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Sport + Mobilität mit Rollstuhl 10/2020

Informationszeitschrift des Deutschen Rollstuhl-Sportverbandes

DRS-WASSERSKI- UND

DRS-WASSERSKI- UND HANDBIKE-CAMPKirsten Bruhn, die erfolgreichste paralympischeSchwimmerin, machte auchauf dem Wasser eine gute Figur.»You made my week,Gerda and Co.!«Seit Jahren habe ich mirvorgenommen, verschiedeneSportarten, außer demSchwimmen, zu testen. So auchdie Sportarten Wasserskifahrenund Mountainbiken.In diesem Jahr sollte das dannauch endlich losgehen.Das Wasserski‐ und Mountainbike‐Camp,unter der Leitungvon Gerda Pamler warzunächst für Ende Juni 2020angedacht und geplant. Das war durchCorona nicht umsetzbar und so ist esauf den September verschoben worden.Mit großer Freude und auch Anspannungbin ich mit dem Pkw am 13. Septembervon Berlin nach Walchsee angereist.Gerda Pamler wollte ich schon längstmal kennengelernt und getroffen haben.Sie ist in der paralympischen Szene eineKoryphäe und so vielseitig und sportlichunterwegs, wie ich es mir nur wünschenund erträumen kann. Ohne dassich Gerda kannte, war ich schon ein Fanvon ihr.Für die Neulinge wie mich war amnächsten Tag ab 9:00 Uhr Anpassungdes Equipments angesagt. Also war ichpünktlich, wie man es als Athlet überdie Jahre gelernt hat, auch pünktlich ander Wasserskischule der Familie Karlam Walchsee zur Stelle. Gerda war natürlichschon da und hat Skier, Cagesund Co ordentlich aufgereiht und sortiert.Den Maßbogen hatten die Teilnehmermit der Anmeldung zum Camp verschicktund so war ich neugierig, in wasfür ein Gerät ich jetzt angepasst werdenwürde. Nach kurzer corona‐konformerund nicht weniger sympathischen Begrüßungging es los. Ich setzte mich indrei verschiedene Cages (so nennt manden Sitz, in dem man beim Wasserskiauf dem Ski sitzt und fährt). Leider passtekeiner wirklich, alle waren zu kleinbzw. ich zu breit. Meine Stimmung kippte,aber ich ließ es mir nicht anmerken.Nach außen war ich irritiert, nachdenklich,habe immer schön gelächelt, alsogute Mine zur gar nicht so angenehmenSituation gemacht. Als Gerda dann sagte,es nützt ja nichts und sie fährt nochmalin ihr Lager nach München zurückund holt einen passenden Cage, dachteich nur, Erdboden tue dich auf und lassmich in dir verschwinden. Gerda düstelos und mit verhaltener Stimme sagtedann Matthias (ein erfahrener und guterWasserskifahrer), »versuche dochmal meinen Cage«. Ich dachte nur, daspasst nie. Aber siehe da, ich flutschte hineinund der Cage von Matthias passte.Gerda konnte also umdrehen und sichdie Fahrt nach München sparen. ZumGlück!Als alles passte und ich startbereit imNeo auf dem Steg rücklings zum Wasserstand, noch einige Erklärungen undTipps von Gerda bekam, war ich megaangespannt. Mein Puls stieg und ichwollte unbedingt einen guten Start so‐28Sport + Mobilität mit Rollstuhl 10/2020

FACHBEREICHEwie auch eine gute erste und mehrereBahnen darbieten. In erster Linie fürmich. Mir beweisen, dass ich das irgendwiehinbekomme und natürlich auch füralle anderen.Das Element Wasser ist meins unddie Voraussetzungen und Rahmenbedingungenwaren perfekt. Die Gruppe,die Helfer, die Betreiber der Wasserskischule,das Wetter, der See und meinepersönliche Motivation sowieso. DasBoot fuhr los, die Leine wurde straff, ichgab das ›OK‹ – und was soll ich sagen?Ich bin direkt gestanden und Wasserskigefahren. Wie cool! Das hat so ein SpaßIch war verliebt, verliebt ins Wasserskifahren.Das hatte ich mir so schön nichtvorgestellt. Spaß pur, Herausforderungpur, Anstrengung pur, die schöne Naturpur und überhaupt – eine mega Erfahrung!Handbike fahren – was fürein ErlebnisNach zwei Tagen Wasserskifahren warich eingeteilt für das Mountainbike.Auch das habe ich als Flachlandtiroler(aus Schleswig‐Holstein kommend)noch nie gemacht und schon gar nicht inDas tat ich und von da an ging es richtiggut. Mein Gefühl für mein Mountainbikewurde besser und ich konnte sogar malnach links und rechts gucken und dieLandschaft und den Ausblick genießen.Ein Traum und Alois hat zwischendurchimmer mal gezeigt, wo wir gerade sindund wo wir noch ganz hoch und hinwollen.Nach rund zwei Stunden waren wirauf dem Wandberg / Gemeinde Rettenschössbeim Wirt, der ein Nachbar vonAlois ist. Mit lecker Radler saßen wir beseeltvom Ausblick und dem Erlebtenbei Sonnenschein zusammen.Kurz vor dem Start war die Anspannungam größten (l.). – Auch Handbike fahren (o.) war fürKirsten Bruhn völliges Neuland.gemacht und ich fühlte mich so gut dabei.Mein Grinsen war sogar für Gerda,die im Boot saß, für Stefan den Bootsführerund die liebe Helferin Sabine zuerkennen. Ich konnte mein Glück garnicht fassen. Und ganz ehrlich, wenn ichkeine Ohren hätte, hätte ich im Kreis gegrinst.Mit jedem weiteren Mal, das ich dranwar, bekam ich neue Aufgaben. DenStart, vom Steg rücklings ins Wasser fallenlassen, alleine versuchen. Das klapptedann auch. Oder zu versuchen hinterdem Boot von links nach rechts zu fahren.Das klappte zunächst besser nachrechts als nach links. Auch da hatte Gerdawieder erneut Tipps, wie ich michmehr nach vorne beugen und dann mitSchulter und Kopf nach links dirigierenund einlenken müsse. Auch das klapptedann bei den nächsten Versuchen immerbesser.so einer bergigen und schönen Landschaft.Um 9:40 Uhr waren wir bei AloisPraschberger in der Firma. Wir bekamendie Bikes zugeteilt, angepasst undeine kurze Einleitung der Technik unddes Fahrens. Nach ein paar Runden aufdem Firmengelände schwante mirschon einiges und vor allem die pureHerausforderung mit der Schalttechnik,den Bergen und mir selber. Oh je oh je!In meinem Leben bin ich weder als Fußgängernoch als Rollifahrer mit E‐UnterstützungBike gefahren.Alois, voller Zuversicht, dass wir dasalle schaffen, pfiff zum Start und los ginges. Schon nach den ersten 150 Meternleicht bergab, wurde mein Respekt nichtweniger. Nach dem ersten leichten Anstiegraste mein Puls und ich dachte dasüberlebe ich keine halbe Stunde mit denAuf und Abs. Dann bekam ich den Tippvon Alois, meinen E‐Antrieb zu erhöhen.Irgendwann mussten wir ja auch wiederhinab. Oh ha – das ging teilweise wirklichsteil, schnell und eng bergab. DieAnsage von Alois:, abwechselnd bremsen.Also links rechts im Wechsel, damitdie Bremsen nicht zu heiß werden.Tja, also mein Gehör hatte Alois undauch meinen Respekt. Wir haben es gutund schnell nach unten geschafft. Wasfür ein Erlebnis!Die ganze Woche war so, wie ich mirErholung vorstelle. Bissl Action, bisslSport und vor allem liebe und geselligeMenschen um mich herum. Dafür dankeich allen Beteiligten von Herzen und ichbin nächstes Jahr wieder dabei!You made my week, Gerda and Co!Tausend Dank.Kirsten BruhnSport + Mobilität mit Rollstuhl 10/202029

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