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Taxi Times München - April 2018

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PERSONEN TITELTHEMA

PERSONEN TITELTHEMA Michael Müller, BZP-Präsident Hermann Waldner TAXI-REAKTIONEN AUF MÖGLICHE FAHRVERBOTE Sowohl der Präsident des BZP als auch der Vizepräsident und IsarFunk- Geschäftsführer haben mit deutlichen Statements auf das Leipziger Urteil reagiert. E-TAXI IN MÜNCHEN – SO GEHTS REITER WEHRT SICH Nach dem Leipziger Diesel- Urteil reagierten Landes- und Stadtpolitiker mit gegenseitigen Schuldzuweisungen. Markus Söder, inzwischen Bayerischer Ministerpräsident, und Marcel Huber (beide CSU), haben den Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter beschuldigt, dass die Stadt eine Teilschuld an den hohen Stickoxidwerten habe. In München würden angeblich „mindestens 500 schmutzige Diesel-Omnibusse der Münchner Verkehrsgesellschaft herumfahren“, und die Stadt müsse erst einmal ihre „Hausaufgaben machen“. Reiter wehrt sich dagegen in einem offenen Brief. „Die gesamte Busflotte der Stadt trägt 0,6 Prozent zum Gesamtverkehr bei und der Anteil am Dieselverkehr beträgt 1 Prozent“, schreibt der OB. „Könnten wir bereits ab morgen alle Busse elektrisch betreiben […], dann würden sich die NOx-Emissionen in München leider nur um zirka ein Prozent verringern.“ Mehr als zwei Drittel der Emissionen würden von privatem Diesel-Pkw-Verkehr verursacht, so Reiter weiter und plädiert für die Einführung der blauen Plakette durch die Bundesregierung, auch wenn Ex-Verkehrsminister Dobrindt die notwendigen Weichenstellungen dafür durch seine Blockadehaltung verhindert hat. Äußerungen, wonach die Stadt bei den Taxi-Flotten regulierend eingreifen könnte, Am 27. Februar 2018 – just am Tag des Münchner E-Taxitags – wies das Bundesverwaltungsgericht die Klage der Städte Stuttgart und Düsseldorf zurück und stelle klar, dass Kommunen, wenn nötig, zur Einhaltung der Schadstoffwerte auch Fahrverbote aussprechen müssen. Ein solches Fahrverbot würde in erster Linie Dieselfahrzeuge auch jüngerer Jahrgänge treffen – und damit auch eine nicht geringe Anzahl aktueller Taximodelle. Hermann Waldner, Vizepräsident des Bundesverbands für Taxiund Mietwagenunternehmer BZP, machte in seiner Funktion als Chef von Taxi Berlin und der IsarFunk-Taxizentrale deutlich, dass Mobilität in Berlin ohne Taxi undenkbar sei und dass sie in Innenstädten besser organisiert werden könne. Im Hinblick auf Uber und diverse andere Sharing-Dienste kritisiert Waldner, dass in der Stadt ohne Not immer mehr Unternehmen zugelassen werden würden. Das bringe noch mehr Fahrzeuge auf ohnehin verstopfte Straßen und trage damit zu schlechterer Luftqualität bei. „Weitere Anbieter führen mit zusätzlichen Autos auch automatisch zu mehr Leerfahrten, zu mehr Staus und zu mehr Abgasen“, moniert der Zentralenchef. Eine effektivere Kontrolle der Angebote wäre ein deutlicher Beitrag für eine sprichwörtlich bessere Luft. Anstelle neuer subventionierter Angebote sollten bestehende Angebote wie Taxi verbessert werden.“ BZP-Präsident Michael Müller bedauerte die Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts und wiederholte die Forderung, die man schon im November letzten Jahres als Resolution veröffentlichte. Die Taxibranche wolle ihre Dienstleistungen mit einer möglichst umweltfreundlichen Fahrzeugflotte erbringen. „Unser Ziel ist das emissionsfreie Taxi“, formuliert es der BZP in einer Pressemitteilung. „Für den Durchbruch der E-Mobilität fordern wir die Kommunen auf, in Kooperation mit lokalen oder überörtlichen Energieanbietern eine flächendeckende und ausreichende Lade- Infrastruktur bereitzustellen. Wichtig ist dabei: Die Ladestruktur muss dem gewerblichen Verkehr vorbehalten bleiben. Ohne privat und gewerblich getrennte Netze sind Hürden im täglichen Betrieb vorprogrammiert.“ Von der Auto-Industrie erwartet Müller „angemessene finanzielle Anreize für den Fahrzeugtausch auf emissionsarme Taxis mit den neuesten Abgas- bzw. umweltfreundlichsten Antriebstechnologien zu bezahlbaren Preisen“. jh Oberbürgermeister Dieter Reiter wies Reiter zurück. „Die Landeshauptstad München kann den Taxiunternehmen nicht die Antriebsart ihrer Fahrzeuge vorschreiben.“ Mit der neuen E-Taxi-Förderung leiste München schon jetzt einen wichtigen Beitrag zur Luftreinhaltung. jh FOTOS: Taxi Times; Marcus Schlaf FOTOS: Taxi Times Münchner Taxiunternehmer, die auf ein Elektrotaxi umsteigen wollen, konnten sich auf dem Münchner E-Taxitag umfassend informieren. Die Veranstaltung „Münchner E-Taxitag“, die Ende Februar in Kooperation mit dem ADAC Südbayern e.V. und dem Taxi Times Verlag stattfand, bot ein komplettes Informationspaket für alle, die sich mit dem Gedanken der Anschaffung eines Elektro-Taxi auseinandersetzen. Aufhänger der Veranstaltung war eine speziell auf E-Taxis ausgelegte Förderung der Landeshauptstadt München. Wie Stephanie Jacobs, Leiterin des Umweltreferates der Landeshauptstadt München, in ihrem Grußwort unterstrich, sind Taxis wichtige Multiplikatoren, welche die E-Mobilität vorantreiben können. Laut Jacobs ist es wichtig, alternative Antriebe zu unterstützen, um damit einen Schritt in die richtige Richtung zu unternehmen und Lärm und Schadstoffemissionen deutlich zu reduzieren. Ihrer Meinung nach müssten feste Fahrverbotszonen umgangen werden, da in München dann auf über 123 Straßenkilometer fast 80 Prozent der Fahrzeuge ausgeschlossen werden müssten. Der Effekt wäre, dass der Verkehr dann auf Seiten – und Nebenstraßen ausweichen würde. Damit wäre das Problem nicht gelöst, sondern nur verlagert. Wie relevant das Thema E-Mobilität für die Stadt ist, zeigt sich auch darin, dass der amtierende Oberbürgermeister Dieter Reiter die Schirmherrschaft für den Münchner E-Taxitag übernommen hat. Die Stadt München ist bereit, einen großen Schritt in Richtung E-Mobilität zu machen. Bereits seit 2015 existiert das unter dem Namen Integriertes Handlungsprogramm zur Förderung der Elektromobilität in München (IFHEM) bekannten Förderprogramms, dessen Finanzrahmen atemberaubende 60 Millionen Euro beträgt. Die E-Taxi Förderung ist nur ein kleiner Teil davon. Es sind 2 Millionen Euro eingeplant. Das IFHEM Programm fördert vom Pedelec, E-Fahrzeuge verschiedener Leistungsklassen über E-Taxis bis hin zur Ladeinfrastruktur. Bis zum Jahre 2020, wenn die Förderung ausläuft, könnte die Stadt einen ganzheitlichen Ansatz im Bereich der Elektromobilität umgesetzt haben. Im E-Taxi Bereich startete die Förderung im vergangenen September, lief aber bislang nur schleppend an. Ein Ziel des E-Taxitagswar es, nach den Gründen dafür zu suchen und alle offenen Fragen direkt mit den teilnehmenden Referenten zu klären. 20 CENT PRO BESETZKILOMETER Einen großen Beitrag leistete Dr. Uwe Hera vom Referat für Gesundheit und Umwelt (Sachgebiet Elektromobilität) der Landeshauptstadt München mit seinem Vortrag. Er skizzierte alle notwendigen Voraussetzungen für eine Antragsstellung. So muss beispielsweise der Betriebssitz des Taxiunternehmens in München sein und das Fahrzeug für mindestens 36 Monate im Betrieb verbleiben. Grundsätzlich förderungsfähig sind alle vollelektrischen und mit Brennstoffzelle ausgestatteten Fahrzeuge, die mit einem Taxipaket ausgestattet und nach dem 1.1.2017 zugelassen worden sind. Grundsätzlich ist die Förderung so ausgelegt, dass kein einmaliger Zuschuss, wie bei anderen Förderungen, ausgeschüttet wird, sondern jeder Besetztkilometer mit 20 Cent subventioniert wird. Die maximale Förderung ist dann erreicht, wenn der Förderbeitrag 40 Prozent des netto Anschaffungspreises des Autos deckt. Die 40 Prozent beziehen sich allerdings auf den Preis für die Grundausstattung plus den Kosten für das Taxipaket (alles netto). Zahlen, die auf dem Papier sehr gut aussehen. Die Referatsleiterin Stephanie Jacobs verdeutlichte bildhaft, dass mit den zwei Millionen Euro, die im Fördertopf stecken, bis zu zehn Millionen Besetzkilometer gefördert werden können, was ca. 250 Erdumrundungen entspricht. u 4 APRIL / MAI / 2018 TAXI TAXI APRIL / MAI / 2018 5

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