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Sport + Mobilität mit Rollstuhl 07/2020

Informationsschrift des Deutschen Rollstuhl-Sportverbandes

DRS-PARTNERNEUN FRAGEN

DRS-PARTNERNEUN FRAGEN AN …Jörg Schudmann stellvertretenderHauptgeschäftsführer der Berufsgenossenschaft fürGesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW)Foto: BGW/Jan HaeselichSeit vielen Jahren kooperiert die BGW bereits mit dem DRS. Jetzt ist eineder größten gewerblichen Berufsgenossenschaften in Deutschland auchganz offiziell Partner des DRS geworden. Jörg Schudmann,stellvertretender Hauptgeschäftsführer der BGW, gibt im InterviewAuskunft über die Beweggründe und die gemeinsamen Ziele derJörg Schudmann ist stellvertretenderHauptgeschäftsführer der BGWPartnerschaft.Seit einigen Jahren setzen BGW undDRS gemeinsame Projekte um, wiebeispielsweise ›sicher mobil‹ oder›kompetent mobil‹. Was hat die BGWbewogen, jetzt ganz offiziell Partnerdes DRS zu werden?Jörg Schudmann: Für uns sind die Wiederherstellungder Gesundheit und dieSicherung von Teilhabe etwa nach Arbeits‐und Wegeunfällen zentrale Aufgabenstellungen.Der DRS mit seinen vielfältigenAngeboten leistet hier einewichtige Unterstützungsfunktion undist für uns eine zentrale Schnittstelle imReha‐Prozess. In der Partnerschaftdrückt sich diese enge Zusammenarbeitjetzt auch abseits der gemeinsamenGroßprojekte aus. Gerne nutzen wir fürdie Erfüllung unserer Aufgaben dieKompetenz des DRS bei der Förderungder Mobilität von Menschen mit Behinderungenund deren Teilhabesicherungsowie seine Medienkanäle.Das jüngste gemeinsameForschungsprojekt ›Inklusion durchSport‹ läuft seit ca. 12 Monaten. Gibtes schon erste Erkenntnisse undIdeen zur nachhaltigen Vernetzunghinsichtlich der Reha-Manager derBGW?Jörg Schudmann: Dieses Modellvorhabenhat das Ziel, im Rahmen unseres Reha‐Managementsinteressierte Versichertemit Behinderung für sportlicheFreizeitaktivitäten zum Beispiel inSportvereinen zu gewinnen und sie dabeizu unterstützen. Im SozialgesetzbuchVII wird die »sonstige Leistung zurTeilhabe am Leben in der Gemeinschaft«ausdrücklich gefordert. Neu istdie Einbindung von Sport‐Coaches desDRS. Sie kooperieren eng mit unserenReha‐Managerinnen und Reha‐Managern.Mit den Versicherten zusammensuchen sie nach sportlichen Aktivitätenan deren Wohnorten und helfen bei derAuswahl passender Angebote. Als Ratgeberauf dem Weg zu mehr Bewegungund mehr sozialer Teilhabe stehen sieden Versicherten unterstützend zur Seite.Das Modellvorhaben wird vom Forschungsinstitutfür Inklusion durch Bewegungund Sport (FIBS) wissenschaftlichbegleitet. Eine abschließende Bewertungliegt noch nicht vor, aber ersteRückmeldungen stützen unsere Annahme,dass dieses Vorgehen sehr zur Verbesserungder Aktivität und Teilhabebeiträgt.Die Kommunikation mit Endkundenüber die Medien des DRS ist einwichtiger Baustein der DRS-Partnerschaft. Wie ist der DRS ausIhrer Sicht hier aufgestellt?Jörg Schudmann: Mit seinem Medienportfolioim Print‐ und Onlinebereichbietet der DRS eine bundesweite Kommunikationsplattformzu den ThemenRollstuhlsport, Mobilität und Teilhabe.Er bedient eine wichtige Zielgruppe mitsportlichen Berichten und mit Inhalten,die Relevanz für die gesetzliche Unfallversicherunghaben. Für uns sind dieZielgruppen der DRS‐Medien vor allemin zweierlei Hinsicht interessant: Zumeinen aufgrund unserer Zielsetzung,den bei uns versicherten Einrichtungenunsere Angebote für sichere Mobilitätnahezubringen, zum anderen aus demBlickwinkel der Teilhabesicherung. Indiesem Heft beispielsweise rufen wirzur Teilnahme an unserem Fotowettbewerb›Mensch – Arbeit – Handicap‹ auf,der einen Beitrag zur Inklusion und damitzur Umsetzung der UN‐Behindertenrechtskonventionleistet (www.bgwonline.de/fotowettbewerb).Die BGW unterstützt auch immerwieder sportliche Events im BereichRollstuhlsport. Welche Veranstaltungist Ihnen besonders gut in Erinnerunggeblieben und warum?Jörg Schudmann: Das war sicherlich dieRollstuhlbasketball‐Weltmeisterschaft2018 in Hamburg. Mit unserem Engagement– am Sitz unserer Hauptverwaltung– konnten wir dazu beitragen, denRollstuhlsport und damit auch den Inklusionsgedankendeutlich voranzu‐8Sport + Mobilität mit Rollstuhl 07/2020

Der BGW Handicap Kletterturmwar eines des am häufigstenfrequentierten Angebote imRahmenprogramm der Rollstuhlbasketball-WM2018 in Hamburg.Foto DRS/Gregor Pleßmannbringen. Wir haben mit diesem Turniereinen hervorragenden Rahmen vorgefunden,unsere passenden Angebote zupräsentieren. An unserem Ausstellungsstandgab es beispielsweise eine Carrera‐Bahn,die sich mit unterschiedlichstenHandicaps bedienen ließ, unter anderemper Augensteuerung. Auf demVeranstaltungsgelände haben wir inklusivesKlettern angeboten und auf derBühne unsere ›Kompetent‐mobil‐Show‹aufgeführt. Unsere Fotoausstellung›Mensch‐Arbeit‐Handicap‹ und unsereKunstpreisverleihung zusammen mitdem PARITÄTISCHEN an Künstlerinnenund Künstler mit Behinderungen rundetenden Auftritt ab. All diese Angebotestießen auf sehr positive Resonanz. Unddarüber hinaus wurde großartiger Spitzensportgeboten, sodass wir alle zuechten Rollstuhlbasketball‐Fans geworden,,sind.Sport – insbesondereWelche Aufgaben hat die BGW undwelche Leistungen bietet sie an?Welchen Nutzen können aus IhrerSicht die Mitglieder des DRS ausdieser Partnerschaft ziehen?Jörg Schudmann: Die BGW ist Trägerinder gesetzlichen Unfallversicherung fürdie Bereiche Gesundheitsdienst undWohlfahrtspflege. Wir sind für knappRollstuhlsport – spielt eine zentraleRolle bei den Reha-Maßnahmen.JÖRG SCHUDMANNneun Millionen Versicherte in mehr als650.000 Betrieben und Einrichtungenzuständig. Wir haben einen gesetzlichenAuftrag und arbeiten nach dem genossenschaftlichenPrinzip, also ohne Gewinnorientierung.Oberstes Ziel derBGW ist es, Arbeitsunfälle, Berufskrankheitenund arbeitsbedingte Gesundheitsgefahrenbei unseren Versichertenzu vermeiden. Dafür stellen wir ein umfangreichesAngebot an Medien, Qualifizierungenund Beratungsleistungen bereit.Kommt es trotz aller Präventionsmaßnahmenzum Versicherungsfall,helfen wir mit allen geeigneten Mittelnbei der medizinischen, beruflichen undsozialen Rehabilitation. Die Unterstützungkann sehr umfangreich sein undSport – insbesondere Rollstuhlsport –spielt dabei eine zentrale Rolle. VieleMitglieder des DRS konnten bereits einenNutzen aus unserer Partnerschaftziehen, da sie den Rollstuhlsport erstwährend einer berufsgenossenschaftlichenReha‐Maßnahme kennengelernthaben.Wie wichtig ist Ihrer Einschätzungnach Sport für Menschen mitRollstuhl und wie beurteilen Sie dieArbeit des DRS?Jörg Schudmann: Außerordentlichwichtig! Wir als Vertreter der gesetzlichenUnfallversicherung müssen häufigden Weg von Menschen in den Rollstuhlbegleiten, etwa nach schweren ArbeitsoderWegeunfällen. Dabei machen wirdie Erfahrung, dass durch die verändertePerspektive auch der Lebensmut leidet.Sport ist eine hervorragende Medizindagegen, und der DRS leistet hierbeieine Arbeit von unschätzbarem Wert:Die Betroffenen realisieren, dass nichtnur trotz Handicap vieles geht, sondernin manchen Bereichen möglicherweisesogar mehr als vorher. Wille und Ehrgeizerwachen wieder, und sie treffenbeim Sport andere, die sich in einer ähnlichenSituation befinden. Sport hilftauch denen, die keinen Unfall hatten,sondern von Geburt an mit einem Handicapleben müssen. In den Einrichtungenfür Menschen mit Behinderungensind viele beschäftigt, die bei der BGWversichert sind. Wir haben Hinweise da‐Sport + Mobilität mit Rollstuhl 07/2020 9

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