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Taxi Times DACH - Dezember 2016

INKLUSIONSTAXI Ambiente

INKLUSIONSTAXI Ambiente de luxe: Hochglanzumbau mit elektrisch arretierenden Gurten und Lichteffekt. Teil wird oft verzichtet, weil es Platz und Geld kostet. Man könnte die Krankenkassen dazu verdonnern, ihren Patienten einen autogerechten Rollstuhl zu gewähren. Das würde die Lage für den Rolli-Taxi-Anbieter vereinfachen. Aber es gibt Kassen, die ihren Kunden nicht einmal den Kraftknoten am Rollstuhl bezahlen wollen, weil der Rollstuhl nur zur unmittelbaren Mobilität da sei und nicht zum Autofahren. Inklusive Mobilität hat auch ganz unerwartete Hemmnisse. Bei der Frage, welcher Umrüster welches Fahrzeug mit einem Heckausschnitt und Rampe versieht, wird es vollkommen undurchschaubar. Im Prinzip macht jeder alles. Im Einzelnen kann es passieren, dass anscheinend baugleiche Fahrzeuge von verschiedenen Herstellern von einem Umrüster umgebaut werden, vom anderen nicht. Was steckt dahinter? ES IST WIE SO OFT IM LEBEN. ES KOMMT DARAUF AN … Am Heck eines Autos ein Karosseriestück herauszuschneiden, ist ein erheblicher Eingriff in das technische Gesamtkunstwerk Auto. Da können tragende Teile im Weg sein, die man entweder anschneiden kann oder nicht. Da kann ein dickes Differenzialgetriebe in der Hinterachse alles verhindern, während das gleiche Auto mit Frontantrieb wieder umrüstbar ist. Neben den technischen Gegebenheiten gibt es auch noch administrative Einflüsse. Manche Umrüster lassen sich ihre Eingriffe ins Fahrzeug vom jeweiligen Fahrzeughersteller absegnen. Mal bekommen sie den Segen für einen Typ von dem einen Hersteller, mal bekommen sie ihn für den gleichen Typ von einem anderen Hersteller nicht. Manche Umrüster bauen dann trotzdem um, andere nicht. Das kann für den Nutzer, also den Taxiunternehmer, unangenehme Folgen haben. Wer haftet im Garantiefall wofür? Man sollte das im Vorfeld klären und sich am besten schriftlich bestätigen lassen.Wer soll das alles durchschauen? Machen Rolli- Taxis nur Probleme? Keineswegs! Niemand muss diese ganze Chose in allen Einzelheiten verstehen. Der Taxiunternehmer, der sich entschlossen hat, Menschen mit Behinderung mit einem Inklusionstaxi zu befördern, sucht sich ein Auto aus, das zu ihm passt, und fragt sich für dieses eine Auto durch, was damit geht. Dann kann er entscheiden, wer da was nach seinem Geschmack und Geldbeutel einbaut. Es gibt übrigens einen Verband der Fahrzeugumrüster für mobilitätseingeschränkte Personen mit Sitz in Meckesheim, in dem die führenden deutschen Umrüster organisiert sind. Dort wird man sicher jemanden finden, der behilflich ist. Ebenfalls eine gute Adresse zur Klärung offener Fragen ist der Sozialverband Deutschland (SoVD) mit seinen regionalen Unterorganisationen. Dort sitzen Leute, die die Bedürfnisse der Behinderten kennen – und die technischen Möglichkeiten, sie zu bedienen. Zum Schluss noch ein ganz und gar untechnischer Hinweis: Wer als Taxiunternehmer in der Beförderung von Menschen mit Behinderung nur ein neues Geschäftsfeld sieht, sollte es besser gleich bleiben lassen. Unternehmer und Fahrer müssen bereit sein, sich auf diese Menschen einzulassen. Dafür müssen sie Geduld und etwas Zeit mitbringen. Ein gewisses Einfühlungsvermögen und ein Mindestmaß an körperlicher Fitness wären auch nicht verkehrt. Eine Art menschliche Haltung zu dieser Arbeit sollte man mitbringen. Die paar Handgriffe, mit denen man einen Rollstuhl und seinen Insassen in einem Inklusionstaxi anständig sichert, sind schnell gelernt. wh Best-of: große Lösung mit Hublift und im Boden versenkten, verdeckten Gurten. Alles elektrisch gesteuert und vom Fahrer sitz überwacht. Besser geht es nicht. So sieht das dann im Detail aus. Festgezurrt: gesicherter Rollstuhl. FOTOS: Wilfried Hochfeld / Taxi Times 22 DEZEMBER / 2016 TAXI

ÖSTERREICH & SCHWEIZ „Gegen Uber sind wir machtlos!“ Wolfgang Eberling – hier auf der Anti–Uber-Demo – sieht die Zukunft des Taxigewerbes pessimistisch. NEWSTICKER Taxibestellung, Verkehrsinformationen und Bustickets aus einer Hand kaufen: die App NordwestMobil. FOTOS: Tom Buntrock/Taxi Times; Fotolia/littlestocker DIE LETZTE UNTERHOSE Wolfgang Eberling, Obmann des Taxiclubs Wien, sieht seine berufliche Existenz in Gefahr. Die Schuld daran trage Uber. Der US-Anbieter nähme ihm „die letzte Unterhose“, wie er im November der Wiener Zeitung „Heute“ offenbarte. Er hätte Umsatzeinbußen von bis zu 1 600 Euro im Monat. „Während Taxler alle Kunden zu befördern haben und eine Prüfung ablegen müssen, gelten für Uber kaum Regeln. Jeder kann dort fahren, verlangt wird lediglich eine Mietwagenkonzession. Ob die Lenker diese tatsächlich haben, kontrolliert dann aber kaum jemand.“ Er selbst fühlt sich machtlos gegen Uber – wie viele seiner Kollegen auch. Innerhalb eines Jahres hätten 500 von ihnen aufgegeben. Zu Jahresbeginn war Eberling noch zuversichtlicher. Da mobilisierte er 500 Kollegen für eine Anti-Uber-Demo. tb IN DER PAUSE FÜR UBER FAHREN? Bei Uber einen Wagen bestellen und trotzdem Taxi fahren? In Wien geht das. Möglich macht das eine Entscheidung des Verfassungsgerichtshofs vom August. Demnach darf ein Fahrzeug sowohl als Taxi als auch als Mietwagen eingesetzt werden, wenn der Halter beide Konzessionen besitzt. Die Wirtschaftskammer hatte sich vehement für eine strikte Trennung von Taxi und Mietwagen eingesetzt. Schließlich haben beide Sparten unterschiedliche Rechte und Pflichten. Ein erst 2014 verabschiedetes Gesetz sollte genau das bewirken. Die Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofs unterläuft aber genau diese Bemühungen. So montieren Taxifahrer – wenn sie einen Uber-Auftrag ausführen wollen – einfach das Dachzeichen ab. Doch das TX im Kennzeichen, das Taxameter im Fahrzeug und die Werbung einer Taxizentrale auf den Türen bleiben. „Es ist leiwand. Was soll ich bei einem Stand mit 20 anderen herumstehen und warten, dass wer vorbeikommt. Da nehm ich lieber eine Fahrt von Uber an, wenn kein Fahrgast daherkommt“, sagt ein Taxler zur „Presse“. Wie einige seiner Kollegen findet er nichts dabei, in umsatzschwachen Zeiten für Uber zu fahren. Die Wirtschaftskammer, allen voran Gökhan Keskin, sieht das kritisch. Wagen, die wie Taxis funktionieren, sich aber Mietwagen nennen, das ginge gar nicht, sagt der Obmann der Wiener Taxi-Innung. tb MOBILITÄTS-APP FÜR BASEL Alle Verkehrsmittel aus einer Hand? In der Nordwestschweiz ist das bereits möglich. Der Entwickler Nordwestmobil bringt eine App auf den Markt, mit der man zum Beispiel in Basel sein Taxi genauso bestellen kann wie sein Busticket kaufen. NordwestMobil ist ein Pilotprojekt mit dem Ziel, gemeinsam mit ausgewählten Testkunden die Mobilitäts- App der Zukunft zu entwickeln. Von Oktober 2016 bis Januar 2017 werden die Daten und Rückmeldungen von Testkunden ausgewertet. Diese Erfahrungen fließen dann in die App-Programmierung ein. NordwestMobil ist ein Innovationsprojekt von PostAuto in Kooperation mit dem TCS und den Basler Verkehrsbetrieben BVB. Die App soll später auf die gesamte Schweiz ausgedehnt werden und dabei helfen, Verkehre zu optimieren und – wo möglich – zu vermeiden. Kleiner Schönheitsfehler: Neben Taxis kann man auch Uber bestellen. NEUE TAXI-APP FÜR WIEN Der Taxi-Sprecher der Freiheitlichen Wirtschaft – FPÖ pro Mittelstand, Thomas Kreutzinger, will mit einer eigenen App Uber und Co. Paroli bieten. Auf der Website der App heißt es: „Aufgrund der katastrophalen Zustände im Wiener Taxigewerbe ist die Idee entstanden, die Fahrgäste und die FahrerInnen miteinander zu vernetzen. (…) Somit hat der Kunde die Möglichkeit, sich FahrerInnen, (…) als Stamm-Fahrer Innen, ähnlich wie Facebook-Freunde, zu speichern.“ Die Meinungen unter Taxifahrern über die App gehen auseinander. Während einige das Angebot begrüßen, geben andere dem Projekt wenig Chancen. Zwar sei die Idee grundsätzlich gut, die Umsetzung sei aber zu wenig professionell, um es mit Uber aufnehmen zu können. TAXI DEZEMBER / 2016 23

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