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wd | Winter 2019

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NACHHALTIGKEIT IM ALLTAG

NACHHALTIGKEIT IM ALLTAG Keine Schneeflocke in der Lawine fühlt sich verantwortlich. In Deutschlands Kleiderschränken hängen fünf Milliarden Kleidungsstücke. 80 Millionen Passagiere hoben letztes Jahr von deutschen Flughäfen ab. Die Universität Würzburg zeigt, dass in Tonnen gerechnet, Deutschland mehr Müll als Produkte aus dem Maschinenbausegment exportiert. Die Welt in der wir leben Immer mehr. Immer schneller. Alle wissen wir vom Klimawandel, von immer knapper werdenden Ressourcen und immer größeren Müllbergen. Probleme, die uns schon längst über den Kopf gewachsen sind. Dabei gibt es clevere Lösungen, Ideen und Innovationen, mit der wir noch die Kurve kratzen könnten. Gäbe es da nicht ein Problem: „Keine Schneeflocke in der Lawine fühlt sich verantwortlich.“ Als Lawine, als Ganzes sehen wir uns verantwortlich. Für massenhaften CO 2 -Ausstoß und irreparable Schäden an unserer Umwelt. Für verschwundene Gletscher und ausgerottete Tierarten. Für die Ausbeutung armer Länder, ohne die der Luxus der westlichen Welt undenkbar wäre. Doch die einzelne Schneeflocke, die locker leicht und unschuldig vom Himmel rieselt – was kann die schon dafür? Die Worte des polnischen Lyrikers Stanislaw Jerzy Lec verloren noch nie an Brisanz. © sylvie-tittel Der Winter ist da, der Rubel rollt besonders in den Skigebieten. Was gibt es Schöneres: morgens, direkt nach einer guten Tasse Kaffee, raus auf die Piste. Danach ein leckeres Mittagessen und abends wieder die Füße auf den heimatlichen Couchtisch legen. Der Autobahn sei Dank! Einhundert oder zweihundert Kilometer kommen da schon mal zusammen – für viele noch wesentlich mehr. Entscheidend ist dabei eigentlich nur der Geldbeutel. Der Kaffee am Morgen kam jedoch aus Vietnam. Und das Steak aus Argentinien hatte sogar mehr als 12.000 Kilometer hinter sich. Gäbe es diese Rindsviecher doch nur auch bei uns in den Alpen. Würde der Schnee doch einfach vom Himmel fallen und müsste er nicht den Sommer über konserviert werden, um ihn dann im Herbst, bei T-Shirt-Wetter auf dem Gras auszuwalzen. Wie schön und einfach es doch wäre. 96

NACHHALTIGKEIT Und die An- und Abfahrt? 80% des CO 2 -Ausstoßes für einen Skitag, sind unseren eigenen Autos und nicht Pistenraupen oder Schneekanonen anzulasten. Auto für Auto, Schneeflocke für Schneeflocke bildet sich so die Blechlawine. Wir müssen umdenken. Unser Verhalten prüfen und hinterfragen. Hippe Klamotten und immer das neueste Handy leisten wir uns doch auch. Warum dann nicht auch einen zeitgemäßen Lebensstil? Wer soll das bezahlen, wer hat so viel Geld? Die beliebteste Ausrede! In Wirklichkeit ist der Komfort, der Überfluss erschwinglich geworden. Das ist auch das grundlegende Problem der Misere. Woher der Schnee auf der Piste kommt, ist zweitrangig. Der Flug ans Mittelmeer kostet mittlerweile nicht mehr als ein gutes Mittagessen. Doch wer nachrechnet, dem fällt auf: die Rechnung geht nicht auf! Denn der Dumping-Kampf wird auf dem Rücken unserer Umwelt ausgetragen. Unser Mobilitätswahn, ob privat oder beruflich, er geht quasi aufs Haus. Hotels haben aber schon lange einen Trend erkannt: Fast überall ist ein nachhaltiger Aufenthalt möglich. Häuser versorgen sich oftmals selbst mit Elektrizität, regionale und – mindestens genauso wichtig – saisonale Küche ist angesagt. Selbst auf das Baumaterial wird mancherorts geachtet, wobei heimische Hölzer besonders gefragt sind. Oftmals kann auch Wasser effektiv eingespart werden, denn mit dem Abschmelzen der Gletscher, droht manchen Alpenregionen zukünftig Wassermangel! All-Inclusive hat dagegen kaum etwas mit Nachhaltigkeit zu tun. Verschwenderischer Überfluss ist Touristen heute eher ein Dorn im Auge. Das Bedürfnis, bewusst zu leben, wächst. Wer im Winter zu den Erdbeeren im Supermarkt greift, lässt sich dabei besser nicht vom Nachbarn erwischen! Reiseveranstalter setzen deswegen auf einen möglichst ökologischen Fußabdruck jedes einzelnen Touristen. bookitgreen.com beispielsweise bietet nur Unterkünfte an, die jeweils mehrere Kriterien erfüllen. Das beginnt bei einer nachhaltigen Bauweise und einhundert Prozent Ökostrom und endet bei Wassersparhähnen und frischen Handtüchern nur auf Nachfrage. Pro gebuchte Nacht wird außerdem ein Baum gepflanzt. Nachhaltiges Reisen ist einfach und außerordentlich effektiv, womit wir wieder bei der Schneeflocke sind. Denn Nachhaltigkeit ist keine One-Man-Show! © victor #flygskam Jedoch gibt es derzeit keine wirklich gute Alternative für das Transportmittel Nummer eins: Das Flugzeug. Längere Strecken sind mit dem Auto oft nicht zu bewältigen. Eine Kreuzfahrt verursacht im Vergleich den dreifachen ökologischen Fußabdruck. Zusätzlich fliegen Passagiere oft trotzdem noch mit dem Flugzeug zum Startpunkt der Schiffsreise. Ein erstes Umdenken findet aber statt. Mancherorts greift sogar schon die „Flugscham“ um sich, was zeigt, dass wir uns heute mehr denn je mit dem Thema auseinandersetzen. Das schwedische Hashtag verbreitet sich wie ein Lauffeuer. Heute braucht man schon wirklich triftige Gründe, um einen Flug zu rechtfertigen. Ausreden werden rar. Im skandinavischen Küstenstaat haben sich schon viele Prominente, Sportler, Künstler und Schauspieler dafür ausgesprochen, zukünftig auf Flugreisen zu verzichten. Das alles übrigens schon bevor Greta Thunberg die internationale Naturschutzbühne betrat. Neu hingegen ist ein anderer Trend: #tagskryt - der Zugstolz! >>> © onesave-day 97