Hungersnöte im Mittelalter - booksnow.scholarsportal.info

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LEIPZIGER STUDIEN

AUS DEM GEBIET DEK GESCHICHTE.

HERAUSGEGEBEN

VON

G. BUCHHOLZ, K. LAMPRECHT, E. MARCKS, G. SEELIGER.

VL BAND, 1.

HEFT:

Fkitz Curschmann: Hungersnöte im

Mittelalter.

EIN BKITEAG ZUR DEUTSCHEN WIBTSCHAPTSGESCHICHTE DES 8. BIS 13. JAHRHÜNDEBT8.

LEIPZIG,

DRUCK UND VERLAG VON B. G. TEUBNER.

1900.


HUNGERSNÖTE IM MITTELALTER.

Em BEITRAG ZUR DEUTSCHEN

WIRTSCHAFTSGESCHICHTE

DES 8. BIS 13. JAHRHUNDERTS.

VON

FRITZ CTJRSCHMANN.

LEIPZIG,

DRÜCK UND VERLAG VON B. G. TEUBNER.

1900.


C R"712.U^

638G81

Aus dem Historischen Seminar an der Universität Leipzig.

Prof.

Dr. Lamprecht.

ALIiE RECHTE,

EJNSOHIilESSIilCH DES ÜBEBSETZÜK6SBECHTS , YOBBEHALTEX.


Vorrede.

Wenn ich die vorliegende Schrift jetzt der Öffentlichkeit

übergebe, so möchte ich ihr einige Worte vorausschicken.

Über den ersten, den darstellenden Teil, habe ich wenig

zu bemerken. Es war ein spröder Stoff, den ich zu bewältigen

hatte. Ich hoffe, nicht zu weitschweifig geworden zu sein in

der Angabe von Einzelheiten, die in ihren oft abenteuerlichen

Übertreibungen historisches Interesse nur in beschränktem

Mafse beanspruchen können, andererseits hoffe ich auch, nicht

zu knapp geschrieben zu haben, so dafs die Bilder der Vergangenheit

an Anschaulichkeit verlieren. Ich weifs nicht, ob

man die Darstellung des Verlaufes einer Hungersnot in einem

gleichsam typischen Bilde, wie man es aus den zahlreichen

Einzelschilderungen hätte entnehmen können, vermissen wird.

Ich habe darauf verzichtet. Das Bild wäre doch farblos geworden

gegen die mit naiver Kraft entworfenen Bilder in den

alten Quellen.

Bei der Gestaltung des zweiten Teiles, der Chronik der

elementaren Ereignisse, habe ich manche Bedenken gehabt.

Dass eine solche Chronik von allgemeinem wirtschaftsgeschicht-.

liehen Interesse ist, und vielleicht auch für das Detail der

politischen Geschichte manchen Aufschlufs liefern kann, glaube

ich annehmen zu dürfen. Es sind ja auch schon mehrfach

solche Zusammenstellungen gegeben worden von Alwin Schulz

in seinem höfischen Leben zur Zeit der Minnesänger, Band I,

S. 102 ff., von Lamprecht im deutschen Wirtschaftsleben, Band I,

S. 1537— 1557; ebenso bieten manche Regestenwerke, wie z. B.

die mittelrheinischen Regesten von Goerz, bei den einzelnen

Jahren Angaben über die Witterungsverhältnisse des behandelten

Gebietes.

Der Umfang, den meine Chronik der elementaren Ereignisse

allmählich angenommen hat, hat mir Bedenken erregt.

Es mag unnatürlich erscheinen, wenn dieser Teil den darstellenden

Teil an Umfang bedeutend übertrifft. Aber für

meine Arbeit war es nötig, jede noch so unbedeutende Notiz,


VI

Vorrede.

die sich auf Witterungsverhältnisse, die Ernte und Ähnliches

bezog, zu sammeln. Ich habe bei der Zusammenstellung oft

zu kürzen versucht, mich schliefslich aber doch entschlossen,

das Material vollständig, wie ich es gesammelt habe, wiederzugeben

und ich hoffe damit nichts Unnützes gethan zu haben

und über mein engeres Gebiet hinaus anderen Forschem

manches nützliche wirtschaftsgeschichtliche Material zu liefern.

Kürzungen, die ich doch vorgenommen habe, beziehen sich

entweder auf wirklich gleichgültige Einzelheiten, oder es sind

an diesen Stellen Dinge, die schon vorher gesagt sind, mit

übertriebener Breite weiter ausgeführt. Jedenfalls habe ich

alle solche Kürzungen durch Gedankenstriche kenntlich gemacht

(— — ).

Ich hatte ursprünglich die Absicht, auch noch Preistabellen

hinzuzufügen, ich habe dann aber darauf verzichtet,

weil die Zusamenstellung der zerstreuten Einzelpreise wenig

unmittelbaren Nutzen gehabt hätte. Um aber diese Preisangaben

doch leicht auffindbar zu machen, habe ich wenigstens

alle Getreidepreise, weil sie die wirtschaftlich wichtigsten

sind, durch gesperrten Druck hervorgehoben. Sonstige

Hervorhebungen durch Sperrdruck sollen lediglich dazu dienen,

die Übersicht zu erleichtern oder besonders interessante und

wichtiare Stellen hervorzuheben.


Inhalt.

I. Teil.

Seite

Einleitung 1

Frühere Bearbeitungen 1

Quellen 2—5

Räumliche Begrenzung des behandelten Gebietes 6—7

Zeitliche Begrenzung 8

Hungersnöte und Seuchen 9

Farnes und caristia 10— 11

Auffassung der Zeitgenossen über die Entstehung

der Hungersnöte 12— 17

Verschiedene Ursachen für die Entstehung der

Hungersnöte 18— 24

Dauer und räumliche Ausdehnung der Hungersnöte. 25— 30

Verschiedene Arten der Hungersnöte 31—34

Versuch einer Statistik 35—46

Wirkungen der Hungersnot 47

Notstandspreise 47

Wucher 61

Verhalten der grofsen Massen in der Notzeit 52—54

Allgemeine Verarmung .

54—57

Nahrung in der Notzeit 57—59

Menschenfresserei 59—60

Krankheiten 61—62

Wanderungen der Notleidenden 62—68

Notstandspolitik 69

Geistliche und Laien 69

Notstandspolitik Karls des Grofsen 70— 73

Notstandspolitik von Fürsten und Städten 74— 76

Kirchliche Notstandspolitik 77—81

Tabellen über Dauer und Ausdehnung der einzelnen

Hungersnöte 82—85

II.

Teil.

Chronik der elementaren Ereignisse 87—217


I.

DAßSTELLENDEß TEIL.


Einleitung.

Frühere Bearbeitiingen.

Eine eingehende Behandlung der mittelalterlichen Hungersnöte,

wie sie die vorliegende Arbeit geben will, kann vielleicht

als ein etwas sonderbares Thema erscheinen. Eine

Hungersnot ist ein Unglück, das mehr oder weniger zufällig

entsteht, durch schlechte Ernte, Hagel, Überschwemmung,

Krieg oder durch eine Vereinigung solcher unglücklichen Umstände.

Eine rein descriptive Aufzählung von Unglücksfällen

aber, auch wenn sie ein ganzes Land betroffen haben, mag

wohl an sich verdienstlich sein, würde aber für eine weitere

historische Erkenntnis doch nur wenig bedeuten.

Indefs eine Geschichte der Hungersnöte kann mehr besagen.

Den Anstofs zur Entstehung der Hungersnöte geben

allerdings elementare Ereignisse, die wir nicht anders, wie als

etwas Zufälliges auffassen können. Allein für den Charakter

dieser Nöte kommt denn doch als ein zweiter, sehr bedeutender

Faktor, der Widerstand in Betracht, den die Wirtschaft

des bedrohten Landes leistet. Von diesem Standpunkte aus

kann eine Geschichte der Hungersnöte dann wohl als ein

einigermafsen wertvoller Beitrag zur Erkenntnis der wirtschaftlichen

Entwicklung einer bestimmten Zeit erscheinen.

Für eine Arbeit in diesem Sinne fehlen aber bis jetzt fast

alle Vorarbeiten. Das Buch von L. Torfs, Fastes des calamites

publiques survenues dans les Pays-Bas et particulierement

en Belgique, depuis les temps les plus recules jusqu

ä nos jours, Paris et Tournai, H. Casterman 1859, scheint

seinem Titel nach allerdings wenigstens für ein gewisses beschränktes

Gebiet das Thema zu erledigen. Es zerfällt in

drei selbständige Abschnitte, die von Hungersnöten, Überschwemmungen

und Epidemien handeln. Leider ist aber das

Buch für eine wissenschaftliche Benutzung gänzlich imbrauchbar.

Nur aus einigen Andeutungen läXst sich erkennen, dafs

der Verfasser als Quellen für seine Darstellung einzig und

allein einige grofse Kompilationen des 17. und 18. Jahrhunderts

benutzt hat. Woher seine einzelnen Nachrichten stammen,

läfst sich häufig nicht feststellen, da er Citate überhaupt nicht

Leipziger Studien VL 1: Carschmunn, Hungersnöte. 1


2 Einleitung.

kennt. Bei der Benutzung eines solchen Materials und dieser

Arbeitsweise kann man natürlich keine gesicherten Resultate

erwarten, wenn auch die bei Torfs angegebenen Notjahre zum

Teil mit denen übereinstimmen, die ich mit Hilfe des originalen

Quellenmaterials gefunden habe. Dazu kommt, dafs

Torfs als echter Ultramontaner die Tendenz verfolgt, nachzuweisen,

dafs fast alles Gute in der Welt von den Mönchen

kommt. Als klassisches Beispiel dafür mag es dienen, dafs er

es einmal für nötig hält hervorzuheben, besonders wie auch

ein protestantischer Schriftsteller die segensreiche Wirksamkeit

der Mönche bei der Hungersnot von 1272 in Friesland

anerkennt.^)

Etwas brauchbarer ist schon ein Aufsatz von L. Wassermann

im „Katholik"^) unter dem Titel „Die Hungerjahre und

die Klöster in alter Zeit". Auch dieser Verfasser schreibt mit

der Tendenz „die Zeitgenossen daran zu erinnern, mit welch

heroischer Selbstverleugnung die viel verleumdeten Mönche

imseren Voreltern in den Zeiten gröfster Not Hilfe gebracht

haben." Dem entsprechend findet sich in dem Aufsatze eine

Aneinanderreihung einer grofsen Anzahl von Einzelheiten aus

allen Zeiten und Ländern über die Wohlfahrtspflege der Klöster

in Notjahren. So weit die Angabe nach Zeit und Gegend,

aus der sie stammten, für mich in Betracht kamen, waren sie

mir meist schon bekannt, neu wurde ich nur auf die miracula

Volcuini und eine Stelle in der Hist. Frisingensis von

Meichelbeck hingewiesen.

Im übrigen ist die Geschichte der Hungersnöte nur noch

für das Moselland schon einmal bearbeitet worden, allerdings

nicht selbständig, sondern im Zusammenhange eines gröfseren

Werkes von Lamprecht in seinem Deutschen Wirtschaftsleben.

^) Diesen Ausführungen verdanke ich die Hauptanregung

für die vorliegende Arbeit. Die Resultate, die hier für ein

kleineres Gebiet festgestellt worden sind, habe ich meist auch

für das übrige Deutschland bestätigt gefunden.

Quellen.

Als Quellen dienten der vorliegenden Arbeit fast ausschliefslich

die erzählenden Geschichtsdenkmäler des Mittel-

1) Torfs, S. 173 „Bien d'autres" dit Van Rhyn, „seraint ägalement

morts de besoin, sans les secours charitables des religieux." Cet aveu

d'un homme qui ne professait pas une grande admiration pour les institutions

monastiques, est pröcieux ä recueillir; il confirme les faits

rapportös par Heylen." Die Nachricht selbst stammt natürlich von Menko.

2) „Der Katholik", 72. Jahrgang, Dritte Folge, V. Band, 1892.

3) 8. I, 589 flF. und 1537 ff. Chronik der elementaren Ereignisse.


Einleitung. 3

alters. Dabei war die Ausbeute, die die einzelnen Autoren

lieferten, sehr verschieden. Gerade eine Anzahl der gefeiertesten

Namen der mittelalterlichen Geschichtsschreibung werden

in den folgenden Ausführungen ganz oder doch fast ganz

fehlen,

so um nur einige zu nennen, Widukind, Wipo, Thietmar,

Adam von Bremen, Otto von Freising. Man sieht, es sind

Autoren, deren ganzes Interesse auf die Ereignisse des Staatslebens

gerichtet ist. In ihre wohlgeordneten Geschichtswerke

pafste eine bunte Aufzählung von allem, was wunderbar oder

auffällig ist, von Hagel, Krankheit, Hungersnot und Mifsgeburten,

nicht hinein; und eine Betrachtung der wirtschaftlichen

Mächte in ihrer Bedeutung für den gesamten Verlauf

der Geschichte lag ihnen natürlich noch fern.

Naive, unbekannte Mönche, die aufschrieben, was ihnen

in ihrem engen Lebenskreise bemerkenswert erschien, lieferten

dagegen oft die wertvollsten Nachrichten. Im allgemeinen ergeben

die einfachsten Annalen bei weitem das beste Material,

aus ihnen liefs sich ein gewisser. Grundstock von Nachrichten

entnehmen; sie dienten in erster Linie zur zeitlichen

und örtlichen Fixierung der einzelnen Hungersnöte. Am wertvollsten

waren hier oft wieder die allerkürzesten und sonst

sehr unbedeutenden Annalen, Werke, die oft noch wirklich

auf Ostertafeln eingetragen waren, die nichts von allen grofsen

Ereignissen der Welt wissen und die neben ihrer Abtreihe

häufig nicht viel mehr enthalten, als eben Nachrichten über

Naturereignisse, über Krankheiten von Menschen und Vieh

und was dem Verfasser sonst wunderbar und bemerkenswert

erschien. Solche Nachrichten haben den Vorteil, dafs sie

authentisch sind, meist sind sie im Jahre des Ereignisses

selbst niedergeschrieben oder stützen sich doch auf unmittelbare

gleichzeitige Nachrichten, in der Regel enthalten sie neben

der Angabe fames valida, hiemps prolixa oder Ähnlichem

keine näheren Bestimmungen, besonders keine Ortsangaben,

sie beziehen sich eben nur auf den Ort der Niederschrift und

seine nähere Umgebung. Eine Schwierigkeit bot die Bearbeitung

dieser kurzen Annalen insofern, als gerade sie häufig

von einem Kloster in das andere übertragen worden sind, um

dort den Anfang eigener Klosterannalen zu bilden, oder aber,

was die Benutzung noch schwieriger macht, mit schon vorhandenen

Annalen vermischt zu werden. Um ein charakteristisches

Beispiel dieser letzteren Art anzuführen, erwähne ich

die Fortsetzung der Annalen von Lobbes.^) Diese Fortsetzung

ist mit den Weifsehburger Annalen derartig verbunden worden,

1) Ann. Laub. cont. S. S. IV, 20 u. Ann. Weifsenburg. ed. Holder-

Egger, Lamperti monach. Hersfeld, opera, p. 53, 56; vgl. bes. a. 1068, 1069.

1*


4 Einleitung.

dass wir jetzt Witterungsangaben, die für das Elsafs gelten,

scheinbar auf Belgien bezogen wiederfinden. Ähnlicli ist es

mit den Achener Annalen gegangen, die in Erfurt^) wieder auftauchen,

wo sie sich allerdings leicht durch ihre Angaben in

Achener Mafs verraten.

Bei der höchst mühsamen Arbeit der Zurückführung der

einzelnen Stellen auf ihren Ursprungsort, boten mir oft schon

die Ausgaben der M. G. S. S. bedeutende Hilfe. Die wertvollste

Führung durch dieses Labyrinth aber waren mir doch

Wattenbachs Geschichtsquellen, ohne die die vorliegende Arbeit

überhaupt kaum möglich gewesen wäre. So weit es nötig

schien, habe ich aufserdem auch noch auf die Spezialuntersuchungen

zurückgegriffen und möchte in dieser Hinsicht besonders

Redlichs Aufsatz über die österreichische Annalistik

im zweiten Bande der Mitteilungen des Instituts für österreichische

Geschichtsforschung erwähnen; dazu kamen zahlreiche

kleinere Untersuchungen, wie sie sich besonders im

neuen Archiv für ältere deutsche Geschichtskunde zerstreut

finden. So schwierig die Aufgabe der richtigen Fixierung der

einzelnen Nachrichten oft war, so glaube ich doch hier fast

überall zu einem abschliefsenden Ergebnisse gekommen zu sein.

Einfacher schon war die Verbesserung der chronologischen

Fehler in den Annalen. Es handelte sich hier fast immer um

den Nachweis einer Verschiebung der Zahlen um ein oder

zwei Jahre, wie sie wohl meist erst beim Abschreiben der

Origiualquellen entstanden ist. Hier liefs sich das Richtige

gewöhnlich schon durch eine Nachprüfung der zu demselben

Jahre berichteten politischen Ereignisse finden.

Die Nachrichten, die in den ausführlicheren Chroniken

geboten werden, haben schon einen anderen Charakter. Die

Nachrichten der Annalen dienten zur Festlegung der einfachen

Thatsachen, die eingehenderen Berichte der Chroniken bieten

die wünschenswerte Illustrierung der Vorgänge im Einzelnen.

Dafür ist aber bei ihnen oft die zeitliche Bestimmung unsicher

und läfst sich nur mit Hilfe der aus den Annalen gewonnenen

festen Grundlage erreichen. So datieren z. B. Sifried

von Ballhausen und der Mönch von Fürstenfeld beide

eine Hungersnot in Böhmen nur durch die Angabe „nach dem

Tode Ottokars". Man würde also hiernach versucht sein, sie

in das Jahr 1278 zu setzen, während sie thatsächlich erst

zwei Jahre später begann. Auf die Erwähnung dieser Hungersnot

folgt dann bei dem Monach. Fürstenfeld, bald eine andere:

„etwas vor oder nach dem Regierungsantritt Rudolfs", ist sie

1) Ann. S. Petri Erphesfurd. S. S. XVI, 20 und Ann. Aquensea S.

S. XXIV, 37, 38; vgl. die Jahre 1146, 1150 u. 1162.


Einleitung. 5

datiert; es handelt sich, wie sich durch Hinzuziehung anderer,

besonders annalistiseher Quellen, ergiebt, um das Jahr 1271.

Sehr häufig fehlt aber eine nähere Bestimmung in den Chroniken

ganz, so dafs sich nur aus den begleitenden Umständen

eine Datierung finden läfst.

Die Gesta der Bischöfe und Äbte sind den Chroniken

nahe verwandt, sie sind aber oft sehr spät niedergeschrieben

und enthalten für den vorliegenden Zweck verhältnismäfsig

wenig. So finden sich z. B. in der ganzen langen Reihe der

Gesta Treverorum nur zwei Nachrichten.

Auch in den Heiligenleben fand ich auffallend wenig

brauchbares Material; wirklich genaue Angaben mit fester

Datierung wird man ja hier kaum suchen, aber auch für die

Anschauung der Zeit bieten sie nicht viel. In der Lebensbeschreibung

selbst überwiegt der erbauliche Inhalt sehr, und

auch in ihren Wundern zeigen die Heiligen für unseren Zweck

zu wenig Abwechslung, sie heilen immer nur Blinde und

Lahme und haben nie ein Wunder gegen die Hungersnot vollbracht.

Aus diesen Gründen habe ich darauf verzichtet, dieses

ungeheure Material vollständig durchzusehen, ich habe mich

auf die Heiligenleben, die in den M. G. S. S. abgedruckt sind,

beschränkt mit Ausnahme von wenigen, die allzu spät verfafst

waren; und ich glaube mit dieser Begrenzung nichts

wichtiges übergangen zu haben. Einen Ertrag gaben aber

nur verhältnismäfsig wenige, meist sehr bald nach dem Tode

ihres Heiligen verfafste Biographieen, die sich auch sonst vor

der übrigen Litteratur dieser Art auszeichnen. Ich nenne hier

in erster Linie die sehr wertvolle Passio Karoli comitis Flandriae,

ferner die Leben Heriberts von Köln und Ottos von

Bamberg.

Grundsätzlich habe ich auf die Durchsicht von Urkunden

und Briefen verzichtet, ich glaube mit gutem Rechte,

denn bei der ganzen Natur dieser Quellen ist auf einen Ertrag

kaum zu rechnen. Ist dies schon von vornherein leicht

glaublich, so sprechen dafür auch noch mehr Ergebnisse von

Werken, die dieses Material verarbeitet haben. Lamprechts

Wirtschaftsleben, das zum ganz überwiegenden Teile auf Urkundenstoff

beruht, enthält in der Chronik der elementaren

Ereignisse nur eine einzige Stelle aus einer Urkunde, die sich

auf eine Hungersnot bezieht. Die Jahrbücher des deutschen

Reichs erwähnen die meisten bedeutenden Hungersnöte und

geben das Qu eilen material fast vollständig an, und doch findet

sich hier nur einmal eine Stelle aus einem Briefe.

Noch eine Quellengruppe ist zu erwähnen, die Kapitularien

der fränkischen Zeit. Sie ergaben ein aufserordentlich

wertvolles Material, besonders für die Notstandspolitik Karls


6 Einleitung.

des Grofsen; einmal liefs sich auch eine Hungersnot, wo die

Annalen schweigen, allein aus den Kapitularien bestimmen.

Die späteren Kaiser haben nur noch wenige Gesetze gegeben

und sich darin nie mit Wohlfahrtspolitik befafst. Ich habe

diese Gesetze nicht einzeln durchgeprüft, ich kann mich hier

wohl wieder mit Recht auf das Schweigen der Jahrbücher

berufen, die Material, was hier vorhanden gewesen wäre, nicht

unberücksichtigt gelassen hätten.

Ein vollständiges Verzeichnis aller zu der vorliegenden

Arbeit benutzten Quellenschriften würde zu weit führen, es

wäre eine Aufzählung von mehreren Hundert Namen, im

wesentlichen eine Wiedergabe der Titel aus den Inhaltsangaben

der Monumenta Germaniae. Ein sehr grofser Bruchteil von

Schriften würde auch darunter sein, deren Durchsicht kein

Resultat ergab, die also in Wirklichkeit für diese Arbeit nicht

in Betracht kamen. Irgend eine innerliche Scheidungslinie

zwischen den Schriftstellern, die Material enthalten, und denen,

die nichts beibringen, giebt es nicht. Im ganzen liefern die

Annalen vielleicht y^, oder mehr allen Stoffes, und höchst

selten fand sich einmal eine Nachricht über eine Hungersnot

in einem Königs- oder Bischofskatalog, aber auf der anderen

Seite giebt es auch Annalen, die keine Nachricht bringen,

und einige vereinzelte Nachrichten finden sich auch in den

Katalogen.

Räumliche Begrenzung des behandelten Gebietes.

Was die räumliche Abgrenzung des von mir behandelten

Gebietes angeht, so bin ich mir wohl bewuTst, dafs dieses Gebiet

weder geographisch, noch wirtschaftlich, noch politisch

ein vollkommen abgeschlossenes Ganzes bildet. Wenn auch

die Behandlung von ganz Europa oder auch nur Mitteleuropa

nach der Überlieferung der Quellen so gut wie unmöglich

war, so hätte es doch nahe gelegen, wenigstens Deutschland

und Frankreich zusammen zu behandeln. Wenn ich mich

dennoch entschlofs, mich auf Deutschland zu beschränken, so

bestimmten mich dazu Erwägungen von rein praktischer

Natur. Eine Arbeit, die sich über sechs Jahrhunderte erstreckt

und die die ganze historische Quellenlitteratur dieser

Zeit heranziehen will, läfst sich exakt nur mit einem einheitlichen

publizierten und durchgearbeiteten Material ausführen,

wie es für Deutschland eben in den M. G. S. S. vorliegt. Für

Frankreich giebt es zwar auch in dem Recueil des historiens

des Gaules et de la France eine grofse Sammlung, aber sie

kann in ihrer Brauchbarkeit doch nicht mit den Monumenten

verglichen werden. Die Kritik der einzelnen Quellenstellen


Einleitung. 7

wäre unendlicli viel schwieriger und in ihren Ergebnissen sehr

viel unsicherer gewesen. Schon die Hilfe, die die M. G.

S. S. in Bezug auf originale und abgeleitete Überlieferung

durch den verschiedenen Druck gewähren, fehlt, und die

Quellenkritik ist hier überhaupt noch nicht so weit durchgeführt,

wie für Deutschland, wo sie für meine Zwecke in genügender

* Abgeschlossenheit vorliegt. Ich habe im Verlaufe

der Arbeit gewifs noch oft auch für Deutschland die Richtigkeit

der geltenden Ansichten in dieser Richtung nachprüfen

müssen, aber eine quellenkritische Prüfung selbständig vorzunehmen,

wie das bei Heranziehung der aufserdeutschen

Quellen oft nötig gewesen wäre, ist bei einer Arbeit, die zusammenfassen

will, unmöglich.

Geographisch beschränkt sich die Untersuchung also auf

Deutschland. Doch habe ich unter dieser grundsätzlichen Beschränkung,

um auch für die Grenzgebiete möglichst richtige

Resultate zu erreichen, das Gebiet immerhin sehr ausgedehnt.

Im Westen ist Belgien vollkommen einbezogen worden, so

dafs die äufsersten Quellen der Gegend von Calais und Cambrai

augehören. Bei einem im Mittelalter so viel benutzten Schriftsteller

wie Vincenz von Beauvais, bin ich auch noch beträchtlich

über die angedeutete Linie hinausgegangen. Weiter südlich

sind vollständig benutzt die Quellen aus den Bistümern

Verdun, Toul und Dijon, aufserdem noch Rodulfus Glaber, und

einige kleinere Quellen aus Lausanne. Alle diese Quellen bis

auf Rodulfus Glaber, finden sich noch in den M. G. S. S. abgedruckt.

Um für diese Grenzgebiete noch eine Kontrolle zu

haben, habe ich aber für die wichtigsten Notjahre auch den

Index chronologicus des Recueil des historiens des Gaules et

de la France, bis zum elften Bande, zu Rate gezogen; von da

an mufste ich mich freilich mit dem Sachverzeichnisse begnügen.

Es ergaben sich dabei für das Gebiet östlich der

Linie Calais-Dijon überhaupt keine neuen Nachrichten, und

auch für das übrige Frankreich fand sich auffallend wenig

Neues, so dafs ich schliefslich glaube, thatsächlich auch für

den gröfsten Teil von Frankreich, eine fast vollständige Reihe

von Hungersnöten gegeben zu haben.

Die Südgrenze meines Gebietes ergiebt sich von selbst

durch den Zug der Alpen. Einzelne Angaben über Italien,

die für die ältere Zeit zu erwähnen von Interesse war, verdanke

ich den Angaben in den Jahrbüchern der deutschen

Geschichte.

Im Osten lälst sich gegen die weiten Ebenen von Ungarn

und Polen eine geographisch berechtigte Grenze überhaupt

nicht ziehen, aber hier besteht eine Kulturgrenze. Östlich

der Linie Wien-Krakau etwa giebt es für die von mir be-


8 Einleitung.

handelte Zeit keine brauchbaren Quellen mehr. Für den nordöstlichen

Teil der norddeutschen Tiefebene aber fehlen Nachrichten

fast ganz, so dafs sich überhaupt ein sicheres Bild

über die Lage in diesen Ländern nicht entwerfen läfst.f

Die Nordgrenze des behandelten Gebietes endlich ergiebt

sich meist von selbst durch das Meer, nur in Dänemark

könnte die Abgrenzung Schwierigkeiten machen. Ich habe

Dänemark ganz von der Betrachtung ausgeschlossen, denn es

findet sich in den dänischen Quellen, die erst sehr spät einsetzen,

abgesehen von der grofsen Hungersnot von 1315— 17,

nur eine Hungersnot von 1283, die aber mit keiner Hungersnot

in Deutschland zusammentrifft. Aufserdem scheinen sich

hier die Verhältnisse, — und dies tritt noch mehr hervor, da

die wichtigste Quelle auf Seeland geschrieben ist, — schon sehr

dem südlichen Schweden zu nähern.

Mit der soeben mitgeteilten Begrenzung glaube ich immerhin

ein ziemlich gleichartiges Gebiet umschrieben zu haben;

es ist das Land, auf dem sich während des Mittelalters im

wesentlichen die deutsche Geschichte vollzieht, es ist ein Gebiet,

das von Deutschen bewohnt wird oder unter unmittelbarem

deutschen Einflüsse steht, mithin wohl eine Gewähr

für genügende kulturelle Gleichheit als Voraussetzung für die

folgenden Untersuchungen bietet.

Zeitliche

Begrenzung.

Der Anfangstermin für die vorliegende Untersuchung,

ca. 700, ergiebt sich von selbst, da um diese Zeit die ältesten

Annalen beginnen.

Als Endtermin habe ich das Jahr 1317 angenommen.

Das erscheint willkürlich und bedarf einer Erklärung. Die

Veränderungen in der Wirtschaft vollziehen sich allmählich,

jede Periodeneinteilung hat hier etwas mehr oder weniger Gewaltsames.

Aufgehört haben die Hungersnöte auch nicht im

14. Jahrhundert noch später, wir haben noch im Jahre 1848

bis 1849 in einem Teile Deutschlands eine Hungersnot erlebt,

die in sehr vielen ihrer Symptome vollkommen den

Hungersnöten früherer Jahrhunderte glich. ^) Bei meiner Begrenzung

haben mich folgende Gründe geleitet: Um 1250 ist

ein Einschnitt in der mittelalterlichen Geschichte allgemein

üblich; wirtschaftlich ist die Zeit nachher besonders durch die

immer wachsende Bedeutung der Städte bezeichnet. Wie weit

1) Virchow, Gesammelte Abhandlungen aus dem Gebiete der öffentliclien

Medizin, I, 234 ff. Mitteilung über die in Oberschlesien herrschende

Typhusepidemie.


Einleitung. 9

diese Änderung der wirtscliaftlichen Verhältnisse einen Einflufs

auf die Entstehung und den Verlauf der Hungersnöte

ausgeübt hat, kann ich nicht sagen, aber es ist nicht unwahrscheinlich,

dafs sich ein solcher Einflufs für die spätere

Zeit würde nachweisen lassen. Eine Arbeit, die sich mit

immer wiederkehrenden elementaren Ereignissen beschäftigt,

mufs sich bei der Vergleichung und Gruppierung grofser, bestimmter

Zeitabschnitte bedienen, wie sie in den Jahrhunderten

von selbst gegeben sind, es lag darum nahe die Untersuchungen

bis 1300 auszudehnen. Über diesen Zeitpunkt bin ich noch

etwas hinausgegangen, weil es sich zeigte, dafs gleich in dem

Anfang des 14. Jahrhunderts eine ganz bedeutende, allgemeine,

ja vielleicht die am weitesten ausgedehnte Hungersnot des behandelten

Zeitabschnittes überhaupt fällt. Dieser Umstand

lieferte nicht nur sehr wertvolles neues Material, sondern verhütete

auch verhängnisvolle falsche Schlufsfolgerungen, die

sonst aus dem langen Aussetzen allgemeiner Hungersnöte leicht

hätten gezogen werden können. Die Zeit nach 1317 verläuft

dann bis zum schwarzen Tode ziemlich ruhig, ohne besondere

elementare Ereignisse.

HTingersnöte und Seuchen.

Im übrigen bedarf mein so zeitlich und örtlich abgegrenztes

Arbeitsgebiet noch einer sachlichen Begrenzung. Die

ständigen Begleiter der Hungersnöte sind grofse Volkskrankheiten.

Fames und mortalitas sind für den mittelalterlichen

Annalisten fast untrennbare Begriffe. Es hätte darum sehr

nahe gelegen, gleichmäfsig mit der Geschichte der Hungersnöte

auch eine Geschichte der Seuchen zu geben, da beide Erscheinungen

meistens neben einander hergehen, freilich auch

nur meistens; es giebt auch selbständige Epidemieen, ich erwähne

hier nur die grofse Ausdehnung des ignis sacer im

Jahre 1094. Das vorliegende Material genügt nun aber nicht,

um das Wesen dieser Seuchen recht zu erfassen; die Beschreibungen

der Krankheiten sind zu selten, und es wäre für

eine Seuchengeschichte sicher notwendig, noch weiteres Material

beizubringen und besonders auch die italienischen und

französischen Quellen in ihrem ganzen Umfange heranzuziehen.

Das würde aber zu sehr von dem eigentlichen hier behandelten

Gebiete abgeführt haben.

Ein weiterer Grund, warum ich von einer eingehenderen

Behandlung der Seuchen abgesehen habe, ist der folgende.

Sind schon Beschreibungen der Krankheitserscheinungen überhaupt

selten, so verliert vollends beim Eintritt des gröfseren

Übels der Hungersnot der mittelalterliche Schriftsteller jedes


10 Einleitung.

Interesse für das Krankheitsbild, er begnügt sich mit der

Thatsache, dafs viele Menschen sterben, die Ursachen, ob sie

verhungern oder an einer oder etwa verschiedenen Krankheiten

sterben, sind ihm gleichgültig. Diese Lage des Quellenmaterials

mufs dazu veranlassen, ähnlich zu verfahren. Ich

werde daher später an geeigneter Stelle die Seuchen, die die

Hungersnöte begleiten, im wesentlichen nur in ihrer grofsen

Folgeerscheinung, der grofsen Sterblichkeit, betrachten, ohne

den einstweilen aussichtslosen Versuch zu machen, näher auf

das Wesen der einzelnen Krankheiten einzugehen.

Farnes und oaristia.

Noch eine Vorfrage ist zu erledigen, bevor ich das Thema

selbst angreife, die Frage, wie findet in den mittelalterlichen

Quellen die Thatsache der Hungersnot ihren Ausdruck, insbesondere

mit welchem Worte drücken die Quellen den Begriff

der Hungersnot aus?

Da kann nun bis zum Beginne des 13. Jahrhunderts

kein Zweifel bestehen; uns mag es schwierig erscheinen, den

Begriff der Hungersnot zu definieren, für das Mittelalter war

es ein feststehender Begriff, imd fames ist das Wort, das dafür

gleichmäfsig immer wiederkehrt. Von dieser Zeit an aber

tritt das Wort caristia auf und wird allmählich immer häufiger.

Ist nun caristia etwas anderes als fames? Ohne Zweifel

ist caristia ursprünglich das mildere Wort, es heifst eben nicht

Hungersnot, sondern Teuerung^), es setzt also schon entwickeltere

Verhältnisse voraus, wie das ja auch sein Auftreten

erst in den späteren Jahrhunderten beweist. Bedeutete nun

caristia wirklich immer nur Teuerung, so könnte es leicht ein

falsches Bild geben, wollte man die Nachrichten über caristia

im 13. Jahrhundert gleichmäfsig mit den Nachrichten von

fames in der früheren Zeit zusammenstellen. Teuerungen kann

es auch in den früheren Jahrhunderten gegeben haben, aber

es ist uns kaum etwas davon überliefert, nur das ganz Auffallende,

Schreckliche war des Aufschreibens wert. Nun finden

sich aber im 13. Jahrhundert eine ganze Anzahl von Stellen,

bei denen nicht nur alle Begleiterscheinungen der caristia für

eine Hungersnot sprechen, sondern es giebt auch Stellen, wo

die alten Schriftsteller deutlich beide Worte in gleichem Sinne

gebrauchen. Vom Jahre 1277 heifst es in einer österreichischen

Quelle^): „Eodem anno maxima caristia in Karinthia

facta est, ita ut homines se invicem comederent." Dafs hier

1) Du Gange ed. L. Favre 1883, tom. 11, 171.

2) a. 1277 Cont. praedicat. Vindob. S. S. IX, 730, 38.


Einleitung. 11

eine wirkliche Hungersnot gemeint ist, kann wohl nicht

zweifelhaft sein. Im Jahre 1320 gebrauchen die Ann. Colbazienses^)

das Wort caristia ganz allgemein zur Bezeichnung

der schweren Notepoche der vorhergegangenen Jahre: Hie

cessavit caristia magna et strages qua precedentibus tribus

annis sive 4 raulti invalescente fame et pestilencia — —

mortui sunt. Ähnliche Beispiele lassen sich noch mehr anführen,

aus denen hervorgeht, dafs caristia unter Umständen

wirklich Hungersnot bedeuten kann.^)

Noch häufiger aber ist es, dafs man mit caristia die Thatsache

grofsen Mangels und hoher Preise bezeichnet, es folgt

dann fames und das Sterben vieler Menschen als die unmittelbare

Folge. ^) Darnach läfst sich wohl feststellen, dafs, wenn

das Wort caristia auftritt, daraus noch nicht etwa gefolgert

werden darf, dafs hier nur von einer Preissteigerung die Rede

ist, es kann damit auch eine wirkliche Hungersnot bezeichnet

sein. Was gemeint ist, mufs die Betrachtung jeder einzelnen

Stelle

ergeben.

1) a. 1320 Ann. Colbaz. S. S. XIX, 717, 19.

2) 1281 Cont. Claustroneobg. IX, S. S. 746, 22; 1310 Ann. aus

Dietkirclien M. G. Deutsch. Chr. IV, 1, p. 118; 1316 Ann. Vetrocell. S.

S. XVI, 445, 11, Sigismund Rosicz S. S rer. Silesic Xu, 38.

3) a. 1263 u. 1280 Cosm. cont. Ann. Prag. I S. S. IX, 179, 1 u.

W6, 46; a. 1316 Aegid. li Muisis, De Smet Corp. ehr. Fland. n, 207.


Auffassung der Zeitgenossen über die Entstehung der

Hungersnöte.

Es wird zuerst darauf ankommen, die allgemeine Auffassung

der Zeit vom Wesen der Hungernöte kennen zu lernen.

Da sah man nun wohl die elementaren Ereignisse, Frost und

Hitze, Hagel, Gewitter und Überschwemmungen, die den

Hungersnöten vorhergingen; aber die Not nur als ein Produkt

solcher Ereignisse aufzufassen, genügte der Zeitanschauung

nicht. Die Schriftsteller berichten dergleichen wohl, aber

schliefslich liegt für sie der wahre, letzte Grund für solches

grofse, weite Landstriche verheerende Unglück doch tiefer.

Man sieht in der Not ein direktes Eingreifen Gottes, eine

Strafe für die Sünden der Menschheit. Mehrfach finden wir

diesen Gedanken ausgesprochen, häufig klingt er in den ausführlicheren

Schilderungen an. „Sed adhuc iratus erat Altissimus,

et residuum maris fame flagellavit et pestilentia'' heifst

es in Emos Chronik.^) Ahnlich sprechen sich 400 Jahre

früher Ludwig und Lothar in einem Rundschreiben^) vom

Jahre 828 aus, in dem es heifst: „Quis enim non sentiat

Deum nostris pravissimis actibus esse offensum et ad iracundiam

provocatum, cum videat tot annis multifariis flagellis

iram illius desaevire, videlicet in fame continua, in mortalitate

animalium, in pestilentia hominum, in sterilitate pene omnium

frugum, et, ut ita dixerim, diversissimis morborum cladibus

atque ingentibus penuriis populum istius regni miserabiliter

vexatum et affiictum atque omni abundantia rerum quodam

modo exinanitum."

Dasselbe Bild der Geifsel Gottes gebrauchen Menko^) und

die Passio Karoli.*)

1) a. 1219 Emo S. S. XXITI, 490, 32.

2) Boret. II, 4, 25. Boretius hält die Recentio B für unecht, weil

man Ludwig im Jahre 828 eine so demütige Sprache nicht zutrauen

könne. Deswegen bleibt die Auseinandersetzung doch für die Anschauungen

der Zeit charakteristisch, Mühlbacher nimmt Regesten Nr. 828,

p. 304 keinen Anstofs.

3) a. 1249 Menko S. S. XXIII, 543.

4) Passio Karoli comit. Fland. c. 2 S. S. XII, 562, 39. Immisit ergo

Dominus flagella famis et postmodum mortalitatis.


Auffassung d. Zeitgenossen üb. d. Entstehung d. Hungersnöte. 13

Das Schwert Gottes wird die Hungersnot in den Gesta

abbatum Gemblaceusium^) genannt, und als ob dies noch nicht

genüge, geht der Verfasser sofort in ein anderes Bild über

und vergleicht die Not mit der Belagerungsmaschine, dem

Widder. Wie der Widder dröhnend gegen die Mauern der

belagerten Stadt stöfst, so trifft die Hungersnot die Paläste

der Reichen und die Hütten der Armen. Einen gerechten

Richter nennt Menko^) Gott, weil er die Dänen, die in der

Not den Friesen die Hilfe verweigert hatten, im folgenden

Jahre durch eine Hungersnot straft.

Auch böse Mächte können eine Hungersnot hervorbringen,

um den Menschen zu schaden. Einhard^) erzählt von einem

Teufel, der in Höchst durch den Mund eines sechzehnjährigen

Mädchens gestanden habe, dass er mit noch elf Genossen nun

schon seit Jahren das Frankenreich heimgesucht hätte, sie

hätten alle Saaten verdorben und Krankheit über Menschen

und Vieh gebracht.

829 erklärte eine Pariser Synode*): „Sunt sane diversorum

malorum patratores, quos et lex divina improbat et condemnat

pro quorum etiam diversis sceleribus et flagitiis populus

fame et pestilentia flagellatur." Es folgt dann eine Aufzählung

der verschiedenen Missethäter. Ebenso wie hier die

Väter der Kirche, so sucht in einem anderen Falle das Volk

von Trier in den vorgeblichen Sünden eines Einzelnen die Ursache

für das allgemeine Unglück.^) Es rottet sich zusammen

und will die Zelle des Eremiten Symeon stürmen, der als ein

vielleicht unheimlicher, aber harmloser Gast in der Porta

nigra hauste. Für seine Sünden soll, wie sie behaupten,

Überschwemmung und Hungersnot über das Moselland gekommen

sein.

Der übernatürliche Ursprung der Hungersnot zeigt sich

auch in dem, was ihr vorhergeht. Die Menschen werden gewarnt,

ehe das Unglück über sie hereinbricht, damit sie noch

vorher Bufse thun können^), und Elend und Tod sie nicht

unvorbereitet überraschen. Fast jede Hungersnot wird durch

1) a. 1095 Gest. abb. Gembl. cont. auct. Godeschalco S. S. VIII,

547, 10 u. a. 1196 Cont. Aquicinct. S. S. VI, 433, 43; a. 1144 Cont. Gembl.

S. S. VI, 388, 34.

2) a. 1272 Menko S. S. XXIH, 560, 18.

3) Einhardi transl. et miracula S. S. Marcellini et Petri S. S. XV,

253, 34. „Ego", ait, „sum satelles atque discipulus Satanae — — per

annos aliquot sum sociis meis undecim regnum Francorum vastavi; frumentum

et vinum et omnes alias fruges, quae ad usum hominum de

terra nascuntur, iuxta quod iussi eramus, enecando delevimus, pecora

morbis interfecimus, luem et pestilentiam in ipsos homines inmisimus."

4) Mansi XIV, col. 595. — 5) a. 1035 Miracula S. Symeonis S. S.

VIII, 210, 40. — 6) a. 1125 Passio Karoli c. 2. S. S. XII, 562, 39.


14 Aufassung der Zeitgenossen über die Entstehung

schreckliche Himmelserscheinungen eingeleitet, Sonnen- und

Mondfinsternisse, Kometen, Nordlicht haben ihre schlimme

Vorbedeutung.

Sonnenfinsternisse treffen noch verhältnismäfsig selten

mit Hungersnöten zusammen, meist können die Quellen aus

ihnen nur das Entstehen von Krankheiten, Überschwemmungen

u. s. w. herleiten, aber einige Fälle sind noch überliefert

Ȧm 11. August 1124^) fand eine Sonnenfinsternis statt.

Sie ist in der Passio Karoli genau beschrieben und der Verfasser

giebt an, dafs man sie als ein Vorzeichen der kommenden

Hungersnot betrachtete. Von derselben Finsternis spricht

auch Cosmas^), es folgt darauf eine Seuche unter den Rindern

und Schweinen, die Bienen sterben und die Ernte verdirbt.

Ebenso bringen die Ann. Hildesh.^) und die Summa Honorii*)

diese Finsternis mit der Hungersnot in Verbindung. Aufserdem

sind mir noch folgende Fälle bekannt geworden, wo die

Quellen unzweifelhaft diese Verbindung annehmen: 19. Juli 939

totale Sonnenfinsternis, es folgt eine Hungersnot in Italien.^)

23. September 1093 ringförmige Sonnenfinsternis, es folgt

Hungersnot in Sachsen.^) 2. August 1133 totale Sonnenfinsternis,

es folgt viel Regen während der Ernte in Paderborn.^)

26. Oktober 1147 ringförmige Sonnenfinsternis, die

grofse Hungersnot des Jahres bestand aber schon seit 1145.*)

81. Jan. 1310 ringförmige Sonnenfinsternis, caristia bladi et

vini in Belgien ist die Folge. ^)

Eine Mondfinsternis geht der Hungersnot zweimal

voran im Jahre 1259 1«) und 1263.")

Viel schlimmere Verkündiger der Hungersnöte sind aber

die Kometen, wenn sie erscheinen steht immer ein schweres

Unglück bevor. Die Chronisten berufen sich bei ihrer Erwähnung

gern auf berühmte Gelehrte, die über den unheilvollen

Einflufs dieser Gestirne geschrieben haben. So citiert

1) Dieses und alle folgenden Daten für Finsternisse aus Oppolzer

Kanon der Finsternisse Bd. LIT der Schriften der math.-naturwiss. Klasse

der kaiserl. Akademie der Wissenschaften, Wien 1887.

2) a. 1124 Cosmas S. S. IX, 129, 9.

3) a. 1124 Ann. Hildesh. M. G. S. S. kl. Ausg., p. 66.

4) a. 1124 Summa Honorii S. S. X, 131, 23.

5) a. 939 Ann. Sangall. maior. S. S. 1, 78. Liudprand lib. V, c. 2

M. G. S. S. kl. Ausg. 101.

6) a. 1093 Ann. August S. S. IH, 134, 17.

7) a. 1133 Chr. reg. Col. M. G. S. S. kl. Ausg. 70.

8) a. 1147 Chr. reg. Col. M, G. S. S. kl. Ausg. 82; Ann. FlorefiF. S.

S. XVI, 624, 42; Ann. Brunwil. S. S. XVI, 727, 26.

9) a. 1309 Aegid. Li Muisis ehr. de Smet. corp. ehr. Fland. II, 176.

10) 8. Mai 1259 Ann. Wessof. ed. Leuter Hist. Wessof II, 33.

11) 20. Febr. 1263 Cont. Sancr. ü, S. S. IX, 645, 28.


der Hungersnöte. 15

die Cout. Zwetliensis IIP) Beda und andere Gelehrte, nach

deren Zeugnis auf einen Kometen immer Hungersnot, Seuchen,

Thronwechsel und anderes Unglück folgen soll. Als eine

andere Autorität wird einmal Isidor angeführt. Er sagte in den

Origines^): „Cometes stella est dicta eo quod comas luminis

ex se fundat. Quod genus sideris quando apparuerit, aut

pestilentiam, aut famem, aut bella significat." So glauben es

alle Chronisten; als ob es eine logische Konsequenz wäre, so

folgt bei ihnen auf den Kometen die Hungersnot. „Stella

cometis. Farnes acerrima'' heilst es in einer süddeutschen

Quellengruppe. „Stella cometes apparuit, et fames subsecuta

est" sagen die Ann. Laub.^) und ähnlich andere Quellen. In

einigen Fällen erscheint der Komet schon im Jahre vor dem

Eintritte des Unglücks, so berichten Alpertus*) und die Ann.

ßatisponenses^). Die merkwürdige Gestalt des Kometen machte

bedeutenden Eindruck auf die Beobachter, und besonders der

Lichtschein des Schweifes erregte ihre Aufmerksamkeit. Die Ann.

S. Columbae Senon. vergleichen ihn einmal mit einer Lanze.

Im Ganzen finden sich 10 Fälle ^), wo Hungersnöte durch

das Erscheinen von Kometen angekündigt werden: 868, 909,

940 oder 941, 1005, 1031, 1145, 1197, 1217, 1264 und 1316.

1) Confc. Zwetl. III, &. S. IX, 656, 9. Stella que cometa dicitur visa

est, per continuos 80 dies; que secundum Bedam et alios doctores ostentat

vel famem, aut pestilenciam, vel mortalitatem, vel mutacionem regni,

vel aeris intemperiem, aut ventorum inmanitatem.

2) Origihes lib. HI c. LXX, 16; Corp. grammatic. lat. vet. HI, 166.

3) a. 941 Ann. Laub. S. S. IV, 16, 33.

4) a. 1005 Alpert. de diversit. temp. lib. I c. 6. S. S. IV, 704, 9.

5) a. 1145 Ann. Ratisp. S. S. XVH. 586, 11.

6) a. 868 Ann. SangaU. maior. u. s. w. S. S. I, 76; Ann. S. Columbae

Sen. S. S. I, 103; Ann. Xant. S. S. 11, 233, 9 u. Ann. Fuld. M,

G. S. S. kl. Ausg. 67.

909 Ann. S. Col Sen. S. S. I. 104.

940 u. 941 Ann. Laub. u. s. w. S. S. IV, 16, 33; Herrn. Aug. S. S.

V, 114, 1; Widukind lib. Hc. 32 M. ö. S. S. kl. Ausg. 52; Liudprand

lib. Vc. 2. M. G. S. S. kl. Ausg. 101.

1005 Alpert. lib. Ic. 6. S. S. IV, 704, 9; Ann. Laub. S.S. IV, 18, 17-

1031 Hist. Franciae fragm. Hist. de Fr. X, 212.

1145 Ann. S. Col. Sen. S. S. I, 107; Ann. Brunwil. S. S XVI,

727, 18; Chr. reg. Col. M. G. S. S. kl. Ausg. 81; Ann. Ratispon. S. S.

XVn, 586, 11.

1197 Ann. Marbac, S. S. XVH, 168, 29.

1217 Ann. S. Stept. Frising. S. S. XEI, 56, 1.

1264 Cont. Zwetl. m S. S. IX, 656, 9; Ann. S. Rudb. SaUsbg. S

S. IX, 797, 3 Hist. ann. 1264—1279 S. S. IX, 649, 20; Ann. Wratisl

antiqui S. S. XIX, 528, 28; Ann. Pol. m S. S. XIX, 637, 10; Ann. capit

Cracovic. S. S. XIX, 601, 37; Ann. Wessof. Leuter Hist. Wessof. H, 34

1316 Ann. Pärchens. S. S. XVI 608, 35; Job. de Beka ed. Buchelius

Ultraiceti 1643, p. 108; Jan de Klerk, Buch V, cap. X, v. 845,

Collect, des Chronique a Beiges I, 443; Königsaal G. Q. lib. I, c 128;

Font. rer. Austr. S. S. VIE, 379.


16 Auffassung der Zeitgenossen über die Entstehung

Auch noch andere Himmelserscheinungen können auf

kommendes Unheil deuten. Nach den Ann. Quedlinburg.^) sah

man am 4. Februar 1025 mittags die Sonne in dreifacher Gestalt

am Himmel, „quod mirabile prodigium rei eventu postea

constat probatum." Eine Hungersnot folgte noch in demselben

Jahre. Die Ann. Xant.^) zum Jahre 867 berichten von einem

Nordlicht, es folgt die grofse Hungersnot von 868. Balduin

von Ninove^) erzählt im Jahre 1192 von einer Lichterscheinung

in der Nacht, so dafs man überall geglaubt, es brenne

in der Nähe. Es ist das Zeichen für den Beginn einer grofsen

Notperiode.

Auch einer der Planeten, der Saturn, kann, wie Magnus

von Reichersberg zum Jahre 1145^) mit grofser Gelehrsamkeit

auseinandersetzt, die Hungersnot hervorbringen. Der

Saturn hat eine sehr kalte Natur; wenn er der Sonne in den

Sommerzeichen des Tierkreises begegnet, so entsteht regnerisches

und kaltes Wetter, trifft er die Sonne in den Winterzeichen,

so verdoppelt sich die Kälte. Damals stand der

Saturn im Widder, dem Frühjahrszeichen, er hatte schon 7

oder 8 unfruchtbare Jahre gebracht, und jetzt entsteht daraus

eine Hungersnot. Ganz ähnlich berichteten wenige Jahre

später die Magdeburger Annalen.^)

Ein ganz eigentümliches Vorzeichen einer Hungersnot erwähnen

die Ann. Rodenses.^) Zum Jahre 1144 heifst es:

„Ventus fuit vehementissimus, quem semper ut ferunt fames

sequitur et carum tempus." Es folgt dann sofort* der Bericht

über die Hungersnot desselben Jahres. Derselbe Satz wird

wörtlich 1145 wiederholt und im folgenden Jahre ist wieder

die Hungersnot erwähnt. Verwandte Anschauungen zeigt eine

Fortsetzung Gottfrieds von Viterbo'^), in der die Hungersnot

von 1224—25 mit einem Sturme in Verbindung gebracht

wird. Der Sturm soll so heftig gewesen sein, dafs er die

Körner aus den Ähren herausschüttelte, und durch die Mifsernte,

die sich hieraus ergab, wurde eine Hungersnot hervorgerufen.

Der Autor will hier schon einen ursächlichen Zusammenhang

herstellen, aber die ganze Vorstellung hat etwas wunderbares.

Offenbar derselbe Sturm wurde in Erfurt^) beobachtet imd

1) a. 1025 Ann. Quedlinburg. S. S. III, 90, 17.

2) a. 867 Ann. Xant. S. S. 11, 232, 42.

3) a. 1192 Bald. Ninov. S. S. XXV, 537, 40; vgl. Cont. Aquicinct.

S. S. VI, 428, 13.

4) a. 1145 Magnus Reichersberg S. S. XVII, 460, 10.;

5) a. 1150 Ann. Magdeburg. S. S. XVI, 190, 44.

6) a. 1144 Ann. Rod. S. S. XVI, 717, 5 u. 718, 4.

7) a. 1224 Cont. Funiacensis S. S. XXII, 343, 1.

8) a. 1225 Cron. S. Petri Erford. mod. S. S. XXX, 390, 8. u. 13.


der Hungersnöte. 17

auch hier soll er das Korn aus den Ähren herausgeschüttelt

haben.

Weiter sind noch an einigen Stellen^) die Nachrichten

von einem Sturm und einer Hungersnot einander so unmittelbar

gegenüber gestellt, dafs es fast scheint, als wollten auch

hier die Verfasser einen Zusammenhang annehmen. Isidor

weifs von der schädlichen Wirkung der Winde nur, dafs der

Ostwind Krankheiten erregt. Jedenfalls handelte es sich beim

Wind als Vorzeichen einer Hungersnot um keinen weit verbreiteten

Volksglauben.

1) a. 1145 Cont. Meli. S. S. IX, 503, 31; 1217 Ann. S. Benig. Div.

S. S. V, 48, 46; a. 1263 Ann. Wessof. ed. Leuter Hist. Wessof. 11, 34.

1/eipziger StucHen, VI. 1: Curschmann, Hungeisn&te.


Verschiedene Ursachen für die Entstehung der Hungersnöte.

Gehen wir nun zu den thatsäclilichen Gründen für das

Entstehen einer Hungersnot über, so läfst sieh sofort erkennen,

dafs Mifsernten in der ganz überwiegenden Mehrzahl

der Fälle die Ursache der Hungersnöte sind. Das ist fast

selbstverständlich, denn was soll sonst den dringenden Mangel

an Getreide, und darin liegt doch das Wesen der Hungersnot,

hervorbringen, als eine ungenügende Ernte. Dennoch wird es

sich lohnen, auch diese Entstehungsart näher zu betrachten,

weil sie uns manchen Einblick in die mittelalterliche Volkswirtschaft

gewährt.

Die Wirtschaft jener Zeit war gegen alle Störungen elementarer

oder anderer Natur im höchsten Grade empfindlich.

In der Regel lebte der Mensch von dem, was er auf dem

eigenen Felde baute. Der Bauer bezahlte seinen Zins und

mufste im übrigen sorgen, dafs er genug zum Leben hatte.

An der Erzielung von Überschüssen hatte er wenig Interesse,

er hätte sie kaum zu Geld machen können. Für Zeiten der

Not besafs er daher weder Materialüberschüsse noch Geld,

durch das er sich Lebensmittel hätte erwerben können. Bedeutend

besser und sicherer waren natürlich schon die grofsen

Grundherrschaften gestellt, besonders die Klöster, von denen

wir ja eigentlich allein etwas genaueres über diese Verhältnisse

wissen. Aber auch ihr Bestand ruhte doch durchaus

auf agrarischer Grundlage. Wurden sie auch nicht so unmittelbar

und schwer von ungünstiger Witterung und der

daraus entstehenden Mifsernte betroffen, wie der einzelne

kleine Bauer, so beruhte doch auch die Sicherheit ihrer wirtschaftlichen

Existenz im wesentlichen darauf, was ihr eigenes

Feld trug.i)

Es berührt uns wunderbar, wenn wir in den Annalen un-

1) Siehe Herimanni liber de restauratione S. Martini TornaC.

c. 70—72 S. S. XIV, 307 fF.. das Schicksal eines Klosters, das nicht über

genügenden Grundbesitz verfügte.


Verschiedene Ursachen für die Entstehung der Hungersnöte. 19

vermittelt zwischen den wichtigsten Staatsereignissen, zwischen

den Nachrichten vom Tode von Königen und Päpsten, von

Schlachten und Reichstagen, die scheinbar gleichgültige Nachricht

von irgend einem Gewitter, von Hagel oder Sturm finden.

Es war doch nicht nur das Gefallen am Merkwürdigen und

Wunderbaren, das die Annalisten veranlafste dergleichen

aufzuschreiben. Sie sahen die Ereignisse mit den Augen des

Landwirtes in Hinblick auf die Aussichten für das Gedeihen

der Saat.

Es ist auffallend, wie häufig ein langer und schneereicber

Winter der Hungersnot vorangeht. Es giebt Nachrichten,

bei denen die Hungersnot fast als die unmittelbare

Folge des harten Winters erscheint. „Hoc anno hyems contigit

asperrima, quam fames subsequitur praevalida" sagen die

Ann. Laub, zu 1125.^) Ähnlich Widukind^): „Necem ducum

asperrima hiemps hiememque secuta est fames validissima."

Es scheint fast als wollten die beiden Quellen in dem harten

Winter die alleinige Ursache für die Hungersnot sehen. Eine

solche Auslegung ginge natürlich zu weit, aber ein schneereicher

Winter, der bis in den März oder April hinein dauerte,

schädige allerdings die Wirtschaft in sehr hohem Grade.

Konnte zur normalen Zeit im März oder April das Saatpflügen

nicht stattfinden^), so wurde dadurch wieder die Aussaat

verschoben, die ganze Wirtschaft befand sich schon zu

Anfang des Jahres im Rückstände; war nun auch etwa der

Sommer noch ungünstig, oder traten irgend welche unvorhergesehenen

Unfälle ein, so konnten die Folgen leicht verhängnisvoll

werden.

Uns sind mehrfach Fälle überliefert, wo sich die Entwickelung

in der angedeuteten Weise vollzog. 994 dauerte,

nach der Angabe der Ann. Quedlinburg, der Winter bis zum

5. Mai, der Sommer war auch kalt und ungünstig, und im

Herbst stellte sich als Folge die Hungersnot ein.*) Ebenso

ging der Not des Jahres 1125 ein sehr harter Winter vorher.

Eine Reihe von Stellen berichten uns darüber. Aus Belgien

haben wir Nachrichten aus Lobbes^), Fosse®), Gent.') In

Gembloux^) bezeichnet der Chronist Anselm den Winter

ausdrücklich als valde noxia. Weiter erfahren wir aus

1) a. 1125 Ann. Laub. cont. S. S. IV, 22, 17.

2) a. 940 Widukind lib. 11. c. 26, M. G. S. S. kl. Ausg. 50.

3) Lamprecht, Deutsch. Wirtschaftsleben I, 557.

4) a. 994 Ann. Quedlinburg. S. S. HI, 72, 21 u. 34.

5) a. 1125 Ann. Laub. cont. S S. IV, 22, 17.

6) a. 1125 Ann. Fossenses S. S. IV. 30, 20.

7) a. 1125 Ann. Bland. S. S. V, 28, 23.

8) a. 1125 Anselm. cont. Sigebert. S. S. VI, 379, 47.

2*


20 Verschiedene Ursachen für die Entstehung

Thüringen^), Franken^) und Böhmen^) übereinstimmend von

dem plötzlichen Eintritte grofser Kälte am 20. Mai verbunden

mit Hagelschlag und sogar Schneefall. Ebenso liefsen sich

für andere Jahre noch ähnliehe Beispiele erbringen.

Auch dem Vieh, das im Winter meist im Freien blieb,

mufste starker Frost und viel Schnee grofsen Schaden zufügen.

Die Hauptgründe für die Mifsernte und darauf folgende

Hungersnot liegen aber natürlich in der Witterung des

Frühlings und Sommers. Das finden wir schon angedeutet,

wenn die Ann. Laub.*) zum Jahre 973 schreiben: „Aestas pluvialis

et frigida, et fames subsecuta." Grofse Trockenheit,

viel Regen, Hagel entscheiden über den Ausfall der Ernte.

Es wäre unnütz hier bei dergleichen Ursachen viel klassifizieren

zu wollen, es wird nützlicher sein einmal die wirkliche

Entstehung einer Hungersnot zu verfolgen an der Hand

der besten Quelle, die wir für diesen Gegenstand besitzen,

R einers von Lüttich. ^)

Das Jahr 1194 schliefst günstig ab. Ernte und Weinlese

sind gut. Dennoch sind im Mai des folgenden Jahres 1195

aus uns unbekannten Gründen die Getreidepreise schon sehr

hoch, der Modius Roggen kostet 18 s., Spelz 9 s. und Gerste

8 s. Von Johanni an regnet es ununterbrochen bis Weihnachten.

Am Jakobstage, am 25. Juli, verwüstet ein Sturm

die Saat, Ernte und Weinlese sind schlecht. Das Jahr 1196

ist wieder regnerisch, die Armen beginnen schon sehr zu

leiden. Am 24. Juli erhebt man den heiligen Lambert und

veranstaltet eine Bittprozession. Das Korn gerät sehr schlecht,

die Ernte beginnt erst spät, am 24. August. Die Getreidepreise

haben sich auf der Höhe des vorigen Jahres gehalten,

der Modius Roggen kostet 18 s. und Spelz ^y^ s. Es folgt

ein langer Winter bis zum März 1197. Nun beginnt das

eigentliche Notjahr, viele Arme sterben vor Hunger, in der

Not wird das Fleisch von gefallenem Vieh gegessen. Bis zum

11. Juni hält sich der Roggenpreis auf 18 s., der Spelz ist

auf 10 s. gestiegen. Am 12. Juni kostet der Roggen schon

32 und der Spelz 17 s. Die Not nimmt noch immer zu, um

den 25. Juli kostet der Roggen 40 s. und der Spelz 20 s. Zu

Epiphanias 1198 gehen auch dem Jakobskloster, in dem Reiner

schreibt, die Vorräte aus. Gegen Ende des Jahres 1198 sinken

dann die Preise langsam, aber der Roggen kostet doch zu

Weihnachten immer noch 12 s.

Reiner ist ein ruhiger und zurückhaltender Schriftsteller,

1) a. 1125 Cr. S. Petri Erford. mod. S. S. XXX, 361, 36.

2) Ekkeh. S. S. VI, 264, 26. — 3) Cosmas S. S. IX, 131, 35.

4) a. 973 Ann. Laub. S. S. IV, 17, 33.

5) Reineri annales S. S. XVI, 651 ff.


der Hungersnöte. 21

der jede Übertreibung vermeidet, aber seine Zahlen sprechen

eine ebenso deutliche Sprache, als die abenteuerlichen Berichte

Rodulfus Glabers oder der Prager Domherren. Wir haben

hier eine Hungersnot entstehen sehen nur durch anhaltende

schlechte Witterung, die die Ernte zweier Jahre hintereinander

verdirbt. Es ist ein typischer Fall; ähnlich ist die Enstehungsgeschichfe

der meisten Hungersnöte gewesen, wenn sich auch

nirgends wieder die einzelnen Stufen der Entwicklung so genau

verfolgen lassen.

Üeberschwemmungen sind auch eine Ursache der

Hungersnot, die mehrfach erwähnt wird, doch haben sie der

Natur der Sache nach mehr lokale Bedeutung. Die Gesta

Treverorum berichten 1035 von einer Hungersnot, deren_ Entstehung

auf die Verwüstung des MoseUandes durch Überschwemmungen

im Winter und Frühjahr zurückgeführt wird. ^)

Auch 1183 sind grofse Überschwemmungen im Mündungsgebiete

des Rheins die Ursache einer Hungersnot.^) Das Jahr

1234 brachte dem Donauthale ungeheure Frühjahrsüberschwemmungen.

^) Nach der Schneeschmelze trat der Flufs aus,

überflutete weithin seine Ufer, zerstörte die Dörfer, viele Menschen

ertranken, eine unzählige Menge Vieh wurde fortgerissen

und alle Saaten verdarben. Eine Hungersnot folgte. Auch

sonst wirken im Gebiet der grofsen Flüsse oft Überschwemmungen

bei der Entstehung von Hungersnöten mit.

Überschwemmungen an der Meeresküste sind dagegen

als Ursache von Hungersnöten kaum nachzuweisen.

Niemals hören wir nach den grofsen Überschwemmungen in

Holland von einer Hungersnot. Sehr genau sind wir über

die Verhältnisse an der friesischen Küste durch die Chroniken

Emos und Menkos unterrichtet, fast in jedem Jahre wird hier

von gröfseren oder kleinereu Überschwemmungen berichtet.

Aber nur einmal, 1219*), scheint ein Zusammenhang mit einer

Hungersnot vorhanden zu sein. Es mag das daran liegen,

dafs damals, wie auch heute noch, der Getreidebau in Holland

und Friesland nur eine untergeordnete Rolle spielte, und das

Vieh natürlich leichter vor der Hochflut zu retten war.

Viehseuchen können natürlich allein keine Hungersnot

hervorbringen, aber mehrfach wirken sie bei der Entstehung

der Hungersnöte mit. 994 wurde Sachsen von einer schweren

Seuche von Mensch und Vieh heimgesucht, die mit der all-

1) a. 1035 Gest. Trev. cont. I. S. S. Vm, 180, 11.

2) a. 1183 Ann. Egmund. S. S. XVI, 469, 37.

3) a. 1234 Cont. Lambac. S. S. IX, 558, 44; dazu auch Ann. S.

Rudberti Salisburg. S. S. IX, 786, 4 u. Cont. Sancruc. H, S. S. EX, 638, 4.

4) a. 1219 Emo S. S. XXHI, 490, 82.


22 Verschiedene Ursachen für die Entstehung

gemeinen Ungunst des Wetters eine Hungersnot hervorbrachte.^)

Ebenso werden die beiden Notjahre 1225 und 1226 von einer

Viehseuche^) begleitet, die 1224 begonnen hatte. 1272 führt

Menko^) als vierten Punkt unter den Gründen der Hungersnot

auch eine verheerende Krankheit unter den Schafen an,

so dafs den Menschen nun auch die Milch fehlte.

Im Jahre 873*) erschienen nach dem Berichte der Ann.

Fuld. zur Erntezeit ungeheure Heuschreckenschwärme.

Wo sie sich niederliefsen, zerstörten sie die Saat auf den

Feldern. Bei Mainz sollen sie in einer Stunde 100 Joch Getreide

vernichtet haben. Eine Hungersnot war die Folge.

Dasselbe berichten, wenn auch weniger ausführlich, die Hersfelder

Annalen.^) Es ist aber auch der einzige Fall, wo sich

eine Hungersnot mit Sicherheit auf Verwüstungen durch Heuschreckenschwärme

zurückführen läfst. Ein Epigramm auf

Bischof Rumold von Münster erwähnt als Grund für die

Hungersnot von 941 Heuschrecken, die die Ernte vernichteten.^)

Aber dieser Nachricht kann wenig Bedeutung beigelegt werden,

da keine der zahlreichen Quellen, die sonst über dies Jahr

berichten, etwas davon weifs. Ebenso steht es mit einer

französischen Quelle^), die 1031 bei der Entstehung einer

Hungersnot das Auftreten von Heuschrecken erwähnt; der

Schaden kann nur gering oder ganz lokal gewesen sein, da

alle anderen Berichte nichts von dieser Thatsache wissen und

besonders auch Rodulfus Glaber schweigt. Auch 1242 bei

der grofsen Hungersnot in Ungarn treten Heuschrecken auf,

und sie mögen ja auch zur Erhöhung der Not beigetragen

haben, der wirkliche Grund dieser Hungersnot lag aber in der

Verwüstung des Landes durch den Tartareueinfall. ^)

Kriege wirken überhaupt nicht selten bei der Entstehung

von Hungersnöten mit. Bei der Art der mittelalterlichen

Kriegsführung, die ganz besonders auf die Verwüstung

des platten Landes ausging, ist das leicht begreiflich. Eins

;

1) a. 994 Ann. Quedlinburg. S. S. ÜI, 72, 26.

2) a. 1224 Chr. Albrici S. S. XXm, 914, 38; Gotfr. Viterb. cont.

Funiac. S. S. XXII, 343, 1 Ann. S. Rudberti Salisburg. ; S. S. IX, 783, 8

Ann. Gotw. S. S. IX, 603, 25; Cont. Garst. S, S. IX, 696, 5; a. 1225

Sachs. Weltchr. M. G. Deutsch. Chr. 11, 245, 13; Chounradi Schirens,

ann. S. S. XVII, 632, 48; Ann. Mellic. S. S. IX, 507, 27; a. 1226 Cononis

Lausann, notae S. S. XXIV, 783, 45; Ann. Zwifalt. S. S. X, 59, 24;

Ann. Neresh. S. S. X, 23, 23.

3) a. 1272 Menko S. S. XXm, 560, 31.

4) a. 873 Ann. Fuld. M. G. kl. Ausg., p. 79.

5) a. 873 Ann. Hildesh. M. G. S. S. kl. Aus^

,

p. 18.

6) a. 941 G. Q. des Bistums Münster III, 187.

7) Eist. Franciae fragm. Hist. de France X, 212 D.

8) a. 1242 Ann. S. Rudberti Salisburg. S. S. IX, 788, 15 Cont. Saucruc.

II, S. S. IX, 641, 11.


der Hungersnöte. 23

der charakteristischsten Beispiele ist der Slaveneinfall in Holstein

im Jahre 1147. Am 2G. Juni, also kurz vor der Ernte,

überfallen die Slaven Lübeck und durchziehen dann verwüstend

das ganze Land, darauf kommt es zu wechselnden

Kämpfen zwischen Deutschen, Dänen und Slaven und alles

führt schliefslich gegen Ende des Jahres zu einer Hungersnot.^)

Ebenso sind die jahrelangen Raubzüge der Normannen

der Grund zu der Hungersnot, von der 889 Nordfrankreich

heimgesucht wurde. 3 Jahre lang Avurde, wie Richer berichtet,

das Feld nicht bestellt.^) 1082 verursachen die

Kämpfe zwischen Leopold von Osterreich und dem Herzoge

von Böhmen eine Hungersnot in Österreich.^) Für die Hungersnot

in Schwaben vom Jahre 1077 giebt Berthold als Grund

neben der Mifsernte auch den Parteigängerkrieg an, der damals

das Land verwüstete. Schliefslich ist auch die grofse

Hungersnot, die von 1280—82 Böhmen heimsuchte, in erster

Linie auf die inneren Kämpfe unter der Statthalterschaft Ottos

von Brandenburg zurückzuführen.*) Es kam so weit, dafs im

Herbste 1280 im Aveiten Umkreise um Prag die Äcker nicht

mehr bestellt wurden.

Noch eine Gruppe von Ursachen, die bei der Entstehung

von Hungersnöten mitwirken, ist zu erwähnen, die sich unter

den Begriff der handelspolitischen Feindseligkeiten zusammenfassen

lassen. Ausfuhrverbote, die mehrfach erwähnt

werden, wirkten nach beiden Seiten verschieden; während sie

das eine Land vielleicht schützten, konnten sie das andere,

das auf die Zufuhr angewiesen war, sehr stark schädigen.

Menko behandelt einen solchen Fall recht ausführlich/) Seit

4 Jahren war in Friesland schon die Getreideernte schlecht

gewesen, aber jetzt kam noch ein neues Unglück hinzu. Der

Bischof von Münster verbot aus Feindseligkeit gegen die

Friesen das Abhalten der Märkte au der Ems. Die Friesen

konnten daher die Produkte ihrer Viehzucht nicht absetzen.

Ebenso konnten sie auch in Dänemark und den Ostseeländern

nichts für ihr Vieh eintauschen, denn überall wollte man nur

gegen Geld verkaufen. Das Geld war aber auch wieder in

Friesland selten geworden; vor drei Jahren erst war eine

grofse Schar von Kreuzfahrern fortgezogen, und ihnen hatte

1) Helmoldi ehr. Slav. lib. I, c. 66. M. G. S. S. kl. Ausg. 127; vgl.

auch daselbst lib. TL, c. 5, p. 202 die Verwüstung Mecklenburgs durch

die Feldzüge gegen die Obotriten und die daraus entstehende Hungersnot.

. 2) a. 889 Richeri bist. lib. I, c. 5 M. G. S. S. kl. Ausg., p. 5.

3) a. 1082 V. Altmanni c. 25, S. S. XII, 237, 1.

4) a. 1280 Cont. Cosm. Ann. Prag. IE S. S. IX, 196; vgl. dazu Palacky,

Gesch. v. Böhmen 11, 1, p. 298—306.

5)

a. 1272 Menko. ehr. S. S. XXTH, 560, 2.


24 Verschiedene Ursachen für die Entstehung der Hungersnöte.

man das meiste Bargeld mitgegeben. Schliefslich kam noch

hinzu, dafs in einigen Orten Dänemarks ein Ausfuhrverbot für

Getreide erlassen wurde. So geriet Friesland in die gröfste

Bedrängnis, und als jetzt noch eine Viehseuche ausbrach, war

die Hungersnot da.

Die Frage nach der Beendigimg der Hungersnöte läfst

sich ziemlich einfach beantworten. Wenn auch die Not schon

mehrere Jahre gedauert hatte, so mufste sie doch schliefslich

durch eine gute oder doch wenigstens befriedigende Ernte ihr

natürliches Ende finden. Mit bewegten Worten schildert Rodulfus

Glaber^) eine solche Wendung zum Besseren, die nach

der schrecklichen Not der vorhergehenden Jahre das Jahr

1033 brachte: der Himmel hellte sich wieder auf, die Erde

überzog sich mit freundlichem Grün und brachte in üppiger

Fülle die ersehnten Früchte hervor.

Vielleicht kann man aber auch annehmen, dafs, wenn die

Not schon mehrere Jahre gedauert hatte, der Menschenverlust

schliefslich so stark war, dafs sich die Lebensbedingungen für

die Überlebenden wesentlich besserten. Eine derartige hohe

Bedeutung legt eine belgische Quelle^) einmal der Entvölkerung

des Landes, die allerdings hier durch Fortwanderung

während der Hungersnot entstanden sein soll, bei, indem sie

schreibt, der Verlust wäre so grofs gewesen, dafs man nun die

Zurückgebliebenen ganz gut durch Almosen hätte erhalten

können.

1) a. 1033 Eaoul Glaber lib. IV, c. 5 ed. M. Prou, p. 103; vgl.

auch a. 1271 Monach. Fürstenfeld. Böhmer Fontes I, 12.

2) a. 1196 Cont. Aquicinct. S. S. VI, 433, 42.


Dauer und räumliche Ausdehnung der Hungersnöte.

Sehr häufig finden sich in den Quellen Angaben über die

Dauer der Hungersnot. Aber bei dem begründeten Mifstrauen

gegen alle Zahlenangaben mittelalterlicher Schriftsteller

wird hier eine sehr genaue Nachprüfung notwendig sein.

Wenn die Chronisten auch gern grofse Zahlen nennen, um

das Schreckliche der Lage recht anschaulich zu machen, so

finden sich doch unverhältnismäfsig selten in derselben Quelle

mehrere Jahre hinter einander auch wirklich Nachrichten über

eine Hungersnot.

Das Maximum der Angaben über die Dauer einer Hungersnot

erreichen das Auctuarium Affligemense ^) und die Chronica

Andrensis^) mit 12 und 13 Jahren. Dafs eine wirkliche

Hungersnot so lange angedauert hat, ist undenkbar, es kann

sich nur um eine Teuerungsperiode handeln. So ist es in

Andres auch gemeint, denn die 13 Jahre umfassen gerade die

Regierungszeit des Abts Iterius 1195— 1207, während der,

wie der Chronist angiebt, der Weizenpreis für den Polkinus

nie unter 10 s. sank. In den Anfang dieser Zeit fällt auch

thatsächlich die schwere Hungersnot von 1196— 1197, vielleicht

hat sich die Gegend von Andres besonders langsam von

diesem Schlage erholt. Die 12 Jahre des Auctuarium sind

weniger leicht zu erklären, es scheint sich hier um einen Irrtum

oder um eine starke Übertreibung zu handeln; hinzu

kommt noch, dafs die Zahl 12 schon an sich als Rundzahl

verdächtig ist. 1139 soll die Hungersnot begonnen haben,

sie dauerte also bis 1151. Diesen Anfangstermin kennt von

allen anderen belgischen Quellen nur das höchst unzuverlässige

Chronicon Sancti Bavonis. Allerdings wird in den vierziger

Jahren häufig von Hungersnöten in Belgien berichtet, und

auch 1151 ist nach einer Pause von mehreren Jahren wenigstens

in der Gegend von Lüttich wieder eine Hungersnot bezeugt,

aber Afflighem in der Nähe von Aalst ist zu weit von

1) a. 1139 Auct. Afflig. S. S. VI, "400, 32.

2) ca. a. 1197 Guielmi ehr. Andren. S. S. XXIV, 714, 47. 732, 14.


26 Dauer und räumliche Ausdehnung der Hungersnöte.

Lüttich entfernt, als dafs wir Grund hätten, eine Ausdehnung

der Hungersnot bis dorthin ohne weiteres anzunehmen. Es

ist dieser Angabe also kein irgendwie selbständiger Wert beizulegen.

Auch die Erwähnung von sieben Huugerjahren in den

Ann. Laubienses ^), im Chr. S. Bavonis^) und bei Balduin von

Ninove^) erinnert noch zu sehr an die sieben mageren Jahre

in Ägypten; eine andere Quelle*) kennt auch einmal sieben

gute Jahre. In Lobbes handelt es sich aber immerhin, wenn

sich auch die Dauer von sieben Jahren nicht halten läfst, um

eine Hungersnot von besonders langer Dauer, schon im Jahre

vorher 1142 hatte sie begonnen, und auch in den folgenden

Jahren hören wir mehrfach von Hungersnöten in Belgien.

Dieselbe Not meint auch das Chr. S. Bavonis, nur setzt sie

vielleicht, durch einen lokalen Notstand des Jahres 1139 bestimmt,

den Anfangstermin unberechtigt früh an. Balduin betrachtet

das Nordlicht, das 1192 erscheint, als ein Vorzeichen,

er kennt weiter die schwere Hungersnot in den letzten Jahren

des Jahrhunderts, und so kombiniert er sich eine Hungersnot

von sieben Jahren. Thatsächlich herrschte Hungersnot in

Belgien nur während der Jahre 1196 und 1197.

1042 oder 1043 soll in Lüttich eine Hungersnot^) von

sechsjähriger Dauer begonnen haben, andere belgische Quellen

kennen aber nur 1043 und 1044 als Notjahre. Auch eine

Hungersnot von fünf Jahren, wie sie von Rodulfus Glaber^),

der Histöria monasterii Viconiensis') und von Abt Isingrim

von Ottenbeuern^) erwähnt wird, ist thatsächlich wohl kaum

zu beweisen, doch nähern wir uns hier schon dem Möglichen.

Alle bedeutenden Hungersnöte erstrecken sich über mehrere,

in der Regel zwei oder drei Jahre. Erwähnt nun irgend ein

Annalenwerk zu zwei aufeinander folgenden Jahren eine

Hungersnot, so ist daraus allerdings noch nicht mit Sicherheit

zu folgern, dafs sich diese Hungersnot auch wirklich über

die Dauer von zwei ganzen Jahren, also auch über zwei

Ernten erstreckt hat, häufig ist damit nichts anderes gesagt,

als dafs die Hungersnot nach der Mifsernte des ersten Jahres

begann und nun natürlich auch im nächsten Jahre, das meist

das eigentliche Notjahr war, fortdauerte. Und meistens be-

1) a. 1143 Ann. Laub. S. S. IV, 22, 50.

2) a. 1139 Chr. S. Bavonis De Smet, Corp. ehr. Fland. I, 584

3) a. 1192 Bald. Ninov. S. S. XXV, 537, 40.

4) a. 1247 Chr. Ridesel. Kuchenbecker, Analecta Hass. III, 7.

5) Anselmi gest. eps. Leod. c. 53 S. S. VII, 221, 6.

6) a. 1005 Raoul Glaber lib. 11, c. 9 ed. M. Trou. 44.

7) a. 1197 Hist. monast. Vi'con. S. S. XXIV, 302, 30.

8) a. 1197 Ann. Ottenb. Isingr. min. S. S. XVII, 317, 1.


Dauer und räumliche AusdeLuung der Hungersnöte. 27

gaun die Hungersnot schon zu Ende des Jahres, das den

Mifswachs brachte, wenn die geringe Ernte aufgezehrt war,

manchmal verzögerte sich der Ausbruch auch noch bis zum

Anfange des nächsten Jahres und selten bis zum Ende des

Winters oder Beginn des Frühjahrs.^)

Dauerte auch eine Hungersnot schon mehrere Jahre, so

darf es uns doch nicht wundern, dafs unsere Quellen nur verhältnismäfsig

selten mehrere Jahre hintereinander eine Hungersnot

erwähnen, das thuen nur besonders sorgfältige Werke, wie

z. B. Menkos Chronik oder die Fortsetzung des Cosmas, meist

begnügen sie sich damit, beim ersten oder letzten Jahre anzugeben,

die Hungersnot habe zwei oder drei Jahre gedauert.

Man mufs daher häufig Aussagen mehrerer Quellen zusammenstellen,

um mit Sicherheit zu erfahren, wie lange die Hungersnot

an einem bestimmten Orte gedauert hat, imd es kann

dabei leicht vorkommen, dafs auch in guten Quellen einmal

in einem der Jahre eine Nachricht fehlt. Um ein Beispiel

anzuführen: in der Gegend von Köln herrschte drei Jahre

hintereinander von 1145—1147 eine Hungersnot. Es haben

Nachrichten darüber: 1145 die Ann. Brunwilarenses, 1146

wieder die Ann. Brunwil., die Ann. Remenses et Colonienses,

die Chr. resria berichtet von einem Kometen als Vorzeichen

der kommenden Not, 1147 erwähnt dann auch die Chr. regia

eine Hungersnot. Länger als drei Jahre aber wird an deuiselben

Orte wohl kaum eine Hungersnot geherrscht haben.

Häufiger und bei gröfseren Hungersnöten fast die Regel

ist eine Dauer von zwei Jahren und zwar so, dafs auch wirklich

zwei Mifsernten auf einander folgen. So berichten zu

den Jahren 1196 und 1197 Reiner von Lüttich und aus einem

anderen Teile von Belgien die Cont. Aquicinctina, Der Grund

zu der Verschleppung des Notstandes ins zweite und dritte

Jahr kann in einem Anhalten der ungünstigen Witterung

liegen, aber das wäre ein Zufall. Viel wichtiger ist die allgemeine

Depression, von der sich die Wirtschaft nicht so

schnell erholt. Der Ackerbau lag ganz darnieder, oft wurde in

der Not das Saatgetreide ganz oder zum Teile verzehrt, am

schlimmsten aber mufste es wirken, dafs regelmäfsig, von

furchtbarer Panik ergriffen, die Landbevölkerung den Acker

überhaupt im Stiche liefs, und so die ganze Getreideproduktion

ins Stocken geriet. Immer wieder berichten die Quellen,

dafs während der Hungersnot zahllose Höfe leer standen. Aber

das. Lai^d wurde dadurch nicht entlastet, das Feld blieb zwar

unbestellt, aber die Flüchtlinge verliefsen die Gegend nicht,

sondern zogen nur in die nächste gröfsere Stadt, um dort bei

1) a. 1252 Cosmae cont. S. S. IX, 174, 10.


28 Dauer und räumliche Ausdehnung der Hungersnöte.

der Mildthätigkeit des Klerus Hülfe zu finden. Dafs man

diesen Mifsstand erkannte, zeigt eine Stelle der Vita Ottos

von Bamberg^), die berichtet, dafs der Bischof bei Beginn der

Ernte dafür sorgte, dafs die Scharen, die sich in Bamberg angesammelt

hatten, nun in ihre Heimat zurückkehrten. Er

gab jedem der Flüchtlinge eine Sichel mit und einen Denar

als Zehrgeld. Ebenso schicken die Mönche von Riddagshausen^)

ihre Schutzbefohlenen zur Ernte wieder in die Heimat

zurück.

Von der grölsten Bedeutung für die Geschichte der

Hungersnöte ist die Frage nach der Ausdehnung des Notstandsgebiets

in jedem einzelnen Falle. Unmittelbar geben

die Quellen hierüber sehr selten Auskunft, und finden sich

einmal Angaben, per totam Galliam et Germaniam, per Saxouiam,

per Baioariam, multis locis und ähnliches, so sind sie

doch nur mit der gröfsten Vorsicht aufzunehmen. Im Ganzen

ist anzunehmen, dafs der schreibende Mönch sichere Auskunft

nur über seine nähere Umgebung geben konnte. Nur bei besonders

gut unterrichteten Autoren, die auch sonst ihre Zuverlässigkeit

und einen weiteren Blick bewiesen haben, werden

wir Wert auf Angaben über die Ausdehnung der Notstandsgebiete

legen dürfen. Menko berichtet von einer Hungersnot

in Dänemark und Greifswald, und er ist zweifellos vollkommen

orientiert, denn er spricht in demselben Zusammenhange von

dem lebhaften Handelsverkehr der Friesen nach den O^tseeländern.

Dafs aber auch sonst räumlich weit entfernte Quellen

richtig über eine Hungersnot berichten können, zeigt die Übereinstimmung

zweier süddeutscher Quellen, Bernolds^) und der

Augsburger Annalen^), die von einer Hungersnot in Sachsen

1092 und 1093 berichten.

Ein Beispiel, wie sehr eine Quelle irren kann, wenn die

Nachricht auch noch so bestimmt auftritt, giebt eine Stelle

bei Magnus von Reichersberg. ^) Es heifst da zum Jahre

1166: „Eodem anno fuit illa magna fames per universas terras."

Das Wort illa deutet schon darauf hin, dafs die Nachricht

später, vielleicht aus dem Gedächtnisse nachgetragen ist. Diese

Vermutung wird bei näherer Betrachtung bestätigt. Die

Chronik ist bis 1167 nichts anderes als ein Auszug aus den

älteren in ihrem letzten Teile den Ereignissen gleichzeitigen

Ann. Reichersberg. Hier findet sich aber nichts von einer

1) Heribordi dialog. de. v. Ottonis epsc. Babenberg. lib. I, c. 33

S. S. XX, 716, 1.

2) a. 1316 Magdebg. Schöppenchr. St. Chr. VII, 186, 1.

3) a. 1092 Bernoldi chr.''S. S. V, 454, 10.

4) a. 1093 Ann. August. S. S. III, 134, 17.

5) a. 1166 Chr. Magni presbyt. S. S. XVH, 488, 40.


Dauer und räumliche Ausdehnung der Hungersnöte. 29

Hungersnot, die Nachricht ist also ein Zusatz, den Magnus

gegen Ende des Jahrhunderts machte, als er seine Chronik

verfafste. Nun könnte ja diese Nachricht auf eine andere

ebenfalls zeitgenössische Quelle zurückgehen; das wird aber

wenig wahrscheinlich, wenn wir betrachten, was sonst über

die Witterungsverhältnisse des Jahres 1166 überliefert ist. In

Stederburg^) finden wir allerdings eine Hungersnot, ebenso

Mifsernte in Magdeburg^), in einer Thüringer Quelle^) aber

heilst es: „abundancia magna frumenti et vini." Aus der

Nähe von Reichersberg berichten die Cont. Cremifanensis*)

und die Ann. Admuntenses^) übereinstimmend von Hagelschlag

am 24. Juni, aber von einer Hungersnot wissen sie nichts.

Nachrichten aus Baiern fehlen. Unter diesen Umständen kann

von einer wirklich bedeutenden Hungersnot in der Gegend

von Reichersberg keine Rede sein, höchstens wäre es möglich,

aber auch nur möglich, an einen eng begrenzten Notstand zu

denken. Ebenso gut kann die Nachricht aber auch einfach

falsch sein. Wie der Irrtum dann entstanden ist, ob etwa,

was allerdings bei der Lage von Reichersberg wenig wahrscheinlich

ist, eine norddeutsche Quelle der Nachricht zu

Grunde liegt, — dann wäre ja das Jahr richtig überliefert, —

oder ob die Jahreszahl durch irgend einen Zufall verwechselt

ist, läfst sich nicht entscheiden.

Eine bedeutende Überschätzung der Verbreitung des Notstandes

zeigen die zwei Nachrichten der Ann. Fuld.®): 873

heilst es: „fames per universam Italiam et Germaniam" und

874^): „fames per universam Galliam et Germaniam." Unterstützt

wird diese Aussage noch durch eine Nachricht der

Hersfelder Ann.^), die auch ganz allgemein angeben: fames in

Germania. Und doch läfst sich sicher zeigen, dafs das Gebiet

dieser Hungersnot nur ungefähr den Strich zwischen den Ursprungsorten

dieser beiden Notizen, zwischen Mainz imd Hersfeld

umfalste. Der Grund zu dieser Not waren gewaltige

Heuschreckenschwärme, die 873 Deutschland, Frankreich und

Italien durchzogen und bis nach Spanien kamen. Zahlreiche

Autoren berichten von dieser Erscheinung, die die Zeitgenossen

im höchsten Grade erregte. Aber von einer Hungersnot weifs

aufser den beiden angeführten keine Quelle etwas. Der Grund

1) a. 1166 Ann. Stederburg. S. S. XVI, 209, 45.

2) a. 1166 Ann. Magdebg. S. S. XVI, 192, 38.

3) a. 1166 Cr. S. Pertri. Erford. S. S. XXX, 370, 8.

4) a. 1166 Cont. Cremif. S. S. IX, 545, 39.

5) a. 1166 Ann. Admunt. S. S. IX, 583, 43.

6) a. 873 Ann. Fuld. M. G. kl. Ausg. 79.

7) a. 874 Ann. Fuld. M. G. kl. Ausg. 83.

8) a. 873 Ann. Alth. M. G. kl. Ausg. 6.


30 Dauer und räumliche Ausdehnung der Hungersnöte.

ist klar, die Heuschrecken erschienen in Mainz zur Zeit der

Ernte, tempore novarum frugum, wie die Ann. Fuld. angeben.

Als sie später nach Frankreich kamen, wird die Ernte

schon zum grofsen Teile beendigt gewesen sein^), so dafs sie

hier nicht mehr viel schaden konnten.

Es zeigt sich, dafs die Angaben der Quellen über die

Ausdehnung der Hungersnöte sehr unzuverlässig sind. Irgend

welche allgemein gültigen Regeln für die Behandlung der.

Schriftstellernachrichten in dieser Hinsicht lassen sich nicht

finden; man wird also jede Quellenstelle nach ihrer Individualität

behandeln müssen und wird im ganzen nur durch die

geographische Lage der Quellenorte zu einander Auskunft

über die räumliche Ausdehnung der Notstandsgebiete erhalten.

1) Am 16. August erschienen die Heuschreckenschwärme in Rheims,

Ann. S. Dionysii Rem. S. S. XIII, 82, 26.


Verschiedene Arten der Hungersnöte.

Zwei Gruppen lassen sich unter der Menge der überlieferten

Hungersnöte deutlieh unterscheiden, solche, die lokal

auf einen Teil des Landes beschränkt sind und solche, die das

ganze oder doch den gröfsten Teil des in der vorliegenden

Arbeit behandelten Gebietes umfassen. Aus dem Bereich der

Betrachtung fallen selbstverständlich heraus die Hungersnöte,

die in belagerten Städten entstehen.

Die lokalen Hungersnöte umfassen Gebiete, die schon

von Alters her eine Einheit waren, und die wir auch heute

noch als Einheiten anzusehen gewöhnt sind, Gebiete, die ihrer

physikalisch -geographischen Natur nach unter denselben

Witterungsverhältnissen stehen, die meist von demselben

Stamme bewohnt werden, die oft auch politisch eine Einheit

bilden, oder die doch die politischen Schicksale mit einander

teilen; denn auch das hat ja eine, wenn auch nur sekundäre

Bedeutung. Kurz, Gebiete, die kulturell nnd wirtschaftlich

auf derselben Stufe stehen, und die darum unter den elementaren

Schlägen, die die Wirtschaft trefien, gleich oder ähnlich

leiden. Solche Gebiete sind, um einige Beispiele anzuführen:

Böhmen, von drei Seiten von Gebirgen umgeben und politisch

eine Einheit, Baiern und Schwaben, die beiden Teile, in die

seit alters Süddeutschland sich scheidet. Im Nordwesten

bildet das Land von den Abhängen der Ardennen bis zum

Meere ein abgeschlossenes Gebiet, das bald einen entscheidenden

Vorsprung vor allen anderen Gegenden gewinnt. Aus

Lüttich, Cambrai, Doornik, Achin und Gent stammen die

besten Nachrichten für unser Thema. Die niedersächsische

Tiefebene ist entschieden von den süd- und westdeutschen

Gebirgsländern getrennt, kulturell steht das Land etwas

zurück, es hat auch meist seine besonderen Hungersnöte.

Natürlich sind die lokalen Hungersnöte nicht so eng beschränkt.

Eine böhmische Hungersnot greift wohl auch auf

Schlesien und Westgalizien über. Baiem und Schwaben

werden von derselben Not getroffen. Eine Hungersnot in

Belgien erstreckt ihre Ausläufer an den Mittelrhein und bis

nach Westfalen, und ähnliche Fälle mehr.


32 Verschiedene Arten der Hungersnöte.

Die Umgrenzung eines Notstandsgebietes ergiebt sieb

zuerst positiv aus der Zusammenstellung mebrerer Naehriebten

über die Hungersnot aus benachbarten oder doch nicht

zu weit von einander entfernten Orten, negativ aus Nachrichten

über gute Ernte und Witterungsangaben aus Gegenden,

die in der Nähe der Peripherie des wahrscheinlichen Notgebietes

liegen; denn wo ein Schriftsteller dergleichen aufzeichnet,

wird er Hungersnöte sicher nicht unbeachtet lassen;

oder schliefslich aus Nachrichten, die auf eine wesentliche

Abschwächung der Not deuten. Im Gegensatze zu fames,

sterilitas, siccitas u. s. w. Das Schweigen der Quellen als

Argument zu verwerten, wird nur mit einiger Vorsicht möglich

sein. Im Ganzen glaube ich, werden sich so die Gebiete

in der wünschenswerten Weise umschreiben lassen.

Es wird gut sein, einige Beispiele anzuführen. 1095

wird von einer Hungersnot in Belgien berichtet, es liegen

Nachrichten vor aus: Lüttich, Gembloux, Doomik, Gent, das

ganze Land war also von der Not betroffen. Aus den benachbarten

Gebieten erfahren wir nichts, nur an einigen

Stellen, in Utrecht^) und in Hessen^) ist die Seuche, die im

vorhergehenden Jahre ganz Mitteleuropa betroffen hatte, noch

nicht erloschen. Wie weit Frankreich von der Not ergriffen

war, läfst sich endgültig nicht erkennen, Nachrichten darüber

fehlen in den ostfranzösischen Annalen, und wenn Ekkehard^)

von einer Hungersnot in Frankreich spricht, so wird man

diese Nachricht dem Zusammenhange nach sehr wohl besonders

auf die belgischen Gebiete beziehen können. 1259 ist

Baiern von einer Hungersnot heimgesucht. Es berichten darüber

Nachrichten aus Freising*), Scheftlarn^), Ranshofen®)

und Salzburg''), wenn auch hier der Autor das immerhin mildere

Wort caristia gebraucht. Nördlich der Donau macht

sich der Notstand noch in Thalmässing^) durch hohe Preise

bemerkbar. Das Viertel Weizen oder Roggen kostet 4 s.

Hiermit ist das Notgebiet ungefähr umschrieben; östlich davon,

in Lambach^), wird noch von einem heifsen und trockenen

Sommer berichtet, aber nicht mehr von einem besonderen

Notstande. In Böhmen verzeichnet man schon ein besonders

1) a. J095 Ann. S. Mariae Ultraiect. S. S. XV, II, 1301, 36.

2) a. 1096 Ann. Ottenbur. S. S. V, 8, 40.

3) a. 1095 Ekkeh. ehr. univer. S. S. VI, 213, 48.

4) a. 1259 Ann. S. Steph. Frising. S. S. Xm, 57, 10.

5) Ann. Scheftlar. min. S. S. XVH, 344, 24.

6) Ann. Wessof. ed. Leuter. Eist. Wessof. 11, 33; vgl. Lorenz,

Deutschlands Geschichtsquellen I, 176.

7) Ann. S. Rudb. Salisburg. S. S. IX, 795, 7.

8) EUenhardi annal. S. S. XVH, 102, 40, Thalmässing nördl. von

Eichstädt. — 9) Cont. Lambac. S. S. IX, 560, 12.


Verschiedene Arten der Hungersnöte. 33

gutes Weinjahr.^) Nachrichten aus Schwaben fehlen, aber

am Rhein sind Weinlese und Ernte gut.^) In ähnlicher

Weise liefse sich die Begrenzung auch noch in anderen Fällen

durchführen.

Die allgemeinen Hungersnöte unterscheiden sich qualitativ,

in der Art ihrer Erscheinungen, nicht sehr von den

lokalen. Das Bild der Not ist im Ganzen dasselbe, der Unterschied

liegt im wesentlichen nur in der gröfseren Ausdehnung

des Notstandsgebietes. Es gehören zu ihrem Entstehen so

besonders ungünstige Witterungsverhältnisse, dafs klimatisch

und wirtschaftlich ganz verschiedene Gebiete gleichzeitig getroffen

werden, oder um es für den konkreten Fall dieser

Untersuchung festzustellen, dafs Ober- imd Niederdeutschland

von derselben Hungersnot heimgesucht ^werden. Dann wird

es sich zeigen, dafs immer im östlichen, oft aber auch in

ganz Frankreich und zum Teil auch in Italien oder England

Hungersnot herrscht. Es ist damit ein grofses Gebiet umschrieben,

innerhalb dessen aber Schwankungen in dem Ausdehnungsgebiete

jeder einzelnen allgemeinen Hungersnot vorhanden

sein können. Nur die Hungersnot von 1315— 1317

füllt das ganze von dieser Arbeit behandelte Gebiet aus, nur

hier sind die Spuren der Not wirklich von Breslau bis Doornik

und von der Ostsee bis an die Alpen zu verfolgen. In

allen anderen Fällen ist das Notstandsgebiet mehr oder weniger

beschränkt, und besonders die peripherisch gelegenen Gebiete

sind häufig von Hungersnot nicht betroffen oder die Not

läfst sich hier wenigstens nicht nachweisen. Ein Blick auf

die beiliegenden Tabellen wird das bestätigen, die Rubriken

der norddeutschen Küstengebiete, Böhmens und Österreichs

bleiben häufig bei allgemeinen Hungersnöten leer. Es handelt

sich im Ganzen, wie wir sehen, um die Kolonialländer. Zum

Teil werden wir diese Erscheinung ja darauf zurückführen

können, dafs hier die an sich schon gegen das Mutterland

spärlichen Nachrichten über Hungersnöte verloren gegangen

sind, dann aber war auch die ganze wirtschaftliche Lage des

Landes noch zu sehr von dem übrigen Deutschland und Mittelfrankreich

verschieden, als dafs man annehmen könnte, dafs

diese Gebiete immer an den Schwankungen und Störungen

des wirtschaftlichen Lebens des Westens teilgenommen hätten.

Immerhin ist anzunehmen, dafs häufig die Hungersnöte weiter

nach Osten ausgedehnt waren, als sich nachweisen läfst. In

der älteren Zeit wird die angedeutete Kulturgrenze noch

weiter zurückzuschieben sein, so dafs im neunten Jahrhundert

1) a. 1259 Cont. Cosm. S. S. IX, 177, 41.

2) a. 1259 Ann. Wormat. Boos. Mon. Wonnat. 156, 18.

Leipziger Studien, VI. 1: Curschmann, Hangeranöte. 3


34 Verschiedene Arten der Hungersnöte.

schon eine allgemeine Hungersnot vorliegt, wenn nur das

mittelrheinische Gebiet, Oberdeutschland und, hier ist es natürlich

besonders wichtig, Frankreich betroffen wird.

Aber auch im Westen finden wir, dafs in einigen Fällen

scheinbar oder wirklich gewisse Gebiete an den allgemeinen

Hungersnöten nicht teilnehmen. Undenkbar ist es doch anzunehmen,

dafs, während Belgien, Sachsen und Süddeutschland

bis nach Böhmen hin in den Jahren 1124—1126 von einer

Hungersnot heimgesucht wurden, das mittelrheinische Gebiet

verschont geblieben sein soll. Der Grund zu dieser auffallenden

Erscheinung liegt offenbar darin, dafs uns eine gute zeitgenössische

Quelle aus dieser Gegend fehlt; was die Chr. reg.

Col. berichtet, stammt aus Paderborn. Ebenso ist es nicht

recht erklärlich, dafs uns im Jahre 1145 alle Nachrichten

über eine Hungersnot in Belgien fehlen, während sie zu den

Jahren vorher und nachher bezeugt ist, und gleichzeitig in

ganz Deutschland und Frankreich Hungersnot herrschte.


Versnch einer Statistik.

In dem Vorhergehenden habe ich versucht, die Grundsätze

für die Beurteilung der einzelnen Hungersnöte zu geben

und habe dabei die beiden grofsen Hauptgruppen der allgemeinen

und lokal begrenzten Hungersnöte aufgestellt. Es

wird sich jetzt darum handeln, die überlieferten Hungersnöte

in ihrer Gesamtheit zu überblicken und zu sehen, was sich

aus einer allgemeinen Statistik ergiebt.

Die Schwierigkeit einer solchen Statistik liegt auf der

Hand. Von absoluter Vollständigkeit des Materials kann

natürlich keine Kede sein; was an Material auf uns gekommen

ist, hat sich durch die tausend Zufälle der Überlieferung erhalten

und ist ohne Einheitlichkeit. Gleichwohl fordert die

grofse Zahl der Nachrichten zum Versuch einer Statistik auf.

Die erste Frage ist nun, wie weit zur Aufstellung einer

solchen Statistik Vollständigkeit des Materials überhaupt nötig

ist. Es wird da entschieden für einen allgemeinen Überblick

genügen, wenn wir für jede verbreiterte Hungersnot aus

einigen oder auch nur einer guten Nachricht die ungefähre

Ausdehnung des Notstandsgebietes bestimmen können. Das

Fehlen von Nachrichten aus irgend einem wichtigen Orte

innerhalb dieses Gebietes oder in der Nähe darf dabei nie

verwundern, und kann auf vollständig zufälligen Gründen

beruhen.

Viel wichtiger aber ist die Frage, in welchem Verhältnisse

die Zahl der uns überlieferten zu der Zahl der überhaupt

einst vorhanden gewesenen Hungersnöte steht, insbesondere

ob wir auf eine gewisse Vollständigkeit der Überlieferung

in dieser Hinsicht rechnen dürfen.

Ein negatives Resultat ergiebt ein Blick auf die beiliegenden

Tabellen sofort. Für das 8. und 10. Jahrhundert ist

das vorliegende Material vollkommen ungenügend, im Vergleich

zu den anderen Jahrhunderten sind viel zu wenig

Hungersnöte überliefert. Beim 8. Jahrhundert hat das seinen

Grund darin, dafs überhaupt noch wenig aufgezeichnet wurde.

3*


36 Versuch einer Statistik.

Für das 10. Jahrhundert werden wir wohl mit Recht annehmen

dürfen, dafs durch die Raubzüge der Ungarn und

Normannen von der Litteratur dieser Zeit unendlich viel zerstört

worden ist.

Es wird also nur noch zu fragen sein, ob denn für die

übrigen vier Jahrhunderte das Material so reichlich und gleichmäfsig

ist, dafs man hoffen kann, brauchbare Resultate zu erlangen.

Lamprecht hat, um diese Frage für das Moselgebiet

zu beantworten, die Zahl der Hungersnöte mit der der Überschwemmungen,

Erdbeben^^ und grofsen Sterben verglichen

und gefunden, dafs die Überlieferung aller dieser elementaren

Ereignisse im Ganzen gleichmäfsig ist.-^) Daraus wird

dann gefolgert, dafs wir bei der Überlieferung der Hungersnöte

wohl mit Recht dieselbe Gleichmäfsigkeit werden annehmen

dürfen. Diese Art der Untersuchung nun für ganz

Deutschland zu wiederholen wird sich, glaube ich, nicht empfehlen.

Eine Vergleichung mit den Überschwemmungen läfst

sich naturgemäfs nur für ein Flufsthal ausführen. Die Zahl

der Erdbeben ist auch für das Moselland sehr klein, und doch

sind wir hier in der Nähe der Eifel, fast dem einzigen Gebiete

Deutschlands, das noch heute vulkanische Thätigkeit

zeigt; in anderen Gegenden würden die Zahlen noch geringer

sein. Auch von einer Vergleichung der grofsen Epidemieen

kann ich mir kein rechtes Resultat versprechen. Dennoch

glaube ich in der Aufzählung der Hungersnöte im Verhältnisse

zu der Zahl der wirklich einmal vorhanden gewesenen eine

sehr grofse Vollständigkeit erreicht zu haben, ja für die allgemeinen

Hungersnöte nehme ich sogar an, dafs diese Vollständigkeit

absolut ist, dafs es aufser den von mir bestimmten

überhaupt keine allgemeinen Hungersnöte gegeben hat.

Zur Rechtfertigung dieser Behauptung läfst sich folgendes

anführen: Die Erfahrung zeigt, dafs alle allgemeinen

Hungersnöte, die wir kennen, durch eine beträchtliche Anzahl

von Quellenstellen belegt sind. Um nur einige Beispiele

anzuführen, so erwähne ich, dafs für die Notperioden

1005—1006 9 Nachrichten erhalten sind, für 1043—1045

16 Nachrichten, für 1099—1101 21 Nachrichten, für 1195 bis

1198 sind es 39 und für die Jahre 1225—1226 20 Nachrichten.

Angesichts dieser Thatsachen wird man es nicht für wahrscheinlich

halten, dafs alle Nachrichten über eine allgemeine

Hungersnot verloren gegangen sind. Nun wäre ja aber auch

die Möglichkeit vorhanden, dafs, wenn nicht alle, so doch so

viele Nachrichten verloren gegangen wären, dafs die über-

1) Lamprechts Deutsches Wirtschaftsleben I, 590.


Versuch einer Statistik. 37

lieferte Hungersnot nur noch als eine lokale erschiene. Ich

glaube aber kaum, dafs diese Eventualität dem überlieferten

Quellenstoffe gegenüber in Betracht kommt. Für fast jedes

der Notjahre finden sich aufser den Nachrichten, die ein gewisses

Notstandsgebiet umschreiben, auch andere, die durch

ihren Inhalt erkennen lassen, dafs in den Gegenden ihrer Entstehung

keine Hungersnot herrschte. Es sind das zuerst

Nachrichten, die von einer guten Ernte berichten, dann ganz

allgemein Witterungsangaben; denn wir können mit Recht annehmen,

dafs, wo eine Quelle es schon für bemerkenswert

hielt, ein Gewitter, Hagelschlag oder etwas Ahnliches zu

zu verzeichnen, sie eine Hungersnot, die doch eine viel eindrucksvollere

Erscheinung war, nicht unbeachtet gelassen

hätte.

Erscheint also nach Lage des vorhandenen Materials eine

Verwechslung der lokalen und allgemeinen Hungersnöte nicht

wahrscheinlich, so wird es sich jetzt fragen, wie weit wir

denn auf eine Vollständigkeit in der Überlieferung der lokalen

Hungersnöte werden rechnen können? Hierbei unterliegt es

nun keinem Zweifel, dafs von einer grofsen Anzahl kleinerer

eng begrenzter Hungersnöte sich Nachrichten nicht erhalten

haben; aber das glaube ich nach dem allgemeinen Eindrucke,

den die Quellen hinterlassen, annehmen zu können, dafs die

gröfseren provinziellen Hungersnöte, wenigstens in den letzten

Jahrhunderten, ihrer Zahl nach vollständig überliefert sind.

Wenn wir aber immerhin hier nicht auf absolute Vollständigkeit

der Nachrichten werden rechnen können, so würde

doch die Frage auftreten, ob denn das Material wenigstens

so gleichmäfsig erhalten ist, dafs, auch eine gewisse Lückenhaftigkeit

angenommen, wenigstens das Verhältnis der Zahlen

zu einander in den einzelnen Zeitabschnitten richtig ist. Diese

Verhältniszahlen sind aber das Wichtigste, da sie Zunahme

oder Abnahme der Hungersnöte, — und darauf kommt es ja

in erster Linie an, — in derselben Weise erkennen lassen, wie

ein vollständiges Material.

Um die Gleichmäfsigkeit der Überlieferung zu prüfen,

ist es nötig, alles gesammelte Material im weitesten Sinne zu

betrachten. Ich habe gewissermafsen als Hülfsgröfsen, aufser

den Nachrichten über die Hungersnöte selbst, auch alles, was

uns sonst an Nachrichten über die Witterung, Überschwemmungen

und Epidemieen erhalten ist, gesammelt. Da ergiebt

sich nun, wenn wir die Gesamtheit dieses Materials betrachten,

dafs ohne jede solche Nachricht im 9. Jahrhundert 36 Jahre,

im 11. 30, im 12. 9 und im 13. nur noch 2 Jahre sind. Die

Zahlen sind für das 9, und 11. Jahrhundert ziemlich gleichmäfsig.

Zwischen dem 12. und 13. Jahrhundert erscheint der


38 Versuch einer Statistik.

Unterschied vielleicht grofs, er ist aber doch ohne besondere

Bedeutung. Die Nachrichten haben sich in diesen beiden

Jahrhunderten so vermehrt, dafs wir es nur für einen Zufall,

dem kein gröfseres Gewicht beizulegen ist, halten können,

wenn aus einem oder dem anderen Jahre uns nichts über

irgend ein elementares Ereignis berichtet wird. Es liefse sich

daher also wohl nur behaupten, dafs für die beiden letzten

Jahrhunderte und vielleicht auch für das 9. und 11. unter

sich das Material genügend gleichmäfsig ist, um eine Statistik

zu erlauben, dennoch glaube ich, wird man mit einiger Vorsicht

alle vier Jahrhunderte neben einander behandeln können.

Es kommt hinzu, dafs zwischen dem 12. und 13. Jahrhundert,

wo ein Fehler durch Mangel des Materials ausgeschlossen erscheint,

sich der grösste Unterschied in der Zahl und Verbreitung

der Hungersnöte ergeben wird. Hier kann die Statistik

nicht geirrt haben. Schliefslich glaube ich, werden die

gewonnenen Resultate eine gewisse Gewähr für ihre Richtigkeit

in sich selbst tragen, weil sie in Übereinstimmung mit

dem stehen, was wir sonst über den Verlauf der mittelalterlichen

Wirtschaftsgeschichte wissen.

Zur Orientierung über die Ausdehnung und Dauer der

einzelnen Hungersnöte verweise ich auf die beiliegenden Tabellen.

Ich habe zur Abgrenzung der einzelnen Vorgänge

innerhalb des behandelten Gebietes, besonders für die lokalen

Hungersnöte, 10 Abteilungen gebildet^):

1. Das belgisch-niederrheinische Gebiet.

2. Das mittelrheinische Gebiet.

3. Lothringen und Ostfrankreich.

4. Das westliche Süddeutschland.

5. Baiern mit den Obermainländern.

6. Die norddeutschen Küstenländer.

1) 1. Belgisch -niederrheinisches Gebiet umfafst alles Land nördlich

der Ardennen bis zum Meere und Zuider-See, der nördlichste

Punkt, aus dem Nachrichten stammen, ist Egmond.

2. Mittelrheinisches Gebiet von Xanten aufwärts bis Mainz,

aufserdem das Moselland.

3. Lothringen und Ostfrankreich, das Land südlich der Ardennen

und westlich der Vogesen, wichtige Punkte, aus denen

Nachrichten stammen, sind hier Verdun, Metz, Dijon, aufserdem

sind zum Teil noch die weiter westlich und südlich gelegenen

Gebiete mit berücksichtigt worden.

4. Westliches Süddeutschland umfafst Elsafs, Schwaben und

Franken.

5. Baiem, südlich des Thüringer Waldes, östlich bis zum

Böhmerwald, Salzburg eingeschlossen, die Westgrenze ist so

angenommen, dafs Bamberg noch zu Baiern gehört.

6. Norddeutsche Küstenländer sind oft zu entlegene Gebiete


11

12


Versuch einer Statistik. 39

7. Das norddeutsche Binnenland.

8. Böhmen.

9. Osterreich.

10. Nachrichten aus den östlichen Grenzgebieten Schlesien,

Polen, Ungarn.

Betrachten wir nun zuerst die allgemeinen Hungersnöte,

so ergiebt sich folgendes Bild:

Jahrhundert li

9 i

I

13

Hungersnöte .

. . j

4

*)

Das 12. Jahrhundert hat die gröfste Zahl von Hungersnöten,

doch erscheint der Abstand gegen das 11. Jahrhundert

unnatürlich grofs, da das 12. sofort mit einer Hungersnot beginnt

(1099— 1101), deren Hauptjahr 1100 ist. Immerhin

bleibt das 12. Jahrhundert am meisten betroffen. Nach einer

Pause von über 50 Jahren folgen hier die schweren Hungersnöte

schnell aufeinander: 1100—1101, 1124—1126, 1145—

1147, 1150—1151, 1195—1198. Im nächsten Jahrhundert

finden wir nur noch eine allgemeine Hungersnot in den Jahren

1225— 1226; sie folgt also noch ziemlich schnell auf die letzte

Hungersnot des vorhergehenden Jahrhunderts, dann aber tritt

eine Pause von 90 Jahren ein, erst 1315—1317 findet sich

die nächste allgemeine Hungersnot. Es zeigt sich also im

13. Jahrhundert ein ganz tiefgehender Unterschied, eine vollkommene

Veränderung aller Verhältnisse; jeder Irrtum infolge

mangelnden Quellenmaterials erscheint in dieser Hinsicht

ausgeschlossen.

Eine Zusammenstellung der lokalen Hungersnöte ergiebt

folgendes Bild:

als dafs man sie mit Niedersachsen zusammen nehmen könnte,

die Nachrichten stammen aus Friesland , Bremen, Lübeck,

Holstein und den Ostseeländern. Der Ort der Quelle ist

jedesmal bei der Jahreszahl angegeben.

7. Binnenland umfafst Niedersachsen und die anderen Gebiete

der norddeutschen Tiefebene , die westlichsten Quellen stammen

aus Paderborn, Hersfeld und Fulda.

8. Böhmen umfafst das Land zwischen den drei böhmischen

Randgebirgen und Mähren.

9. Österreich, das Land zwischen Inn und Leitha und südlich

davon die Alpenländer.

1) Ob eine Hungersnot als lokale oder allgemeine Hungersnot anzusehen

ist, ist bei dem vorliegenden Materiale oft schwer mit Sicherheit

festzustellen, es sind hier gezählt die Jahre 805—807, 822 824,

867—869 und 896—897.


1

40 Versuch einer Statistik.

Jahrhundert


Versuch einer Statistik. 41

zwar sehr bedeutend, aber nichts deute auf einen wirklich

schweren allgemeinen Notstand hin. Ähnlich ist die Lage

1269 am Mittelrhein. Nur aus einer Urkunde^) erfahren wir,

dafs

ein gewisser Mangel um Mittel- und Oberrhein geherrscht,

habe, aber kein Annalenwerk berichtet etwas davon. Auch

hier mufs es sich um eine Teuerung von keiner allzu grofsen

Bedeutung, nicht um eine vrirkliche Hungersnot gehandelt

haben.

Das Land ist also, bis auf die eine Hungersnot, die ganz

Deutschland trifft, von jedem gröfseren Notstande frei, gewifs

ein für die Wirtschaft des Landes veichtiges Ergebnis.

Betrachten wir den entgegengesetzten Teil Deutschlands,

so finden wir hier in Baiern, Böhmen und Osterreich einen

Komplex mit stets steigender Zahl von Hungersnöten. Für

Baiem ist die Steigerung vielleicht nicht deutlich genug, aber

für die beiden anderen Länder ganz unverkennbar.^) Die

mittleren Gebiete, das westliche Süddeutschland und Sachsen

zeigen auch eine mittlere Stellung. In Süddeutschland finden

wir nur eine geringe Abnahme in der Zahl der Hungersnöte,

in Sachsen nimmt ihre Zahl schon stärker ab, aber doch noch

nicht mit der Entschiedenheit wie im Nordwesten. Wir haben

also eine deutliche Abstufung in der Zahl der Hungersnöte vor

uns, ein Minimum im Nordwesten und ein Maximum im Südosten.

Was ergiebt sich nun aus diesem Zusammenhange?

Die Zahl der Hungersnöte ist ein sicherer Gradmesser

für den Stand der materiellen Kultur eines Landes, sie zeigt,

bis zu welchem Grade die Landwirtschaft im Stande ist, das

Land durch ihre Produktion zu erhalten. Den Ausgleich durch

den Handel mufs man sich hüten zu überschätzen, die Nachrichten

von seinem Eingreifen bei Hungersnöten sind nur gering.

Wir sehen also, in den Landschaften des Nordwestens

ist man schon seit Anfang des 13. Jahrhunderts so weit fortgeschritten,

dafs nur noch ganz aufsergewöhnliche Ereignisse

eine Hungersnot hervorzubringen vermögen. Im Osten dagegen

wächst die Zahl der Leidensjahre noch immer ^), die

Landwirtschaft ist also noch nicht so weit entwickelt, um dem

wirtschaftlichen Leben die nötige Sicherheit zu gewähren. Ich

sage hier nichts Neues. Dafs das Land des Mittelrheins und

1) a. 1296 Günther Cod. dipl. Rheno-Mosell. 11, No. 234, p. 364.

2) Es ist dabei zu beachten, dafs wir gerade für Böhmen in dem

Geschichtswerke des Cosmas und seiner Fortsetzung ein ausgezeichnetes

Quellenwerk besitzen, das von der zweiten Hälfte des 11. Ährhunderts

bis 1283 immer von Zeitgenossen geschrieben ist.

3) Allerdings scheint sie auch hier ihren Höhepunkt erreicht zu

haben. Höniger (Der schwarze Tod 141 ff.) giebt in seiner Zusammenstellung

für die Jahre 1330—1370 nur einmal 1343 eine Hungersnot an.


42 yersuch einer Statistik.

Belgien im 13. Jahrhundert im Mittelpunkte der Kultur überhaupt

für ganz- Nordeuropa standen, braucht nicht erst bewiesen

zu werden, und dafs dagegen die Kolonialländer des

Ostens^) weit zurückstehen, ist ebenso selbstverständlich; aber

ich glaube, es wird doch von Interesse sein, diesen Gradunterschied

auch durch Zahlen wie die vorliegenden ausgedrückt

zu sehen.

Was ich eben durch die allgemeine Gruppierung der

Hungersnöte nachgewiesen habe, findet eine weitere Bekräftigung

durch den Verlauf der Hungersnot von 1217— 1218.

Wir haben in diesen Jahren eine weit über den ganzen Osten

verbreitete Hungersnot vor uns. Im Norden stammen Nachrichten

darüber aus Lübeck, Magdeburg und Halle, aufserdem

ist die Not noch über ganz Baiern, Böhmen und Osterreich

verbreitet. Halten wir dem gegenüber, was Reiner^) aus Lüttich

berichtet. Eine Preissteigerung macht sich auch hier bemerkbar:

Mitte des Jahres sind die Getreidepreise auf das Doppelte

des normalen Satzes gestiegen, der Modius Roggen kostet 4 s.,

Spelz 3 s., und um Weihnachten haben sich diese Preise noch

auf 8 s. und 4 s. erhöht, aber von irgend einem allgemeinen

Notstande ist keine Rede, und dem entsprechen auch die

Preise. Wie ist also die Lage? Die Vorbedingungen für das

Entstehen^) des Notstandes waren offenbar auch im Westen

vorhanden, aber dank der höheren Kultur des Landes wurde

die Gefahr überwunden. Durch die Nachrichten Reiners zum

Jahre 1219 und 1220 findet diese Ansicht eine positive Bestätigung.

Im Sommer 1219 drohte durch den allgemeinen

Mifswachs eine Hungersnot, aber langsam wendet sich die

Lage zum besseren. Im folgenden Jahre ist die Gefahr noch

gröfser, und es wäre nach Reiners Ausspruch sicher zu einer

Hungersnot gekommen, wenn nicht rechtzeitige Zufuhr das

Unglück verhütet hätte. Es ist das einzige Mal, wo wir hören,

dafs der Handel erfolgreich zur Verhütung einer Hungersnot

eingegriffen hat.*)

Das glaube ich wird man aus alle dem vorher Angeführten

folgern können, schon seit dem Anfange des 13. Jahrhunderts

vollzog sich in den Gebieten des Niederrheins eine wichtige

Veränderung in der ganzen Lage der materiellen Kultur:

Sicherheit für den Bezug der wichtigsten Nahrungs-

1) So wird man wohl richtig verallgemeinern können, für den östlichen

Teil der norddeutschen Tiefebene fehlen zu einer näheren Ausführung

fast alle Quellen.

2) Reiner a. 1217 und 1218 S. S. XVI, 675, 35, 676, 9 und 676, 41.

3) Dem entspricht, dafs Reiner auch von einem langen und harten

Winter bis zum 1. März, wie er gewöhnlich das Notjahr einleitet,

berichtet. — 4) a. 1220 Reiner SS. XYI, 678, 19.


Versuch einer Statistik. 43

mittel trat ein, und das ist ein gewaltiger Fortschritt gegen

die vorhergehenden Jahrhunderte. Dabei handelt es sich aber

nicht etwa um eine zufällige Folge guter Jahre. Während

der ersten 20 Jahre des 13. Jahrhunderts können wir die Preisentwicklung

bei Reiner recht genau verfolgen, und da zeigt

es sich dann, dafs der Preis von 4 s. für den Modius Roggen,

den wir für hoch aber noch immerhin als erträglich werden

ansehen müssen, zehnmal in den Jahren 1202, 03, 04, 05, 08,

1210, 13, 17, 19 und 1220 erreicht und zum Teil auch sehr

bedeutend überschritten wird. Aber nur einmal droht eine

Hungersnot, und diese Gefahr wird schnell beseitigt; sonst

findet sich nie eine Andeutung, dafs die Preissteigerungen das

Land bedrückt hätten.

Welches sind aber die Gründe dieser Veränderung? Das ist

eine Frage, die sich aus dem Quellenmaterial nicht genau beantworten

läfst; nur Vermutungen lassen sich darüber aussprechen.

Der erste Grund ist eben ein natürlich nicht quellenmäfsig

belegbarer allgemeiner wirtschaftlicher Fortschritt.

In zweiter Linie würde dann der zunehmende Handel,

für unseren Fall besonders der Getreidehandel, in Betracht

kommen.

Es ist nun aber nach dem erhaltenen Material kaum

möglich, ein wirklich klares Bild von der Bedeutung des

Handels in seiner Einwirkung auf den Verlauf der Hungersnöte

zu erlangen. Natürlich waren auch die Verhältnisse in den

sechs Jahrhunderten, um die es sich handelt, sehr verschieden.

Schon Karl der Grofse erlälst in einem Notjahre ein

Ausfuhrverbot für Lebensmittel, das zur Voraussetzung hat,

dafs er eine Schädigung des Landes durch zu starken Export

fürchtet.^) Später hören wir dann mehrfach in Notzeiten von

grofsen Getreideeinkäufen der Bischöfe imd Klöster und gewinnen

hierbei einigen Einblick in die Verkehrsverhältnisse

der Zeit. Schon Anfang des 11. Jahrhunderts läfst Bischof

Meinwerk Getreide von Köln her die Lippe aufwärts nach

Paderborn führen.^) Denselben Weg ging wohl das Getreide,

das, wie»Caesarius berichtet, 1197 ein Mönch eines westfälischen

Klosters am Rheine einkaufte.^) Vom Rheinhandel selbst erfahren

wir, dafs 12^4 Getreide von der Mainzer Gegend nach

Köln geführt wird*), und 1269 wird nach einem Ausfuhrverbote

der Handel von der Mainzer Diöcese rheinabwärts

wieder freigegeben.^)

1) a. 805 Cap. miss. in Theod. villa dat. c. 4. Boret. I, 122, No. 44.

2) Vita Meinw. SS. XI, 138, 29.

3) a. 1197 Caes. Heisterbac. Dialog, dist. IV, c. 67 ed. Strange 235.

4) a. 1224 V. Engelberti Hb. I, c. 8; Böhmer Fontes II, 304.

5) a. 1269 Günther Cod. dipl. Kheno-Mosell. H, No. 234 p. 364.


44 Versuch einer Statistik.

In den Niederlanden setzt die Passio Karoli um das Jahr

1125 einen lebhaften Wein- und Getreidehandel voraus, der

sich wohl auch zum Teile auf dem Rheine vollzog. Über den

Verkehr auf der Scheide berichtet aus Afflighem eine Nachricht

von 1155.^)

Vom Handel im Donaugebiete hören wir 1235, als der

Herzog von Osterreich seine Grenze gegen Salzburg für die

Getreideausfuhr schliefst. Dennoch wurde Stadt und Land des

Bischofs reichlich mit Getreide aus Schwaben und mit Wein aus

Frankreich und Italien versorgt.^) Wir gewinnen hier also

schon einen Einblick in sehr ausgedehnte Handelsbeziehungen.

Seehandel in, für die Zeit, grofsartigen Verhältnissen, der

mit dem Ausfall der Ernte in Dänemark und an der Ostsee

rechnet, treffen wir in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts

in Friesland. ^)

Nachrichten über Getreidewucher schon zur Zeit Karls

des Grofsen setzen Magazinierung und einen gewissen Handel

voraus, aber es kann sich hier wohl nur um ein Aufkaufen

und Zurückhalten der Getreidevorräte in einem engen Bezirke

handeln. Ebenso wird wohl auch die Lage in der Gegend

von Gembloux gewesen sein, wenn wir in dem Notjahre 1044

hören, dafs die Vorräte künstlich zurückgehalten wurden.*)

Auch Abt Iterius von Andres trieb seinen Getreidewucher in

der grofsen Notperiode um die Wende des 12. und 13. Jahrhunderts

wohl nur mit den Vorräten seines Klosters.^) Beträchtlich

später erst, 1315, hören wir, dafs in Lüttich trotz

der Not grofse Kornvorräte vorhanden waren; aber sie wurden

nicht verkauft, sondern in die Gegenden der Meeresküste ausgeführt,

wo die Preise noch höher standen.^)

Fassen wir alle diese Nachrichten zusammen, so gewinnen

wir einen Einblick in einen jedenfalls recht bedeutenden und

weit ausgedehnten Verkehr. Nicht erkennen läfst sich aber

meistens, wie weit dieser Verkehr überhaupt in normalen Zeiten

bestand, oder wie weit er erst in Notzeiten geschaffen wurde.

Doch werden wir wohl die Getreideankäufe der Bischöfe im

letzteren Sinne auffassen müssen.

Indefs darauf kann es hier überhaupt nicht ankommen,

ein Bild von der Bedeutung des mittelalterlichen Handels im

allgemeinen zu erhalten, es wird sich hier nur um die Spezial-

1) a. 1155 Cont. Affligh. S. S. VI, 402, 47.

2) a. 1235 Ann. S. Rudberti S. S. IX, 786, 31.

3) a. 1272 u. 1273 Menko. ehr. S. S. XXIII, 560.

4) a. 1044 Gest. abb. Gembl. c. 40 S. S. VIII, 539, 54.

5) Guielm. ehr. Andr. SS. XXIV, 732, 14.

6) a. 1315 Joh. Hocs. lib. 11, c. 6 ed. Chapeaville. Gest. pont.

Leod. n, 373 C


Versuch einer Statistik. 45

frage handeln, ob und inwiefern der Handel Hungersnöte abzuschwächen

oder zu verhindern vermochte.

Da bleibt bestehen, dafs wir nur in einem einziger Falle

wissen, dafs Zufuhr die Gefahr der Hungersnot beseitigt hat,

nämlich im Jahre 1220 in Lüttich, während es sich in Salzburg

1235, soweit sich erkennen läfst, nicht mehr um einen

bedeutenden Notstand handelt.

1225 versuchte Erzbischof Engelbert der Not, die sich

bemerkbar zu machen anfing, vorzubeugen, indem er Getreide

aus der Mainzer Diözese kommen liefs und unter die Klöster

verteilte. Es läfst sich wohl erkennen, dafs er die Hungersnot

unentrinnbar kommen sah, aufheben konnte er die Gefahr

nicht; er legte also im voraus Magazine für die Verpflegung

der Armen an. An eine Mafsregel zu Gunsten der Mönche

allein dürfen wir nicht denken.

Bei allen sonst mitgeteilten Nachrichten handelt es sich

nicht darum, der Not vorzubeugen, sondern die schon vorhandene

Not zu lindern.

Es läfst sich wohl also zusammenfassend sagen, haben

wir auch mit einem ziemlich bedeutenden Handel zu rechnen,

so vermögen wir doch nicht zu erkennen, dafs der Handel

wenigstens in älterer Zeit in genügender Weise ausgleichend

wirkte, um Hungersnöte zu verhindern oder wesentlich abzuschwächen.

Der Grund liegt offenbar darin, dafs der Handel

den hochgesteigerten Anforderungen, die in Notzeiten an den

Transport gestellt wurden, nicht zu genügen vermochte. In

späterer Zeit mit dem 13. Jahrhundert mag allerdings ein

gewisser Umschwung eingetreten sein, wie ja auch in dieser

Zeit einmal thatsächlich berichtet wird, dafs die Gefahr einer

drohenden Hungersnot durch rechtzeitige Zufuhr beseitigt

wurde. Wie stark allerdings der zunehmende Handel auf die

Verminderung der Zahl der Hungersnöte einwirkte, vermögen

wir im einzelnen nicht zu erkennen. Allzu grofs werden wir

uns seine Einwirkung auch in dieser Zeit noch nicht vorstellen

dürfen.

Noch auf einen dritten Grund möchte ich hinweisen, der,

wie ich glaube, bei der Abnahme der Hungersnöte mit wirksam

war. Es ist das eine gewisse Veränderung in der Bevölkerung.

Es ist oft darauf hingewiesen worden, dafs Deutschland

schon im Anfange des 12. Jahrhunderts an einer relativen

Übervölkerung litt, und darin liegt offenbar ein Hauptgrund

für die grofse Auswanderungsbewegung dieser Zeit. Während

des ganzen Jahrhunderts sehen wir immer neue Scharen vom

Westen nach dem slavischen Osteu ziehen. Einen grofsen

Teil dieser Auswanderer stellte aber gerade die Bevölkerung

des Niederrheins; Vlamen und Holländer werden überall unter


46 Versuch einer Statistik.

den Kolonisatoren genannt. Diese Auswanderung bedeutet

sicher an sicli schon einen starken Menschenverlust, aber

dieser Verlust mufs sich noch ganz bedeutend steigern, wenn

wir dazu die Wirkung der Hungersnöte rechnen. Irgend

welche Zahlenangaben lassen sich darüber nicht aufstellen,

aber bei jeder der grofsen Hungersnöte müssen viele Tausende

gestorben sein. „Usque hodie fame moriuntur milia milium"

schrieb 1197 ein Mönch in Ächin^), und ebenso betonen diese

grofse Sterblichkeit auch alle anderen Quellen immer von

neuem. Das waren aber nicht nur Bettler und der Pöbel der

Stadt, von denen wir hören, dafs sie in Menge auf den Strafsen

starben, sondern Menschenmassen, die aus dem ganzen Lande

zusammengeströmt waren. Die Entvölkerung traf das ganze

Land. Nun ist es eine Beobachtung, die man besonders nach

Epidemien gemacht hat, dafs grofser Menschenverlust keineswegs

unbedingt eine Schwächung des betroffenen Landes bedeutet.

Im Gegenteil, gerade die wirtschaftlich Schwachen

sind fortgefallen, und für die Überlebenden haben sich alle

Existenzbedingungen gebessert.^) Da darf es uns nicht wundern,

wenn wir auch in Belgien und am Niederrhein auf das

menschenmordende 12. Jahrhundert einen allgemeinen Aufschwung

folgen sehen. Wenn jetzt auf demselben Boden nur

noch sehr viel weniger Menschen safsen, so fanden sie naturgemäfs

leichter, was sie zum Leben brauchten. Hierin möchte

ich auch einen Grund für die plötzliche Abnahme der Hungersnöte

im 13. Jahrhundert sehen.

1) a. 1197. Cont. Aquicinct. S. S. VI, 434, 2.

2) Höniger. Der schwarze Tod in Deutschland. Berlin 1882. S. 86 ff.

und 94 ff.; vgl. dazu auch a. 1196 Cont. Aquicinct. S. S. VI, 433, 42.


Wirkungen der

Hangersnot.

Notstandspreise.

Eine der wichtigsten und auffallendsten Erscheinungen

bei allen Hungersnöten sind die ungeheuren Preissteigerungen

aller Lebensmittel, die sie begleiten. Bei einer Behandlung

der Geschichte der Hungersnöte in neuerer Zeit würde man

wohl ein genaues Verfolgen dieser Preisschwankungen für das

Wichtigste der ganzen Arbeit halten. Die Kurve, die eine

Zusammenstellung der verschiedenen Preise ergeben würde,

müsste uns so genau wie nur möglich über die Entwicklung

und Intensität der Hungersnot belehren. Die Möglichkeit

eines so genauen Verfolgens der Preisbewegung ist im Mittelalter

natürlich nicht vorhanden. Jedenfalls legten aber auch

schon die alten Autoren auf die Erscheinung der Preissteigerung

einen bedeutenden Wert, sonst hätten sie nicht so viele Notstandspreise

aufgezeichnet. Der hohe Preis ist ihnen geradezu

eins der wichtigsten Symptome der Hungersnot. Fames valida,

adeo ut mit einer folgenden Preisangabe ist eine typische

Form, in der uns häufig die Thatsache der Hungersnot überliefert

wird. So läfst sich aus den Annalen ein sehr grofses

Material von Preisangaben gewinnen. Für den Roggen, von

dem allerdings die meisten Preise erhalten sind, habe ich über

hundert Preise gefunden. Durch alle Jahrhunderte hindurch

lassen sich diese Preisangaben verfolgen, besonders häufig

werden sie seit der Mitte des 12. Jahrhunderts und finden

sich schliefslich bei fast jedem einigermafsen ausführlichen

Berichte über eine Hungersnot. Trotzdem läfst sich aus

diesem zahlreichen Materiale sehr wenig folgern. Es fehlt

eben jede Möglichkeit, die einzelnen Preise unter sich zu vergleichen.

Masse und Münze waren in fast jedem gröfseren Orte

verschieden, über die absolute Gröfse wissen wir aber fast nie

etwas Sicheres. Fast nur ungewöhnliche Preise sind überliefert,

meistens Teuerungspreise, selten sind ungewöhnliche

niedrige Preise, und fast nie findet sich ein Normalpreis angegeben,

durch dessen Vergleichung mit den anormalen Preisen

diese erst gröfseren Wert gewinnen würden.


48 Notstandspreise.

Rodulfus Glaber^) giebt an, der Modius hätte 60 s. gekostet,

nach den Ann. Elnonerses''') war der Preis für die

Ilasera Korn 1196 bis auf 50 s. gestiegen. Hier liegen vollkommene

Phantasiepreise vor, die nicht viel mehr aussagen,

als dafs in der äufsersten Not der Mensch alles hingiebt, um

sich vor dem Hungertode zu schützen. Die beiden eben angegebenen

Preise sind nun zwar die höchsten, die uns überliefert

sind, aber auch sonst finden bei jeder Hungersnot ganz

unverhältuismäfsige Preissteigerungen statt.

Die Preisbildung zeigt überhaupt eine sehr grofse Unsicherheit;

ein wirklich grofser Markt, der die Preise reguliert,

fehlte. Wie bedeutend und unvermittelt die Preisschwankungen

sind, zeigt am besten Reiner von Lüttich. Er ist der einzige

Schriftsteller dieser Zeit, der durch eine gröfsere Reihe von

Jahren fortlaufend die Getreidepreise, denn um die handelt

es sich ja in erster Linie, aufgezeichnet hat. Aber wie unsicher

ist auch hier, im Zentrum eines für die damalige Zeit

gewifs sehr bedeutenden Verkehrs die ganze Lage.

Eine Übersicht der bei Reiner erhaltenen Preise wird das

verdeutlichen. Alle Preise beziehen sich auf einen Modius

und sind in Solidi angegeben:

Jahr


Notstandspreise. 49

Jahr

Spelz


50 Notstandspreise.

betrachtet. Hier mufs der Handel schon einwirken. 1217

sind zu Anfang des Jahres die Getreidepreise ausgesprochen

niedrig, dann steigen sie und erreichen zum Schlufs des

Jahres die Höhe von 4 und 8 s. für Spelz und Roggen. Der

Grund ist leicht zu erkennen: in grofsen Teilen Deutschlands

herrschte Hungersnot-, es wird dorthin Getreide exportiert

worden sein, und das rief offenbar diese Preissteigerung hervor.

Noch deutlicher läfst sich diese Erscheinung 1225 erkennen:

„Annona bono precio usque I^al. Februarii" schreibt Reiner

in seiner gewöhnlichen Weise. Die Ernte des vorigen Jahres

•mufs also gut gewesen sein, und der Vorrat war offenbar für

den heimischen Markt ausreichend. Dann aber finden wir am

1. Mai vollkommene Notstandspreise: Spelz 10 s., Roggen 17 s.

und Gerste 8 s. Erklären läfst sich diese Erscheinung nur,

wenn mau sieht, dafs Lüttich nur eine glückliche Insel in

einem weiten Notstandsgebiete war. Rings herum in Belgien

und ganz Deutschland herrschte eine furchtbare Hungersnot.

Das Getreide flofs offenbar in die Notstandsgebiete ab, und

so entstanden auch in Lüttich ungewöhnliche Preise. Dafs

dieses starke Eingreifen des Handels auf keiner trügerischen

Kombination beruht, zeigt wieder eine Angabe Reiners, der

zum Jahre 1220 ausdrücklich berichtet, dafs eine drohende

Hungersnot durch Zufuhr von Getreide abgewendet wurde.

Auch schon früher 1197 auf 1198 mufs durch Getreideimport

die Not erfolgreich gemildert worden sein. Sonst ist es nicht

zu begreifen, dafs am 25. Juli, zur Zeit der Ernte, wie Reiner

betont, die Getreidepreise den höchsten Stand, von dem wir

in Lüttich wissen, erreichen, und doch in der ersten Hälfte

des folgenden Jahres so bedeutend gesunken sind, beim Spelz

von 20 s. auf 7 s., beim Roggen von 40 s. auf 15 s.

Wir sehen, der Handel wirkt hier in Lüttich ziemlich

stark auf die Preisbildung ein, aber ich habe schon darauf

hingewiesen, dafs wir uns hüten müssen, zu sehr zu verallgemeinern.

Es handelt sich hier eben um ein besonders weit

fortgeschrittenes Gebiet.

Ergab so die Betrachtung der Lütticher Preise wenigstens

noch eine Reihe interessanter Einzelheiten, so läfst sich aus

der ganzen grofsen Zahl der sonst erhaltenen Preisangaben

fast nichts folgern. Es sind eben vereinzelte Ausnahmspreise,

denen keine Normalpreise gegenüber stehen; eine gröfsere zusammenhängende

Gruppe von Preisen fehlt. Am Rhein findet

sich mehrfach ein Notstandspreis angegeben, der eine gewisse

typische Bedeutung hat. Das Malter Roggen kostet eine Mark. ^)

1) a. 1197 Caes. Heisterbac. dialog. miracul. dist. II, e. .SO ed. Strange

I, 103, a. 1198 Gest. Trev. cont. IV, S.S. XXIV 392, 42.


Bei der Willkürliclikeit der Preisbildung ist

Wucher. 51

es kaum sonderbar,

dafs man so dem grofsen Mafse die grofse einheitliche Handelsmünze

gegenüber gestellt findet.

Sonst lassen sich nur noch einige allgemeine Angaben

über die Preisbildung in Notzeiten und was damit zusammenhängt

machen. Auf die grofse Willkürlichkeit habe ich schon

hingewiesen. Rodulfus Glaber spricht das einmal sehr gut

aus, wenn er sagt: „Si quid ergo victus venundatus repperiebatur,

arbitrio vendentis pro libitu erat excedere seu accipere

precium."^) So mag es oft gegangen sein. Weiter hören

wir noch zweimal von der gewifs merkwürdigen Tatsache,

dafs auch im Notstandsgebiet genug Vorräte vorhanden waren,

nur waren die Preise für die Armen unerschwinglich^): „quod

mirum est dictu, multa victualia inveniebantur venalia, licet

grandi pretio venderentur, ut etiam inopes, si pretium habuissent,

evadere potuissent". Ebenso berichtet Johannes

Hocsenius^) über das Elend der grofsen Hungersnot von 1315

imd fährt fort: „et tamen bladis granaria erant plena", aber —

und hier kommt noch ein neues Moment hinzu — , man exportierte

das Getreide nach Gegenden, in denen die Not noch

gröfser war als in Lüttich und daher auch die Preise noch höher.

Wucher.

Bei den hohen Preisen wie sie eben erwähnt wurden,

lag es nahe, dafs Gewinnsüchtige die Notlage der Armen zu

ihrem Vorteile ausnutzten. Schon vorhin habe ich die Frage

des Getreidewuchers gestreift, hier wird es am Platze sein,

einiges Nähere anzuführen.

Karl der Grofse bezeichnet es als turpe lucrum, wenn

jemand zur Ernte Getreide billig kauft, um es später bei

hohen Preisen wieder zu verkaufen.*) Dieselbe Tendenz spricht

sich in einem Schutzgesetze aus: de illis qui vinum et annonam

vendunt antequam colligantur et per hanc occasionem

pauperes efficiantur. ^) Bei Ludwig den Frommen beschweren

sich die Bischöfe' über die Wucherer, Laien und Geistliche,

die das Volk bedrücken, sodafs viele Arme Hungers sterben

müssen.®) Sigebert berichtet, dafs während der Hungersnot

von 1044 viele das Getreide künstlich zurückgehalten oder

1) a. 1032 Raoul Glaber lib. IV, c. 4, 10 ed. M. Prou. 100.

2) a. 1197 ffist. monast. Vicon. S. S. XXFV, 304, 1.

3) Joh. Hocsem g. pont. Leod. lib. II, c. VI ed Chapeaville Gest.

pont. Leod. II, 373 C.

4) a. 806 Cap. miss. Niumag. dat. c. 17; Boret. I, 132, No. 46.

5) a. 809 Cap. miss. Aquisgran. alt. c. 12. Boret. I, 152, No. 63.

6) a. 829 Episcop. ad Illud. relat. c. 54; Boret. II, 43, 20, No. 196.

4*


52 Verhalten der grofsen Massen in der Notzeit.

es doch nur sehr teuer verkauft hätten.^) Später hören wir

wieder aus Gembloux, dafs die Wucherer ihre Schuldner auf

jede Weise bedrückten und ihnen die Lasten, wenn sie nicht

zahlen konnten, verdoppelten.^) In Friesland verlangte man

in dem Notjahre 1272 für eine Mark, vier nach Jahresfrist

und für einen ScheflFel vier Scheffel.^) Vom Abte Iterius berichtet

der Chronist des Klosters Andres mit einem gewissen

naiven Stolze, er hätte während seiner ganzen Regierungszeit

in der grofsen Notperiode um die Wende des 12. und 13. Jahrhunderts

den Polkinus Korn nie unter 10 s. verkauft, oft aber

noch teuerer bis zu 40 s. hinauf. Sicque vicinorum penuria

ei

habundantiam ministravit.*)

Verhalten der grofsen Massen in

der Notzeit.

Ein so grofses und allgemeines Unglück, wie es eine

Hungersnot ist, mufs notwendig eine tiefe Wirkung auf das

ganze Leben des Volkes, ausüben. Durch den drückenden

Mangel schwand die Sicherheit für den Bestand der früheren

Lebenshaltung des Einzelnen, und die weitere Folge hiervon

war eine Auflösung jeder bestehenden Ordnung. In kopfloser

Flucht verlassen die Bauern ihre Höfe, ganze Dörfer stehen

leer, in grofsen Scharen durchstreifen elende, verzweifelte Menschen

das Land. Es mufs uns unter diesen Umständen fast

wundern, wie verhältnismäfsig selten die Quellen von Gewaltthätigkeiten

berichten, es gehört das keineswegs zu den typischen

Zügen in den Schilderungen der Chronisten. Nur

einmal erfahren wir, dafs sich ein gröfserer Räuberhaufe zusammenfand,

der so stark war, dafs er 1145 das Kloster Fulda

zu überfallen und auszuplündern vermochte.^) Sigebert berichtet

nur ganz allgemein zu der Hungersnot von 1095 von

Diebstahl und Brandstiftung, durch die sich die Armen an den

Besitzenden rächten.^) Ähnliches meldet hundert Jahre später

aus einem anderen Teile von Belgien die Cont. Aquicinctina:

„Multi hac necessitate constricti, contra consuetum vivendi

usum latrqnes effecti, laqueo sunt suspensi."') Allzu schlimm

kann das Übel aber doch wohl nicht gewesen sein, wenn in

einer Zeit allgemeinen Niederganges die schwache mittelalterliche

Staatsgewalt seiner Herr werden konnte. Überhaupt

1) a. 1044 Gest. abb. Gembl. c. 40, S. S, VIII, 539, 54.

2) a. 1095 Gest. abb. Gembl. S. S. VIII, 547, 15..

3) a. 1272 Menko. ehr. S. S. XXHI, 560, 37.

4) Guielmi ehr. Andren. S. S. XXIV, 742, 14.

5) a. 1145 Chronogr. Corb. Jaffö, Bibl. I, 45.

6) a. 1095 Sigebert S. S. VI, 367, 4.

7) a. 1197 Cont. Aquict. S. S. VI, 434, 2.


Verhalten Uer grofsen Massen in der Notzeit. 53

wird man aus der Seltenheit der Nachrichten schliefsen können,

dafs die Notleidenden im ganzen nicht zu Gewaltthätigkeiten

neigten; eine dumpfe hoffnungslose Apathie war die Grundstimmung

der Massen.

Besser als über die Vorgänge auf dem Lande, auf die

sich die bisher angeführten Fälle bezogen, sind wir über die

Lage in den Städten unterrichtet. Da entwerfen zuerst die

Gesta Treverorum ein höchst bezeichnendes Bild. Bischof

Poppo reitet eines Tages mit grofsem Gefolge zur Kirche, ein

hungriger Haufe umringt ihn und verlangt Hülfe. Geld, das

der Bischof verteilen lassen will, verschmähen die Armen, für

Geld ist in diesen teuren Zeiten für sie wenig zu kaufen,

aber sein fettes Pferd verlangen sie. Und der Bischof und

einige seiner Begleiter müssen sich entschliefsen abzusteigen

und ihnen die Tiere überlassen. Sofort hat der hungrige

Haufe die Pferde zerrissen und verzehrt sie vor den Augen

des Bischofs.^) Der genaueste Bericht über die Zustände in

einer Stadt während einer Hungersnot, der uns erhalten ist,

stammt aus Prag.^) Trotzdem sich eine ungeheure Menschenmenge

hier angesammelt hatte, scheint doch die städtische

Obrigkeit die Zügel der Regierung noch ziemlich fest in den

Händen behalten zu haben. Man hatte den Armen ganz allgemein

erlaubt, die Häuser der Bürger zu betreten und dort

zu betteln, aber bald kam es zu Ausschreitungen, die Hungrigen

rissen die Töpfe mit Speisen vom Herde und stahlen,

was sie vom Hausrate erreichen konnten. Deshalb verbot man

ihnen jetzt den Eintritt in die Häuser und nahm sie auch zur

Nacht nicht mehr auf, da es vorgekommen war, dafs solche

Gäste in der Nacht ihren Wirt ermordet hatten.

V^on drohenden Unruhen berichtet auch der Fürstenfelder

Mönch; begreiflicherweise waren besonders die Bäckerläden

gefährdet. Die Bäcker mufsten sich daher fest in ihren

Häusern einschliefsen und konnten den Käufern das Brot nur

aus dem Fenster herausreichen. ^) In Strafsburg kommt es

aber während einer Hungersnot wirklich zum Aufstande, bei

dem der Pöbel die Bäckerläden erbricht; daraufhin lenkt die

Bürgerschaft sofort ein und läfst noch an demselben Tage

Korn verteilen.*) Der Aufruhr ist damit schnell gedämpft.

Auch in Magdeburg kann die Haltung der Massen, die sich

dort 1316 während der Hungersnot angesammelt hatten, nicht

sehr drohend gewesen sein, denn es genügte schon, dafs die

1) a 1035 Gest. Trev. cont. I, S. S. VE, 180, 18.

2) a. 1282 Cont. Cosmae Ann. Prag. prs. m, S. S. IX, 204, 20.

3) a. 1271 Monach. Fürstenfeld. Böhmer Fontes I, 12.

4) a. 1294 Ellenh. S. S. XVn, 103, 45.


54 Allgemeine Verarmung.

Bäcker sich mit Stöcken neben ihren Verkaufsständen aufstellten,

um die hungrige Menge von allen Gewaltthätigkeiten

zurückzuhalten. ^)

Höchst interessant ist, was wir über die Zustände in den

Klöstern in der Notzeit erfahren. Es kommt hier nicht selten

zu einem Abtwechsel. Die schrankenlose Wohlthätigkeit, mit

der der Abt die Notleidenden unterstützt hatte, war ganz

nach dem Sinne der Mönche. Erklärte er dann aber plötzlich,

dafs alle Vorräte verzehrt seien und er nicht mehr wisse,

wovon die Brüder am nächsten Tage leben sollten, * dann ist

die Bestürzung und Unzufriedenheit grofs. In Sankt Martin

bei Doornik^) erklären die Mönche dem Abte, er möge weiter

für das Heil der Seelen sorgen, die Sorge für die äufsere

Verwaltung und den materiellen Unterhalt des Klosters aber

kundigeren Händen überlassen. Es werden dann drei Mönche

gewählt, die in kürzester Zeit dem Kloster wieder die Mittel

zum Unterhalte verschaffen. Ebenso hören wir, dafs in Königsaal

im Notjahre 1282^) der Abt zur Abdankung gezwungen

wurde, und man einen thatkräftigeren Mann an seine Stelle

setzte. Als im Sommer 1197 in Lüttich die Not ihren Höhepunkt

erreicht hatte*), legte im Jakobskloster Abt Gozwin

seine Würde nieder; an seiner Stelle wird Gerhard, der Abt

von Sankt Lorenz gewählt. Reiner, der uns davon berichtet,

bezeichnet ihn ausdrücklich als einen „virum iuvenem set industrium

et providum."

Allgemeine Verarmung.

Zur Beurteilung der Intensität und der ganzen Wirkung

der Hungersnot ist es von Interesse zu erkennen, in welchem

Grade die verschiedenen Gesellschaftsschichten von der Not

getroffen wurden, insbesondere, wie weit sie sich in der Bevölkerung

aufwärts fühlbar machte. Dass die Not einen

Kaiser, einen Herzog oder Bischof jemals irgendwie berührt hat,

hören wir nicht. An zwei Stellen werden aber die principes,

man wird hierunter den höheren Adel, etwa die Grafen verstehen,

in Verbindung mit einer Hungersnot erwähnt. Abt

Isingrim von Ottenbeurn^) berichtet, dafs im Jahre 1151 das

1) a. 1316 Magdeburg. Schöppenchr. St. Chr. VII, 185.

2) a. 1095 Herim. lib. de restaurat. S. Mart. Tomac. c. 70 S. S.

XIV, 307, 42.

3) a. 1282 Königsaal. G. Q. lib. 1, c. 13 Font. rer. Austr. S. S.

Vni, 57 u. 58.

4) a. 1197 Reineri ann. S. S. XVI, 652, 55; vgl. auch a. 1117 Chr.

S. Andreae Castri Camerac. lib. HI, c. 30 S. S. VII, 546, 33.

5) a. 1151 Ann. Ottenb. Isingr. maior. S. S. XVII. 313, 17.


Allgemeine Verarmung. 55

Getreide so selten war, dafs auch ihnen mehrere Tage lang

das Brot bei den Mahlzeiten gefehlt hätte. Und 1092^)

müssen in Sachsen die principes auf einige Zeit das Land verlassen,

um der allgemeinen Hungersnot zu entgehen.

Aber auch nur die obersten Spitzen der Bevölkerung

werden verschont, schon die mittleren Schichten und auch die

Begüterten werden oft genug von der allgemeinen Not mitbetroffen.

„Tunc vero constricta tota gens indigentia victus,

maiores et mediocres fame pallebant cum pauperibus" schreibt

Rodulfus Glaber^), und aus Gembloux wird uns berichtet, dafs

während der schweren Hungersnot des Jahres 1146 ehemals

begüterte Leute hätten betteln müssen.^) In der älteren Zeit

werden die Menschen in der äufsersten Not sogar zum Selbstverkaufe

getrieben.*)

Am häufigsten erfahren wir von der Not der Landbevölkerung.

Sie bildete die grofsen Haufen, die wir zur

Notzeit regelmäfsig hungernd das Land durchziehen sehen.

Ich komme später auf diese Erscheinung eingehender zurück;

hier mag es genügen, darauf hinzuweisen, dafs jede Hungersnot

Tausende von Bauern aus ihren Höfen vertrieb.

Auch Einzelzüge zur Charakterisierung dieser Not sind

uns erhalten. 1146 kamen Leute aus Dörfern des Thurgaues

nach Petershausen und tradierten sich und ihren Besitz dem

Kloster.^) Aus dem Kloster Andres wird berichtet, dafs sich

in dem Notjahre 1197 für die Bauten des Klosters genug

Arbeiter fanden, die willig nicht für Geld, sondern für kärglichen

Lebensunterhalt arbeiteten.^) Ebenso berichtet aus

Friesland Menko, dafs viele, die früher eigenen Acker besessen

hatten, jetzt in der Not gezwungen waren, nur um

den Lebensunterhalt bei Glücklicheren Dienste zu suchen. '')

Einige andere Berichte belehren uns über die Lage der

städtischen Bevölkerung. Auch hier ergriff die Not die

weitesten Kreise. In Doornik' mufsten viele, nur um ihren

Unterhalt bestreiten zu können, ihre Häuser verkaufeu.^) In

Köln sah man ehemals wohlhabende Bürger bettelnd von

Haus zu Haus gehen. ^) Sehr ausführlich und anschaulich ist

wieder der Bericht aus Prag.^°) Hier heifst es: Mendicabant

1) a. 1092 Bernold. S. S. V, 454, 10.

2) a. 1032 Raoul Glaber lib. lYc 4, 10 ed. M. Prou. 100.

3) a. 1146 Sigb. cont. Gemblac. S. S. VI, 389, 26.

4) a. 864 Edictum Pistense c. 34 Boret. 11, 325 u. 326.

5) a. 1146 Gas. monast. Petrishus. lib. V, c. 25 S. S. XX, 673, 47.

6) a. 1197 Guielmi. ehr. Andr. S. S. XXIV, 724, 47.

7) a. 1272 Menko S. S. XXm, 560, 50.

8) a. 1315 Jacobi Muevin. ehr. De Smet Corp. ehr. Fland. 11, 457.

9) a. 1147 Chr. reg. Col. M. G. S. S. kl. Ausg. 82.

10) a. 1282 Cont. Cosm. S. S. IX, 204, 14.


56 Allgemeine Verarmung.

etiam infiniti artifices et diversarum artium operarii, ex quibus

nonnulli habuere de facultatibus rerum suarum ad valorem

centum marcarum argenti; et biis omnibus alii exspoliati,

aliqui in familia sua consumptis vendebant de uxoribus suis

armillas, inaures, monalia et omnem ornatum, qui cultui femineo

competebat in vestitu, cupientes salutem vitae depulsa

esurie conservare. Hier seben wir also, wie Leute, die ausdrücklieb

als woblbabend ebarakterisiert werden, in die allerdrückendste

Not kommen. Ganz besonders werden bei der

Verarmung der städtischen Bevölkerung die ungebeuren Preissteigerungen

mitgewirkt haben, die, wie das ja in den Prager

Berichten angedeutet ist, auch ein nicht unbedeutendes Vermögen

schnell erschöpfen konnten. In der elementaren Not

konnte nur bestehen, wer unmittelbar grofse Vorräte von

Lebensmitteln besafs, also die grofsen Grundherren.

Klöster und Bischofskirchen besafsen solche Grundherrschaften,

und daher war es ihnen auch oft in Notjahren möglich,

neben dem Unterhalte der eigenen Angehörigen noch

zahlreichen Armen zu helfen. In anderen Fällen hören wir

aber auch, wie sich die Not in den Klöstern fühlbar machte.

Die Basler Dominikaner^) werden wir noch nicht sehr bedauern,

die 1275 aus Not sogar Schwarzbrot essen mufsten,

ebenso die Mönche , die häufig über den Mangel an Wein

klagen. Aber es ist doch interessant, einmal zu hören, wie

die ganze Lebenshaltung in den Klöstern durch den allgemeinen

Mangel herabgesetzt wurde. Es berichtet darüber ein

Mönch aus Sankt Martin bei Doornik^). Weizenbrot und Wein

gab es während des ganzen Notjahres 1095 nur, wenn es ein

Reicher einmal besonders geschenkt hatte, auch Roggen fehlte

ganz, nur mit Haferbrot mufste man sich durchhelfen. Das

Mehl dazu wurde nicht gereinigt und das Brot nur flüchtig

überbacken, und, wenn man es durchschnitt, so war es mehr

Spreu als wirkliches Brot, und doch assen es die hungrigen

Mönche bis auf den letzten Bissen.

Ähnlich ging es wohl auch in anderen Klöstern zu, die

nicht sehr reich waren. Häufig entstand die Not dadurch,

dafs die Mönche zu Gunsten der Armen alle ihre Vorräte verausgabten

und nun schliefslich selbst Not leiden mufsten. So

war es auch 1095 in Sankt Martin^) gegangen, mit vollen

Händen hatten die Mönche zuerst den Notleidenden gespendet

und jetzt waren sie alle im höchsten Grade erstaunt, als

1) a. 1275 Ann. Basil. S. S. XVII, 198, 1.

2) a. 1095 Herimanni lib. de restaur. S. Marfc. Tornac. c. 71 S. S.

XIV 308 19

'

3) a. 1095 Lib. de rest. S. Mart. Tornac. c. 70, S. S. XIV, 307, 42.


Nahrung in der Notzeit. 57

ihnen der Abt mitteilen mufste, dals Scheune und Keller leer

seien und man auch nicht für einen Tag mehr Vorräte hätte.

Ebenso gerät wenig später auch Sankt Georgen^) im Schwarzwalde

in die drückendste Not, so dafs die Mönche schon an

eine Auswanderung denken. Im Jahre 1218 ^j beschwert sich

ein Mönch aus dem Kloster auf dem Petersberge bei Halle darüber,

dafs in diesem Notjahre sein Kloster ganz besonders

schwer betroffen wurde. Die Mönche mufsten oft Brot in den

umliegenden Dörfern kaufen und einmal gehen ihnen die Vorräte

überhaupt aus. Sie müssen Gerste und Haferbrot essen

und an Fasttagen mit aufgeweichtem Brot oder Hefe zufrieden

sein. Etwas anderes ist die Lage in Königsaal ^), weil

die Hungersnot von 1282, um die es sich hier handelt, hauptsächlich

auf kriegerische Unruhen zurückzuführen ist. In

solchen Zeiten wurden natürlich die Klöster besonders ausgeplündert.

Um sich zu helfen, mufste man die Klosterschätze

den Juden verpfänden.

Nahrung in der Notzeit.

Mit was für verschiedenen Surrogaten man sich in den

Klöstern in Notjahren half, ist in dem Vorhergehenden schon

erwähnt worden.

In den darbenden Massen griff man natürlich zu allem,

was irgend efsbar erschien, um das Leben zu fristen. Die

Quellen verweilen mit einer gewissen Vorliebe bei der Aufzählung

von all dem Scheufslichen, was in einer solchen

Hungersnot gegessen wurde oder gegessen worden sein soll.

Ich will ihnen darin nicht folgen und ein vollständiges Verzeichnis

aller widernatürlichen Nahrungsmittel geben, die je

erwähnt werden; aber es wird doch nötig sein, einiges Charakteristische

anzuführen.

Das fromme Gemüt des Verfassers der Passio Karoli beleidigt

es schon, dafs einige Leute während der Fastenzeit

Fleisch afsen.*) Das Gleiche wird auch noch sonst als ein

schlimmes Zeichen erwähnt, so 1197 in Rheims^j; darum erlaubt

der Bischof von Paris einmal während einer Hungersnot

ganz allgemein das Fleischessen auch an Fasttagen.^)

Die Quellen geben an, dafs man gezwungen war, auch

1) V. Theogeri Üb. I, c. 19 S. S. XIT, 457, 18.

2) a. 1218 Chr. mont. Sereni S. S. XXHI, 190, 46.

3) a. 1282 Königsaal. G. Q. lib. I, c. 13; Font. rer. Austr. S. S.

Vin, 56.

4) a. 1125 Passio Karoli comit. Fland. c. 2 S. S. XII, 563, 4.

5) a. 1197 Ann. S. Nicasii Remenses S. S. XIII, 84, 19.

6) a. 1286 Ann. Colmar. S. S. XVII, 212, 49.


58 Nahrung in der Notzeit.

unreine Tiere zu essen. ^) Leicht begreiflich, denn das gewöhnliche

Schlachtvieh wird bald verzehrt gewesen sein.

Hunde, Katzen, Esel und Pferde werden verzehrt^), die Ann.

Colm.^) fügen noch Wölfe, Frösche und Schlangen hinzu.

Auch das Fleisch gefallener Tiere verschmähten die Menschen

in der Not nicht.*)

Die Magdeburger Schöppenchronik zeichnet ein trauriges

Bild, wenn sie schreibt: „Und van den doden koien reddeden

sik vele armer lüde, de anders gestorven veren van hungere,

de armen lüde legen vor den doren buten der stad und ok

ein deil binnen der stad up den Breden Wege soden und

breden dat as und verkoften dat under sik."

Eine etwas sonderbare animalische Nahrung erwähnt

Magnus von Reichersberg ^), er behauptet, dafs man den Rindern

regelmäfsig Blut abgezapft und davon gelebt hätte.

Bei der vegetabilischen Nahrung bildete es in Kreisen, die

sonst besser zu leben pflegten, gewifsermafsen die erste Stufe

der Not, dafs man Haferbrot afs. Die Mitteilung dieser Thatsache

aus Doornik habe ich schon angeführt, dasselbe wird

auch in den Annalen des Rupertklosters in Salzburg^) und in

der Passio Karoli'^) erwähnt. Dann aber geht man auch

weiter, alles, was sich an vegetabilischen Stoffen gerade darbot,

verzehren die Armen, die Hefe des Weines soll als Brot

gegessen worden sein^), allerhand Wurzeln und Kräuter, auch

Gras und Baumrinde, wurden verzehrt.^) Gramina pratorum

sicuti boves incocte commederunt, sagt Johann de Beka.-^") Da

kam es denn in Zwifalten auch einmal vor, dafs die Hungrigen

ein giftiges Kraut afsen und daran starben. ^^)

In Frankreich vermischte man nach den Ann. Bertiniani ^^)

1) a. 1044 Bemold S. S. V, 425, 40.

2) a. 853 Ann. Xant. S. S. II, 229, 29; a. 869 Ann. Xant. S. S. II,

233, 14; a. 1277 Joh. Vict. Kb. II, Böhm. Font. I, 313.

3) a. 1280 Ann. Colm. maior. S. S. XVII, 207, 4 bezieht sich auf

die Hungersnot in Böhmen.

4) a. 1196 Cont. Aquicinct. S. S. VI, 433, 45; a. 1197 Reiner S. S.

XVI, 652, 42; a. 1197 Ann. S. Nicasii Rem. S. S. XIII, 84, 19; a. 1316

Joh. de Beka ed. Buchelius 1643, p. 108; a. 1316 Magdbg. Schöppenchr.

St. Chr. Vn, 185.

5) a. 1145 Magni Reichersp. ann. S. S. XVII, 460, 17.

6) a. 1281 Ann. S. Rudb. Salisbg. S. S. IX, 807, 27.

7) a. 1125 Passio Karoli c. 3, S. S. XII, 563, 26.

8) a. 1197 Ann. S. Nicasii Rem. S. S. XIII, 84, 20.

9) a. 1146 Ann. Brunwil. S. S. XVI, 727, 23; a. 1234 Vinc. Bell. S.

S. XXIV, 161, 30; a. 1263 Heinric. de Heimburg S. S. XVH, 714, 46;

a. 1272 Menko S. S. XXIII, 563, 11.

10) a. 1316 Joh. de Beka ed. Buchelias 1643, p. 108.

11) a. 1099 Bertholdi Zwifalt. ehr. S. S. X, 112, 2.

12) a. 843 Ann. Bert. M. G. S. S. kl. Ausg. 29.


Menschenfresserei. 59

im Jahre 843 Erde mit wenig Mehl und afs es in Brotform.

In Ungarn sollen, wie Martin von Troppau behauptet, die

Menschen überhaupt die Erde eines gewissen Berges gegessen

haben. ^)

Menschenfresserei.

Die schlimmste Erscheinung aber, die die Hungersnot

hervorbrachte, und die so wohl beglaubigt ist, wie irgend etwas,

ist die Menschenfresserei. In einer ganz beträchtlichen Anzahl

von Quellen ist sie bezeugt. Wenn wir auch die abenteuerlichen

Geschichten, wie sie sich z. B. bei Rodulfus Glaber

finden, nicht wörtlich zu glauben brauchen, so steht doch die

Thatsache fest, dafs während einer Hungersnot noch im ganzen

13. Jahrhundert in Mitteleuropa Menschenfresserei vorkam.

Allerdings können wir auch in dieser Sache eine gewisse Entwicklung

verfolgen. In Deutschland und Frankreich ist Menschenfresserei

nur für die ältere Zeit bezeugt^), wir haben

Nachrichten darüber aus den Jahren 793, 868, 869, 896,

1005 und 1032, die beiden letzten von Rodulfus Glaber. 1085

berichtet noch Bernold über Menschenfresserei in Italien, doch

ist er dafür schon kaum mehr als ein vollgültiger Zeuge anzusehen.^)

Während bei allen diesen Nachrichten die Behauptung

der Menschenfresserei ganz generell auftritt, als eine

allgemeine beobachtete Erscheinung, handelt es sich 1146 im

Falle der Cont. Praemonstr.*) um ein einzeln dastehendes Verbrechen.

Übrigens ist hier die Thatsache auch nicht ganz

klar ausgesprochen, es wird nur behauptet, dafs ein Einzelner

versucht habe, das Fleisch ermordeter Menschen gekocht auf

dem Markte zu verkaufen.

Wir sehen in Westeuropa hat man diese widernatürliche

Art der Befriedigung des Hungers schon im 12. Jahrhundert,

obwohl es am meisten von Himgersnöten heimgesucht ist,

überwunden. Von jetzt an zeigt sich die Erscheinung nur

noch in den vom Centrum der Kultur peripherisch gelegenen

Gebieten bei minder entwickelten Völkerschaften. Otto von

Freising führt sie, wie wir sehen mit Recht, als ein besonderes

Zeichen der Barbarei bei den slavischen Bewohnern der Ost-

1) Mart. Oppav. ehr. S. S. XXH, 472, 13.

2) a. 793 Ann. Mosell. S. S. XVI, 498, 23; a. 868 Ann. S. Columb.

Sen. S. S. I, 103; Ann. Engol. S. S. XVI, 486, 33; Ann. Xant. S. S. H,

233; a. 896. Ann. Aug. S. S. I, 68; Ann. Col. ed. Wattenbach. Eccl.

metrop. Col. cod. mss. 128 Richer S. S. XXV, 273, 43; a. 1005 Raoul

Glaber lib. n, c. 9 ed. M. Prou 44; a. 1032 ibid. IIb. IV, c. 4, p. 100

u. 101.

3) a. 1085 Bemoldi ehr. S. S. V, 443, 30.

4) a. 1146 Cont. Praemonstr. S. S. VI, 453, 15.


60 Krankheiten.

seeküste au.^) Unmittelbare Erwähnung der Menschenfresserei

finden wir weiter noch später^) 1233 in Livland^), in Ungarn

während der Hungersnot, die in den Jahren 1241 und 1242

auf den Mongoleneinfall folgte, 1277 in Steiermark und

Kärnten, 1280—1282 in Böhmen, 1315 in Livland, 1317 in

Polen und Schlesien.

Erankheiten.

Ein ungeheuerer Menschenverlust ist eine der sichtbarsten

Wirkungen einer jeden Hungersnot. Auf die Not folgen, man

kann fast sagen immer, grofse Volkskrankheiten; mortalitas

und pestilentia sind untrennbare Begleiter einer jeden Hungersnot.

„Famem quoque secuta est ingens pestilentia, ita ut deficientibus

sepulchris multitudo fossis pariter immitteretur"

sagt die Chronica regia ^) und mit ihr berichten zahlreiche

Quellenstellen das Gleiche.

Meistens gebrauchen die Autoren für die begleitenden

Krankheiten nur das allgemeine Wort. Im einzelnen können

wir nur noch angeben, dafs die Epidemie*) der Jahre 1124 bis

1126 der auch sonst häufig erwähnte ignis sacer war. Dieselbe

Krankheit^) tritt auch 1235 neben der Hungersnot in

Frankreich auf, vielleicht ist das 1196 von der Cont. Aquicinctina®)

erwähnte febris acuta die gleiche Krankheit. Dies

sind aber auch die einzigen Fälle, wo ein spezieller Krankheitsname

angegeben wird. Wollen wir irgend eine Vermutung

über die Art der Krankheit aussprechen, so läge am

nächsten, an Flecktyphus zu denken, von dem wir wenigstens

für spätere Zeiten wissen, dafs er häufig bei Hungersnöten

auftritt.'') Für unsere Zeit müssen wir nur festhalten, dafs

eine Krankheit auftritt, an der sehr viele Menschen sterben.

1) Gest. Friderici lib. III, c. 1 M. G. S. S. kl. Ausg., p. 133. Aiunt

enim, eins maris, quod illius terrae litus alluit, tales esse provinciarum

habitatores, qui famis tempore semet devorent.

2) a. 1233 Ann. Stadens. S. S. XVI, 361, 24; a. 1241 n. 1242 Mart.

Oppav. S. S. XXII, 472, 12 und Cont. Sancruc. II S. S. IX, 641, 8; a. 1277

Job. Victor, lib. II, c. 5; Böbm. Font. I, 313 Cont. praedict. Vindob. S.

S. IX, 730, 38; a. 1280—82 Dalimil. Font. rer. Bob. III, 199; Bernard.

de ord. ducum Wawarie S. S. XXV, 662, 57; Canonic. Prag. cont. Cosmae

S. S. IX, 206, 43; Ann. Colm. maior. S. S. XVII, 209, 20; a. 1315

Ann. Lubic. S. S. XVI, 424, 21; Canon. Samb. ann. S. S. XIX, 704, 14;

a. 1317 Sigismund Rosicz S. S. rer. Sil. XII, 38.

3) a. 1147 Chr. reg. Col. M. G. S. S. kl. Ausg. 82.

4) a. 1124 Anselmi cont. Sigeb. S. S. VI, 379, 26.

5) Vincint. Bellov. specul. bist. Hist. de Fr. XXI, 72.

6) a. 1196 Cont. Aquict. S. S. VI, 433, 36.

7) Virchow, Abhandlung aus dem Gebiete der öffentl. Medizin

I, 433, Über den Hungertyphus und einige verwandte Krankheitsformen.


Krankheiten. 61

Nur selten berichten die Quellen vom Tode durch Verhungern

und darin haben sie offenbar richtig beobachtet; denn der

Hungertod wäre auch vom medizinischen Standpunkte aus

kaum denkbar.

Besonders fällt den alten Schriftstellern die grofse Zahl

der Toten auf, davon berichten sie häufig und ausführlich.

Überall fand man die Leichen auf den Strafsen, in den Städten,

und draufsen auf dem Felde und in den Wäldern. Zu allen

Zeiten und in allen Ländern ist es immer dasselbe Bild. Die

Luft war vom Gerüche der verwesenden Leichen verpestet,

die erste und oft einzige aktive Thätigkeit der städtischen

Obrigkeit war es, für die Entfernung dieser Leichen zu sorgen.

In Doornik mufste man 1316 bestimmte Personen anstellen,

die die Toten fortschafften und für jede Leiche einen festgesetzten

Lohn erhielten^), ähnlich in Prag 1282. An ein

ordnungsmäfsiges Begraben der Verstorbenen war nicht mehr

zu denken, überall mufste man Massengräber anlegen, so wurden

in Prag 8 Gruben angelegt, jede 10 Ellen im Quadrat und

jede soll 1000 Leichen gefafst haben. ^) Ähnliche, wenn auch

nicht so ausführliche Berichte kehren überall wieder, immer

spielen die fossae bei der Schilderung der Hungersnöte eine

grofse Rolle.

Gerade die Anlage dieser Massengräber giebt den Schriftstellern

mehrfach Gelegenheit, sich über die Zahl der Verstorbenen

auszusprechen. Viel Gewicht werden wir auf diese

Schätzungen ja nicht legen, aber immerhin sehen wir, dafs der

Menschenverlust ganz ungeheuer grofs war. 8000 Menschen

sollen nach der Schätzung zum wenigsten 1282 in Prag gestorben

sein. Die Zahl ist hoch und vielleicht zu hoch, aber

die Zahl von Tausenden können wir doch annehmen. Man

mufs immer bedenken, wie ungeheuer in solchen Notzeiten die

Bevölkerung in den Städten durch den Zuzug von Flüchtlingen

aus dem ganzen Lande angeschwollen war. Wenn unter

diesen unglücklichen, halbverhungerten Menschenmassen eine

Seuche ausbrach, so können wir uns die Wirkung garnicht

furchtbar genug denken; da werden auch Zahlenangaben möglich,

die zu der Einwohnerzahl der Städte in normalen Zeiten in

keinem Verhältnisse stehen. Während der grofsen Hungersnot

von 1316 sollen in Erfurt allein 7985^), nach anderen Angaben

8100 Menschen in den Massengräbern bei dem Dorfe

Neuschmidstädt bestattet worden sein; noch lange Jahre nachher

erinnerte man sich dieser furchtbaren Zeit und veran-

1) Ae^id. li Muisis, De Smet Corp. ehr. Flaudr. II, 207.

2) a. 1282 Canonic. Prag. cont. Cosm. S. S. IX, 206, 16.

3) a. 1316 Cr. S. Petri Erford. mod. S. S. XXX, 446, 27.


62 Wanderungen der Notleidenden.

staltete jährlich in der Pfingstwoche für das Seelenheil der

Verstorbenen eine Prozession.^) Gegen diese Zahlen erscheint

es fast nicht viel, wenn wir hören, dafs in Sens 868 einmal

56 Tote^) an einem Tage aufgefunden wurden. Aber für diese

frühe Zeit und eine nicht besonders bedeutende Stadt ist das

doch schon eine sehr beträchtliche Sterblichkeit, und auch der

Annalist nennt es eine inaudita mortalitas.

Johannes Hocsemius^) giebt 1315 als einen Mafsstab für

die Gröfse der Sterblichkeit an, dafs zwei oder dreimal am

Tage ein Wagen mit sechs bis acht Leichen vom Hospital

nach dem neuen Begräbnifsplatze vor der Stadt fahren mufste.

Auch sonst läfst sich erkennen, dafs es den alten Chronisten

allein schon ein Zeichen einer unerhörten SterbKchkeit ist,

wenn man gezwungen war, die Toten vor den Thoren der Stadt

zu begraben und nicht an den gewohnten Plätzen bei den

Kirchen.

Die meisten Schriftsteller begnügen sich aber, wenn sie

von der Gröfse der Sterblichkeit bei einer Hungersnot sprechen,

mit ganz allgemeinen Angaben. Gröfse Dörfer sollen

1045 nach dem Berichte der Ann. Altahenses^) leer gestanden

haben, und häufig heifst es von der Zahl der durch Hunger und

Krankheit Hingerafften multa milia oder ähnlich. Schliefslich

kehrt auch noch mehrfach die Angabe wieder, dafs der dritte

TeiP) der Bevölkerung eines Landes in der Hungersnot gestorben

wäre; das besagt natürlich, ebenso wie die Angabe,

dafs während der Hungersnot von 1316 in Metz in einem

halben Jahre 500000 Menschen gestorben wären®), in Wahrheit

nicht mehr, als dafs eben so viele Menschen starben,

dafs man jede Möglichkeit, ihre Zahl zu schätzen, verlor.

"Wanderungen der Notleidenden.

Eine höchst bedeutsame Wirkung einer jeden Hungersnot

ist es, dafs sie die Menschen zum Verlassen der Heimat zwingt.

Waren in einem Notjahre die geringen Vorräte aufgezehrt,

so blieb dem Bauern, wollte er nicht Hungers sterben, nichts

1) Urkunde Avignon 10. Sept. 1341 Beyer U. B. der Stadt Erfurt

II, 170, No. 209.

2) a. 868 Ann. S. Columbae Senonens. S. S. I, 103.

3) a. 1315 Joh. Hocs. lib. II, c.VI, Chapeaville G. pont. Leod.II, 373C.

4) a. 1045 Ann. Alth. M. G. S. S. kl. Ausg. 39.

5) a. 874 Ann. Fuld. III, M. G. S. S. kl. Ausg. 83. a. 1043 Cosmas

S. S. IX, 75, 10; a. 1125 Ekkeh. ehr. univers. S. S. VI, 263, 20; a. 1315

Joh. Staindelii ehr. generale ed. Oefele S. S. I, 515; a. 1316 Jan de

Klerk. Buch V, c. X, v. 832, Collect, de Chroniques Beiges I, 443.

6) a. 1316 Königsaaler G. Q. lib. I, c. 128, Font. rer. Austr. S. S.

VIII, 379.


Wanderungen der Notleidenden. 63

anderes übrig, als Haus uud Hof in Stich zu lassen und zu

versuchen, ob er anderswo Rettung und Hülfe finden könnte.

Es gehört zu den typischen, immer wiederkehrenden Zügen

im Bilde der Hungersnot, dafs zahllose Arme das Land duichziehen,

ohne Plan und ohne Ziel, nur von der Mildthätigkeit

lebend. Schon Karl der Grofse erwähnt in einem Kapitulare^)

diese Erscheinung. Dasselbe berichten 829 die Bischöfe in

einer Denkschrift^) an Ludwig den Frommen. Während des

schweren Notjahres 868 mufsten nach dem Berichte Hugos

von Flavigny^) wieder viele Notleide ihr Vaterland verlassen

und in anderen Gegenden Hilfe suchen, und so setzen sich

ähnliche Berichte durch die folgenden Jahrhunderte fort. Die

Passio Karoli*) erzählt anschaulich, wie die Armen zwischen

den Burgen und Städten hin und her zogen, und oft auf dem

Wege vom Hunger hingerafft wurden.

Charakteristisch bleibt immer das eine, dafs die Notleidenden

nicht planmäfsig auswanderten, sondern nur vor der

gegenwärtigen Not flohen. Dabei ist es wohl möglich, dafs sie

auf ihren Bettelzügen grofse Entfernungen zurücklegen. Einmal

sammelt sich ein Haufe von Notleidenden, die aus Frankreich

kommen, in Lüttich. ^) 1200 sollen nach dem Berichte

eines Chronisten^) damals vom Bischof Reginard unterhalten

worden sein. Während der grofsen böhmischen Hungersnot

von 1280—1282 zeigten sich solche fliehende Scharen in

Thüringen, Meifsen und noch anderen Teilen Deutschlands.

Der Bericht, der uns dies mitteilt, stammt aus Ballhausen'')

in der Nähe von Langensalza. Zu derselben Zeit fliehen aus

der Krakauer Gegend Tausende von Menschen nach Rufsland

und Ungarn^) 1317 kommen Leute aus Westdeutschland

bettelnd bis nach Lübeck und in die Ostseeländer.^) An

einer anderen Stelle hören wir von einem Haufen, der sich

auf der Flucht nach Ungarn über die Donau setzen lassen

will. Es sind, wie aus dem Berichte hervorgeht, keineswegs

Auswanderer, sondern eine Schar halbverhungerter, elender

Menschen.^")

1) a. 802 Capit. missor. generale c. 30, Boret. I, 96, No. 33.

2) Episc. ad Hludovic. relat. Boret. II, 43, 25 multi propriis derelictis

alienas terras expetant.

3) a. 868 Hugo Flav. S. S. VIII, 355, 8 ut multi patriam deserere et

ad alias terras cogerentur deroigrare.

4) a. 1125 Passio Karoli c. 2 S. S. XII, 563, 6.

5) Anselmi g. eps. Leod. c. 37 S. S. YII, 209, 30.

6) Ruperti ehr. S. Laurent. Leod. S. S. VIII, 274, 40.

7) a. 1282 Sifrid. de Balnhus. S. S. XXV, 709, 4.

8) a. 1282 Ann. Pol. I S. S. XIX, 646, 25 und Ann. Pol. IV S. S.

XIX, 647, 15.

9) a. 1317 Ann. Lubic. S. S. XVI, 426, 23.

10) Joh. Vitoduran. Arch. für Schweiz. Gesch. XI, 69.


64 Wanderungen

Dieses regellose Ergiefsen der Massen über die Länder

ist aber nicht eigentlich das Gewöhnliche. Im Gegenteil,

häufiger ziehen sich die Notleidenden an gewissen Punkten

zusammen, namentlich in Bischofstädten oder bei bedeutenden

Klöstern. Dort hoffen die Armen bei dem reichen Klerus

Hülfe zu finden. 1005 strömte die Menge zum Bischöfe

Heribert^) nach Köln. Aus derselben Hungersnot wird berichtet,

wie sich die Hörigen der verschiedensten Klöster beim

Abt Adelard in St. Trond einfanden, er aber als ein guter

Haushalter nur für seine ünterthanen sorgte, die Fremden

dagegen an ihre Klöster wies.^) Besonders ausführlich sind

die Nachrichten über die grofsen Menschenansammlungen und

alle die Mifsstände, die sie mit sich brachten, aus Prag vom

Jahre 1282.^) 1316 lagerten die Scharen der Notleidenden in

Magdeburg auf den Strafsen und vor den Thoren der Stadt.*)

Weitere Beispiele lassen sich auch noch für andere Bischofsstädte

und Klöster beibringen.

Der Menschenverlust, den das platte Land auf diese Weise

erlitt, mufs sehr bedeutend gewesen sein. Einen gewissen

Mafsstab hierfür gewährt die Angabe der Cont. Aquicinctina,

dafs 1196 so viele Menschen das Land verlassen hätten, dafs

man die zurückgebliebenen Armen ganz gut hätte erhalten

können.^) Andere Quellen erwähnen die ihnen auffallende

Thatsache, dafs durch das fluchtartige Fortwandern viele Höfe

des Landes leer standen. Dies berichten für Baiern zweimal

die Ann. Althahenses zum Jahre 1038 und 1053.") Hugo

von Flavigny'') behauptet sogar, dafs in Frankreich nach einer

Hungersnot ganze Städte entvölkert gewesen wären. Einen

Einblick in die Verhältnisse im einzelnen bietet uns eine

Aufzeichnung aus Benedictbeuren wahrscheinlich vom Jahre

1005, in der eine Liste aller der Hörigen des Klosters enthalten

ist, die während der Hungersnot ihre Höfe verliefsen.^)

Zählen lassen sich mit Bestimmtheit 106 Personen;

betrachtet man aber, dafs bei 13 Familien die Kinderzahl nicht

augegeben ist, so werden es im ganzen über 150 Seelen gewesen

sein. Aus 15 Orten sind die Leute fortgezogen, die

aber alle, soweit sie sich bestimmen lassen, in der Nähe des

Klosters, in nördlicher Richtung ungefähr bis nach München,

1) a. 1005 V. Heribert, c. 7. S. S. IV, 745, 27.

2) a. 1006 Gest. abb. Trud. lib. I, c. 1, S. S. X, 229, 30.

3) a. 1282 Canonic. Prag. cont. Cosm., S. S. IX, 204, 7.

4) a. 1316 Magdebg. Schöppenchr. St. Chr. VII, 185, 16.

5) a. 1196 Cont. Aquicinct., S. S. VI, 433, 42.

6) Ann. Alth. M. G. S. S. kl. Ausg. 23 u. 49.

7) a. 868 Hugo. Flav., S. S. VHI, 355, 6.

8) a. 1005 Notae Buranae, S. S. XVII, 320, 36.


der Notleidenden. 65

liegen. Dabei sind es allein aus dem Dorfe Puron, dessen

Name mit dem des Klosters identisch ist, 13 Familien und

aufserdem aus diesem und dem in der nächsten Nähe liegenden

Eichel 8 Einzelpersonen; die anderen 14 Dörfer sind nur mit

je einer Familie vertreten. Vielleicht versagt hier schon die

Genauigkeit der Aufstellung. Jedenfalls aber läfst sich erkennen,

dafs es sich um einen recht beträchtlichen Menschenverlust

handelt. Einen ganz speziellen Grund für die Flucht giebt

die Cont. Aquicinctina an. Sie berichtet, dafs in dem schlimmen

Notjahr 1197 aus mehreren französischen Gauen die Weinbauern

geflohen wären, weil sie schon im voraus auf die

künftige Ernte Geld aufgenommen hatten und jetzt, wo der

Wein mifsraten war, nicht liefern konnten, was sie übernommen

hatten.^)

In allen bis jetzt behandelten Fällen handelt es sich um

eine wirre Flucht ohne Ziel und ohne Plan; nur die Furcht

vor dem sicheren Tode treibt die Menschen fort. Es liegt

die Frage nahe, ob sich nicht Fälle planvolleren Handelns

nachweisen lassen, wo die Menschen, sei es zum vorübergehenden

Aufenthalte, von der Not nicht betroffene Gegenden

aufsuchten, sei es den schlechten Lebensbedingungen der Heimat

durch dauernde Auswanderung entgehen wollten.

Da sind zuerst eine Anzahl Nachrichten, die darüber berichten,

dafs Mönche in der Notzeit ihr Kloster verlassen

hätten. Flodoard^) erzählt, wie einmal das ganze Kloster

Montfaucon mit den Gebeinen des Heiligen nach Wesseling,

einem Dorfe zwischen Köln und Bonn, wo das Kloster eine

villa besafs, auswanderte, um dadurch der Hungersnot in

Frankreich zu entgehen.

Ein solcher allgemeiner Auszug ist sonst nicht wieder

beglaubigt, aber mehrfach läfst man doch eine Anzahl Mönche

fortziehen, um das Kloster dadurch zu entlasten. In Sankt

Georgen^) bleibt es allerdings bei dem Vorschlage, man

wollte nur die Mönche im Kloster behalten, die es durch

irgend eine Schenkung bereichert hätten, die übrigen sollten

zu ihren Eltern zurückkehren oder in anderen Klöstern Unterkunft

suchen. Hier wird die Not durch eine unerwartete

grofse Schenkung gehoben, in anderen Klöstern wird die Absicht

auch ausgeführt; 1142 werden aus Lobbes*) eine Anzahl

1) a. 1197 Cont. Aquicinct., S. S. VI, 434, 19.

2) Flod. bist. Rem. eccl. lib. IV, c 41, S. S. XIII, 592, 18. Huius

venerabilis loci canonici famis quondam necessitate compulsij sumptis

a corpore venerandi patroni sui reliquiis, ad suam quandam villam

supra ripam Reni sitam cognomento Wasliciam profecti sunt.

.S) a. 1101 V. Theogeri lib. I, c. 19, S. S. XII, 457, 22.

4) a. 1142 G. abb. Lobb ,

c. 24, S. S. XXI, .329, 11.

Leipziger Studien VI, 1: Cursohniann, Hungersnöte. 5


66 Wanderungen

Mönche nach anderen Klöstern geschickt. In Königsaal ^) waren

während der furchtbaren Hungersnot von 1280—1282 nur

wenige Mönche zurückgeblieben, die meisten waren für die

Zeit der Not in anderen Klöstern untergebracht worden.

Zu dem Notjahre 850 berichten die Ann. Fuld., dafs ein

Mann mit Weib und Kind aus dem Gaue von Fulda nach

Thüringen zog, „ut malum inopiae temperare potuisset", wie

die Quelle angiebt.^) Das ist eine sehr bemerkenswerte

Handlung, die in einem entschiedenen Gegensatze zu dem

steht, was wir als das Regelmäfsige beobachtet haben. Hier

liegt der einzige Fall für die ältere Zeit vor, wo das Ziel

einer Wanderung genannt wird; man mufs also in Fulda gewufst

haben, dafs in Thüringen keine Hungersnot herrschte,

oder doch jedenfalls die Lebensbedingungen besser wären.

Ein anderer Fall einer ähnlichen Erwägung liegt in einer

Stelle bei Bern cid vor, wo erzählt wird, dafs in Sachsen eine

so schwere Hungersnot geherrscht habe, dafs die Edlen gezwungen

gewesen wären, für einige Zeit (ad tempus) das Land

zu verlassen.^) Hier liegt wieder ein Ausnahmefall vor: nur

die Ersten des Volkes waren es, die fortzogen, weil nur sie

wufsten, wo sie eine gesegnetere Gegend finden könnten.

Das ist aber der einzige Fall, wo deutlich von einer vorübergehenden

Auswanderung nur für die Notzeit gesprochen wird,

wo die Menschen also der Schwierigkeit, Lebensmittel in die

Notstandsgebiete zu bringen, dadurch begegnen, dafs sie selbst

Gegenden aufsuchen, die genügende Vorräte besitzen. Haben

wir so gesehen, dafs vorübergehende Auswanderung in einem

Notjahre nur in vereinzelten Fällen und auch dann nur meist

für eine bevorzugte Klasse, Adel oder Mönche, sich nachweisen

läfst, so wäre es doch denkbar, dafs die Not, die die

Menschen nun einmal beweglich gemacht hatte, den Anstofs

zu einer gröfseren dauernden Auswanderung gegeben hätte.

Der Gedanke liegt nahe; denn so konnte sich der einzelne am

besten dauernd dem Mangel in der Heimat entziehen.

Wir kennen ja nun im Mittelalter eine grofse Auswanderungsbewegung,

deren Ziel das Land östlich der Elbe

war. Es wird die Frage sein, ob sich zwischen dieser Kolonisation

des Ostens und den Hungersnöten im Westen vielleicht

eine gewisse Verbindung herstellen läfst. Die Wahrscheinlichkeit,

dafs eine solche Verbindung vorliegt, wächst, wenn wir

sehen, dafs das 12. Jahrhundert, in dem die Kolonisation begann,

mehr als alle anderen von Hungersnöten heimgesucht

1) a. 1282 Königsaal. G. Q. lib. I, 13; Fontes rer. Austr. S. S,

VIII, 57.

2) a. 850 Ann. Fuld. M. G. S. S. kl. Ausg. 40.

3) 1092 Bemoldi ehr., S. S. V, 454, 10.


der Notleidenden. 67

wurde, und dafs gerade die Niederlande, von denen die Kolonistenzüge

ausgingen, wieder am häufigsten und schwersten

unter den Hungersnöten litten. Schon de Borchgrave^) hat auf

diese Verbindung hingewiesen, und Bernhardi^) hat in den Jahrbüchern

Konrads 111. die Kolonisation Holsteins im Jahre 1143

mit gleichzeitige Hungersnöte, Seuchen und Überschwemmungen

in den Niederlanden in Zusammenhang gebracht. Dafs durch

die zahlreichen Hungersnöte des ausgehenden 12. und der

ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts in Verbindung mit Epidemien

und grofsen Überschwemmungen in den Niederlanden,

einem schon damals dicht bevölkerten Lande, in hohem Grade

die Disposition für die Auswanderung geschaffen wurde, ist

eine Thatsache, die leicht glaublich ist. Aber sehr viel

schwieriger wird es sein, nun auch wirklich Belege für diese

Verbindung von Hungersnot oder sonstigen die Wirtschaft

schädigenden Ereignissen und der Kolonisation des Ostens beizubringen.

Die Quellen sprechen fast nur von der Thatsache,

dafs sich da und dort grofse Massen von Notleidenden angesammelt

haben, höchst selten erwähnen sie den Abzug

dieser Notleidenden.

Immerhin giebt es eine Anzahl Nachrichten, wo nach der

ganzen Fassung die Vermutung nahe liegt, dafs es sich hier

wirklich um eine Auswanderung handelt. Die Quellen sprechen

von emigrare, egredi> u. s. w. Leider war es mir nie möglich,

in Verbindung mit einem solchen Auszuge die Ankunft der

Kolonisten im Osten nachzuweisen. Ein solcher Nachweis

würde bei dem dürftigen Materiale, das vorliegt, doch nur

einem besonders günstigen Zufalle verdankt werden können.

Ich mufs mich also begnügen einfach zusammenzustellen, was

ich an Nachrichten über diese Frage gefunden habe.

Zwei Nachrichten stammen aus dem Jahre 1144, also ein

Jahr nach dem Beginn der Kolonisation von Wagrien. Dafs

sie mit dieser Bewegung in einer gewissen Verbindung stehen,

ist möglich, dagegen spricht allerdings, dafs die Auswandernden

in der einen Nachricht sicher, in der anderen doch sehr wahrscheinlich

Wallonen sind.^)

Im nächsten Falle berichten die Ann. Egmund. von einer

Überschwemmung und folgenden Hungersnot, die viele Menschen

1) De Borchgrave, Hist. des colonies beiges S. 38

2) Bemhardi, Jahrb. Konrads m, S. 319.

3) a 1144 Ann. Camerac. S. S. XVI, 516, 3, nonnuUi propter famis

intemperiem compulsi sunt de terra sua et cognatione egredi. Cont. Gembl.

S. S. VI, 388, 33. Nee tantummodo pauperes et mediocres, sed et eorum

multi, qui putabantur sibi sufficientes esse, duro famis gladio perurgente

coacti sunt alias emigrare, ut malum inopiae si non ex toto evitare,

saltem possent alleviare.

5*


68 Wanderungen der Notleidenden.

im Bistum Utrecht und in Holland zur Auswanderung trieb. ^)

Wieder berichtet von einer Auswanderung 1196 die Cent.

Aquicinctina. ^) Waren die bis jetzt angeführten Beispiele

vielleicht zum Teil nicht unanfechtbar, so ist uns im Jahre 1259

mit vollkommener Sicherheit die Nachricht von einem offenbar

bedeutenden Kolonistenzuge erhalten, der sich von Baiern nach

Ungarn bewegte.^) Charakteristisch ist, dafs hier in diesem

Falle, und nur hier, das Ziel angegeben ist. Schliefslich spricht

auch Menko noch einmal von einer Auswanderung, die in der

Hoffnung unternommen wurde, in anderen Ländern bessere

Lebensbedingungen zu finden.*)

Auch auf die bedeutende Massenbewegung der Kreuzzüge

scheinen Hungersnöte einen gewissen Einflufs gehabt zu haben.

1095 herrschte in Belgien eine schwere Hungersnot, und im

folgenden Jahre brechen besonders aus diesen Gegenden die

Kreuzfahrer auf. Ebenso geht dem zweiten Kreuzzuge die

grofse allgemeine Hungersnot von 1145 — 1147 voran. Es ist

leicht begreiflich, dafs gerade in solchen Zeiten der Not die

Bufspredigt auf fruchtbaren Boden fiel. Dazu kommt, dafs ja

nicht nur heilige Begeisterung die Menschen ins Morgenland

trieb, sondern auch Abenteurer, Leute die in der Heimat nichts

zu verlieren hatten, sich den Ileereszügen anschlössen. Die

Verbindung von Hungersnot und Kreuzzügen ist nichts willkürliches,

schon ein mittelalterlicher Schriftsteller spricht sie

unmittelbar aus. Ekkehard^) sagt: ,Francigenis occidentalibus

facile persuaderi poterat soa rura relinquere; nam Gallias per

annos aliquot nunc seditio civilis, nunc fames, nunc mortalitas

nimis afflixerat."

1) a. 1183 Ann. Egmund., S. S. XVI, 469, 39, ut innumera multitudo

famis angustia impellente propria colonia relicta, alias migraverit.

2) a. 1196 Cont. Aquict, S. S. VI, 433, multi coacti sunt alio

emigrare.

3) a. 1259 Ann. Scheftl. min., S. S. XVII, 344, 24, fames valida fuit

et multitudo hominum in üngariam profecta est. Ann. S. Steph. Frising.

S, S. XIII, 57, 10, fuit maxima fames, et homines de diversis terris exulaverunt

euntes ad partes Ungarie. Ann. Wessofont. ed. Leuter Hist.

Wessof. II, 33, innumerabilis multitudo hominum Hungariam est profecta.

4) a. 1272 Menko, S. S. XXIII, 561, 2. Multi etiam tam de Frisia

quam de Threntia patriam exierant sperantes, se alicubi meliorem iuvenire

sustentationem.

5) Ekkehard S. S. VI, 213, 48.


Notstaiidspolitik.

Geistliche tind Laien.

Von entscheidendem Einflüsse auf die ganze Hülfsthätigkeit

in Zeiten der Not ist die Auffassung dieser Hülfsthätigkeit

als Caritas, Es ist Christeupflicht, den Armen und Kranken

zu helfen. Um so mehr erwächst der reichen und wohlorganisierten

Kirche des Mittelalters die Verpflichtung, aufserordentlichen

und allgemeinen Notständen gegenüber auch mit aulserordentlichen

Mitteln einzugreifen. Die Mittelpunkte für die

Erhaltung und Verpflegung der Notleidenden waren meist die

Bischofstädte und grofsen Klöster, Von dort stammen fast

alle uns erhaltenen Nachrichten.

Nur verhältnismäfsig selten hören wir von einem thätigen

Eingreifen der Laien, Zum Teil mag das an dem Charakter

unserer Quellen liegen, aber sicher trat ihre Thätigkeit ganz

hinter der der Kirche zurück, 1095 sollen in Belgien die

Edlen viel Geld aufgewandt haben, um ihre Hörigen während

der Hungersnot zu erhalten.-') „Sub hac tempestate multi

monachi et milites elemosinas largas pauperibus tribuebant"

sagt ein anderes Mal die Cont. Aquicinctina. ^) Ebenso geben

die Bürger von Strafsburg ^) während einer Hungersnot einmal

100 Viertel Roggen an die Armen, allerdings erst, nachdem

der Pöbel die Bäckerläden erbrochen hat. Einige Male

kehrt derselbe Zug wieder, dafs, wenn ein Kloster in grofse

Not gekommen ist, plötzlich ein reicher Wohlthäter auftritt

und hilft. Die Quellen fassen das dann als eine Art Wunder

auf. Rechnen wir noch hinzu, was wir von der Wirksamkeit

einiger Fürsten hören, so ist alles erschöpft, was wir von der

Thätigkeit von Laien in der Notzeit wissen. Auch sie mögen

ja den Armen geholfen und ihnen Almosen gegeben haben,

aber es ist nichts darüber überliefert. Jedenfalls hatte die Kirche

in allen Angelegenheiten der Notstandspolitik die Führung,

1) a. 1095 Gest. abb. Gembl, cont. auct. Godeschalco c. 61, S. S,

Vni, 547, 14.

2) a. 1175 Cont, Aquicinct. S. S. VI, 415, 20.

3) a. 1294 Ellenh. S, S. XVII, 103, 43.


7 Notstandspolitik

Zu einer wirklich intensiven und über das Almosengeben

hinausgehenden Notstandspolitik besitzt aber nur der

Staat die Organe und die Autorität. Der mittelalterliche Staat

vermochte in dieser Hinsicht allerdings noch nicht viel; eine

geordnete Verwaltung, wie sie die erste Vorbedingung zu einer

solchen Thätigkeit ist, fehlte Ihm eben. Karl der Grofse ragt

hier wieder unter allen anderen mittelalterlichen Herrschern

hervor. Durch eine ganze Anzahl Verordnungen und mit den

verschiedensten Mitteln sucht er in Hungerjahren den Bedrängten

zu helfen. Ich werde darum seine Thätigkeit zuerst im Zusammenhange

darzustellen suchen und dann dem gegenüber

zusammenfassen, was sonst noch über die Thätigkeit von

Fürsten oder in einzelnen Fällen auch von städtischen Obrigkeiten

in Zeiten der Not zu berichten ist.

Notstandspolitik Earls des Grofseu.

Die Hungersnot wird als eine Strafe Gottes für die

Sünden der Menschen aufgefafst, darum denkt Karl auch zunächst

an geistliche Mittel. Fasten und Messelesen sind

immer das Erste, was er in Notjahren anordnet. 805 befiehlt

er ganz allgemein bei Hungersnot, Fest oder anderem Unglück:

„ut non expectetur edictum nosirum, sed statim depraecetur

Dei misericordia." ^) 780 hatte er schon ausführlichere Bestimmungen

erlassen: Jeder Bischof soll drei Messen lesen

und drei Psalter singen für den König, für das Heer und

pro presenti tribulatione d. h. für die Hungersnot; jeder Priester

soll drei Messen lesen, jeder Mönch, jede Nonne und jeder

Kanoniker drei Psalter singen. Aufserdem wird ein zweitägiges

allgemeines Fasten angeordnet.^)

Ahnliche Bestimmungen werden wiedei« 807 bei einer

drohenden Hungersnot erlassen. An je drei Tagen, im Dezember,

Januar und Februar soll gefastet werden, und die Geistlichen

sollen wieder Messen lesen und Psalmen singen.^) Noch einmal

hören wir in der karolingischen Zeit von einer solchen

Mafsregel, 867 wird nach den Ann. Xant. angesichts der

drohenden Hungersnot ein dreitägiges Fasten verordnet.*)

Doch mit diesen kirchlichen Mitteln begnügt sich Karl

der Grofse nicht, er greift auch mit Mitteln der weltlichen

Gewalt thatkräftig ein. In mehreren Kapitularien giebt er

Bestimmungen zum Schutze der durch eine Hungersnot

1) a. 80Ö Cap. miss. c. 4; Boret. I, 122, No. 44.

2) a. 780 Cap. episc. Boret. I, 52, No. 21.

3) a. 807 Karoli ad Ghaerbald epist. Boret. I, 245, No. 124.

4) a. 867 Arm. Xant. S. S. II, 232, 50.


Karls des Grofsen. 71

Geschädigten, und eine Kapitulare ist ganz dieser Aufgabe

gewidmet.

Seine erste Sorge geht darauf, in Zeiten der Not das

Getreide im Lande zu halten. Er verbietet daher um die Wende

des Jahres 805 und 806 von Diedenhofen aus die Ausfuhr

jeglicher Lebensmittel: „ne foris imperium nostrum vendatur

aliquid alimoniae". ^)

Von den gewaltigen Preissteigerungen

in Notjahren habe

ich schon früher gesprochen. Das Übel machte sich auch jetzt

bemerkbar und veranlafste Karl, auf der Frankfurter Synode

unter dem Eindrucke der Hungersnot von 792—793 die erste

Preistaxe zu geben. ^) Es sollten danach kosten:

1 Modius Hafer = 1 d., Gerste == 2 d., Roggen = 3 d.,

Weizen = 4 d.

Die königlichen Güter sollten aber ihren Überflufs zu

niedrigem Preisen verkaufen:

1 Modius Hafer = Vg d., Gerste = 1 d., Roggen = 2 d.,

Weizen = 3 d.

805, wieder in einem Notjahre, wird von neuem befohlen,

dafs niemand sein Getreide allzu teuer, nimis care, verkaufen

soll. ^) Diese Ermahnung genügte aber oflFenbar nicht; denn

schon im nächsten Jahre sieht sich Karl wieder veranlafst,

eine neue Preistaxe aufzustellen. Allerdings nur für die Lihaber

königlicher Benefizien und auch wohl nur für dieses

Notjahr. Sie sollen demnach den Modius verkaufen:

Hafer = 2 d., Gerste = 3 d., Spelz = 3 d., Roggen = 4 d.,

Weizen = 6 d.*).

Gegen 794 ist das eine recht bedeutende Preiserhöhung.

Immerhin aber waren diese Sätze sehr niedrig gegen die Preise,

die gich bei freier Konkurrenz in Hungerjahren bildeten, und

1) a. 805 Cap. miss. c. 4. Boret. I, 123, No. 44.

2) a. 794 Synod. Franconofurt. c. 4. Boret. I, 74, No. 28. Ich mufs

an dieser Auffassung der Mafsnahme als eines Aktes der Teuerungspolitik

auch gegen Soetbeer, Forsch. VI, 73 und Inama, Deutsche Wirtschaftsgesch.

1, 476 ff. festhalten. Die Hungersnot war nicht so unbedeutend, wie Soetbeer

annimmt, sie war weit verbreitet, wie sich aus den Berichten der Ann.

Mosell. , Ann. S. Germ., Ann. S. Quinti Veromand. und Ann. Lauresh.

ergiebt. Wenn ausdrücklich befohlen wird, das Getreide auch in Zeiten

der Teuerung nicht höher zu verkaufen, so richtet sich das gegen die

Freissteigerungen des vorhergehenden Jahres.

Karl der Grofse hat sich

so vielfach mit der Sorge für die Notleidenden während der Hungersnot

beschäftigt, dafs ihm ein solcher Akt wohl zuzutrauen ist. Um so mehr,

als es sich bei der Preisaufstellung für die königl. Domänen sicher um

einen Akt der öffentlichen Wohlfahrtspolitik handelt.

3) a. 805 Cap. miss. in Theodonis villa dat. secund. c. 4. Boret.

I, 123, No. 44.

4) Cap. miss. Niumagae dat. c. 18, No. 46; Boret. I, 132.


72 Notstandspolitik

wenn sie überhaupt durchgeführt wurden, so kann das nur

unter Anwendung des stärksten Zwanges geschehen sein.

868, wo wir zum erstenmale von wirklichen Notpreisen

hören, finden sich schon ganz andere Angaben. Es wurde

nach den Ann. S. Columbae Senonensis^) im Mai für den

Modius bezahlt:

Hafer = 5 s., Gerste = 6^2 s., Roggen = l^j^ s., Weizen = 8 s.

In späterer Zeit sind die Preise noch viel höher gestiegen,

immerhin beträgt auch hier die Steigerung schon bei Hafer

das SOfache, bei Gerste das 26fache, bei Roggen mehr als

das 22fache und bei Weizen das 16fache der Preise von 806.

Die Preisfestsetzungen werden nicht allzu viel vermocht

haben. Viel wirksamer mufste das thätige Eingreifen der

Einzelnen zur Unterstützung der Notleidenden sein.

Auch hierauf richtete Karl sein Augenmerk. Der allgemeine

BefehP) an die königlichen Missi im Jahre 806: „ut indigentibus

adiuvare studeant de annona, ita ut famis periculum

non pereant" sagt noch nicht viel, aber das Gebot wird

in anderen Kapitularien weiter ausgeführt. 809^) befiehlt

Karl der Grofse, dafs jeder die von ihm abhängigen Leute

sive liberum sive servum in dem gegenwärtigen Notjahre erhalten

solle. Ein anderes Mal*) bestimmt er, dafs jeder Bischof,

jeder Abt und jede Äbtissin vier Notleidende bis zur Ernte

ernähren soll; vermögen sie das nicht, so mögen sie wenigstens

einen, zwei oder drei aufnehmen. Den Inhabern königlicher

Benefizien gegenüber drückt er sich an einer anderen Stelle nicht

so unbestimmt aus, sondern befiehlt strengt): „Qui nostrum

habet beneficium, diligentissime praevideat, quantum potest

Deo donante, ut nullus ex mancipiis ad illum pertinentes

beneficium famem moriatur." Derselbe Befehl wird 806®)

wiederholt. Hier fällt allerdings das fiskalische Interesse mit

der öffentlichen Wohlfahrtspflege zusammen. Mit den persönlichen

Verhältnissen der Notleidenden beschäftigt sich ein

Kapitulare von 802.') Es sollen danach die Armen, die durch

1) a. 868 Ann. S. Columb. Sen. S. S. I, 103.

2) a. 806 Cap. per. episcopos et comites nota facienda c. 1. Boret.

I, 141, No. 54.

3)

a. 809 Cap. missorum Aquisgr. pr. c. 24. Boret. I, 151, No. 62.

4) a. 780 Cap. episcop. Boret. I, 52, 13, No 21.

5) a. 794 Synod. Franconofurt. c. 4. Boret. I, 74, No. 28.

6) a. 806 Cap. miss. Niumagae dat. c. 18. Boret. I, 132, No. 46.

7) a. 802 Capitnl. miss. general. c. 30, Boret. I, 96. De his quos

.vult domnus imperator, Christo propitio, pacem defensionem habeant in

regno suo, id sunt qui ad suam clementiam festinant, aliquo nuntiare

cupientes sive ex christianis sive ex paganis, aut propter inopia vel

propter famem suffragantia quaerunt, ut nullus eos sibi servitio conßtringere

vel usurpare audeant neque alienare neque vindere; sed ubi


Karlü des Grofsen. 73

die Not aus ihrem Hause vertrieben sind und nun heimatlos

umherziehen, sich desselben königlichen Schutzes erfreuen wie

die Gesandten fremder Völker; niemand soll es wagen, sich an

ihnen zu vergreifen oder sie zu Sklaven zu machen, sondern

sie sollen sicli niederlassen dürfen, wo sie wollen und dazu

noch subfragia in sua (d. h. des Kaisers) elymosina geniefsen.

Karl hatte also auch feste Verpflegungsstationen errichtet.

Eine weitere Bestimmung über den aufs erordentlichen

Rechtsschutz von Notleidenden während einer Hungersnot

ist uns in einem italienischen Kapitulare^) Karls erhalten.

Wenn jemand nachweisen kann, dafs er unter dem Drucke einer

solcher Not etwas verkauft hat, oder sich auch nur aus der

Urkunde ergiebt, dafs der Verkauf zur Zeit einer Hungersnot

stattfand, so wird das ganze Rechtsgeschäft aufgehoben, und

der Käufer erhält den Preis zurück, wie er in der Urkunde

angegeben ist. Bedeutende Erleichterungen für eine von einer

Hungersnot betroflfene Bevölkerung enthält auch eine Kapitulare

von 807. Es wird darin „propter famis inopiam", wie

es ausdrücklich heifst, das Aufgebot zu einem Heereszuge für

die westlich der Seine gelegenen Landesteile zu Gunsten der

Armeren sehr bedeutend eingeschränkt.^)

Einer Art Notsteuer nähert sich das, was Karl der

Grofse in einem Kapitulare^) befiehlt, das wahrscheinlich mit

der Hungersnot von 779 in Verbindung steht. Jeder Bischof,

jeder Abt und jede Äbtissin, und ebenso jeder Graf, soll ein

Pfund als Almosen für die Notleidenden geben; vermögen sie

das nicht, so doch ein halbes Pfund, und die minores unter

den Geistlichen, die als dritte Klasse aufgeführt werden, nur

5 s. Bestimmter sind wieder die Auflagen, die in demselben

Kapitulare für die königlichen Vassi festgesetzt werden. Sie

haben zu zahlen für 200 Hörige Vg Pfund, für 100 Hörige

5 s., für 50 oder 30 Hörige 1 Unze.

Es zeigt sich wieder dieselbe Tendenz, die wir schon

vorher beobachtet haben: Nutzbarmachung der königlichen

Güter im allgemeinen Staatsiuteresse.

Von einer Notstandspolitik der unmittelbaren Nachfolger

Karls des Grofsen hören wir kaum noch etwas. In dem versponte

manere voluerint, sub defensione domni imperatoris ibi habeant

subfragia in sua elymosina.

1) Notitia Italica c. 2, Boretius I, 188, No. 88. et ipse qui

venundaverit ostendere potuerit, ut strictus necessitate famis venditionem

ipsam fecisset, aut forte cartula ipsa manifestaverit tempore

necessitatis famis, cartula ipsa frangatur, et pretio iuxta quod in ipsa

cartula legitur reddat.

2) a. 807 Memoratorium de exercitu in Gallia occident. praeparando

c. 2, Boret I, 134, No. 48.

3) a. 780 Cap. episcoporum. Boretius I, 52, No. 21.


74 Notstandspolitik

fallenden Staate mufste diese Art der Regierungsthätigkeit

bald aufhören. Doch ist ein Schreiben erhalten, in dem Ludwig

der Deutsche während einer Hungersnot um Hülfe angegangen

wird.^) Es ist immerhin bemerkenswert, dafs noch das Gefühl

besteht, dafs hier ein Feld der Thätigkeit vorliegt, auf

dem die Zentralgewalt einzugreifen hat; in späterer Zeit ist

nie wieder der Gedanke aufgetaucht, dafs bei einer Hungersnot

der Kaiser helfen könne. Wenig später 867 sollen nach den

Ann, Xant. Ludwig der Deutsche und Lothar H.^) bei einer

drohenden Hungersnot ein dreitägiges Fasten ausgeschrieben

haben. So begann auch die Wohlfahrtspolitik Karls des

Grofsen in Notjahren; ob die beiden Fürsten oder andere

Nachkommen des grofsen Kaisers aktiv zur Bekämpfung einer

Hungersnot eingegriffen haben, wissen wir nicht.

Notstandspolitik von Fürsten und Städten.

Wir haben gesehen, wie zur Zeit Karls des Grofsen eine

vorsorgliche staatliche Thätigkeit in jeder Weise der Not

entgegenzuarbeiten suchte. Dergleichen findet sich in den

späteren Jahrhunderten nicht mehr. Die Kirche hat die ganze

Wohlfahrtspflege übernommen, und nur vereinzelt zeigt sich

hier und da auch ein Eingreifen der staatlichen Organe. Nur

von einem Kaiser hören wir, dafs er sich überhaupt um das

Elend des Volkes während einer Hungersnot gekümmert hat.

Es ist Heinrich HL, also doch ein Herrscher, der der Kirche

besonders nahe stand. Aber von irgend welcher gröfseren

planvollen Thätigkeit ist keine Rede mehr. Er speist in

Speier die Armen und erläfst noch kurz vor seinem Tode,

durch die Hungersnot des Jahres veranlafst, eine Indulgeuz.^)

Sonst nehmen sich noch in einigen Fällen die Landesfürsten

und die städtischen Obrigkeiten des Notstandes an. Einen

Fortschritt zeigt ihre Thätigkeit gegen Karl den Grofsen

kaum, nur kümmern sie sich, den kleineren Verhältnissen

entsprechend, mehr um Einzelheiten.

Schon Karl der Grofse hatte durch ein Ausfuhrverbot

von Lebensmitteln der Not zu begegnen gesucht.

Wir finden

dieselbe Mafsregel auch später wieder. So bestand 1269*) in

1) Theolog. Gutachten für Ludwig den Deutschen N. Archiv XI, 459.

2) Die Ann. Xant. S. S. II, 232, 50 schreiben „die Könige". Nach

Lage der Dinge müssen Ludwig der Deutsche und Lothar II gemeint

sein, die allerdings nicht im Herbste, aber im Juli 867 eine Zusammenkunft

hatten und dabei das Edikt gegeben haben könnten. Vergl.

Mühlbacher Regesten p. 566 u. 567, No. 1429» u. 1430».

3) a. 1056 Chr. Wirziburg S. S. VI, 31, 35.

4) a. 1269 Günther. Cod. dipl. ßheno-Mosell II, No. 234, p. 364.


von Fürsten und Städten. 75

der Mainzer Diöcese ein Verbot, das Getreide rheinabwärts

auszuführen. Es war, wie die Urkunde angiebt: „propter caristiam

et comunem defectum annonae" erlassen. 1272 verbieten

einige dänisclie Städte die Getreideausfuhr,^) und nur

durch Bestechung der Stadtoberhäupter können die Friesen

die Zurücknahme dieses Verbotes erlangen. Menko scheint

allerdings hier in seiner Darstellung nicht ganz gerecht zu

sein. Es ist sehr fraglich, ob die Ernte in Dänemark wirklich

so gut war, wie er angiebt, leicht möglich ist, dafs wir in

diesem Ausfuhrverbot schon eine vorbeugende MaTsregel zu

sehen haben; denn im nächsten Jahre wird auch Dänemark

von einer Hungersnot heimgesucht. Aus Osterreich hören

wir, dafs 1235 der Herzog, auf den Rat der Juden, sein Land

für die Getreideausfuhr zur Zeit einer Hungersnot schliefst,

als eine Überschwemmung der Donau die Ernte vernichtet

hatte. 2)

Getreide in das Land zu ziehen versucht Karl von

Flandern einmal auf eine etwas komplizierte Weise. ^) Er setzt

für das Quart Wein den Maximalpreis von 6 d. fest. Er will

damit erreichen, dafs der Einkauf von Wein den Händlern

nicht mehr lohnend erscheint, und sie so veranlassen, andere

Lebensmittel, die das Land notwendiger braucht, einzukaufen.

Die Erhaltung des Getreidevorrats im Lande bezweckt

sein Verbot des Bierbraueus. *) Entsprechende Mafsregeln

finden wir weiter bei zwei niedersächsischen Grafen

wieder. 1218 befiehlt Hoyer von Falkenstein, ^) dafs niemand

dickeres Bier brauen sollte, als das Stübchen zu einem

Pfennig, und jeder Ausschank soll verboten sein. „Dat halp

sere to brotkorn'', meint die Schöppenchronik. Ganz dieselbe

Mafsregel wird auch 1226 dem Grafen von Blankenburg^)

zugeschrieben, der dann noch weiter befiehlt, dafs niemand

für mehr als einen Monat Vorrat an Korn besitzen darf, den

Überflufs soll er verkaufen.

Als Landesherr erläfst auch Engelbert von Köln einmal

ein unbedingtes Verbot des Bierbrauens. Er wollte, wie ein

Biograph schreibt, lieber auf die reichen Einnahmen, die er

von den Brauberechtigten bezog, verzichten, als sehen, dafs

um seinetwillen das Volk Hunger litte.'')

1) a. 1272 Menko S. S. XXEI, 560, 15.

2) Ann. S. Rudberti Salisburg. S. S. IX, 786, 31.

3) a. 1125 Passio Karoli c. 3. S. S. XII, 563, 27.

4) Passio Karoli c. 3. S. S. XII, 563, 25. Walteri v. Karoli c. 11,

S. S. XII, 544, 5 und Herimanni lib. de restaurat. S. Mart. Tomac.

cont. c. 13. S. S. XrV, 323, 2.

5) a. 1218 Magdbg. Schöppenchr. St. Chr. VII, 143, 3.

6) a. 1226 Sachs. Weltchr. M. G. Deutsche Chr. 11, 245, 15.

7) a. 1225 Caes. Heisterbac. v. Engelb. lib. I, c. 8, Böhm. Font. II, 304.


76 Notstandspolitik von Fürsten und Städten.

Von Preistaxen hören wir zweimal. War aber ihre Durchführung

selbst Karl dem Grrofsen nicht gelungen, so dürfen wir

uns nicht wundern, wenn auch in diesen beiden Fällen das Mittel

versagte. 1118 war in Lüttich der Weizenpreis für den Modius

auf 5 s. festgesetzt worden, verkauft wurde er zu 11 s.^) Die

Bürger von Köln hatten für ihren Markt einen Preis von 3 s.

für den Malter Roggen eingeführt; als nun Anfang des Sommers

1146 auf dem Lande der Preis höher war, — es handelte

sich dabei keineswegs um eine Hungersnot, — und sie versuchten,

ihren Preis aufrecht zu erhalten, hielt die Zufuhr zurück

und die Stadt kam in drückende Not.^)

Sonst ist kaum noch etwas von einer Wohlfahrtspolitik

des Staates oder der städtischen Behörden erhalten. Nur noch

einiges von der Thätigkeit Karls von Flandern wäre zu erwähnen.

Irgendwie bedeutendere organisatorische Mafsregeln

trifft er nicht, sondern wie ein guter Hausvater sorgt er für

das Wohl seiner Unterthanen und sucht im Ganzen nur die

augenblickliche Not zu lindern. Seinen Hörigen erläfst er ihre

Abgaben. In der Art eines geistlichen Fürsten seiner Zeit

ernährt er viele Arme, er verteilt selbst Brot unter sie, —

7800 Brote soll er einmal an einem Tage fortgegeben

haben — , und täglich pflegte er einen Armen vollkommen

mit Kleidern zu versehen. Auf jedem seiner Güter liefs er

100 Armen Unterhalt gewähren, und von seiner eigenen Tafel

gab er soviel fort, dafs er davon täglich 113 Hungrige speiste.

Als eine sehr weise Mafsregel erscheint es dem Verfasser

seiner Vita, dafs der Graf den Bäckern befahl, an Stelle der

Brote, die sonst einen Denar kosteten, zwei halb so grofse

Brote herzustellen, damit der arme Mann sich auch schon für

einen Obol ein Brot kaufen könnte. Weiter befahl er, die

Hälfte des Feldes anstatt mit Getreide mit Erbsen und Bohnen

zu bestellen, damit das Volk auf diese Weise schneller neue

Lebensmittel erhielte.^)

Das wenige, was von Seiten der städtischen Obrigkeiten

in Notzeiten geschah, habe ich schon früher bei anderer

Gelegenheit erwähnt. In Strafsburg verteilte man einmal

100 Viertel Roggen unter die Armen, und der Rat von Prag

traf einige Anordungen zur Aufrechterhaltung der Ordnung.

Sonst beschränkt sich die Thätigkeit der Behörden auf die

Fortschaffung der Leichen. Auch darüber ist schon früher

gehandelt worden.

1) a. 1118 Canonici Leod. ehr. ryth. S. S. XII, 418, v. 267.

2) a. 1246 Chr. reg. Col. cont. V, M. G. S. S. kl. Ausg. 288.

3) Passio Karoli c. 2 u. 3, S. S. XII, 562 u. Walteri v. Karoli c. 11,

S. S. XII, 544.


Kirchliche Notstandspolitik. 77

Kirchliche Notstandspolitik.

Viel wichtiger aber und viel wirksamer als die Thätigkeit

des Staates war die wirklich grofsartige Weise, in der

die kirchlichen Institute des Mittelalters sich während jeder

Hungersnot der zahllosen Armen und Heimatlosen annahmen

und sie mit den gröfsten Opfern zu erhalten suchten. Immer

wieder wird berichtet, wie in den Notjahren die Armen aus

dem ganzen Lande in die nächste Stadt oder zu einem grofsen

Kloster zogen. Da erwuchsen dann der Kirche ganz ungeheuere

Aufgaben. Nun werden ja die Bistümer und Klöster

aus den Erträgen ihrer Grundherrschaften oft grofse Vorräte

besessen haben, aber häufig erfahren wir, dafs diese Vorräte

doch bald aufgezehrt waren. Bis zu der Vorsicht, in Zeiten

des Überflusses für aufserordentliche Notstände im Voraus

eine Reserve anzusammeln, kam man offenbar nur selten.

Abt Olbert von Gembloux, der das that, erhält von Sigebert

dafür den ehrenden Beinamen eines zweiten Joseph.^) Grofse

Magazine besafs auch der deutsche Orden in seinen Burgen

und öffnete sie 1315 zur Unterstützung der Notleidenden.^)

Im Ganzen aber beschränkt sich auch die Kirche auf das

thatkräftige Eingreifen im Augenblick der Not selbst. Genügen

die eigenen Vorräte nicht, so sucht man sich durch grofse

Ankäufe zum Teil in ziemlich entfernten Gegenden Getreide

zu verschaffen. Die Mönche von Afflighem lassen sich aus

der Gegend der oberen Scheide ein Schiff mit Getreide

kommen.^) 1224 bringen für Erzbischof Engelbert von Köln

Getreideschiffe Vorräte aus der Mainzer Gegend. In dem

grofsen Notjahre 1197 erzählt Caesarius von einem Mönche

aus einem westfälischen Kloster, der zum Einkauf von Korn

an den Rhein kam.*) Auch der vorsorgliche Bischof Meinwerk

von Paderborn läfst einmal zwei Schiffe mit Getreide

aus Köln kommen.^)

Grofse Summen wandten die Klöster für diese Getreideankäufe

auf. In Zwifalten gab der Elemosynarius 20 mr. zu

diesem Zwecke aus.^) In Stederburg^) gebraucht man 1166

30 mr. und im Jakobskloster in Lüttich sogar über 100 mr.

von Epiphanias bis zum August 1197.^)

1) a. 1044 G. abb. Gembl. S. S. Vm, 539, 50.

, 2) a. 1315 Ann. Lubic. S. S. XVI, 424, 25.

3) a. 1165 Auct. Afflig. S. S. VI, 402, 47.

4) a. 1197 Caes. Heisterbae. Dialog, miraculorum ed. Strange

dist. IV, c. 67. vol. I, p. 235.

5) a. 1025 V. Meinwerci c. 151. S. S. XI, 138, 29.

6) a. 1098 Bertholdi Zwifalt. ehr. S. S. X, 111, 47.

7) a. 1166 Ann. Stederburg. S. S. XVI, 209, 45.

8) a. 1197 Reiner S. S. XVI, 652, 50.


78 Kirchliche Notstandspolitik.

Genügte das Geld, das man besafs, nicht, so griff man

den Schatz der Kirche an, um aus dem Erlöse Brot für die

Armen zu kaufen. Als Abt Richard von St. Vannes alles,

was er besafs, fortgegeben hatte, verkaufte er den ganzen

Kirchenschatz nach Rheims.-^) Caesarius erzählt, dafs ein

westfälisches Kloster mit den heiligen Geräten auch seine

Bücher verpfänden mufste.^) Vom Abte eines Augsburger

Klosters hören wir, dafs er, um der allgemeinen Not zu steuern,

seine eigenen Güter verpfändete.^) Bischof Altmann von

Passau verkauft sein ganzes Hausgerät, usque ad ipsum liuteamen,

wie die Vita sagt.*) In Königsaal mufs man in der

Not den Kirchenschatz den Juden verpfänden.^) Besonders

zum Verkaufe eigneten sich die grofsen kostbaren Antependieu.

In Petershausen und anderen Klöstern machte man sie zu

Gelde.6)

Lobbes

In der Not verschuldeten die Klöster nicht selten.

litt noch viele Jahre unter einer solchen Schuld, die man 1142

beim Ankauf von Getreide gemacht hatte.'') Ebenso mufste

Afflighem sich 1155 das Geld zu einem gröfseren Getreidekauf

leihen.^) In Sankt Georgen machte man 1101, wie die

V. Theogeri angiebt, zur Bestreitung der täglichen Bedürfnisse

eine

Schuld von 60 Pfund Silber.^)

Die Bischöfe und Äbte sorgten persönlich für die Pflege

der Notleidenden. Die Ann. Fuld. erzählen, wie Bischof Hrabanus

von Mainz während der Hungersnot von 850 in Winkel

die Armen täglich speiste.^") Heribert von Köln liefs durch

andere die Flüchtlinge, die in die Stadt gekommen waren,

reichlich verpflegen; er selbst aber mischte sich unerkannt

unter die Armen, um sie zu trösten und ihre Wünsche zu erfahren.

^^) Otto von Bamberg ruhte Tag und Nacht nicht in

seiner Fürsorge, auf den Strafsen und in den Häusern be-

1) Hugonis Flaviac. ehr. S. S. VIII, 400, 9; vgl. auch a. 1125 Herim.

lib. de restaurat. S. Mart. Tornac. cont. c. 13. S. S. XIV, 323, 4; a. 1176

Roberti. canon. S. Mariae Autissod. ehr. S. S. XXVI, 241, 23.

2) a. 1197 Caes. Heisterbac. dialog. miracul. dist. IV, c. 67 ed.

Strange I, p. 235.

3) a. 1147 V. S. Udalrici prioris Cellensis c. 7 S. S. XII, 255, 27.

4) a. 1082 V. Altmanni episc. Patav. c. 25 S. S. XII, 237, 1.

5) a. 1282 Königsaal. G. Q. c. 13. Fontes rer. Austr. VIII, 57.

6) a. 1226 Casus monast. Petrishus. lib. IV, e. 21. S. S. XX, 666,

19; Simonis G. abb. S. Bertini Sith. lib. II, c. 81. S. S. XIII, 651, 18;

a. 1177 Ann. S. Benigni Divion. S. S. V, 45, 29.

7) a. 1142 G. abb. Lobb. S. S. XXI, 329, 11.

8) a. 1155 Auct. Afflig. S. S. VI, 402, 46.

9) a. 1101 V. Theogeri abb. S. Georgii lib. I, e. 19. S. S. XII, 457, 50.

10) a. 850 Ann. Fuld. M. G. S. S. kl. Ausg. 40.

11) a. 1005 V. Heriberti e. 7. S. S. IV, 745, 32.


Kirchliche Notstandspolitik. 79

suchte er die Hungernden. Sein Biograph Heribord erzählt

ausführlich, wie er bei einem solchen Gange die Leiche einer

verhungerten Frau gefunden und sich nicht gescheut hätte,

selbst mit seinem Diener den Leichnam auf den Kirchhof

zu tragen.^) Wazo von Lüttich wendet nicht nur für die

öffentliche Speisung der Armen täglich ein Pfund Denare auf,

sondern denkt auch noch daran, denen, die sich zu betteln

schämen, heimlich Korn zukommen zu lassen.^) In Neumünster

verteilte in Vicelins Auftrage der Priester Thetmar

Nahrung au die Bedürftigen. Er gab so reichlich, dafs er das

Kloster bald selbst in Not zu bringen drohte und man vor

ihm die Vorratskammern schliefsen mufste. Der fromme

Mann wufste sich aber doch heimlich Eingang in die Scheunen

zu verschaffen und nahm weiter Getreide und gab es den

Armen. Die Getreidekammern aber füllten sich durch die Gnade

Gottes wieder von selbst.^) Dasselbe Wunder wiederholt sich

auch an anderen Orten.*) In Heisterbach ermahnt der Abt

den Bäcker, haushälterischer mit den Vorräten umzugehen

und die Brote für die Armen kleiner zu machen. Der aber

mufs antworten: „Glaube mir, Herr, als Teig sind sie kein,

aber im Backofen wachsen sie, klein werden sie hineingeschoben,

und grofs kommen sie heraus." Und derselbe Bäcker

erzählte dem Schreiber weiter, dafs auch der Mehlvorrat in

den Säcken gewachsen wäre. ^)

Meist erhielten die Armen nur Brot als das wichtigste

Nahrungsmittel oder auch rohes Getreide. Der Abt von

Heisterbach aber läfst noch dazu für seine Pfleglinge täglich

einen ganzen Ochsen mit allerhand Gemüse kochen.^) Weiter

werden auch noch Kleider und einige Male auch Geld unter

die Armen verteilt. Otto von Bamberg giebt jedem der

Armen, als er sie zur Ernte entläfst, 1 d. als Zehrgeld mit

und eine Sichel.^) Ähnlich die Mönche in Riddagshausen ; bis

zur Erntezeit hatten sie ihre Pfleglinge durchgefüttert, do

geven se islikem armen minschen ein sekelen und ein brod und

heiten se gan arbeiden und sniden.^)

1) a. 1125 Heribordi V. Ottonis lib. I, c. 31 u. 32. S. S. XX, 715.

2) a. 1042 Anselm g. eps. Leod. c. 53. S. S. VII, 221, 11.

3) a. 1147 Helmold. lib. I, c. 66 M. G. S. S. kl. Ausg. 127.

4) Miraculi S. Volquini abb. in Sichern ed. F. Winter, Die Cistercienser

im nordöstl. Deutschland, Bd. 1, p. 371, 372 u. 378; a. 1316

Brem. Chr. von Rynesberch ed. Lappenberg. G. Q. d. Erzstifts u. der

Stadt Bremen 86.

5) a. 1197 Caes. Heisterbac. dist. IV, c. 65 ed. Strange p. 233.

6) a. 1197 Caes. Heisterbac. ibid. p. 232.

7) a. 1125 V. Ottonis I, c. 33 S. S. XX, 716, 1.

8) a. 1316 Magdebg. Schöppenchr. St. Chr. VII, 186.


80 Kirchliche Notstandspolitik.

An verschiedenen Stellen werden Angaben über die Zahl

der täglich Unterstützten gemacht. Mehr als 300 Arme soll

Bischof *Hraban täglich gespeist haben. ^) Ebenso sorgte

Arnold von Mainz persönlich für 300 Notleidende.^) Im Notjahre

1316 ernährten die Cistercienser in Riddagshausen täglich

über 400 Arme von den Fasten bis zur Ernte ^). In

Heisterbach sollen einmal an einem Tage 1500 Arme gespeist

worden sein.*)

Einige Male zeigen sich die ersten Anfänge zu einer

Organisation der Wohlfahrtspflege. Während einer schweren

Hungersnot kamen einmal die französischen Bischöfe zusammen,

um über Hülfsmafsregeln zu beraten.^) Bischof Heribert

pflegte in Köln selbst die Notleidenden, in anderen Städten

seiner Diözese hatte er zuverlässige Kleriker angestellt, denen

er Geld zugehen liefs, damit sie Getreide einkauften und es

wieder unter die Armen verteilten.^)

Bischof Reginard von Lüttich verteilt 1200 Notleidende

auf 4 Stationen, je 300 werden in LütticK,' Huy, Dinant und

Fosse unterhalten. Besondere Fürsorge für die eigenen üuterthanen

zeigt Meinwerk von Paderborn. Er bestimmt, dafs von

den Einkünften seiner Güter in Yelau und Teisterbang y^^ dem

Villicus zufallen sollen, y^ erhalten die Hörigen verteilt nach

den Köpfen jeder Haushaltung, y^ die sonstigen Notleidenden

und y^ wird zur neuen Aussaat bestimmt. Bischof Wazo von

Lüttich liefs während eines Notjahres jedem seiner Bauern

wöchentlich 2 d. auszahlen, damit sie nicht ihre Rinder verkaufen

müfsten und dann das Feld unbestellt bliebe.') 1006

hatten sich grofse Scharen Notleidender in St. Trond. eingefunden,

aber Abt Adelard will nicht unnötig seine Vorräte

verschwenden. Er fragt also die Einzelnen, wessen Hörige sie

wären, und nur wer dem heiligen Trudo gehört, wird aufgenommen,

alle anderen schickt er unerbittlich zu ihren

Klöstern zurück.^)

Als etwas wirklich Neues und für seine Zeit sehr Bemerkenswertes

liefs Bischof Reginard von Lüttich Notstandsarbeiten

ausführen. Er beschäftigte die Notleidenden, die sich

zu betteln schämten, beim Bau einer Brücke, elemosina magni

1) a. 850 Ann. Fuld. kl. Ausg. 40.

2) a. 1151 Vita Amoldi laffe. Bibl. III, 609.

3) a. 1316 Magdeb. Schöppenchr. St. Chr. VII, 186.

4) a. 1197 Caes. Heisterbac. Dialog, dist. IV, c. 65, p. 232.

5) a. 1032 Hugonis Flaviac. ehr. lib. II, c. 27. S. S. VIII, ;{9S), 50.

C.) a. 1005 V. Heriberti c. 7 S. S. IV, 745, 27.

7) a. 1043 Anselmi g. episc. Leod. c. 53 S. S. VII, 221, 21.

8) a. 1006 G. abb. Trud. lib. I, c. 1 S. S. X, 229, 30.


Kirchliche Notstandspolitik. 81

pontis*) nennt es der Chronist. Noch weiter geht ein Abt

von Gembloux; er läfst nicht nur den Kirchbau vollenden

und eine Kapelle neu erbauen, sondern er läfst auch alle alten

Gebäude des Klosters niederreifsen, um bei ihrem Wiederaufbau

die Armen zu beschäftigen.^)

1) a. 1031 Ruperti ehr. S. Laurentii Leod. S. S. Vm, 274, 40.

2) Wassermann, Die Hungerjahre u. s. w. Katholik 1892, 3. Folge,

Bd. V citiert: „Anselm. Gembl. ehr. in Pistor. S. S. I, 1013." Das Citat

war nicht aufzufinden, der Text von Pistorius S. S. rer. Germ. I besitzt

in allen drei Auflagen nur ca. 960 Seiten, Anselms Fortsetzung Sigeberts,

die offenbar gemeint sein mufs, reicht nur bis 1185.

Leipziger Stadien VI. 1: Curschmann, Hungersnöte.


Tabellen über Daner nnd Ansdebnnng der einzelnen

Hnngersnöte.


Tabellen über Dauer u. Ausdehnung d. einzelnen Hungersnöte. 83


84 Tabellen über Dauer und Ausdehnung

5^


der einzelnen Hungersnöte. 85

d

2 «


n.

CHEONIK DER ELEMENTAEEN EßEIGNISSE.


Die folgende Zusammenstellimg will eine möglichst vollständige

Chronik der elementaren Ereignisse für die Zeit von 700— 1317 geben.

Es ist über eine Zusammenstellung des Materials nur für die Notjahre

hinausgegangen worden, um, so weit es möglich war, auch ein Bild von

den zwischen den Zeiten wirtschaftlicher Depression liegenden normalen

oder guten Jahren zu geben. Die grofsen Volkskrankheiten sind als ein

Faktor, der auch das Wirtschaftsleben beeinflufst, vollständig mit behandelt

worden, dagegen sind Nachrichten über Himmelserscheinu/ngen nur

gegeben worden, wo sie mit Notjahren in Verbindung stehen; ausgeschieden

sind im allgemeinen Nachrichten über Erdbeben, da sie in Deutschland

keinen Einflufs auf das wirtschaftliche Leben haben.


709. Ann. Laueksh. S. S. I, 22 (Ann. Alam. = Ann. Nazariani =

Ann. Sangall. mai. = Ann. Alth. = Ann. Heremi = Ann. Mosellani).

Vernus durus et deficiens fructus.

711. Ann. Laukesh. S. S. I, 24 (= Ann. Alam. = Ann. Nazar. ==

Ann. Alth. = Ann. MoseU.). Aquae inundaverunt valde.

722. Ann. Lauresh. S. S. I, 24 (= Ann. Alam. = Ann. Nazariani =

Ann. Sangall. maior. = Ann. Heremi = Ann. Alth. = Ann. Mosell.).

Magna fertilitas.

763. Hungersnot in Südfrankreich und den Mittelmeerländern (Chr.

Moissiac), ein sehr harter Winter scheint die Ursache zu sein. Che.

MoissiACENSE S. S. I, 294, 32. Anno 762 gelu magnum Gallias, Illyricum

et Thraciam deprimit, et multae arbores olivarum et ficulnearum

decoctae gelu aruerunt; sed et germen messium aruit; et supervenienti

anno praedictas regiones gravius depressit fames, ita ut multi homines

penuria panis perirent. ||

Ann. Einhabdi M. G. S. S. kl. Ausg. 23

(= Ann. reg. Franc. = Ann. Tiliani = Ann. Mett. = Ann. Lauriss.

min. a. 764). Facta est autem eo tempore tam valida atque aspera hiems,

ut inmanitate frigoris nullae praeteritorum annorum hiemi videretur

posse conferri. ||

Ann. Weissenbdbg. a. 763—846 S. S. I, 111 (= Ann. Lausann).

Hiems valida. ||

Ann. Jüvaven. maioe. sdppl. S. S. IH, 122, 17.

Hiemps magna. Ann. Juvavenses minobes S. S. I,

||

88. Hiemps fortissimus.

Ann. S. E.mmer. Eatispon. maior. S. S. I, 92. Hiemps magnus erat.

II

764. Ann. S. Amandi S. S. I, 10 (= Ann. Petav.). Tunc fuit ille

gelus pessimus, et coepit 19. Cal. Januarii (14. Dec), et permansit usque

in 17. Cal. Aprilis (16. März). Ann. Maxim. S. S. XÜI, 21, 8. Hiemps

magnus erat. Ann. Altah. M. G. S. S. kl. Ausg. 3 (= Hersf. Ann.).

||

Hiems dura.

||

Ann. Fuldenses (Einhaedi) pbs. I, M. G. S. S. kl. Ausg. 8

(= Ann. Sith. = Ann. Bland, a. 763). Hoc anno contigit hiems valida

et praeter solitum prolixa.

||

Ann. Füld. antiquissimi M. G. S. S. kl. Ausg.

137. Hie hiemps dura.

766. Ann. Weissenbg. a. 763—846 S. S. I. 111. Hiems grandis.

772. Ann. eegni Franc. M. G. S. S. kl. Ausg. 34. Et fuit siccitas

magna, ita ut aqua deficeret in supradicto loco, ubi Ermensul

stabat; et dum voluit ibi duos aut tres praedictus gloriosus rex stare

dies famem ipsum ad perdestruendum et aquam non haberent, tunc

subito divina largiente gratia medio die cuncto exercitu quiescente in

quodam torrente omnibus hominibus ignorantibus aquae effusae sunt

largissimae, ita ut cunctus exercitus sufficienter haberet. (Ganz ähnliche

Berichte finden sich in den Ann. Einhardi, Ann. Fuld. und Ann.

Tiliani.)

779. Grofse Hungersnot im Frankenreiche; die räumliche Ausdehnung

läfst sich nicht genauer bestimmen, da alle Annalen aus derselben

Quelle geschöpft zu haben scheinen. Eine Bestätigung der Annalennachrichten

bietet ein Capitulare aus dem Jahre 779 oder vielleicht richtiger

nach Boretius Anfang 780. \\

Ann. Laueesham. S. S. I, 31 (== Ann. Mosell.

= Ann. Alam. = Ann. Sangall. maior. u. breves). Fames vero magna


,

90 Chronik der elementaren Ereignisse.

et mortalitas in Francia. ||

Ann. Colonienses ed. Wattenbach: eccl. mktkopoLiT.

Colon. Codices manusceipti, p. 127. Farnes magna.

780. ^) Capitül. episcoporum Boeetius I, 52, No. 21. Capitulare

qualiter institutum est in hoc episcoporum consensu: id est ut unusquisque

episcopus tres missas et psalteria tria cantet, unam pro domno

rege, alteram pro exercitu Francorum, tertiam pro presenti tribulatione

presbiteri vero unusquisque missas tres, monachi et monachae et canonici

unusquisque psalteria tria. Et biduanas omnes faciant tam episcopi,

monachi et monachae atque canonici, atque eorum infra casatum

homines, vel qui potentes sunt. Et unusquisque episcopus aut abbas vel

abbatissa, qui hoc facere potest, libram de argento in elemosinam donet,

mediocres vero mediam libram, minores solidos quinque. Episcopi

et abbates atque abbatissae pauperes famelicos quatuor pro isto inter

se instituto nutrire debent usque tempore messium; et qui tantum non

possunt, iuxta quod possibilitas est, aut tres aut duos aut unum. Comites

vel fortiores libram unam de argento aut valentem, mediocres

mediam libram; vassus dominicus de casatis ducentis mediam libram,

de casatis centum solidos quinque, de casatis quinquaginta aut triginta

unciam unam. Et faciant biduanas atque eorum homines in eorum casatis,

vel qui hoc facere possunt ; et qui redimere voluerit , fortiores

comites uncias tres, mediocres unciam et dimidiam, minores solidum

unum. Et de pauperes famelicos, sicut supra scriptum est, et ipsi faciant.

Haec omnia, si Deo placuerit, pro domo rege et pro exercitu

Francorum et praesente tribulatione missa sancti Johannis sit completum.

783. Ann. Laukesh. S. S. I, 32 (= Ann. Mosell.). Et fuit estus

tam vehementer calidus, ita ut plurimi homines de ipso calore expirarent.

784. Ann. Laukesh. S. S. I, 32 (= Ann. Mosell.). Nee non et

inundatio aquarum valida fuit.

785. Ann. hegni Fuancok. M. Gr. S. S. kl. Ausg. 68. Tunc domnus

rex Carolus supradictum iter peragens usque ad Rimee pervenit super

fluvium Wisora, ubi confluit Waharna. Et propter nimiam inundationes

aquarum inde reversus est Eresburgum.

786. Ann. Lauresh. S. S. I, 33. Wunderbare Himmelserscheinungen

und andere Vorzeichen unde pavor ingens et metus in populo irruit, ac

mortalitas magna postea secuta est.

790. Hungersnot in Lothringen (Ann. Flaviac). \\

Ann. Flaviacenses

S. S. m, 151, 27. Famis exritur.

791. Ann. Einhardi M. Gr. S. S. kl. Ausg. 91. Facta est haec expeditio

sine omni rerum incommodo, praeter quod in illo, quem rex

ducebat, exercitu tanta equorum lues exorta est, ut vix decima pars

de tot milibus equorum remansisse dicatur.

792. Zur Zeit der Ernte beginnt eine weit verbreitete Hungersnot

(Ann. MoseU.). \\

Ann. Mosellani S. S. XVI, 498, 15. Caepit autem eodem

anno statim tempore messis tanta famis esse, quae qualiter, vel

quousque excreverit, sequentis anni describit ordo.

793. Weit über das ganze Frankenreich verbreitete Hungersnot

(Ann. Lauresh., Ann. Mosell., Ann. S. Quint. Veromand., Ann. S. Germ,

min. — a. 794 Synod. Franconof.). ||

Ann. Lauresh. S. S. I, 35. Et in

ipso hieme transmisit rex 4uos filios suos Pippinum et Hluduwicum cum

hoste in terra Beneventana; et facta est ibi famis validissima, et

super populum illum quem ibi inventus est, et super exercitum qui advenerat,

ita ut aliquanti nee ipsam quadringensimam se ab esu camium

abstinere poterant. Sed et famis valida in Burgundia et per ali-

1) Datierung nicht sicher, s. Boretius.


;

Chronik der elementaren Ereignisse. 91

qua loca in Francia incumbebat, ita ut multi ex ipsa fame mortui

fuissent. ||

Ann. Mosellani S. S. XVI, 498, 23. Famis vero, quae anno

priori caepit, in tantum excrevit, ut non solum alias immundicias, verum

etiam, peccatis nostris exigentibus, ut homines homines, fratres fratres

ac matres filios comedere coegit. Ostensa autem eodem anno

in ipso regno per diversa loca vemo tempore falsa annona per campos

et Silvas atque paludes innummera multitudo, quam videre et tangere

poterant, sed comedere nuUus. ||

Ann. S. Quintini Veromandensis S. S.

XVI, 507, 15. Farnes valida. ||

Ank. S. Gehmani min. S. S. IV, 3, 25.

Fuit fame 8 maxima in Frantia. *)

794. Ann. Mosellani S. S. XVI, 498, 34. Fuit eo anno siccitas

magna, sed tarnen largiente Deo et abundantia bona. Synodus FbancoNOFüKTENSis

c. 4 u. c. 25. Boret. I, 74 u. 76, No. 28. — c. 4. Statuit

||

piissimus domnus noster rex, consentienti sancta synodo, ut nullus homo,

sive ecclesiasticus sive laicus sit, ut nunquam carius vendat annonam,

sive tempore abundantiae sive tempore caritatis, quam modium

publicum et noviter statutum, de modio de avena denario uno,

modio ordii denarius duo, modio sigalo denarii tres, modio

frumenti denarii quatuor. Si vero in pane vendere voluerit, duodecim

panes de frumento, babentes singuH libras duas, pro denario '^dare

debeat, sigalatius quindecim aequo pondere pro denario, ordeaceos viginti

similiter pensantes, avenatios viginti quinque similiter pensantes. De

vero anona publica domni regis, si venundata fuerit, de avena

modius II pro denario, ordeo den. I, sigalo den. II, frumento

modius denar. III. Et qui nostrum habet beneficium, diligentissime

praevideat, quantum potest Deo donante, ut nullus ex mancipiis ad illum

pertinentes beneficium famem moriatur; et quod superest illius familiae

necessitatem, hoc libere vendat iure praescripto. c. 25. Ut decimas et

nonas sive census omnes generaliter donent qui debitores sunt ex beneficia

et rebus ecclesiarum secundum priorum capitularum domni regis

et omnis homo ex sua proprietate legitimam decimam ad ecclesiam conferat.

Experimento enim didicimus in anno quo illa vaUda fames inrepsit,

ebullire vacuas anonas a daemonibus devoratas et voces exprobrationis

auditas.

797. Ann. Flaviacenses S. S. III, 151, 34. Siccata fluminum idem

maris.

801. Ann. LoBDENSES S. S. XIII, 230, 40. In Germania quoque et GalUa

quaedam loca propter Rhenum tremuerunt, et pestilentia magna

hominum etpeccorum propter mollitiem hiemis extitit. ||

Ann. begni

Fbancob. M. G. S. S. kl. Ausg. 114. Pestilentia propter moUitiem

hibemi temporis facta

borumque lues fieri

est. ||

Poeta Saxo S. S. I, 260.

permaxima coepit.

Erdbeben Mor-

803. Ann. eegni Fbancob. M. G. S. S. kl. Ausg. 117 (= Ann. Max.

= Ann. Ottenb.). Hoc hieme circa ipsum palatium et finitimas regiones

terrae motus factus et mortalitas subsecuta est.

805. Ende des Jahres beginnt eine weitverbreitete Hungersnot (Cap.

miss. in Theod. viUa dat.).

|1

Cap. miss. in Theod. villa dat. secünd. qeneiläxk

c. 4. Boret. I, 122, No. 44, c. 4. De hoc si evenerit fames, clades, pestilentia,

inaequalitas aeris vel alia qualiscumque tribulatio, ut non expectetur

edictum nostrum, sed statim depraecetur Dei misericordia. Et

in praesenti anno de famis inopia, ut suos quisque adiuvet prout

1) Die Annalen setzen die Hungersnot 791 an, sie datieren aber

sehr häufig in den unmittelbar vorhergehenden Jahren durchgehend alle

Ereignisse 2 Jahre zu früh, die Nachricht kann sich daher nur auf die

Hungersnot von 793 beziehen.


;

92 Chronik der elementaren Ereignisse.

potest et suam annonam non nimis care vendat; et ne forisimperium

nostrum vendatur aliquid alimoniae.

806. Im Frankenreiche weit verbreitete Hungersnot, wie sich aus den

ganz allgemeinen Anordnungen der beiden Kapitularien ergiebt. \\

Cap. miss.

NiUMAGAE DAT. c. 17 u. 18. Boret. I, 132, No. 46. — c. 17. Quicumque enim

tempore messis vel tempore vindemiae non necessitate sed propter cupiditatem

comparat annonam aut vinum, verbi gratia de duobus denariis

comparat modium unum et seryat usque dum iterum venundare possit

contra dinarios quatuor aut sex seu amplius, hoc turpe lucrum dicimus

si autem propter necessitatem comparat, ut sibi habeat et aliis tribuat,

negotium dicimus. c. 18. Consideravimus itaque, ut praesente anno,

quia per plurima loca fames valida esse videtur, ut omnes episcopi,

abbates, abbatissae, obtimates et comites seu domestici et cuncti

fideles qui beneficia regalia tam de rebus ecclesiae quamque et de reliquis

habere videntur, Unusquisque de suo beneficio suam familiam

nutricare faciat, et de sua proprietate propriam familiam nutriat; et si

Deo donante super se et super familiam suam, aut in beneficio aut in

alode, annonam habuerit et venundare voluerit, non carius vendat

nisi modium de avena dinarios duos, modium unum de ordeo

contra dinarios tres, modium unum de spelta contra denarios

tres si disparata fuerit, unum de sigale contra denarios

quattuor, modium unum de frumento parato contra denarios

Cap. per

sex. Et ipsum modium sit quod Omnibus habere constitutum est, ut

unusquisque habeat aequam mensuram et aequalia modia.

EPISCOPOS ET COMITES NOTA FACIENDA,') BoEETIUS CaP. I, 141,

|]

C. 1, No. 54.

Capitula quae volumus, ut episcopi, abbates et comites qui modo ad casam

redeunt per singula loca eorum nota faciant et observare studeant,

tam infra eorum parrochias et missaticos seu ministeria eorum convicinantium

qui in exercitu simul cum equivoco nostro perrexerunt.

c. 1. Ut indigentibus adiuvare studeant de annona, ita ut famis periculum

non pereant.

807, Erleichterungen im Heeresdienst für die ärmeren Klassen, die

durch die Hungersnot des vergangenen Jahres schwer betroffen sind.

(Memorat.) Ende des Jahres droht wieder eine Hungersnot. (Episi. ad

Gaerbald.) Memokat. de exeecitu in Gallia occident. pbaeparando Boket.

j|

I, 134, No. 48. Memoratorium qualiter ordinavimus propter famis inopiam,

ut de ultra Sequane omnes exercitare debeant. Es folgen dann

Erleichterungen im Heeresdienste in der Art, dafs nicht alle Hufenbesitzer

ins Feld zu ziehen brauchen, sondern bei den ärmeren mehrere einen für

den Krieg ausrüsten. Karoli ad Ghaerbaddum episc. epist. Boret. I, 245.

No. 124.

\\

Ausschreiben eines neuntägigen Fastens, an je drei Tage im Becember,

Januar und Februar. Necessitates vero quas supra nos dicturos

esse promisimus, inter ceteras quas tamen hac vice commemorare necessarium

non duximus, haec sunt denique: conpertum habemus per fideles

nostros, qui nobis de singulis regni nostri partibus haec nuntiaverunt,

quod insolito more et ultra consuetum ubique terrae sterelitas

esse et famis periculum imminere videtur, aeris etiam intemperies

frugibus valde contraria, pestilentia quoque per loca, et paganorum

gentium circa marcas nostras sedentia bella continua, multa praeterea

quae et nunc enumerare longum est et nobis experimento possunt esse

notissima, si recordare volumus, qualia incommoda singulis diebus

propter merita nostra sentiamus. ||

Ann. Lauriss. min. S. S. I, 120, 37 et

1) Nach der Erwähnung eines Heereszuges Karls des Jüngeren

würden die Jahre 805, 806 und 808 in Betracht zu ziehen sein. Die Zusammenstellung

mit der Hungersnot läfst mit ziemlicher Gewifsheit eine

Datierung auf 806 zu.


Chronik der elementaren Ereignisse. 93

mortalitas maxima inmonasteriosanctiBonifatii . Ann.Altah.

(= Hersf. Ann.) M. G. S. S. kl. Ausg. 4.

||

Mortalitas Fulda.

808. Ann. regni Francob. M. G. S. S. kl. Ausg. 125 (= Ann. Xant.).

Hiemps mollissima ac pestilens fuit in illo tempore. Ann. S. Amandi

||

S. S. I, 14. Hoc anno fuit inundatio aquarum talis, qualis antea

numquam fuit in terra ista visa, et fuit 5. Kai. lanuarii (28. Dec.) altissima.

809. Hungersnot im Frankenreich (Cap. miss. Äquisg. prim.), gleichzeitig

die ersten Nachrichten über ein großes Viehsterben. (Poeta Saxo.

Chr. Moissiac.) ||

Capitulake missokum Aquisgranense primüm c. 24. Boret.

I, 151, No. 62. De debitis pauperum anterioribus et negotia facienda

antequam fructum collegatur: omnino inantea cavenda. Ut unusquisque

presenti anno sive liberum sive servum suum de famis inopia adiutorium

Poeta Saxo S. S. I, 263.

prebeat. ||

Undique praesentis pax laetificaverat anni

Cunctos imperii fines, sed tristia quaedam

Multis contigerant terris: nam sevior omni

Hoste nefanda lues peeudum genus omne peremit.

Noricus ista sinus fertur specialiter

Perpessus cum vicinis regionibus illi.

esse

Praeterea steriles hoc factae tempore vites,

Impenso sibimet nulla mercede labori

Respondent, spes est avidi frustrata coloni,

Chr. Moissiac. S. S. I, 309, 2. In illo anno venit mortalitas magna

II

animalium ab Oriente et pertransiit usque in occidentem.

Ann. reoni

810. Schwere Viehseuche im ganzen Frankenreiche.

||

Francor. M. G. S. S. kl. Ausg. 132 (= Ann. Fuld. I). Tanta fuit in ea

expeditione boum pestilentia, ut pene nullus tanto exercitui superesset,

quin omnes usque ad unum perirent; et non solum ibi sed etiam

per omnes imperatori subiectas provincias illius generis animalium mortalitas

inmanissime grassata est. ||

Ann. Xant. S. S. II, 224, 18. Et magna

mortalitas boum et aliorum animalium erat in ipso anno, et hiemps

valde dura.

||

Ann. Laübiss. min. S. S. I, 121, 12. Mortalitas bovum

maxima pene in tota Europa, nee non et hominum plurimorum, et

Hruothruda filia imperatoris et Pippinus filius eins. ||

Ann. Sith. S. S.

Xni, 37, 23. Boum pestilentia per totam Europam inmaniter

grassata est, et inde pulv[erum sparsjorum fabula exorta. *) ||

Ann. Axth.

(= Hersf. Ann.) M. G. S. S. kl. Ausg. 4. Mortalitas bou m. Ann. S.

93. Ehherahhi

lium fuit.

Ratispon. maior. S. S. I, Magna mortalitas

||

anima-

811. Ann. Laüriss. min. S. S. I, 121, 18. Hiemps fuit durissima,

perdurans usque ad finem Martii mensis.

813. Ann. Xant. S. S. H, 224, 28. Hiemps nimis dura.

816. A.NN. regni Franc. M. G. S. S. kl. Ausg. 143. Rhenus fluvius

Alpinis imbribus auctus ultra solitum exundavit.

819. Ann. Yburgenses ed. Forst. Osnabr. Geschichtsq. I, 177. Mortalitas

maxima hominum et iumentorum et fruges infoecundi

fiebant.

820. Hungersnot, vielleicht von bedeutender Ausdehnung (Ann. Sith.,

Herim. Aug.). *) ||

Ann. rbgni Francor. M. G. S. S. kl. Ausg. Hoc anno

1) vergl. dazu S. Agobardi episc. Lugdun. opera, ed. Papirius Massen,

Paris 1605, p. 156 abgedruckt Ann. regni Franc. M. G. S. S. kl. Ausg. 132

und Cap. miss. Aquisg. pr. c. 4. Boret. I, 153.

2) Die Ann. Sith. beruhen auf den alten Reichsannalen ; auf die-


Ann.

94 Chronik dier elementaren Ereignisse.

propter iuges pluvias et aerem nimio humore resolutmn magna incommoda

contigerunt. Nam et hominum et boum pestilentia tam inmane

longe lateque grassata est, ut vix uUa pars totius regni Francorum

ab hac peste inmunis atque Intacta posset inveniri Frumenta quoque

et legumina imbrium adsiduitate corrupta vel coUigi non poterant vel

collecta conputrescebant. Vinum etiam, cuius parvus proventus eodem

anno fuit, propter caloris inopiam acerbum et insuave fiebat. In qui-

de inundatione fluminum aquis in piano stagnantibus

busdam vero locis

autumnalis satio ita impedita est, ut penitus nihil frugum ante vemi

temperiem seminaretur. Luna deficit Viil Kai. Decembr. hora noctis

secunda. Ann. Sith. S. S. XlII, 38, 2. Propter nimietatem pluviarum

||

aer corruptus, et fames valida.

|1

Ann. Fuld. pr. I, M. G. S. S. kl. Ausg. 22.

Propter nimietatem pluviarum aere corrupto hominum et boum pestilentia

longe lateque ita grassata est, ut vix ulla pars regni Francorum

ab hac peste inmunis posset inveniri. Fruges quoque vel coUigi non

poterant vel collecta putruerunt. Vinum etiam propter caloris inopiam

acerbum et insuave fiebat. ||

Hebim. Aug. che. S. S. V, 102, 48. Ex inundatione

pluviarum nimia pestilentia magna et fames facta.

821. Ann. regni Franc. M. G. S. S. kl. Ausg. 157. Autumnalis satio

iugitate pluviarum in quibusdam locis inpedita est. Cui hiems in tantum

prolixa successit et aspera, ut non solum minores rivi ac mediocres

fluvii, verum ipsi maximi ac famosissimi amnes, Rhenus videlicet

ac Danubius Albisque ac Sequana caeteraque per Galliam atque Germaniam

oceanum petentia flumina, adeo solida glacie stringerentur, ut

tricienis vel eo amplius diebus plaustra huc atque illuc commeantia

velut pontibus iuncta sustinerent; cuius resolutio non modicum villis

iucta Rheni fluenta constitutis damnum intulit. ||

Ann. Xant. S. S. II, 224, 51

et

hiemps erat valde dura.

822. Hungersnot, nur durch eine Nachricht aus Köln (Ann. Cöl.)

belegt. Es läfst sich daher nichts Bestimmtes über Ausdehnung und Bedeutung

sagen, doch lassen zwei ebenso vereinzelte Nachrichten in den

beiden folgenden Jahren eine allgemeine Hungersnot in den Jahren 822

bis 824 vermuten. ||

Ann. Col. Iaffiö et Wattenbach Eccl. metbopol. Colon.

COD. Mss. 128. Fames valida.

823. Hungersnot nur durch eine Nach/rieht aus Begensburg belegt.

(Ann. S. Emeram.) regni Franc. M. G. S. S. kl. Ausg. 163 (:= Ann.

\\

Fuld. I). Vorzeichen Et in multis regionibus fruges grandinis

vastatione deletae atque in quibusdam locis simul cum ipsa grandine

veri lapides atque ingentis ponderis decidere visi; domus quoque de

caelo tactae hominesque ac caetera animalia passim fulminum ictu

praeter solitum crebro exanimata dicuntur. Secuta est ingens pestilentia

atque hominum mortalitas, quae per totam Franciam inmaniter

usque quaque grassata est et innumeram hominum multitudinem diversi

sexus et aetatis gravissime seviendo consumpsit. ||

Ann. S. Emerammini

Ratisponensis maiores S. S. I, 93. Hiemps magnus similiter siccitas

grandis et famis valida.

824. Schwere Hungersnot im Frankenreiche (Ann. reg. Franc), j]

Ann.

regni Franc. M. G. S. S. kl. Ausg. 164. Hiemps aspera valdeque

prolixa facta est, quae non solum caetera animalia, verum etiam homines

quosdam inmanitate frigoris extinxit. p. 165. Imperator vero iter, quod

in Brittaniam facere paraverat, propter famem, quae adhuc praevalida

selbe Quelle geht durch Vermittlung der Ann. Fuld. auch Herim. Aug.

zurück. Es ist auffallend, dafs sich in diesen beiden kurzen Ableitungen

die Nachricht von einer Hungersnot erhalten hat, während die ausführlicheren

Berichte der Ann. reg. Franc, und der Ann. Fuld. nichts davon

wissen.


Chronik der elementaren Ereignisse. 95

erat, usque ad initium autumni adgredi distulit. 166— 167. Hoc anno

paucis ante solstitium aestivale diebus (vor 24. Jun.) in territorio

Augustodunense aere in tempestatem subita mututione converso ingens

fragmetum ex glacie simul cum grandine decidisse narratur, cuius longitudo

quindecim, latitudo septem, crassitudo duos pedes habuisse dicitur.

834r. Ann. Xant. S. S. II, 226, 9. Eodem aimo aquae inundaverunt

valde super terram.

837. Ann. Xant. S. S. II, 226, 17. Ingens turbo ventorum frequenter

erumpebat, et Stella cometes —

838. Ann. Xant. S. S. II, 226, 21 u. 28. Hiemps pluvialis et ventosa

valde, et mense lanuario 12. Kai. Februarii (21. Jan.) tonitruum auditum

est, similiterque mense Februarii 14. Kai. Martii (16. Febr.) tonitruum

est auditum magnum, et nimis ardor solis terram urebat. 28.

7. Kai. lanuariorum (26. Dec.) ingens venti turbo ortus est, ita ut fluctus

maris valde inundabant super terminos et litus, miserabiliter innumerabilem

turmam humani generis in villis et vicis circum positis simul

cum edificiis consumpserunt. ||

Ann. Fuld. pks. I M. G. S. S. kl. Ausg. 28.

In festo sanctorum Mauricii et sociorum eins (22. Sept.) magna nix

ubique cecidit et duravit usque ad pascha in tota regione per 29 hebdomadas

(6. Aprl. 839). ||

Ann. Bertin. auct. Prüdentio M. G. S. S. kl. Ausg. 18.

Praeterea die septimo Kalendas lanuarii, die videlicet passionis beati

Stephani protomartyris (26. Dec), tanta inundatio contra moremmaritimorum

aestuum per totam paene Frisiam occupavit, ut aggeribus

arenarum illic copiosis, quos dunos vocitant, fere coaequaretur, et omnia

quaecumque involverat, tam homines quam animalia caetera et domos,

absumpserit; quorum numerus diligentissime conprehensus duorum milium

quadringentorum triginta septem relatus est. Acies quoque in caelo

igneas colorumque aliorum mensis Februarii, sed et Stellas igneos crines

emittentes crebro videri contigit.

839. Ann. Bert. auct. Pkudentio M. G. S. S. kl. Ausg 23. Imperatoris

exercitus continua autumni serenitate solisque inmentia non parum

incommoditatis expertus est. Nam febre maxima ex parte correptus,

partim occubuit, partim dificillima regressione reversus est. Qua imperator

necessitate compulsus, et asperitate hiemis imminentis detentus,

absoluto reliquo exercitu, ad Pictavos in hiberna concessit.

842. Frag. chr. Fontanell. S. S. II, 302, 5. Comet, Erdbeben. Secuta

est tussis validissima, de qua multi mortui sunt.

843. Infolge der inneren Kämpfe Hungersnot in vielen Teilen Frankreichs.

(Ann. Bert.) 1|

Ann. Bertin. aüct. Prüdentio M. G. S. S. kl. Ausg. 29.

Emergentibus igitur hinc inde tot tantisque incessabiliter malis, vastante

passim cuncta raptore, coacti sunt per multa totius Galliae loca

homines terram mixta paucitate farinae atque in panis speciem

redactam comedere. Nithardi lib. IV, c. 6. M. G. S. S. kl.

||

Ausg. 54. Fuit autem eadem hiemps (842— 43) praefrigida nimis

ac diutuma, langoribus insuper habundans, necnon et agriculturae peccorique

apibusque satis incongrua.

844. Ann. Bertin. aüct. Prüdentio M. G. S. S. kl. Ausg. 30. Hie ms

mollissima usque ad Kalendas Februarii (1. Febr.) quadam temperie

modificata.

846. Hungersnot in Nordfrankreich (Ann. Bert.). ||

Ann. Bertin. auct.

Prüdentio M. G. S. S. kl. Ausg. 32. Hiems asperrima. — Farnes

valida Galliae inferiora consumit, adeo ut multa hominum miUa

eadem invalescente absumpta sint.

||

Ann. Lausannenses S. S. XXIV, 779, 30.

Eodem anno 12. Kalend. Decembris (20. Nov.) lux nocte apparuit, ^) et

hiems valida fuit.

1) Entnommen aus Ann. Weifsenburg. ann. 783—846, a. 846 S. S. 1, 111.


96 Chronik der elementaren Ereignisse.

846. Ann. Bertiniani auct. Pkudkntio M. G. S. S. kl. Ausg. 33. Ventus

aquilo per totam hiemem usque ad ipsa fere Maii mensis initia acerrimus

segetibus et vineis incumbit. Ann. Blandinienses S. S. V, 23, 46.

||

Hiemps gravis valde.

860. Hungersnot in Mitteldeutschland und am Rhein (Ann. Fuld.).

j]

Ann. Füld. M. G. S. S. kl. Ausg. 40. Eeodem anno gravissima fames

Germaniae populos oppressit, maxime circa Rhenum habitantes;

nam unus modius de frumento Mogontiaci vendebatur

decem siclis argenti. Morabatur autemeo tempore Hr ab an us archiepiscopus

in quadam vi IIa parroechiae suae, cui vocabulum est Winkela,

et pauperes de diversis locis venientes suscipiens cotidie plus

quam trecentos alimento sustentabat, exceptis bis, qui in praesentia

illius assidue vescebantur. Venit autem et mulier quaedam inedia

pene consumpta cum puerulo parvulo inter ceteros refocillari desiderans,

quae, priusquam limen portae transcenderet, prae nimia inbecillitate

corruens spiritura exalavit; puer vero mamillam matris mortuae quasi

viventis de sinu protrahens et sugere temptans multos intuentes gemere

ac flere coegit. Quidam etiam in illis diebus de Grabfeidon cum

uxore sua et filio tenero in Thuringiam proficiscens ut malum

inopiae temperare potuisset uxorem in itinere in quadam silva positus

aflfatus est: „Nonne", inquit, „melius est, ut puerum istum occidamus

et manducemus cames eius, quam omnes inedia consumamur?" lUa vero

contradicente, ne tantum scelus committeret, tandem urgente fame filium

per vim de brachiis rapuit maternis et voluntatem opere complesset,

nisi Dens illum sua miseratione praevenisset. Nam, sicut idem postea

in Thuringia positus plurimis retulit, cum evaginasset gladium, ut

mactaret filium, et in ancipiti positus necem distulisset, vidit eminus

duos lupos super una cerva stantes et lacerantes cames eius, statimque

parcens filio ad cadaver cervae cucurrit et lupos inde abigens tulit de

camibus praegustatis et cum incolomi filio ad uxorem reversus est.

Prius enim, quando filium tulerat de manibus matris, paululum ab ea

declinaverat, ne illa morientem puerum videret vel audiret. At illa

veniente marito videns recentes cames et cruore perfusas putabat filium

occisum et cecidit retrorsum pene exanimis. Ille autem accedens

consolatus est eam et erigens illam ostendit ei puerum viventem. Tunc

illa resumpto spiritu Deo gratias egit, quia filium sanum recipere

meruit; nee minus ille, quod eum Deus a liberi interfectione innocuum

dignatus est conservare. Ambo tamen de camibus lege prohibitis necessitate

[coacti se recrearunt. |

Ann. Xant. S. S. II, 229, 10. Kalendis

lanuarii, id est octabas Dommi, eodem die ad vesperum tonitruum

auditum est magnum, et fulgur nimium visum est; et innundatio

aquarum ipsa hieme humanum genus affligebat. Et sequenti aetate

calor nimium solis terram urebat. Theologisches Gutachten für

Ludwig den Deutschen N. Arch. XI, 459.*) Cotidie nos hostis armis

circumtonat, continua rerum nos adterunt dispendia, famis quoque inaudita

penuria per omnem nostram crassatur regionem. His et aliis

innumeris pro peccatis nostris adtriti calamitatibus, oramus, ut manum

largissimam ad nos usque dignemini extendere.

852. Lokale Hungersnot am Niederrhein als Folge eines Einfalls

der Normannen. (Ann. Xant.) \\

Ann. Xant. S. S. II, 229, 27. Ferrum

1) Dümmler, der Herausgeber, hält mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit

Bischof Hrabanus von Mainz für den Verfasser und Ludwig

den Deutschen für den Empfänger des Gutachtens. Dann würde man

die erwähnte Hungersnot passend in das Jahr 850 setzen (Hraban f 856),

sicher ist diese Datierung aber nicht, s. N. A. XI, 457.


Chronik der elementaren Ereignisse. 97

paganorum incanduit; nimius ardor solis; et fames subsecuta est; et

pabula animalium defecerunt; et pastus porcorum exuberans.

853. Lokale Hungersnot in Sachsen. ||

Ann.

Xant. S. S. II, 229, 29,

Fames magna in Saxonia, ita ut multi equis alerentur.

855. Ann. Fuld. M. 6. S. S. kl. Ausg. 45. Aeris insolita commotio

turbinibus ac tempestatibus plagisque grandinum multis damnum

intulit. Fulminum ictibus aedes plurimae crematae sunt,

856. Ann. Bertiniani aüct. Prüdentio M. G. S. S. kl. Ausg. 46.

Hiems asperrima et sicca, pestilentia valida, qua magna pars

hominum absumitur.

857. Ann. Xant. S. S. U, 230, 3. Plaga magna vesicarum turgentium

grassatur in populo, et destabili eos putredine consumpsit, ita ut

menbra dissoluta,

ante mortem deciderent.

858. Ann. Bertiniani aüct. Prüdentio M. G. S. S. kl. Ausg. 48 u. 50.

p. 48. Erdbeben, quem etiam valida hominum mortalitas insequitur.

p. 50. Mense Maio in vico Leudico, in quo corpus sancti Landberti

episcopi quiescit, tanta subito pluviarum inundatio effusa est, ut

domos et muros lapideos seu quaecumque aedificia cum hominibus et

Omnibus quaecumque illic invenit usque ad ipsam ecclesiam memoriae

sancti Landberti violenta eruptione in Mosam fluvium praecipitaverit.

||

Ann. Corb. Iaffe Bibl. I, 33. Inundatio nimia.

860. Ann. Bebtin. auct. Prüdentio M. G. S. S. kl. Ausg. 53. Hiems

diutina et continuis nivibus ac gelu dira, a mense videlicet Novembri

usque ad Aprilem.

||

Ann. Xant. S. S. II, 230, 9. Nonas Februarii (5. Feb.)

tonitruum auditum est. 1|

Ann. Colonienses brkvissimi S. S. I, 97. Hyems

validus. Ann. Fuld. M. G. S. S. kl. Ausg. 54. Hibernum tempus

II

asperum nimis et solito prolixius erat frugibusque et arborum proventibus

pernoxium; nix quoque sanguinulenta in plerisque locis cecidisse

reperta est. Mare etiam lonium glaciali rigore ita constrictum

est, ut mercatores, qui numquam antea nisi vecti navigio,

tunc in equis quoque et carpentis mercimonia ferentes Venetiam frequentarent.

||

Ann. Axth. (= Hersf. Ann.) M. G. S. S. kl. Ausg. 6. Mortalitas

animalium. ||

Ann. Alam. cont. Sangall. I, S. S. I, 50. Hiems

magna, et mortalitas animalium.

861. Hungersnot, nur durch eine orginale Quellennachricht aus

Schwaben belegt. Ann. Alam. cont. Sangall. I, S. S. I, 50. Fames

||

validissima.

862. Hungersnot in Mitteldeutschland (Hersfeld. Ann. = Ann.

Hildesh.). Ann. Hildesheimenses M. G. S.

\\

S. kl. Ausg. 18. Fames

magna et morbus in Germania et in aliis partibus Europae.

863. Hungersnot in Belgien (Ann. Laubac). Nach dieser und den

Nachrichten aus den beiden vorhergehenden Jahren läfst sich mit einer

gewissen Wahrscheinlichkeit eine grofse Hungersnot in den Jahren 861

bis 863 annehmen. \\

Ann. Laubacenses S. S. I, 15. Fames valida.

||

Ann.

Xant. S. S. II, 230, 25. Eodem anno hiemps turbulenta, mutabilis et

pluvialis valde, ut pene absque gelu omnino, ut in sequentibus patuit

in aecclesia sancti Victoris.

864. Ann. Xant. S. S. II, 230, 28. Nimia inundatione aquarum

pagani per alveum Reni fluminis ad Sanctos usque pervenerunt.

865. Ann. Hildesh. (= Hersf. Ann.) M. G. S. S. kl. Aus^ 18.

Subitaneum diluvium et vehemens grando fruges assumpsit.

867. Ende des Jahres zeigen sich drohende Anzeichen für die

Hungersnot des folgenden Jahres (Ann. Xant.). ||

Ann. Hildesh. (= Hersf.

Ann.) M. G. S. S. kl. Ausg. 18. Ventus ingens cum turbine multa edificia

stravit.

jj

Ann. Xant. M. G. S. S. H, 232, 50. ^) Nordlicht, Meteorfall.

1) Die Notiz bezieht sich, entgegen der Datierung der Ann. Xant.

Leipziger Studien YI. 1: Curschmann, Hungersnöte. 7


Ann.

98 Chronik der elementaren Ereignisse.

Deinde autumnali tempore exiit edictum a regibus, ut ieiunium triduanum

generaliter observaretur, inminente terrore famis, pestilentiae;

et terrae motus magnus per regna, ita ut desperatio humanae

vitae plurimis accidit.

||

Ann. Sangäll. maiok. S. S. I, 76. Terre motus;

et nimia superfluitas ymbrium.

868. Grofse allgemeine Hungersnot in ganz Frankreich (Ann. Bert.,

Ann. S. Columb. Sen. Hugo Flav. Adrevaldi mir. S. Benedicti, Ann.

Engol., Ann. Lausann.), in Deutschland Nachrichten vom JRhein (Ann.

Xant., Ann. Col.), aus Mitteldeutschland (Hersf. Ann., Ann. Fuld.) und

aus Schwaben (Ann. Alam. cont. Sangall. I). ||

Ann. Bertin. auct. Hinc-

MAKO M. G. S. S. kl. Ausg. 90. Tunc Karolus — — pagum Bituricum

adiit; in quo tanta mala et in ecclesiarum confractione et in pauperum

oppressione atque in omnium flagitiorum commissione atque terrae devastione

commissa sunt, ut dici ore non possint, sicut multorum

milium hominum fame mortuorum pro ipsa depopulatione attestatio

demonstravit.

||

Ann. S. Colümbae Senonensis S. S. I, 103. Cometes apparuit

circa 4. Kai. Febr. (29. Jan.) dies circiter 25. primo sub temone

minoris Arcturi. Deinde progressa est pene usque ad triangulum. Extitit

eo anno fames et mortalitas inaudita per totum fere inperium

Francorum, sed maxime per Aquitaniam et Burgundiam,

ita ut prae multitudine morientium non essent, qui sepelirent.

Nam Senonis civitate inventi sunt uno die 56 homines

mortui. Inventi sunt etiam ea tempestate in eodem pago masculi et

femine pro nefas! homines alios occidisse et comedisse. Nam in Ponto

Siriaco quidam onestam feminam ospitio susceptam occidit, membratimque

dividens sale condivit, et sibi suisque filiis comedendam

coxit. In ipsa urbe quedam femina de quodam adolescentulo

similiter fecit. In pluribus etiam locis aliis hoc ipsum ob famis penuriam

contigisse fama vulgante compertum est. Igitur mense Maio

Senonis civitate modius frumenti venditus est solidis octo,

modius sigale solidis septem et dimidio, modius ordei solidis

sex et dimidio, modius avene solidis quinque, modius salis

solidis duodecim. Sed divina providente dementia novi fructus temperius

solito succurrerunt. Nam 9. Kai. lunii, primo videücet die rogationum,

panis novus oblatus est Senis ad benedicendum , ex quo plurimi

gratias Deo referentes eulogias sumpserunt. Hugonis Flaviniacensis

||

CHK. S. S. VIII, 355, 6. Lotharii regis tempora facta est in terra Francorum

et Galliae et Burgundiae fames valida, et mortalitas hominum,

et pestis animalium. Quae sie iusto Dei iudicio in populum desevit,

ut multi patriam deserere et ad terras alias cogerentur demigrare, adeo

ut multae urbes Franciae raro incolerentur habitatore. Adkevaldi

||

Flokiacensis mieacula S. Benedicti c. 39, S. S. XV, 497, 39. ßege Karolo

Francorum disponente regnum, fames admodum gravis universas

occupavit Gallias, clades etiam ex insectatione paganorum non modica

totam oceani incolentem littora adtrivit gentem. Ann. Engolismenses

||

S. S. XVI, 486, 33. Tanta media in omnium poene fuit provintiarum

et exiguitas panis, ut pro inopia victus homines infinitae multitudinis

fuere a conparibus interempti atque bestiarum more

dentibus laniati. Engolismenses S. S. IV,

|| 5, 13. Tanta fames

868, offenbar auf Ende 867. Dafür sprechen die vielen Nachrichten von

einer weit verbreiteten Hungersnot im Jahre 868, die also wohl im

Herbst 867, wie hier angegeben, drohen konnte. Was sonst noch Ann.

Xant. a. 868 angeführt wird, Bekehrung der Bulgaren, Tod des Papstes

Nikolaus, bezieht sich in Wahrheit auf 867. Auch von einem mit dem

erwähnten Erdbeben offenbar identischen sprechen Ann. Sangall. maior.

a. 867. S. Anm. zu Ann. Xant. a. 868.


Chronik der elementaren Ereignisse. 99

fuit, ut unus homo alium interficeret et bestiarum more dentibus

laniaret.

1|

Ann. Lausanenses S. S. XXTV, 779, 40. 12. Kai. Aprilis

(21. März) cecidit in ßurgundia nix magna, et fuit fames valida.

|1

Ann. Xänt. S. S. II, 233, 8.^) Mense Februario, tenebrosis aquis in

nubibus aeris, tonitrua audita sunt, et 15. Kai. Martii (15. Feb.), id est

nocte sancta Septuagesimae , Stella cometes visa est ab aquilone et

occidente, cui statim nimia tempestas ventorum, et inmensa inundatio

aquarum est subsecuta; in qua multi inprovidi interierunt. Et postea

aestivo tempore fames acerrima in multis provintiis subsequitur,

maxime in Burgundia et Gallia, in quibus magna multitudo hominum

acerbam sustinuit mortem, ita ut homines hominum corpora comedisse

feruntur. Sed et canum camibus aliquis vesci dicuntur. ||

Ann. Colon.

Iaffe et Wattenbach Eccl. Col. cod. mss. 128. Fames valida. ||

Ann.

HiLDESH. (= Hersf. Ann.) M. G. S. S. kl. Ausg. 18. Fames valida et

vehemens tam Germaniam quam ceteras Europae provincias

nimium afflixit. ||

Ann. Fuld. pks. III, M. G S. S. kl. Ausg. 67. Eodem

anno stella cometes per aliquot noctes apparuit; fontes quoque et

flumina propter nimiam imbrium inundationem crescendo intumuerunt

et per diversa loca in frugibus et aedificiis damnum fecere non modicum.

Hanc plagam fames etiam magna cum ingenti pernicie

humani generis

per totam

V, 106, 29.

Germaniam et Galliam secuta

Cometa visa inimdatio et illuvo

est. ||

Herim.

magna facta,

Aug. S. S.

famesque

et pestilentia ingens secuta est. ||

Ann. Alam. cont. Sangall. I, S. S.

I, 51 (= Ann. Sangall. mai. = Ann. Alth. = Ann. Weingart. = Ann.

Formosel). Stella cometis. Fames acerrima, et mortalitas hominum

et animantium.

869. Die Hungersnot des vorhergehenden Jahres datiert in Frankreich

noch fort (Ann. Bert., Ann. S. Benig. Div.), aus Deutschland sind

keine Nachrichten erhalten. Ann. Bertin. auct. Hincmako M. G. S. S. kl.

||

Ausg. 98. Ipse autem ad Conadam vicum nimis incongruenter et pro

qualitate temporis et pro nimietate famis peiTexit. Ann. S. Benigni

Üiv. S. S. V, 39, 35. Item fames valida, et

||

mortalitas hominum et

pestis animalium.

870. FoLcwiNi GESTA ABB. S. Bertini Sith. c. 74. S. S. XIII, 621, 14.

Anno quoque insecuto siccitas magna in mense accidit Junio et usque

in medio Augusto; et post venit locustarum innumera multitudo; viri-

Ann. Fcld. prs. III, M. G.

{|

des

S.

herbas

S. kl.

annonasque

Ausg. 71 u.

consumentes

72. Ipsa

(873).

quoque civitas (Mainz) terrae motu bis

numero concussa est ; nonnulli etiam in pago Wormacense messem colligentes,

propter solis calorem solito graviorem extincti referuntur. —

p. 72 Boum quoque pestilentia in nonnullis Franciae locis inmanissime

grassando multis inrecuperabile intulit damnum.

871. Ann. S. Benigni Divis. S. S. V, 39, 37. Ventus validus.

872. Durch große Hitze und Hagelschlag entsteht eine Mifsernte.

||

Ann. Xant. S. S. II, 234, 45. Eodem anno infestatio tonitruorum et ymbrium

atque grandinum humano generi nocuit nimium, in frugibus et

aedificiis. Ann. Stabülenses S. S. XIII, 42, 29. Hoc anno . . . hyems

|J

1) Die Hungersnot gehört in das Jahr 868, nicht 86;), wie die Ann.

Xant. sie ansetzen, es liegt dieselbe Verschiebung wie 867 vor. Der

Komet erschien 868 und wird auch sonst im Zusammenhange mit der

Hungersnot erwähnt; s. Ann. S. Columb. Sen., Ann. Fuld., Ann. Alam.

cont. Sangall. I, Ann. Aug. S. S. I, 68, Necrol. Senon. ed. Delisle, Notices

et extraits XXXI, 1, 68. Auch das Datum würde nicht auf 869

passen, wo der Sonntag Septuagesima auf den 30. Jan. fiel; für 868 ist

die Unstimmigkeit der beiden Datenangaben gering: 15. Kai. Mart. =

15. Feb., nox Septuag. = 13. Feb.

7*


100 Chronik der elementaren Ereignisse.

gravissima, aquarum inundatio, terrae motus, in quibusdam locis pestilentia

locustarum. ||

Ann. Fuld. prs. III, M. G. S. S. kl. Ausg. 76. Omne

tempus aestivum grandinibus variisque tempestatibus pemoxium extitit;

nam grando plurima loca frugibus devastavit; horrenda etiam tonitrua

et fulmina pene cotidie mortalibus interitum minabantur, quorum ictibus

praevalidis homines et iumenta in diversis locis exanimata et in

cinerem redacta narrantur. Ann. Hildesh. (= Heesf. Ann.) M. G. S. S.

||

kl. Ausg. 18. Aestatis fervor inmanis et siccitas nimia totos pene perdidit

fructus, plurimaeque domus cum hominibus et animalibus fulminibus

incensae et exustae sunt.

873. Grofse Heuschreckenplage, belegt diwch zahlreiche Nachrichten

aus Deutschland und Frankreich Eine Hungersnot entstellt nur in Teilen

Mitteldeutschlands (Ann. Fuld., Hersf. Ann.), wo die Heuschrecken von

Osten kommend die Ernte zerstören. In den westlichen Ländern wird ihr

Erscheinen erst Mitte August gemeldet. Über das Auftreten der Heuschrecken

in Italien vgl. Dümmler, Gesch. des ostfränk. Beichs III, 370,

Anm. Ann. Bert. auct. Hincmako M. G. S. S. kl. Ausg. 124. Multi-

II

tudo siquidem locustarum per Germaniam Gallias, maxime

autem in Hispaniam adeo se eflfudit, ut Aegyptiacae plagae potuerit

comparari.

||

Reginonis che. M. G. S. S. kl. Ausg. 105. Anno dominicae

incarnationis DCCCLXXIII locu stamm inaestimabilis multitudo

menseAugusto ab Oriente veniens totampene pervastavit Galliam.

Quae maiores erant, quam caeterae locustae habebuntque sena

alarum remigia, et, mirum dictu ut castrorum acies distinetis ordinibus

per aera ferebantur vel terrae incumbentes castra metabantur. Duces

cum paucis exercitum itinere unius diei preibant, quasi loca apta multitudini

provisuri. Circa horam nonam, ubi duces pridie venerant, insidebant,

nee a loco occupato movebantur, quousque sol suum representaret

ortum, tunc per turmas sua proficiscebantur, ut in parvis animalibus

disciplinam militarem cerneres. Segetibus vescebantur, quae ab

eis ita depastae sunt, ut veluti inmani tempestate consumptae viderentur.

Spatium diurni itineris quatuor aut quinque milibus extendebatur.

Pervenerunt autem usque ad mare Brittannicum superficiem terrae cooperientes,

in quo Deo volente violento ventorum flatu inpulsae atque

in profundum absportatae dimersae sunt. Aestu vero atque refusione

oceani reiectae littora maritima repleverunt; tantaque congeries facta

est, ut ad instar montium cumulatae coacervarentur: ex earum foetore

ac putredine aes corruptus dir am pestem finitimis generavit, ex qua

multi perierunt. ||

Ann. Corb. ed. Jaffe Bibl. I, 33. Item inundatio

nimia et locustarum prodigiosa multitudo.

||

Ann. Fuld. prs. HI, M. G.

S. S. kl. Ausg. 79. Eodem anno facta est fames valida per universam

Italiam atque Germaniam, et multi inedia consumpti sunt.

Tempore vero novarum frugum novi generis plaga et prima in gente

Francorum visa Germanicum populum [peccatis exigentibus] non mediocriter

afflixit. Nam vermes quasi locustae quatuor pennis volantes

et sex pedes habentes ab Oriente venerunt et universam superficiem

terrae instar nivis operuerunt cuncta, quae in agris et in pratis erant

viridia, devastantes. Erant autem ore lato et extenso intestino duosque

habebant dentes lapide duriores, quibus tenacissimas arborum cortices

corrodere valebant. Longitudo et crassitudo illarum quasi pollex viri;

tantaeque erant multitudinis, ut una hora diei centum iugera frugum

prope urbem Mogontiam consumerent. Quando autem volabant, ita

totum aerem per unius miliarii spatium velabant, ut splendor solas in

terra positis vix appareret; quarum nonnullae in diversis locis occisae

spicas integras cum granis et aristis in se habuisse repertae sunt. Quibusdam

vero ad occidentem profectis supervenerunt aliae, et per duorum

mensium curricula pene cotidie suo volatu horribile cementibus praebuere


Ann.

Ann.

Chronik der elementaren Ereignisse. 101

spectaculum. ||

Ann. Hildesh. (= Hersf. Ann.) M. G. S. S. kl. Ausg. 18.

Farnes magna invaluit in Germania, et incredibilis multitudo locustarum

venit. ||

Ann. "Weingart. S. S. I, 66. Inaudita locustarum

multitudo devenit. ||

Ann. S. Benigni Div. S. S. V, a9, 38. Adventu8

locustarum.

||

Ann. Elnonenses majores S. S. V, 12, 7. 14. Kai. Sept.

(19. Aug.) tanta multitudo locustarum visa est per aerem volitare,

quanta nunquam apparuit, a partibus orientis tendens ad occidentem.

S. Xni,

||

80,

Heinbici

22.

monach.

Lapides

S. Germani

pergrandes

Autisiodorensis

de caelo

ann.

corruunt,

breves S.

locustarum

ingens congeries apparuit pestilentia inaudita excanduit. Ann.

S. DioNYsii Rebienses S. S. XIII, 82, 26. Transierunt

||

locustae Remis

17. Kalendas Septembris (16. Aug.). In crastino autem

densa nebula valde. Ann. Xant. S. S. II, 235, 15. Eodem hiemis

fuit

||

tempore insperatum diluvium nive madens repente inolevit, maxitne

in litoribus Rheni fluminis. Ex influentia aquarum multarum multitudo

hominum cum aedificiis et frugibus innumerabilibus deperüt. —

28. Postea vero, mediante mense Augusto, antiqua Egiptorum

plaga, id est locustarum innumerabilis turma, more apium de

alveo exeuntium, ab Oriente nova exorta est per terras nostras, quae in

aere volitantes, vocem subtilem velut aviculi parvi dantes. Et dum elevarentur,

coelum vix velut per cribram intueri potuit. In plerisque locis

vero pastores ecclesiarum et omnis clerus cum kapsis et crucibus occurrerunt

eis, misericordiam Dei implorantes, ut defenderet eos ab hoc plaga.

Non tamen ubique, sed per loca, nocuerunt. Item in Kalendas

Novembris usque ad Sexagesimam (22. Febr.) nix totam superficiem terrae

cooperuit, et diversis plagis Dominus assidug populum suum afflixit et

visitavit, in virga iniquitates eorum, et in verberibus peccata eorum.

874. In Mitteldeutschland dauert die Hungersnot noch fort (Ann.

Fuld.J; gleichzeitig Hungersnot in einem Teile Nordfrankreichs (G. abb.

S. Bert. Sith.), doch ist tvohl kein Zusammenhang anzunehmen. Ber-

||

TiNiANi AOT. HiNCMARo M. G. S. S. kl. Ausg. 125. Hicms prolixa et

fortis, et nix tanta fuit nimietate perfusa, quantam nemo se vidisse meminerit.

— Aestas longa siccitatem foeni et messium inopiam

reddidit. Ann. S. Dionysh Remenses S. S. XIII, 82, 28. Extitit

||

talis super terram nix qualem nemo memoratur se vidisse. Unde et

de bobus et de ovibus magna pars periit.

||

Folcwtni gesta abb. S. Bertini

Sith. c. 77. S. S. XIII, 621, 19. In ipso anno incamationis Domini

874 facta est fames magna et mortalitas hominum per pestilentiam

permaximam. Vinum autem extitit habundanter. VedasTiNi

S. S. II, 196, 4. In illis etiam diebus plaga locustarum facta

||

est. Ann. Laüsannenses S. S. XXIV, 779. Anno 7. post (nach 868)

II

locustarum inmissio immanis fuit. ^) ||

Ann. Fuld. prs. III, M. G. S. S.

kl. Ausg. 81. Hiems aspera nimis et solito prolixior; nix quoque

inmensa a Kalendis Novembris usque in aequinoctium vemale sine

intermissione cadens magnum hominibus fecit impedimentum silvas petere

lignaque colligere. Unde accidit, ut non solum animalia, verum etiam

homines plurimi frigore perirent. Sed et Rhenus et moenus glaciali

rigore constricti longo tempore se sub vestigiis incedentium calcabiles

praebuerunt. — 83. Hoc anno fame et pestilentia per universam

Galliam et Germaniam grassentibus pene tercia pars humani generis

consumpta est. ||

Aon v. Hathumodae c. 10. S. S. IV, 170, 7. Si quidem

parvo ante suam infirmitatem (f 874) tempore cum pleraeque ex

sorroribus graviter languissent, dici non potest, quanta sedulitate

eos visitaverit, Agh obitus Hathumodae v. 27. S. S. IV, 176.

|1

1) Irrtum, v?ie auch in Ann. Vedast. Die Heuschrecken erschienen

schon 873.


102 Chronik der lementaren Ereignisse.

Hoc siquidem tot tantorum mortes docuerunt. Hoc nos hie annus

praeraonuit sterilis. ||

Ann. Pkumienses S. S. XVii, 1291, 30. [Lojcustarum

inestimabilis [multjitudo totam pervastavit [Galli]am. ^)

875. Ann. Col. ed. Iaffe et Wattenbach Eccl. Col. cod. mss. 128.

Nix valida. 1|

Ann. Fuld. prs. HI. M. Gr. S. S. kl. Ausg. 84. Comet. Nam

villa quaedam in pago Nitense nomine Asgabrunno*) a fluminibus et

torrentibus longe remota subitanea imbrium inundatione pene deleta est,

et octuaginta octo homines utriusque sexus in ea deleti. Dum enim

homines eiusdem loci V. Non. lul. (3. lul.) dormitum issent nihil mali

suspicantes, tanta pluvia uno momento caelitus lapsa est, ut omnes

arbores et vineas, quas tangebat in eadem villa, radicitus exstirparet,

aedificia funditus everteret, iumenta et animalia cum omnibus, quae in

domibus erant, perditioni traderet. —

877. Ann. Fuld. HI. M. G. S. S. kl. Ausg. 90. In hoc anno febris

Italica dolorque oculorum Germanicum populum graviter vexavit,

maxime circa Rhenum habitantes; pestilentia quoque ingens secuta

est exercitum Carlmanni de Italia redeuntem, ita ut plurimi tussiendo

spiritum exalarent.

878. FoLcwiNi gest. abb. S. Bektin. Sithiensium c. 88. " M. G. S. S.

Xni, 622, 44. Sonnenfinsternis et mortalitas hominum et pecorum magna.

1|

Ann. Fuld. HL M. G. S. S. kl. Ausg. 92. Eclipsis lunae facta est in

Idibus eiusdem mensis (15. Okt.) ultima hora noctis; sol quoque in

Iin. Kai. Novembris (29. Okt.) post horam nonam ita obscuratus est

per dimidiam horam, ut stellae in caelo apparerent et omnes sibi noctem

imminere putarent. Boum pestilentia in Germania immanissime

grassata est, maxime circa Rhenum; quam cladem non mediocris

hominum mortalitas secuta est.

880. Ann. Fuld. EI. M. G. S. S. kl. Ausg. 94. Hie ms aspera

et solito prolixior; nam Rhenus et Moenus fluvii glaciali rigore

constricti longo tempore se calcabiles praebuerunt. 96. Hoc anno

in Wormacense et in Nitense et in plurimis locis regni Hludowici sterilitas

frugum et omnium rerum penuria Germanicum populum

non mediocriter afflixit.

881. Ann. Fuld. HI. M. G. S. S. kl. Ausg. 96. Hibernum tempus

valde prolixum et animalibus diversi generis pernoxium. Nam tellus

verno tempore glaciali rigore constricta animalibus solita negavit pascua,

et illa fame et frigore maxima ex parte perierunt, etiam propter sterilitatem

anni prioris. ||

Ann. Wedjgart. S. S. I, 66 hiems dura.

882. Ann. Fuld. cont. Ratisbon. M. G. S. S. kl. Ausg. 108.

Mira itaque res et stupenda obsidentibus et obsessis quadam die occurrit

Nam in XH Kai. Aug. (21. Juli) luce postmedia tenebrosa subito

caligo tota castra operuit, fulgure et tonitruo concrepente instans talis

grando, ut nullus antea mortalium se tale quid videre profiteretur;

Igitur per tot dies obsidens tarn magnus exercitus aestivo in tempore

propter putredinem cadentium hominum aegritudine correptus et pertesus

est. — 109. In illis diebus redeuntibus Baiowariis domum magna

et inmanis pestilentia in tota Baiowaria excrevit, ita ut sepe duo

cadavera in unum tumulum sepelirentur.

886. Ann. Fuld. M. G. S. S. kl. Ausg. 104. Mense Februario exercitus

orientalium Francorum missus est contra Nordmannos in Galliam

iuxta Parisios consistentes ;

qui in itinere propter imbrium inundationem

1) Die Heuschrecken erschienen schon 873. Regino, der die Notiz

übernimmt, setzt sie auch zu 873. Die Bezeichnung der Jahre in der

Handschrift ist sehr unsicher, da die Verweisungszeichen oft fortgeschnitten

sind. N. Arch. XH, 403.

2) Eschborn bei Frankfurt.


Ann.

Chronik der elementaren Ereignisse. 103

et frigus imminens non modicum equorum suorum perpessi sunt damnum.

— Mense vero Maio, lunio atque lulio tanta vis imbrium diu

noctuque sine intermissione caelitus lapsa est, ut nuUus aevi praesentis

tantam aquarum habundantiam se vidisse fateatur. Unde flumina

in diversis locis intumeseentia frugibus variis extitere pernoxia. Nam

Rhenus alveum suum egressus cuncta loca sibi contigua ab ortu suo

usque ad introitum maris omnibus frugibus et lino et foeno evacuavit.

Padus quoque in Italia similia fecisse perhibetur. (|

Ann. Fuld. cont.

Ratisb. M. G. S. S. kl. Ausg. 114. Tempore autumni plus solitum inundationes

aquarum excreverunt inestimate. Nam in Oriente erumpentibus

per litus fluctibus villae inopinate circumdate subito feruntur, ita

ut cum inhabitantibus viris, feminis, infantulis usque in abyssum deletae

cemuntur. Inter Alpes vero talis rapacitas aquarum et collisio lapidum

fuit, ut flexuras et vestigia viarum per divexa montis latera nullo modo

prospici poterint.

887. Ajw. Fuld. M. G. S. S. kl. Ausg. 105. Hiems aspera et solito

prolixior; boum quoque et ovium pestilentia supra modum

grassata est in Francia, ita ut pene nulla eiusdem generis animalia

relinquerentur.

889. In Frankreich entsteht als Folge der Normanneneinfalle eine

Hungersnot (Bicher), gleichzeitig herrscht Hungersnot in Baiern (Ann.

Fuld. cont. Batisb.J. Richeri historiabdm lib. I, c. 5. M. G. S. S. kl.

\\

Ausg. 5 u. 6. Fünf Jahre lang Kämpfe mit den Normannen. Quibus

repulsis, fames valida subsecuta est, cum triennio terra inculta remanserit.

lam enim mensura frumenti quae sedeties ducta modium

efficit decem dragmis veniebat. Gallinatius quoque

quattuor dragmis; ovis vero tribus unciis; atque vacca iabo

tollebatur. Vini nulla coemptio erat, cum, vinetis ubique succisis,

vix eius aliquid habebatur. — Ipse (Odo) cum exercitu in Aquitaniae

partes secedens, non ante se rediturum proponens, quam supradicta

modii frumentarii mensura duabus dragmis veniret, gallinatius vero

denario atque ovis duabus itidem dragmis, vacca vero tribus unciis

venumdaretur. Fuld. cont. Ratisb. M. G. S. S. kl. Ausg. 117. Grave

|1

igitur tempus hoc anno incanduit. Nam Italica febris tussiendo perplurimos

vexabat, inundationes aquarum plus solito excrevere, civilia

bella circumquaque regiones conquassantur ,

pestilentia sparsim ac

fames inopinata ultra modum incubuit. Grandine vero contritis frugibus

mortales inopiam frugum cum miseria patiuntur. Sed inter alia execrabile

prodigium in regione Thuringorum visum est. Namque e celo aqua,

non ut solet pluvia stillatim descendere, sed coacervatim quasi fluens

torrens irruit, per tres villas uno momenti ictu evulsis aedificiis, ter

centum cadavera mortuorum inpulsione aquarum campo deieeta coUigebantur.

890. Ann. Alam. cont. Sangali,. pks. ni. cod. Modoetiensis et Vbbo-

NENsis S. S. I, 52. Nimia mortalitas hominum.

892. Hungersnot nur durch eine Nachricht aus St. Vaast bei Arras

belegt.

||

Ann. Vedast. S. S. II, 206, 14. Indeque fames valida et

stenlitas terrae nobis invasit, ita ut accolae terrae prae magnitudine

famis sua reliquerint loca.

893. Ann. Füld. cont. Ratisb. M. G. S. S. kl. Ausg. 123. Hiemps

aspera et plus solitum prolixa extenditur, ita ut mense Mart. (894)

nix in quibusdam locis per V dies mensura in profundo unum pedem

habere viseretur. Inde per Baiowariam maxima penuria vini facta, oves

et apes perditae. Betek, Mittelrh. ü. ß. Trieksches Provincialkonzii.

^) ||

1) Dieser Satz ein Zusatz zu cod. 3.


104 Chronik der elementaren Ereignisse.

c. 2, No. 127, p. 133. Quoniam peccatis exigentibus clauditur c§lum

et fit nostris diebus sepissime fames. *)

895. Hungersnot in Süddeutschland, durch zwei Nachrichten aus

Schwaben (Ann. Alam. cont. Sangall. III) und Baiern (Ann. Fuld. cont.

Matisb.) belegt. Ann. Alam. cont. Sangall. ni. cod. Modoetiensis et

\\

Veeonensis S. S. I, 53. Farnes et grando. Ann. Fuld. cont. Ratisb.

||

M. Gr. S. S. kl. Ausg. 125. Farnes valida per universam Baioariorum

provinciam excrevit, ita ut per plurima loca inedia morte consumerentur.

— 126. Per idem tempus magni terrae motus in plurimis locis

occidentalium Francorum visi sunt.

896. Die Hungersnot dauert in Schwaben fort (Ann. Alam. cont.

Sangall. III, Ann. Aug.), gleichseitig Hungersnot in Lothringen (Micheri

gest. Senon. eccl.) \\

Ann. Cokb. ed. Iaff^ Bibl. I, 34. Inundatio nimia.

||

Ann. Alam. cont. Sangall. in. cod. Modoetiensis et Veronensis S. S. I, 53.

Farnes validissima. ||

Ann. Augienses S. S. I, 68. Et in Augia miseriä

famis et mortalitatis christiani homines alterius camem comederunt.

||

RiCHERi GE8TA Senoniensis eccl. S. S XXV, 273, 43. Secundo vero anno

post hec tanta penuria bladi et aliorum alimentorum omnium invaluit,

ut, quod auditu est horribile, homo bominem vesci cogeretur.

897. Auch in diesem Jahre noch eine Nachricht über die Hungersnot

aus l'aiern. ||

Ann. Fuld. cont. Ratisb. M. G. S. S. kl. Ausg. 130. Farnes

valida per universam regionem Baiowariorum incubuit, ita ut

multi inedia consumerentur.

909. (?) *) Ann. S. Columbae Senonensis S. S. I, 104. Hoc anno medio

Maio 5. feria apparuit Stella circa ipsum septentrionem a parte circii,

emittens radium magnum versus euroaustrum quasi longissimam hastam

inter Leonem et Geminos trans zodiacum, et visa est ita fere 23 diebus.

910. Hungersnot in Frankreich (Ann. S. Columb. Sen.) ||

Ann. S.

CoLUMB. Sen. S. S. I, 104 et sequenti anno fames maxima fuit in tota

Gallia.8)

913. Ann. S. Quintini Vekomandensis S. S. XVI, 507, 26. Hoc anno

gelu maximum. Ann. Aug. S. S. I, 68 (= Ann. Heremi = Cont. Reg.).

||

Hiemps magna nimis.

919. Flodoabdi ANN. S. S. m, 336, 19. Cecidit Remis grando mirabilis,

ovum gallinae superans magnitudine; quae vero distendebatur

in latitudine, occupabat medium palmae. Sed et grandior per alia

quaedam loca visa est cecidisse. ||

Ann. S. Germani minores S. S. IV, 3, 41.

Tempore vespertino facta est tempestas valida, quae non solum fruges

ad nichilum redeit et arbores radicitus evulsit, sed et animalia et

bomines in locis quibusdam interfecit, cuius lapides tante ferebantur

magnitudinis esse, ut aliquanti ova anserum sua magnitudine superarent.

920. Flodoardi ann. S. S. III, 369, 23. Tunc etiam circa Remensem

urbem mal in spicis inventum, et flores quibusdam in arboribus,

maturis vel collectis iam fructibus.

921. Flodoardi ann. S. S. III, 369, 35. Tempestates hoc aimo

diversis in locis plurimae, homines quoque fulmine exanimati, et domus

incensae. Aestus in aestate magnus, et foeni plurimum. Siccitas ingens

tribus fere continua mensibus, lulio, Augusto atque Septembri.

927. Ann. Aug. S. S. I, 68 (= Cont. Reg. a. 928). Hiemps magna

1) Über die Datierung vergl. Goerz, Mittelrh. Regesten I, 222. Man

könnte etwa einen Zusammenhang mit der Hungersnot des vorhergehenden

Jahres annehmen.

2) So der Herausgeber. Die Jahreszahl läfst sich nach der Handschrift

nicht sicher feststellen.

3) Die Nachricht findet sich im unmittelbaren Anschlufs an die

vorige unter demselben Jahre, es ist also das Jahr 910 gemeint.


Chronik der elementaren Ereignisse. 105

nimis.

mense

||

Flodoabdi

Martio mane

ann. S. S.

quadam

III,

die

377, 9. Acies

dominica

igneae

visae; cui

Remis

signo

in

pestis

e vestigio successit, quasi febris et tussis, quae mixta quoque mortalitate

in cunctas Germaniae Galliaeque gentes irrepsit.

928. Flodoakdi ANN. S. S. III, 378, 25. Vindemiae pene peraguntur

infra mensem Augustum.

934. Flodoakdi ann. S. S. HI, 382. 20. Igneae Remis in caelo

acies visae sunt discurrere, et quasi serpens igneus, et quaedam iacula

ferri pridie Idus Octobris (14. Okt.) mane ante lucis exortum. Mox subsecuta

est pestis, diversis afficiens humana corpora morbis.

940. In Folge eines harten Winters entsteht in Norddeutschland eine

Hungersnot (Widukind) ; auch in Schwaben Mifsernte (Ann. Sangall.,

Eerim. Aug.). ||

Widukind. lib. II, cap. 26. M. G. S. S. kl. Ausg.

Necem ducum^) asperrima hiemps hiememque secuta est

50.

fames

validissima. *) Ann. Sangall. maiok. S. S. I, 78. Annus durus et de-

||

ficiens fructus.

||

Heeim. Aug. chr. S. S. V, 113, 48 (= Chr. Suevicum

univ. = Ann. Col.). Hiems saeva hoc aimo facta, et pestis animalium

subsecuta.

941. Allgemeine Hungersnot. Nachrichten sind erhalten in einer

belgischen Quellengruppe (Ann. Leod. etc.), in Nachrichten aus Münster

(Chr. episc. Monast. und Epigramme auf Bumold) und Italien (Liudprand.).

||

Ann. Leodienses S. S IV, 16, 33 {= Ann. Laub. = Ann. Lob.

a. 943 = Ann. Parch. = Ann. S. Bonifacii a 943). Cometes apparuit.

Et fames subsecuta.

||

Chk. episc. Monast. G. Q. des Bist. Münster I, 1"2.

Rumoldus. Huius temporibus fuit maxima fames in universa terra.

Et visus est cometa aperte mire magnitudinis et longitudinis. ^ Hie

Rumoldus dedit quadraginta et octo talenta, cum quibus conparetur et

daretur fratribus zona, id est cames auctumpnales in refectorio dandas,

quia tunc diverse dissensiones et fames cessaverunt. ||

Epigramm auf

Bischof Rumold. G. Q. des Bist. Münster III, 187.

Tempore Rumoldi preduro dente locustae

Emergunt, segetem semina dente vorant;

Ardet in coelo flagrante crine cometa.

Et nova lympha polo sanguinolenta cadit;

Hinc horrenda fames ei rerum tristis egestas,

Hinc fera prosternit corpora multa lues. *)

||LiüDPKAND LIB. V, c. 2. M. G. S. S. kl. Ausg. p. 101. Hoc in tempore,

ut ipsi bene nostis, sol magnam et cunctis terribilem passus est eclipsin,

sexta feria, hora diei tertia;^) qua etiam die Abderahamem, rex vester,

a Radamiro christianissimo rege Gallitiae in hello est superatus. Sed

et in Italia octo continuis noctibus mirae magnitudinis cometa apparuit,

nimiae proceritatis igneos ex sese radios fundens, subsecuturam non

multo post famem portendens, quae magnitudine sui misere

1) Herzog Eberhard von Franken und Giselbert von Lothringen

t 939. Es ist also der Winter 939—940 gemeint, die Hungersnot wäre

dann in den Anfang des Jahres 940 zu setzen.

2) Diese Stelle findet sich bei Annl. Saxo a. 943 wieder. Der

Herausgeber irrt, wenn er die Stelle dort durch den Druck als eine

selbständige Nachricht bezeichnet.

3) Bisch. Rumold. f 19. Juli 941. Aus dem Zusammentreffen der

Hungersnot mit dem Erscheinen des Kometen ergiebt sich, dafs das

Jahr 941 gemeint sein mufs.

4) Es folgen noch zwei Epigramme ähnlichen Inhalts.

5) Totale Sonnenfinsternis am 19. Juli 939; vergl. Ann. SangaU.

maior. a. 939 S. S. I, 78. Das Datum der folgenden Schlacht ist richtig

angegeben. Schäfer, Gesch. von Spanien H. 183.


Heeim.

t06

Chronik der elementaren Ereignisse.

vastabat Italiam. ^) ||

Widukikd lib. II, c. 32. M. Gr. S. S. kl. Ausg. 52.

Eo anno*) et portenta quaedam apparuere, scilicet cometae. Nam a

quinta decima Kalendas Novembris (18. Okt.) usque in ipsas Kalendas

(1. Nov.) visae sunt. ||

Ann. Sangall. maior. S. S. I, 78. Signum mirabile

apparuit in coelo; et mortalitas boum fuit.

942. Die Hungersnot daueii, in Frankreich noch fort. (Flodard.,

Ann. S. Quint.Veromand.). \\

Flodoakdi ann. S. S. III, 389, 23. Fames

magna per totam Franciam et Burgundian), mortalitas quoque maxima

boum grassata est in tantum, ut valde pauca huiusmodi animalia in bis

remanserint terris. |1

Ann. S. Quintini Veromandensis S S. XVI, 507, 38.

Fames. Aug. chk. S. S. V, 114, 21 (= Chr. suev. univer. = Cont.

||

Reg.). Cometa per noctes 14 visa et inmensa animalium pestilentia

facta. [|

WiDUKiND lib. II, c. 32. M. G. S. S. kl. Ausg. p. 53. Sed cometas

inundatio nimia, inundationemque boum pestilentia subsecuta

est.

II

Ann. Cokb. Jaff^ Bibl. I, 35. Inundatio nimia.

944. Ann. Sangall. maior. S. S. I, 78. Terrae motus factus est

3. feria paschae circa pullorum cantum 16. Kai. Maii (16. April). Eodem

aimo aestas omnis versa est in pluviam.

945. Ann. Sangall. maior. S. S. I, 78. Nix maxima idibus Martii

März) cadens. Flodoaedi ann. S. S. III, 393, 4— 10. In pago Parisiacensi,

(15. necnon

||

etiam per diversos circumquaque pagos, hominum

diversa membra ignis plaga pervaduntur; quaeque [sensim] exusta

consumebantur, donec mors tandem finiret supplicia. Quorum quidam,

nonnuUa sanctorum loca petentes, evasere tormenta

;

plures tamen Parisius

in aecclesia sanctae Dei genitricis Mariae sanati sunt, adeo ut quotquot

illo pervenire potuerint, asserantur ab hac peste salvati quos Hugo

quoque dux stipendiis aluit cotidianis.

;

Horum dum quidam vellent ad

propria redire, extincto refervescunt incendio, regressique ad aecclesiam

liberantur.

956. Flodoaedi ann. S. S. III, 403, 34. Moxque pestilentia super

Germaniam omnemque Galliam effusa, interiere nonnuUi, plures gravi

sunt längere confecti. Rotbertus Trevirensis episcopus, et Baldericus et

duo alii episcopi ex ea peste sine mora defuncti sunt. Cont. Reg. M.

G. S. S. kl. Ausg. 168. Ea tempestate gra.vis per

||

omnes regni partes

pestilentia grassabatur, quae innumeram populi multitudinem passim

extinxit. Ex qua Rodbertus archiepiscopus Treverensis et Hadamarus

abbas Fuldensis obierunt.

959. Hungersnot in Schwaben (Ann. Sangall. maior.). ||

Ann. Sangall.

MAIOR. S. S. I, 79. Annus durus, et in multis regionibus deficiens

fame Widukind lib. III, c. 61. M.

fructus; et multi perierunt. ||

G. S. S. kl. Ausg. 79. Peracta caede barbarorum, eo anno prodigiosae

res apparuere, notae scilicet crucis in vestimentis plurimorum. Quibus

visis, plurimi salubri timore perclusi, adversa formidabant; ideraque

vitia multa ex parte emendaverunt. Fuerunt et qui lepras vestium interpretarentur,

eo quod subsequens lepra multos mortales corrumperet.

Sapientiores autem signum crucis salutem victoriamque prefigurasse predicabant,

quibus et nos fidelem assensum prebemus.

964. Ann. Salisbuegenses S. S. I, 89. In illo anno universo non

cessabant pluvia et aquas crescere, ita ut navigabat superficiem terrae.

968. Ann. Coeb. ed. Jaff^ Bibl. I, 36. Inundacio nimia.

1) Es kaim, wie aus der Verbindung mit der Sonnenfinsternis hervorgeht,

nur der Komet von 941 und 942 gemeint sein. Die Hungersnot

mufs aber auch in diese Jahre fallen.

2) Durch die vorhergehenden Ereignisse als das Jahr 941 bestimmt.

Dümmler, Otto d. Gr. p. 116, 117.


Ann.

Chronik der elementaren Ereignisse. 107

973. Hungersnot in Belgien ||

Ann. Laubienses S. S. IV, 17, 33.

Aestas pluvialis et frigida, et fames subsecuta.

974. Ann. Stabulensks S. S. XIII, 43, 7. Gelu magnum. Ann.

||

CoRBEiENSEs ED. Jaff£ Bibl. I, 36. Hoc anno nimia siccitas facta est

per totam aestatem.

975. Ann. Remenses et Colon. S. S. XVI, 731, 12. Hoc anno gelu

magnum a Kalendis Novembris usque ad equinoctium vemale. ') ||

Ann.

Leodienses S. S. IV, 17, 37 (= Ann. Laub.). Gelu magnum a Kalendis

Novembribus usque medium Martium. Hildesh. M. G. S. S.

||

kl. Ausg. 23 (= Ann. Alth. = Hersfeld. Ann.). Hibernus fuit longus,

durus et siccus, et. Id. Mai. magna nix cecidit.

||

Ann. Magdeburg. S. S.

XVI, 154, 14. Facta est eodem anno hyemps durissima et importuna,

adeo ut in Idus Maii (15. Mai) extensa, nix magna noviter lapsa

totam operuerit terram. *)

977. Flodoardi ann. cont. S. S. III, 408, 12. Ipso anno tempore

yindemiae magna fuit copiavini, in tantum ut non amplius pro uno

vini modio venditores nisi aut quinque aut quattuor seu tres denarios

ab emptoribus accipiebant. ||

Ann. Alth. M. G. S. S. kl. Ausg. 13. Lues

autem dissenteriae exercitum (in Böhmen) multum vastabat.

981. Ann. Corb. Jaffö BiBr . I, 37. Hoc anno nimia siccitas facta

est per totum annum.

987. Hungersnot in Schwaben (Herim. Aug.). ||

Ann. Col. ed. Jaffö

ET Wattenbach. Eccl. metrop. Col. cod. mss. 130. Rheni et Mosellae

fluminum inundatio insolita. Ann. Hildesh. M. S. S. kl. Ausg. 24.

||

G.

Aque quoque exundabant; nihilominus et ventus plura edificia stravit.

Herim. Aug. chr. S. S. V, 117, 34 (= Chr. Suev. universale).

!|

Farnes

magna hoc anno facta.

988. Ann. Colon, ed. Jaffe et Wattenbach Eccl. metbop. Col. cod.

MSS. 130. Tanta intemperies estatis fuit uti ex aeris inclementia complures

interirent. ||

Ann. Quedlinburg. S. S. III, 67, 51. Aestatis fervor

immanis pene cunctos fructus consumpsit. Mox grandis mortalitas

hominum subsecuta est. ^)

989. Ann. Quedlinburg. S. S. IH, 68, 5 (= Thietmar lib. IV, c. 10).

Cometae apparuerunt, quas pestilentia subsequuta est grandis hominum

et iumentorum, et maxime boum.

990. Ann. Hildesh. M. G. S. S. kl. Ausg. 25 (= Ann. Quedlinburg.

= Ann. Alth.). Et eodem anno eclypsis solis fiebat; quo non modica

subsequebatur mortalitas hominum atque iumentorum 12. Kalend.

Novembris (21. Okt.).

991. Ann. August. S. S. III, 124, 21. Magna sterilitas terrae

ab inundatione pluviae.

992. Hungersnot, angeblich drei Jahre dauernd, aber nur durch

Nachricht aus Augsburg bezeugt. Ann. August. S. S. III, 124, 22.

eine ||

annos.

Fames magna per tres

993. Ann. Hildh. M. G. S. S. kl. Ausg. 26. Et inde a nativitate

sancti Johannis baptistae (24. Jun.) usque in 5. Id. Novembris (9. Nov.)

pene per omnem aestatem et autumnum siccitas nimia et fervor in-

1) Die Nachricht gehört dem in Rheims verfafsten Anfange der

Annalen an.

2) Dieselbe Nachricht findet sich in ähnlicher Fassung in Ann.

Hildesh. und Monach. Sazav., die ursprüngliche gemeinsame Quelle sind

die Hersfeld. Ann.

3) Die vorliegende Nachricht enthält die Nachricht aus den verlorenen

Hildesheimer Jahrbüchern in der vollständigsten Form, in kürzerer

Fassung auch Ann. Hildesh., Ann. Alth., Lampert, Ann, Ottenb.,

und wohl auch Thietmar lib. IV, c. 18.


Ann.

108 Chronik der elementaren Ereignisse.

manis fuit; ita ut innumerabiles fruges non pervenirent ad temporaneam

maturitatem propter solis ardorem; quo non modicum subsequebatur

frigus et magna nix cecidit, magnaque pestis simul

hominum atque iumentorum evenit. Ann. Augustani

et mortalitas

S. S. III,

||

124, 23. Hiemps dura, ita ut arbore multae aridae fierent. Ann. He-

||

KEMi S. S. III, 144, 20. Dura hiemp.s.

994. Hungersnot in Sachsen (Ann. Quedlinburg., Ann. Corb.).

Ank. Qüedlinbg. S. S. in, 72, 21. Hiems durissima 3. Non.

||

Novembr.

(3. Nov. 993) exorta, u.sque 3. Non. Maii (5. Mai) stetit, rarissimis

intermissa diebus. Deinde pestiferis et frigidis flantibus ventis, noctibus

plurimis pro rore hibernum cecidit frigus. Ad ultimum Non. Julii

grande est factum gelu, tantaque siccitas fluminum et penuria facta est

pluviarum, ut in plerisque stagnis et pisces morerentur, et in terris arbores

plurimae penitus arescerent, et fruges perirent et linum. Subsequuta

quoque est grandis pestilentia hominum, porcorum,

boum et ovium; prata etiam in plerisque locis ita exaruerunt veluti

igne exusta fuissent. — 34. Fames etiam hoc anno magna facta est

pluribus in locis Saxoniae. Ann. Cobb. Jaff:^ Bibl. I,

||

37. Valida

hiems et fames magna.

995. Die Hungersnot dauert in Sachsen fort (Ann. Quedlinburg.).

\\

Ann. Quedlingg. S. S. III, 72, 35 u. 73, 21. Saxonibus peior annus priore

exoritur. Nam tanta in eos, qui vocantur Osterludi, pestilentia exarsit,

ut eorum non solum domus, sed etiam villae plurimae mortuis

habitatoribus vacuae remanerent. Fame insuper magna compressi, tam

assiduis Sclavorum incursionibus fatigabantur, ut peccatis suis promerentibus

iuste de eis illud propheticum dictum videatur: Mittam super eos

tria iudicia pessima, pestem, gladium et famem. — 73, 21. Commune

damnum in pestilentia procorum et boum omnem Germaniam vexat. ||

Ann.

Sangall. maior. S. S. I, 81. Notabilis annus etiam siccitate aeris

nimia, multis peccoribus, multis quoque mortalibus siti extinctis. Tantum

enim siccabantur cuncta Europae flumina, ut pene nullum non esset

vadosum.

1003. Ann. Blandinienses S. S. V, 25, 47. Et magna fuit inundatio

aquarum Kai. Junii. Item inundatio

magenses S. S. III, 161, 17.

aquarum Kai.

Carum tempus.

Aug. ||

Modius

Ann. Moso-

frumenti

8 libris emebatur. Floriacenses S. S. II, 255, 21. Et qualitas

hiemis longior solito, pluviarumque inundatio extitit

||

gravior, atque diversis in regionibus flumina suos ultra modum praeterierunt

terminos. Prae ceteris vero Liger in tantum suas praeteriit

metas, ut cuncta circum circa posita periculo mortis tremefaceret, valla

penetrando, casas unä cum hominibus eruendo, pontes firmos sepesque

eradicando, boves cum bubulcis, ovilia cum ovibus et pueris demergendo,

ita ut diluvium esse crederetur.

1005. Allgemeine Hungersnot. Es sind Nachrichten erhalten aus

CÖln (Ann. Col., V. Herib.), aus Schwaben (Ann. Sangall. mai., Herim.

Aug.), aus Baiern, schon aus dem ersten Viertel des Jahres (Schreiben an

Bisch. Gottschalk v. Freising, Notae Buran.) und aus Frankreich (Bodolf.

Glaber). Gleichseitig Hungersnot in England (Ann. Colbaz.). Alpertus

\\

de diversitate TEMPORUM Hb. I, c. 6. S. S. IV, 704, 9. Post hinc triennium

quam rex in solium regni sublimatus est, commetes horribili specie

flammas hac illacque iactans, in australi parte coeli visus est. Ann.

||

Col. ed. Wattenbach Eccl. Col. metrp. cod. mss. 130. Fames valida.

||

Lantberti VITA Heriberti Colon, c. 7. S. S. IV, 745, 27. Periclitabatur

fame^) depressa Gallia et Germa,nia; et Domini servus magnopere

1) Ein bestimmtes Jahr giebt die Vita nicht an, es handelt sich

aber zweifellos um die Hungersnot der Jahre 1005 und 1006, die einzige


Chronik der elementaren Ereignisse. 109

instabat, ut eorum medicaretur inopia, adeo ut Colonia infinito talium

repleretur populo, et omnes eius viderentur compassionis oculo, et per

fideles ipsius alerentur vestitu cibo et poculo. Seorsum eis hospitia disposuit,

et pro varietate languorum annonam instituit, et ut singulis competebat

soUicitudinem adhibuit. Ipse secreto privatus ad eos descendebat,

et pedes eorum abluens et extergens, imbecillitati eorum vehementer

condolebat, dominos et fratres eos nominans; si quo indigerent,

ab eis prudenti astutia perquirebat; et sie erga ipsos exercitatiores eorum

ministros faciebat. Per alias etiam urbes familiarissimos animae suae

clericos idoneos habebat, quibus et certae pecuniae quantitatem clam

dirigebat, ut in similes usus ab eis fideliter expenderetur, et ea exposita

identidem ab eo alia repeteretur. Cumque sequentibus annis, emendata

terra, in sua qui possent redirent, vogabantur a benigne patre, ut

ab eo quod vellent peterent et invenirent. Ann. Sangall. maioe. S. S.

I, 81. Ecce fames qua per saecula non

|1

sevior uUa. ||

Hebim. Aug. chk.

S. S. V, 118, 37 (= Chr. Suevicum universale = Ann. August.). Fames

magna facta est. *) Schreiben des Abtes von Tegeknsee an Bischof

]]

Gottschalk von Fkeising. *) Meichelbeck, Hist. Frising. tom. I, prs. II,

472. Non possumus vos celare, quod multum laboramus prae fame.

Nos fratresque nostri tale periculum forte possemus evadere. Sed propter

famelicam familiam et moribundam, quae cottidie confluit ad nos undique,

omnes periclitamur, ut hoc periculo possimus eripi, manum misericordiae

vestrae precamur ad nos extendi. ||

Notae Bl-ranae S. S. XVin,

320, 36. Haec familia fugerat tempore famis ex monasterio Puronensi,

— es folgt eine Aufzählung von Dörfern mit Angabe der Namen

der Geflohenen. *) Raoul Glaber Mb 11 e. 9. ed. M. Prou 44. Eodem

||

autem tempore facta est fames praevalida quinquennio in universo

Romano Orbe, siquidem ut nuUa audiretur non inobs regio,

et indigens pane; multique exausti inedia de populo perieruut. Tunc

etiam per plura loca terrarum, non solum immundorum änimalium

et reptilium, verum etiam virorum ac mulierum, infantiumque

carnes compulit fames horrida sumere in cibum,

nulla vel parentum obstante necessitudine. Nam eo usque devenerat

hujus sevitia famis, ut jam adulti filii consumerent matres, ipseque in

parvulos, remota pietate matema, iddem excercerent.

1006* Die Hungersnot dauert fort; es sind Nachrichten aus Belgien

(Ann. Leod. G. abb. Trud.J, dem Sprengel von Utrecht (Alpertus)

und Niedersachsen (Ann. Hildesh.) erhalten. Auch in Südfrankreich

herrscht noch Hungersnot (Hodolf. Glab.). ||

Ann. Leod. S. S. IV, 18, 18

(= Ann. S. Jacob. Leod. = Ann. Laub. = Ann. Parch.). Fames valida,

apparente longo tempore comete. ||

Rlt>olfus gesta abb. Trudon.

lib. I, c. 1. S. S. X, 229, 30. Cum ex sterilitate terrae, aiunt, fames

aliquando eius tempore accidisset, concurrebat ad elimosinam fratrum

allgemeine während Heriberts Episkopat (999—1021). Es ergiebt sich

dies aus den Nachrichten der Ann. Col. und Alperts.

1) Die Nachricht stammt aus verlorenen schmäbischen Reichsannalen.

2) Begründung der Datierung: 1005 ist die einzige bekannte und

sehr bedeutende Hungersnot während der Regierungszeit des Bischofs

Gottschalk (993—1006). Die Datenangabe „tertia hebdomate post Pascha,

vid. XV. Kai. Mali", die sich in dem Briefe findet, trifft für das Jahr

1005 zu.

3) Der Herausgeber Jaffe giebt an, dafs die Nota der Schrift nach

aus dem 11. Jahrhundert stammt und bezieht sie auf 1005. Die Vermutung

wird fast zur Gewifsheit durch die Berichte aus benachbarten

Gegenden.; s. o. .


110 Chronik der elementaren Ereignisse,

omnis sexus et aetas importune et miserabiliter. Quorum aliquibus

interdum ad se vocatis, querere dicebatur ioculariter. Cuius servus tu ille ?

tuve illa, cuius ancilla es? Respondentibus illis verbi gratia sancti

Lamberti aut sancti Petri, sive sancti Servatii, sive sancti Remacli, postremo

cuiuslibet sancti, aiebat: Quid igitur tibi et familiae sancti Trudonis?

Pascat te tuus dominus, cuius tu es servus. Qui sancti Trudonis

se esse profitebatur, pateme ab eo andiebat: Pascet ergo te hodie

sanctus Trudo dominus noster, conservus enim noster es. Primis eins

annis aecclesia nostra necessariis illi deficientibus anxie nimis, ut referri

audivi, laboravit. At unde hoc potissimum accidisset, fide plena relatione

non didici. ||

Alpektus de diveksitate temporum lib. I, c. 6. S. S.

IV, 704. Sequenti anno fames et mortalitas gravissima per totum

orbem fac ae sunt, ita ut in multis locis prae multitudine mortuorum

et taedio sepelientium vivi adhuc spiritum trahentes, vi qua poterant

renitentes, cum mortuis obruerentur. |{

Ann. Hildesheim. M. G. S. S. kl.

Ausg. 29. Fames vaHda pene in universa terra.

1007. Ann. Sangall. maiores S. S. I, 81. Pestilentia gravis,

quae subitanea morte populum late vastabat.

1011. Ann. Quedlinburg. S. S. III, 80, 28, 34, 39. Pestilentia

et mortalitas inaudita tempestate ubique gentium monasteria, castella

et oppida devastantes, desaeviunt. Hiems insolita pruinarum asperitate

importune longa, ita ut solis calore insolubilem multum temporis

glaciem retineret, ac multa corpora hominum languida redderet. —

Ann. Alth. M. G. S. S. kl. Ausg. 17. Ingens

||

Ann. Ratispon. S. S. XVII, 584, 11. Insolita efFusio

|{

34. Eodem anno 3. Calend. Augusti (30. Jul.). feria secunda, luna 26.

cecidit glacialis grando ingens et horrenda. — 39. Ventus ingens plurima

aedificia subito turbine subvertit, et multa alia damna commisit.

1012. Ann. Quedlinburg. S. S. III, 81, 12. Terrae motus per loca

fiebant. Hoc etiam anno commotio aeris cum tonitru et fulgure et inundantia

pluviarum tanta facta est 4. Id. Augusti (10. Aug.), ut biduo

perseverans, perplurima damna perageret, domos multas cum suis utensilibus,

nee non acervos frugum pessundaret; homines quoque periclitarentur.

Thietmaei chr. lib. VII, c. 23. M. G. S. S. kl. Ausg. 182. In

illo

||

tempore inundante Danubio in Bawariis et stagnante Reno ita ineffabilis

populi ac pecoris, edificiorum quoque et silvarum tali impetu

erutarum multitudo periit, —

1013. Ann. Quedlinburg. S. S. III, 82, 19. Eodem anno inundatio

aquarum nimia facta est, multa damna ferens, 18. Calend. Januarii, luna

nona, feria 3. (15. Dec).

eruptio aquarum.

fluminum. Passio S. Cholomanni S. S. IV, 676, 30. Sequenti igitur anno*)

||

Danubius effreni licentia littorum curva itinera devagatus,

pleraque edificia suis viribus eruta funditus ingurgitavit, et queque loca

sibi contigua estuantis diluvii copiis inebriavit; Ann. Sangall.

||

MAJOR. S. S. I, 82. Erscheinung von Kometen.

Consequiturque lues sine nomine corpora perdens,

Visceribus fervens, inde cruore fluens.

1014. Ann. Laub. S. S. IV, 18, 31 (= Ann. Bland. 1013). 4. Cal.

Octobris (28. Sept.), luna sexta, magna maris inundatio ad vesperam,

ubi innumerabiles perierunt. Ann. Quedlinbg. S. S. III, 82, 25. Item

||

diluvium venit. — 35. Hoc etiam anno sol et luna aliaque sidera dant

metum tristium signorum

,

quae mox pestilentia saeva et mors

subitanea sequuntur.

1016. Ann. Hildesheim. M. G. S. S. kl. Ausg. 32 Ann. Ottenbur.

= Ann. Alth. = Lamp.). Magnae moiis grando venit, et plurimi fulmine

(=

exusti

perierunt.

1) Im Jahre nach dem Tode des heiligen Cholomann, f 1012.


Vita

Ann.

Chronik der elementaren Ereignisse.

Hl

1017. Thietmaki chb. lib. VIII, cap. 57. M. G. S. S. kl. Ausg. 228.

In aequenti vero nocte, id est dominica et Non. Julü (7. Juli) tempestas

ingruit horrida, homines cum pecoribus simul et aedificüs ac frugibus

late consumens. Inmensus quoque fragor silvas concutiens vias omnes

nimis occupabat.

1018. Ann. Quedlinbg. S. S. III, 84, 25. Cometa etiam eodem

anno diu visus est, qui luctum nimiae devastationis per Thiadricum

Galliae partibus, pestilentiam insuper et mortalitatem misero

mundo nunciavit. Qua clade obüt Baldricus Leodicensis episcopus, cui

Falmodo successit. Heinricus Wirtzeburgensis episcopus, Thiatmarus

Mersburgensis episcopus, Amoldus archiepiscopus Ravennatus, Odda venerabilis

Magadaburgensis presbyter, Athilger Halberstatensis praepositus,

aliique perplurimi nobiles utriusque sexus de hac luce abstracti sunt.

||

Thietm. CHR. lib. IX, cap. 13. M. G. S. S. kl. Ausg. 250. Mense Junio

inaequalitas aeris hominibus multis eorumque utilitatibus diversis admodum

nocuit.

1020. Ann. Corb. Jaff^ Bibl. I, 38. Hiemps magna. Qcedlbo.

||

S. S. III, 84, 48. Eodem anno hiems solito asperior atque diutumior

inhorruit, dura adeo, ut ipsa vi algoris plerique extincti occumberent;

quam etiam prius inaudita clades mortalitasque subsecuta, totum

pene orbem subitaneo vastans occasu, in momento inque oculi ictu incolumes,

ac sua quasi de sospitate certissimos, in ipsis nee non epulis

laetissimos, inopinato subtraxit. In Quedlinburg sterben 4 Nonnen. —

85, 12. Am 18. Juli erscheint ein Nordlicht. — 85, 39. Res mira cunctisque

inaudita seculis, incolis septentrionalis plagae accidisse dicitur.

Nam Albis et Wisara fluvii insoHta inundationis mole non solum

alveos suos egressi, sed ab ipso imotenus fundo qua nescio immani

ventorum violentia evulsi, oppida, rura, cuncta circumiacentium late confinia

terrarum, ipsis quoque collibus, ac montibus, quos natura quadam

prae ceteris sublimitate munierat, altius insurgendo, mersisse, et quod

bis miserabüius ac omni incredibilius est auditui, villas integras, nequaquam

soluta aedificiorum compage, cum inibi degentibus de alia in

aliam transvehendo ripam, eadem qua prius positione constituisse.

1023. Gesta episc. Cameracen. lib. III, c. 36. S. S. VE, 480, 9. Sed

nee oblivioni tradendum, quod per aliquot dies, dum sinodus celebraretur

{Jul. in Ächen), tanta sicoitas aeris et intemperies aestus excanduit,

ut multi mortalium prae nimio ardore deficere putarentur, sed et aliquot

animalia subito laberentur extincta.

1025. Lokale Hungersnot in Sachsen, dwch Nachrichten aus Quedlinburg

(Ann. Quedlinburg.) und Corvey (Ann. Corb.) belegt. ||

Ann. QtrEDlinburg.

S. S. III, 90, 18. Res admiranda nostrisque temporibus vehementer

stupenda 2. Non. Februarii (4. Feb.) contigit; siquidem sol

aureis invectus quadrigis, dum mediam poli arcem mira sui splendoris

claritate perfunderet, subito sub tema figura visus est fulsisse;

quod mirabile prodigium rei eventu postea constat probatum. —

21. Eodem anno fames praevaluit, et multa loca incendio perierunt. I|

Ann. Corb. Jaffa Bibl. I, 38. Fames maxima, in tantum ut plurimi

fame morerentur; insuper et pestilentia maxima. Meinwerci

||

EPisc. Patherbün. c. 151. S. S. XI, 138, 29. Facta in diebus eins fame

valida^), missis nunciis frumentum comparari fecit in Colonia,

et duas naves onustas ad inferiorem terram deferri, et dispensatione

villicorum super Velue et in Testerbant taliter mandavit erogari, ut una

1) Ein bestimmter Anhalt zur Datierung der Nachricht fehlt. Die

Hungersnot fällt in die Regierungszeit des Bischofs Meinwerk (1009 bis

1036). Das letzte Jahr vorher, das bestimmt angegeben wird, ist 1017.


112 Chronik der elementaren Ereignisse.

pars propriis, alia familiae indigentiis secundum numerum domesticorum

distribueretur, tercia ad proventum seminis, quarta mendicis erogaretur.

1031. Hungersnot in Frankreich^) (Chr. Autissiod., Breve Autissiod.

ehr. Ann. Lausann.). Chr. Autissiodorense Hist. de Fr. X, 276 A. Eodem

||

anno tanta fames fuit in Gallia, ut etiam in quibusdam locis vix alter

ab alterius camibus abstineret. Breve chr. Autissiod. Hist. de Fr.

||

X, 271AB. Anno MXXXI Venditus est sextarius salis solidis XXIII,

et tritici solidis IV. ||

Ann. Lausannenses S. S. XXIV, 780, 43 Fames

valida fuit in terra anno Domini 1031.

1032. Die Hungersnot in Frankreich dauert fort (Baoul Gldb., Hugo

IHav.).

II

Raoul Glabek hb. IV, c. 4 ed. M. Prou. 99—102. Sequenti itaque

tempore, cepit in universo orbe terrarum fames convalescere, ac interitus

pene universi humani generis imminere. Nam temperies aeris sie

intempestiva effecta est, ut nullius sationis proveniret tempus congruum,

nee messioni precipue ob inundantiam aquarum foret oportunum. Videbantur

enim inter se ipsa elementa pugnam discordie agere, cum procul

dubio vindictam exercerent humane insolentie; assiduis enim imbribus ita

compluta erat universa tellus, ut in spacio trium annorum nuUi reperirentur

sulci utiles seminibus. Tempore quoque messis herbe agrestes,

atque infelix lolium totam operuerant superficiem agrorum. Modius

quoque sementis, ubi majis proficiebat, reddebat in messe sextarium,

ipseque sextarius vix referebat pugillum. Ceperat enim primitus hec

sterilitas ultionis in partibus Orientis; depopulando Greciam devenit in

Italiam; dehinc defusa per Gallias, transiit ad universos Anglorum populos.

Tunc vero constricta tota gens indigentia victus, maiores et

mediocres fame pallebant cum pauperibus; cessit enim raptus

potentum universali inopie. Si quid ergo victus venundatus repperiebatur.,

arbitrio vendentis pro libitu erat excedere, seu accipere precium. —

Nam in plerisque locis fuit modii precium sexaginta solidorum,

alias quoque sextarius solidorum quindecim. Interea post esum

bestiarum et volucrum, urgente fame acerrima, ceperunt homines preripere

in cibum morticina queque ac dictu horrenda. Quidam vero fecere

confugium evadende mortis ad radices silvarum, herbasque fluviorum;

sed ne quicquam; non ergo aufugium ire ultionis Dei, nisi ad semetipsum.

Horret denique referre que tunc generi humano corruptiones

acciderint. Heu! proh dolor! quod olii» raro audiri contigerit, tunc

rabida inedies compulit vorari ab hominibus humanas carnes.

Arripiebantur autem viantes a se prevalentibus , menbratimque dividebantur,

igneque decocti vorabantur. Multi quoque de loco ad locum

famem fugiendo pergentes hospiciis recepti, noctuque iugulati, quibus

suscepti sunt in cibum fuerunt. Plerique vero pomo ostenso vel ovo

pueris, ad remota circumventus trucidatosque devoraverunt. Corpora

defunctorum in locis plurimis ab humo evulsa, nihilominus fami subvenerunt.

Que denique rabiei insanies in tantum excrevit ut tutius

moraretur solitarium absque raptore genus pecudum quam hominum.

Nam veluti jam in usum devenire deberet carnes humanas comedi,

quidam decoctas detulit venundandas in forum Trenorchii, ac si fuissent

alicuius pecudis. Qui deprehensus, crimen flagitii non negavit,

deinde, artatus loris, igne crematus est. Camem autem illam humo

absconsam alter effodiens , noctu comedit pari modo et ille igne

combustus est. Im Walde auf dem Wege zu einer Kirche lauerte ein

1) Das Erscheinen grofser Scharen von Flüchtlingen in Lüttich um

diese Zeit, scheint mit der Hungersnot in Verbindung zu stehen, vgl.

Anselmi g. episc. Leod. c. 37. S. S. VII, 209 u. 210; Rupert! chr. S.

Laurent. Leod. S. S. VIII, 274, 40 und Reineri v. Reginardi c. 16. S. S.

XX, 577, 14.


Chronik der elementaren Ereignisse. 113

Mann den Wanderern auf, ermordete sie und verzehrte die Körper; hei

ihm wurden später die Köpfe von 48 Menschen gefunden. Tunc etiam

perteniptatum est in eisdem partibus, quod nusquam comperimus quempiam

fecisse. Effodiebant enim plerique albam humum argille

similem, permiscentes quantum erat farine vel cantabro

,

exinde panes conficiebant, ut vel sie inedie mortis succurerent;

in hoc conficiendo spes tantum erat evadendi, sed profectus inanis.

Tenebat igitur pallor et macilentia ora cunctorum, cutisque distensa

inflatione in plurioribus apparebat; ipseque voces humane, perexiles

effecte, garritus morientium avium imitabantur. Tunc nichilominus e

cadaveribus mortuorum, passim pre multitudine sepultura carentibus,

lupi adescati post longum tempus predam cepere ex hominibus. Et

quoniam, ut diximus, sepeliri singulatim ob multitudinem non quiebant,

constructa in quibusdam locis a Daum timentibus que vulgo dicuntur

carnaria, in quibus quingenti, et eo amplius, seu quantum capere poterant,

permixtim absque ordine projecta sunt seminuda vel absque tegminibus

defunctorum corpora; trivia quoque et agrorum suesiciva pro

cimiteriis habebantur. Si qui vero auditu compererant quod melius

haberent, si ad alia transirent arva, perplures in itinere deficientes

moriebantur. Desevit enim in orbe terrarum, peccatis hominum exigentibus,

predicte pestilentie clades in spacium trium annorum. Tunc in

expensis egenorum distracta sunt ecclesiarum ornamenta,

disperditique thesauri, qui ob hoc in decretis patrum inveniuntur ibidem

primitus fuisse repositos. sed quantum supererat vindicte iuste ultionis,

excessit nimietas egenorum in plerisque locis thesauros ecclesiarum.

Nam et ipsi famelici nimia aifecti inedia, si contigisset eos repleri cibo,

distenti inflatione protinus moriebantur Alii autem cibos manibus

contrectantes , ori tempt^tes imponere sed conquiniscendo deficiebant,

non valentes explere quod cupiebant. Hugonis Flaviac. chk. lib. II,

||

c. 27. S. S. VIII, 399, 45. Schilderung der Hungersnot nach Bodulf.

Glaher lib. IV, c. 4. Miserum erat et dolendum, videre ora macentia

ieiunio, hos ad terram ruere non eis suffragante cibi solatio, istos morientes

aspicere, alios dum eis funus exiberent pariter commori et super

ipsos occumbere, plures numero insepultos iacere, quia non erat qui

sepeliret. Sequuta est et alia pestis, quia e cadaveribus mortuorum

pre nimia multitudine sepultura carentium lupi adescati, coepere praedam

ex hominibus. Tunc carnaria facta sunt a Deum timentibus, in

quibus patrem filius, fratrem frater, et mater filium dum deficientes

aspiceret, protrahebat; et aliquando ipse dum desperabat de vita, superaddebatur,

ita ut gratissimum id esset officium funeris, si spirans aliquis

illo a quovis proiceretur. Quamobrem in expensis egenorum aecclesiarum

ornamenta distracta sunt, dispertitique thesauri. Aurum enim,

ait moralis doctor Ambrosius, aecclesia habet non ut servet, sed ut

eroget. Quis autem eo tempore reconderet, cum reconditis, si fames

saltim quinquennio durasset, nullus esset qui frueretur? Sed nee Omnibus

subveniebatur, quia voluntati posse non suffragabatur. Hac ergo

tempestate civitatum Gallieanarum praesules consilium, quo

tanta mali moles levaretur, ineuntes, hoc tandem adinvenerunt,

ut quia deficientibus iam ex toto alimentis omnibus opitulari nequibant,

ne terra habitatore destituta in solitudinem redigeretur, aliquos quos esse

vegetiores constaret, dato pro posse numero cotidiano qualicumque cibo

sustentarent : non ut aliis solaeia quae poterant subtraherentur, set ut

istos sustentatos terrae cultores reservarent, et aUis misericordiae viscera

non negarentur. Det illis Deus invenire misericordiam ,

qui in tanta

angustia miseiicordiam necessitatem patientibus impenderunt; et pareat

eis, qui cum possent, voluntati indigentium, non ut debuissent et potuissent,

consuluerunt. Inter has angustias venerabüis abbas Richardus

Leipziger Studien yi. 1 : Curschmann, HimgerBnöte. 8


114 Chronik der elementaren Ereignisse.

mente conpunctus,

cum omnia quae habebat pauperibus contulisset,

non pepercit thesauris aecclesiae, immo quae in eis

preciosiora erant in ornamentis et pallis vendidit Remensi

aecclesiae, et precium eorum pauperibus distribuit, retento quoque

sibi certo numero eorum quibus cotidianum victum ut vivere possent

inpertiebatur, mittens praeter haec litteras et nuncios, et per se etiam

commonens reges et principes, pontifices quoque quibus familiaritate

iungebatur, ut thesauros, quos tinea et erugo demolitur, per manus

pauperum caelestibus palatiis, inderent, et ventres egenorum gazofilatia

aetemiatis sibi constituerent. Accepit etiam pecuniam non parvam a

comite Rutenensi, concessa loco vadii abbatia sancti Amantii, quae erat

iuris aecclesiae sancti Petri, quam omnino pauperibus partitus est. —

— — Nee debet reticeri Willelmi Supra regulae factum memorabile.

Cum a Fructuariensi coenobio, quod iuris erat Divionensis

aecclesiae, redisset, et Divioni, ut decebat, susceptus in capitulo qualiter

se fratres haberent, si necessaria non deessent inquireret, ut audivit,

omnia esse plena, nulbimque locum indigentiae qui non posset levi

obice obstrui, interrogat de elemosina, cognovitque, quia etsi consuetudinaria

dabatur, non tarnen pauperibus prout poterant et habebant

suffragabantur, zelo succensus eo qui carnes sanctorum exedit, increpata

eorum duricia, a sede concitus cum bona indignati animi stomachatione

surrexit, et imposita antiphona de mandato: Ubi est Caritas? non ultra

progrediens, sed hoc eins inicium semper repetens, ad cellarium venit,

et missile quodlibet, quod manibus Finees alterius occurrit, arripiens,

cum in ore et animo eius semper versaretur: Ubi est Caritas? vasa, in

quibus frumentum, ordeum et vinum servabatur, disrupit,

et accitis pauperibus vascula eorum inplevit,

yO 1033. Raoül Glaj/er lib. IV, c. 5 ^d. M. Prou. 103. Anno

a passione Domini millesimo, memorate cladis penurias subsequente,

sedatis nimborum imbribus, respectu divine bonitatis et

misericordie, cepit leta facies celi clarescere, congruisque

ethereis flare placidaque serenitate magnanimitatem Conditoris ostendere;

telluris quoque tota superficies amicabiliter virens frugum habundantiam

funditus inopiam expellendo portendere. In ganz Frankreich

finden Versammlungen statt, auf denen der Gottesfrieden verkündet wird.

105. Eodem denique anno tanta copia abundantie frumenti et vini,

ceterarumque frugum extitit, quanta in subsequente quinquennio contigisse

spirari non potuit. Aliquis enim victus humanus, preter carnes

seu deliciosa pulmentaria, nullius erat precii: erat autem instar illius

antiqui Mosaici magni jubelei. Sequenti vero anno tercio, et quarto

non minus provenit.

1035. Lokale Hungersnot im Moselgebiet^) {Miracul. S. Symeonis,

Gest. Trev. cont. I). Miracula S. Symeonis S. S. VIII, 210, 40. Tunc

1) Es erscheint am natürlichsten, das Jahr 1035 als__das Notjahr

anzunehmen. In den miracula S. Symeonis folgt auf die Überschwemmung

sofort S. Tod (1. Juni 1035). Die Gest. Trev. deuten durch die

einleitenden Worte: „illo tempore cum adhuc Symeon vitales

carperet auras" ebenfalls an, dafs die Ereignisse zeitlich kurz vor S.

Tode liegen müssen. Immerhin ist es möglich, dafs die Hungersnot

einige Jahre früher stattfand. Ein Zusammenhang mit der französischen

Hungersnot von 1031— 1032 ist aber nicht anzunehmen, da die Hungersnot

durch die Überschwemmung der Mosel, also durch ein Ereignis von

nur local beschränkter Wirksamkeit hervorgerufen wurde, eine Thatsache,

die die Gest. Trev. durch die Worte „fames in omni terra ista"

bestätigen.


Chronik der elementaren Ereignisse. 115

siquidem temporis, peccatis nostris promerentibus, nimia aquarum inundatio

increvit saeculis. Causa periculi huius Symeon imputabatur

ab Omnibus, hunc maleficum esse, pro suis sceleribus hoc malum mundo

imminere; — — — Gesta Teeveroeum cont. I. S. S. VHI, 188, 11.

||

Fuit autem fames valida in omni terra ista, ita ut multi morerentur

inedia; hiemalium pluviarum enim inundantia, sed et

fluminis secus civitatem decurrentis verno tempore inaestimabilis

superhabundantia diutina stacione et nimia sui limositate

omnes fere segetes absorbuerat. Cuius causam mali

insipiens vulgus Simeoni, sicut in vita ipsius legitur, imputabat. Tunc

episcopus multam egentibus exhibebat humanitatem illud saepius ante

mentis suae occulos ducens, quod dicit sermo divinus: „Qui viderit

fratrem suum necessitatem patientem et clauserit viscera sua ab eo,

karitas Dei non manet in eo. Etenim die quadam in albis paschalibus

cum ad unam ecclesiarum in civitate consistentium , divinum celebraturus

officium, equo nobili vectus incederet, obviam habuit in campo

pauperum multitudinem copiosam, qui deprecabantur eum, ut solita

miseratione aliquid ipsis inpenderet vitae subsidium. Qui accito mox

ad se cubiculario suo, iussit exhiberi sibi festinato thesauri non modicam

quantitatem ad dispertiendum illis. Omnibus ergo qui secum erant

eum inpellentibus et dicentibus, ut primum cuius gratia venerat adimpleret

indeque revertens expeditius quantam voluisset pauperibus misericordiam

inpenderet, ipse respondit: „Nolite karissimi hoc persuadere

mihi, quia sicut illud, ita et hoc Deo est obsequium. Nempe sie oracio

nostra apud maiestatem Dei acceptior erit, si, antequam eo veniamus,

karitas ista praecesserit. Credo nimirum et secui'us sum, quod sine

ambiguitate sacrifieium nostrum divinis conspectibus praesentabitur , si

tantae multitudinis fusa prece commendetur." Interea cubicularius

postulatum obtulit censum, quem acceptum ut coepit in pauperes expendere,

una omnes coeperunt voce clamare, nummis sibi opus non

esse; de nummo enim aut nihil aut parum quisque sibi valentis comparare

posse, quia, sicut ipse nosset, modius unus frumenti appenderetur

solidis 25. Quibus ille respondit, aliud quid sibi prae manibus

non esse, quo potuisset illorum necessitatibus communicare. Quo contra

illi: „Si", inquiunt, „ad praesens aliud quid dare nobis non habes, da

saltem de pinguibus equis tuis, ut vel ad modicum compescatur esuries

nostra edulio camis." At ille, licet invitus, recordatus tarnen verbi

illius, quod vulgo in proverbium vertitur: „Carum quisque dabit, qui

cara recipere quaerit, primum dedit suum, deinde aliorum non equidem

omnium, sed eorum tantum quos ad hoc pietatis opus sua potuit exhortatione

instigare; et laniatiatque devorati sunt inmomento coram eo.ij

Ann. Alth. M. G. S. S. kl. Ausg. 20. Inaudita mortalitas animalium

et defectio apium omnem Baioariam multum afflixit.

1036. Ann. Cokb. Iaffe Bibl. I, 38 mortalitas in nostro monasterio

Ann. Alth. M. G. S. S. kl. Ausg. 20. Hiems acerba et nimis

II

facta.

longa, in qua etiam multitudo arborum arefacta est, et in quibusdam

locis exinanicio frugum.

1038. Hungersnot in Baiern. Ann. Alth. M. G. S. S. kl. Ausg. 23.

Maxima defectio frugum per totum contigit Teutonicum regnum,

ita ut in plerisque locis homines fame deficerent et multae villae

fugientibus colonis vacuae starent. Ann. August. S. S. III, 125, 44.

||

Imperr.tore de Ultraromanis partibus redeunte, pestilentia exercitum

invasit, in qua Heinrici regis uxor cum multis periit.

1039. Ann. Axth. M. G. S. S. kl. Ausg. 23. Aestas calore validissima

et maxima fuit frugum abundantia.

1040. Ann. Magdeburg. S. S. XVI, 172, 12. Eodem tempore aquae

longe lateque inundavere, unde multi per diversa loca interiere. Ann.

||

8*


Ann.

116 Chronik der elementaren Ereignisse.

Alth. M. Gr. S. S. kl. Ausg. 23. Tunc etiam vini exiguum et factum

est acerrimum. Ottenbuk S. S. V, 6,

||

10. Aquae inundantes multos

extinquunt.

1041. Ann. Alth. M. Gr. S. S. kl. Ausg. 28. Eodem anno in orientali

Francia ventus validissimus magna dedit damna, adeo ut iuxta

Montem Pavonis silvae magnam partem prostraverit, innumera aedificia

subruerit. Caritas et penuria frugum maxima per totum Franciae

regnum. Hoc etiam anno Isac fluvius iuxta Pozan nimium inundans

miserandam stragem dedit, terram vinearum funditus usque ad saxa

proluit et aliis iuxta iacentibus eandem ingressit et plerasque taliter

inutiles reddidit, ex utraque parte alvei aedificiorum iumentorum et

agrorum maximam cladem fecit.

1042. Ann. Blandinienses S. S. V, 26, 14. Hoc anno facta est

magna inundatio maris 4. Nonas Novemb. (2. Nov.). ||

Ann. Laubienses

Flaviacensis che. S. S.

S. S. IV, 19, 33. Aestas pluvialis. Hugonis

||

Vrn, 403, 42. Sequuuta est e yestigio mortalitas hominum praemaxima

a. ab ine. Dom. 1042. Multi autem eorum qui torquebantur

ab igne, venientes ad virum Dei, meritis eins et precibus curabantur

medica virtute Dei. ||

Ann. Colbazienses S. S. XIX, 714, 21. Mortalitas

magna hominum.

1043. Das erste Jahr einer allgemeinen Hungersnot ; die Not macht

sich zuerst in Belgien (Ann. Laub., Anselm. gest. episc. Leod.) und

Böhmen (Cosmas) bemerkbar, doch wird auch aus Schwaben über ungünstige

Witterung und Mifsernte berichtet (Chr. Suevic. u/nivers., Ann.

Sangall. maior.). Ann. Laub. S. S. IV, 19, 34. Farnes exorta, et gelu

magnum a Calendis Decembris (1043) usque Calendas Martii (1044).

||

Anselmi gesta episc. Leod. c. 53. S. S. VII, 221, 0. Statim primo episcopatus

sui anno^) omni peste crudelior fames incubuit, quae sex fere

continuis annisGalliae et Germaniae populumnoscitur oppressisse,

cuius feda ubivis fas est adhuc cernere vestigia. Eademque tempestate

prudentia nostri Joseph undique frumenta coemere et tutis apothecis

recondere curabat, non quia inde terrena sectari lucra quereret,

sed ut gratis ad sufficientiam suo tempore esurienti familiae

Domini cybos fidelis dispensator distribueret. Praeter stipendia pauperum,

pro quibus cottidie libra denariorum expendebatur cum aliis adeo

multis quae enumerare non sufficio, verecundioribus prae pudore a

mendicitate abstinentibus

,

prout quisque erat, alii denos alii vigenos,

aliis trigenos, alii sexagenos, alii centenos annonae modios, per occultos

huius rei opifices destinare curabat. Sed nee ingenuorum rem privatam

hac dira necessitate extenuatam excellentis viri longa praeterit munificentia,

qua annitente et summopere iuvante, pro alimentis amplae domus

aurum sponsale, vestes, praedia distrahere opus non fuit. Quid dicam

de congregationibus clericorum, monachorum et sanctimonialium, erga

quarum necessitates tanta boni pastoris vigilabat sollertia, ut quae prae

anxietate famis et statuto victu deessent, de suo libentissime suppeditaret?

Nihilominus pii patris industria ruricolarum laboriosam respicit

inopiam; ad cuius malum temperandum toto hoc famis tempore unicuique

mansionario per singulas ebdomadas binos dari constituit

denarios, ne prae instante angustia boves vendere

aut de caetero terram inaratam relinquere cogerentur, sicque

erumnosam vitam aut mendicando ducere, aut mortem omni gladio

seviorem cum omni domo miserabiliter incurrere. ||

Cosmae che. Boemokum

1) Wazo wird Bischof im Herbste 1042 (sein Vorgänger Nithard f

16. Aug. 1042). Da die belgischen Quellen im Jahre 1042 noch nichts

von einer Hungersnot wissen, so wird man mit Ann. Laub, den Beginn

der Notperiode 1043 ansetzen können.


Ann.

Chronik der elementaren Ereignisse. 117

S. S. IX, 75, 10. Tanta fames fuit in Boemia, ut tercia pars populi

interiret fame. ||

Chk. süev. univeks. S. S. XIII, 72, 2. Totum tempus

aestivum in tempestates pluviasque hiemales pene conversum magnam

frugum et vindemiarum penuriam eflfecit. *) ||

Ann. Sangall. maior.

S. S. I, 84. Notabilis annus nimia ymbrium superfluitate et fructuum

terrae paucitate.

1044. Grofse allgemeine Hungersnot in Frankreich, Italien (s. Steindorff

I, 197) und im -ganzen Westen Deutschlands. Nachrichten sind

erhalten aus Belgien (Ann. Leod., Ann. Laub., Gest. abb. Gembl.), vom

Mittelrhein (Ann. Alth. a. 1045), aus Speier (Amarcius) und aus Schwaben

(Ann. Sangall., Bernold, Herim. Aug.). Raoul Glaser ed. M. Pboü. 130.

Tunc inter ceteras rerum inopias vini tanta raritas extitit, ut viginti

quattuor solidorum precium unius modii. Leod. S. S.

||

IV, 19, 40. Fames valida. *) ||

Ann. Laubienses S. S. IV, 19, 40. Fames

pervalida. |1

Gesta

abb. Gemblac. auc. Sigeb. c. 40. S. S. VIII, 539, 50.

Quid autem dicam, eo tempore quo nimia annonae Caritas totam

profligavit Galliam*), quam sibi (Olbert) ä Deo in faciendis elemosinis

cumulavit gratiam, quam apud homines inaucta ecclesiastica

re sibi adquisivit gloriam? Quasi enim alter Joseph praescientiae tactus

gratia, frugum ubertate superioribus annis sua repleverat

horrea, de quibus pauperum suorum in tempore relevare penuriam

parabat Dei praevidentia. Et cum multi alii ducti avaritiae spiritu

aliorum penuriam ad suam verterent commodum, dum posthabita misericordia

pauperum, sua aut servant tenatius aut vendunt carius, hie nee

sua sibi serrare per tenatiam nee aliis vendere voluit per avaritiam;

sed ipsius Dei creditor efiFectus, coepit esse laudabilis usurarius. — —

Praeter illos enim qui singulis horis euntes et redeuntes de eins participabant

benedictione, non paucos domesticos aeeclesiae ut dignum erat

sustentabat de penu matris aeeclesiae, constituta eis sine dilatione

diumi viatici stipe. Et hoc in eo poterat esse miraculo omnibus, quod

cum esset in elemosinarum largitate tarn profusus, in relevanda aliarum

congregationum inopia tam pateme prodigus, in vicinis suis etiam

nobilibus in tali temporis articulo consolandis tam liberali oportunitate

paratus, cum etiam suos, sciHcet aeeclesiae homines, sua compassione

iuvaret laxando oportune solitos terrae reditus, gregem Christi in solitudine

claustrali divinae servituti vacantem nunquam habuit immisericordius,

sed sufficientia proveniente sibi coelitus, toto humanitatis affectu

serviebat Deo servientibus. Ann. Cobb. Iaffe Bibl. I, 39. Vindemia hoc

||

anno periit; sed et mel similiter carum fuit. ||

Amarcius aus d. Abschnitt

DE SOBRIETATE ET ELEMOSTNIS FACIENDIS. BÜDINGEE, AlTESTE DeNKHALE

DER Züricher Litteratür S. 31.

Sed male jejunat quinil largitur egenti;

Tertius Heinricus, Romanae sceptriger arcis,

„Frange tuum panem, deus hoc iubet, esurienti

Et nudos operi" mira est pietate secutus,

Intendens placare deum et praecidere culpas,

1) Der Schlufs der Notiz findet sich wörtlich auch bei Herim. Aug.,

beide Quellen schöpfen aus den verlorenen schwäbischen Reichsannalen.

2) Sigebert übernimmt die Nachricht und setzt hinzu Galliam et

Germaniam profligat.

3) In den Gesta ist kein bestimmtes Jahr angegeben; es kann aber

nur die Hungersnot von 1044 gemeint sein. Es ist die einzige bedeutende

Hungersnot in Belgien während der Regierungszeit des Abtes Olbert

(1012—1048), und auch in seiner Chronik erwähnt Sigibert in diesem

Jahre eine Hungersnot.


Wg

Chronik der elementaren Ereignisse.

Tempore quo multis spoliavit civibus orbem

Importuna fames et mille cadavera stravit.

Nonnullosque malis marcentibus ipse paterno

(Sintagma egregium) recreavit more pusillos;

Praeterea innumeros nummis aluisse diurnis

Dicitur ille, niger donec discesserit annus.

Ann. Sangall. maiok. S. S. I, 85. Fames valida.

||

Beknoldi chk.

S. S. V, 425, 40. Magna vis famis homines immunda animalia comedere

coegit. ||

Herim. Aug. che. S. S. V, 124, 33. Maxima pestispecudum,

et hiems satis dura et nivosa magnam vinearum partem frigore

perdidit, et frugum sterilitas famem non modicam effecit.

1045. Die Hungersnot scheint auch noch in diesem Jahre fortzudauern;

je eine Nachricht ist aus Westfalen (Ann. Corb.) und vom

Mittelrhein erhalten (Ann. Alth..) Ann. Cokb. Jaff:^ Bibl. I, 39. Fames

magna, ita ut multi perirent. Ann. Alth. M. G.

||

Id ipsum quoque reliquis ^) Deo iuvante fecisset, si

S. S. kl. Ausg. 39.

non fame populi

prohibitus fuisset, quae tam valida erat per totum regnum eiusdem anni

temporibus, ut grandes vici plerique vacui remanerent, pereuntibus habitatoribus.

Hugonis Floeiacensis che. S. S. VIII, 404, 5. Etenim superioribus

|1

annis quando lues illa, de qua inpraesentiarum mentionem

fecimus, populum vastavit, cum dilaberetnr populus, et civitas Virdunensis

pene redigeretur in heremum, commune periculum communi oratione

toUi consultum est. — —

1046. LoJcale Hungersnot, durch eine Nachricht aus Augsburg belegt

(V. üdalrici.). Ann. Coeb. Jaffe Bibl. I, 39. Nix nimia. Frigus

nimium. Tempestas maxima. Herim. Aug. che. S. S. V, 125, 36. Magna

||

mortalitas multos passim extinxit. Vita S. Üdalrici peioris Cel-

|1

LENsis c. 7. S. S. Xn, 255, 27. Quodam etiam tempore^), cum acerrimae

famis incumbent-e periculo multarum habitatores regionum gravissime

premerentur, augusto Longobardiam indeque Italiam hoc comite

proficiscente , fratres ipsius, communibus rebus pro relevanda penuria

distractis, non modice tribulabantur. Quo cognito, vix post multas

preces, impetrata ab imperatore licentia, festinanter redit, et praediis

suis in pignore positis, non solum sui gregis, sed et aliorum necessitates

promte animo relevavit.

1047. SiGEBEET. CHR. S. S. VI, 359, 3. Mx tanta in occidente cecidit,

ut Silvas frangeret.

1048. Ann. Althah. M. G. S. S. kl. Ausg. 44. Modicum vini.

Plaga crudelis in homines grassata; mures enim consumpsere fruges

terrae. Terrae motus IIII. Id. Octobris (12. Okt.).

1050. Ann. Brunvilarenses S. S. XVI, 725,'[15. Hoc anno ventus

gravissimus fuit 5. Kai. Februarias (28. Jan.).

1052. Ann. Alth. M. G. S. S. kl. Ausg. 48. Non modica penuria

frugum, vini modicum et acerrimum.

1053. Bedeutender Notstand in Süddeutschland, besonders in Baiern

(Ann. Alth.). Ann. Alth. M. G. S. S. kl. Ausg. 49. Vini frugum

maxima penuria in tota pene grassabatur Baioaria. Quapropter co-

1) sc. urbibus, d. h. der Kaiser hätte, wie Böckelheim, so auch

noch andere Burgen und Städte erobert. Böckelheim wurde kurz nach

Weihnachten 1044 erobert.

2) Heinrich IE. war vom September 1046 bis Mai 1047 in Italien.

Udalrichs Anwesenheit am 25. Oktober 1046 auf der Synode von Pavia

ist bezeugt (Mansi XIX, 617—618). Die Hungersnot mufs also Ende

1046 oder Anfang 1047 angesetzt werden.


Chronik der elementaren Ereignisse. 119

lono fugiente plurimi vici deserti remansere. Hebim. Aug. chb.

||

S. S. V, 133, 3. Et hoc et superiore anno frugum penuria facta est

non modica.

1054. Ann. Alth. M. G. S. S. kl. Ausg. 50. Improvisus ergo ingreditur

provinciam, maximam frugum pecorumque inveniens abundantiam.

1055. Beginn einer loJcaJen Hungersnot in Franken (Chr. Wirziburg.,

hieraus entlehnt in den Ann. Wirziburg. und Ann. Hildesh.). Ann.

S. CoLUMBAE Senonenses S. S. I, 106. Anuo ab incamatione Domini

1055 intrantibus Kalendis Augusti (1. Aag ) mensis tempestas valida

Ita ut vastaret omnia sata et segetes et vineta et nemora

per plurima loca, ut interficeret homines et iumenta.

||

Chk. Wmzi-

BUKG. S. S. VI, 31, 24. Farnes magna fuit.

1056. Hungersnot in Franken (Chr. Wirzibv/rg.. daraus entlehnt

Ann. Wirziburg., Ann. Hildesh. u. Berthold.), mehr läfst sich trotz des

allgemeinen Ausdruckes aus der einen Quellenstelle nicht folgern. Chk.

Werzibubg. S. S. vi, 31, 35. Fames multas provincias afflixit.

Egestas et penuria undique praevaluit. Multa mala tunc temporis facta

sunt. Heiuricus imperator his doloribus cordetenus conpunctus,

infinnari coepit, et perduetus usque ad mortem ; sapienti tarnen

usus consilio, ab omnibus quibus potuit veniam petens, quibusdam

praedia quae abstulit restituens, cunctis qui contra

eum culpas damnabiles fecerunt relaxans filium suum Heinricum

— — regem constituit.

||

Reineki libell. de adventu beliquiabom

BEATi Laübentii S. S. XX, 581, 30. Erat ipso in tempore tanta pluviarum

inundatio tamque vaUda imbrium effusio, ut paene alterum

diluvium crederemus — — — Post exceptionem sanctarum reliquiarum

— — sol, qui fuerat in nubilo pene per unum mensem, ita hora

eadem radiorum suorum lucem profudit, — — Nee fortuita fuit illa

serenitas, sed continua et perseverans, omni mundo spem reddidit et

salutem.

1057. Chk. Hekim. cont. auct. Bebtholdo S. S. Xm, 731, 19.

7. Kalendas Maias (25. April) immensitas nivis et pruinae magnam

partem ^inearum perdidit. — 23. Hoc aimo lapides mirae magnitudinis,

mixti grandine, de coelo ceciderunt, et nonnulli hominum fulmine perierunt.

1059. Chb. Hekim. cont. auct. Bertholdo S. S. Xm, 731, 32. Hoc

anno magna mortalitas hominum et pestis pecorum facta est.

[j

Ann.

Althah. M. G. S. S. kl. Ausg. 55. Hoc anno frumenti et vini satis

abundans copia in Baioaria fuit, sed gravis pestilentia hominum

animaliumque per totam provinciam grassabatur. ||

Lampekti

ANN. M. G. S. S. kl. Ausg. 77. Ubi et sinodus indicta fuerat; sed excusantibus

se episcopis per infirmitatem et pestilentiam, quae tunc

temporis vehementer grassabatur in Gallia, ad effectum non pervenit.

1060. In diesem und dem folgenden Jahre eine Hungeisnot, wie es

scheint über ganz Süddeutschland verbreitet. Eine Nachricht au^ Augsburg

{Ann. August.) und eine aus Österreich {Auct. Zwetl.), die auf das

Ende dieses Jahres oder den Anfang des folgenden bezogen werden mufs,

sind erhalten. Hebimani cont. Bebtholdo S. S. XHI, 731, 43. Hoc anno,

sicut in priori, mortalitas multos extinxit, hyems satis dura et nivosa

et plus solito prolixa frumenti vinique maximum attulit damnum.

Ann. August. S. S. HI, 127, 30. Fames et mortalitas magna.

II ||

Ann. Alth. M. G. S. S. kl. Ausg. 55. Hiems tarn acerba per Teutonicum

regnum habebatur, ut immensitate ac diutumitate nivis ac frigoris

multi mortales hac luce privarentur. Mox secuta est aquarum talis

effusio, qualis vix aut nunquam fertur in illo regno provenisse. jj

Auct.


120 Chronik der elementaren Ereignisse.

ZwETLiENSE S. S. IX, 539, 41. Farnes valida Ba-wariam, Alemanniam,

Franciam, Thoringiam, orientalem Saxoniam occupat.^)

1061. Die Hungersnot in Süddeutschland dauert foii (BerthoM.).

Chb. Hekimani cont. auct. Bertholdo S. S. Xni, 731, 49. Magna fames

multos consumpsit.

1062. Drittes Jahr der Hungersnot in Süddeutschland (Bernold),

doch nicht ganz sicher, da Berthold ^ der den Ereignissen naher steht,

nichts von einer Hungersnot weifs. Beknoldi chr. S. S. V, 428, 13. His temporibus

fames magna fuit. Chr. Herimämmi cont. auct. Bertholdo M. G.

||

S. S. XIII, 732, 9. 6. Idus Febr. (8. Febr.) terrae motus, fulgura et tonitrua

facta sunt; pestilentia et mortalitas subsecuta multos extinxit.

1063. Chr. Herim. cont. auct. Bertholdo S. S. XIII, 732, 17. Tempore

veris, medio mense Aprilis, per quatuor dies hyems saeva,

ventosa et nivosa aves et pecora frigore extinxit, arborum et vinearum

maximam quoque partem perdidit.

1067. Ann. S. Dionysii Rem. S. S. XIII, 83, 11. Facta est hiems

horrida a festo sancti Briccii (13. Nov.) usque ad festum sancti Gregorii

(12. März).

Zwischen 1066 und. 1072 eine Hungersnot in Bremen, etwas näheres

läfst sich nicht bestimmen' (Adam). Adami gesta Hamaburg. eccl. pon-

TiF. lib. in, c. 56. M. G. S. S. kl. Ausg. 137. Hoc solum fas est pace

omnium dici fratrum, quia toto septennio*), quo supervixit archiepiscopus,

ex illo famoso et opulento Bremensis ecclesiae hospitali nulla

prorsus data est elemosina. Quod ex eo miserabile et inhumanum videtur,

quoniam ettempus incubuit famis, et multi pauperes in plateis

ubique reperti sunt mortui.

1068. Ann. Weissenbg. S. S. III, 71, 35 (= Ann. Laub. cont.).

Aquae inundaverunt. Magna et ante inaudita sterilitas vini et pomi

Berthol. ann. S. S. Y, 274, 9 (== Bernold.). Totus ille annus

facta est.

||

pluvialis. Ann. Augustani S. S. III, 128, 25. Inundatio pluviarum.

II

belegt

1069.

(Ann.

LoTcale Hungersnot,

August.). Ann.

nur durch eine

Weissenburg. S.

Nachricht

S. III, 71,

aus

36

Augsburg

(= Ann.

Laub. cont.). Hyemps magna et aspera. Lamp. ann. M. G. S. S. kl.

Ausg. 111.

sterilitas fuit. Ann. Augustani

||

S. S. III, 128, 29. valida.

Maxima eo

||

anno vinearum omniumque silvestrium

Fames

arborum

1070. Berthold. ann. S. S. V. 275, 11. Hiemps ventosa et pluvialis.

ann. M. Lamp. G. S. S. kl. Ausg. 118.

II

eadem quae priore anno sterilitas permansit.

Silvestrium arborum

Sed vinearum tanta

fertilitas fuit, ut plerisque in locis pre multitudine vix colligi vindemia

posset.

1071. Ann. Formoselenses S. S. V, 36, 8. Gelu magnum.

1074. Lamp. ann. M. G. S. S. kl. Ausg. 176. Frigus erat validissimum,

et hiberna siccitate arebant omnia, in tantum ut flumina

non superficietenus glacie constricta, sed tota preter solitum in glaciem

conversa viderentur. Ann. YntnaGEN. Forst Osnabr. G. Q- Ii 181.

||

Hiemps durissima.

1) Die Bestimmtheit, mit der das Ausdehnungsgebiet der Hungersnot

umschrieben wird, mufs einiges Mifstrauen erregen; es läfst sich mit

Sicherheit nur annehmen, dafs die Hungersnot weite Strecken in Süddeutschland

ergriffen hatte. Die Datierung 1054 im Auct. ist falsch,

wie überhaupt die Chronologie des Auct. ziemlich unsicher ist. Nach

dem, was sonst in demselben Abschnitte berichtet wird, mufs die Hungersnot

in das Jahr 1060 oder 1061 gesetzt werden; vgl. Meyer von Knonau,

Heinrich IV., I, 193 ff.

2) "Von Adalberts Verbannung vom Hofe 1066 bis zu seinem

Tode 1072.


Beetholdi

Ann.

Chronik der elementaren Ereignisse. 121

1076—1077. Ein auffallend langer tmd harter Winter, nach dem

übereinstimmenden Bericht zahlreicher Quellen anhaltender Frost von Anfang

November bis März. Besondere tcirtschaftliche Schädigungen scheint

aber der Winter nicht gebracht zu haben. Von einer Mifsernte hören

wir mir in Ostfrankreich (Ann. S. Columb. Sen.J, Belgien (Ann. Elnon.

Vita Theod. abb. Andag.) und Augsburg (Ann. August). Von einer

lokalen Hungersnot wird in Schwaben berichtet, dabei aber als Grund

ausdrücklich Veitoüstungen des Landes durch den Krieg angegeben. Ann.

Remen. et Col. S. S. XVI, 732, 15. Hoc anno facta est hiemps liorrida

a festo sancti Briccii (13. Nov.) usque ad festum sancti Gregorü

(12. März).

II

Ann. S. Columbae Senonensis S. S. I, 106. Facta est

hiems magna et valida nimis, qualem nunquam se vidisse et audisse

testantur etiam ipsi senes senio confecti. Sumpsit autem ipse hiems in

Calendis Novembribus (1. Nov.), et nuUo modo cessavit, donec mediaretur

Marcius. Defeccio autem tanta tritici facta est, ut vix quispiam

hominum etiam semina terrae se recipere crederet. ||

Hugo. Flaviniac. che.

LiB. n. S. S. Vlil, 414, 1. Et hoc anno fuit gelu magnum a. 7. Idus

Decembris (7. Dec.) usque Idus Martii (15. März). ||

Vita Theodeb. abb.

Andagin. c. 26. S. S. XU, 52, 25. Tunc post illam longissimam et

asperrimam hiemem, qua Galliarum maximi fluvii Rodanus, Ligeris

et Rhenus, et Germaniae Alba, Viscia et Danubius, in Italia etiam

Tiberis et rex fluviorum Eridanus, gelu et frigore concreti, navibus

invii, hominibus, equis, asinis et plaustris visi sunt similes terrae pervii,

tanta longo sereno siccitas subsecuta erat, ut negatis nimia ariditate

pecori pascuis, vitio aeris arentibus arvis et morientibus per omnes

agros herbis, trepidarent late uno timore multarum regionum populi,

timentes ne rediret illud grave saeculum, quando in servum venditio

loseph a fratribus prae inopia famis in Aegyptum venientibus,

1|

Ann. Mosomagenses S. S. III, 161, 53. Annus glatialis. ||

Ann. Elnonenses

MAioK. S. S. V, 13, 37. Facta est hiems gravissima, incipiens Id.

Nov. (13. Nov.) et durans usque ad Martium. Quam secuta est anno

secundo siccitas maxima. Leodiens. cont. S. S. IV, 29, 1 (=

||

Ann. S. Jacobi Leod.).

Gelu magnum a medio Novembre (1076) usque

ad aequinoctium vemale. Ann. Laubiens. cont. S. S. IV, 21, 13. Gelu

||

permaximum a Calendis Novembris usque medium Martii. ||

Ann.

Blandinienses S. S. V, 26, 42 (= Ann. Formosel.). Hiemps gravis. ||

Ann.

Beojwilarenses S. S. XVI, 725, 28. Hie a Kalendis Novembris usque

ad medium Martii hiemps continua et asperrima fuit, adeo ut

Renus glacie concretus calcabilis meantibus extiterit. ||

Annl. Saxo S. S.

VI, 711, 24 (= Ann. Yburg.). Hiems magna et nivosa ac nimis

prolixa fuit. A. 6. Kai. Decembris (26. Nov. 1076) omnia flumina glacie

constricta sunt usque 14. Kai. Aprilis (19. März). ||

Lamp. ann. M. G. S. S.

kl. Ausg. 284. Vis atque inclementia hyemis hoc anno adeo iugis solitoque

asperior inhorruerat, ut a festivitate sancti Martini (11. Nov.) Rhenus

fluvius glaciali frigore constrictus pene usque ad Kalendas

Aprilis (1077) pedestri itinere transmeabilis maueret, et plerisque in

locis vineta, exsiccatis frigore radicibus, omnio arescerent. Ann. Wikzi-

BüKG. S. S. n, 245, 19. Hiemps magna

||

et nivosa. Ann. S. Michael.

Babenbeeg. IaffiS Bibl. V, 552

||

hieme solito graviore, Ruodolfus

subrogatur in regnum.

||

ann. S. S. V, 287, 7 u. 299, 1. Hoc

coUoquio circa Kalendas Novembris (1. Nov. 1076) finito, ilico praeter

solitum px-aegrandis nix terras undique opprimere inc^pit. — 299, 1.

Undique igitur huiusmodi motus per provincias omnes ab utriusque

partis sectatoribus promiscue, at in bellis solet, per totum annum illum

agebantur. Unde fames non minima, et quia terra fructum suum

non dederat, et quia praedictis violentiis raptores et

latrones omnia consumpserant, per partes nostras effecta, multos


122 Chronik der elementaren Ereignisse.

contabescere et miserabiliter interire coegerat. Divinae pariter ut et

seculares legum Constitution es nee nominabantur saltem his diebus

Bernoldi chk. S. S. V, 433, 24.

||

Maxima nix totum regnum a 2. Kalend.

Novemb. (31. Okt.) anni prioris (1076), usque in 7. Kalend. Aprilis

(26. März) anni praesentis obtinuit.

||

Ann. Augüstani S. S. III, 129, 8.

Hiemis continua asperitas, et nivium importunitas a Kalendis

Novembris usque post Kalendas Aprilis, ita ut arbores arescerent; tanta

deinde terrae frugum sterilitas, ut etiam semen deesset.

1078. Ann. S. Columb. Sen. S. S. I, 106. Sequenti autem anno

(1078) facta est tanta ariditas et siccitas terrae, ut prata et virentia

quaeque arefierent. Ubertas autem frumenti et vini facta est;

lunio mense colleccio frugum est facta. ||

Bald. Nraov. S. S. XXV, 524, 39.

Hyems asperrima invaluit atque durissima a. Kai Novembris usque

in letaniam maiorem*) (25. April). Cuius tanta vis erat, ut diebus

natalis vel quadragesime divina in ecclesiis non fieraiftt, nisi plurimo

igne accenso carbonibusque congestis, et quem calor ignis hinc coquendo

exurebat, illinc frigus tollerare non poterat. Perieruntque bestie, volucres

et gramina; et in pascha (24. März) qui sereno celo in sole estuabat,

umbram intrans, frigore constringebatur.

1079. Bertholdi ann. S. S. V, 323, 36. Aestas vero ipsius anni

nimis pluviosa praeteribat, set tarnen non magnam frugum penuriam

intemperies talis

effecerat.

1080. Bertholdi ann. S. S. V, 325, 1. Hiemps vero autem, quae

solito asperior tunc inhorruerat, — —

1082. Lokale Hungersnot in Österreich nach der Schlacht hei

Mailberg 12. Mai 1082. Die Ursache der Hungersnot ist die Verwüstu/ng

des Landes durch die Feinde. Vita Axtmanni episc. Patavensis c. 25.

S. S. Xn, 237, 1. Hac infelici strage patrata, magna fames est secuta,

quaereliquias populi consumpsit, qui manus hostium vix evasit. Qua necessitate

compulsi, omnes Altmannum adeunt, alimoniae auxilium

petunt. Quibus fidelis dispensator ex intimo corde compatiens,

cunetam supellectilem episcopii sui usque ad ipsum linteamen

vendidit, et indigentibus cuncta distribuit ; unde pater

pauperum est dictus. In monte quoque Gotwicensi multa milia pauperum

pavit.

1083. Annl. Saxo S. S. vi, 721, 13. Estas adeo fervida fuit, ut

piscium copiosa multitudo in aquis periret. Magnus puerorum et senum

interitus fuit morbo dissenterico.*)

1085. HuGONis Flav. chr. S. S. VIII, 471, 4. Vigebat enim virtus

caritatis in patre nostro abbate Divisionensi, quae tanta erat, ut quamquam

eo anno ubique tempestatis violentia maturae segetes in spicis et

vinum in racemis, omnia prostrata et prorsus dampnata essent, nihil

tamen minus fieret in refectorio et elemosina, cum fratres centenarium

fere excederent numerum, et his qui de terra fertili et plenissima venerant,

et nichil minus noverant quam penuriam pati, abundantissime in

Omnibus ministraretur, — Hec etiam ei tua omnipotentia praevidisti,

qui et necessaria ei subministrasti , et insuper tanta in praediis

et fundis aecclesiae eidem anno ipso et deinceps contuHsti, ut dublicatus

videretur census aecclesiae, — —

1086. SiGEBERTi CHR. S. S. VI, 365, 33. Nimia aquarum inundatio

multis in locis damno et periculo fuit. In Italia tanta di-

1) Fast wörtlich gleich Ann. Parch. XVI, 603, 44, das weitere ein

Zusatz Balduins.

2) Aus derselben Quelle geschöpft wie die gleichen Nachrichten

der Ann. Yburg. und Ann. Ottenbur.


Bernoldi

Chronik der elementaren Ereignisse. 123

luvies fuit, ut rupes liquore aquarum dissolutae, plures villas ruina sua

exterminarent.

1087. SiGEB. CHE. S. S. VI, 366, 3. Pisces in aquis moriuntur.

||

A. HiLDESH. M. G. S. S. kl. Ausg. 49. Pestilentia facta est.

1088. Ann. Brunwilar. S. S. XII, 725, 56. Hoc anno hiemps tenebrosa

fuit, et circa medium lanuarii maxima omnium Germaniae fluminum

inundatio fuit.

1089. Ann. S. Iacobi Leodinensis S. S. XVI, 639, 35 u. 36. Inundatio

maxima aquarum usque ad valvas aecclesiarum. — 36. Pestilentia

terribilis et multiplex ardentium. Ann. Formosel. S. S. V,

||

36, 17.

Pestilentia ignearia ingrassata est.

1090. Lokale Hungersnot in der Gegend von Gemhloux (Sigeh.),

andere belgische Quellen wissen nichts von einem Notstande. Ebenso mufs

die Hungersnot, von der Bernold berichtet, als lokal angesehen werden,

da alle iveiteren Nachrichten darüber fehlen. Sigeb. chr. S. S. VI, 366,

22 u. 35. (Annus pestilens), maxime in occidentali parte

Lotharingiae; ubi (multi, sacro igni) interiora consumente (computrescentes^)),

exesis menbris instar carbonum nigrescentibus , aut

miserabiliter moriuntur, aut manibus et pedibus putrefactis truncati,

miserabiliori vitae reservantur, multi vero nervorum contractione distorti

tormentantur. — 35. Sterilitas frugum terrae augescit, et fames paulatim

irrepit. ||

Ann. Leod. cont. S. S. IV, 29, 19. Annus pestilens,

multis hominum sacro igne computrescentibus. Ann. Laub. cont. S. S.

IV, 21, 26. Hoc anno orta est pestis in

||

hominibus quae arsura

dicitur, qua etiam multi perierunt. Herim. lib. de restaurat. S. Märt.

ToRNAc. c. 6. S. S. XrV, 277, 21.

||

Eodem tempore illa ignea pestilentia

divino iudicio nimis ipsam provinciam obpresserat, qua plurimorum

pedes invisibili igne, qui ignis inferni vocabatur, publice comburi

videbantur — — chr. S. S. V, 450, 35. Hoc anno

||

magna fames multas regiones repente afflixit, quanvis non magna

sterilitas terrae praecesserit.

1091. Ekkeh. CHR. UNIVERS. S. S. VI, 207, 28. Visi sunt per multas

regiones vermiculi nimis ignoti, non longe a terra volantes, hoc est

ut vel manu vel virga tangi possent, grossitudine quidem muscis aequales,

sed longitudine satis deductiores; quorum tarn infinitus extitit exercitus,

ut unum pene miliarium in latitudine, duo vel tria in longitudine

viderentur occupare, densitate vero sua ipsam solis lucem terris negare.||

Ann. S. Pauli Virdunensis S. S. XVI, 500, 36. Pestilentia magna.

1092. Lokale Hungersnot in Sachsen (Bernold). Bernoldi chr.

S. S. V, 454, 10. Magna fames totam Saxoniam occupavit, quae

et principes illius provinciae in alias regiones eo anno ad tempus

discedere coegit. Unde et generalis conventus fieri non potuit, quem

principes Alemanniae cum Saxonibus habere voluerunt.

||

Ann. Werziburg

S. S.II, 246, 15 (== Ann. Hildesh. = Ann. Rosenveld. = Ekkeh.). Pestilentia

magna hominum et pecorum facta est. ||

Cosmae chr. Boem.

S. S. IX, 100, 35. Et in ipsa paschae ebdomada circa Kalend. Aprilis

descendit maxima nix, et tantum inhorruit frigus mixtum cum glatie,

quantum raro in media contigit hieme.

1093. Hungersnot in Sachsen (Ann. August). Ann. August. S. S. III,

134, 17. Autumnus pluviosus. Solis eclipsis in meridie in Libra 8. Kai.

Octob. (23. Sept.). Ubique mortalitas, pestilentia et fames per

loca in Saxonia. Ann. Aquenses S. S. XXTV,

|| 36, 47. Mortalitas

magna facta est. Auct. Garstense S. S. IX,

|| 568, 22. Magna mortalitas

hominum facta est. Ecclipsis solis una hora (23. Sept.).

1094. Humgerstiot in Hessen (Ann. Ottenb.J; ein Zusammenhang

1) Die eingeklammerten Stellen aus Ann. Leod.


Ann.

;

124 Chronik der elementaren Ereignisse.

mit der Hungersnot der beiden vorhergehenden Jahre ist tvohl anzunehmen.

Eine schwere Epidemie herrscht in allen Ländern von Belgien bis Böhmen.

Ann. Ottenbue. S. S. V, 8, 38, Inundatio pluviarum et fames cum

mortalitate. Blandinienses S. S. Y, 27, 5. Inundatio magna a

||

pridie Idus Octobris (14. Okt.) usque ad Kai. Aprilis. Ann. Leod.

||

CONT. S. S. IV, 29, 22. Mortalitas hominum maxima. Sigeb. chr.

||

S. S. VI, 366, 51. In Gallia et Germania (gravis hominum mortalitas

facta est ')). ||

Gesta abb. Gembl. cont. auct. Godeschalco S. S. VIII, 547, 6.

Eius regiminis anno tertio*) maxima extitit hominum mortalitas.

||

Ann. Laubiens. cont. S. S. IV, 21, 30. Hoc anno magna mortalitas

hominum fuit, et visus est igneus draco volare per aerem. Gesta

||

ABB. Lobbiensium S. S XXI, 313, 7 quo anno magna fuit hominum

,

mortalitas et draco igneus volare per aurem visus est, Kalendis Augusti.!]

hominum maxima.

||

festivitatem ad

Ann. Parchenses S. S. XVI,

Ann. Brunwilarenses S.

604, 14.

S. XVI, 726, 5.

Mortalitas

Hoc anno circa

vincula sancti Petri (1. Äugst.) ignis magnus apparuit circa vespertinum

tempus per totum mundum, et mortalitas magna facta est. ||

Ann. S.

Petri Erphesfurd. S. S. XVI, 16, 42. Pestilentia gravis hominum fuit.

||

Ann. Hildesh. M. G. S. S. kl. Ausg. 49 (= Ann. Rosenfeld. = Ann.

Wirziburg). Pestilentia magna facta est. Ann. S. Disibodi S. S.

||

XVII, 14, 38. Facta est autem mortalitas in gravissima regione

eadem, et passim infinita multitudo populi in mortem cadebat. Ipsum

quoque monasterium iam iamque feralis illa clades occupaverat. Morientibus

itaque fratribus, timor cunctos sollicitabat ; unde et orationes ad

Ekkeh. chr. univers. S. S. VI, 207, 42.

Dominum creberrimae fiebant. ||

Aecclesia mortalitate immensa incredibiliter vastata est, insuper

pestilentia, turbinibus, imbrium inundationibus diversisque cladibus

nimium afflicta. Ann. Neresheimenses S. S. X, 21, 5. Pestilentia

||

hominum magna nimis. Ann. S. Georgii in nigra silva S. S. XVII, 294, 4.

1|

Mortalitas maxima. Ann. Zwifält. minores S. S. X, 54, 41. Magna

1|

hominum mortalitas. Ann. Zwifalt. maiores S. S. X, 54, 52. Mors

||

subita quos peste necavit. Bertholdi Zwifalt. chr.

populos stravit, |1

S. S. X, 111, 19. Huius primo anno 10. Kalendas Octobris (22. Sept.) facta

denique media circiter die cepit sol in

est eclypsis solis pene tribus horis,

nigras vel iacinctas maculas nigrescere et in horridos aspectus pallescere

statimque anno sequente secuta est magna hominum pestilentia.

]|

Bernoldi CHR. S. S. V, 459, 5. 460, 20. 461, 15. In Baioaria magna

mortalitas grassabatur, adeo ut in Ratisponensi civitate infra duodecim

septimanas octo milia quingenti illa mortalitate intercepti numerarentur;

set et alias provincias eadem mortalitas afflixit, non tamen adeo

ut Baioariam. — — 460, 20. Nam adeo maxima mortalitas usquequaquam

grassabatur, ut in una villa plus quam mille quinquaginta homines

infra sex epdomadas mortui numerarentur. Set et in una die et in una

villa plus quam quadraginta alicubi mortui sunt. Ipsa quoque cimiteria

aeclesiarum adeo sepulturis impleta sunt, ut homines ibi mortuos suos

sepelire non potuerint. Unde in pluribus locis facta praegrandi fossa

extra cimiterium, omnes suos mortuos in illam coniecerunt. Haec autem

mortalitas non solum Teutonicos, set et Franciam, Burgundiam,

Italiam usquequaquam vexabat; quae tamen sapientibus

non adeo detestanda videbatur. Nam maxima multitudo cum penitentia

et confessione et probabili fine discesserunt, quem infirmitate detenti

sibi post aliquot dies proventurum praescierunt. — — — 461, 45. In

Alsatia magister Manegoldus de Liutenbach mirabiliter aeclesiasticam

religionem, — — Deo miserante reaccendit. Nam invalescente apud

1) Das Eingeklammerte aus Ann. Leod.

2) Liethart Abt seit 1092.


Chronik der elementaren Ereignisse. 125

illos diutuma mortalitate, omnes pene maiores et militares illius

provinciae ad ipsum catervatim convenere, et de excommunicatione per

potestatem ipsi a domno papa concessam absoluti, etiam de reliquis

eorum peccatis accepta penitentia per eum absolvi non cessaverunt.

||

CosMAE CHB. BoEMORUM S. S. IX, 103, 10. EodeiQ anno fuit mortalitas

hominum, sed maxima in Teuthonicis partibus. Nam redeuntibus praedictis

episcopis de Maguntia, dum transirent per quandam villam nomine

Amberk, parrochiam ecclesiam quamvis satis amplam, quae est sita

extra villam, non potuerunt intrare, ut audirent missam, quia totum

eins pavimentum usque ad unum punctum erat cadavere plenum. Similiter

in urbe Kaker non fuit domus, ubi non essent tria aut quatuor

cadavera hominum, quam praetereuntes non longe ab urbe in medio

pernoctavimus campo. ||

Ann. Augustani S. S. III, 134, 21. Mortalitas

convaluit inmoderata, adeo ut yillae plures existerent sine cultoribus et

ecclesiae sine sacerdotibus, pestilentia consumpti.

1095. Lokale Hungersnot in Belgien (Ann. Bland., Ann. Leod.

cont., Sigebert, G. abb. Gembl., Herim. liber de rest. S. Mart. Tornac.

Ekk.J. Ann. Blandinienses S. S. V, 27, 6. Sequitur sterilitas anni cum

fame gravi. ||

Ann. Leod. cont. S. S. IV, 29, 23. Fames diu concepta

invalescit. ||

Sigebekt. che. S. S. VI, 367, 4. Fames diu concepta validissime

ingravatur ^), et fit annus calamitosus, multis fame laborantibus

et pauperibus per furta et incendia ditiores graviter vexantibus. Cum

valida ventorum turbine etiam terraemotus factus est media nocte

4. Idus Septembris (10. Sept.). ||

Gesta abb . Gemb. cont. auct. Godeschalco

5. S. VIII, 547, 7. — — et in anno sequenti (1095) magna et inevitabilis

annonae raritas, adeo ut panem duorum mensium diebus vix

administrarent nobis culturae nostrae et decimae. Hac penuria panis

urgente, praebenda monasterii venalis efficitur tam laicis quam clericis.

Gladius irae Dei circumquaque desevit, laquearia divitum uti pauperum

casae famis malo velut ariete magno pulsantur; pauperes multique

mediocres hac tabe pereunt, cymiteria sepeliendis non sufticiunt.

In locis

multis fossae latae et profundae eifodiuntur, et in eis corpora defunctorum

funibus deponuntur. Multi in exitibus viarum, multi inter

opaca silvarum mortui inveniuntur. Hac peste famis multi nobilium

adacti, dum familiis suis carere nolunt, multum argentum

ad has sustentandas expendunt. Foeneratoi'es debitores

suos Omnibus modis gravant, et dum die dicta pecunias suas non recipiunt,

has die reddita sub fide et sacramento dublicant.

||

Heeim. hb.

DE EESTAüEAT. S. Martini Toenacen. c. 70, 71, 72, 76. S. S. XIV, 307, 42,

308, 311, 16. c. 70. Eodem anno victualium penuria et famis atrocitas

totam provinciam vehementer afflixit, et abbas omnibus pauperibus ad

se confugientibus quicquid habere poterat misericorditer tribuere cepit,

ita ut nee in horreo nee in cellario aliquid remanserit. Tuncque demum

necessitate et anxietate compulsus, fratribus per totum annum

claustro reclusis iugique silentio doraitis et que foris agebantur nescientibus

rem sicut erat in capitulo aperuit, magnam scilicet multitudinem

virorum ac mulierum se suscepisse et unde vel una

die viverent se non habere. Obstupefacti omnes, ammirati sunt,

tantam rem eum sine alicuius consilio fecisse, rogaveruntque eum, ut

exteriorum curam alicui viro prudenti committeret, ipse vero doctrine

et saluti animarum insisteret, nee deinceps aliquem absque fratrum

consilio susciperet, et quos suscipiebat non more antiquorum gravia et

importabilia onera imponendo probaret, sed institutis et regula Cluniacensis

cenobii contentus esset, quod solum et fama et religione necnon

et caritate universis Gallie monasteriis eo tempore preminebat et a

1) Fames — ingravatur aus Ann. Leod,


126 Chronik der elementaren Ereignisse.

veneriabili abbate Hugone regebatur. Adquiescit abbas consilio fratnim,

statimque domnum Heinricum ordinans cellarium, Radulfo committit

preposituram sociumque ei donat Walterum, filium Huberti. Hiisque

tribus totius ecclesie commendans in exterioribus provisionem, ut sine

licentia egrederentur, permittit, ceteris, ut secum religioni et silentio

instarent, indicit. Uli de capitulo egressi , coquinam introeunt, quod

fratribus preparari posset querunt, sed nihil inveniunt. Ingrediuntur

deinde portam urbis, et civibus sibi occurrentibus ac veluti de longa

carceris custodia ereptis, quomodo se haberent, inquirentibus , illi leto

vultu, omnia prospera esse, respondent, sed post paululum eis necessitatem

fratrum innotescunt, Protinus cives invicem colloquentes, et alio

frumentum, alio siliginem, alio fabas dante, eos exhortantes et confortantes,

hilares et letos ad frati-es remittunt. Radulfus etiam germano

suo Teoderico inopiam ecclesie indicans, rogat, ut sibi pecuniam ad

emenda fratribus necessaria commodet. Protinus ille 40 marcas argenti

ei commodat, quas tamen numquam postea recipere voluit, sed pro

anima sua ecclesie dimisit. c. 71. Quantam autem inopiam

panis pauper conventus illo anno integro pertulerit, vix potest credi:

panis triticei aut vini, nisi forte ab aliquo divite eis transmitteretur,

nulla erat mentio; siligo etiam omnino deerat; sola

avena eis molebatur de molendino relata, nee cribro nee tamisio farina

purgabatur, sed statim aqua calida superfusa pariis exinde fiebat, qui

coctus et monacho appositus paleis prominentibus ustilari posse videbatur,

et quando cultello precidebatur, maior palearum quam micarum

coram monacho videbatur acervns, et quia iuxta Salomonem anime

esurienti etiam amara dulcia videntur, monachi fame tabescentes tanta

aviditate panem illum avenacium comedebant, ut de eo nee mice nee

palee superessent. Nonnulli etiam et ex illis adhuc supersuut quorum

unus est domnus Ascelinus, qui domno Henrico in cellarii provisione

vel obedientia successit, qui adhuc testatur, se tunc multociens cogitasse,

si aliquando posset videre diem, quo ecclesia sancti Martini tarn dives

esset, ut ipse pane solummodo saturari posset. — — c. 72. Radulfus

ergo videns et sciens, ecclesiam pauperum redditibus carentem sine

agricultura non facile posse subsistere, totum studium suum ad

emendas et adquirendas terras convertit. — — — c. 76. Quodam

tempore cum fames nimia totam provinciam opprimeret, et prefatus

prior Radulfus de fratrum penuria soUicitus pauperibus more solito

elemosinas erogare trepidaret, et domnus vero Petrus, ne aliquid de

consueto numero minueretur, suaderet, ecce subito pauperibus supervenientibus

minister panes defecisse respondit. Cui domnus Petrus:

„Vade," inquit, „si forte aliquod frustum panis in archa remanserit."

Cum vero minister se eadem hora vaeuam archam dimisisse diceret,

ille vero ad querendum instigaret, minister instantia eins fatigatus ad

archam rediit et quam paulo ante vaeuam dimiserat usque ad summam

superficiem repletam panibus invenit. Ex fide ergo eins cepit idem prior

Radulfus Omnibus supervenientibus pauperibus sie abundanter tribuere,

ut nuUi omnino panis, negaretur; quanto vero plus erogabat, eo magis

substantiolam domus Dei nutu augmentari videbat, Ekkehakd.

||

CHH. uNivERs. S. S. VI, 213, 48. Francigenis occidentalibus facile persuaderi

poterat sua rura reliquere ^); nam Gallias per annos aliquot nunc

seditio civilis, nunc fames, nunc mortalitas nimis afflixerat, postremo

plaga illa, quae circa Nivalensem sanctae Gerdrudis aecclesiam orta

est, usque ad vitae desperationem terruerat. Erat autem huiusmodi.

Tactus quisquam igne invisibili, quacumque corporis parte, tarn diu

1) Bezieht sich auf den ersten Kreuzzug, behandelt also die Jahre

um 1095,


Hügonis

Chronik der elementaren Ereignisse. 127

sensibili, immo incomparabili tormento etiam inremediabiliter ardebat,

quousque vel spiritum cum cruciatu vel cruciatum cum ipso tacto

membro amitteret. Testantur hoc hactenus nonnulli, manibus vel pedibus

hac pena tnincati. Ann. S. Mariae Ultraiectenses S. S. XV n,

||

1301, 36. Hoc anno maxima mortalitas fuit. Ann. Ottenbub. S. S.

||

V, 8, 40. Adhuc mortalitas duravit. Ann. Grabicenses

||

S. S.

Xin, 648, 26. In Boemia et ubique mortalitas hominum facta est.

1096. Ann. Prag. S. S. III, 120, 29. Mortalitas hominum

facta est.

1097. Sigeb. CHR. S. S. VI, 367, 36. Komet. Nimia aquarum inundatione

autunnalis satio impeditur, et sterilitas frugum terrae

sequitur. Ekkeh. chr. univers. S. S. VI, 209, 5. Cometes apparuit. Et

||

anno aestas fertiHssima, hiems vero lenis et pestilens fuit; imbrium et

fluminum inundationes nimis increverunt.

1099. Beginn einer meh/)'jährigen Notperiode. Das Notstandsgebiet

erstreckt sich über das Elsafs (Ann. Monast.), Schwaben (Ann. S. JBlasii

et Engelberg., Berth. chr. Zwifalt., Ann. August.) und Franken (ETckeh.

Ann. Elwang.). Bertholdi Zwifeltensis chr. S. S. X, 111, 44. Ipso

anno ^) et subsequenti facta est fames valida, multaque hominum

milia exinde sunt morfcua in tantum, ut in populari huius loci cimiterio

in aliqua fossa in mortem catervatim ruentibus pi-oiecti reconderentur

quinquaginta, in aliqua homines sexaginta vel septuaginta. Hac fame

necessitate urgente pene viginti marchas argenti undecunque collectas

pro paucis frumenti modus ab elemosynario data emebantur,

quoniam adiuvante Oudalrico abbate in unaquaque septimana

60 farinae modii ad usus pauperum expendebantur. Tunc

temporis quaedam paupercula fame excruciata suum infantulum, quo

se inopia famis facilius alleviaret, venenata herba quae collo vocatur

occidit; quam abbas Oudalricus pater noster miseratus sufficienti victu

pascens , ut eam internecioni subtraheret laboravit , sed heu diutuma

fame maceratam nuUus subtrahere potuit. Eandem herbam multi, famis

atrocitate furentes in rabiem versi, veluti boves indiscrete devorantes

sunt mortui. Denique in proximo vico Plumare vocitato quidam ut audivimus

homo cum uxore et filio, sumpto cibo herba eadem aliisque innocuiis

cum farina et aqua sicut pauperibus mos est confecto, simul

omnes mortui inventi sunt, cibo nondum plene consumpto. Haec intulimus,

ut quae rerum calamitas exoi-ta esset temporibus nostris posteris

panderemus. Flav. chr. S. S. VIH,

||

481, 3. Eo anno, prima

hora noctis, a parte aquilonis lux ingens quasi ignis ardentis emissa,

usque prope diluculum, noctem prope convertit in diem. Quo etiam

anno hiemps solito asperior octo continuis ebdomadibus inhorruit

ita ut bestias, aves, homines quoque plerosque vis algoris existeret ^)

||

Ann. Monaster. S. S. III, 154, 24. Fames maxima tribus annis. ||

Ann.

S. Blasii et Engelberg. ^) S. S. XHI, 277, 45. Fuit vero fames valida

per tres continuos annos, cepta ab eo quo hec facta sunt anno *), set in

medio maxima, quia erat hiemps durissima, et semina et arbores defecerunt.

1|

Ann. Aügdst. S. S. DI, 135, 30. Hiems continua, sterilitas

terrae, fames valida ||

Ekkeh. chr. unfvers. S. S. VI, 218, 19. Eapoto

1) Ipso anno bezieht sich auf den Brand des Klosters 1098, die

Notjahre wären also 1098 und 1099; wahrscheinlich liegt aber ein Irrtum

Bertholds vor, der bei der späten Abfassung des "Werkes (1137 und 1138)

leicht möglich ist, denn alle anderen Quellen lassen übereinstimmend

die Notperiode erst 1099 beginnen.

2) So in der Handschrift; lies exstingueret.

3) Die Notiz stammt aus Sankt Blasien.

4) Die Eroberung Jerusalems durch die Kreuzfahrer,


||

128 Chronik der elementaren Ereignisse.

palatinus comes et Oudalricus comes, patruelis eins, defuncti sunt.

Dum enim imperator cum principibus colloquium Ratisponae haberet,

mortalitas subito exorta prenominatos duos magnates, de inferioribus

vero quam plures absumpsit, per civitates quoque atque regiones non

modicam vulgi stragem fecit. Fames etiam improvisa multis locis

invaluit. Ann. Elwangenses S. S. X,

||

19, 4. Fames magna nimis.

Ann. Hildesh. M. G. S. S. kl. Ausg. 50 (= Ann. Wirziburg). Imperator

Ratisponae pascha celebravit; ubi isdem diebus magna mortalitas

facta est; in qua Rabbodo Palatinus comes cum aliis innumerabilibus

moritur.

1100. Das Notstandsgebiet hat sich gegen das vorhergehende Jahr,

wie es scheint, noch erweitert. Es sind Nachrichten über die Hungersnot

vorhanden aus Lothringen (Hugo Flav.), Norddeutschland (Ann. Magdeburg.,

Annl. Saxo.) , vom Mittelrhein (Ann. Ottenbur.), aus dem JElsafs

(Ann. Argent.), aus der Schweiz (Ann. Einsidlens.), aus Franken (Ann.

Elwang., Ann. Hildesh.) und Schwaben (Ann. S. Blasii a. 1099, Berth.

Zwifalt a. 1099). Hugo. Flav. che. lib. IL S. S. VIII, 487, 55. Quo

etiam anno magna fuit annonae penuria, et multi fame periclitati

sunt. Ann. Hildesh. M. G. S. S. kl. Ausg. 50 (= Ann. Wirziburg. S. S.

II

II, 246). Hiemps dura et fames magna. Ann. Elwang. S. S. X,

||

19, 8.

Hiemps dura, fames magna, mortalitas ingens hominum facta est. ^)

||

Ann. Ottenbue. S. S. V, 8, 50. Fames circa Rhenum innumerabiles

extinxit. ||

Ann. Einsidlens. S. S. III, 146, 38. Yemps aspera et fames

valida. Ann. Argent. S. S. XVII, 88, 21. Facta est fames incompara-

II

bilis et mortalitas horribilis. *)

Ann. Magdeburg. S. S. XVI, 180, 33.

||

Fames magna per multas regiones invaluit. Mortalitas eciam non

modica subsecuta est. ||

Annl. Saxo. S. S. VI, 733, 8. Eo anno hiemps

durissima fuit; fames etiam per multas regiones invaluit^) et mortalitas

magna erat.

1101. Die Hungersnot des vorhergehenden Jahres dauert wenigstens

in einzelnen Gegenden fort. Nachrichten sind erhalten vom Mittelrhein

(Ann. Ottenbur.) und aus Schwaben (Ann. August., V. Theogeri, Chr. des

P. Lenz). Ann. Ottenbur. S. S. V, 8 b2. Adhuc fames circa Rhenum

saevit. ||

Ekkeh. chr. univers. S. S. VI, 220, 7. Vermiculorum quoque,

quos papiliones a similitudine tabernaculorum vocant, exercitus incredibilis

multitudinis per tres continuos dies quasi a Saxoniae finibus in

Baioariam volabat.

||

Vita Theogeri lib. I, c. 19. S. S. XII, 457, 18.

Quodam itaque tempore adeo fames non solum in monasterio

sed et in omni circa regione praevaluit, ut se fratres illo in

loco diutius subsistere posse non crederent, et hi, quibus pater piissimus

officia exteriora crediderat, nimio maerore deficei-ent, quid

tantae multitudini facerent nescientes; maxime cum ne comparandi

quidem quotidiani victus copia ulla iam foret etiam veteris annonae.

Seorsum itaque seniores quosque et consilio meliores assumunt, ac

Theogerum media in sede componunt, rem omnem uti se habebat

aperiunt idque efflagitant, quatenus quid facto opus sit, habita secum

deliberatione decernant, ut tanta multitudo fame non pereat, quae in

quotidiano quasi servitio vires corporis iam totas expenderat. Ubi dum

diem vario sermone protraherent — — , tandem in hoc universi consentiunt,

ut quicumque locum illum aliqua seu pretii seu beneficii oblatione

ditassent, ipsi quoque ibidem utcumque sustentandi residerent.

1) Aus dem verlorenen Teile des Chr. Wirziburg.

2) Gleich Ann. Marbac. Beide Annalen gehen auf eine verlorene

gemeinsame Quelle zurück; vgl. Schulte, Mitteil. d. Inst. V, 515 flF.

3) Übereinstimmung mit den Ann. Magdeburg, fames — invaluit

aus den Nienburger Annalen.


V Chronik der elementaren Ereignisse. 129

caeterum quique perfectiores vel ad parentes vel ad alia interim

monasteria commigrarent. Abt Dietger lehnt diesen Plan ab. et mirifice

protinus, uti ille promiserat, consolatus est Dominus populum suum.

Eo namque tempore alienum aes grande conflarant, ita ut mutuo acceptas

sexaginta libras argenti in quotidianos usus expenderint. Cumque iam

praesens loci necessitas et imminens anni sequentis sterilitas adhuc eos

amplius mutuare compelleret, sed unde redderent, non haberent : hominem

iuvenem quendam Liutfridum nomine, civem civitatis Wangionum,

genere et divitiis satis fortunatum, infirmum contigit advenire; Domino

nimirum cum illo misericorditer destinante, quatenus et illius infirmitas

spiritalibus solatiis iuvaretur, et ex eins abundantia . ..... frumenti

et vini omnique supellectili, omnibus quoque aedificiis tarn ligneis quam

lapideis, vel quidquid habere poterat in civitate.

||

A. Augustani

S. S. III, 135, 34. Hiems varia. Farnes valida. ||

Handsch. Chk. aus

S. Georgen veef. von P. Lenz auf Grund vorhand. Akchivalien. Mones

Zeitsch. f. d. Gesch. d. Oberrheins IX, 221. Maxima annonae Caritas

in Hercinia sylva et regione Barensi coenobitas s. Georgii sexaginta

argenti libras mutari cogit. ^)

1102. Handsch. Chr. aus S. Georgen, nach Pater Lenz, Mones Z.

F. D. Gesch. d. Obereheins IX, 221. Invalescente fame, cum religiosi

sangeorgani plerique ad parentes et cognatos suos migrare vellent,

coelitus iuvantur. Leutfridus, wormatiensis ciuis monasterio bona sua

seque ipsum devovet.

1104. Ekkeh. CHR. ünivers. S. S. VI, 225, 38. Undique terra satis

quievit, pace simul et fertilitate, necnon aeris quaütate corporumque

sanitate delectabiHter iocundata.

1106. Lokale Hungersnot in der Gegend von Klosterrath Ann.

Rodens. S. S. XVI, 701, 54. His diebus annona erat cara, et plebs est

fame nimis afflicta, quia fructum suum negarat terra. Sed sacerdoti

omnis necessitas suppleta est a comite, et destinata rerum abundantia a

maioribus terrae, — —

1109. Chr. S. Bav., De Sjiet Corp. Chr. Fland. I, 573. Hoc anno,

multi sacro igne accenduntur, membris instar carbonum nigrescentibus.

Ann. Formosel. S. S. V, 36, 37.

||

Pestilentia ignearia ingrassari cepit.

||

Ann. Camerac. S. S. XVI, 512, 34. Pestilentia ignearia iterum in

humanam camem deseviit, quae ante festivitatem sancti lohannis baptistae

(29. Aug.), scilicet decollationem eins, oriri coepit.

1|

Ann. Ottenb.

S. S. V, 9, 16. Inundatio pluviarum

1110. Ann. Formosel. S. S. V, 36, 38. Hiemps durissima et

nives diutumae.

1111. Ekkeh. chr. univ. S. S. VI, 245, 27. Rerum prosperitas

et copia frugum

1112. Ann. Laub. cont. S. S. IV, 22, 1. Aestas nimis arida. 4. Idus

Maii (12. Mai) nocte dominica fit tempestas, exurens multas arbores et

Anselmi cont. Sigeb. S. S. VI, 375, 15. Mense Maio siligines

segetes.

et

||

arbores sacro igne adustae, fructus sui spem sunt mentitae; et quaedam

silvae insuper arefactae. Subsecuta est hominum valetudo gravis

et diutuma, cum profluvio ventris et mortalitate.

1113. Sigeb. auctur. Bellovac. S. S. VI, 462, 8. Maxima terrae

vinearumque infgcunditas. Anselmi. cont. Sigeb. S. S. VT, 375, 25. In

||

1) Pater Lenz benutzte die V. Theogeri, auTserdem lag ihm aber

auch noch jetzt verlorenes handschriftliches Material vor, von dem sich

auch in der Nachricht von 1101 noch eine Spur findet, und das ihn

offenbar veranlafste, Hungersnot in den beiden Jahren 1101 und 1102

anzusetzen, während d. V^. Theogeri nur die allgemeine Datierung auf

die Hungersnot um die Wende des 11. und 12. Jahrhunderts zuläfst.

Leipziger Studieu, VI. 1: Curschmann, Hungersnöte. 9


130 Chronik der elementaren Ereignisse.

pago Bracbatensi 9. Kai. Maii (23. April) circa Tornacum nix tanta

cecidit, ut etiam silvas fregerit.

1114. Ann. Formosel. S. S. V, 36, 41. Ventus validissimus intumuit

14. Kai. Dec. (18. Nov.). Hiemps durissima secuta est.

1116. Cäson. Leod. che. ktthm. v. 27. S. S. XU, 416.

Annus qui hunc annum praecesserat,

Tanto gelu terram astrinxerat

Ut a festo sanctorum oninium (1. Nov. 1115),

Sic duraret usque ad Maium (1116).

De fragis et fabis.

Infra dies natalis Domini (25. Dec.)

Dux comedit fraga Lovanii;

Quidam fabas eodem termino,

Sed recentes sicut in Junio.

Chr. heg. Col. M. G. S. S. kl. Ausg. 57. Magna aeris inequalitas

facta est.

1117. Lokale Hungersnot, mir in der Gegend von Cateau-Cambresis

nachweisbar (Chr. S. Andr.). Chr. S. Andreae Castei Camerac.

lib. III. c. 30. S. S. VII, 546, 33. Interea domnus abbas Guiffridus, tum

hostili furore qui totam patriam depopulabatur, tum fame quae vehementer

omnem terram premebat fatigatus, velut magna tempestate quassatus

amisso clavo navim vagantem mediis fluetibus, ecclesiam hanc

detinebat; sed tandem in se reversus portum quietis adiit, et prelationis

onus deposuit. *) Ann. S. Jacobi Leod. S. S. XVI, 640, 10. Praeterea

||

frequens aquarum inundatio cum vi ventorum [domus plerasque subruit

et earum habitatores extinxit, totoque anno rerum facies immutata

nostrates omnes perterruit. Canonici Leod. chr. rythm. S. S. XII, 417.

j]

Gewitter am 2. Mai.

De diluvio.

V. 107. Secuta est plaga diluvii.

Die quae est septima Junii (7. Juni).

Timuimus urbis excidium

Pro communi peccato omnium.

Pontes fregit et aedificia

ßivus noster, cui nomen Leggia;

Submersi sunt septem vel amplius.

Gewitter am 1.

Juli.

V. 144. Nona die post ictum fulminis,

Tempestas fit tantae caliginis

Ut videre nihil potuerimus;

V. 156. Celum omne fit pice nigrius;

Ruunt imbres, compuntur fulgura,

Coniurasse putes tonitrua.

Ekkeh. S. S. vi, 253, 3. 2. Mai starkes Gewitter in Lüttich. Quinta

decima dehinc die ex vicino quodam eiusdem episcopii monte, qua nun-

1) Schon einmal wird während der Regierungszeit desselben Abtes

(1083— 1117) von einer Hungersnot gesprochen, die mit der hier erwähnten

identisch sein kann. Mit mehr Wahrscheinlichkeit wird sich

die Nachricht aber vielleicht auf das Jahr 1095 beziehen lassen; vgl.

lib. in, c. 6, p. 541, 20. Quam ille susceptam per aliquot annos strennue

rexit, sed postea continuis imminentibus guerris et maxime fame magna

ecclesia haec devoluta est paupertati.


Chronik der elementaren Ereignisse. 131

quam aqua preter pluviam visa est, fluvius ingens erupit, qui non modicam

civitatis partem diluens, cum maximo Leodicensium dampno Traiectensium

se finibus infudit.

||

Anselmi cont. Sigeb. S. S. VI, 376, 20. Mense

Januario 3. Non. ipsius (3. Jan.), 4. feria, in aliquibus locis, sed non

usquequaque, terremotus accidit, alias clementior, alias validier; adeo

ut quarundam urbium partes cum aecclesiis subruisse dicatur. Mosa

etiam fluvius iuxta abbatiam quae dicitur Sustula, quasi pendens in

äere, fundum suum visus est deseruisse. 2. Mai Gewitter in Lüttich.

Item Junio mense, 7. Idus (7. Jun.) ipsius mensis, circa horam nonam,

nubes pluviae subito rapta, ä monte qui dicitur Roberti, subiectam sibi

partem civitatis penitus oppressam pressumdedit; adeo ut multas domos

dinieret, et immensam annonam perderet es folgen Nachrichten

über Stürme, Gewitter und verschiedene Wunder.

1118. Canon. Leod. che. kythm. v. 267. S. S. XII, 418.

De caro tempore.

Post istius anni (1117) miserias,

Tanta fuit annonae Caritas

Ut communi urbis consilio

Statuta sit quaedam venditio;

Sed frumentum, ad quinque positum,

Undecim est solidis venditum.

Tempus enim et vita hominum

Non per ipsos stat, sed per Dominum.

Mortui sunt, sed pauci, Leggiae

Nulla tarnen causa penuriae,

Si qui longa fame languerant.

Et de locis aliis venerant.

Anütl. Saxo S. S. vi, 755, 21. Maxima inundatio in omni Europa

fuit. CosMÄE CHK. S. S. IX, 124, 8. Mense Septembri tanta fuit inundatio

aquarum, quantam non reor fuisse post diluvium in orbe

II

terrarum. Nam noster ille fluvius Wlitava repente praeceps erumpens

de alveo, ah! quot villas, quot in hoc suburbio domus, casas et ecclesias

suo impetu rapuit! ||

Ann. Polon. I (= Ann. Pol. III) M. G. S. S.

kl. Ausg. 52. Eodem anno inundacio aquarum in omni terra.

1119. Che. S. Bavonis Df Smet. Coep. che. Fland. I, 576. Anno

MCXIX, ventus magnus factus est.

1120. Hungersnot in Westfalen, nur durch eine Nachricht au,s

Paderborn belegt (Ann. Hildesh.). Ann. Hildesh. M. G. S. S. kl. Ausg. 65.

Farnes valida. Modius siliginis duobus solidis venit. Ekkeh. che.

||

UNIV. S. S. VI, 255, 42. ^- — in episcopatu Trevirensi mense Junio suscitata

tempestate glaciem mirae magnitudinis efliidit, quae et aedificia

evertit et alia pericula intuHt. Saxoniam quoque et maxime in episcopatu

Halberstatensi dira grandine flagellavit, in tantum ut in novem

villarum finibus non solum frumenta sed et bestias agri cum volatilibus

innumeris consumpserit.

1121. CosMAE CHE. S. S. IX, 124, 28. Nimis attenuatae sunt segetes

propter nimiam siccitatem, quae fuit per tres continuos menses, Marcium

scilicet et Aprilem atque Maium. 39. Eiusdem anni fuit hiemps nimis

ventosa et calida et aquarum inundatio magna.

1122. CosMAE CHE. S. S. IX, 125, 33. Item in eodem anno mel et

vindemia pleno comu habundavit et segetes satis creverant, sed in aristis

granum non redundavit. Hunc annum secuta est hyemps valida,

unde in sequenti aestate caruimus custodita glacie.

1123. Ann. Eqmund. S. S. XVI, 451, 30. Hiemps facta est asperima,

ita ut omnem aquam praeter marinam indiflferenter homines

ut terram calcarent gelu solidatam, super terram autem iter calcabile

9*


132 Chronik der elementaren Ereignisse.

vix invenire poterant prae glacie congelata ab eris densitate. ^) Ann.

||

Brunwil. S. S. XVI, 726, 27. Hoc anno hiemps asperrima fuit, adeo

ut Renus glatie concretus, calcabilis meantibus extiterit. Cosmae che.

S. S. IX, 126, 13. Eodem anno maxima fuit ubertas

1|

tarn autumno quam

vere seminatis in frugibus, nisi quod grando locis nocuit in pluribus;

mel autem in campestribus fuit habunde, in silvestribus locis minime.

Hiemps aspera fuit nimis et nivosa.

1124. Harter und schneereicher Winter; nach weit verbreiteter Mifsernte

(Anselm, Cosmas) tritt schon an einigen Stellen in Belgien (Ann.

Cam., Chr. Elnon.) und Niederdeutschland (Paderh. Ann.) eine Hungersnot

auf. Ans. Cämerac. S. S. XVI, 513, 39. Gravis pestilentia

famis super terram extitit,

coNT. SiGEB. S. S. VI, 379, 26.

de qua nonnulli fame perierunt.

||

Anselm.

Hiems solito acerbior, et aggestu nivis

sepius decidentis nimis horrida et importuna. Multi enim pauperum

infantes et mulieres nimietate frigoris defecerunt. Mortalitas quoque

animalium maxima. In multis vivariis pisces absorti sub glacie

perierunt. In Bracbanto anguillae innumerabiles propter glaciem ä paludibus

exeuntes, quod dictu mirum est, in foenilibus fugientes latuerunt;

sed ibi etiam pre nimietate frigoris deficientes computruerunt. Hiemi

successit intemperies aeris, nunc nive, nunc pluvia, nunc gelu altematim

satis deterrima, usque in medio Martio. Postea diutino frigore et pluvia

aeris horrente inconstantia, vix tandem arbores floruerunt Maio mense,

vix tandem gratia herbarum et graminum reviguit virore. Imber vero

singulis mensibus assidue deciduus, sata agrorum pene absorsit. Nam

siligo et avenae proventum suum satis sunt ementitae. Multi quoque

sacro igne aduruntur. ||

Ann. Fossenses S. S. IV, 30, 17. Annus

pestilens. Hyemps aspera et aggestu nivium nimis humida.

||

Che.

Elnonense S. Ajuandi Hist. DE Fk. XIII, 454 A. Fames valida fit. ||

Ann.

HiLDESH. M. G. S. S. kl. Ausg. 66 (= Chr. reg. = Paderbomer Annalen).

Magnae molis grando cecidit 9. Kai. Augusti (24. Juli). Eclypsis

solis facta est 3. Idus Augusti (11. August). Magna fames accidit.

Chr. EEG. CoL. REc. IL M. G. S. S. kl. Ausg. 62. Magna fames

||

et

hiemps asperrima. Renus congelatur.

||

Annl. Saxo S. S. VI, 761, 32.

Item 3. Idus Augusti, 11. hora diei solis eclipsis fuit, et secuta est

maxima pestilentia boum, ovium atque suum.*) Magna fames

fuit.*) CosMAE cmi. IX, 129, 9. Item eodem anno 3. Idus Augusti

II

11. hora diei solis eclypsis fuit, et secuta est maxima pestilentia

boum ovium atque suum; apes multae interierunt penuria mellis fuit

nimia. Segetes autumnales defuerunt simul et vernales, praeter solum

milium et pisam. ||

Summa Honorii*) S. S. X, 131, 23. Deinde facta est

fames, quam secuta est tempestas horribilis multis diebus tonitruorum

et fulgurum et grandinis, et ecclypsis solis per unam horam.^)

1125. Die kritische Lage des vorhergehenden Jahres wird durch

einen aufsergewöhnlich harten Winter noch verschlimmert. Es entsteht eine

weit verbreitete allgemeine Hungersnot. Das Notstandsgebiet umfafst Belgien

(Ann. Bland., Ann. Laub, cont., Ann. Foss., Ansei, cont. Sigeb.,

Sigeb. cont. Praemonst, Chr. Elnon., Ann. Egmund., Pass. Karoli, Vita

1) Diese Nachricht, vsde die zu 1125 und 1126 sind verwandt mit

der Cont. Burburg. ; beide Quellen schöpfen aus einer gemeinsamen flandrischen

Quelle, die auch im ehr. S. Bav. und Anony. Bland. Append.

ad Sigeb. Hist. de Fr. XIV, 16 benutzt ist.

2) Item — suum aus Cosmas.

3) Paderb. Ann.

4) Die Quelle stammt wahrscheinlich aus Baiem, ein bestimmter

Ort lälst sich nicht feststellen. Wattenbach Deutschl. G. Q. II, 258—260.

5) Totale Sonnenf. 11. August 1124,


Anselm.

Chronik der elementaren Ereignisse. 133

Karoli, Herim. lib. de rest. S. Mart. Tornac., Chr. S. Bav.), dus henachbarte

deutsche Gebiet (Ann. Äquens.), Westfalen (V. Gotefridi comitis Capenberg.);

in Mitteldeutschland herrscht Teuerung in der Mark Meißen ('Ann.

Vetrocell.) ; dagegen weiß man in Thüringen nichts von der Not (Chr. S.

Petri JSrford. mod.). Weiter herrscht Hungersnot wahrscheinlich in ganz

Süddeutschland, erhalten sind Nachrichten aus Franken (Ekkeh., Heribordi

V. Ottonis eps. JBabenberg.) und der Schweiz (Ann. Einsidl.). Ann. Blan-

DiNiENSEs S. S. V, 28, 23. Farnes horrida invaluit.-|| Ann. Laubiens.

coNT. S. S. rV, 22, 17. Hoc anno hyems contigit asperrima, quam fames

subsequitur praevalida. Ann. Fossenses S. S. IV, 30, 20. Hiemps longa

||

et aspera, et fames valida. cont. Sigebert. S. S. VI, 379,47.

||

Hiems asperima, sex epdomadibus continua et valde noxia. Fames

valida ubique magna multitudine utriusque

CONT. Pkaemonstrat. ^) S. S. VI, 449, 45.

sexus pereuntibus.

||

Sigeb.

Fames permaxima grassatur

in Gallia, in qua Karoli, inclyti marchionis Flandriae, Uberalis enituit

munificentia; qui innumerabilibus diversis in locis pauperibus cotidiana

ministrabat victus stipendia. Chb. Elnonense S. Amandi Hist. de Fe.

XIII, 454 A.

||

Clades vehemens. ||

Ann. Egmund. S. S. XVI, 451, 35. Hyemps

iteratur eque valida, exempto impedimento glaciali terrae incumbente.

Fames valida supervenit a Kalendis Novembris incipiens, et usque

ad novas fruges perdurans, quae multos in Flandria, sed plures

extinxit in Brabantia. ||

Passio Kakoli comit. adct. Galbekto c. 2 u. 3.

S. S. XU, 562, 39. — c. 2. Inmisit ergo Dominus flagella famis et

postmodum mortalitatis Omnibus, qui in regno degebant nostro, sed

prius terrore signorum revocare dignabatur ad penitendum, quos pronos

previderat ad malum. Anno ab incamatione Domini 1124 in Augusto

mense universis terrarum inbabitatoribus in corpore solari circa nonam

horam diei apparuit eclipsis, unde qui statum pacis et placitorum

iniurias notabant, futurae famis et mortis periculum minabantur

universis. Cumque neque sie correcti sunt bomines, tam domini quam

servi, venit repentinae famis inedia, et subsequenter mortalitatis

irruerunt flagella. — — Qua tempestate non poterat solito more sese

quisque cibo et potu sustentare, sed contra morem tantum panis insumpsit

epulator semel in prandio, quantum ante hoc tempus famis in diversis

diebus sumere consueverat, atque sie per insolentiam est gurgitatus,

et omnes naturales receptaculorum meatus distenti nimietate repletionis

cibi et potus, natura languebat. Cruditate quoque et indigestione tabescebant

homines, et adhuc fame laborabant, donec spiritum exhalarent

ultimum. Multi quoque inflati sunt, quibus cibus et potus fastidiebat,

quibus tamen utique abundabant. Quo tempore famis, in media quadragesima,

etiam homines terrae nostrae, circa Gandavum et Legionem et

Scaldum fluvios commorantes, carnes comederunt, eo quod panis eis

prorsus defecisset. Quidam vero ipso itinere cum transitum facerent ad

civitates et castra in quibus panem sibi compararent, nondum semiperfecto

transitu suffocati, fame perierunt; circa villas et curtes divitum

et castra seu munitiones pauperes cum ad elemosinas misero gressu devoluti

venissent, mendicando mortui sunt. Mirabile dictu, nulli in terra

nostra manserat naturalis color, sed talis pallor affinis et proprius mortis

inerat universis. Languebant similiter sani et aegri, quia, qui sanus

erat in compositione corporis, aeger effectus est, visa miseria morientis. —

c. 3. At comes egregius satagebat omnibus modis pauperes sustentare,

elemosinas largiri in castris et in locis suis, et presens ipse et per

ministros suos. Eodem tempestate 100 pauperes in Brugis omni

die sustentabat, singulis Ülorum unum panem admodum grandem tribuens

ab ante quadragesimam praedictam usque in novas eiusdem anni

1) Verfafst in Lüttich.


;^34 Chronik der elementaren Ereignisse.

messes. Similiter in aliis castris suis idem disposuerat. Eodem anno

edixerat dominus comes, quod, quicumque duas mensuras terrae seminarent

tempore sementis, alteram mensuram terrae seminarent faba et pisa,

eo quod hoc genus leguminis citius et tempestivius fructum proferret,

unde pauperes citius sustentari potuissent, si famis miseria atque inedia

eo anno non cessaret. Similiter per omnem comitatum suum preceperat,

per hoc in futuro consulens pauperibus quantum poterat. lUos etiam'

ex Gandavo turpiter redarguit, qui passi sunt ante ostium domus suae

mori pauperes fame, quos pavisse poterant. Cervisiam quoque interdixit

confici, ut eo levius et melius abundarent pauperes, si a cervisia

conficienda cessarent tempore famis cives et incolae terrae. Nana

ex avena panes fieri iussit, ut saltem in pane et aqua vitam continuarent

pauperes. Vini quartam sex pro nummis vendi precepit et non

carius, ideo ut cessarent negotiatores ab abundantia et emptione vini,

et merces suas commutarent pro necessitate famis Ipro victualibus aliis,

quibus levius abundarent et facilius pauperes sustentarent. A propria

mensa sibi quidem subtraxit cotidie victum, unde centum pauperes et

tredecim sustentabatur. Indumenta insuper nova, scilicet camisiam, tunicam,

pelles, cappam, braccas, caligas, subtulares a principio illius quadragesimae

et devoti ieiunei sui, in quo statim traditus in Domino obdormivit,

cotidie uni pauperum erogavit, usque ad diem quem obiit in

Christo; Waltebi v. Kakoli comit. Fland. c. 11. S. S. Xu, 544, 1.

II

Quod sane per hoc probari potest, quia cum illis duobus annis ante

mortem ipsius preteritis terre sterilitas et messium raritas magnam alimentorum

penuriam induxisset, ipse agricolis suorum reddituum, unde

ipse vivere et familiam suam alere debebat, magnam partem misericorditer

condonavit; et non tantum superfluas sed et plerumque necessarias

cervisiarum confectiones et potationes prorsus ad tempus interdicendo

et parcitatis modum immoderatis imponendo, necessariam universis vite

sustentationem paterna soUicitudine prudenter procuravit. Decrevit etiam

ut quicumque venalem faceret panem, non unum, ut fieri solebat, sed

duos quamlibet parvos singulis nummis distraheret, ut pauperi cuivis

nummum forte non habenti vel obolo emendi facultas suppeteret. Quid

oro, faceret de maximis qui tanto opere providebat de minimis? Tempore

quo quia multos esse videbat egenos, per singulas curtes

suas, quos multas habebat, eos deputavit centenos, et de suo

cotidianam eis stipem administrari imperavit. Preterea in

quacunque urbe, oppido vel villa esset, innumeri ad eum cotidie conüuebant,

quibus ille alimenta, nummos et vestimenta propriis precipue

manibus distribuebat, adeo ut apud Ipram uno die 7800 panes eum erogasse

ipsorum qui affuerunt memoria prodiderit. Neminem enim frustratum

a se recedere patiebatur, vestesque etiam, quibus admodum preciosis

utebatur, sibi detractas eis frequenter largiebatur. ||

Herim. lib.

DE KESTAUKAT. S. Mart. Tornac. cont. c. 13. S. S. XIV, 323. Eo tempore

fames vehementissima totam provinciam oppressit, ita ut plures fame

intumescerent, comes etiam Carolus per totam Flandriam pro avene

penuria cervisiam componi prohiberet, dicens, melius esse, ut divites

aquam biberent, quam pauperes fame perirent. Domnus etiam abbas

noster Segardus misericordia motus calices argenteos et alia quedam

ornamenta vendidit ex eis panem in alimoniam pauperum emit. ||

Chr.

S. Bav. ed. De Smet. Corp. chr. Fland. I, 578. Karolus, comes Flandriae,

ob validae famis instantiam, et ut annona et lac ad victum

hominum plus abundaret, cerevisiam in terra sua fieri prohibuit et

canes vitulosque occidi fecit. Ann. Aqdenses S. S. XXIV, 37, 26.

||

Fames valida facta est. Vita Godefridi comit. Capenbergensis c. 3.

||

S. S. XII, 517. Quodam tempore famem Westphaliae affuturam

et ipsos etiam fratres parumper castigaturam in spiritu praedixit.


Ekkeh.

Chronik der elementaren Ereignisse. 135

Quae iuxta viri Dei praescientiam adeo gravis evenit, ut plerosque

dira inediae calamitas extingueret. Acci(fit ergo die quadam, fratribus

ad refectionetn ituris, cum hospitibus et pauperibus erogarent

quicquid sibi abstinendo subtraherent , ut panis deesset alimoniae, ita

ut etiam unde fieret inveniri non posset. Cumque vir Dei saepius

intimasset, quod scriptum est: Non affliget Dominus fame animam

iusti, ecce subito per fideles suos Dominus tantam panis abundantiam

transmisit, quod fratres et sufficienter refecti sunt et advenientibus

cum alacritate obtulerunt. Cb. S. Petki Erfokd. mod. S. S. XXX,

||

361, 36. Quo tempore ^) per tres continuas noctes ante mortem eius

tanta frigoris inmanitas fuit,

pomorum

ut in plerisque partibus regni maxima

Ann. Veteeocell. S. S.

pars frugum

XVI, 42, 16.

et vini atque

Canim tempus.

deperiret.

chk.

||

univeks. S. S. VI, 263, 20.

||

Quo tempore hiemem asperrimam ver tempestuosum , fames validissima

ac mortalitas crudelissima secutae, tantam stragem per universas

provincias, maxime tarnen de vulgaribus dederunt, ut pene tercia

pars populi notetur occubuisse. — 264, 26. Quarta feria ebdomadae

pentecostes (20. Mai) dirissimae pruinae frigus plagam magnam tarn

novellis ubique frugibus quam vineis, habundantissimam iam foetuum

suorum spem turgendo promittentibus, intulit; nee multo post, id est

16. Kai. Julii (16. Juni), residuum frigoris tempestas tam immensa, quae

diluvium minare videretur, crudeliter alicubi devastavit. Item quaedam

ex locis palustribus ultra solitum erumpentes, segetes contiguas et

maxime triticeas aurugine vel uredine depravavit. Apium etiam foetus,

nescio quo auspicante incommodo ex toto pene deperiit. — 265, 9. Hoc

etiam anno nonnullos ex nobilibus una cum innumera multitudine vulgarium

seviens mortalitas absumpsit. Inter quos Oudalricum Eichstatensem

ac Ruggerum Wirciburgensem , Amoldum quoque, comitis

Amoldi filium — — pluresque alios sors ultima pressit. — —

||

HeKIBOKDI DIALOG. DE VITA OxTONlS EP8C. BaBENBERG. Hb. I, C. 31. S. S.

XX, 715, 19. Eo tempore Orientalis Francia sterilitate annorum

magna panis inopia laborabat. Ipsi namque opulentiores

famis etiam extrema necessitate squalebant, inopes et mendici passim

per plateas et agros mortui iacebant, ita ut prae multitudine in cimiteriis

humari non possent. Sed vir Dei misericordia plenus, memor Tobiae,

modo per se modo per alios sepeliendi officium complevit. Ubi

autem cadaverum multitudo sepulturam ordinatam fieri non sinebat, ingentes

fossas praeparavit, et centenos ac millenos simul quandoque

terrae mandabat, precio conducens homines, qui talibus officiis iugiter

inservirent. Ipse autem per se omnia lustrabat, vicos, plateas ac domos

pupillorum, vespere, mane et meridie, nee non etiam noctumo tempore

visitando aegros, reficiendo famelicos, omnique ingenio bene operandi

vias inquirebat. — c. 32. Erzählung , wie der Bischof die Leiche einer

Frau findet und sie selbst auf den Kirchhof trägt. — c. 33. Videns ergo,

quia tempus eum moneret, omnes apothecas suas aperuit, panes praeparat,

alit egentes, et ecce, quasi ad universales nundinas de tota provincia

famelicorum turbae concurrunt, de monasteriis virorum ac feminarum

praepositi ac dispensatores , omnesque quos annorum egestas premebat,

ad promptuaria episcopi currunt, sperata subsidia sine mora

invenientes. Cumque messis appropuinquaret , et maturae iam segetes

ubique locorum falcem postularent, multa milia falcium pauperibus, quos

toto anno aluerat, praeparata distribui fecit, atque refectis omnibus, in

festivitate beati Jacobi (25. Juli): Ecce, inquit pater optimus, filioli mei,

terra coram vobis est, finita est dierum malitia. Et accipiens singulas

falces, singulos addidit denarios, unicuique denarium et falcem dans,

1) Zur Zeit von Heinrichs V. Tode, gest. am 23. Mai 1125.


Annl.

MoNAcm

136 Chronik der elementaren Ereignisse.

Ann. Cräcovic. compil. M. G. S. S. kl. Ausg. 37. Inundacio

instrumentum operis et viaticum; sicque valefecit eis, in bonitate et

Ann. Einsidl. S. S. III, 147, 4. Erat maxima

gaudio eos dimittens. ||

fames per totum orbem. ||

Cosmae che. S. S. IX, 131, 35. 13. Kai.

Junii, 4. existente feria, (20. Mai) in ebdomada sacrosancta pentecosten,

magna nix in quibusdam silvestribus locis descendit, et sequentibus

diebus grande frigus inhorruit, atque omnigenis et maxime in autumno

seminatis frugibus, simul et vineis, nee non et arboribus multum nocuit,

ita ut in multis locis arbusta radicitus exaruissent, et minores gelu

rigescerent amnes.

aquarum in ||

omni

terra.

1126. Die Hungersnot dauert, wenigstens in einem Teile von Belgien,

fort (Ann. Bland., Ann. JEgmund. v. Karoli 1125), im Süden des Landes

scheint sie nachgelassen zu haben (Anselm). Hungersnot herrscht ebenfalls

in Süddeutschland (Ann. Zwifalt., Casus monast. Petrish.) und jetzt

auch in Böhmen, das im vorigen Jahre noch verschont gehliehen war

(Canon. Wissegrad.). Ann. Bland. S. S. V, 28, 25. Iterum fames gravissima

repetita per Flandriam, per Lotharingiam, per Franciam, per

Angliam, mülta hominum milia necavit. ||

Anselm. cont. Sigeb. S. S.

VI, 380, 22. Hiems acerrima; vemus etiam periculosus. — 28. Hoc anno

omnis seges egra et vineae cum omni fructu arborum acerrimae. ||

Ann.

Egmund. S. S. XVI, 451, 48. Clades permaxima yenit, divitum et

pauperum multitudinem extinguens. ||

Ann. Zwifalt. minoees S. S. X,

55, 13. Fames magna. Ann. Zwifalt. maioees S. S. X, 55, 42. Multa

|1

milia bominum fameperierunt. *) Casus monast. Petbishus. lib. IV, c. 21.

||

S. S. XX, 665, 19. Anno ab incamatione Domini 1126. facta est fames

valida, ita ut multi penuria oppressi deperirent. Et erat in basilica

Gregorii tabula principali altario in occidentali parte apposita,

quae auro et argento venuste fuerat operta, quae nonnisi in maximis

festivitatibus aperiebatur. Hanc Bertolfus abbas ingruente inopia confringi

fecit, et auri quidem inventum est habere unum talentum et quartam

partem fertonis ; argenti vero ...*), et hoc totum tarn aurum quam

763, 16. Apud Corbeiam Wisera glacie quasi obice eam repellente in-

argentum erat purissimum et Optimum. — —

||

undando, totam urbis aream occupat — — —

||

Saxo S. S. VI,

Priefling.

V. Ottonis epsc. Babenberg. lib. III. c. 5. S. S. XII, 899, 6. Nam et

pestilentiam, quae forte in diebus illis exorta totam paene Stetinensium

invaserat civitatem — — — ^)

]|

Canon. Wissegead. cont. Cosmae

S. S. IX, 132, 35. Eodem hyeme tanta magnitudo nivis fuit, qualem

nullus hominum se vidisse dicebat, in qua multi homines mortui sunt.

14. Kai. Martii (16. Feb.) inundatio aquae; glacies multis rebus nocuit. —

133, 28. Eodem anno multi homines perierunt fame per totum mundum.

||

Ann. Mell. cont. Mell. S. S. IX, 501, 40. Nix valida facta est.

1128. Anselmi cont. Sigebeet. S. S. VI, 381, 13. Cum intrante

Martio serenus aer arrideret, ipso mense mediante subito totus in nube

cogitur, et frigore riget, aquae gelant, rura torpent, et nunc nive, nunc

gelu, nunc pluviis elementa solvuntur. Subsequitur magna mortalitas

ovium, agnorum, boum, vaccarum. Tandem miserante Deo, cuncta

ad gratiam redeunt in laetania maiori. 13. Mai Gewitter in Köln.

27. Mediante Septembrio gelu valde nocivum factum est, in quo legumina

et vineae perierunt, et quicquid eiprimi potuit, in acredinem ver-

1) AuB den Ann. Zwifalt. min. entnommen.

2) Eine halbe Linie ist in der Handschrift leer gelassen.

3) Ähnliche Angaben finden sich Ebbo. v. Ottonis lib. IE. c. 1. S.

S. Xn, 859, 25 und Heribord. dialog. de v. Ottonis lib. III. c. 16. S. S.

XX, 767, 3.


Chronik der elementaren Ereignisse. 137

sum est. RuPEETüs de incendio Tiutiensi c. 2. S. S. XII, 630, 17. Erat

II

autem siccitas nimia nimiumque diutina (25. Äugst.).

1120. Ann. Laub. cont. S. S. IV, 22, 23. Hoc anno pestis ignea

in homines fuit, et beata Maria Suessionis miraculis claruit, et morticinum

pecorum fuit. Anselm. cont. Sigebert. S. S. VI, 381, 32.

||

Cum intrante mense Januario gelu liqueretur, tanta inundatio nivis et

pluviae fluvios et vivaria inflavit, ut sata proxima diluerent et excavarent,

domos quoque vicinas subverterent, et quaequae in eis inventa perderent.

42. Pestilentia maxima boum, vacarum et porcorum, aprorum,

cervorum, capreorum. Gewitter am 17. Oktober. Hoc anno plaga

ignis divini Carnotum, Parisius, Suessionem, Cameracum, Atrebatum,

et alia multa loca mirabiliter pervadit, sed mirabilius per sanctam Dei

genitricem Mariam extinguitur. Auftreten der Krankheit in verschiedenen

Städten und wunderbare Heilungen.

1130. MoNÄCH. Sazav. cont. Cosm. S. S. IX, 157, 14. Eodem anno

7. Kai. Maü (25. Aprl.) immensum signum apparuit, et tonitruum horribile

auditum est.

ca. 1132. HisTOB. monast. Viconien. S. S. XXIV, 298, 53. Tempestas

crudelissima ingruebat in temporibus istis, quoniam quam plures

morte subita moriebantur — — —

^)

1133. Anselm. cont. Sigeb. S. S. VI, 384, 29. Legumen et avena

hoc anno proventum messis satis ementita. ||

Chb. reg. Col. prs. H (=

Paderborn. Ann.) M. G. S. S. kl. Ausg. 70. Eclipsis solis facta est

4. Nonas Augusti (2. Äugst.) circa horam 6, in tantum ut stellae in celo

apparerent. *) Magna inequalitas aeris et pluviarum inundatio per totum

tempus messis subsecuta est. Canon. Wissegrad. cont. Cosm. S. S. IX,

||

138, 35. Mondfinisternis am 22. Feb. Hanc eclypsim nimia mortalitas

hominum secuta est.

1134. Anselmi cont. Sigeb. S. S. VI, 384, 38. Iste annus pre

nimia siccitate satis calamitosus, quia avenae, ordea et legumina proventum

suum nimis sunt ementita. 44. Kalendis Octobribus (1. Okt.) in

tempestae noctis silentio, motus magnus factus est in mari, ita ut litora

sua preteriret, et tamen in se iterum resideret. Sequenti vero nocte

primo crepusculo cum omni impetu terminos egrediens, omnia circumquaque,

id est villas, castella, aecclesias, ita pessumdedit, ut tres comitatus,

id est, Walecras, et Wales et Bebrant cum homine et pecore

penitus exterminaret. ||

Ann. Foss. S. S. IV, 30, 41. In Namurco Sambra

fluvius a solito meatu penitus cessans, per diem iategram funditus aruit.

|1

Casus monast. Petrishus. lib. V. c. 7. S. S. XX, 670, 42. His diebus

grandis infirmita« in ipsa congregatione grassabatur Canon.

||

Wissegrad. cont. Cosm. S. S. IX, 141, 1. Hyems instabilis, ita ut

nunc gelaret, nunc vernalis more temporis terra resolveretur, adeo ut

Albis fluvius bis glacie astringeretur bisque liquefieret. Flumen vero

Wltawa, quod metropolitanas nostras urbes Pragam et Wissegrad alveo

suo dividit, quater gelatum est, et quater glacies eius dissoluta est; nivis

autem penuria fuit. Haec intemperies aeris a mense Novembri incipiens,

per totum circulum sequentis anni nullum mensem praeterivit,

quin aut intrante aut exeunte unoquoque mense magno impetu saeviret.

Tandem in altero anno 5. Kai. Novembris (28. Okt.) vespertina hora per

totum mundum saevissima tempestas ventorum orta est, — — —

1135. Ann. Laub. cont. S. S. IV, 22, 34. Hoc anno transcendit

mare terminos suos in ultimis partibus Flandriae, et submersit insulas

multas cum hominibus.

||

Chr. S. Bavonis De Smet., Corp. chb.

1) Die Stelle ist ein Zusatz des Mcolaus de Montigni.

2) Totale Soimenfinsternis am 2. August 1133, auch Ann. Foss. S.

S. IV, 30, 38.


Ann.

138 Chronik der elementaren Ereignisse.

Fland. I, 582. Magnus ventus factus est, quinto kal. Novembris (28. Okt.),

tarn vehemens, ut turres ecclesiarum domosque urbium subverteret per

diversa loca. Audita sunt tonitrua ac coruscationes fulminum visae, diebus

Decembris. Egmxxnd. S. S. XVI, 453, 53. Maxima

|1

inundatio

aquarum maris in multis locis facta est Kalendis Octobris.

||

Sigeb.

AUCT. Laudun. S. S. VI, 446, 16. Gr. Sturm am 28. Okt. Mare terminos

suos egressum, partem Flandriarum cum habitatoribus suis inopinante

submersit.

1136. Sigeb. cont. Toknacen. S. S. VI, 444, 13. Eodem tempore

siccitas magna fuit, et magna frugum abundantia, et ab incommodo

quartariae febris multi mortui sunt. ||

Ann. Foss. S. S. IV,

30, 44. Estatis tempore circa solsticium insolitum calorem tam terram

et germina quam homines et pecora gravi defectu

Che. 1137. Ann. Bland. S. S. V, 28, 52. Siccitas magna.

voNis De Smet. Corp. che. Fland. I, 583.

||

Siccitas tanta fuit

S. Ba-

in Francia,

ut fontes, putei et fluvii siccarentur. Sigeb. auct. Laudun. S. S. VI,

446, 26.

||

Siccitas, quantam nemo, qui tunc viveret, se vidisse vel ab

antecessoribus suis se audisse testabatm-, ita ut fontes et putei, quidam

Ann. Foss. S. S. IV, 30, 47. Aestus

et de fluminibus siccati sint.

||

maris insolito motu terminos suos transgreditur et tres comitatus Gualecras,

Ann. Egmund. S. S. XVI,

454, 9.

Gulles et Zewanc penitus

Maxima siccitas fuit

exterminavit.

in toto vernali

||

et estivo tempore, adeo ut

estus nimius scitisum in multis locis exusserit. Hoc anno in Flandria

plurima monasteria a fulgure sunt succensa. Chr. beg. Col. prs. 11

||

(= Paderborn. Ann.) M. G. S. S. kl. Ausg. 74. Nam bona aeris temperie,

omnigena terrae fertilitate,

cunctarum rerum copia non solum

per regnum, sed et pene per totum mundum exuberabat.

1138. Che. S. Bavonis De Smet. Coep. che. Fland. I, 584. Auditum

est tonitruum, octavo kal. Julii (24. Jun.), cujus ictus exstitit intolerabilis.

Monachos enim sancti Bertini in oratione consistentes terrae prosternens,

quibusdam visum, aliquibus auditum, aliis aliquandiu sustulit

et sensum. Bertholdi Zwifeltensis che. S. S. X, 122, 30. Ipso anno

||

magna erat habundantia frugum adeo ut modius siliginis duorum

nummorum

1139.

vix haberet

Sigeb. auct.

precium.

Afflig. S. S. VI, 400, 32. Ab isto aimo cepit

fames 12 annos perdurans. Che. S. Bavonis De Smet. Coep. Fland.

I, 584.

||

Ab hoc anno fames incipiens fere septem continuis annis postea

duravit, et pene totam Europam cum adjacentibus insulis oppressit.

||

Sigeb. cont. Gemblac. S. S. VI, 386, 48. Paludes et fontes, qui per aliquot

annos tanta defecerant siccitate, ut putarentur non posse denuo

refluere, mirantur multi non solum fluere, sed et solito maiores aquas

emittere.

1140. Lokale Hungersnot in Sachsen (Ann. Palad.). Ann. Egmund.

XVI, 455, 12. Nix nimia et hyemps fuit validissima. ||

Ann. Pa-

S. S.

LiDEN. S. S. XVI, 80, 27. Animositate principum Saxonie contra regem

suosque amicos nullatenus desinente, magna famis necessitas huic

ingruit provincie.

1141. Che. S. Bavonis De Smet. Coep. che. Fland. I, 585. Plaga

ignis divini multos adussit, qui meritis beatae Mariae virginis salvati

sunt. Lapides grandinis tantae magnitudinis ceciderunt, ut vineas attererent

in quadam parte Galliae et domos subverterent. In quadam etiam

parte Flandnae segetes vastaverunt et multitudinem avium necaverunt.

||

Balduini Ninov. che. S. S. XXV, 531, 40. In octavis apostolorum Petri

et Pauli (6. Jul.) hora sexta usque in vesperam tempestas gravissima

grandinis invaluit talis, ut glandibus comparata aut similis aut maior

esset. 47. Tota hyeme nee glacies nee nix nee etiam aliquando

tenuis pruina visa est. Que temperies etiam usque in golsticium per-


Balduini

Chronik der elementaren Ereignisse. 139

du/avit, ut tota estas frigida cogeret nos sicut in hyeme vestiri et calefieri.

Quam annone sterilitas subsecuta est et omnium victualium

indigentia.

||

Sigeb. cont. Gemblac. S. S. VI, 387, 21. Plaga ignis divin

i multos adurit; sed per intercessionem sanctae Dei genetricis

Mariae — — Ann. Laub. cont. S. S. IV, 22, 44. Hoc anno pestis

||

horrida ignis et gravissimae debUitatis in homines fuit Cano-

||

Nic. Wissegrad. cont. Cosm. S. S. IX, 147, 1. Hyems tunc varia fuit.

5. 17. Kai. Maii (15. Aprl.) inundatio fluminis Wltava, quae üuit inter

urbes Wissegrad et Pragam, nimia facta fuit, et vicinis rebus multum

nocuit. MoxACH. Sazaven. cont. Cosm. S. S. IX, 158, 46. Eodem anno

II

fuit inundatio aquarum in Boemia.

1142. Nach einem harten Winter (Cont. Burburg., Ann. Laub, cont.)

beginnt in Belgien einstweilen nur in der Gegend von Lobbes nachweisbar

eine Hungersnot (Ann. Laub, cont., G. abb. Lobb.J. Sigeb. cont. Bur-

BUKG. S. S. VI, 457, 44. Hyemps asperrima et diutina; quam insecuta

est tarn insolita aquarum inundatio, ut flumina a suis alveis

plus solito exeuntia pontes, domos cum familiis, castra proxima everterent,

et secum tracta involverent. ||

Ann. Laub. cont. S. S. IV, 22, 48.

Hoc anno hyems aspera, fames plurima, languor hominum extitit.

jj

Ann. Foss. S. S. IV, 31, 5 (= Ann. FloreflF.). Flamma ignis divini

multos adurit. G. abb. Lobbiexs. S. S. XXI, 329, 5. Pro quo etiam

||

damno — nam et ipso tempore totam ville et curie nostre apud Sanctonas

annonam incendio deperisse contigerat — dum sibi cotidianis sumptibus

nostri non sufficiunt, nova et eatenus inexperta apud nos confusione

de nostris aliqui aliorum sustentari monasteriorum beneficiis ad

tempus dispersi sunt. Ad malum nostrum etiam commune omnium

malum concurrebat. Tanta quippe ea tempestate annone Caritas erat,

ut frumenti modius Lobiensibus marca argenti venderetur. Sub

qua necessitate hiis qui residui apud nos erant — pauci enim alias

transmissi fuerant — dum victus necessarius prepäratur, ecclesia non

parvo debitorum onere gravatur et obligatur, ad supplementum videlicet

mensium duorum, qui vestabant, ad tempus messis 40 tritici

modus totidem marcharum summa comparatis. A qua obligatione

multos in annos nulla conceditur absolutio, dum et malitia dierum

et rerum penuria semper augescit et negligentia eorum, qui male gesta

cori-ipere, male gerenda cavere debuerant, usuras usuris addere et suis

crudeliter subtrahere, quo alii crudelius ditentur, non pertimescunt.

1143. Harter Winter; in Lobbes, toie im vorigen Jahre, Hungersnot

(Ann. Laub.). Ann. S. Dionysh Rem. S. S. XIE, 83, 37. Facta est

nix profundissima a festo sancti Nicolai (6. Dec.) usque ad purificationem

beatae Mariae (2. Feb.). ||

Sigeb. cont. Burbuhg. S. S. VI, 457, 47.

Am 19. Jan. gr. Sturm. Mare etiam in ipsa epdomada terminos suos

transgrediens, plurimum terrarum summersit. Ann. Laub. cont. S.

||

S. rV, 22, 50. Hoc anno extitit aspera hyems et nix permaxima super

faciem terrae a Calendis Decembris usque ad Calendas Februarii, et se-

Ninov. chr. S. S. XXV, 532, 8.

quitur fames valida 7 annis.

||

Hoc anno incipiente frigus acerbissimum multum prevaluit, ut non

solum aves et feras extingueret, sed etiam multas arbores radicitus exsiccaret.

Nix etiam gravissima ab ante adventum Domini (29. Nov.

1142) usque in purificationem (2. Feb. 1143) cuncta operuit. Que in

maximos cumulos erecta postquam liquescere cepit, tanta inundatio

aquarum facta est, quanta hactenus nonquam apparuit. Pontes regali

opere factos dissolvit, domos magnificas dissipavit, turres etiam, urbes

et basilicas plurimas evertit. Gandavi in monasterio Sancti Bavonis per

totum (claustrum in tantum aqua prevaluit, ut ultra solitum alvei sui

terminum plus viginti pedum spacio excresceret. Tum flumine per omnes

officinas monasterii stagnante, claustrum navigabile factum est, ut


140 Chronik der elementaren Ereignisse.

fratribus ad dormitorium vel refectorium navigio esset eundum. Hec

miserabilis clades sicut gravissima, sie etiam diuturna fuit. Inundatio

maris maxima terrarum spacia occupavit, multis gravissime calamitatis

causa fuit.

||

Ann. Bland. S. S. V, 29, 7. Inundatio aquarum maxima.

||

Ann. Remen. et Colon. S. S. XVI, 733, 12. Hoc anno ex habundantia

nivium facta est inundatio, que subruit villas et pontes. ||

Chr. eeg.

CoL. prs. n (= Paderborn. Ann.) M. G. S. S. kl. Ausg. 79. Hoc anno

hyemps validissima et prolixa exstitit. — Tota aestate et autumpno

pluviae intolerabiles. Ck. S. Petri Erford. mod. S. S. XXX, 366, 16.

||

Hyemps magna et nivosa.

1144. Die Hungersnot, die in den beiden vorhergehenden Jahren

noch vereinzelt auftrat, hat jetzt ein gröfseres Gebiet in Belgien (Cont.

Gembl., Ann. Camerac.) und den angrenzenden Gebieten (Ann. Bod., G.

epsc. Vird.) ergriffen. Ebenso Hungersnot in England (Cont. Gembl.,

Cont. Praemonstr'). Cont. Gemblac. S. S. VI, 388, 27. Hiems hoc anno

nimietate pluviae et vento vebementi periculosa extitit et damnosa, in

tantum, ut silvas, templa, turres et edificia, quae putabantur firmissima,

aut funditus subverterit, aut magna ex parte destruxerit. 30. Fames

gravissima hoc anno multos afflixit; multos panis penuria pauperavit.

In regno autem Anglorum in tantum dicitur prevaluisse, ut maximam

utriusque sexus multitudinem contigerit fame interiisse. Nee tantummodo

pauperes et mediocres, sed et eorum multi, qui putabantur

ubi sufficientes esse, duro famis gladio perurgente coacti sunt alios emigrare,

ut malum inopiae si non ex toto evitare, saltem possent alleviare.

Triticeae messis maturitas et collectio provenit tardius solito; quia nimietate

pluviae impediente, vix potuerunt messores 8. Kai. Septemb.

(25. August) metere, quod aliquoties vidimus 8. Kai. Augusti (25. Jul.)

messuisse. 45. Vineae et arbores fructiferae non exibuerunt solitam ubertatem,

sed in proventu difficultatem, in fructibus habuerunt raritatem

et acerbitatem. Chr. S. Bav. De Smet. Corp. chr. Fland. I, 586. Maximus

||

ventus factus est XIV. kal. Februarii (19. Jan.).

||

Ann. Camerac. S. S.

XVI, 516, 1. Nam tanta sterilitas frugum super terram oceani

fuit, ut Atrebatensis mensura, quae nuncupatur mencalt, quindecim

solidis emeretur; Cameracensis etiam mensura, quae satis

minor habetur, decem solidis venderetur. Unde nonnulli propter famis

intemperiem compulsi sunt de terra sua et cognitione egredi. Laurentii

G. EPisc. ViRDxjN. S. S. X, 515, 33.

||

Interim maximus ventorum turbo inhorruit

et inauditas silvarum turrium et domorum strages in bis Galliarum

partibus dedit. Continuum venti flatum et inundationem pluviae

secuta est frugum sterilitas, vini autem multo maxima. Sigeb. cont.

||

Praemonstr. S. S. VI, 452, 60. et regnum illud (England), quod

pre ceteris aliquandiu quietum mnaserat et opulentum, ferro, flamma,

fame misere decerpitur. Ann. Rod. S. S. XVI, 717, 5. Ventus fuit

||

vehementissimus, quem semper ut ferunt fames sequitur et carum

tempus. Eodem anno facta est fames magna. Et quia haec nostra

Rothensis aecclesia elemosinarum beneficiis est educata, disposuit et ipsa

a principio sua indigentibus beneficia suppeditare, id est annonam suam

vinumque et censum decimare, in hoc praesens pauperum hospitale, ubi

etiam fratres laici sive minuti, sive infirmi solebant reclinare, et ex stipendiis

eiusdem hospitalis vixerunt, quasi habitaculi necessitate. Nunc

autem murmurantibus Ulis quod elemosinarum alerentur stipendiis, cum

et ipsi communis omnium essent fraternitatis, absolvit eos abbas inde

tali videlicet rerum mutatione, ut ulterius panis tantummodo et cervisia

in praedictum decimetur hospitale, et pro decimis vini pars detur

tricesima et census nummorum pars vigesima, et sie fratres praedicti

sive infirmi sive minuti ex promptuario nutriuntur communi. Ann.

||

S. Pbthi Erphbsf. antiq. M. G. S. S. kl. Ausg. 18. Magna inundatio


Chronik der elementaren Ereignisse. 141

{iquae

S.

fuit in Erphesfurt

S. XVI, 2, 52. Hoc anno

VII. Kai.

facta est

Junii (26. Mai).

||

Ann.

grando maxima ante

Herbipol.

pentecosten,

quod est Non. Maii (7. Mai). ||

Ann. Scbeftlar. maiok. S. S. XVII, 336, 24.

Ventus vehemens 13. Kai. Febr. (20. Jan.) magnas ruinas per plurimas

mundi partes fecit.

1145. Grofse allgemeine Hungersnot in Frankreich (Ann. S. Columb.

Sen.) und Deutschland. Nachrichten sind erhalten aus Norddeutschland

(Ann. Corb.J, dem Elsaß (Ann. Monust.), Baiern (Ann. Ottenh. Ising.)

und Österreich (Cont. Meli., Ann. Reichersberg., Magni Beichersberg.

ann.). Das Fehlen von Nachrichten aus dem belgischen Gebiete beruht

wohl nur auf einem Zufall, da hier in den vorhergehenden und folgenden

Jahren von einer schweren Hungersnot berichtet wird; vgl. Chr. S. Bavonis

a. 1146. Ann. S. Columb. Senon. S. S. I, 107. Hoc anno apparuit

cometes mense Maio. Quam secuta est mortalitas hominum et

animalium, pestilentiae et fames, ita ut sextarium tritici

•venundaretur 14 solidis, ordeum decem^ avena octo. Chb. S.

||

est. Ann.

||

Bavonis

Roden.

De

S. S.

Smet. Corp. chr.

XVI, 718, 4.

Fland.

Ventus

I, 506.

fuit

Cometa visa

vehementissimus, quem

fames semper ut ferunt sequitur et carum tempus. Ann. Brunwil. S. S.

||

XVI, 727, 18. Hoc anno in Maio plus quatuordecim noctibus cometes

aparuit. Secuta est cum mortalitate et fames ante inaudita.

Chronograph. Corb. Jaffe, Bibl. I, 45. Eodem anno fames aspera.

||

Et

fures plures, ex militibus fortioribus factione perniciosa conglobati,

multos in liac terra durius augebant. Denique Vuldensem ecclesiam

patera Hathemari et multis thesauris spoliabant, et nonnullas alias huius

terrae ecclesias rebus propriis et eis aliunde illatis idem predones vel

fures privabant. ||

Ann. Monasterienses S. S. III, 154, 41. Fames valida

Ann. Herbipol. S. S. XVI, 3, 3. Ipso anno facta est

duobus annis. ||

tempestas magna et inaudita 14. Kalend. Febr. (19. Jan.).

||

Ann. Otten-

BUR. IsiNGRiMi MAioR. S. S. XVII, 313, 2. Eodcm anno et sequenti facta

est tam valida fames, ut modius avenae talento et quinque solidis

venderetur.

||

Ann. Ratispon. S. S. XVH, 586, 11. Eodem anno Stella

cometa luxit. Magni presbyt. ann. Reichersperg. S. S. XVH,

|| 460, 10.

Nam Saturnus qui est unus de 7 planetis, Stella frigidissimae naturae,

ipso anno in ultima parte arietis positus, precedentes 7 vel 8

annos steriles ac terram pene eflfetam reddiderat, ita ut in locis

solummodo calidioribus ac pinguioribus vix semina pauca et pastum

tenuem cultoribus redderet. In qua sterilitate per omnes pene

terras innumerabilis hominum multitudo fame occubuit,

ceteris vitam ex herbis terrae ac radicibus herbarum simul et arborum

corticibus misere transigentibus. Quidam etiam iumentis per singulas

hebdomadas sanguinem minuere soliti, tali edulio vitam refocillabant.

Haec Stella 30 solaribus annis suum contra firmamentum nitens peragit

annum. Quam si sol in aestivalibus signis offenderit, frigidam circa id

tempus aestatem efficit, eamque in pluvias pene hiemales convertit. Si

vero in signis hiemalibus sol in eins frigus incurrerit, duplicato gelu

hiems solito vehementior inhorrescit, hac Stella vicinitate sua ipsum

quoque solem infrigidante. Haec sane duplicatio frigoris ex huius stellae

cum sole vicinia simul et annualis hiemis algore proveniens, maiorem

terris sterilitatem importat, si eadem Stella vel in aquario vel in piscibus

aut in prima parte arietis consistens, sicque hiemem in Martium

et Aprilem protelans, terram suo tempore aperiri et germinare non siverit.

Et haec quidem secundum astrologos dicta sunt, qui naturas

rerum etiam in motibus siderum investigant. Ann. Reichersperg. S. S.

||

XVH. 460, 6. Maxima fames erat.

||

Cont. Mellic. S. S. IX, 503, 31.

Ventus validus ab occidente irruens, Galliam, Franciam, Bawariam

totamque Theutonicam terram pertransiens, multas ecclesias plurimaque


Ann.

Cont.

||

142 Chronik der elementaren Ereignisse.

edificia subruit, arborum etiam et vinearum partem quandam delevit.

Farnes valida totum Theutonicum regnum devastavit duobus annis.

1146. Die Hungersnot dauert mit unverminderter Kraft fort, es

sind Nachrichten erhalten aus Belgien (Chr. S. Bav., Hist. Tornac, Cont.

Gembl., Ann. Foss., Ann. Parch., Ann. S. Jacobi Leod., Cont. Praemonstr.),

aus Frankreich (Ann. S. Dionysii Bern., Ann. Catalaun.) , aus Lothringen

(Chr. univ. Mett.J, aus dem Bheinlande (Ann. Bod., Ann. Aquens.,

Ann. Brunwilar., Chr. reg. Col., Ann. Bern, et Col.), aus Sachsen (Chronograph.

Corb.J)


»Chronik der elementaren Ereignisse. 143

Ann. Magdeburg.

||

S. S. XVI, 190, 19.

que pene et totum mundum vehementissime urgebat. | Ass. HsEBiPot.

S. S. XVI, 3, 6. Facta est ipso anno mortalitas magna per totum

Wirzeburgensem episcopatu m. 8. Hoc anno facta est fames

valida. ||

Ann. Ratispon. S. S. XVII, 586, 12. Sequenti anno hoc est

MCXLVI fames iavaluit. D

Ann. Scheftlar. maior. S. S. XVII, 336, 25.

Fames magna fuit. *) Casus, monastk. Pktrishus. lib. V. c. 25. S. S.

||

XX. 673, 47. Fames magna populos longe lateque premebat,

ac per hoc inopia cogente quedam personae de Triboltingin et

Tegirwilare ad monasterium contulerunt, se suasque possessiunculas

illuc tradiderunt, quam traditionem quidam eorum minime

stabilire potuerunt, quoniam possessiones ad Augiam tributarie fuerant.

1147. In einzelnen Gegenden (Ann. FJoreff., Chr. reg. Col.) machen

sich Nachwirkungen der Hungersnot der vorhergehenden Jahre noch bemerkbar.

Aufserdem herrscht Hungersnot in Holstein (Helmold), die aber

wahrscheinlich auf Verwüstungen des Landes durch den Slavenkrieg zurückzuführen

ist. Ann. Floreff. S. S. XVI, 624, 42. Fames valida.

III. M. S. S. kl. Ausg. 82.

Eclipsis solis.*) Chr. reg. Col. prs. G.

||

solis facta est.

et Germaniam, ita ut siliginis 12 solidis emeretur, panis

Eclipsis Sequitur fames maxima per totam Galliam

maldrum

vero qui pro denario dabatur vix pugillum palmae excederet. Erat

videre miseriam, eos qui nuper deliciose vivebant pro panis inopia domos

circuire. Famem quoque secuta est ingens pestilentia, ita ut

deficientibus sepulchris multitudo fossis pariter immitteretur. rec. 11.

Eclypsis solis facta est 7. Kai. Novembris (26. Okt.) circa horam diei

pene 4. Ipso anno fames maxima facta est, ita ut modius siliginis

12 solidis Coloniensis monete venderetur in mense Junio.

Famem etiam pestilentia et mortalitas subsecuta est intolerabilis.

Helmoldi CHR. Slav. Hb. I. cap. 66 de fame M. G. S. S. kl. Ausg.

||

127.

Quid dicam de sacerdote Cristi Vicelino? In ea calamitate, qua barbaricus

furor multos attriverat et frumentorum penuria famem parturiverat,

omnibus, qui in Faldera et Cuzelinia fuerunt summopere commendavit,

ut pauperum memores essent. Ad quod opus vir Dei Thetmarus

fuit incomparabiliter idoneus, dispergens et dans pauperibus

minister fideUs et prudens, ubique caritativus ubique largus, in cuius

laudem parum est quod loquor. Sane pectus sacerdotis misericordia

refertum, suavissimo fragrabat odore, iaciebantque pre foribus monasterii

greges egenorum, expectantium elemosinam de manu viri Dei: adeo

ut locus ille ad inopiam redigendus videretur propter largitatem viri.

Obserabantur igitur a procuratoribus ostia domestice rei , ne curia

subiaceret detrimento. Quid faceret homo Dei? Clamores pauperum

ferre non poterat, nee fuit ad manus quod daret. Cepit ergo vir misericors

curiosius agere et circuire horrea, explorare calldus aditum, quo

etiam secretius reperto, egit in modum furantis dans cotidie pauperibus

iuxta opportunitatem. Ferebatur autem a fidissimis nobis, quod iisdem

diebus exinanita frumentaria, penus divinitus recuperata sit. Ann. S.

||

DisiBODi S. S. XVn, 27, 7. Pestilentia magna facta est.

1148. Chr. S. Bavonis De Smet Corp. Chr. Fland. I, 587. In diversis

locis tempestas tonitruorum et fulgurum desaevit,

Hyemps

sed peramplius

nivosa

in Lauduno.

1) Älterer kompilierter Teil der Annalen, die Nachrichten stammen

aus Regensburg oder Ensdorf, die Nachricht gilt also für den Norden

von Baiem.

2) Die Annalen geben als Jahr 1148 an, da aber in diesem Jahre

in Belgien keine Sonnenfinsternis sichtbar war, so mufs die ringförmige

Sonnenfinsternis vom 26. Okt. 1147 gemeint sein, die auch die Chr. reg.

und die Ann. Brunwil. S. S. XVI, 727, 26 erwähnen.


Auct.

Ann.

144 Chronik der elementaren Ereignisse.

et aspera unde et siligo in agris sub profunditate nivis diu suffocatus

deperiit.

1149. Ann. Egmund. S. S. XVI, 456, 34. Hiemps tarn ralida

fuit, ut etiam maria quae frigori solent esse immunia glacie tenerentur,

et volucres coeli in rigorem versae deficerent, et omne quod movetur

gelu constringeretur. Estas eiusdem anni pestilens et valde nociva

fuit, ut multi mortales aeris intemperie morerentui', pueri, iuvenes, senes,

et in sola Traiectensi civitate quadraginta hiomines una die

Hiemps

ducerentur

ad tumulum.

lito

||

asperior

Sigeb. cont.

inhorruit,

Toenacen.

in tantum,

S.

ut

S. VI,

in

444,

mari

19.

plus

so-

quam tribus a

littore milibus super glatiem via preberetur, et tumescentes fluctus gelu

solidati in similitudinem turrium cernerentur. Ante et post idem gelu

per multos annos magna frugum penuria fuit, adeo ut aliquotiens

apud Tornacum sextarius frumenti 60 solidis venderetur.

||

Sigeb. cont. Pkaemonstkatensis S. S. VI, 454, 41. Im März Stürme et nimia

fuit pluviarum inundantia.

||

Ann. Camekac. S. S. XVI, 518, 31. Hiemps

gravis extitit, et plurima nix, quae a festo sancti Nicholai (6. Dec.)

cepit et usque ad Kai. Martii (1150) fere duravit.

||

Sigeb. auct. Afflig.

S. S. VI, 400, 48. Hiemps gravissima4 mensibus invaluit et prevaluit. *)||

Ann. Brunwil. S. S. XVI, 727, 46. Hoc anno byems tam valida fuit,

ut arborum fructus vinearumque ubertas tota perierit. Renus calcabiHs

fuit. Ann. Pegav. cont. S. S. XVI, 258, 48. Magna mortalitas pecorum.

Zwetlense S. S. IX, 540, 41. Fames valida duravit per

II

II

biennium. *)

1150. Nach einem harten Winter entsteht an einzelnen Orten eine

Hungersnot (Chr. universal. Mett., Ann. Monast., Chr. minor, auct.

minorit. Erphord.). In Österreich herrscht Hungersnot, die vielleicht schon

im vorhergehenden Jahre begonnen hatte (Ann. Ztvetl.J. Ann. Bland. S. S.

V, 29, 16. Hiemps validissima fuit, perdurante glacie a. 5. Idus

Decembris (9. Dec.) usque 14. Kai. Martii (16. Feb.). Ann. Laub. cont.

i|

S. S. IV, 23, 14. Hoc anno hyems asperrima. Ann. Aquen. S. S. XXIV,

||

38, 5. Sterilitas frumenti et vini, hiemps asperrima et longa. ||

Che.

REG. CoL. prs. in. M. G. S. S. kl. Ausg. 87. Hyemps valida extitit. ||Chb.

UNIVERS. Mett. S. S. XXIV, 517, 5. Fames magna.*) Monast.

||

S. S. III, 154, 43. Hiems valida cum fame maxima et inundatione,

et defectus omnium fructuum, et ariditas vinearum et nucium,

et pestis animalium. Ann. Magdebg. S. S. XVI,

||

190, 39. A vigilia

nativitatis sancti Johannis baptistae (23. Jun.) frequenter tonitrua gravi

horrore plena, fuLmina terribilia, tempestates horribiles, vis ymbrium, nimia

inundatio aquarum, nebule tenebrose et fetentes et spissae, et secuta gravissima

pestilentia et mortalitas tam hominum quamquam et

pecorum et magna penuria frugum; — — — — Hyemps aspera

et longa, et in sequentem annum nimis producta.

||

Cr. S. Petei

Erford. S. S. XXX, 367, 9. Hiemps dura ac diutuma, adeo ut plerosque

vis algoris extingweret, et apum atque pecorum maxima pars

deperiret.

||

Chr. minor, minorit. Erphord. cod. C. 2. M. G. S. S. kl.

Ausg. 639, 24. Hyemps dura magnam cladem intulit plerisque, et

1) Wörtl. gleich in Cont. Aquicinct. u. Auct. Aquic. enthalten, die

Angabe stammt nach Angabe des Herausgebers aus Ann. Bland. 1150,

bezieht sich aber auf den Winter 1149— 50.

2) Die Nachricht ist vom Verf. aus cont. Zwetl. I entnommen, sie

findet sich dort a. 1150, allerdings setzt der Verf. der cont. Zwetl. I die

Ereignisse häufig ein Jahr zu spät an.

3) Verwandt mit Ann. S. Vincentü Mett. a. 1151; vgl. Waitz, N.

Arch. III, 72 fi-.


Chronik der elementaren Ereignisse. 145

fames magna secuta est ac pestilencia hominum. ||

Cont. Zwetl. I.

S. S. IX, 538, 14. Farnes

')

valida cepit esse per biennium. ||

Ann. S. JacoBi

Leod. S. S. XVI, 641, 15. Hiemps asperrima.

1151. Die Hungersnot, die sich an einzelnen Stellen schon im

vorigen Jahre bemerkbar machte, ist jetzt über ganz Deutschland verbreitet.

Es sind Nachrichten erhalten aus einem Teile Belgiens (Ann. Laub., Ann.

S. Jacobi Leod.), aus dem Rheinlande (Ann. Aguens., Chr. reg. Col.,

V. Arnoldi), aus Lothringen und dem angrenzenden Teile Frankreichs

(Ann. S. Vincent. Mett., Ann. S. Benig. Div.), aus Sachsen (Wibaldi

epsit., Ann. Magdebu/rg., Ann. Palid., Ann. S. Petri Erphesfurd.) und

eine Nachricht aus Süddeutschland (Ann. Ottenb. Isingr. maior.). Sigeb.

CONT. Bellovac. S. S. vi, 463, 8. Congelatis in terra segetum radicibus,

Che. S. Bavonis De Smet Cokp. chr.

fit maxima frugum inopia.

|1

Fländ. I, 588. Fames valida facta est in Flandria, ut Brugis venderetur

hodum frumenti XL solidis. ||

Sigeb. auct. Aquicin. S. S. VI,

396, 6. Fructus terra habuit uberes; set pluviarum inundatione a festivitate

sancti Johannis (24. Jun.) usque ad medium Augusti omnia vastante,

vix ad maturitatem perduxit. Nam vinum et ceteri fructus ex

parte defecerunt; et quod de uvis coUectum est, in acorem versum est.*)||

Ann. Camerac. S. S. XVI, 522, 19. Eodem anno ante mensem Augustum,

gravis venundatio tritici subito invaluit, ita dumtaxat ut publice Cameracensis

mensura plus quam 9 solidis venderetur. Pestis

etiam animalium gravissima in Unguis eorum extitit, maxime caballorum.

Ann. Laub. cont. S. S. IV, 23, 18. Famis periculo multi intereunt.

Annus totus pluvialis. ||

II

Ann. S. Jacobi Leod. S. S. XVI, 641, 1&.

Tempus asperrrmum et pluviale. Fames valida. Mors in homines.

Messis tarda. Plus vindemia. Mustum vix Lucae euangelistae (18. Okt ). j|

Ann. Aqüen. S. S. XXIV, 38, 7. Fames prevalida. ||

Chr. reg. Col. prs. III.

rec. n. M. G. S. S. kl. Ausg. 88. Ipso anno fames horrenda et omninm

rerum inaudita penuria.

||

Vita

Arnoldi archiepsc. Mogunt. Jaff^

Bibl. ni, 608. Tempore vero ingruentis inopie ^, que totam Germaniam

fame profligatura minitabat, tercentos pauperes — propria manu obsequiis

exhibitis — alimoniis sollicitus et specialiter nuti-iebat; aliis quibus

victum largiebatur adhibitis quorum non est numerus. ||

Ann. S. Vincentu

Mettensis S. S. III, 158, 40. Fames valida. ||

Ann. S. Benigni

Diy. S. S. V, 44, 47. Hoc anno fuit fames magna. 45, 1. Hoc etiam

anno fuit magna penuria vini. ^) Wibaldi epist. No. 329 (Die Mönche

||

1) Es erscheint zweifelhaft, ob es berechtigt ist, den Anfang der

Hungersnot in Erfurt schon in dieses Jahr zu setzen. Die ältere Cr.

S. Petri weifs noch nichts davon und auch die Ann. S. Petri erwähnen

die Hungersnot erst im folgenden Jahre, ebenso die Ann. Palid. Die

Ann. Magdeburg, unterscheiden ausdrücklich die Mifsemte des Jahres

1150 und die Hungersnot des folgenden Jahres. Der Cod. C. 2, der die

Nachricht bringt, stammt aus dem XV. Jahrhundert; es ist daher ein

Irrtum des Schreibers um ein Jahr oder ein übertreibender Zusatz des

späten Autors leicht möglich.

2) Die Stelle ist von hier in die Cont. Aquict. und das Auct.

Afflig. übergegangen.

3) Es liegt am nächsten die Nachricht, wie dies auch Böhmer,

Fontes HI, 272 thut, auf die Hungersnot des Jahres 1151 zu beziehen,

doch wäre auch die Hungersnot 1145—1146 möglich. Aus der Vita

selbst läfst sich die Nachricht nicht datieren, sie findet sich gleich zum

Beginne in einer Charakteristik Arnolds.

4) Der Herausgeber kann nicht unterscheiden, ob die Nachricht

1151 oder 1152 angesetzt ist, jedenfalls ist 1151 wahrscheinlicher, weil

wir 1152 von keiner Hungersnot wissen.

Leipziger Stadien, VI. 1: Carschmann, Hungersnöte. 10


Statim

146 Chronik der elementaren Ereignisse.

von Corvey an Wibald.) Jaffe Bibl. I, 459. Denique inter eum et nos

usqiie eo res processit post multas denunciationes ,

quibus defuturum

nobis panem et potum denunciavit, quod tandem in diebus rogationum

(14.— 16. Mai) et in ipsa sancta die ascensionis Domini (17. Mai) nos

absque potu dimisit; et statim sequenti proximo sabbato (19. Mai) absque

pane simul et potu, quod nunquam Corbeia factum credimus, nos

dereliquit. Cum ergo ipsa die, sedentes ad mensam secundum ordinem

et consuetudinem nostram, consuetam alimoniam expectai-emus nee ab

eo quicquam acciperemus, inpasti surreximus, . igitur in

unum congregati, quid facto opus esset, in commune consuluimus et,

ut vestrae paternitati, hanc necessitatem celeriter insinuaremus, inter

nos convenimus. Interim autem fratri A(delberto) camerario nostro, licet

invito et multum renitenti, hanc curam iniunximus, ut, donec redeat

nuncius noster ä vobis, panem et potum, undecumque possit mutuo acceptum,

nobis provideat. Et argentum quod ad sarcophagum hoc anno

deputaveramus , in pignore accepit. Bitte, W. möge sobald als möglich

kommen und helfen. Ann. Magdeburg. S. S. XVI, 190, 42. Unde et

||

sequenti anno ante messem tanta fames secuta est, quantam ante non

viderant homines illius temporis. Asserunt enim hü qui in astronomia

aliquid periciae se accepisse iactitant, illo anno dominum Saturni fuisse,

qui completo cursu suo, quem 30 annis peragit, iter consummatum reciprocans

in nimia superfluentia fluminum, in maxima pestilentia et mortalitate,

in sterilitate terre et famis inedia nee non et aeris intemperie

seu et aliis diversis perturbationibus dominium suum exercet. Autumnus

ventosus. ||

Ann. Palid. S. S. XVI, 86, 4. Aeris inequajitas et

tempoi'um inmutatio famis ac pestilencie pericula tanta mundo intulerunt,

quanta tunc viventes in generacione sua fuisse non meminenint.

||

Ann. S. Petki Erphesf. antiq. M. G. S. S. kl. Ausg. 19, 3. Fames valida

et mortalitas hominum. Ann. Ottenbur. Isingrimi maior. S. S. XVII,

||

313, 16. Facta est fames adeo valida, ut dimidius modius tritici

pro triginta solidis venderetur; sex panes admodum parvi pro

Septem emebantur solidis. Ipsi principes aliquot dies sine pane diversis

coctionibus vescebantur, carnibus pecorum et herbis populus vivebat,

non nulla mortalium milia fame interierunt, ita ut in villis plurimae

domus sine cultore vacuae remanerent. Factum est et hoc mirabile,

ut mense Maio cum pene nullae segetes in agris apparerent, in

Junio et subsequente mense tantae subito exortae sunt fruges,

ut a rusticis hoc quasi pro celebri proverbio haberetur, per hos duos

menses Deum non aliud fecisse, nisi fruges de coelo pluisse. Per eosdem

menses pluvia continuatim descendit.

1152. Ann. Laub. cont. S. S. IV, 23, 25. Magna fluminum inundatio

hyeme facta est. Chr. reg. Col. M. G. S. S. kl. Ausg. 88.

||

Huius regis tempora ^) admodum tristia fuerunt. Nam inequalitas aeris,

famis et inedie perseverantia, bellorum varius tumultus sub eo vigebant.

1153. SiGEB. AucT. Afflig. S. S. VI, 401, 43. Nee parva miraculi

portio est, quod hoc anno tanta sterilitas agris nostris incubuit, quod

vix duorum vel ad trium mensium nobis victum suffecit omnis copia

mensis nostre.

1154. Ann. S. Petri Erphesf. antiq. M. G. S. S. kl. Ausg. 19.

Eodem anno magna inundatio aquae fuit. Monach. Säzav. cont.

||

CosM. S. S. IX, 159, 38. Mondfinsternis. Post haec maxima mortalitas

in homines irrepsit.

1155. In den verschiedensten Gegenden wird über die ungünstige

Witteru/ng des Sommers geklagt, doch nur in Afflighem kommt es zu einem

lokalen Notstande (Auct. Afflig.). Sigeb. auct. Afflig. S. S. VI, 402, 43.

1) Während der Regierungszeit Konrads III. 1138— 1152.


Ann.

Chronik der elementaren Ereignisse. 147

Multis annis sterilitate terre et necessariorum penuria nobis laborantibus,

hoc anno tritico omnino deficiente, in ultimo discrimine, quid

agendum esset, vix anxiis potuit occurrere. In hoc tarnen ad ultimum

stetit sententia, ut pecunia mutuo amicorum fide sumpta, emeremus

victui necessaria. Misimus ergo fratres nostros in aliam regionem, qui

solicite iniunctum negotium exsequuntur, et remenso itinere, onerata nave

iter carpentes ad opidum Aldenardum ') dictum pervenerunt.

AüKEAEVALL. S. S. XVI, 683, 30. Factumque est tonitruum

||

Ann.

magnum in

coelo, fulgura crebra visa sunt in terra, corruscationes horrendae, pluvia

magna cum grandine mira in modum lapidum. Che. reg. Col.

prs. III. M. G. S. S. kl. Ausg. 92. Inundatio

||

aquarum insolita fuit

7. Kai. Decembris (25. Nov.). ||

Ann. Stederbukg. S. S. XVI, 207, 29.

Tempestas et pluvia maxima, adeo ut tempore messis fruges non

solum in agris, verum etiam in horreis reconditae fluminum inundatione

perirent. Ann.

||

Paliden. S. S. XVI, 89, 3. Hoc anno nix inchoans

Kai. Octobris perseveravit usque pridie Kai. Maii (30. Aprl.). Ann.

||

Ottenb. Isingh. MAI. S. S. XVII, 313, 48. Hoc anno in Augusto et Septembri

facta est tanta aeris ariditas, ut ex nimio solis aestu pluribus

in locis ipsa terra ardere videretur. Quam ariditatem tarn vehemens

subsecuta est pestilentia animalium, ut villae complures absque

animalibus vacuae remanerent, et ipsi homines pro bubus iuncti aratris

illa traherent et terram utcunque colerent. Post haec tanta pluviae

subsequitur inundatio, ut avenaria messis in agris putrefacta secari

non potuisset.

1156. Ann. Laub. cont. S. S. IV, 23, 34. Hoc anno hiems arida,

ver temperatum. Initio mensis Junii maxima et eo tempore inaudita fluminum

inundatio. Floreff. S. S. XVI,

|| 624, 49. Facta est inundatio

magna aquarum ex pluviis estate et hyeme, que sata et domos

destruxit et multos submersit.

||

Ann. S. Petri Erphesfürd. mai. M. G.

S. S. kl. Ausg. 57, 22. Mortalitas hominum fuit.

1157. Ann. Weingart. Welf. S. S. XVII, 309, 15. Nix magna

Quod

et frigus insolitum circa passionem Domini (29. März) inhorruit.

mortalitas hominum ad tempus, et exustio maxima per totam estatem

subsecuta est. Porro in ipsa die Kalendarum Julii (1. Jul.) tanta severitas

grandinis tantaque concussio ventorum invaluit, ut segetes circumquaque

consumeret, robustiores arbores radicitus evelleret, — —

1158. Ann. Foss. S. S. IV, 31, 23. Tempestate oborta, tanta grandinis

coadunatio facta est, ut in pago Lomense iuxta villam que Nefla

dicitur decem pedum longitudine cecidisse inveniretur. Ann. Palidens.

||

S. S. XVI, 90, 24. Eodem anno sevissima tempestas extitit; ventus turbinis

fortissimus arbores inmensas radicitus evulsit, ecclesias cum domibus

aliisque edificiis subvertit, aquarum quoque inundantia infinitam

multitudinem hominum et pecorum extinxit. *) Chr. univers. Mett.

||

coNT. COD. Paris. (2) S. S. XXIV, 523, 45. Farnes valida.^

1) Oudenaarden.

2) Fast wörtlich findet sich die Stelle auch a. 1158 Ann. Magdeburg.

S. S. XVI, 191, 34.

3) Die Nachricht erscheint wenig glaubwürdig, sie stammt aus

einer erst Ende des 15. Jahrhunderts verfafsten Fortsetzung. Die nahe

Verwandtschaft sowohl mit der Chr. univers. wie den Ann. S. Vincentii

zeigt, beide haben eine Hungersnot 1162. Die Cont. entnimmt ihren

Anfang, wie es scheint, den Ann. S. Vinc. 1162 hat sie irrtümlicherweise

statt 1163 den Tod Bischof Stephans unmittelbar vorher unter

1158 fames valida wörtlich gleich Ann. S. Vinc. a. 1162, eine Übereinstimmung,

die hier von Bedeutung ist, da die Ann. S. Vinc. regelmäfsig

f. valida haben, während die Chr. universal, f. magna schreibt. Der

10*


Ann.

Ann.

148 Chronik der elementaren Ereignisse.

1159. Ann. Camekac. S. S. XVI, 533, 25. Hiems longa fuit, et

omnium pestis subsecuta est. Ann. S. Vinc. Mett. S. S. III,

||

158, 45.

Inundatio aquarum. S. Benig. Div. S. S. V,

||

45, 11. Hoc anno

venit hyemps magna, gelu et nix 4. Idus Octob. (12. Okt.).

1161. SiGEB. AüCT. Aquicin. S. S. VI, 397, 48. Fames valida. ^)||

Ann. S. Petri Ekphesf. antiq. M. G. S. S. kl. Ausg. 20, 7. Grando et

tempestas magna in multis locis fuit.

1162. Ausgedehnte Hungersnot in Frankreich (Act. pont. Alexandri,

Ann. S. Dionys. Rem.), Belgien (Auct. Afflig.), Lothringen (Ann. Egmund.,

Ann. S. Vincent. Mett., Chr. univ. Mett.), in der Gegend von Aachen

(Ann. Aquens.) und bis nach Mitteldeutschland (Ann. S. Petri Erphesf.

antiq., Chr. Mont. Sereni.). Süddeutschland scheint von der Not nicht betroffen

zu sein (Ann. Beichersp.). Ann. S. Dionysii Rem. S. S. XIII, 83, 50.

Venditus fuit sextarius frumenti decem solidis. ||

Acta pontifi-

CATDS Alexandri Hl. Hist. de Fr. XIII, 666 A. Eo tempore in tota Aquitania

et circumpositis locis valida fames in tantum increvit, ut prae

nimia ciborum indigentia infinita hominum multitudo morte inevitabili

deperiret: unde universos Grallos vehemens timor invasit ne ipsorum

terras consimilis cruciatus invaderet.

||

Sigeb. auct. Afflig. S. S. VI,

405, 26. Fames gravissima in tantum prevaluit, ut modius tritici

venderetur 30 et eo amplius solidis Lovaniensis monete, multaque

milia hominum fame perissent, nisi dominus pauperis populi afflictionem

respexisset. Ipse enim qui percutit et medetur, dedit spiritum

bonum in cordibus fidelium suorum, cuius instinctu largam manum ad

pauperes extenderunt, eorumque inopiam sua habuntantia suppleverunt,

et largius quam aliquando nostris temporibus vidimus, sua eos liberalitate

sustentaverunt.

||

Ann. Camerac. S. S. XVI, 535, 34. Hyems gravis

extitit^ et mors pecudum valida subsecuta est. ||

Ann. Egmund.

S. S. XVI, 462, 38. Eodem anno validissima fames in multis locis,

maxime in Lotharingia facta est, adeo ut modius avenae, qui

plerumque pro quinque denariis vendi solebat, pro quinque

solidis venderetur, modius ordei pro septem, tritici pro decem,

multique mortales famis inedia morerentur. ||

Ann. S. Vincent. Mett.

S. S. III, 158, 47. Fames valida.

||

Chr. univers. Mett. S. S. XXIV,

518, 20. Fames magna. Aquens. S. S. XXIV, 38, 16. Fames

||

prevalida facta est eodem anno. ||

Ann. S. Petri Erphesf. antiq. M. 6.

S. S. kl. Ausg. 20, 26. Fames valida.

||

Chr. Montis Sereni S. S. XXHI,

152, 14. Eo anno fames magna facta est. ||

Ann. Reichersperq. S. S.

XVII, 469, 1. Eodem quoque anno magna terrae fertilitas ubique

erat et habundantia omnium rerum, quas terra producere solet.

1163. Ann. Egmund. S. S. XVI, 463, 1. Anno 1163 a festivitate

sancti Laurentii (10. Aug.), usque ad festum sancti Martini (11. Nov.)

continua pluvia fuit, ita ut omnes pene fructus in agris putrefierent,

annonae , fabae et pisae. Eodem anno in festivitate sancti Thomas

apostoli (21. Dec.) maxima inundatio maris et fluctuum in multis

locis facta est, adeo ut in quibusdam villis Holtlandiae quae mari nimis

vicina est, nulla domus tuta remaneret, sed et domus et bargi quibus

frumenta condebantur, violentia fluctuum abducerentur , et ingentes

massae glaciei cum impetu vehementi sibi succedentes omnia mergerent.

Fehler ist entstanden durch Verwandlung der XII in VIII beim Abschreiben.

Vgl. auch Waitz, N. Arch. HI, 72 und S. S. XXIV, 491.

1) Vielleicht deutet diese Nachricht darauf hin, dafs die Hungersnot

des folgenden Jahres in Achin schon Ende 1161 begann, ebenso gut

kann also ein Irrtum um ein Jahr vorliegen, besonders da auch mehrere

andere bis 1161 angesetzte Ereignisse in Wahrheit in das Jahr 1162

fallen.


Chronik der elementaren Ereignisse. 149

involverent et propellerent. In Fresia etiam superiori quae Saxoniae

contermina est et vocatur Morsatia et in ipsa Saxonia tanta inundatio

eodem tempore fuit, ut nullum edificium ecclesiarum vel domorum homines

ab interitu defendere potuerit, sed omnes fluctibus involverentur

cum Omnibus rebus suis, exceptis bis qui navigio vix effugere potuerunt.

Ann. S. Petki Erphesf. antiq. M. G. S. S. kl. Ausg. 20, 29.

|1

Magna inundatio aquae fuit IIT. Non. Sept. (3. Sept.). Che. Mostis

Sereni S. S. XXin, 152, 23.

||

Fluvii inundantes pericula gravia hominibus

et animantibus intulerunt. ||

Cont. Cremifan.

Multa inundatio aquarum hoc anno facta est.

S. S. IX, 545, 34.

1164. Hungersnot im Lande der Obotriten infolge kriegerischer

Verwüstungen (Helmold.). Ann. Cameeac. S. S. XVI, 536, 35. Hyems

longa et acerrima usque in Martio mense perduravit. Ann. Laub. cont.

S. S. IV, 24, 30.

||

Exundatione maris in Flandria perierunt homines

plus quam undecim müia. Che. reg. Col. M. G. S. S. kl. Ausg. 114.

||

Occeanus limitem suum 12 pene miliariis 14. Kai. Marcii (16. Feb.)

egressus, multa milia hominum diversi sexus et etatis maxime circa

fluvium Wiseram submersit. ||

Ann. Paliden. S. S. XVI, 92, 55. Nova

maris et fluctuum confusio exorta est *) Per triduum enim aque de

profundo abissi exagitate ibant et intumescebant , et omnia circa maritima

flumina alveos suos pre inundatione excedentes, multas insulas cum

hominibus et iumentis vülis domibus edificiis substantiis ecclesiis et,

quod dictu mirum, agris et domorum areis et cimiteriis cum soliditate

alias transpositis, miserabiliter suffocaverunt. Eratque mirabile spectaculum

inter misericordiam Dei et iudicium, cum per iudicium fieret

interitus hominum et iumentorum et ad 20 miliaria secus ripas fluminum

viderentur cadavera suffocatorum, 93, 19. Fruges agrorum multis

in locis grandinis nimietate contrite sunt. ||

Chr. Montis Sereni S. S.

XXm, 152, 26. Tonitrua et fulgura iatempestiva cum vento vehementi

5. Kai. Marcii (26. Feb.) extiterunt. Inundacio occidentalium fluminum

multa milia hominum et animancium interfecit et edificia destruxit.

Helmoldi CHR. Slav. lib. n. c. 1. M. G. S. S. kl. Ausg. 194. Circa illos

dies in mense Februario, hoc est 14. Kalendas Martü (16. Feb.)

orta est tempestas maxima ventorum, procelle, fulgurum coruscatio et

tonitrui fragor, qui passim multas edes aut incendit aut subruit, insuper

tanta maris exundatio oborta est, quanta non est audita a diebus

antiquis, que involvit omnem terram maritimam Fresie, Hathelen et omnem

terram palustrem Albie et Wirre et omnium fluminum que descendunt

in oceanum mare, et submersa sunt multa milia hominum et iumentorum,

quorum non est numerus. — — lib. 11. c. 5. p. 202. Omnis

igitur terra Obotritorum et finitime regiones, que pertintnt ad regnum

Obotritorum, assiduis bellis, maxime vero hoc novissimo hello

tota in solitudinem redacta est, Domino scilicet favente et dextram

pussimi ducis semper confortante. Si que Sclavorum extreme remanserant

reliquie, propter annone penuriam et agrorum desolationes

tanta inedia confecti sunt, ut congregatim ad Pomeranos sive

ad Danos fugere cogerentur, quos iUi nihil miserantes Polanis, Sorabis

atque Boemis vendiderunt.

1165. Ann. Camebac. S. S. XVI, 538, 8. Feria quarta pentechostes

(26. Mai) hora diei nona, adveniens a mari Britannico ingens procella,

terrasque has pertransiens , scilicet, Normanniam, Ambianensem, Viromandensem,

Atrebatensem, cuncta interius comminuens, arbores segetes,

fabas, lina, habitationes hominum ubique obruens et dissipans. Terram

vero Atrebatensem ea procella graviter attrivit; ilHus regionis plebs diu

||

1) Die Schilderung der Sturmflut in den Ann. Magdeburg S. S.

XVI, 192 ist nahe verwandt.


150 Chronik der elementaren Ereignisse.

dispendium suum luxit ac flevit. Subsecuta est venditio tritici

quae in diversis locis nonnullos afflixit.

1166. Lokale Hungersnot in Stederhurg (Ann. Stederburg.). Ann.

Camerac. S. S. XVI, 538, 25. In diversis locis intemperies aeris hoc anno

gravis facta est per partes occidentis; grando cum vi lapidum super

annonam mortalium cecidit, quae magnum detrimentum pluribus contulit,

maxime monachis Valcellensibus — — In villa quae Sanctus

Autbertus dicitur totius anni fere Stipendium amiserunt, una cum habitatoribus

ruris illius. Haec grando in feria quinta pentechostes (16. Jun.)

cecidit in Cameracensi pago cum fulmine lapideo. Luxit diu nostra

regio. 33. Hyems gravis, et longum tempus seminandi homines habuerunt;

nam in Februario fere nihil operis gesserunt^ mediante Martio

tunc primitus seminare coeperunt. ||

Sigeb. cont. Aquicinct. S. S. VI,

412, 24. Magna vini habundantia.

Eodem anno fames validissima

Ann.

||

fuit,

STEDEEBxmo. S.

unde praepositus

S.

in

XVI. 209, 45.

acquisitione

annonae multa, circa triginta videlicet marcas, expendit. Ann. Magdeburg.

||

S. S. XVI, 192, 38. Fulgura et tonitrua terribiliter sevientia

et

crebra aquarum inundatio estivis messibus inportuna, et magna

puerorum mortalitas et iumentorum. Cr. S. Petri Erford. S. S.

||

XXX, 370, 8. Abundancia magna frumenti et vini. Chr. Magni

||

PRESB. S. S. XVII, 488, 40. Eodem anno fuit illa magna fames per universas

terras. ^) Ann. Admunt. cont. A. S. S. IX, 583, 43. Grando horribilis

8. Kai. Julii (24. Jun.), scilicet quod lapides sicut ova anserina

||

ceciderunt. ||

Cont. Cbemifan. S. S. IX, 545, 39. Hoc anno grando

horribilis facta est in quadam parte caeli octavo Kai. Julii (24. Jun.),

in qua lapides ad magnitudinem ovi anserini et eo amplius ceciderunt.

1167. Ann. Camerac. S. S. XVI, 544, 52. Hiems gravis extitit,

incipiens a decimo Kalendas Januarii (23. Dec.) et usque ad decimum

septimum Kai. Aprilis (16. März) perseveravit, infra quod terminum nee

Seminare nee arari homines quippiam valuerunt. Pestis vaiida pecudum

et apum subsecuta est. Chr. reg. Col. prs. III. M. G. S. S. kl.

||

Ausg. 117. Terrae motus factus est 13. Kai. Februar. (20. Jan.) media

nocte. Grando etiam maxima 3. Nonas Aprilis (3. April) cecidit, ita ut

ova columbarum magnitudine aequaret.

1168. Ann. Camerac. S. S. XVI, 549, 44. Hoc anno dedit Dominus

benignitatem suam super terram, quoniam terra nostra protulit fructum

suum veraciter aliud centesimum vel sexagesimum vel quinquagesimum.

Nam ubertas omnium bonorum, fructuum, vini et olei arborum

in insulis oceani extitit. Oves, quae valde in priori anno fuerant, melioratae

sunt; aves vero detrimentum passae sunt.

1169/ Ann. Camerac. S. S. XVI, 553, 33. Annus praesens pluvialis

valde contigit. Inundatio imbrium a mense Maio incipiens fere

usque ad Februarium mensem pervenit. Ante festum beati Joannis baptistae

(24. Jun.) quidam ventus gravis adveniens partem permaximam

segetum prostravit, locis in diversis oceani horrorem incussit, sed Dei

misericordia ordinante humano generi ex bis aliqua molestia non contigit.

Hiems quippe gravis et aquosa, fulmina in sese contra aeris

naturam continens. Gewitter im Dezember. \\

Ann. Admunt. conp. S. S.

IX, 584, 24. Grando magna per loca; vinum carum.

1170. Ann. Camerac. S. S. XVI, 553, 40. Februarius mensis delectabilis

ultra modum splendidissimus apparuit, copia vini defuit, quoniam

ab aquarum inundantia deperiit. Ovium seu apum locis in diversis

acerrima pestis desaevit. 554, 5. Febris varia, pestis atque nocivanimis

anxiari nos valde incepit ante festum sancti Joannis baptistae

eiusdem praeclarae nativitatis (24. Jun.), atque affligens corpus cum

1) Die Nachricht erscheint vsrenig glaubwürdig, s. o. p. 28—29.


Ann.

Chronik der elementaren Ereignisse. 151

membris horrorem nobis mortis incussit, vix nos tandem post plura incommoda

reliquit. 24. Anni huius explanaturus laude insignia, promamus

sie huius quoque sibi convenientia. Aestas quippe rutilans delectabüis

extitit et sicca, florum frondiumque omata, agricultura peroptima,

vindemiae bonae; pars larga ovium, apum residuarum transacti

anni dedit beneficia. Viridaria cum nemoribus interius referta extiterunt

omni copia. Augustus mensis nihilominus calidus et siccus omnibus

copiis abundans, Deo providente, humano generi attulit non modice

consolationem sive ubertatis, suae paupertati relevationem. September

cum October omni abundantia ditati vini, panis, olei ac mellis pulchritudine

solis, sanitate aeris pomorum silvarumque copia extitit

1|

CoNT. Aqüicinct. S. S. vi, 413, 14. Ipso die (8. Nov.) ventus vehemens,

pluvie mixtus, periculosus et dampnosus extitit, — — Ann EoMxraD.

||

S. S. XVI, 467, 31. Estas ferventissima fuit. Eodem anno circa festum

omnium sanctorum (1. Nov.) ventus maximus erat, quem inundatio

maxima secuta est, adeo ut usque ad muros civitatis Traiectensis fluxerit

mare et refluxerit, et piscis ille tantum marinus quem buollek vocant,

circa muros eiusdem civitatis captus sit. In Kinemaria etiam tantum

inundatio illa ex inproviso desevit, Chr. reg. Col. prs. ÜT.

||

M. G. S. S. kl. Ausg. 120. Mare vehementia ventorum limitibus suis

excussum, 4. Nonas Novembris (2. Nov.) terram Fresonum circa Stavem

magna ex parte submersit. ||

Ann. Magdeburg. S. S. XVI, 193, 8. Estatis

fervor insolitus adeo, ut in plerisque locis terra solis exusta ardoribus,

multos itinerantes tam equites quam pedites in pulverea precipicia

inprovisg ruentes periclitari fecerit, quam comitata est magna mortalitas

hominum. Engelberg. S. S. XVI, 279, 31. Erdbeben am

||

1. April. Eodem anno magna mortalitas hominum facta est. Chr.

||

Ursperg. M. G. S. S. kl. Ausg. 51. Terrae motus maximi facti sunt et

ingens inundatio aquarum mense Septembri.

1171. Ann. Catälaun. S. S. XVI, 489, 44. 7. Idus Novembris

(7. Nov.) ingens ventus auditus est in hac regione. ||

Ann. Magdeburg.

S. S. XVI, 193, 17. Repentina mors hominum et gravis pestilencia

pecorum plurimas provincias vastat. ||

Cont. Claustroneobg. III. S. S.

IX, 630, 23. Hoc anno a nativitate Domini (25. Dec.) post septem ebdomadas

Danubius congelatus est. His duobus annis tanta fuit ariditas,

ut aque fere omnes preter Danubium in partibus Austrie exsiccarentur.

Et tamen tanta copia alimentorum fuit ut homines et pecora satis

habunde sustentarentur.

1172. Ann. Magdeburg. S. S. XVI, 193, 20. Mense Januario ingens

fragor ventorum, et in Februario crebra micuerunt fulmina.

1173. SiGEB. coNT. Aqüicinct. S. S. VI, 414, 21. Hyemps solito

asperior, hyemi accedit intemperies aeris. Nam corrupto aere mense

Decembri, homines succumbunt infirmitatibus diversis; multi etiam infirmitate

illa moriuntur, quam medici vocant catarrum et tussim.

||

Ann.

Bland. S. S. V, 29, 48. Pestilentia hominum ex tussi morientium.

||

Ann. Egmund. S. S. XVI, 468, 4. Hyemps validissima et pene nivis

expers extitit. 11. 6. Idus Mai (10. Mai) 5. feria secuta est plaga

maxima diluvii cum tanto impetu decurrens, qualem numquam Traiectensium

aliquis viderit — — —

||

Chr. reg. Col. prs. IH. M. G. S. S.

kl. Ausg. 124. Ipso anno in Kalendis Decembris tussis intolerabilis

et inaudita omne Theutonicum regnum et precipue Galliam Comatam

pervasit, senes cum iunioribus et infantibus debilitavit, plures morti ad-

||

dixit.

Ann.

Monasteriensis

Staden. S. S.

episcopus

XVI, 347, 38.

Luodevicus

Terra circa

eadem peste

Bremam arsit

occubuit.

graviter in

aestate fervida fere per mensem, et per se cessavit. Ann. Magdeburg.

||

S. S. XVI, 192, 22. 3. Idus Februarii (11. Feb.) nube rubea in celo

apparente, secuta est magna siccitas terre, ut frugibus exarentibus.


152 Chronik der elementaren Ereignisse.

plerisque in locis nee futuri seminis auxilium inveniretur. Processit item

de terra nebula crassa, de qua concepta est in hominibus tussis gravissima,

ipsaque lues graviter invaluit, pluribus ex ea morientibus et

precipue pregnantibus. Mortuus est ex ea Lotowigus Monasteriensis

episcopus. Ann. Palid. S. S. XVI, 94, 40. Nix inopinata descendit

II

in festo sancti Servacii (13. Mai) que nix plures arbores silvaticas

et fructiferas confregit, stantes quoque fruges obpressit. Ipso anno

gravis pestis in hominibus facta est, adeo ut multi laboriose tussiendo

animas exhalarent. ||

Ann. Veterocell. S. S. XVI, 42, 42. Tussis magna

fit. CoNT. Ckemifan. S. S. IX, 546, 6. Hiemps valida. Circulus sanguineus

cira lunam, II

et cruces visae sunt. Danubius mense Februario,

naturali meatu obcluso glati^ rupta exundans, in utraque sui ripa inaudita

strage homines, villas, iumenta consumit.

||

Cont. Claustkoneobg. II.

S. S. IX, 616, 31. Facta est alluvio magna fluminis Danubii

hiemali algore concreta in civitate quae dicitur Chremis et in finibus

eius, in qua multiplex hominum et pecorum pars interiit set et domicilia

humana in undoso impetu deciderunt ^)

1174. ROBERTI CANON. S. MaRIANI AuTISSIOD. CHR. S. S. XXVI, 241, 6.

Hoc anno in mense Novembri tanta aquarum inundatio contigit, quantam

nullus qui tunc viveret se vidisse vel audisse meminerit. Nam dilu-

TÜ instar latitudinem camporum exundans, multa edificia diruit, caulas

subvertit ovium, submersit villas, sata absorbuit; unde et in subsequenti

tempore vehementissima fames inhorruit.

Pluviale tempus incessabiliter

que in finem anni, et magna penuria

a festo

vini

||

Ann. Bland. S. S.

sancti Johannis (24.

et omnium frugum.

V, 29,

Jun.)

Ann.

49.

us-

||

S. Jacobi Leod. S. S. XVI, 642, 19. Hoc anno facta est inundatio

aquarum infirma, amplius vindemia, mustum

Lambbrti Parvi ANN. S. S. XVI, 648, 60. Inundatio aquarum

II

maxima. Pluvia iugis a festivitate sancti Johannis babtiste (24. Jun.)

usque Kai. Junii. Seges tarda, mustum vix Symonis et Jude (28. Okt.).*)||

Chr. reg. Col. prs. IE. M. G. S. S. kl. Ausg. 125. Totum aestivum

tempus in pluvias hyemales conversum est, unde segetes et vineae sunt

corruptae. 126. Inundatio Reni et fluviorum insolita et

Ann. Rem. et Col. cont. S. S. XVI, 733, 40. Tussis magna fuit.

diutina.

||

Ann.

||

S. ViNCENTii Mett. S. S. III, 159, 1. Inundationes aquarum.

Magdeburg. S. S. XVI, 193, 30. Hoc anno multa edificia vi

Ann.

||

ventorum

diruta sunt, annosa robora evulsa; fru


Chronik der elementaren Ereignisse. 153

pauperibus tribuebant; inter quos Valcellenses monachi eminebant.

23. Magna circa nativitatem Domini fluminum redundantia, in tantum,

ut Sequana, Axona et Hysa alveos suos egressi, sub una nocte magnum

circummanentibus damnum inferrent ,

multos etiam necarent. Cb.

||

S. Petei Erfoed. mod. S. S. XXX, 371, 46. Estatis quoque siccitas

magna fuit.

1176. Hungersnot in Mittelfrankreich (Böberti ehr.), in Lothringen

(Ann. Catalaun., Ann. S. Vincent. Mett.) und dem Elsafs (Ann. Maurimonast).

Sigeb. cont. Aquicinct. S. S. VI, 415, 40. Magna panis et

vini abundantia. ||

Roberti canon. S. Mariani Aütissiod. che. S. S. XXVI,

241, 23. Maxima per Gallias fames invaluit^), in qua multarum abbatiarum,

sed precipue Cisterciensis ordinis, magna apparuit munificentia

in pauperibus sustentandis. In plerisque etiam ecclesiis multa ob sustentacionem

pauperum invadiata sunt ornamenta, multa sanctorum fereta

decrustata. ||

Ann. Catalaun. S. S. XVI, 489, 45. Fames valida ubique

terrarum, ut ex sextarius frumenti ad 15 solidos acciperentur.

]|

Ann. S. Vincentii Mett. S. S. III, 159, 2. Fames valida. ||

Ann. Mauri-

MONAST. S. S. XVn, 181, 29. Hiems dura fuit et hominum pestilentia

et fames magna et siccitas et fervor maximus.

1177. Die Hungersnot des vorigen Jahres dauert noch fort (Ann.

S. Clement. Mett, Ann. S. Benigni. Div.). Bei der isolierten Nachricht

aus Franken (Ann. Haleshrunn.) wird man besser einen besonderen lokalen

Notstand, als eine Ausdehnung der Hungersnot so weit nach Osten annehmen.

Sigeb. cont. Aqdicinct. S. S. VI, 416, 42. Estas nimium fuit

sicca et calida. Messis triticea provenit uberior solito. Post finem

mensis Augusti, autumpnus nimis extitit pluvialis. Vindemia etiam

ipsius temporis multis in locis corrupta est. Nam quadam matutinali

nebula uve contacte atque ita putrefacte sunt, ut vinum ex eis expres-

Multi etiam in hac

sum magnam bibentibus attulerit incommoditatem.

nostra regione diversis laborant febribus, multi et moriuntur.

53. Initium hyemis frequentibus pluviis et ventorum flabris satis molestum.

Cmi. Clement. Mett. S. S. XXIV, 502, 3. Fames valida.

||

Ann.

II

S. Benig. Div. S. S. V, 45, 29. Hoc anno fames valida invaluit

tabula argentea maioris altaris pauperibus duxit .... ||

Ann. Halesbrdnn.

S. S. XVI, 14, 30. Hyemps dura et hominum pestilentia simul

evenerunt,

et subsecuta magna fame, tanta siccitas et tantus fervor

estatis subsecuta sunt, ut queque virentia exsiccarent. ||

Ann. Prägens.

S. S. in, 121, 9. Nimia siccitas attenuavit fruges.

1178. Sigeb. cont. Aqüicinct. S. S. VI, 417, 19. Circa finem Januarii

mensis, cum gelu et nix liquarentur, inundatio fluminum per

totas Gallias talis erupit, que sclusas vivariorum et structuras molendinorum

rapide impetu secum ferret, domos everteret, multos etiam necaret.

32. Estas sicca nee nimis calida usque ad 5. Non. Julii (3. Jul.)

extitit. Abhinc pluvie erumpentes, usque in ipsis Kalendis Januarii

homines afflixerunt. Nam fenum secare, triticum metere, vinum colUgere,

semen iacere vix potuerunt. ||

Cr. S. Petei Ebfoed. mod. XXX,

372, 23. Hyemps diuturna, adeo ut a XII. Kai. Novembris (21. Okt.)

usque in mediam quadragesimam ferme duraverat. Ann. S. Petri Er-

||

PHESF. MAioE. M. G. S. S. kl. Ausg. 62, 30. XI. Kai. Augus. (22. Jul.)

tempestas valida et grando insoüta, ita ut non tantum fruges in plerisque

partibus interirent, verum et arbores in plerisque locis foliis et

ramis magnitudine grandinis lapidum penitus vastarentur.

1179. Sigeb. cont. Aqüicinct. S. S. VI, 417, 42. Secunda ebdomada

mensis Januarii nives copiose ceciderunt, subsequitur gelu maxi-

1) Über die Entstehung der Hungersnot s. die beiden vorhergehenden

Jahre.


Ann.

Cont.

Ann.

154 Chronik der elementaren Ereignisse.

mum, usque in medium mensem Februarium, nimis molestum. Reliqui

dies eiusdem mensis, Marcius quoque et Aprilis, vento flante continue

subsolano, gelidissimi fuerunt nimis. Hoc istius anni inicio carissima

pecudum fuit annona, ita ut quod retroactis annis tribus comparabatur

denariis, nunc tribus venderetur solidis, feni videlicet et straminis.

Subsequuta est mortalitas ovium seu boum. 418, 3. Messis triticea

solito fuit rarior; porro avena seu tercii mensis semina

suprascripta reparavere dampna. 7. Autumpnus perpulcher et

calidus usque 5. Nonas Octobris (3. Okt.) extitit.

||

Ann. Elnon. maiob.

S. S. V, 15, 45. Eodem anno factum est gelu grave, durans ab Id.

Nov. (13. Nov.) usque circiter Kai. Mai. ||

Ann. Magdebueg. S. S. XVI,

194, 38. Hiemps gravis ipso anno ipsum etiam vemum tempus occupavit,

ita ut 13. Kai. Julii (19. Jun.) flores in arboribus primum apparerent.

||

Ann. Admünt. cont. A. S. S. IX, 585, 38. Grando multa.

1180. SiGEB. coNT. Aquicinct. S. S. VI, 418, 50. Hoc anno per

hanc nostram Galliam profert bumus frumentum, hordeum, legumina et

sufficientem avenam.

1181. Ann. Stedekbukg. S. S. XVI, 214, 51. Eo tempore nee ad

praesentem annum spectantes fruges babuimus, et futuro prospicere,

quia Seminare non potuimus, nullatenus valuimus ; unde pro conquirenda

annuna sexaginta novem marcas argenti expendimus. Marbac.

||

S. S. XVII, 161, 42. Annona cara, vinum bonum et bene venale.

1182. Sigeb. cont. Aquicinct. S. S. VI, 421, 17. Luna mensis

Augusti et in accessu et in discessu nimis extitit pluviosa et admodum

frigida; que magnam incommoditatem per multa generavit

loca. Nam segetes humide in horreis sunt recondite; fenum nundum

resecatum nee collectum vix potuit colligi; et quod plus omnes pene

dolent, vini maturitas et coUectio tardius provenit. Ann. Egmund. S.

||

Sigeb. cont.

||

S. XVI, 469, 33. Hiemps mollis. ||

Ann. Marbac S. S. XVII, 161, 46.

Vinum multum et bonum; hama vendebatur pro 6 denariis Argentinensibus.

Cont. Cremifan. S. S. IX, 546, 36. Inundationes variae.

II

1183. Lokale, auf Holland beschränkte Hungersnot^ entstanden

durch Überschwemmungen und anhaltenden Begen, der die Ernte verdirbt

(Ann. Egmund.). Ann. Egmund. S. S. XVI, 469, 37. Eruptio fluminum

in plerisque locis fuit, et tanta inundatio pluviae, ut sata omnia

interirent, maxime in episcopatu Traiectensi et Hollandensi comitatu, ut

innumera multitudo famis angustia impellente propria colonia relicta,

alias migraverit. Floreff. S. S. XVI, 625, 25. Mense Julio tanta

||

aquarum eruptio ex imbrium collectione facta est, quod et villas

et sata vastavit, domos subvertit, plurimos submersit. Cremifan.

||

S. S. IX, 546, 40. Hiemps asperrima eodem anno.

1184. Cr. S. Petri Erford. mod. S. S. XXX, 374, 20. Vemo tempore

ventus vehemens et assiduus magnam cladem intulit, ita ut non

solum semina verum ipsam quoque terram, cui iniecta erant, traiceret.

1185. Ann. S. Dionysii Rem. S. S. XIII, 84, 9. Ea vini fuit abundantia,

ut quodcumque vas hominum ad recondendum non sufficeret,

multaeque vineae vindemiandae brutis animalibus relictae fuerint.||

Ann. S. Vmc. Mett. S. S. III, 159, 9. Inundatio aquarum.

Aquicinct. S. S. VI, 423, 24. Hie annus habundat frumento et vino.

1186. Sigeb. cont. Aquicinct. S. S. VI, 424, 14. Pridie Kai. Julii

(30. Jun.) turbo gravissimus et tempestas valida, ab Affrico veniens

et ad subsolanum tendens, per multa loca fruges et omnia sata pessumdedit.

Nam lapides ovo galline maiores per loca diversa ceciderunt,

qui pecora in campis et aves in aquis occiderunt, fenestras quoque vitreas

ecclesiarum, et domorum tegulas confregerunt; stipula quoque, que in

agris remanserat, ita erat fetens et inutilis, ut nee pastui esset apta

bestiis. 23. Vindemia in pago Belvacensi et Noviomensi per temi.,esta-


Chronik der elementaren Ereignisse. 155

tem suprascriptam tota pene perdita, non solum in his locis, sed etiam

in Arida Gamantia vel Humida, in comitatu quoque Ostrevandensi et

Hainoensi; et ubicumque transivit, flenda et dolenda reliquit vestigia.

||

GisLEBERTi CHR. Hanoniense M. G. S. S. kl. Ausg. 174. Eodem anno et

tempore mense Julio tempestas quedam magna cum tonitruo et grandine

et pluvia a Warda sancti Remigii per mediam Hanoniam in longum transvolans,

segetes in campis non solum prostravit, sed totus contrivit, arbores

desiccavit, aves in nemoribus et campis et lepores et feras in

silvis interfecit, bestias eciam in pascuis occidit, et Hanoniam graviter

afflixit. Ann. Prag. S. S. EI, 121, 17. Eclypsis solis feria quinta; mortalitas

hominum facta est. Chr. Pülkavae ed. Dobner, MoNtrw. hist.

II

||

BoEM. in, 198. Item eodem anno sol paciebat Ecclipsim, et magna

mortalitas hominum est secuta.

1187. Ann. S. Diontsu Rem. S. S. XHI, 84, 11. Tantus fuit vini

defectus, ut infinitae vineae sine omni fructu invenirentur, ubique aliquando

fuerunt collecti centum modii vini, vix unus inventus est.

||

Ann. Mell. cont. S. S. IX, 505, 26. Omnium penuria maxima facta

est, et pestilentia hominum simul et animalium. ^)

1188. Chr. reg. Col. cont. I. M. G. S. S. kl. Ausg. p. 140. In

Aprili eruptiones rivulorum factae, quales ante nemo viderat; sed

et in siccis locis iuxta fluenta maximarum inundationum ebulliciones

apparuerunt. Estas sicca et ferventissima fuit.

1189. Lamberti Parti ann. S. S. XVI, 649, 43. Tanta inundatio

aquarum facta est mense Aprili in civitate Leodiensi, in ea parte, que

dicitur extra castrura, ut multos submergeret, et mortuorum corpora

diluvium aquae de sepulchris erueret. Chr. reg. Col. cont. I. M. G.

||

S. S. kl. Ausg. 143. Estas ferventissima usque ad Augustum mensem

fuit, in quo etiam mortalitas hominum et pecudum inmensa

contigit.

1190. Chr. reg. Col. cont. I. M. G. S. S. kl. Ausg. 147. Hyems

sicca et calida. Mortalitas hominum inmensa. — In Maio grando

insolita circa Moguntiam ad 100 villas et amplius omnia vastavit.

Omnis hie annus pluvia et crebris inundationibus plenus fuit.

1192. Cont. Aquicinct. S. S. VI, 428, 13. 18. Kai. Febr. (15. Jan.)

4. feria, post solis occasum, in ipso noctis crepusculo, visa est a multis

species ignis terribilis, totum orbem ad partem borealem occupans. Subsecuta

est in multis locis in partibus illis plaga ignis divin i. Unde in

episcopatu Tornacensi et multis locis indictum est ieiunium 6. ferie exceptis

infirmis et infantibus universis. 429, 29. Luna mensis Augusti

crescens et decrescens nimis extitit pluviosa et tempestuosa, et metentibus

nimis molesta; tamen subsequens luna mensis Septembris fuit gratiosa,

unde messis triticea et vindemia mediocriter fuit bona. ||

Bald.

NiNov. CHR. S. S. XXV, 537, 40. Eodem anno ignis in aere visus est

per totam Galliam nocte, ita ut singuli proxima sibi loca ardere putarent.

Subsecuta vero est fames fere septennis. *) ||

Chr. reg. Col. cont. I.

M. G. S. S. kl. Ausg. 155. Estas ferventissima in Augusto mense

subito tepore refriguit; unde febres acutae et quartaniae passim in

hominibus dominantur.

1193. Ann. S. Steph. Frising. S, S. XHI, 55, 16. Locus noster

attritus est grandinis depopulatione.

1) Die Datierung der Annalen in diesem Teile ist sehr unsicher,

daher ist der Notiz, die durch keine anderen Nachrichten bestätigt

wird, wenig Bedeutung beizulegen.

2) Die Hungersnot begann nicht, wie die Chronik anzunehmen

scheint, schon in diesem Jahre, sondern wie sie nachher in Übereinstimmimg

mit den anderen Nachrichten angiebt, erst 1196.


156 Chronik der elementaren Ereignisse.

1194. Ann. Floreff. S. S. XVI, 626, 1. Grando mirae magnitudinis

mense Julio cum impetu venti mens, vineas et sata vastavit, arbores

concussit, fructus excussit, tecta et vitreas confregit. Reineri

||

ANN. S. S. XVI, 651, 35. Messis bona, vindemia optima.

|1

Chr. eeö.

CoL. M. G. S. S. kl. Ausg. 156. In Maio vinee floruisse vise sunt.

||

Ann. S. Vitonis Vied. S. S. X, 527, 46. Farnes valida adeo ut frumentum

precio 4 librarum venumdaretur. ^) Ann. Scheftlae. maior.

||

5. S. XVII, 337, 31. Facta est grando et tempestas valida 11. Kai.

Septembris (22. Äugst.). |[

Cont. Cbemifan. S. S. IX, 548, 30. Danubius

in Austria glaciali molestia versus Niwenburch ebullit, et meatum suum

longius vagando relinquens, homines cum villis mergendo adnichilavit.

Eadem regio mirabili incendio in civitatibus et opidis et villis et uredine

in agris longius late rara annona consumendo depauperatur. Inundationes

tribus vicibus magnae et intollerabiles atque insolitae

omnes pene regiones, villas et circumpositas domos demoliendo occupaverunt.

Cont. Claustroneobg. II. cod. Scotor. S. S. IX, 619, 24. Hoc

||

anno propter ariditatem terre que totam Austriam invaserat, coloni eiusdem

terre cruces suas tollentes cum orginibus diversa limina sanctorum

pecierunt. 31. Danubius iam vice altera contra solitum inundans,

vicina loca cum hominibus et iumentis occupat.

1195. Ein regnerischer Sommer (Cont. Aquincinct., Reiner.) bereitet

die grofse allgemeine Hungersnot des folgenden Jahres vor. An zwei

Stellen, im Elsafs (Ann. Argent.) und in Österreich (Cont. Claustroneoburg.

II), wo auch das Jahr 1194 schon besonders ungünstig war, kommt

es schon jetzt zur Hungersnot. Sigkb. cont. Aquicinctina VI, 432, 50.

Flu via mensis Augusti metentibus nimis fuit molesta, Septembris vindemiam

colligentibus gravis Octobris seminantibus nimis incommoda. Sexto

Idus Octobris (10. Okt.) ventus vebemens post noctem mediam ab Affrico

veniens, domos evertit, Reinüri ann. S. S. XVI, 652, 6. Hoc anno

||

pluvia iugis a festo sancti Johannis (24. Jun.) usque ad natale Domini,

et maxime tempore sationis, ita ut in natale Domini vix esset perseminatum.

11. Hoc anno modius siliginis circa Maium 18 solidis,

modius speltae 9, modius ordei octo se redemit. Messis pigra,

vindemia tarda et periculosa. Hoc anno tempestas gravissima post

festum sancti Jacobi (25. Juli) omnes fruges contrivit, numquam antea

tam gravis, sicut dicebatur ab bis qui seniores erant, in diebus eorum

apparuit; per multa enim loca diversis temporibus istius anni cursum

suum fecit nee aliquis locus est huius provinciae, qui ab hac tempestate

immunis extiterit. Ann. Argent. S. S. XVII, 89, 32. Eodem anno facta

est maxima fames

||

in terra. Cont. Cbemifan. S. S. IX, 549, 2. Inundationes

||

iterum diversae, et intemperies aeris totum pene orbem vexat.

6. Sterilitas agrorum ubique terrarum. ||

Cont. Cladsteoneobg. H.

COD. Scotorum S. S. IX, 619, 39. Fames magna homines et iumenta

aut penitus deficere aut mori coegit. ||

Cont. Clausteoneobg. H. cod. B.

S. S. IX, 619, 24. Fames valida facta est in Teutonia. *) Cont. Clau-

||

1) Die Nachricht gehört zu einer Gruppe von Nachrichten, die

nach Angabe des Herausgebers Waitz einem den Ann. S. Vincentii Mett.

nahe verwandten Werke entstammen. Die vorliegende Nachricht entspricht

dann Ann. S. Vinc. a. 1197 und ist also hier wertlos.

2) Die Codices der B-Klasse bringen die Nachricht irrtümlich

schon a. 1194. Das Versehen ist durch eine Verschiebung entstanden,

indem sie alles, was cod. Scot. richtig unter 1194 bringt, an den SchluTs

von 1193 setzen. So bleibt für 1194 überhaupt keine Nachricht übrig

und hier findet sich dann die Nachricht über die Hungersnot, die cod.

Scot. am Anfange von 1195 bringt. Beide Handschriften fahren dann

1195 sehr ähnlich fort.


Ann.

Chronik der elementaren Ereignisse. 157

STRONEOBo. III. S. S. IX, 634, 13. Hoc anno autumpnali tempore quoddam

genus locustarum, 4 pennas habens, venit ab exteris regionibus,

transiens per Ungariam et Marchiam et Carniolam, vastans in circuitu

omnia; cum elevaretur a terra quasi nebula consurgebat, et pre multitudine

sua lucem diei et splendorem solis obtenebrabat.

1196. Beginn der grofsen allgemeinen Hungersnot, die über Belgien

(Cont. Aquicinct, Ann. Elnon., Bald. Ninov., Ann. Floreff. Beiner.),

Lothringen (Ann. Derv.), Westdeutschland (Chr. reg. Col., Caes. Heisterhac.)

und Süddeutschland bis nach Österreich hin (Ann. Zwifalt., Ann. Scheftl.,

Ann. Wernh., Cont. Cremif.) sich ausdehnt. Sigeb. cont. Aquict. S. S. VI,

433, 36. Multi, et maxime iuvenes, acuta febre moriuntur; inter

quos et Johannes Cameracensis episcopus, cum ad regem in Northmannia

proficisceretur, Ambianis mortuus est. Gravissima panis penuria

hoc anno multos afflixit et multos pauperavit. Ab Apennino

monte usque ad mare Oceanum, per totam Galliam et Germaniam,

fames in tantum prevaluit, ut maximam utriusque sexus multitudinem

contigerit interisse. Nam triticum 40 vel 50 solidis venundabatur;

quod pro quatuor aut quinque ante hanc pestem dabatur; unde

accidit ut multi, qui putabantur sibi sufficientes esse, diro famis gladio

perurgente, coacti sunt alio emigrare. Sicque factum est, ut excrescentem

pauperum multitudinem sine magno gravamine sustentare possent

hii, qui respectu Dei manum misericordie eis porrigebant. Games

quoque iam fetentium ardmalium et radices inusitatas herbarum compulsi

sunt manducare. Non tantum panis, set etiam cetere res manducabiles,

inaudito nobis precio venundabantur. Lupi circa Alpes in itineribus

et in villis in unum congregati, absque ullo timore multos devorant.

Triticea messis et avene collectio ultra estimationem

Ann. Elnonens. maioe. S. S. V, 16, 23. Hoc

hominum

anno

fuit

apud

rarissima.

Tornacum

||

rasera frumenti venundatur 50 solidis

quod a predecessoribus nostris non est auditum. ||

Balduini Ninov. chr.

S. S. XXV, 538, 7. Fames prioribus annis paulatim cepta totum mundum

conterruit anno Domini 1196. Pauci tamen perierunt, quia a fidelibus

sustentati sunt. ||

Ann.

fames valida multos extinxit.

Floreff.

||

Reineei

S. S. XVI,

ann. S. S.

626, 3. Hoc anno

XVI, 652, 20. Annus

iste gravis et periculosus, seges cara. 24. Pluvia iugis et periculosa,

pauperes maximam victus patiuntur penuriam, et

maxime circa principium Augusti Corpus beati Lamberti propter imminentia

pericula, et pluviarum inundationes , et timorem sterilitatis et

egrae messis et parvae, in vigilia saticti Jacobi (24. Jul.) cum maxima

devotione non sine multis lacrimis in montem Cornelii deportatur, ibique

missa spetialis a clero et populo sollempniter celebratur — — —

Messis tarda circa festum sancti Bartholomei (24. Äugst.) vix habuit

principium, eodemque tempore modium siliginis 18 solidis vendiderunt,

modium speltae 8 solidis et dimidio. 37. Satio pulcra,

mustum vix habitum Luce euangelistae (18. Okt.); sie permansit tempus

usque ad finem incamationis, hoc est natalis Domini (25. Dec). Hiemps

prolixa usque ad Martium. Dervenses S. S. XVI, 490, 24.

||

Fames valida ita ut frumentum XXX sol.') ||

Che. reg. Col. cont. I.

M. G. S. S. kl. Ausg. 158. Penuria frumenti et annonae magna

facta est, quae et in sequentem annum usque duravit. Eratque fames

valida et pene omnium victualium penuria inaudita. — Estas frigida et

humida. Caes. Heisterbac. Dlal. dist. H. c. 30. bd. Strange I, 103. In

||

principio episcopatus eiusdem Adolphi, cum praecessissent anni magnae

1) Pertz vermutet auf Grund einer Notiz Abfassung der Annalen

in S. Mustier en Der, jedenfalls stammen sie aus der Diöcese Chälons

sur Marne.


Ann.

158 Chronik der elementaren Ereignisse.

abundantiae, tres fuerunt anni tantae sterilitatis, ut in primo modius siliginis

venderetur marca argenti. ^) Ann. Zwifalt. maioh.

||

S. S. X,

57, 39. Maxima tres annos pressit fames hie Alamannos. Ann. Scheftl.

||

MAiOR. S. S. XVII, 337, 34. Farnes valida facta est. Ann. Weenheri

||

ALioEUMQxiE Tegehnseen. S. S. XXIV, 58, 28. Hoc anno fames valida et

annona ita cara, ut modium in Augusta venundaretur 30 solidis,

et Francienum vinum non erat penitus. ||

Cont. Cremifan. S. S. IX, 549, 14.

Bara annona et sterilitas magna in diversis mundi partibus.

1197. Die Hungersnot nimmt noch an Intensität zu, auch das Notstandsgebiet

hat sich noch weiter ausgedehnt, die Nachrichten sind zahlreicher.

Es sind erhalten Berichte über die Hungersnot aus Belgien

(Guielm. ehr. Andr., Ann. JElnon., Cont. Aquicinct., Bald. Ninov., Ann.

Parch., Beiner, Hist. monast. Vicon.) , Lothringen und Ostfrankreich

(Ann. S. Vincent. Mett., Chr. universal. Mett., Ann. S. Pauli Vird , Ann.

Dei'vens., Ann. S. Nicasii Bern.), Westdeutschland (Chr. reg. Caes., Heisterbac),

Westfalen (Caes. Heisterhac.) und Süddeutschland (Ann. Spiren.,

Ann. Marbac, Chr. Ebersh., Ann. Ottenbur. Ising. min.). Guielmi chr.

Andren. S. S. XXIV, 724, 47. Ceptum opus *) brevi tempore elapso surgit

in altum, et famis angustia totam affligens patriam urget et accelerat

opus sumptuosum. Nam multos hie operarii vidimus non nummis

conductos, sed solo pane et tenui cervisia contentos et pro adiectione

alicuius pulmenti satis exhilaratos. Ann. Elnon. maioe. S. S. V,

||

16,27. Viatici copia deficiente, fit fames acutissima et clades vehemens.

||

SiGEB. CONT. Aquicinct. S. S. VI, 433, 52. Menses Januarius, Februarius,

Martius quoque et Aprilis, hoc anno fuerunt naturales et hominibus

gratissimi. Verumtamen fames, annis superioribus concepta,

nullum habuit temperamentum ,

quia superioris anni annone rara collectio

nullum potuit conferre levamentum. Nam usque hodie fame

moriuntur milia milium; multi enim hac necessitate constricti, contra

consuetum vivendi usum latrones effecti, laqueo sunt suspensi. Set vernalis

temporis temperies gratiosa, et seminum ut videtur pulchra processio,

fit expectantibus non minima consolatio. 434, 19. Vindemia per

totam Franciam, in pago scilicet Remensi, Laudunesi, Suessionensi, Noviomensi

et Belvacensi, rara fuit et tarda; unde accidit, ut rustici, qui

vineas colebant et pecuniam super vinum futurum mutaverant, non

valentes vinum reddere, compulsi sunt fugere. ||

Baldüini Ninov. chr.

S. S. XXV, 538, 30. Fames, que 6 fere annis debachata est, ita omnia

consumpsit, ut sextarius siliginis, quem 7. denariis apud Niniven

constare vidimus, 19 solidis Valenchenensis monete venderetur.

Parch. S. S. XVI, 606, 40. Hoc anno vendebatur modius

frumenti 63 solidis et modius siliginis 53, modius vero

II

ordei 30 et amplius, et multi fame perierunt. ||

Reiner. S. S. XVI,

652, 41. Anni istius periculum vix audeo scribere, cum numquam similem

viderint, qui vixerunt hoc tempore. Multitudo pauperum fame

moritur. Cadavera mortuorum animalium indifferenter ab eis comeduntur,

et fere ab universis propter imminentem necessitatem desperatur.

Modius siliginis 18 solidis, modius speltae 10 usque ad festum

sancti ßarnabe (11. Jun.) venditur. Insequenti autem

die f'12.

Juni) de modio siliginis 32 solidi accipiuntur, de

modio speltae 17. Procedente autem tempore cum messis adesse

speraretur, malum increvit, et circa festum sancti Jacobi (25. Juli)

modius siliginis 40 venditur, modius spelte 20 solidis. Pauperes

per plateas iacebant et moriebantur et ante fores ecclesiae nostrae,

1) Adolf von Altena war Erzbischof von Köln 1193—1205, die Notjahre

sind nach der Chr. reg. Col. 1196, 1197 und 1198.

2) Ein Krankenhaus für das Kloster.


II

Ann.

Chronik der elementaren Ereignisse. 159

cum matutinae laudes canerentur, iacebant gementes et morientes, elemosinam

quae summo diluculo fiebat expectantes. Hoc anno in epiphania

(6. Jun.) annona defuit nobis, et plus quam centum marchas usque ad

Augustum in pane expendimus, nee vinum a medio Maio nisi raro usque

ad novam vindemiam habuimus. Cervisia autem toto anno defuit nobis.

Panemvero siligineum 15 diebus ante Augustum comedimus, aquam autem

in conventu indiflPerenter bibimus. Quid plura? Annus iste post plurima

pericula dissentionis, que praecesserant, gravissimus fuit ecclesiae nostrae,

qualem nee prius habuit nee amplius possit habere. Abbas noster

domnus Gozuinus cum in tanto defectu posse suum videret deficere,

abbatiam, praesente episcopo Alberto, in capitulo nostro in die sancti

Marci ewangeliste (25. Aprl.) sponte resignavit. Episcopus autem

liberam optionem eligendi nobis, sicut debuit, dedit; nos autem communi

habito consilio in momento, in ictu oculi ut ita dicam, domnum

Gerardum, abbatem Sancti Laurentii, virum iuvenem, set iudustrium et

providum, et in Omnibus locis abbatiae nostrae amicis optimis, qui prius

Hist.

MONÄST. VicoN. coNT. AüCT. NicoLAo c. 7. S. S. XXIV, 302, 23. Amulpho

cum officialibus suis sumptuosius et lautius vivente, quam ordo exigeret,

denuo cepit domus debitis obligari, maxime vero eo quod per multos

annos annona ita fuit cara, quod infinita milia pauperum fame

perierunt, et nos, qui multum seminavimus parum intulimus. Inde provenit,

ut quod dandum erat pauperibus in usus communes verteretur,

ut etiam ante ianuas religiosorum inedia confecti morerentur egeni.

Tunc impletum est illud propheticum: Clerici eorum non proderunt eis.

Erat ergo videre miseriam. Nam qui prius solebamus esse pauperibus

liberales, pre nimia continuatione famis, que 5 annis sine interpolatione

alicuius fertilitatis duravit, nobismet ipsis timentes, ne

nihil serentes nihil reciperemus, plus quam mille marchatas avene ad

opus iumentorum comparavimus. Siquidem in agricultura periti non

solo foragio, sed et avena ea sustentari asserebant. Exinde accidit,

ut quod dandum erat pauperibus pro iumentis expenderemus, venditoque

nemore nostro, quod procerum et annosum nobisque valde necessarium

habebamus, ad extremam fere penuriam devoluti sumus. c. 10.

p. 304, 1. Desolationem Terre promissionis secuta est terre sterilitas,

ut predictum est; in qua quidem, quod mirum est dictu, multa

victualia inveniebantur venalia, licet grandi pretio venderentur,

ut etiam inopes, si pretium habuissent, evadere potuissent. Tunc

nos et omnes fere ecclesie regularium et secularium tum ex inhuma,nitate,

tum ex diffidentia, retentis vasis aureis et argenteis aliisque omamentis

et pecoribus multis, graviter ofFendimus, quod fons misericordie

ignoscat, eo quod in substentationem pauperum expensa non sunt; tantum

nempe invaluerat fames, quod nihil aut modicum talis expensa

crederetur proficere. Hanc sterilitatem, que inundatione pluviarum

continua accidit, secute sunt guerre Ann. S. VnicENTn Mett.

||

nostra diripiebant, vallatum et munitum, elegimus. — — —

||

S. S. ni, 159, 18. Fames valida; hoc anno venit quarta frumenti

12 solidis, et facta est mortalitas maxima. Chbonica uNrvERSAiis Met-

|1

TENsis S. S. XXrV, 519, 25. Fames magna inaudita venditio annone,

quarta frumenti 13. solid. Met. Ann. S. Pauli Yirdun. S. S. XVI,

||

501, 42. Eodem anno fames invaluit, ut maldrum 20 solidis comparetur.

||

Ann.

Debv. S. S. XVI, 490, 25. Hoc anno venditur similiter ....

IX 80 1.

S. Nicasii Rem. S S. XIII, 84, 19. Facta est fames

validissima, ita quod pauperes pre panis inopia morticiniis ovium equo-

et fecem vini

rum et boum etiam in ipsa quadragesima cogerentur vesci,

loco panis comedebant; innumeri vero fame perempti sunt; sextarius

quoque frumenti 16 solidis venditus fuit. Chk. beg. Col. cont. I. M.

G. S. S. kl. Ausg. 159. Penuria annonae et

||

ifrumenti magna et fames


Ann.

160 Chronik der elementaren Ereignisse.

valida, ita quod maldrum siliginis in partibus Reni ad 15 solides

vendebatur. Caks. Heistekbac. Dialog, mikacul. dist. X, cap. 47 ed.

||

Strange vol. II, 251. Post mortem praedicti Henrici Imperatoris tanta

fames erat, ut maldrum siliginis in Alemannia marca Coloniensium,

et in quibusdam provinciis decem et octo solidis venderetur,

et ex magnitudine famis populus innumerabilis extingueretur. dist. IV.

vol. I, 233.

c. 65. De largitate pauperibus famis tempore a domo Vallis

sancti Petri exbibita.

Eo tempore quo fames illa validissima, quae anno Dominicae incamationis

millesimo centesimo nonagesimo septimo fuit, incubuit, et

plurimos exstinxit, domus nostra, licet tunc temporis pauper fuerit ac

novella, multis subvenit. Sicut dixerunt hi qui numerum inopum ante

portam consideraverunt aliquando una die mille quingentis eleemosynae

datae sunt. Dominus Gerardus tunc Abbas singulis diebus

ante messem, in quibus camibus uti licebat, bovem unum in tribus caldariis

cum oleribus circumquaque collectis coqui iussit, et cum pane

per singulos pauperes divisit. Simile factum est de ovibus aliisque pulmentariis.

Sicque per Gratiam Dei omnes pauperes supervenientes, usque

ad messem sustentati sunt. Et sicut audivi ab ore iam dicti Gevardi

Abbatis cum timeret, ne forte annona pauperum ante tempus

deficeret, et pistorem pro eo quod panes nimis magnos faceret, argueret;

respondit ille: Credite mihi, domine, in pasta valde parvi sunt et in

fomace crescunt. Parvi immittuntur et magni extrahuntur. Retulit mihi

idem pistor, frater scilicet Conradus rufus, qui adhuc vivit, quia non

solum panes in fomace, immo etiam farina creverit in saccis et in

vasis, c. 66. Eodem tempore domus in Hemme^irode, mater

nostra non minorem caritatem, imo tanto maiorem, quanto ditior fuit,

pauperibus exhibuit. Tanta enim fames pauperes premebat, ut mulieres

praegnantes ante portam in nemore pariendi tempora implerent. — —

Gerardus enim Praepositus sancti Simeonis in Treveri moriens circa sexcentas

libras argenti illis legavit, ex quibus centum ad portam in usus

pauperum sequestravit. Portarius vero centum libras suas recipiens,

non ex eis vineas vel agros, sed totidem maldra siliginis

apud Confluentiam comparavit, quibus satis sufficienter usque

ad messem pauperes sustentavit. c. 67. Retulit mihi frater Godescalcus

de Volmuntsteine, monachus noster, post eadem cara tempora cellarium

quendam ordinis nostri de Westfalia occurrisse sibi. Quem cum interrogasset,

quo festinaret, respondit ille: Ad concambium. Ante messem ob

necessitatem pauperum pecora nostra occidimus, calices et libros nostros

inpignoravimus. Modo Dominus misit nobis hominem, qui tantum nobis

auri dedit, ut eius quantitas in duplo erogatis respondeat. Unde vado

illud cambire pro argento, ut ex eo possim pignora nostra redimere, et

greges reparare. ||

Ajjn. Spiken. S. S. XVII, 84, 2. Eodem anno facta est

tanta fames quod multi mortui sunt; modius enim siliginis valuit

octo uncias denariorum et modius tritici pro novem unciis

vendebatur. Marbac. S. S. XVII, 168, 29. Eodem anno apparuit

||

commeta. Ipso quoque anno facta est fames tam valida in Alsatia,

quod passim per campos et vicos gregatim mortui fame inveniebantur.

Nam mensura, que vulgo burevirteil dicitur, marca argenti

vendebatur. Chr. Ebersheim. S. S. XXIII, 448, 31. Tantaque fames

||

orta est, quod exinde multi interierunt. Siligo vendebatur quadringentis

denariis, ordeum trecentis. Ann. Ottenb. Isingb.

||

MINOR. S. S. XVII, 316, 54. Fames facta est tam magna per totam Germaniam,

ut maltrum siliginis 30 solidis venderetur et maltrum

tritici duabus libris. Que per quinque annos durans multa hominum

15. Hoc anno in mense

milia necavit. ||

Cont. Cremifan. S. S. IX, 549,


1

Chronik der elementaren Ereignisse. 161

Februario et Martio turbines ventorum maximi et inundationes et

hominum infirmitates et pestilentiae efferbuerunt. Guielmi chk.

]]

Andren. S. S. XXIV, 732, 14. Nam, ut verum fateamur, qui toto tempore

sui ei conviximus, per 13 fere annos, "quibus huic loco prefuit,

non minori pretio quam 10 solidis polkinum frumenti vendidit,

et aliquando 20, aliquando 30, aliquando etiam 40 et

amplius solidos inde accepit, sicque vicinorum penuria ei habundantiam

ministravit. ^)

1198. Die Hungersnot ist fast überall erloschen, nur noch an zwei

vereinzelten Stellen in Trier (Gest. Trev.) und Neresheim in Schwaben

(Ann. Neresh.) wird davon berichtet, doch besteht auch in Lüttich (Beiner.)

und Köln (Chr. reg.) noch ein geicisser Notstand. Reineri aiw. S. S. XVI,

654, 15. Modius siliginis 15 solidis, mense Junii carius est

venditus, modius speltae 7 solidis, modius ordei 8 solidis,

vini sextarium 14 denariis est venditum, et vinum de Rochella

primum in hanc civitatem est advectum. 20. Philippus Mosellam

transivit, quae prae siccitate nimia, qualis ante centum annos

non fuit, transitum liberum praebuit. 52. Fluvius Mosa numquam minor

visus est, quam fuit hoc tempore. Vinum carum. Modius siliginis

12 solidis. Modius speltae septem ante natale Domini. Moneta

nova.

|1

Gest. Trev. cont. IV. S. S. XXTV, 392, 42. Fuit fames

magna, ita ut maldrum siliginis marca venderetur. Chr. reg.

||

C0L..C0NT. I. M. G. S. S. kl. Ausg. 166. Penuriae annonae magna.

||

Ann. Neresheim. S. S. X, 22, 43. Farnes magna per tres continuos annos

violenter oppressit terram hanc pluresque extinxit.

1199. SiGEB. coNT. Aqoict. S. S. VI, 435, 49. Messis et vindemia

mediocriter abundat.

1200. Reineri ann. S. S. XVI, 655, 18. Modius siliginis pro

tribus solidis et dimidio, modius speltae pro duobus solidis.

Siccitas magna a medio Martio usque ad Kalendas Maii (1. Mai).

22. Inaudita mortalitas boum per totum Imperium.

1201. Reineri ann. S. S. XVI, 655, 44. Hyemps longa a festo

Sancti Martini (11. Nov.) usque ad Kai. Martii (1. März); annona bono

precio fuit, set vinum carum. Bona spes fuit in flore vindemie, set

postea frustrata est, Augusto impediente.

1202. Reineri ann. S. S. XVI, 656, 9. In Kalendis Februarii (1. Feb.)

omnia victualia defuerunt nobis. Modius siliginis 5 solidis, speltae

40 denariorum, vinum 6 denariorum.

1203. Reineri ann. S. S. XVI, 657, 31. Mustum Mosellanum

10 denariorum, modius siliginis 10 solidorum, spelte autem

hordei Ann. S. Nicash Rem. S. S. XIII, 84, 37. Hoc

5 solidorum, 4.

||

anno tantus fuit vini defectus, quod sextarius albi vini de Autisiodoro

et partibus remotis adducti pro 32 denariis, vini vero rubel pro

duobus solidis, medonis et cervisie pro 6 denariis contra solitum apud

nos comparabatur.

1204. Reineri ann. S. S. XVI, 658, 13. Modius siliginis 8 solidis,

speltae 5, ordei 4 venditur in festo omnium sanetorum anni

praesentis (1. Nov.), vinum denariis. Chr. reg. Col. cont. II. M. G.

8 ||

S. S. kl. Ausg. 175. Hoc anno hyemps prolixa et asperrima fuit.

||

Che. reg. Col. cont. III. M. G. S. S. kl. Ausg. 216. Estas calida et sicca.

219 Hyemps longissima et nimis asperrima.

||

Ann. S. Nicasii Rem.

S. S. Xni, 84, 40. Hoc anno vinee in floribus suis pluvia inundante

corrupte, botris cadentibus paucos et parvos racemos retinentes, vix ad

maturitatem pervenientes, ita defecerunt, quod modius vini pro

1) Vgl. auch ibid. p. 714, 47.

Leipziger Stadien VI. 1: Carschmann, Hungersnöte. 1


Ann.

162 Chronik der elementaren Ereignisse.

40 solidis emebatur, et pro vini penuria medone et cerrisia braciata

mel et avena cariora vendebantur.

1205. Hungersnot in Thüringen (Chr. S. Petri Erford. mod.).

Reineri ANN. S. S. XVI, fe58, 51. Hyemps aspera et longa. Mortalitas

ovium per totum imperium. 659, 5. De qualitate hyemis huius

anni pauca volo scribere ad cautelam praesentium et noticiam futurorum.