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Sport + Mobilität mit Rollstuhl 09/2020

Informationsschrift des Deutschen Rollstuhl-Sportverbandes

ROLlIKIDS.DEText/Fotos:

ROLlIKIDS.DEText/Fotos: Klaus D. HerzogEinmal im Jahr erscheintdas Schwerpunkt‐Heftder DRS‐Rollikids – immerzur Reha‐Messe imSeptember – da geht’s schon los: KeineMesse dieses Jahr – seit einem halbenJahr gefühlter Stillstand? – Umbruch,Veränderung, Neuausrichtung …Jetzt, da ich diese Zeilen schreibe,geht der Blick zurück. Genau vor einemJahr war ich mit Violetta auf dem Wegnach Litauen – als ›skilled volunteer‹der Malteser und als Botschafter desDRS. Es war eine ganz besondere Aufgabe,mit tollen Begegnungen und herausragenden,sehr außergewöhnlichen undschönen Erfahrungen. »Ja, gerne kommenwir wieder und ihr zu uns. Gegenseitigvoneinander lernen und profitieren.Ačiū – Danke – es war wunderbar!«Es wäre so schön gewesen.ES KAM ALlES ANDERSIN DIESEM JAHRNach unserer Rückkehr folgten: die Paraskating‐WMin Köln, die Vergabe derLebensspur‐Auszeichnung im Geißbockheimdes 1. FC Köln, der Besuch imBundesgesundheitsministerium und dieRollisport‐Demonstration am BrandenburgerTor anlässlich des ›Word SpinalCord Injury Days‹ in Berlin, die Rehacare‐Messein Düsseldorf mit tausendenBesuchern und dem Rollikids‐Parcours,die ›Big Family Games‹ in Troisdorf, die50‐Jahr‐Feier des RSC Köln, die Swiss‐Handicap‐Messe in Luzern, die Sportausschuss‐Sitzungim Hohenwart Forumin Pforzheim usw., usw.. Und zumkrönenden Jahresabschluss und wunderbarenNeustart ins Jahr 2020 die Aktivwochenim Hotel Mar Y Sol auf Teneriffa.»Same procedure as last Year – sameprocedure as every Year.« Diesmalleider nicht. Es kam alles ganz anders –Großveranstaltungen unvorstellbar,Rummelplatzgedränge – lässt michschaudern – es ist nichts mehr so, wie esVON STILLSTAND UND NEUEN ZIELENI»Es wird niemehr sein, wiees war…?!?«Die Corona-Pandemie und die damit verbundenenEinschränkungen haben auch den organisiertenSport hart getroffen. Die Unsicherheit ist groß, obdie schrittweise eingeführten Lockerungen aufDauer Bestand haben werden. Der Jahresbericht derRollikids fällt in diesem Jahr daher ganz anders ausals sonst.20Sport + Mobilität mit Rollstuhl 09/2020

Da war die Welt noch in Ordnung:Klaus D. Herzog (r.) in Litauen 2019.Körperkontakt sollte inCorona-Zeiten eher vermiedenwerden – Zusammenhalt undSolidarität, wie sie dieses Bildsymbolisiert, sind dagegenumsomehr gefragt.war! Nach ersten Covid19‐Fällen in einemHotel an der Costa Adeje wird dieInsel Zug um Zug von Touristen geleertund von Ende Februar bis Mitte Märzmüssen alle Langzeit‐Überwinterungsgästebis auf vier Ausnahmen das Hausverlassen. Es sind gespenstische Videos,die uns danach erreichen. Leere Strände,leere Straßen, patrouillierende Polizei,voller Lockdown.Wir, die schon wieder in Deutschlandsind, sind verunsichert. Noch haben wirKarneval gefeiert und plötzlich sind dieHochburgen des Frohsinns – Heinsberg,Aachen, Köln – auf einmal Hochrisikogebiete– ›Hotspot‹ bekommt eine gänzlichneue Bedeutung. Was nur für China undeinige Dörfer in Norditalien möglichschien, ist ganz nah gekommen. Quarantäne,Kontaktsperren, Abriegelungen,Lock down – (Pffffffffffffffffffffffffff, dieLuft ist raus, wie aus einem Luftballonmit einem riesigen Loch).Sicherheitshalber sagen auch wirSchulprojekte ab – sind doch unsereÜbungsleiter*innen nun nicht mehr nurtolle Vorbilder, sondern ›Hoch‐Risikogruppe‹.Die Fachbereichs‐Sitzung erstim Herbst 2019 verlegt auf März 2020muss wieder abgesagt werden. Nebenden Fragen zu Gefährdungen stellensich die Fragen zu den Inhalten – »Wiekann, wie soll, wie wird es weiter gehen?«– und zu den Ausfallgebühren.DIE GESELlSCHAFT HÄLT DENATEM AN – VON 100 AUF NULlDie Politik reagiert »mit allen Waffen!« –naja vor allem mit Geld – sehr viel Geld,EU‐weit. Schulen werden geschlossen,Kontaktsperren, absoluter Ausnahmezustand.So etwas hat es seit Menschengedenken(außer eben im Krieg) nichtgegeben. Alltagsmasken (Mund‐Nasenschutz)werden zur Pflicht, Reisewarnungenund ‐sperren, Rückholaktionenund das alles weltweit – bis auf wenigeAusnahmen, die sich später aber aucheines Besseren belehren lassen mussten.Die Medien sind geflutet und überschwemmtmit Zahlen, Daten, Faktenund Bildern, schrecklichen, Angst einflößendenBildern – ich merke, mir wirddas viel zu viel, ich bin damit überfordert.Im Fernsehen nur Schrecken undTod – und in der Natur? Wir haben einFrühjahr des Lebens und der Kraft, mitJetzt heißt es in vielen SituationenMund-Nasen-Schutz anlegen, umandere zu schützen.einem Kondensstreifen‐freien Himmel,wie seit 50 Jahren nicht mehr. Ich marschiere,jogge, radele auch wie seit Jahrennicht mehr.Veranstaltungen werden abgesagt,Fußballspiele werden zu Geisterspielenvor leeren Rängen – und das IOC? Es zögert,die Paralympischen Spiele in Tokioabzusagen – erst durch mutige Sportler*innen,die aus der Deckung gehen,Stellung beziehen, ihr langjährigeshöchstes Ziel, die Teilnahme an denolympischen Spielen, wichtigeren, diegesamte Menschheit betreffenden Zielenunterordnen und ihren Verzicht erklären.Die Krankenhäuser stellen Operationenein, halten Betten für Intensivpflegefrei – je nach Weltsicht sagt man »ohGott« – oder »oh je«, was wird da nochkommen, wie kann das weiter gehen.Was für den Einen Beschwichtigung ist,wird für den Anderen zu Panikmache.Die extremen Meinungen bestimmendie Straße, die ruhigen Töne werdeneher nicht gehört – sie bestimmen aber(zum Glück) das Geschehen.Es werden pragmatische Lösungengesucht, auch bei uns im Rollisport. Online‐Fitnessoder Gymnastik im Park –Distanz wird die neue Nähe – eine Weltim Umbruch.Sport + Mobilität mit Rollstuhl 09/2020 21

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