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Sport + Mobilität mit Rollstuhl 10/2020

Informationszeitschrift des Deutschen Rollstuhl-Sportverbandes

MENSCHENOne team,one

MENSCHENOne team,one dream –all the way to thesummit!Zu Besuch am Mt. Meruund bei den Rollikidsvon Haydom, Tansania8Sport + Mobilität mit Rollstuhl 10/2020

,,Für Füße istes schon nicht leicht.Aber für Räder istes wirklich hart,knüppelhart.JENS NAUMANNText: Jens Naumann | Fotos: Lars Wehrmann, Jens Naumann für Haydom friends e. V.Geschafft: Ina (m.) und Santos (r.)auf dem Gipfel des ›Little Meru‹ auf3820 Metern Höhe.Es ist heiß und es istmühsam. Es ist verdammtanstrengend.Schub für Schub die Einen,Schritt für Schrittdie Anderen. Und es sind viele Schübe,viele Schritte, sehr viele, sieben Stundenlang. Und da sind die Steine, große undkleine. Sehr viele Steine, sieben Stundenlang. Für Füße ist es nicht leicht, aber esgeht schon. Für Räder ist es hart, knüppelhartund dann wieder viel zu weich.Mal versinken sie im Matsch, mal bleibensie hängen. Eigentlich bleiben sieständig hängen, rollen ist hier schwierig,ganz schlechtes Terrain für Räder.Dazu die Steigung, sieben Stunden heute,sieben Stunden morgen, immer nurSteigung, steil und steinig. Dann dieNachtetappe und rauf auf den Gipfel beiSonnenaufgang, das ist der Plan.»One team, one dream – all the wayto the summit!« Alle machen sich Mut,alle packen mit an, alle sind zäh. Vor allemIna aus Stockholm, Santos aus Daressalam,Lisa und David aus Hamburg.Alle Anfang 30, alle keine Bergsteiger,aber alle zäh. Und so setzen sie Fuß vorFuß, Schub an Schub, sieben Stundenlang. Rauf auf den Mt. Meru in Tansania,mindestens auf den kleineren der beidenGipfel, genannt ›Little Meru‹. Fürsich selbst, wegen Spina bifida, für Haydom,für das ›House of Hope‹ und wegenTheresa. Theresa ist auch zäh, sehrsogar. Seit zehn Jahren setzt sie sich fürKinder mit Spina bifida und Hydrocephalusein, in Haydom, einem Krankenhausauf 1700 m Höhe irgendwo aufdem Land mitten in Tansania. Dafür hatsie den Verein Haydom‐Friends e. V. insLeben gerufen. Gemeinsam mit demVereinsteam aus Deutschland unterstütztder Verein die medizinische Versorgungund die Nachsorge der dort geborenenKinder mit Spina bifida.Hilfe für Kinder mit Spina bifidaund HydrocephalusMan muss die Schotterpiste nehmen,um dorthin zu kommen, die asphaltierteStraße hat schon vor zwei Stunden aufgehört.Herrliche Landschaft einerHochebene, viele Felder, es wachsenSonnenblumen, Kartoffeln, Mais. Dazwischeneinfache Hütten, mal ein kleinesDorf, immer wieder Kinder am Straßenrand.Sie schauen gebannt, gleich zweiJeeps mit Rollstühlen auf dem Dach, dashaben sie so auch noch nicht gesehen.Haydom ist ein kleiner Ort, der sichlinks und rechts der Schotterstraße ausbreitet.Noch vor dem Ortseingang liegtdas Krankenhaus, ein großes Geländemit vielen flachen Gebäuden, einigenBäumen und etwas Schatten. Der Einzugsbereich,den das Krankenhaus versorgt,ist groß, der Weg beschwerlich,als Krankenwagen dienen zwei Jeepsmit je einer Matratze im Laderaum.6000 Kinder werden hier jedes Jahr geboren,das ist mehr als in jeder deutschenEntbindungsstation. Dass sie mitSpina bifida, also einer angeborenenQuerschnittlähmung und einem Hydrocephaluszur Welt kommen, ist hier vergleichsweisehäufig. Es gibt keine Vorsorgemit Folsäure, kaum pränatale Diagnostik,keine Schwangerschaftsab‐Sport + Mobilität mit Rollstuhl 10/20209

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