mich in allen Belangen,spricht sich in allen Dingen mitmir ab. Marion Dannenberg ist zuständigfür den Ligabetrieb. Sie koordiniertund organisiert jedes Jahr aufs Neue dieSpieltage und Termine, führt eine umfangreicheStatistik, delegiert und kontrolliertgleichermaßen die Liga undden Spielbetrieb. Mit Frank Schmelzeisen,einem waschechten NRWler, habenwir ein echtes Urgestein der Sportartmit im Team. Als Ober‐Schiedsrichter ister aus dem Para Eishockey nicht mehrwegzudenken. Er kümmert sich um diePara EishockeyDer ultimative SportPara Eishockey ist die schnellste Mannschaftssportart der Welt fürMenschen mit Behinderung und gehört damit zur Königsklasse derSportarten für Menschen mit körperlichen Einschränkungen. Der 2019 neugewählte Fachbereichsleiter Stefan Steurer spricht im Interview über dieStruktur des Fachbereichs, über die aktuelle Situation und die nächstenZiele.Schulung und Unterweisung neuerSchiedsrichter aus dem Fußgänger‐Eishockey.Wenn er gebraucht wird und esihm möglich ist, steht er für die Leitungvon Spielen zur Verfügung und reist bisans Ende der Republik. Wir stehen untereinanderin regelmäßigem Kontakt,tauschen uns aus und geben Infos weiter,um Reibungsverluste zu vermeidenund zeitnah Dinge umzusetzen.Wie sieht die Öffentlichkeitsarbeitim Fachbereich aus?Stefan Steurer: Neben der klassischenPressearbeit haben wir eine eigeneWebsite und nutzen derzeit vor allemFacebook, um über unseren Sport zu berichten.Aufgrund der beteiligten Vereineund Spieler, die unsere Inhalte weiterleitenund teilen, können wir so einegute Verbreitung erreichen. Geplant istauch, auf Instagram mehr aktiv zu werden.Die Nationalmannschaft hat jeweilseigene Kanäle in den sozialen Medien.Wir ergänzen uns hier hervorragendund unterstützen die jeweilige Verbreitung.Wie hat sich die Sportart in denletzten Jahren entwickelt, welcheZiele haben Sie sich für die Zukunftgesetzt?Stefan Steurer: In den letzten Jahrengab es immer wieder Aufs und Abs wasdie Anzahl der Teams und die internationalenErfolge angeht. Seit 2019 sindwieder einige neue Para‐Standorte entstandenund es gab diverse Neuzugängeim deutschen Para‐Eishockey zu verzeichnen.Aufgrund dieses Zuwachsesund den sich daraus ergebenden Spielgemeinschaften(SG) fanden mehr Spieltagein der abgelaufenen Saison statt.Unser erklärtes Ziel ist es, die ParaEishockey‐Gemeinde in Deutschlandweiter zu vergrößern. Sprich mehr Spielerund Eiszeiten zu bekommen, finanzielleMittel zu beschaffen, den Sport›salonfähiger‹ zu machen und ihn ausdem Dornröschenschlaf – zumindest inDeutschland – zu holen. Wir wollen dieAttraktivität und den Stellenwert desSports wieder steigern, auch um die Abwanderungvon Spielern ins Ausland zuverhindern. Zudem muss die National‐22Sport + Mobilität mit Rollstuhl 07/2020

,,Unser erklärtes Ziel ist es, diePara Eishockey-Gemeinde inDeutschland weiter zu vergrößern.mannschaft reformiert werden, um internationalwieder konkurrenzfähig zusein. Hier ist vor allem ein intensivererAustausch und die Zusammenarbeit mitdem DBS/DRS und den Verantwortlichender Nationalmannschaft notwendigund die finanzielle Unterstützungaus der Wirtschaft zwingend erforderlich.Viele Spieler sitzen nicht im Rollstuhl,sondern sind Prothesenläufer. Wiewirkt sich das auf die Rekrutierungvon Nachwuchs aus? Gibt es hier einespezielle Form der Nachwuchs -gewinnung – z. B. eine Kooperationmit Amputierten-Verbänden?Stefan Steurer: Grundvoraussetzungfürs Para Eishockey sind voll funktionsfähigeobere Extremitäten und eine guteRumpfmobilität mit funktionsfähigerMuskulatur. Diese Voraussetzungensind bei Beinamputierten, bzw. bei Menschenmit Einschränkungen der unterenExtremitäten häufiger gegeben, als beiSTEFAN STEURERParaplegikern, denen – abhängig vonder Lähmungshöhe – diese Rumpfstabilitätoft fehlt. Das schränkt natürlich denKreis, aus dem neue Spieler gewonnenwerden können, ein.Die größten Erfolge der ParaEishockey-Nationalmannschaft liegenschon länger zurück. Im letzten Jahrfand im November die B-WM in Berlinstatt. Mit Platz vier wurde die Qualifür die Paralympics verpasst. Wiekann die Sportart trotzdem von derersten Heim-WM profitieren?Stefan Steurer: Die B‐WM hat uns dieMöglichkeit gegeben, den Sport einerbreiten Öffentlichkeit zu präsentieren.Die Berichterstattung über das Turnierwar umfangreich und insgesamt sehrpositiv. Auch mit der Zuschauerresonanzkonnte man sehr zufrieden sein.Das Turnier war sehr gut organisiert, insofernkonnten wir unseren Sport dortoptimal präsentieren. Das sportliche Ergebniswar nicht zufriedenstellend, daFACHBEREICHEwir die direkte Paralympics‐Qualifikationals Ziel hatten. Dennoch konnten wirunser Netzwerk bei der B‐WM ausbauenund Einige für das Para‐Eishockeybegeistern.Die Corona-Pandemie schränkt nachwie vor viele Aktivitäten imSportbereich stark ein. Wie erlebt derFB Para Eishockey die Krise? Wie wirdes in der kommenden Saisonweitergehen?Stefan Steurer: In der letzten Saisonmussten wir leider den letzten Spieltagder Deutschen Para Eishockey‐Liga absagen.Ab wann wir mit der neuen Saisonstarten können, muss man einfachabwarten. Ob wir wie sonst im Oktoberstarten können, steht in den Sternen.Dennoch sind wir optimistisch, dass wirden Ligabetrieb früher oder später aufnehmenkönnen. Da muss man mit Sicherheitauch ein wenig die Entwicklungenim Fußgänger‐Eishockey abwarten.Was machen Para-Eishockey Spielereigentlich im Sommer?Stefan Steurer: Die Spieler halten sichmeistens individuell fit. Es steht Konditions‐und Koordinationstraining imVordergrund, wie beim Fußgänger‐Eishockeyauch. Sehr verbreitet ist bei denSpielern, mit dem Handbike die Grundlagenfür die kommende Saison zu legen.Vielen Dank für das Gespräch.FACHBEREICH PARA EISHOCKEYwww.Para-Eishockey.depara-eishockey@rollstuhlsport.deStefan SteurerFachbereichsleiterStefan SteurerMarion DannenbergLigaleitungAnthony Vilanostellv. FachbereichsleiterFrank SchmelzeisenSchiedsrichterwesenStefan Steurer gilt als Organisationstalent und genießt den Respekt im Fachbereich (FB) – auch unter den Spielern.Er ist der erste FB-Leiter, der kein aktiver Spieler und auch nicht in der Natio eingesetzt ist. Daher besitzt er den erforderlichenÜberblick und die nötige Distanz, ist dabei absolut integer und völlig unabhängig, voll und ganz der Sacheund dem Ganzen verpflichtet.Sport + Mobilität mit Rollstuhl 07/2020 23

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