KOLUMNE DER FAHRGAST UND DER GEDANKENLESER Der Berliner Taxifahrer ist ein Alleskönner. Hinsichtlich des Fahrtwegs auch ein Alleskenner. Bald kommt noch eine neue Disziplin dazu. GRAFIK: Axel Rühle /Taxi Times Mal ist man als Fahrer ein böser Schlawiner, weil man die vom Fahrgast handverlegte Straße durch den Kleingarten des Nachbarn nicht nutzt, weil die derzeit von drei konkurrierenden Wildschweinrotten beansprucht wird; bei anderen Fahrten sollen wir jaa nicht von der geraden Strecke abweichen, während bei jeder Ausfahrt erneut ein Schild zeigt, dass wir uns auf einer Ringautobahn befinden. Tatsächlich habe ich die Tage erst wieder eine neue Strecke in Berlin entdecken dürfen, bei der man tatsächlich durch die Anordnung „immer geradeaus“ auch ans Ziel kommt, die mir aber in sieben kalten Wintern nicht eingefallen wäre. Komplettiert durch die g r o t e ske Begründung, dass dieser Weg der bessere sei, weil wir dort am Haus eines Fahrdienstes vorbeikommen würden, deren Nummer sich der Fahrgast dort von der Hauswand für später – falls sich seine Herzprobleme als ernster als bisher (!) erweisen würden – notieren könne. Notieren. Eine Telefonnummer, von der er weiß, wo sie steht. In einem internettauglichen Handy. Das konnte in den letzten zehn Jahren wohl nur der Vogel toppen, der mich bat, einen locker fünf Kilometer weiten Umweg zu fahren, weil mich dort „die Bullen nicht rausziehen“ falls ich was getrunken hätte. Aber letzterer war der Einzige, dem ich es letztlich trotz der Nachfrage abgeschlagen hab, ich kleiner Idealist. Ansonsten weise ich nur kurz drauf hin, manchmal denke ich mir meinen Teil natürlich auch nur. Wer lehnt schon geschenktes Geld ab? Und dann tritt die Frau an mein Taxi, ich glaubte da schon, sie wiederzuerkennen. Bei ihrer Zieladresse hatte ich sofort eine Strecke im Kopf und bin losgefahren. Wieso hatte ich das noch im Kopf? Sie half mir umgehend: „Sie, das finde ich ganz toll, dass sie jetzt einfach losgefahren sind!“ O weh! Ich erinnerte mich … „Wissen Sie, was mich immer wieder fuchsteufelswild macht?“ Ich wusste es, und so giftig, wie sie nun das „fuchteufelswild“ herauspresste, war mir klar, dass sie sich im Gegenzug nicht an die damalige Diskussion, geschweige denn meine Argumente erinnerte. Oder sich nicht dafür interessierte. Denn sie war einer der ganz speziellen – sie scherte sich nicht darum, ob eine Strecke zu lang oder zu kurz ist, sondern darum, ob der Taxifahrer sie alleine findet. Und da nicht in die Ecke der Nörgler, die sich gerne in Vor-Navi-Zeiten zurückwünschen, weil sie selbst ihre drei Adressen auswendig kennen, nein: Sie postulierte (jetzt erneut), dass sie beim Taxifahren dafür bezahle, dass sie nicht belästigt wird mit der Streckenfindung. Dass man als Dienstleister meist gut daran tut, die Wünsche der Kunden zu erfragen, wollte sie nicht gelten lassen, denn schließlich sei ihr Wunsch ja eben, nicht gefragt zu werden. Vor so viel Realitätsverweigerung musste ich letztlich auch einfach den Hut ziehen und die große Spirale des Schweigens eröffnen. Sollte sich das weiter verschärfen, treffe ich irgendwann wirklich noch auf Leute, die es unprofessionell finden, wenn ich nach der Adresse frage. Harald Juhnke soll so einer gewesen sein, ich warte dann mal auf den Nachfolger und schule um eine neue Disziplin - auf Gedankenleser. sash Der Autor Sascha Bors betreibt als „Sash“ einen eigenen Taxiblog. IMPRESSUM Verlag taxi-times Verlags GmbH, Frankfurter Ring 193 a 80807 München, Deutschland Telefon: +49 (0)89 / 14 83 87 91 Telefax: +49 (0)89 / 14 83 87 89 E-Mail: info@taxi-times.taxi Internet: www.taxi-times.taxi Geschäftsführer und V. i. S. d. P. Jürgen Hartmann (jh) Bankverbindung Stadtsparkasse München IBAN: DE89701500001003173828 BIC: SSKMDEMM UST-ID: DE293535109 Handelsregister: Amtsgericht München HRB 209524 Redaktion (tt) Stephan Berndt (sb), Wilfried Hochfeld (wh), Axel Rühle (ar), Hayrettin Şimşek (hs) E-Mail: tt-berlin@taxi-times.taxi Mitarbeiter dieser Ausgabe Carsten Hendrych (ch), Detlev Freutel (df), Philipp Rohde (prh), Rolf Feja (rf), Sascha Bors (sash) Grafik Stanislav Statsenko, info@inversi-design.de Anzeigenleitung und Vertrieb Elke Gersdorf, e.gersdorf@taxi-times.taxi Telefon: +49 (0)89 / 14 83 87 92 Telefax: +49 (0)89 / 14 83 87 89 Druck Chroma Druckerei, Przemysłowa 5, 68-200 Żary, Polen Erscheinungsweise: 6 x pro Jahr Heftpreis: 3,50 € (inkl. MwSt.) ISSN-Nr.: 2367-3842 Weitere Verlagsmagazine: Taxi Times DACH, Taxi Times München Die Taxizentrale Berlin TZB GmbH sowie das Taxi-Gremium, bestehend aus den drei Berliner Verbänden Innung des Berliner Taxigewerbes e. V., Taxi Deutschland Berlin e. V. und Taxiverband Berlin, Brandenburg e. V., bekommen in Taxi Times Berlin eigens gekennzeichnete Mitteilungsseiten, für deren Inhalte die Genannten im Sinne des Presserechtes selbst verantwortlich sind. 26 FEBRUAR/MÄRZ 2018 TAXI
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