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ZT | August 2013

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Ausgabe 17 - 08/13

QUO VADIS TRAINER?

QUO VADIS TRAINER? Interview mit Dr. Helmut Fuchs Managementtrainer zu sein ist eine große Rollenherausforderung und wird zunehmend mit den farbigsten Metaphern beschrieben. Neben der noch nachvollziehbaren Rolle als Referent, Dozent, Seminarleiter gibt es bereits den Bildungsmanager, Andragoge, Weiterbildner, Lehrer, Chaos-Piloten, den Begriff des Gärtners, Hebamme oder Bauchladenhändler oder schlicht den Coach und letztlich den Speaker. Aber immer mehr scheint der Beruf sich für Gaukler, Hofnarren und Komödianten zu öffnen. Herr Dr. Fuchs als Cheftrainer der TAM-Trainerakademie, bei der schon mehr als 1000 Trainer ausgebildet wurden, beobachten Sie die Szene zunehmend kritisch. Nun, weniger kritisch eher staunend. Wobei ich vorurteilsfreies Staunen gegenwärtig im Bildungsbereich für eine Tugend halte. Mit hoher Durchlaufgeschwindigkeit werden wir besonders aus dem Bereich der Neurowissenschaften um die Kollegen Spitzer, Hüther, Roth und Singer mit neuen spektakulären Denkanstößen versorgt und die Theorie der Resonanzphänomene von Rizolatti löst weiter Diskussionen aus. Aber auch die multimediale Welt läßt den marktbeobachtenden Trainer nicht zur Ruhe kommen.Vorbei ist die gemütliche Zeit als Folienknecht und Pinwand-moderator. Mit dem ipad, dem e-book ,webinaren und Lernplattformen auf socialmedianiveau ist der Managementtrainer der Zukunft seine alte Rolle weitgehend los und muß sich neuen Herausforderungen stellen - und das möglichst schnell. Sie selbst tragen ja fleißig mit zu der Neuausrichtung bei und reisen mit ihrem Psychologischen Kabarett quer durchs Land . „Aha mit Haha“ ist ein Zauberwort geworden und reißt gegenwärtig vielerorts die alten Mauern des calvinistischen Lernparadigmas nieder. „Lernen muß Spaß machen, alles andere ist 26 ZT | August 2013

Krampf,“ war schon eine der Hauptforderungen des Altmeisters der Neurobiologie Frederic Vester, der schon in den 70er Jahren in einer Eingabe an das bayer. Kultusministerium daraufhin wies, das nach herkömmlichem Verständnis von Lernen durch „Willkür Versager gezüchtet werden!“ Der Managementtrainer als Bühnenillusionist mit Zauberei und Gesangseinlagen? Wäre doch mal was Neues, oder? Business-Theater ist ja nicht weit entfernt davon. Aber alles nicht neu. Schon Ende der 70er Jahre verglich der Nestor der Personalentwicklung Prof. Dr. Oswald Neuberger die Herausforderung des Managementtrainers mit der Rolle der Gaukler, Hofnarren und Komödianten im Mittelalter. Gaukler galten als Ilusionisten, die mit hoch entwickelter Kunstfertigkeit ihr Publikum durch Täuschungen unterhielten. Gaukeln hat laut Grimms Wörterbuch zu tun mit schlaksigen, wankenden, tolpatschigen, unsteten,unberechenbaren Bewegungen, flatternden zwecklosen Umherschweifen, ausgelassenem übermütigem Tun und Treiben (hier besteht eine Beziehung zu „joculari“ (Scherzen) und „gesticulari“). Gaukel ist ferner eine Bezeichung für für Unechtes, falsches, Blendwerk, Täuschung (jemanden etwas vorgaukeln). Beides hat sich im Begriff des Gauklers verdichtet (s.a. das französiche „Jongleur“ und das englische „juggler“ Gaukler ist eine Person, die sowohl Zauberer (magus) wie Schauspieler (mimus) ist, ein Kunstspringer, Seiltänzer, Bauchredner, Gebärdenspieler (Pantomime), Bären- und Affenführer, Taschenspieler, Quacksalber, Marktschreier, Kunstredner, Musikant und Narr. (s. Neuberger in BILDUNGSREISE Reader zum TAM-Jubiläum 1994). Da fallen uns doch wolle viele „Top-Trainer“ ein. Aber was hat das alles mit Managementtraining zu tun? Ich möchte damit die Bandbreite auffächern und das Spannungsfeld charakterisieren in dem der Managementtrainer heute anscheinend zuhause sein sollte. Ich kenne nicht wenige erfolgreiche „Trainer des Jahres“ die eine komplette Bühnenshow einstudiert haben, Zauberkunststücke virtuos beherrschen und sogar in Seminaren die Teilnehmer mit Jonglieren begeistern. Vorbei die Zeit, wo der Trainer als Referent vor der Gruppe stand und in teilprogrammierten Unterweisungen mitgeschrieben wurde. „LERNEN MUSS SPASS MACHEN!“ Werden bei der Trainer-Akademie-München solche „Hofnarren-Trainer „ausgebildet? Nein, natürlich nicht. Aber AUCH. Die zentrale Devise unserer Handwerks-ausbildung heißt „Lernen muß Spaß machen!“ Und das ist vielerorts noch nicht selbstverständlich. Wir sagen, dass Teilnehmer bei einem TAM ausgebildeten Trainer das Recht haben ihn wegen Körperverletzung zu verklagen,. wenn sie nicht in jedem Baustein mindestens 3-4 mal gelacht haben. Nach unserem Verständnis muß der heutige Trainer aber nach wie vor natürlich sein Handwerkszeug beherrschen und wissen, wie er als Partner seiner Kunden von der Bedarfsanalyse bis zur Erfolgskontrolle und Transfersicherung die richtigen August 2013 | ZT 27

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