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Sport + Mobilität mit Rollstuhl 09/2020

Informationsschrift des Deutschen Rollstuhl-Sportverbandes

ROLlIKIDS.DEFoto: Simone

ROLlIKIDS.DEFoto: Simone ZimmermannABSAGE ALLER GEPLANTEN TEAMAKTIVITÄTENIUnd dann kam Corona …2020 aus Sicht des Nachwuchses im Rollstuhl-SchnellfahrenRollstuhl‐Schnellfahren gehörtzur Leichtathletik. DieRollstühle, die dabei zumEinsatz kommen, sindSportrollstühle, die speziellaufgebaut sind. Damit können unsereRollstuhl‐Athleten deutlich schnellerfahren, wenn sie die Technik beherrschenund gut trainiert sind. Dieseschnellen Rennen faszinieren viele Menschenauf der ganzen Welt und damitwir in Deutschland auch in Zukunftnoch Wettbewerbe im Schnellfahren erlebenkönnen, gab und gibt es Lehrgängedes Fachbereiches Rollikids, sowohlzum Reinschnuppern mit geliehener›Ausrüstung‹ als auch zum gemeinsamenTraining für Geübtere. Wir habenein Nachwuchsprojekt zur Förderungder Schnellfahrer, das Nachwuchsteam›Go for Tokyo‹. Die Ziele: Teamgeist, sichgegenseitig weiterbringen – auch herausfordern,voneinander lernen undvor allem im Nachwuchsbereich vielSpaß am Sport, am Schnellfahren und inder Gruppe haben. Nachwuchsarbeit imRollstuhlsport geht auch über den Sporthinaus, Selbständigkeit wird thematisiert,mit Rat und Hinweisen gefördert.Neben den Lehrgängen ist auch dasKontakthalten mit Gudrun und HeiniKöberle über das Jahr möglich. Trainingshinweise,Verbesserungen derTechnik nach Videoanalysen, einfachauch mal ein Ohr für die jungen Schnellfahrerhaben, das gehört auch zur Nachwuchsarbeitder Köberles.Auch für 2020 waren wieder mehrereTrainingslager und Schnupperlehrgängegeplant – und dann kam Corona.Ein Blick zurück: Gerade eben gingdie Hallensaison zu Ende, gerade ebennoch ist ein Teil der Schnellfahrer in Erfurtzur Deutschen Hallenmeisterschaftgestartet, gerade eben gab es auch nochein spannendes Einlagerennen zum IS‐TAF‐ Indoor, da kam der Lockdown. Allegeplanten Team‐Aktivitäten im Frühjahrmussten abgesagt werden, gleichesgalt für die Wettkämpfe. Ein Treffen, gargemeinsames Trainieren rückte in diedie weite Ferne, die Saison schien gelaufen,jeder war zunächst auf sich alleingestellt.Die Schnellfahrer wohnen zwischendem Bodensee und den Deichen im Norden,sind somit über ganz Deutschlandverteilt. Nach einem kurzen Innehaltenund den ersten Möglichkeiten, daheimwieder außerhalb der eigenen vierWände zu trainieren, entstand aus demTeam ›Go for Tokyo‹ heraus eine eigene,besondere Dynamik. Trotz der Entfernungzwischen allen machten schnellAusschreibungen in Chatgruppen dieRunde. Die Idee der gemeinsamen Teilnamean virtuellen Straßenläufen entstandund wurde weiterverbreitet. Nachdem ersten Rennen dann auch schon dieFrage nach weiteren virtuellen Läufen.Zu den Höhepunkten im Frühjahr gehörtendabei neben dem ›Gold Coast30Sport + Mobilität mit Rollstuhl 09/2020

(virtual) Marathon‹ samt australischerTeilnahmeurkunde auch der ›Amtzeller12‐Stunden‐Lauf‹, einem Spendenlauffür Ärzte ohne Grenzen. Am Ende kamengemeinsam im Team stolze 740 Euroan Spendengeldern zusammen. (s.Ausgabe 08/2020). Es erwies sich auchin schwierigeren Zeiten: die Truppe,und dazu zählen auch die Eltern, ist einfachklasse.Und dann, ganz plötzlich, landete imJuli im Mail‐Postfach die Nachricht, dassdie ›Swiss‐Jun‹ in Nottwil doch stattfindenwerden. Und nicht nur das: Der Fördererdes Nachwuchsprojektes ›Go forTokyo‹, die Firma Invacare, unterstützteein dreitägiges Trainingslager zur Vorbereitungin Nottwil. Endlich einmalwieder gemeinsam auf der Bahn, imTeam trainieren. Die Kids und ihre Elternwaren Feuer und Flamme, Urlaubsplänewurden angepasst und so ging esAnfang August in die Schweiz.Das Wetter war auf unserer Seite –strahlender Sonnenschein im Traininggenauso wie am Wettkampftag selbst.Die Leistungen können sich mehr als sehenlassen. Die Nachwuchsschnellfahrerhatten über Winter, im Frühjahr und inCorona‐Zeiten richtig gut trainiert undwurden mit besten Ergebnissen belohnt.Gudrun Köberle/Simone ZimmermannGemeinsame Startübungen mit Trainer Heini Köberle (l.)SCHWEIZER JUNIORENMEISTERSCHAFTENI»ENDLICH WIEDER AM START«Team ›Go for Tokyo!‹ liefert neue Rekorde im RennrollstuhlfahrenFotos: Simone ZimmermannZieleinlauf über 100 m U23-Juniorinnenmit Merle Menje (r.).n Ihr erster Wettkampf im Corona‐Jahr 2020 ist gekrönt von vielen Erfolgen:Sieben junge Rennrollstuhl‐Athletenvom Team ›Go for Tokyo!‹ glänztenim Rennen gegen internationale Rennrollstuhltalentedurch Teamgeist, Fokusund absolute Bestleistungen. Das Ergebnis:zahlreiche Siegertreppchen‐Platzierungen für das Team und gleichdrei (inoffizielle) deutsche Rekorde.Im Rahmen der Schweizer Junioren‐Meisterschaft trafen sich die jungenRennrollstuhlathleten des Teams ›Go forTokyo!‹ schon drei Tage vor dem Wettkampftagzum gemeinsamen Training inNottwil: »Wir freuen uns riesig, dass wirendlich wieder im Team trainieren könnenund an den Schweizer Juniorenmeisterschaftenteilnehmen dürfen. Die superRennbahn, die ganze Anlage und derSpirit sind einfach beeindruckend – einabsolutes Highlight!« schwärmt TeammitgliedJulia Würthen voller Vorfreudeauf das Kräftemessen. Im Rahmen des›Jun‐SM/Orthotec Swiss WheelchairCup‹ kamen am 9. August 2020 internationaleSportler zusammen, um gegeneinanderanzutreten. Die Nachwuchssportler*innenriefen mit ihren schnellenRennrollstühlen in den Distanzenvon 100 m Sprint bis zu 1500 m MittelstreckeHöchstleistungen ab. Besondersfreute sich Teammitglied Merle Menjeüber drei deutsche (bis zur Anerkennungnoch inoffizielle) Rekorde über200 m, 400 m und 1500 m – weitereSpitzenleistung inmitten einer Hitzewellemit Temperaturen um die 30Grad.Zum Team ›Go for Tokyo!‹ gehörenJulia Würthen, Jannes Günther, FlorianWehmeier, Jakob Seidel, Merle Menje,Denis Schmitz, Simon Snieders mit Trainerund Motivator Heini Köberle.Quelle: Susanne Kerezsy /InvacareSport + Mobilität mit Rollstuhl 09/2020 31

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