ANTRIEB Da geht’s rein Das Inklusionstaxi noch in zivil INKLUSIONSTAXI FORD TOURNEO CUSTOM IM TEST Auch ohne Rollstuhlausstattung ist der Ford im Kleinbus-Format ein gutes, günstiges Großraumtaxi. Mit Heckausschnitt und Rampe ist er fast universell einsetzbar. Unternehmen, die über entsprechende Großraum-Fahraufträge verfügen, können ihr Angebot mit der Rollstuhlausstattung erweitern. Um mit dem Ford Tourneo Custom irgendwo auf Fahrgäste zu warten, ist der Aufwand zu groß. Nicht vom Preis her. Er kostet kaum mehr als die im Taxigewerbe gebräuchlichen Luxuslimousinen. Größe, Gewicht und Bauform sorgen für einen Diesel-Verbrauch von knapp 10 l/100km. Das geht mit anderen Autos günstiger, ist aber für einen echten Neunsitzer mit großem Gepäckabteil ganz gut. Seine TAXIBETRIEB SUCHT MITARBEITER FÜR VOLL- UND TEILZEIT ODER ALS AUSHILFE BEZAHLUNG bis 50% brutto +200,- € Altersvorsorge & URLAUBS- KRANKENGELD Kreditkartenleser Rufsäulenchip Flughafentransponder Navi und Klimaanlage FUNK Würfel WBT MyTaxi Bärchen ABLÖSE Steglitz Schöneberg Tempelhof «Ein freundlicher Umgang miteinander gehört bei mir dazu!» TAXIBETRIEB MARKUS TAMPFEL Tel.: 0163 88 77 224 E-Mail: markus@tampfel.de 130 PS haben erst bei voller Zuladung Sinn. Das leere Auto braucht die nicht. Es gibt ihn auch mit kleinerem Motor. Solche Kleinbusse sind meist mit Fenstern und Sitzen versehene Kleinlaster und haben als solche ein recht rustikales Fahrverhalten. Nicht so der Ford Tourneo Custom. Er fährt erstaunlich zivilisiert, was für die Behindertenbeförderung ein echtes Plus ist. Der Innenraum ist praktisch gestaltet, ohne Firlefanz. Die Vordersitze lassen sich vernünftig einstellen. Hinten sind immerhin die Lehnen verstellbar (alles mechanisch, ohne Stellmotoren). Um den Einstieg freizugeben, müssen Sitze im Fond um- und weggeklappt werden. Das geht sehr einfach mittels auffälliger, roter Schlaufen. Idiotensicher! Hinten sind die Dreipunktgurte in die Sitze integriert. Kein Rumgebammel und Geklapper. Vorbildlich! Heizung und Klimaanlage lassen sich von den Fondsitzen aus über Schalter im Dachhimmel separat einstellen. Auch das ist vorbildlich. Der Einstieg durch die Schiebetüren geht dank sinnvoll angebrachter Haltegriffe und Trittstufe. Vorn ist es für weniger bewegliche Fahrgäste eine Kletterpartie. Der Fahrer sollte auf alle Fälle aussteigen und behilflich sein, auch wegen der Schiebetüren, die für unbedarfte Fahrgäste immer ein Problem sind. Für einen Fahrer, der Menschen mit Behinderung fahren will, ist das sowieso selbstverständlich. Die Rollstuhlausstattung besteht aus einem Heckausschnitt mit Klapprampe, einer Kopf- und einer Rückenstütze für den Rollstuhlinsassen und diversen zusätzlichen Haltegurten. Die dritte Sitzbank ist voll erhalten. Zum Rollstuhltransport wird sie nach vorn FOTOS: Wilfried Hochfeld / Taxi Times 28 DEZEMBER/ 2017 TAXI
ANTRIEB TOYOTA PROACE JETZT AUCH ALS ROLLI-TAXI Im Rahmen eines Hybrid-Symposiums wurde der Toyota Proace als Inklusionstaxi vorgestellt. Gezeigt wurde die kurze Version mit Heckausschnitt und Klapprampe, den obligatorischen Haltesystemen sowie Kopf- und Rückenstütze für den Rollstuhlfahrer. Anstelle der dritten Sitzbank war hier ein Dreh-Klappsitz eingebaut. Ein weiterer wäre möglich. Der Proace fährt wie alle bislang angebotenen Rolli-Taxis mit Diesel. Allerdings soll die Behindertenbeförderung laut Umweltministerium von etwaigen Dieselfahrverboten ausgenommen werden. wh zusammengeklappt. Bei Bedarf und Platz kann ein Sitz stehen bleiben. Das Ganze macht einen soliden Eindruck und lässt sich mit ein wenig Übung leicht bedienen. Die Rampe ist mit einem einzigen Hebel auf-, hoch- und zusammenzuklappen. Die Haltegurte für den Rollstuhl arretieren vorne elektrisch, hinten per Drehknauf. Die Befestigungspunkte der Gurte sind durch die Platzverhältnisse des Autos vorgegeben. Und hier gehen Eine Kopfstütze sichert zusätzlich. die Nickeligkeiten in der praktischen Nutzung los. Unsere Inklusionstaxi-Testperson, Frau Münzel, eine erfahrene Sonderfahrdienstnutzerin, hat sich auch diesmal wieder zur Verfügung gestellt, das Test- Auto auszuprobieren. Sie ist eher klein und fährt daher einen recht kleinen E-Rollstuhl. Schon der ließ sich mit den vorgesehenen Gurten nicht mehr optimal festmachen. Selbst kleine E-Rollstühle sind länger als die ohne Antrieb. Die Befestigungspunkte im Auto sind dafür nicht weit genug auseinander. Wie man das mit den verfügbaren Gurtrollen, die selbst einigen Platz wegnehmen, lösen könnte, ist ein Rätsel. Das Angurten der Person im Rollstuhl geht einigermaßen, hier unter tätiger Mithilfe von Frau Münzel. Eine Höhenverstellung des Schultergurts wäre wünschenswert. Ebenso wenig lässt sich die Kopfstütze an die Ausmaße des Fahrgastes anpassen. Die Behinderten-Einbauten von Kirchhoff Mobility sind überdurchschnittlich gut und entsprechen dem Stand der Technik. Etwas Besseres ist für einen vertretbaren Preis kaum zu bekommen; trotzdem bleiben Wünsche offen. Kirchhoff baute hier eine Kopf- und Rückenstütze ein, obwohl die nicht vorgeschrieben sind. Prinzipiell tragen sie sehr zur Fahrgastsicherheit bei, denn Rollstuhlrückenlehnen bieten im Auto keinerlei Schutz. Um optimal wirken zu können, müssten diese Stützen individuell einstellbar sein. Dafür, wie auch für die zu viel Platz raubenden Gurtrollen, gibt es bislang keine technische Lösung. Die Insassensicherungssysteme in Autos der früheren Jahre bestanden aus einfach festgeschraubten Gurten, die keine Bewegung mehr zuließen, und starren Kopfstützen. Bis heute entwickelten sich daraus vielfach anpassbare, bequeme Teile. Die Rollstuhlfahrersicherungen haben eine solche Entwicklung noch vor sich.Wenn wir schon beim Meckern sind: Die Stellfläche des Rollstuhls ist aus Platzgründen Bestandteil der Rampe. Sie fällt also nach hinten ab, und der Rollstuhlfahrer sitzt infolge dessen leicht in Rückenlage. Das wird als unangenehm empfunden. Ein Rollstuhl ist das Gegenteil von einem Hochsitz. Durch die niedrige Sitzposition im Auto reicht der Sichthorizont des Insassen weder über die Lehnen der Sitze vor ihm noch über die Unterkante der Fenster. Er sieht also nichts. Sightseeing im Inklusionstaxi ist nicht. Trotz alledem wäre Frau Münzel – ebenso wie viele andere Rollstuhlfahrer – glücklich, wenn sie sich einfach mal schnell eine Fahrgelegenheit wie dieses Inklusionstaxi bestellen könnte. Der Federungskomfort des Ford Tourneo Custom wurde von Fr. Münzel selbst auf den Holperstraßen ihrer Wohngegend als angenehm empfunden. Trotzdem sollte man mit Rollstuhlfahrern immer behutsam fahren. Ihnen fehlt die Federwirkung des Autositzes, und sie können oft wegen ihrer Beeinträchtigung die Fahrbewegungen des Autos nicht aktiv ausgleichen. wh SHK-Rechtsanwälte Martina Schweickhardt Rechtsanwältin & Notarin Notariat Verkehrsrecht Strafrecht Zivilrecht Daniel Herbst Rechtsanwalt Nachodstraße 19 10779 Berlin (im Erdgeschoss) Telefon: 030 / 210 023 40 www.shk-kanzlei.com André Klemm Rechtsanwalt TAXI DEZEMBER/ 2017 29
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