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Taxi Times München - März 2015

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TITELTHEMA TAXIS RAUS

TITELTHEMA TAXIS RAUS AUS DER ALTSTADT ? Das Münchner Rathaus, so wie es täglich von Tausenden Bürgern und Touristen gesehen wird – und von vielen Münchner Taxifahrern, wenn sie die Durchfahrt am Marienplatz passieren. Das könnte aber sehr schnell ein Ende haben. Die Durchfahrt am Marienplatz dürfte bald für Taxis tabu sein. Wie reagieren betroffene Firmen darauf? Paukenschlag in Sachen Marienplatz: SPD und CSU haben einen gemeinsamen Antrag in den Stadtrat eingebracht, nach dem die Fußgängerzone bis zum Alten Rathaus und zur Landschaftstraße hin ausgeweitet werden soll. Der Verkehr – ob Fahrrad, Taxi oder Bus – soll über die Sparkassenstraße und den Viktualienmarkt umgeleitet werden. Die Taxifahrer sollen in der Dienerstraße einen geeigneten Standort erhalten. Stadtrat Hans Podiuk, Vorsitzender der CSU-Fraktion, begründet den Antrag so: „Der Marienplatz ist das Herz Münchens. Derzeit wird der östliche Teil zum Alten Rathaus hin leider vom eigentlichen Platz abgeschnitten. Wir wollen mit der Erweiterung der Fußgängerzone und einer städtebaulich ansprechenden Um gestaltung die Attraktivität des Platzes deutlich erhöhen. Die Menschen sollen sich gerne auf dem Marienplatz aufhalten und dort verweilen können. Mit dieser Maßnahme sorgen wir auch dafür, dass die Gefahrenstelle durch den Durchgangsverkehr endlich entschärft wird.“ Und SPD-Fraktions chef Alexander Reissl ergänzt: „Mit einer Ausweitung der Fußgängerzone kann auch der Dauerkonflikt zwischen Fahrradfahrern und Fußgängern am Marienplatz gelöst werden. Die jahrelange Debatte über eine Verlegung der Nord-Süd-Verbindung für Radler in die Sparkassenstraße findet endlich ein Ende. Für Fußgänger ist diese Veränderung ein echter Gewinn: Sie werden in Zukunft gemütlich schlendern können, ohne von Autos, Bussen oder Fahrradfahrern zur Seite gedrängt zu werden.“ Laut dem Antrag sollen diese Maßnahmen schnellstens geplant und umgesetzt werden. GEWINN ODER VERLUST? Was für die Fußgänger ein echter Gewinn sein kann, ist für das Taxi gewerbe ein echter Verlust. Die Durchfahrt vom Rindermarkt ins Tal ließe sich noch verschmerzen. Hier kann – wie vom Stadtrat geplant – durchaus über den Viktualienmarkt ausgewichen werden. Schwieriger wird es, wenn Touristen wünschen, direkt zum Marienplatz gebracht zu werden, oder Seniorinnen und Senioren zum Seiteneingang des Ratskellers. Bis heute war beides noch möglich. Ist hier Fußgängerzone, kann das Taxi diese Wünsche nicht mehr erfüllen. Außerdem entfällt der Traditionsstand am Kaufhaus Beck, einer der am besten frequentierten Einsteigerstände der Stadt. Hat das Taxi seine Bedeutung als Personenbeförderer in der Innenstadt verloren? Vor den Stadtratswahlen 2014 hieß das beim damaligen OB- Kandidaten und heutigen zweiten Bürgermeister Josef Schmid noch so: „Das Taxi ist und bleibt, entgegen allen Versuchen, es eher dem Motorisierten Individualverkehr zuzuordnen, aus Sicht der CSU ein Verkehrsmittel im Verbund des Öffentlichen Personennahverkehrs. Daher ist es nicht anders, vor allem nicht schlechter zu behandeln als U-Bahn, Bus und Tram. Denn gerade das Alleinstellungsmerkmal, Personen zielgenau befördern zu können, zeichnet es aus.“ Und auf den Beck-Stand bezogen: „Die CSU-Stadtratsfraktion spricht sich für den Erhalt des Taxistandes vor dem Kaufhaus Beck am Marienplatz aus. Aber auch die Standplätze an der Dienerstraße, im Tal und am Rindermarkt müssen in Zukunft erhalten bleiben. Dennoch muss darauf geachtet werden, dass die Durchfahrt vom Rindermarkt nicht als Wartezone genutzt wird.“ Denn ganz unschuldig dürfte das Taxi gewerbe an der so gut wie beschlossenen Durchfahrts sperre über FOTOS: Landeshauptstadt München/muenchen.de, Stadtgemeinde Salzburg /J. Killer (2), pixelio/G. Schoenemann (1) den Marienplatz tatsächlich nicht sein. Die Beschwerden über den Taxi-Wildwuchs an der Fußgängerfurt sind schließlich nichts wirklich Neues. Schließlich hatten die Münchner Stadträte einen exklusiven Blick auf das Drama, das sich tags wie nachts zu ihren Füßen abspielte, denn dass die Taxis unerlaubt bis zum Hugendubel anstehen, war schon lange einigen Stadträten ein Dorn im Auge. Ganz links: In Salzburg ist die Linke Altstadt durch Poller für den Durchgangsverkehr gesperrt. Links: Salzburger Altstadt, Kaigasse: Hier ist die Einfahrt werktags während der Ladezeiten auch ohne Sondergenehmigung möglich. BECK-STAND ALS ERSTES OPFER Vorbei! Chance vertan. In einem Stadtteil, in dem internationale Firmen mit hohem finanziellen Aufwand sogenannte Flagship- Stores einrichten, nur um in diesem noblen Ambiente gesehen zu werden, wird das Taxi gewerbe seinen „Flagschiff-Stand“ am Rathaus platz räumen müssen. Außerdem steht zu befürchten, dass der Beck-Stand nur das erste Opfer von vielen sein wird. Denn ginge es nach den Grünen im Stadtrat, dann sollte alles innerhalb des Altstadtrings zur autofreien Zone werden. Die Partei möchte dafür die Münchner mit ins Boot holen und plant einen Bürger entscheid. In diesem Worst-Case-Szenario für das Münchner Taxi gewerbe ist von Taxiständen innerhalb der verkehrsberuhigten Altstadt nämlich keine Rede. Dann könnten Taxistände wie Tal, Rindermarkt oder Max-Joseph bald der Vergangenheit angehören. Auch wenn es nicht so weit kommen sollte: Verschlechtern werden sich die Bedingungen für das Taxi geschäft in der Altstadt allemal. Es ist doch jetzt schon anspruchsvoll genug, bestimmte Adressen im verkehrsberuhigten Bereich zu bedienen. Darunter Gaststätten wie der Andechser am Dom oder der Nürnberger Bratwurst Glöckl. Darunter aber auch zahlreiche Arztpraxen, deren Patienten oft darauf angewiesen sind, direkt bis zur Tür gebracht zu werden – und dort später auch wieder abgeholt werden müssen, mitunter sogar oben in der Praxis. Nicht nur die Patienten wünschen das so, weil sie oft schlecht zu Fuß sind, oft bestehen Versicherungen darauf. Taxifahrer, die vorhaben, diese Fahrtaufträge zu erfüllen, kommen heute schon unweigerlich mit der Straßenverkehrsordnung in Konflikt. Wächst die Fußgängerzone weiter, dann wachsen damit auch die Zufahrtsschwierig keiten für 6 TAXI MÄRZ / 2015 7

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