OUT OF MUNICH NEWSTICKER STUTTGARTER BEHÖRDEN-FIASKO Frank Sailer fährt seit 20 Jahren in Stuttgart – und wäre nun fast arbeitslos geworden. Grund ist aber nicht etwa Uber oder Free Now, sondern die Stuttgarter Führerscheinstelle. Unzählige Versuche, dort einen Antrag auf Taxischein-Verlängerung zu stellen, scheiterten, weil die hoffnungslos überlastete Behörde die Schalter meist schon früher schließen musste. Glück hatten nur wartende Menschen, die bereits seit 4.30 Uhr angestanden hatten. Erst als sich Sailer mit einem Brandbrief an die Medien wandte, bekam er einen Extra-Termin. Mittlerweile hat er seinen P-Schein verlängern können. sg Manch ein Münchner Taxifahrer sieht bei solchen Geschichten durchaus Parallelen zur Münchner Führerscheinstelle. STUTTGARTER INKLUSIONSVORBILD Rund acht Monate nach dem Start eines Förderprogramms, bei dem sich die Stadt mit 95 Prozent bzw. maximal 10.000 Euro pro Taxi an den Nettoumbaukosten eines Fahrzeugs beteiligt, ist in Stuttgart das erste geförderte Rollstuhltaxi in Betrieb genommen worden. Besitzer ist der Taxiunternehmer Manfred Hülsmann, der einen VW Caddy Maxi vom Berkheimer Spezialisten Mobitec hat umrüsten lassen. In Stuttgart werden die Fahrten nach dem normalen Taxitarif abgerechnet. Ein Rollizuschlag, wie vom Taxigewerbe gefordert, konnte nicht durchgesetzt werden, da dieser dem Inklusionsgedanken widersprechen würde. sg Und München? Der Wille zur städtischen Förderung ist vorhanden, im Moment hängt eine weitere Umsetzung allerdings in den Verwaltungsmühlen der Stadt fest. Sofern die Mitglieder der Übernahme zustimmen, wird der bisherige Betriebssitz der WBT zu Taxi Berlin verlegt. Alle Mitarbeiter werden übernommen. BERLINER TAXI ZENTRALEN GEHEN ZUSAMMEN Im harten Wettbewerb der Personenbeförderer will das Berliner Taxigewerbe seine Kräfte bündeln. Deshalb sollen die beiden bisherigen Wettbewerber Taxi Berlin und WBT miteinander verschmelzen. Das geht aus einem Schreiben hervor, das die Mitglieder der Wirtschaftsgenossenschaft Berliner Taxibesitzer (WBT) Mitte August erhalten haben. Die WBT-Vorstände und der Aufsichtsratsvorsitzende berichten darin von einem fairen Übernahmeangebot, welches der WBT von Hermann Waldner, Geschäftsführer von Taxi Berlin (TZB), vorgelegt wurde. Am 10. September haben die Mitglieder der WBT innerhalb der Generalversammlung dieser Verkaufsabsicht zugestimmt. Bei der Vermittlung von Funkaufträgen durch das europäische Netzwerk taxi.eu, die künftige Taxi Europa AG, sind TZB und die WBT schon seit Jahren Partner – gemeinsam mit zahlreichen weiteren europäischen Taxifunkzentralen. ar In München agieren IsarFunk und Taxi München noch eigenständig, ziehen aber bereits bei wesentlichen gewerbepolitischen und wettbewerbsrechtlichen Punkten meist an einem Strang. EXODUS FÜR UBER IN LONDON? Im September wird es ernst für Uber in London. Dann läuft die Betriebsgenehmigung ab, die von der dortigen Regulierungsbehörde Transport for London (TfL) eigentlich schon 2017 nicht verlängert werden sollte. Man war damals seitens der TfL nicht überzeugt, dass Uber London Limited „ein geeignetes Unternehmen“ ist, um eine Lizenzverlängerung zu erhalten. Uber versprach damals Besserung und konnte so vor Gericht erreichen, dass wenigstens eine vorläufige Lizenz für 15 Monate erteilt wurde. Diese läuft nun aus. Nun wurde bekannt, dass Uber wegen Verstoßes gegen die Lizenzbestimmungen eine Geldbuße in Höhe von umgerechnet 30.900 Euro auferlegt worden war. Von Besserung also keine Spur, was Steve McNamara vom Londoner Taxiverband auch nicht wundert. „Damals versprach Uber, sich korrekt zu verhalten. Aber was sagen sie diesmal? Wir werden uns jetzt wirklich, wirklich, wirklich richtig verhalten?“ Die UTAG, bestehend aus Fahrern und anderen Vertretern aus der ganzen Branche, hat angekündigt, rechtliche Schritte einzuleiten, wenn Uber eine neue Lizenz erhalten würde: „Uber hatte nie die Absicht, das Gesetz einzuhalten, und ihre Tätigkeiten sind nicht im Einklang mit dem Gesetz.“ wf In München ist eine 2017 eingereichte Verbotsklage gegen die Uber-App übrigens immer noch in der Verzögerungsschleife des Münchner Landgerichts. FOTOS: privat, WBT 22 SEPTEMBER / 2019 TAXI
VERANSTALTUNGEN WICHTIGE THEMEN – HOCHRANGIGE TEILNEHMER Unter dem Namen »Taxi Driving Innovation« plant der Bundesverband Taxi und Mietwagen e. V. einen »Austausch innerhalb der Taxi- und Mietwagenbranche und darüber hinaus«. Das Programm verspricht eine prominente Besetzung. Academie Lounge Berlin, Köthener Str 44, 10963 Berlin FOTOS: goethe@foto-goethe.com / Thomas Goethe Die richtig gute Nachricht gleich mal vorweg: Die Teilnahme an diesem Kongress ist kostenlos, die Plätze sind allerdings begrenzt. Deswegen empfiehlt der Bundesverband, sich rasch anzumelden (www.bzp.org). Denn das, was da am 26. September 2019 von 9 bis 15 Uhr in der Berliner Academie Lounge am Potsdamer Platz angeboten wird, verspricht einen sehr spannenden und informativen Tag und sollte eigentlich ein Pflichttermin für jeden Taxiunternehmer sein, der sich für mehr als nur den nächsten Fahrgast bzw. die nächste Inspektion interessiert. „Die Welt der Mobilität ist im Wandel. Die Taxi- und Mietwagenbranche ist mittendrin“, erläutert Verbandspräsident Michael Müller im Vorwort des offiziellen Kongressprogramms. Man stelle sich der Aufgabe, den Wandel der Mobilität zu gestalten, und arbeite täglich daran, dass es ein Wandel zum Besseren wird. „Als Branche verteidigen wir, was schützenswert erscheint, und wir kämpfen für das, was erstrebenswert ist“, stellt Müller klar. Beim „Taxi Driving Innovation“-Kongress soll zu vier Themen mit prominenten und wichtigen Gästen aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung aufgezeigt werden, „was geht, was gehen könnte und wo es hakt“. Den Kongress starten wird Christian Meyer von der Telekom mit dem Vortrag „Innovation braucht Mut und starke Partner“. Bei der anschließenden Diskussion zum Thema „Digitale Chancen, neue Geschäftsmodelle durch Innovation“ sitzen die Vorstände und Geschäftsführer dreier wichtiger Mobilitätsgestalter auf der Bühne: Verbands-Vizepräsident Hermann Waldner in seiner Funktion als Geschäftsführer von taxi.eu, Dr. Tom Kirschbaum von door2door und Alexander Sixt von der Sixt SE. MÜNCHNER AUF DEM PODIUM In einem Spannungsfeld urbaner Mobilität zwischen Gemeinwohl und Börse werden Metropolen zur Spielwiese immer neuer Mobilitätsangebote. Was davon Zukunft hat, weil es Probleme löst, und was im Gegensatz dazu neue Probleme schafft, wird im zweiten Themenpanel des Forums diskutiert. Hier wird auch München in Person von Gregor Beiner vom Taxibetrieb MTZ vertreten sein. Er berichtet einleitend über seine E-Taxi-Flotte. Dr. Sigrid Nikutta, Vorstandsvorsitzende der BVG, wird sich „drei Fragen“ stellen. Beide nehmen auch an der anschließenden Diskussionsrunde teil, die von Michael Müller-Görnert, dem Verkehrspolitischen Sprecher des ökologischen Verkehrsclubs Deutschland VCD, und von Rechtsanwalt Herwig Kollar aus dem Vorstand des Bundesverbands Taxi komplettiert wird. Nach der Mittagspause begibt man sich dann thematisch in den ländlichen Bereich: Heike Kopp, Amtsleiterin des Nahverkehrsamts im württembergischen Rottweil, wird von einem Positiv-Beispiel aus ihrer Region berichten („Eine gute Ergänzung – wenn das Taxi Linie fährt“) und anschließend mit Michael Ehret vom Taxiverband Württemberg und mit Markus Pellmann-Janssen, Head of Sales bei Ioki, diskutieren. Zum Abschluss des Forums wird Verbandspräsident Michael Müller mit Politikern des Deutschen Bundestags die Frage klären, ob die geplante Novelle des Personenbeförderungsgesetzes PBefG ein neuer Aufbruch werden kann. „Diskutieren werden die Politiker Michael Donth (CDU), Stefan Gelbhaar (Die Grünen), Daniela Kluckert (FDP), Kirsten Lühmann (SPD) und Andreas Wagner (Die Linke). Sie fungieren in ihren Parteien als ausgewiesene Fachleute im Themenfeld der Personenbeförderung. jh LIVE BEI FACEBOOK Wer die Veranstaltung nicht vor Ort verfolgen kann, kann Teile davon live auf dem Taxi Times Facebook- Kanal mitverfolgen. Geplant sind die Übertragungen der jeweiligen Podiumsdiskussionen. TAXI SEPTEMBER / 2019 23
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