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Taxi Times München - Juni 2018

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E-TAXIS DER MÜNCHNER

E-TAXIS DER MÜNCHNER E-TAXI-PIONIER KARLHEINZ WÖLFLE »MEIN E-TAXI FUNKTIONIERT IM SCHICHTBETRIEB« Karlheinz Wölfle, 65 Jahre, ist Münchner Taxiunternehmer seit 11 Jahren. Davor war er neun Jahre lang als Trambahnfahrer bei der Stadt München unterwegs. Jetzt fährt er wieder ein Elektrofahrzeug, diesmal eines in Hellelfenbein. Über seine ersten Erfahrungen und seine Visionen spricht er in Taxi Times München. TAXI TIMES MÜNCHEN: Herr Wölfle, Glückwunsch zum Elektro-Taxi. Fährt es schon? Alternativ wäre eine Umrüstung über das Oldenburger Unternehmen Intax möglich gewesen? Ja, das hätte dann aber viel länger gedauert. Waren Sie damals der Erste, dem die Stadt die Förderung eines E-Taxis bewilligt hat? Ich glaube, ja, der von der Stadt bewilligte Antrag hat die Nummer FE-T-1. KARLHEINZ WÖLFLE: Ja, seit dem 15. April. In den ersten sechs Wochen sind wir 13 000 Kilometer gefahren. Welches Modell fahren Sie? Wir fahren den Nissan Leaf 2. Warum dieses Modell? Zum Zeitpunkt meiner Entscheidung, auf Elektro umzusteigen, war die Auswahl noch sehr bescheiden. Es gab kaum taxitaugliche Modelle oder sie waren zu teuer oder mit untragbar langen Lieferzeiten. So habe ich mich mit dem Hersteller Nissan befasst, der angekündigt hatte, seinen bewährten Leaf völlig neu zu überarbeiten und mit einer größeren Batterie auszustatten. Was dabei herauskam, war für mich das erste vernünftige taxitaugliche Elektrofahrzeug, das auch mit einem ausreichend großen Kofferraum ausgestattet war. Wie lange hat es von Ihrer Entscheidung bis zur ersten E-Taxischicht gedauert? Sieben Monate, von September 2017 bis Mitte April 2018. Als ich im September den Leaf bestellt habe, hatte Nissan eine Auslieferung für Februar versprochen. Es wurde dann der erste April, was ich aber nicht so tragisch fand. Dank der guten Zusammenarbeit zwischen dem Funkausrüster ER-Tax und dem Münchner Nissan-Händler Mükra konnten wir alle nötigen Konformitätsbescheinigungen für die Eichung vorlegen, was die Zulassung erheblich beschleunigte. »Wir sind gar nicht mehr darauf angewiesen, am Standplatz zu stehen.« War die Förderung ausschlaggebend für Ihre E-Taxi- Entscheidung? Ohne Förderung hätte es wirtschaftlich sinnvollere Alternativen gegeben. Sie bekommen in den nächsten drei Jahren bis zu 40 Prozent des Anschaffungspreises erstattet. Haben Sie schon ausgerechnet, wie viel das etwa sein wird? Circa 12 000 Euro. Die Stadt erlaubt bei einer E-Taxikonzession den Wechsel auf ein zweites Fahrzeug mit konventionellem Antrieb. Nutzen Sie diese Option, ein zweites Fahrzeug auf der gleichen Konzessionsnummer zu fahren? Der Sinn dieser Regelung ist, dass Taxiunternehmer ein zweites Taxi einsetzen können, während das E-Taxi über mehrere Stunden an einer normalen Ladestation aufgeladen wird. Bei uns war das bisher nicht nötig, weil wir ein anderes Konzept für den Leaf im Schichteinsatz haben. Sie nutzen den Leaf tatsächlich im Schichteinsatz? Für viele ist die Kombination E-Taxi und Schichtbetrieb ja das Totschlagargument. Ich beweise gerade, dass es doppelschichtig funktioniert und möchte zukünftig sogar im Dreischichtbetrieb fahren. Eine Früh-, eine Spät- und eine Nachtschicht, wobei die Übergangszeiten flexibel sein können. Das ist meine Vision, an der wir gerade arbeiten. FOTO: Taxi Times 22 JUNI / JULI / 2018 TAXI

E-TAXIS Das ist schon öfter vorgekommen, vor allem bei der Schnellladesäule in der Mies-van-der-Rohe-Straße. In der Parkstadt Schwabing sind wir mitten in einem Hotspot zwischen vielen Hotels. Ein E-Taxi, das lückenlos fahren soll, wo sind da die nötigen Zeitfenster für das Laden? Das ist eben das angesprochene andere Konzept: Wir nutzen die Schnellladesysteme und müssen somit nicht über mehrere Stunden oder die ganze Nacht laden. Dann wird also während der Schicht Strom getankt? Ja, wir legen nach drei bis fünf Stunden Lenkzeit die vorgeschriebene Pause ein und laden dabei in 20 Minuten an einer Schnellladesäule weitere einhundert Kilometer Reichweite. Ist die Ladezeit während der Schicht eine Zwangspause für den Fahrer? Er könnte das über die Fahrer-App als Pause deklarieren und einen Kaffee trinken gehen. Wenn er keine Pause machen will, ist der Fahrer durch die modernen Vermittlungssysteme der Taxizentralen und Apps auch beim Laden erreichbar. Wir bekommen unsere Fahrtaufträge von überallher. Wir sind also gar nicht mehr darauf angewiesen, am Standplatz zu stehen. Heißt das, man bekommt auch während des Stromtankens einen Auftrag? Falls einmal nicht fliegend gewechselt wird: Haben Sie Ihren Betriebssitz neben einer Schnellladesäule? Nein, deshalb ist unser Ziel ja der fliegende Wechsel, am besten an einer Schnellladesäule. Wenn ein Fahrer abstellt und nicht gleich der nächste beginnt, nutzen wir die normalen Lade säulen. Das setzt sehr flexibles Personal voraus. Wie viele Fahrer haben Sie und wie haben Sie diese überzeugt? Alle drei Fahrer über den Spaß am E-Taxi-Fahren. Mit dem E-Pedal beim Nissan Leaf gibt man nicht nur Gas, man dosiert auch das Abbremsen bis zum Stillstand. Vor roten Ampeln bleibt man stehen, ohne auf die Bremse getreten zu sein. Das führt zu einem entspannten und vorausschauenden Fahrstil und erhöht die Reichweite. Wie weit kommen Sie mit einer Ladung? Angegeben sind 378 Kilometer, in der Stadt etwa 400. Je nach Fahrweise und Einsatz weiterer Energieverbraucher sind es in der Praxis rund 300 Kilometer. Wie zufrieden sind Sie mit der Münchner Ladeinfrastruktur? Das aktuelle Angebot an Schnellladesäulen ist noch sehr unbefriedigend. Es gibt eine in der Englschalkinger Straße, eine am Olympiaturm und die schon angesprochene in der Parkstadt Schwabing. u Dr. Hans Bake v. Bakin Erst- und Verlängerungsuntersuchung Taxi-Mietwagen-Lkw-Bus • Mo-Fr: 8-12 Uhr Mo, Di, Do: 15-19 Uhr und nach Vereinbarung • telefonische Terminvergabe möglich Tassilostr. 23, 85609 Aschheim Tel.: 089/37065690 Mobil 0172/6523805 e-mail: bakebakin@gmx.de TAXI JUNI / JULI / 2018 23

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