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Taxi Times München - September 2019

ELEKTRO-TAXIS WARUM DAS

ELEKTRO-TAXIS WARUM DAS ELEKTROAUTO NICHT MEHR AUFZUHALTEN IST E-Autos sind umweltschädlich und teuer, die Ladeinfrastruktur unzureichend und das Stromnetz droht zu kollabieren. Was ist dran an der immer wieder verbreiteten Kritik? Wir haben Stefan Köller vom eMobility-Fachmedium »Electrive« um einen Faktencheck gebeten. Vor allem in deutschsprachigen Medien sind in letzter Zeit auffällig viele negative Berichte über Elektroautos zu finden, wobei meist dieselben Argumente vorgebracht werden. Um es gleich vorneweg zu sagen: Einige Kritikpunkte sind berechtigt, die meisten jedoch entpuppen sich in der Gesamtbetrachtung als überzeichnet oder schlicht nicht haltbar. THESE: E-MOBILITÄT IST UNWIRTSCHAFTLICHER ALS FOSSILE MOBILITÄT. u Faktencheck: Die Anschaffungskosten für E-Autos liegen aktuell noch teilweise deutlich über denen der mit Verbrennungsmotoren betriebenen Pendants. Dank weiterhin rapide sinkender Batteriekosten wird je nach Hersteller derzeit damit gerechnet, dass Stromer zwischen 2022 und 2025 mit den Verbrennern gleichziehen werden. Über die gesamte Betriebsdauer betrachtet sind E-Autos aufgrund niedrigerer Energie- und kaum existenter Wartungskosten oft schon heute günstiger. Eine neue Analyse der französischen Großbank BNP Paribas rechnet vor, dass der Ölpreis langfristig auf unter zehn US-Dollar pro Barrel fallen müsse, damit Benziner konkurrenzfähig zu mit Ökostrom betriebenen E-Fahrzeugen bleiben, bzw. auf 17 bis 19 Dollar/Barrel für Dieselautos. Aktuell kostet ein Barrel Erdöl knapp 60 Dollar. THESE: E-AUTOS SIND SCHÄDLICHER FÜRS KLIMA ALS VIELE VERBRENNER. u Faktencheck: Hier wird von den Kritikern der E-Mobilität immer wieder dieselbe Studie zum Beleg herangezogen, die über einen Artikel des schwedischen Journalisten Johan Kristensson Einzug in die deutschen Medien fand und einseitig ausgelegt bzw. teilweise schlicht falsch wiedergegeben wurde. Kristensson schrieb, dass die Produktion eines E-Auto- Akkus mehr als 17 Tonnen CO₂ verursache. Er nutzte die Zahl als Beispiel für einen großen Tesla-Akku und erklärte später auf Nachfrage, dass es unsinnig ist, den Akku eines Tesla Model S mit 100 kWh Kapazität als Maßstab für ein durchschnittliches E-Auto heranzuziehen. „In meinem Artikel habe ich auch klar geschrieben, dass dies nicht geht“, erklärte Kristensson gegenüber dem Magazin „Edison“. Verbreitet wird die Zahl seitdem trotzdem weiterhin. Tatsächlich wird in den meisten seriösen Studien vorgerechnet, dass E-Autos schon heute einen Klimavorteil gegenüber Verbrennern aufweisen, der sich mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien in Zukunft noch deutlich verstärken wird. Das Bundesumweltministerium etwa kam im Januar 2019 in einer konservativen Berechnung zu dem Ergebnis, dass ein heute auf die Straße kommendes E-Auto über seinen Lebenszyklus je nach Verbrenner- Typ 16 bis 27 Prozent weniger Klimagase ausstößt als ein konventionell betriebenes. Bis 2025 werde der Klimavorteil eines neuen E-Autos auf 32 bis 40 Prozent steigen, obwohl auch die Verbrenner bis dahin effizienter werden. Dass E-Autos zudem keine Stickstoffoxide und andere Schadstoffe ausstoßen und weniger Feinstaub verursachen (Rekuperation), dürfte unstrittig sein. Das hat zwar nichts mit dem Klima zu tun, sollte aber dennoch kurz erwähnt werden. THESE: DIE HERSTELLUNG VON ELEKTROAUTO- BATTERIEN IST EIN UMWELTKILLER. u Faktencheck: Ohne Lithium keine Lithium-Ionen-Akkus. Und der Abbau des Metalls geht mit einem hohen Wasserverbrauch einher. So weit, so unstrittig. Doch es ist einer neuen Studie zufolge besser als sein Ruf: Forscher des Institute of Technology Carlow in Irland schreiben, dass der Lithium-Abbau „einen vergleichsweise kleinen Umwelteffekt, auch verglichen mit dem Abbau von Platin und seltenen Erden“ (die ja auch in Autos mit Verbrennungsmotor benötigt werden), habe. Wasserknappheit könne dennoch ein Problem sein, wenn der Abbau schlecht umgesetzt werde. Die Gewinnung von Lithium bleibt aber ein kritischer Faktor. I nteressant ist, dass dieser nur hinterfragt wird, sobald es um E-Autos geht. Im Kontext anderer mit Lithium-Akkus ausgestatteter Geräte wie Smartphones hört man dazu wenig. Außer Acht gelassen wird Schon heute haben E-Autos einen Klimavorteil gegenüber Verbrennern, der sich mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien in Zukunft noch verstärken wird. 12 SEPTEMBER / 2019 TAXI

ELEKTRO-TAXIS Das deutsche Stromnetz käme schon jetzt mit 45 Millionen E-Autos zurecht. beim Thema Umweltschädlichkeit übrigens meist auch der Raubbau an der Natur und der hohe Energieverbrauch, für die mit Erdöl betriebene Autos verantwortlich sind (Förderung, Raffinierung, Transport etc.). Vom dadurch verursachten Treibhauseffekt und dessen Folgen ganz zu schweigen. Für Akkus gibt es zudem nach ihrem Einsatz im E-Auto immer öfter eine Anschlussverwendung: Als stationäre Energiespeicher sind sie auch mit gesunkener Kapazität noch bestens geeignet. Auch befinden sich bereits diverse Recyclinglösungen in der Umsetzung, mit denen die Rohstoffe der Akkus fast vollständig wiedergewonnen (und erneut genutzt) werden können. THESE: BATTERIE-ROHSTOFFE FÖRDERN KINDERARBEIT. u Faktencheck: Hier geht es vor allem um den Abbau von Kobalt, der in der Tat ein kritischer Faktor ist. Rund die Hälfte des weltweiten Kobalts wird in der Demokratischen Republik Kongo gefördert, in der Kinderarbeit weit verbreitet ist. Doch der Kobaltanteil in den Akkus geht sukzessive zurück. Tesla etwa konnte ihn im Model 3 bereits auf 2,8 Prozent senken und hat ebenso wie andere Batteriehersteller angekündigt, künftig auf komplett kobaltfreie Akkus zu setzen. Nicht vergessen werden sollte, dass auch Verbrenner Rohstoffe benötigen, deren Gewinnung und Verarbeitung mit Kinderarbeit einhergehen. Das gilt übrigens auch für T-Shirts und viele Lebensmittel wie Kaffee und Kakao. Kurz gesagt: Kinderarbeit ist ohne Frage scharf zu verurteilen, aber dennoch leider weltweit sehr verbreitet. Dieses Problem einseitig aufs E-Auto zu schieben, ist schlichtweg unredlich. Niederlande, Irland, Schweden, Slowenien und Dänemark (jeweils ab 2030), Frankreich (2040) und Großbritannien (2040, eine Vorverlegung auf 2035 oder 2030 ist derzeit im Gespräch). Hinzu kommen Zufahrtsbeschränkungen für Verbrenner in diversen Städten. In China, dem größten Automarkt der Welt, gilt für Hersteller eine sich sukzessiv verschärfende E-Auto-Quote, ebenso wie in mittlerweile zehn Bundesstaaten der USA. Kein Wunder, dass inzwischen fast alle Autobauer umfangreiche E-Offensiven gestartet haben. Volkswagen, der vom Diesel-Skandal gebeutelte größte Autobauer der Welt, macht dabei klar, wohin die Reise antriebstechnisch geht: „Wir konzentrieren uns jetzt auf den Elektroantrieb, weil wir sonst den Durchbruch nicht schaffen und den weltweiten Anschluss verlieren“, so Konzernchef Herbert Diess. sk Ballnath Assekuranz FOTO: Ionity THESE: DER STEIGENDE STROMBEDARF DURCH E-AUTOS LÄSST DAS STROMNETZ KOLLABIEREN. u Faktencheck: Hier handelt es sich um einen immer wieder verbreiteten Mythos, der sogar von den Stromversorgern selbst entkräftet wird. Das deutsche Stromnetz käme laut der RWE-Tochter Innogy ohne einen weiteren Ausbau schon jetzt mit 45 Millionen E-Autos zurecht. „Wenn alle Autos in Deutschland elektrisch fahren würden, bräuchten wir etwa 20 Prozent mehr Strom“, sagt Armin Gaul, Leiter der technischen Produktentwicklung bei Innogy. Auch E.ON gibt Entwarnung: „Die Netze von E.ON in Deutschland sind bereit für eine vollständige Umstellung auf elektrische Pkw.“ u Fazit: Viele Kritikpunkte an der E-Mobilität entpuppen sich bei näherem Hinsehen und in Abwägung zu den Alternativen als unberechtigt oder stark übertrieben. Dass das E-Auto „nicht mehr aufzuhalten ist“, wie im Titel behauptet, liegt vor allem aber auch daran, dass es politisch gewollt ist. Die Regierungen vieler Länder haben bereits angekündigt, Neuzulassungen von Autos mit Verbrennungsmotoren zu verbieten: so etwa Norwegen (ab 2025), die Wir versichern das was wichtig ist Taxi-Versicherung (auch Neueinsteiger und Flotten) Rechtsschutzversicherung inkl. Forderungsmanangement Betriebs-Haftpflichtversicherung Taxi-Garantie-Versicherung Krankenversicherung Altersvorsorge Ballnath Assekuranz Versicherungsmakler GmbH Brudermühlstr. 48a 81371 München Tel.: 089/89 80 61-0 Fax: 089/89 80 61-20 Neu! Mit Sicherheit ein guter Partner UNTER STÜTZER DES TAXI GEWERBES info@taxiversicherung.de www.taxiversicherung.de TAXI SEPTEMBER / 2019 13 TN_v1.indd 1 01.10.12 10:56

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