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SaarLorLux Magazin Sommer 2024

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PR-Anzeigen ART&CULTUR 70 WELTGESCHICHTE Archäologie gibt Einblicke in römisches Militärlager aus dem Gallischen Krieg Seit 2006 befasst sich Professorin Sabine Hornung mit Landschaftsarchäologie, leitete viele Grabungen. Die Professorin für Vor- und Frühgeschichte wechselte 2018 von der Universität Mainz an die Universität des Saarlandes. Ihr Fokus liegt auf der Archäologie Ostgalliens – also unserer Großregion. Sie erforscht, wie der Mensch seine Umwelt über die Jahrtausende geprägt hat, wie er mit Krisensituationen umging, und beschäftigt sich epochenübergreifend mit Mobilität und Migration, Kultur- und Technologietransfer. Dafür betrachtet sie ganze Landschaften und ihre Entwicklung durch die Zeit. Im Jahr 2010 entdeckte die Archäologin Frau Prof. Dr. Sabine Hornung, nahe Hermeskeil eines der ältesten bekannten Römerlager, in dem zeitweise mehr als 20.000 Legionäre stationiert waren. Über Jahre hinweg erforschte die Professorin für Vor- und Frühgeschichte der Universität des Saarlandes das Militärlager. Sie konnte die Weltgeschichte um ein Puzzlestück zu Caesars Feldzügen im Gallischen Krieg gegen den Keltenstamm der Treverer ergänzen. Die Römer eroberten ihr Weltreich auf luftigen und robusten Marschsandalen. Und dabei verloren sie Eisennägel aus ihren Sohlen. Diese steckten im Leder wie Stollen in heutigen Fußballschuhen, gaben Halt auf unwegsamem Gelände und fielen irgendwann heraus oder verhakten sich im Steinpflaster: so auch nahe Hermeskeil, 30 Kilometer südöstlich von Trier. „Solche Nägel sind für uns ein Indiz, um eine Fundstelle in eine bestimmte Zeit einzuordnen. Denn die Form dieser Nägel änderte sich und ist jeweils typisch für eine bestimmte Zeitspanne“. Wir haben etwa 90 Eisennägel zwischen den Platten eines Steinpflasters gefunden“, sagt Sabine Hornung. Sie konnte sie einer geschichtlich überaus interessanten Ära zuordnen. „Wir konnten die Fundstelle nahe Hermeskeil als Militärlager identifizieren. Die Eisennägel, die wir fanden, haben einen Durchmesser von bis zu zweieinhalb Zentimetern, ihre Nagelköpfe sind zwar meist durch Abnutzung verrundet, ursprünglich aber waren sie spitzkonisch. Anhand dieser und anderer Funde wie Handmühlen und Keramikscherben konnten wir das Lager in die Zeit des Gallischen Krieges datieren“, erklärt Die Archäologin Sabine Hornung ist Professorin für Vor- und Frühgeschichte an der Universität des Saarlandes. Foto: © Thorsten Mohr/UdS SaarLorLux MAGAZIN

PR-Anzeigen Sabine Hornung. Also: in die Zeit der Eroberung Galliens durch Julius Caesar, als der römische Feldherr seinen Krieg gegen aufsässige Gallier führte. Die Forscherin und ihr Team konnten die Funde in den historischen Hintergrund einordnen und rekonstruieren, was sich vor über 2000 Jahren an dieser Stelle und in der Region zugetragen hat. Dabei förderte sie neue Erkenntnisse zutage, die dazu beitragen, Caesars Gallischen Krieg besser zu verstehen. Mit ihren Forschungen konnte sie die bekannte Geschichte um neue Puzzlesteine ergänzen. Voraussichtlich noch im Jahr 2024 wird sie ihre vollständigen Forschungsergebnisse zum Militärlager der Öffentlichkeit vorstellen und in einem Buch veröffentlichen. Ein Stück dieser neu ans Licht gebrachten Weltgeschichte können Interessierte in einer „Traumschleifchen“-Wanderung des Landkreises Trier-Saarburg im Naturpark Saar-Hunsrück erleben. Sabine Hornung erarbeitete hierfür in Kooperation mit der Tourist-Information der Nationalpark-Verbandsgemeinde Hermeskeil sowie der Stadt Hermeskeil mehrere Infotafeln: An verschiedenen Stationen auf dem Rundwanderweg kann man mehr erfahren über die Forschungsergebnisse zum Militärlager – Rekonstruktionszeichnungen geben einen Eindruck, wie es ausgesehen hat. Auch über die Feldzüge, das Lagerleben der Soldaten sowie über keltische Hügelgräber im Umfeld informieren die Tafeln. „Bei dem Militärlager handelt sich um ein temporäres Lager, das die Römer im Rahmen einer aktiven Militäraktion um die Mitte des ersten Jahrhunderts vor Christus errichteten“, erklärt Sabine Hornung. Aus dem Fundmaterial konnten sie und ihr Team schließen, dass das Lager außerdem in einer zweiten militärischen Kampagne nach dem Sommer 52 vor Christus besetzt war. „Das Lager wurde also in zwei Phasen genutzt, in der zweiten wurde das Lager umgebaut und verkleinert“, sagt die Archäologin. Die Größe des Lagers zeigt, dass die hier stationierten Truppen durchaus die militärische Schlagkraft vorzuweisen hatten, um aufständische Treverer zu unterwerfen: Insgesamt umfasste das Areal des Militärlagers 30,7 Hektar, das entspricht einer Größe von etwa 43 Fußballfeldern. Ein solch großes Lager zu versorgen, war eine Mammutaufgabe. „Hierzu mussten die Truppen auf Vorräte aus den treverischen Siedlungen zugreifen“, sagt die Professorin für Vor- und Frühgeschichte. Für die Bevölkerung vor Ort muss die Nachbarschaft zum Militärlager ein Albtraum gewesen sein. „Für die Bewohner der Region, die umliegenden größeren Siedlungen und Höfe hatte dies alles gravierende Konsequenzen“, sagt Sabine Hornung ART&CULTUR 71 Bilder zum Militärlager Hermeskeil: Einen Plan der Fundstelle, ein Grabungsfoto des Laufhorizontes in einem der Lagertore (zwischen dem dort verlegten Steinplatten hat sich ein römischer Schuhnagel verhakt) und dann noch den Schnitt eines Feldbackofens (in dem rot verfärbten gepflasterten Bereich wurde gebacken, dahinter liegt eine schwärzlich verfärbte Aschengrube von ursprünglich rechteckiger Form, die hier schon geschnitten ist SaarLorLux MAGAZIN