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Sport + Mobilität mit Rollstuhl 08/2020

Informationsschrift des Deutschen Rollstuhl-Sportverbandes

KLINIK + SPORTUnter

KLINIK + SPORTUnter anderem gehörtRollstuhlbasketball zumSportangebot in der BGUnfallklinik in Frankfurtam Main.Foto: BG Unfallklinik Frankfurt/kai abreschMit dem Ziel, die Lücke zwischenden Kliniken und denSportvereinen zu schließen,wurde das Konzept der DRS‐Klinikbeauftragtenund das ›Erfassungssystem derKlinikabgänger‹ vor 20 Jahren ins Lebengerufen. Für uns Anlass, DRS‐Klinikbeautragteaus den unterschiedlichen Klinikenin Interviewform vorzustellen.INTERVIEW DRS-KLINIKBEAUFTRAGTEISchnittstelle zwischenDRS und den PatientenMiriam Volkwein, BG Unfallklinik Frankfurt am MainWie lange arbeiten Sie in IhremBereich und seit wann sind Sie DRS-Klinikbeauftragte?Miriam Volkwein: Im Bereich für Querschnittverletztearbeite ich seit März2019. DRS‐Klinikbeauftragte bin ich seitJanuar 2020.Was hat Sie motiviert alsKlinikbeauftragte zu fungieren undwelche konkreten Aufgaben sinddamit verbunden?Miriam Volkwein: Die Motivation entstandaus meinem Berufsfeld heraus, daich Sporttherapeutin bin. Bei uns in derKlinik wird im Moment vieles an Strukturenumgestellt, v.a. auch der Bereichfür Rückenmarksverletzte. Auch dasFeld des Rollstuhlsports während derKlinikphase und der sportlichen Inklusionnach dem Klinikaufenthalt sindzwei Projekte, die in diesem Umstellungsprozessbehandelt werden sollenund müssen. Hier sehe ich meinen größtenAufgabenbereich als DRS‐Klinikbeauftragte.Innerhalb des klinischen Sportprogrammswerden den Frischverletztenu. a. die vielenMöglichkeiten des Rollstuhlsportsvorgestellt. Wie wichtig ist aus IhrerSicht Rollstuhlsport für die Patientenin der Reha-Phase?Miriam Volkwein: Der Rollstuhlsportstellt in der Reha‐Phase einen wichtigenBaustein im Erlangen der Selbstständigkeitdar. Hier werden spielerisch dieverschiedenen Elemente des Fahrtrainingseingebaut, ohne sich konkret daraufkonzentrieren zu müssen, wie inder Einzeltherapie. Ohne darüber nachzudenkenwerden oft Bewegungen möglich,die sonst nicht umsetzbar wären.Die Aktion in der Gruppe lenkt von vielenSorgen, Ängsten, aber auch Schmerzenin der derzeitigen Situation ab undhilft den Patienten einfach mal »zu vergessen«und Spaß zu haben.Welche Sportarten bieten Sie inIhrer Klinik schwerpunktmäßig anund welche werden besondersnachgefragt?Miriam Volkwein: Wir bieten verschiedenenSportarten an, u. a. Basketball,Handball, Hockey, Bogenschießen,Tischtennis, Tennis und kleine und großeSpiele. Besonders gut kommen Basketball,Handball und Tischtennis an.Wie haben sich aus Ihrer Sicht dieAufenthaltsdauer und die Qualitätder sporttherapeutischen Erstbehandlungin den letzten Jahrenentwickelt? Was kann, was sollte eineKlinik leisten?Miriam Volkwein: Es ist eine positiveEntwicklung zu beobachten. Vor allembei uns hier in Frankfurt ist nun derSport seit März 2019 fest in dem Bereichfür Rückenmarkverletzte integriertworden. Natürlich ist noch sehrviel Luft nach oben, was Therapiestrukturenund ‐inhalte angeht. Aber wir sindda auf einem guten Weg.Eine Klinik sollte vor allem über dieEntlassung hinaus, den Kontakt zu verschiedenenSportangeboten und ‐vereinenschaffen, damit der Patient die Möglichkeitender sozialen Teilhabe über16Sport + Mobilität mit Rollstuhl 08/2020

KLINIK + SPORTFoto: Privatden Sport kennenlernen kann. Und umauch den Kontakt zu anderen Rollstuhlfahrernzu erhalten. Denn oftmals stehendie Patienten nach der Entlassungalleine da und finden schwer den Kontaktzu Gleichgesinnten. Hier kann derSport und die Begeisterung an Bewegungdie Verbindungsstelle sein.Eine hohe Motivation, auch nach derEntlassung regelmäßig Sport zutreiben, ist wichtig. Wie gelingt es,diese Motivation zu fördern?Miriam Volkwein: Meistens schafft dieseMotivation die Gruppendynamikwährend der Therapie. Man hat gemeinsameErlebnisse, über die man lacht unddie man miteinander teilt. Man kommtmit Leuten ins Gespräch, mit denen mansonst wenig redet und tauscht sich überdie gleichen Dinge aus. Man findetGleichgesinnte, die die gleichen Probleme,Ängste, Sorgen, Schmerzen haben.Man fühlt sich auf einmal nicht mehr alleine.Man hat was zu tun und liegt nichtmehr um 15.00 Uhr im Bett. All solcheDer Rollstuhlsport stellt in der Reha-Phaseeinen wichtigen Baustein im Erlangender Selbstständigkeit dar. Hier werdenspielerisch die verschiedenen Elemente desFahrtrainings eingebaut, ohne sich konkretdarauf konzentrieren zu müssen, wie in derEinzeltherapie.Sätze habe ich schon gehört, warum diePatienten dann doch den Spaß am Rollstuhlsportentwickelt haben.Seit gut zehn Jahren gibt es dasProjekt ›richtig mobil‹, bei dem jederDie BGUnfallklinikin Frankfurtam Main.MIRIAM VOLKWEINEntlasspatient einen Rucksack mitvielfältigen Angeboten bekommt.Welche Potenziale sehen Sie indiesem Projekt?Miriam Volkwein: Ich glaube, dass eswichtig ist dieses Projekt von Klinikseitemit aktiven Aktionen zu unterstützen.Allein das Lesen von Infobroschürenwird wenig dazu führen, dass Patientenaktiv z.B. den Weg in den Sportvereinfinden. Eine enge Zusammenarbeit mitortsnahen Vereinen und regelmäßigenAktionen, können das Projekt noch weitervorantreiben.Foto: BG Unfallklinik Frankfurt/kai abreschVerzahnung von Akut- und Rehamedizinn Als medizinische Einrichtung dergesetzlichen Unfall versicherung versorgtdie BG Unfallklinik Frankfurt amMain Menschen nach Arbeits unfällenoder wegen einer Berufs krankheit –mit allen geeigneten Mitteln. Dabeientwickeln wir für jeden Versichertenein individuelles Therapie konzept undbegleiten ihn auf Schritt und Tritt biszurück in den Beruf und Alltag.Gleichzeitig ist die Klinik aber auchverantwortlich für die Gesund heits ‐versorgung der Gesamt bevölkerung.Die BG Unfallklinik Frankfurt am Mainsteht daher auch Patienten aller anderenKranken versicherungen offen. Außerdemarbeitet sie gemein nützig undreinvestiert sämtliche Gewinne in dieSicherung und den Ausbau ihrer medizinischenLeistungs angebote. Trägerder Klinik sind die gewerblichenBerufs genossenschaften und Unfall ‐kassen.Quelle: www.bg-kliniken.de/unfallklinik-frankfurt/Die Klinikbeauftragten sind gutvernetzt und tauschen sich inregelmäßigen Treffen aus. WelcheProjekte/Ziele konnten bereitsumgesetzt werden, wo besteht nochHandlungsbedarf?Miriam Volkwein: Diese Frage kann ichleider nicht beantworten, da ich noch ankeinem dieser Treffen teilgenommenhabe.Welche Sportart interessiert Sie undwas sind Ihre eigenen sportlichenZiele?Miriam Volkwein: Meine Hauptsportartist das Powerlifting, dazu gehört natürlich,ganz nach dem Motto: »Höher,schneller, weiter« immer mehr Gewichtzu bewegen.Vielen Dank für das Gespräch.Sport + Mobilität mit Rollstuhl 08/2020 17

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