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E_1928_Zeitung_Nr.007

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Aasgab«: Deutsche Seh weis* BERlf; Dienstag, 24. Januar 1928. Nummer 20 Cts. 2*. Jahrgang. — N° 7 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrs-Interessen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint leden Dienstag and Fraitag Monatlich „Gelbe Liste" Halbjlhrßcn Fr. 5.—, jährlich Fr. 10.—. Im Aasland unter Portozngchlag, tofern nicht postamtlich bestellt. Zusehlag tür postamtliche Bestellung im ADMINISTRATION: Breitenrainstrasse 97, Bern In- und Ausland 30 Rappen. Postcheck-Rechnuns III'414 Telephon BoUwerk S9.S4 Telegramm-Adresse: Autorevu*. Bern INSERTIONS-PREIS: Die aehtgesp«ltene 2 mm h»t» Gnmdzeile od« deren Raum 45 Cts. tür die Schweiz? für Anzeigen an» dem Ausland 60 Cu. Grössere Inserate oacb SeitentariJt. Inseratensehinsü 4 Tage vor Erscheinen der betrettenden Hammer . Btedhit Am 18 Januar sind die kantonalen Bauund Finanzdirektoren in Zürich zusammengetreten, um sich über die Verteilung des Benzinzoll-Anteiles zu beraten. Wir wollen uns mit den hierbei berührten Fragen nicht weiter befassen; die kantonalen Vertreter werden anlässlich der nächsten Bundesversammlung den Räten den dringenden Wunsch aussprechen, die seit drei Jahren zurückgehaltene Auszahlung bald vorzunehmen; wir haben demzufolge während der nächsten Märzsession wieder Gelegenheit, unsere Leser darüber zu unterhalten, wie sich die Volksvertreter um das Viertel der Benzinbeute balgen. Rentabel ist dieser Kampf auf alle Fälle, im Jahre 1927 sind die Benzinzölle bekanntlich auf 22 Millionen Franken angeschwollen. Ein anderes Postulat hat die kantonalen Finanzleiter anlässlich ihrer Zusammenkunft beschäftigt, nämlich die Frage der Eingangsgebühren bei Grenzüberschreitung ausländischer Automobilfahrer. In Artikel 21 des Konkordates ist grundsätzlich festgelegt, dass die Motorfahrzeuge •der in der Schweiz sich aufhaltenden Ausländer von Taxen befreit sind, sofern der Aufenthalt nicht länger als drei Monate dauert und sofern die betreffenden Herkunftsstaaten Gegenrecht halten. Dieser Artikel 21 steht seit 1914 wohl auf dem Papier, allein nie hat sich unsere oberste Landesbehörde darum bekümmert, diesem Gesetz Nachachtung zu ^erschaffen. Es ist anscheinend einfacher, den einheimischen Automobilfahrern Gebühren, Steuern und Zölle aufzuerlegen, als den Fremden, der unser Land besucht, dazu zu verhalten, einen gesetzlichen Obtilus abzuladen. Kein schweizerischer Automobilist wird der Besteuerung der fremden Fahrer, die unser Land besuchen, das Wort reden. Im Gegenteil: jeder von uns weiss, dass die Schlagbäume an den Landesgrenzen höchst überflüssige Verkehrshindernisse sind, die in unser heutiges Zeitalter nicht hineinpassen, die niemand Nutzen bringen, sondern' alle schädigen. Die Fassung des Artikels 21, dass die Ausländer, welche die Schweiz befahren, 90 Tage lang von einer Taxe befreit sind, ist durchaus zeitgemäss; sie ist unserer Demokratie, unserem Verkehrwesen würdig; allein wir müssen an der Voraussetzung festhalten, dass, wie im Konkordat vorgesehen, der betreffende Herkunftsstaat Gegenrecht hält. Unsere Leser wissen, wie es mit diesem Gegenrecht beschaffen ist: wenn wir ins deutsche Nachbarland hinüberreisen, so können Ein Beitrag zur Frage: Wie reise ich am besten mit dem Auto? Es gibt im grossen und ganzen zwei Arten, uavcl Ge^entedhti. wir uns dort keine Stunde aufhalten, ohne die deutsche Steuerkarte zu lösen. Fahren wir nach Frankreich, so geht es uns dort gleich, wir müssen die «permis de circulation» besitzen, die uns erst das Recht einräumt, französische Strassen zu befahren. In andern Ländern ist es ähnlich, die meisten Staaten verlangen von jedem schweizerischen Fahrer, der in ihr Gebiet einreist, eine mehr oder weniger hohe Gebühr. Es kann gesagt werden, dass der schweizerische Fahrer im Durchschnitt für seine Reisen im Ausland wenigstens 1 Fr. bis 1.50 Fr. per Tag zu leisten hat. Es muss aber auch erwähnt werden, dass eine Anzahl Länder das von uns vorgesehene Gegenrecht tatsächlich halten. Italien ist gebührenfrei, Oesterreich ebenfalls; Länder wie Spanien, Norwegen etc. haben in ihren Gesetzen die gleiche Fassung wie wir, d. h. sie erheben vom Ausländer nur dann eine Gebühr, wenn dies in dessen Herkunftsland geschieht, lassen denselben aber frei passieren, sofern der Ursprungsstaat Gegenrecht hält. Einzig und allein in der Schweiz haben wir die einzigartige Erscheinung, dass im Gesetz gebührenfreie Fahrt an die Bedingung des Gegenrechtes geknüpft ist, wovon aber nur der Ausländer profitiert, der Schweizer aber benachteiligt ist, weil seine Landesbehörde sich nicht darum bemüht, Rechte und Gegenrechte ordnungsgemäss durchzuführen. Wie bereits eingangs dieser Zeilen erwähnt, will der Automobilist nicht neuen Erschwerungen im internationalen Verkehr rufen. Im Gegenteil: wir suchen die Schranken abzubauen- Wir glauben aber, dass wir in der Beseitigung dieser Schranken einen schönen Schritt vorwärts kämen, wenn wir von unserem Recht Gebrauch machen und jenen Ausländern gegenüber Gegenforderung stellen, deren Herkunftsländer den schweizerischen Fahrer mit Taxen belegen. Wenn sich unsere Behörden bis dahin gescheut haben, von deutschen, französischen, belgischen, etc. Fahrern beim Grenzübertritt die nämlichen Taxen zu erheben, die der Schweizer bezahlen muss, wenn er in jene Länder einfährt, so mag dies vielleicht im Interesse unseres Fremdenverkehrs und unserer Hotelindustrie liegen; allein wir schweizerischen Automobilisten möchten nicht die Zeche bezahlen. Wier sind überzeugt, dass diese oder jene ausländische Gebühr fallen wird, sofern unsere Behörden das im Artikel 21 festgelegte Gegenrecht nicht nur auf dem Papier festhalten, sondern kurzerhand in die Praxis überleiten. ©• nere und abgelegenere Wege des langen und breiten auszukundschaften. Dabei entgehen aber eine Menge hübscher Landschaftsbilder und Eindrücke. Hingegen sind wir leicht imstande, von einem bestimmten Punkt aus die J umliegende Gegend bis ins Detail kennenzulernen, ohne dass man sich, wie bei Reisen von Stadt zu Stadt, nur mit einem oberfläch- Der Automobilist und die Hafrabam. Wir geben nachstehend der interessanten Einsendung eines Zugor Automobilisten Raum. Wefln •man auch die Auffassung des Verfassers nicht in allen Punkten teilen kann, so verdient sie doch nichtsdestoweniger volle Beachtung. Die Red. Nachdem in einigen Zeitungen bereits der bevorstehende Tod der Vereinigung für eine Autostrasse Basel-Chiasso prophezeit wurde, lohnt es sich ganz gewiss, zu untersuchen, ob ein solches Unternehmen wirklich für den inoder ausländischen Fahrer von Nutzen sein könnte. Als erste Frage drängt sich uns nun auf: Sind die heutigen schweizerischen Strassen nicht fähig, den Verkehr, den eventuell eine zukünftige Frankfurt-Basel-Autostrasse bringen würde, anstandslos und schnell ins Innere des Landes oder bis an unsere Südoder Südwestgrenze rollen zu lassen? Mit Stolz können wir sagen, dass selbst ein grosser Stossverkehr heute schon mit Leichtigkeit bewältigt werden könnte und wir bis in einigen Jahren ein Strassennetz besitzen werden, um das uns mancher Staat, der heute im Begriffe ist, teure und abgabepflichtige Autostrassen zu erstellen, beneiden wird.. Es wird kein hie Gotthard — hie Lötschberg mehr geben, denn Gotthard wie Westschweiz werden, je nach dem Bestimmungsorte des zukünftigen Autotransitgutes, befahren werden. Die einzige Gefahr, dass z. B. die Zürcher resp. Gotthardroute unverhältnismässig stärker befahren werden könnte, bestünde darin, dass auf der Berner- resp- Lötschbergroute Dekrete in Kraft wären, die natürlich jeden Transitverkehr auf die erste Route verweisen würden. Als Beweis, dass wir auch in der Schweiz in Bälde kleine "Anfänge von Nurautostrassen haben, möchte ich nur den Kanton Zug erwähnen, der bis in zwei Jahren nebst einer 4,5—7 Meter breit gepflasterten Durchgangsstrasse einen 2—3 Meter breiten separaten Fusspfad von der Zürcher bis zur Luzernergrenze erstellen wird. Ohne Zweifel werden auch andere Kantone innert kurzer Zeit separate Fuss- und vielleicht auch Velowege neben den Durchgangsstrassen anlegen, womit wir ohne Hilfe der Hafraba einen bedeutenden Schritt der Nurautostrasse näher kommen werden. Denken wir uns nun eine solche Nurautostrasse als Parallelleistung zur Hafrabam. Entweder würden 90 % oder mehr Fahrzeuge die taxfreie kantonale Durchgangsstrasse benutzen und somit jede Rentabilität der Autostrasse ausschliessen, oder rigorose Gesetze und Dekrete müssten dem Fahrer die Benützung einer Parallelstrasse verbieten. Wie könnte man aber bei lichen Ueberblick begnügen muss. Natürlich werden auch darüber geteilte sich ein Land zu besehen: die erste kann man Meinungen vorherrschen; denn es gibt Leute, als fortlaufende bezeichnen, wobei jeden die mit einem flüchtigen Blick zufrieden sind Abend irgendwo anders genächtigt, dieund andere wieder wollen im Gegenteil einen ganze Route von einem Ausgangspunkt fortlaufend zurückgelegt wird; die zweite Art Diese letztere Art ist erstens weniger kost- Weineren Landstrich genauer betrachten. kennzeichnet sich dadurch, dass von einem spielig, zweitens — wenn die Auswahl des zentral gelegenen Punkt aus das Land strahlenförmig durchfahren wird, wobei man am quemer und genussreicher. Standquartiers richtig getroffen wurde — be- Abend wieder ins Standquartier zurückkehrt. Auf einer grösseren Reise von Stadt zu Dem Automobilisten scheint wohl die erste Stadt ist man jeden Abend neuerdings vor die Art die anziehendere zu sein. Vielleicht mag Frage gestellt: Wo werden wir übernachten? auch ein gewisser Stolz mitspielen, wenn wir Ein Ort muss gewählt, ein Gasthof gesucht von einer grösseren Reise von Stadt zu Stadt werden. In der Hauptsaison wird man wohl berichten können. Sicherlich hat aber die schwer seine Bequemlichkeit finden, möglicherweise wird man einmal in einem Luxus- zweite Gattung (von einer gewählten Basis, die im Zentrum eines Ausflugsgebietes liegt, hotel landen, das zwar allen Wünschen bestens entspricht, im Portemonnaie dafür aber auszugehen) sehr viele Vorteile, so dass fast die Entscheidung sich dahin neigen dürfte. merklich zu spüren ist; das anderemal wird Bei einer Reise von Stadt zu Stadt ist man man in einem kleinen Dorfwirtshaus übernachten müssen, das nicht wiederzusehen man meist auf die rfauptverkehrsstrassen angewiesen, weil man sich nicht Zeit nimmt, klei- vielleicht froh ist. Selbst unter der Annahme, dass man das Richtige getroffen hat — was jedoch absolut nicht so sicher ist — wird man für z. B. viermaliges Nächtigen und Essen an verschiedenen Orten mehr aufwenden müssen, als wenn man eine Woche in aller Bequemlichkeit an einer Stelle sesshaft ist und von dieser seine Ausflüge absolviert. Bei Partien, die von einem Mittelpunkt aus unternommen werden, sucht man seine Zimmer zu dem Preis, den man auslegen will, und ist nicht bei Einbruch der Nacht gezwungen, eventuell ein unzureichendes Quartier mit Widerwillen anzunehmen, um nur überhaupt ein Dach über dem Kopf zu haben. Weiters ist es ein grosser Vorteil, wenn man am Morgen aufbrechen kann, ohne sein Gepäck mitschleppen zu müssen, ohne die Sorge um das Nachtquartier. Wohl kann man einwenden, dass es ja möglich ist, eine längere Tour vorzubereiten und Unterkünfte vorauszubestellen, aber das macht immer viele Umstände. Das Bewusstsein, soundso viele Kilometer hinter sich legen zu müssen — nicht mehr und nicht weniger — beeinträchtigt das Vergnügen. Es bleibt dabei keine Zeit für persönliche Wünsche. Ausserdem ist es unangenehm, wenn man sich auf einer Partie gebunden fühlt und dazu noch höhere Kosten hat. Bestimmt hat man dabei auch nie dieselbe Freiheit, als wenn dem dichten Strassennetz der Schweiz zwischen Parallelstrasse und Zubringerstrasse unterscheiden! Eine andere Lösung die überhaupt an vie'en Stellen t'ct Innerschweiz gar rauht zu umgehen wäre, ist die des Gebrauchs der schon bestehenden Strosse als Autostrasse. Was aber dann mit den Pferdefuhrweiken, deren es heate nocii giof und audi in Zukunft immer &eben wird? Ei" besonderes Strässchen für Pferdefuhrwerke würde man wohl auch nicht anlegen wollen? Fassen wir diesen Abschnitt kurz zusammen, so können wir sagen, dass die Kantone ans den Einnahmen der Autosteuern, Gebühren und mit Hilfe einer gerechten Verteilung des Benzinzolles in der Lage sein werden, regelrechte Autostrassen, die allen Anforderungen des modernen Verkehrs entsprechen, herzustellen und zu unterhalten. Betrachten wir nun den Bau einer Autostrasse von Basel nach Chiasso vom finanziellen Standpunkt aus, so fahren uns unwillkürlich die Millionenschulden der S. B. B. durch den Sinn. Der richtige Ausbau der Strasse würde kaum unter einigen hundert Millionen Franken ausgeführt werden können, und dann hätten wir glücklich neben der schrecklichen Schuldenlast der S. B. B. noch die ungeheure Bauschuld der Autostrasse Basel-Chiasso oder der Hafrabam. Wer diese Schuldenlast, zu verzinsen und zu amortisier ren hätte, müsst ihr euch, Autofahrer, nicht lange fragen. Nebst der kantonalen Autosteuer, Gebühren, Benzinzoll, Autoeinfuhrzoll würde euch noch die würdige Aufgabe überbunden, die Millionenschulden der Hafrabam abzutragen. Hütet euch, bevor es zu spät ist, denn nur zu gerne würden es gewisse Kreise, denen das Automobil aus Konkurrenzneid ein Dorn im Auge ist, sehen, wenn ihr auch eine Schuld von einigen hundert Milliönchen zu tragen hättet. Vergesset niemals, dass jeder Kilometer, den ihr auf einer solchen Autostrasse abfährt, mit einer Gebühr belastet wird. Einzig diese Tatsache sollte auch dem letzten Autofahrer die Augen öffnen, bevor er sich selbst neue Fesseln anlegt. Wir haben die besten Aussichten, dass in nächster Zeit die lästigen Bergtaxen verschwinden, denn an die Ausrichtung des Benzinzollviertels an die Kantone ist die Bedingung der gebührenfreien Durchfahrt gebunden. Sollen wir nun wirklich so dumm sein und, nachdem das Alte, Lästige verschwindet, einer neuen Blütezeit von Gebühren, Taxen oder wie man's dann nennen mag, Tür und Tor öffnen und noch dazu «Willkomm» sagen? Mögen diese Projekte aus Süd oder Nord kommen, uns werden sie in dieser Form niemals passen. H.F. man von seinem Standquartier aus Touren macht. Man unternimmt kurze oder längere Ausflüge, wie es einem beliebt, und empfindet, da man den grössten Teil des Jahres ja ohnehin an seine Tageseinteilung gebunden ist, gerade diese Freizügigkeit besonders wohl. Die Hauptstädte und die grösseren Städte der Schweiz sind sehr gute Zentren für bestimmte Ausflugsgebiete. In allen diesen Städten findet sich eine Auswahl von Hotels für jeden Geldbeutel, vom Luxushotel bis zur bescheidenen Herberge. Nehmen wir an, dass der Automobiltourist es vorzieht, von einer bestimmten Basis aus seine Ausflüge zu machen, so hat er verschiedene Orte, wo er sich für ein seinen finanziellen Verhältnissen entsprechendes Hotel entscheiden kann. Alle Hotels in kleinen und grösseren Städten haben eigene Garagen, überall finden sich Reparaturwerkstätten, Pneuniederlagen und Benzinstationen. Es muss immer wieder hervorgehoben werden, dass das Tourenfahren mit einem bestimmten Zentrum, von dem aus man seine Fahrten macht, vom Standpunkt der Bequemlichkeit aus dem mitunter recht strapaziösen Fahren von Stadt zu Stallt vorzuziehen ist. Die Hotellerie der Schweiz hat sich schon längst auf den von Jahr zu Jahr stärker wejß denden Strom der Autotouristcn, sowohl der