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VfV Hildesheim - Vereinszeitung 1/2017

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VfV Vereinsnachrichten Nr. 215 - 1. Quartal 2017

Radsport

Radsport Radsportabteilung des VfV Hildesheim blickt auf 85 Jahre Vereinsgeschichte zurück Radsportabteilung des VfV Hildesheim blickt auf 85 Jahre Vereinsgeschichte zurück 16 junge Radsportpioniere waren es, die am 10. März 1932 – man stelle sich vor, in welchen Zeiten nationalsozialistischer Wirren! – den Radsportverein `RV Hildesia e.V.` in der guten Stube „Zum Deutschen Adler“ in Hildesheim gründeten. Der noch junge Verein prosperierte zur Freude aller Beteiligten und seine gelb-roten Vereinsfarben waren erfolgreich in vielen Städten des damaligen Deutschen Reiches vertreten. Bei der Talentsuche nach neuen Fahrern tat sich 1941 der erst 14-jährige Rudi Theissen hervor, der als Ausnahmetalent in die Sportgeschichte Hildesheims einging: So war es – nach zahlreichen Erfolgen im Amateurlager – nur eine Frage der Zeit, bis Rudi ins Profilager wechselte, in dem er 1955 seine Erfolge mit dem Sieg der Deutschlandrundfahrt 1955 krönte. Im Juli 2010 verließ uns Rudi im Alter von 83 Jahren. Die aufstrebenden „Hildesianer“ wurden nun allerdings durch die nahenden Kriegsereignisse gestoppt, viele Sportkameraden zu Kriegskameraden und vierzehn „Hildesianer“ kehrten aus diesem unglückseligen Krieg nicht zurück. Dass sich der RV Hildesia e.V. am 01. Januar 1946 dem damaligen Großverein VfV Hildesheim anschloss, hatte rein politische Gründe, da die damalige Militärregierung „kleine Gruppierungen“ nicht mehr wünschte – aus dem RV Hildesia wurde also die bis heute bestehende `Radsportabteilung des VfV Hildesheim`. 15 wackere Sportkameraden dieser Radsportabteilung schufen in den Jahren 1951 bis 1954 „An der Pottkuhle“ das, was sich wohl jeder Radsportler wünscht: eine eigene Radrennbahn mit einer Länge von 400 Metern, einer Breite von sieben Metern und – mit den Schuttbergen einer weitgehend zerstörten Stadt – einer Kurvenüberhöhung von 1,50 Metern. Auf dieser Radrennbahn fanden – allerdings alles schon eine Weile her – große Bahnwettbewerbe statt, der größte wohl 1958 mit den weltbesten Bahnsprintern Werner Potzernheim (Olympia- Dritter 1960 in Rom), dem Belgier de Backer und dem Niederländer Schotmann. In unseren Tagen haben wir es dagegen mit bescheideneren Wettbewerben wie etwa der Hildesheimer Sommerbahnmeisterschaft zu tun, die auch in diesem Jahr wieder mit acht Läufen vom 05. Mai bis zum 25. August ausgetragen wird. Die Geschicke der Radsportabteilung des VfV Hildesheim liegen – man mag es nicht glauben! – seit 1986 in den Händen von Horst Artmann, der 1950 der Radsportabteilung beitrat und in seinen jungen Jahren selbst aktiver Radsportler war. Besonders hatte es ihm hier der Radwandersport angetan, in dem er 1956 im Niedersächsischen Landesverband Sieger in der Juniorenklasse mit damals beachtlichen 6.658 km wurde. Legendär auch seine Weltreise auf dem Fahrrad, die ihn vom 17. Juli 1960 bis zum 17. Dezember 1960 quer durch Europa, Afrika und Asien – mit einem Abstecher in Rom zu den Olympischen Sommerspielen – führte. Heute – dicht vor seinem 80. Geburtstag – blickt der `Altmeister` auf 66 Jahre Vereinsmitgliedschaft, davon 30 Jahre als Abteilungs-Vorstand, zurück – mehr Ausdauersport geht nicht! Mitte der 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts fand ein Trainingslager auf Istrien in der Frühjahrssonne des ehem. Jugoslawien statt. Das bot zu jenen Zeiten noch ideale und – entgegen heutiger Verhältnisse – sichere Trainingsmöglichkeiten. Während in Deutschland noch tiefer Winter vorhielt, wurden hier bereits die ersten drei- bis fünftausend Trainingskilometer absolviert. Hier dreht der Bahn-Weltmeister Rudi Altig am 2.8.1959 seine Runden auf der noch neuen VfV-Radrennbahn 10 VfV-Vereinsnachrichten 1 / 2017

Radsport Horst Artmann wird nach seiner „Weltumrundung“ vom späteren Vereinsvorsitzenden Hans Freutel mit Blumenstrauß empfangen. Recht erfolgreich im Straßenund Bahnradsport waren in den 1960er/70er Jahren Stefan Borghoff und Gerhard Marhauer, etwa als niedersächsische Jugendmeister auf der Bahn. Während Stefan Borghoff als Bahnsprinter auch schon mal im Notizbuch des Bundestrainers stand (u.a. auch nieders. Fliegermeister auf dem Lattenoval in Hannover), holte sich Gerhard Marhauer neben beachtlichen Erfolgen auf der Straße 1972 den Sieg im internationalen Straßenrennen „Rund um Plön“. Auch in den 1980er/90er Jahren herrschte noch ein durchaus reger Betrieb in den Reihen der VfV-Radsportabteilung, wobei sich insbesondere Schüler- und Juniorenfahrer wie Marco Schulz, Markus Artmann, Kai Marksteiner, Karsten Pietsch, Frederik und Henrik Habenicht, Sebastian Öhl u.a. hervortaten. Die Erfolgsstatistik der VfV-Radsportabteilung wäre nicht vollständig ohne die großen Radsportveranstaltungen, die der Vorstand dieser Abteilung mit seinen vielen ehrenamtlichen Helfern Jahr für Jahr auf die Beine stellte: Allen voran der jährliche „VfV-Osterpreis“, ein bundesoffenes Straßenrennen, das allein schon wegen seiner tollen Preise – gestiftet von den damals großen Firmen dieser Stadt wie den Senkingwerken, der Fa. Hempelmann, Vetter u.v.a.m. – eine große Anziehungskraft entfaltete und namhafte Nationalfahrer an den Start lockte. Um die Publikumsresonanz noch zu erhöhen, verlegte man den VfV-Osterpreis ab 1974 kurzerhand in die Innenstadt, Jahre später entwickelte sich hieraus die `Internationale City-Nacht` von Hildesheim mit Beteiligung z.T. weltbekannter Radstars wie etwa dem mehrfachen Querfeldein-Weltmeister Klaus Peter Thaler. Man kann sich vorstellen, welche mühevolle logistische Kleinstarbeit erforderlich war, um bereits direkt nach dem jährlichen Großereignis mit den Vorbereitungen für das nächste Jahr zu beginnen. Die letzten zwei Jahrzehnte hingegen konzentrierten sich die Mannen um Horst Artmann vornehmlich um die Ausrichtung von Volksradfahren (seit 1970) sowie dem immer beliebter werdenden Radtourenfahren, einer Mischung Termine auf der Radrennbahn: Samstag, 29.04. (ab 14:00 Uhr) Bahneröffnungsrennen Istrien-Trainingsgruppe mit Gerhard Marhauer - 2. von li. aus Rennsport und Radwanderfahren, das 1980 seinen Anfang nahm. Aber auch diese beiden Veranstaltungen fanden 2015 mit ihrer 45. bzw. 37. Ausrichtung – zumindest für die VfV-Radsportabteilung – ihr sportliches Aus. Wie in vielen anderen Bereichen ist der Glanz früherer Jahre auch bei der Radsportabteilung des VfV Hildesheim längst verschwunden. So kämpft der Spartenleiter seit Jahren gegen den Verlust von Sportlern (mit ihren Familien) und sportlichen Erfolgen, was sich nicht zuletzt in reinen Zahlen ausdrückt. Danach steht die Radsportabteilung dort, wo ihre Vorgängerin, die „Hildesia“ von 1932 begann, genauer gesagt bei zzt. verbliebenen elf Mitgliedern. Wenn sich also am 10. März d.J. die Vereinsgründung zum 85. Mal jährt, bleibt eigentlich nur ein wehmütiger Blick zurück – von einer Jubiläumsfeier zum Jubiläum hat der Spartenleiter vorsorglich abgesehen. Es berichtete: Gerhard Marhauer, Pressewart Freitag, 5./12./19.5., 9.6., 21.7., 4./11./25.8. (ab 18:00 Uhr) Läufe zur Sommerbahnmeisterschaft VfV-Vereinsnachrichten 1 / 2017 11

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