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Taxi Times DACH - Dezember 2016

Die IRU-Gruppe

Die IRU-Gruppe „Taxi der Zukunft“ traf sich vor dem Taxiforum. Werbung durch den Erfinder von MaaS, Sampo Hietanen (MaaS Global), der kürzlich die erste MaaS-Anwendung (Whim) in Helsinki gestartet hat. Der Start des Systems wurde bereits enthusiastisch überzeichnet. Innerhalb eines Monats wechselten viele Abonnenten von der Autonutzung zu öffentlichen Verkehrsmitteln (von 38 % auf über 60 %). Bereits seit Jahren besteht zwischen dem Unternehmen Hallo Taxi 3811 in Hannover und den örtlichen Verkehrsbetrieben üstra eine gute, fast MaaS-ähnliche Zusammenarbeit. Die Nutzer können sämtliche Transportformen miteinander kombinieren, wie es ihnen am besten passt. Heute ein Mietfahrrad, morgen die Straßenbahn und am Tag darauf vielleicht ein Taxi oder Mietwagen. DRAMATISCHE ÄNDERUNG FÜR DAS TAXI Die faszinierendsten Beiträge zum Forum kamen von Iida Huhtanen (Finnisches Ministerium für Transport und Kommunikation) und Tuuli Willgren (Finnischer Taxiverband). Die Finnen haben verstanden, dass die Mobilitätsanforderungen von morgen neue und einfachere rechtliche Rahmenbedingungen benötigen. Also haben die Finnen ihre Transportgesetze vollständig überarbeitet. Die neue Gesetzgebung tritt bis 2018 in Kraft und wird die Umsetzung von MaaS und ähnlichen Systemen vereinfachen: Es soll eine Schnittstelle für sämtliche Mobilitätsarten geben. Eine Kombination aus Fracht- und Personentransport wird nicht länger verboten sein. Dies scheint eine dramatische Veränderung zu werden: Die Kontingentierung der Taxis und die Beschränkung der Fahrpreise entfallen. Neue Vorschriften für die Taxibranche entwickelt auch der Oman, während Chile ebenfalls mit den Herausforderungen durch die Apps kämpft und große Anstrengungen zur Neuausrichtung einer Taxibranche unternimmt, die, wie in den meisten südamerikanischen Ländern, eine wesentliche Rolle im öffentlichen Nahverkehr spielt. Die Beteiligung von Rednern aus den verschiedensten Ländern war zwar sehr interessant, aber die örtlichen Praktiken und Erfahrungen sind manchmal so unterschiedlich, dass ein sinnvoller Vergleich und angeregte Diskussionen eigentlich nicht möglich sind. Was wir von den Ländern in Latein- und Südamerika lernen können, ist die erfindungsreiche Art und Weise, wie Taxis im öffentlichen Nahverkehr eingesetzt werden. Zurück nach Europa und zu einer Megacity, dessen Taxi- und Mietwagensituation mit vielen anderen Hauptstädten vergleichbar ist. In London liegen fast sämtliche Formen des Transports im Verantwortungsbereich von Transport for London (TfL). Seit es Uber geschafft hat, die Taxibranche innerhalb von zwei Jahren in den Schatten zu stellen (25 000 Taxis im Vergleich zu über 110 000 Mietwagen), ist TfL in Taxikreisen nicht mehr sonderlich beliebt. Das zentrale Thema von Peter Blake während des Forums war Londons starke Luftverschmutzung. Um die Luftqualität zu verbessern, wird London 2018 zu einer Umweltzone mit sehr niedrigen Emissionswerten (Ultra Low Emission Zone, ULEZ), in der nur noch Taxis mit Elektro- oder Gasantrieb zugelassen sind. Für Mietwagen, die angeblich auch sauberer sind als Diesel-Taxis, wird es einige Jahre später ebenfalls Beschränkungen geben. Dennoch hat der gestiegene Anteil an Mietwagen unter dem Einfluss von Uber mehr zu Treibhausgasemissionen beigetragen als die schwarzen Taxis. HANDELN STATT ABWARTEN „Grüne Taxis: Nachhaltigkeit bedeutet Profitabilität.“ Unter diesem Motto wurde am Rande des siebten internationalen IRU-Taxiforums über neue Konzepte in den Innenstädten diskutiert. Hermann Waldner, frisch gewählter BZP-Vizepräsident und CEO von taxi.eu, stellte dabei die taxis4smartcities-Initiative vor. In dieser Initiative haben sich Taxiunternehmer und Zentralen weltweit zusammengeschlossen, um sich für eine nachhaltige, zukunftsfähige und umweltschonende Nutzung des Taxis einzusetzen (Taxi Times berichtete). „Wir müssen etwas tun, bevor uns Regierungen Emissionsregeln aufzwingen“, führte Waldner aus. Natürlich ist bei der Schaffung abgasbefreiter Innenstädte auch die Politik gefordert. Städte und Gemeinden müssen – gerade was Elektromobilität betrifft – für die notwendige Infrastruktur sorgen. Es ist aber auch die Aufgabe des Taxigewerbes, sich aktiv an der Umstellung auf eine Elektroflotte zu beteiligen. Wichtige Zukunftsaufgaben Zukunftslösungen aktiv angehen: Neben der Politik sieht Taxi-Berlin- Chef Hermann Waldner auch das Taxigewerbe in der Pflicht. seien daneben der flächendeckende Einsatz von E-Payment und ein erleichterter Zugang für Behinderte. tb FOTOS: Wim Faber, Tom Buntrock 30 DEZEMBER / 2016 TAXI

TAXI INTERNATIONAL Laut Irina Zaripova braucht Russland nicht nur dringend regionale Vorschriften für die Taxibranche, sondern auch auf nationaler Ebene. Blake: „Die große Frage ist, wie man die Positionen der Taxis und privaten Mietwagen vereinbaren kann. Sie sollten ei nander ergänzen und nicht miteinander konkurrieren.“ Daher sucht TfL nach neuen Möglichkeiten des Dienstangebots - Verfügbarkeit für eine Fahrt, während das Fahrzeug unterwegs oder am Taxistand ist. Auch die Kundenerfahrungen sind von Bedeutung. Seit Oktober müssen Taxis Kredit karten akzeptieren, die Versicherungsanforderungen für private Mietwagen sind strenger geworden, und die Fahrer privater Mietwagen müssen auch einen Sprachtest bestehen. Laut Jørgen Aarhaug, der den Taxi-Teil der Zukunftsforschung übernommen hat, werden neue Trends die Rolle der Taxibranche in europäischen Städten verändern (jetziger Marktanteil 10–20 %). Beispielsweise die Sharing Economy, der Einsatz von Taxis im öffentlichen Nahverkehr, gestiegene Multimodalität, neue IT-Systeme und neue Nachfrageformen. Gleichzeitig muss die Taxibranche mit den wirtschaftlichen und demografischen Megatrends sowie mit Aspekten wie Klimawandel und Luftverschmutzung fertig werden. wf BUS UND TAXI SITZEN IM SELBEN BOOT Das 7. Taxiforum des IRU stand stark unter starkem politischem Druck. Neben unter dem Einfluss zweier parallel laufender Forschungsprogramme: „Taxi und und alternde Bevölkerung lenkt der den Megatrends wie Urbanisation Bus / Die Transportmittel der Zukunft“, Klimawandel die Aufmerksamkeit beider die sich beide am Jahr 2030 orientieren Branchen auf die Elektromobilität. Die und vom Weltdachverband der Straßentransportwirtschaft IRU und UpTop vom Institut TØI in Oslo und für die Ergebnisse beider Studien – für die Taxis initiiert wurden. Aufgrund ihrer Tätigkeit Busse von den Beratern T & E in Leuven, in Stadtzentren stehen beide Branchen Belgien – werden im Mai 2017 erwartet. Der faszinierendste Beitrag zum Forum: Iida Huhtanen (Finnisches Ministerium für Transport und Kommunikation), die eine vollständige Überarbeitung der finnischen Transportvorschriften ankündigte. TAXI DEZEMBER / 2016 31

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