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Sport + Mobilität mit Rollstuhl 09/2020

Informationsschrift des Deutschen Rollstuhl-Sportverbandes

ROLlIKIDS.DEWas mit den

ROLlIKIDS.DEWas mit den Winter-Aktiv-Wochen aufTeneriffa wird – hier ein Bild aus demvergangenen Jahr – steht nach wie vorin den Sternen.Zum Glück kenne ich in meinem persönlichenUmfeld keine schweren Fälle derPandemie oder gar Todesfälle. Ich weißvon ein paar Mono‐Skifahrern, die sich(mit unterschiedlichen Verläufen) infizierthatten. Ich selbst glaube, dass wirerst in einigen Jahren die Situation einigermaßenobjektiv beurteilen werdenkönnen. Bis dahin gilt es, vorsichtig zusein, Sicherheitsabstände zu wahrenund vor allem die Nerven zu behalten.Es ist eine große Herausforderung, fürmich eine der größten nach meinem Unfall(vor 40 Jahren 1980) und Tschernobyl(1986). Und es gibt auch noch andereschlimme Krankheiten und Todesfälle– auch im Umfeld bzw. mittendrin beiden Rollikids – dann jemandemn beizustehen,im Arm zu halten, Trost zu spendenbekommt eine ganz neue Dimensionund Verantwortung bzw. Abwägungund macht ggf. große Verunsicherung.Bei Assistenz und Pflege kann und darfman nicht auf Nähe verzichten. Ja, esgibt auf einmal ganz andere systemrelevanteBerufe als die Automobilindustrie– doch die werden bei weitem schlechterbezahlt. Auch hier sind neue Systemabstimmungenvon Nöten.EVENTS ABGESAGT ODER UNTERVORBEHALT GESTELlTSeit Mitte März sind in meinem Terminkalenderalle Veranstaltungen gestrichen.Dachten wir zunächst, wir könntenden ›Wheelchair Skills Day‹ am10.10.2020 in Köln halten, so mussteauch der gecancelt werden. Ebensowurde die Rehacare in diesem Jahr abgesagt,die Aktivwochen am Gardaseeund so viele andere Aktivitäten mehr.Was mit den Winter‐Aktiv‐Wochenwird, steht nach wie vor in den Sternen.Gerade die Tage (Anm. d. Red.: Ende August2020) wurde für ganz Spanien undhier vor allem für die Balearen eine erneuteReisewarnung ausgesprochen. Sokann das sehr schnell auch die Kanarenbetreffen. Und in ein Flugzeug mag ichmich zurzeit guten Gewissens auchnicht setzen.So gilt es (für mich) nun langsamneue, einem wohltuende Umgehensweisenzu finden. Wieder Boden unter dieFüße bzw. die Räder zu bekommen undden Kopf nicht in den Sand zu stecken.Den Alltag neu einzurichten. Im persönlichenwie eben auch bei den Rollikids.Im März hatten wir als Ersatz für den›R OMeo‹ nach über einem dreiviertelJahr Vorlauf unser neues Auto bekommen(s. Seite 27), das dann erst malzwei Monate beim Händler stand, weildie Zulassungsstelle andere Aufgabenzu übernehmen hatte und die Umbaufirmaauf Teile aus Italien warten musste.Inwieweit die Schulprojekte nachden Ferien wieder anlaufen können, istnoch ungewiss. Wir haben unseren Fundusdurchgecheckt, einiges ausgemistet(z. B. den ersten Sitz‐Segway‐Prototyp),anderes weiter gereicht (ein Handbikeging nach Augsburg, ein Swiss‐Trac nachRegensburg und unser großer Anhängerkonnte Hilfsdienste in Hamburgleisten).Dass die Mobikurse abgesagt werdenmussten, ist besonders traurig, da geradehier dem Nachwuchs eine großeChance genommen wurde. So gilt esnun, pragmatische und strukturelleNeuausrichtungen zu kreieren. So wirdderzeit die Website der Rollikids(www.rollikids.de) inhaltlich, optischund technisch überarbeitet, damit manauch mit dem Smartphone unsere Infosmobil abrufen kann. Schade ist, dasshier in Zukunft Mihai nicht mehr so aktivdabei sein wird, die Seiten zu pflegen– aber als Berater und Stütze im Hintergrundbleibt er uns auch in seinem Ruhestanderhalten. Zum anderen bekommtdie gute alte ›Mund‐zu‐Mund‐Propaganda‹ (oder muss das nun ›Maske‐zu‐Maske‹heißen?) wieder ganz vielGewicht. Gegen die Isolation, gegen dasEinzelkämpfertum – Hilfe durch Selbsthilfeund Solidarität. Der große Vorteil –und das meine ich ernst – der Rollifahrer*innenist, dass wir uns gegenseitigerkennen. Sprecht Euch an, tauschtEuch aus. Nur so kommen wir gestärktin die Zukunft. Wie sagt Raúl Krauthausenso schön: »sozial‐is‐muss!«ZAGHAFTER NEUBEGINnMIT HYGIENEVORSCHRIFTENDie ersten Veranstaltungen, auch inHaus und Halle, beginnen vorsichtig unterstrengen Auflagen und Beobachtungwieder. Erste Highlights der ›neuen Normalität‹waren beispielsweise dasSchulter‐Seminar in der Manfred‐Sauer‐Stiftung oder der Probelauf der NürnbergerRolli‐Schaukel (s. Seite 28), sowieUtes Fortbildung in Österreich (s.Seite 34). Was mit meiner Übungsleiterscheinverlängerungin Bayern wird,sollte bis zur Drucklegung dieses Heftesentschieden sein.So wünsche ich nun allen Lesern einegute Zeit – bleibtses gsund! Pax et Bonum.| Klaus D. Herzog22Sport + Mobilität mit Rollstuhl 09/2020

DANK FÜR VIEL ENGAGEMENTUND FINANZIELlE HILFEVon den Firmen und Unterstützern habeich noch gar nicht geschrieben. Ichdenke, jede Branche hat die Krise anderszu meistern. Hatte ich am Anfanggroße Sorgen, dass der Hilfsmittelmarkt,gerade für Katheter, Handschuheetc., aus Mangel an Zulieferproduktenoder Erkrankung der Mitarbeiter zusammenbrechenkönnte, so war dies janur in ganz speziellen Ausnahmefällenein Problem und wie ich meine, ist diesgut überstanden worden.Alber ist am Höhepunkt der Krise inseine neuen, größeren Firmengebäudeumgezogen und ich war mehr denn jemit dem E‐motion unterwegs.Die Fahrrad‐ und E‐Bike Brancheboomt angeblich, dass sollte Schwalbefreuen und gut tun.Viele kleine Unternehmen brauchenbestimmt dringend Hilfen und Unterstützung,so sollten wir alle sehen, wieund wo und wem wir wie helfen können.Nicht weniger wichtig sind natürlichall die Menschen, mit denen wir intensivzu tun hatten. Telefonate, WhatsApp,E‐Mail, Videokonferenzen – virtuelle sozialeKontakte und Hilfen der Kollegenund Kolleginnen des Fachbereichs, unserFinanzvorstand Jean‐Marc Clément,die Leute der Bundeszentrale in Hamburg,der DRS‐Geschäftsstelle in Duisburg,hier vor allem Christina Hankamerund Daniel Jakel und last but notDavid Lebuser, 4ma3ma Hamburgleast Gregor Pleßmann, der unseren öffentlichenAuftritt durch die Zeitung, diverseFlyer und mal eben dies und maleben das erledigt. Danke an dieser Stellean Alle. Ohne Euch gäbe es die Rollikidsso nicht – wir sind näher zusammen gerutscht.Durch die vielen Veranstaltungsabsagenwar die finanzielle Situation derRollikids dieses Jahr, ich möchte mal sagen,sehr übersichtlich. So gilt unserDank all den Firmen, die uns vor demLockdown noch unterstützt hatten.Dies waren auch in 2019/20 in besonderemMaße die Ulrich Alber GmbH,die Firma Ralf Bohle GmbH/SCHWAL-BE, PRO ACTIV Reha-Technik und Teleflex.Wir sind sehr froh, dass die Verbindungen,die über viele Jahre gewachsensind, voller gegenseitigem Vertrauenund Achtung sind. Ohne Euer Engagementkönnten die DRS‐Rollikids keineso wertvolle Arbeit leisten.Wie die finanzielle Situation auch beiden Rollikids in den kommenden JahrenKlaus D. Herzog im November 2019 mit Bernd Engels (r.) von der Firma alber, dieseit mehreren Jahren die Arbeit der Rollikids unterstützt.aussieht, kann wohl noch niemand abschätzen.Solidarität, Mitmenschlichkeitso wie ausgleichende Unterstützungenund Hilfen werden mehr denn je benötigtwerden. Sollte also jemand dies lesen,der noch Kapazitäten im SocialSponsoring frei hat, so kann ich gernepersönlich vor Ort die DRS‐Rollikidsvorstellen und Projekte nennen, wonoch Hilfe von Nöten wären.Beim Reparieren unseres Fundushalfen uns wieder ganz super toll dieKollegen von der 4ma3ma aus Dortmund,Köln und Hamburg. Wir werdenauch in Zukunft wieder gute gebrauchteoder auch neue Rollis für unsere Arbeitund Hilfen beim Reparieren brauchen.Also scheut Euch nicht, uns anzusprechen,wenn ihr helfen könnt.Weiterhin möchten wir uns bei derRechtsanwaltskanzlei Hartmann undhier im Besonderen bei Jörg Hacksteinund der Jever Skihalle in Neuss bedanken.Für die Unterstützung der Handbike‐Kursebeim Deutschen Verkehrssicherheitsrat(DVR); für den Schnellfahrkursbei der Annemarie und HelmutBörner Stiftung, bzw. der StiftungDeutscher Rollstuhlsport. Hierfür vielenDank.Ein ganz besonderes Dankeschöngeht auch dieses Jahr wieder an die Besitzer›unserer Scheune‹ in Bödingen –ohne Euer Entgegenkommen wären wiraufgeschmissen, wohin mit den gut 50Rollstühlen und diversen anderenKlein‐ und Großmaterialien?So wollen wir mit neuem Mut undneuen Ideen in die nächste Saison starten.Also wenn Ihr Action wollt, Ihr Rollikids,dann schaut auf unsere Seitewww.rollikids.de. Noch besser aber, Ihrmeldet Euch direkt und macht irgendwomit – wir freuen uns Euch zu sehen undvon Euch zu hören.Klaus D. HerzogSport + Mobilität mit Rollstuhl 09/2020 23

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