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E_1928_Zeitung_Nr.007

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U AUTOMOBlL-KEVUE 1H28

U AUTOMOBlL-KEVUE 1H28 — N« 7 "das Recht, sich ihre Briefe anzueignen? Sie kümmerte sich um die seinigen auch nicht. Es ging nicht anders, ihr Gemahl musste mit einer gehörigen Gardinenpredigt empfangen werden. Die Angst vor der Entdeckung des Briefes war denn auch die Ursache, warum sich Herr Sonnenthal so rasch im Klub verabschiedete. Wie gewohnt wollte er Lilian von seinen fabelhaften Resultaten beim Kegeln erzählen. Aber oha! Er kam dieses Mal an die falsche Adresse. «Nein Liebster! Ich habe nicht die 'Stimmung, von Deinen Resultaten zu reden. Reden will ich allerdings mit Dir. Lassen wir aber dieses Mal bei dem Worte Resultaten die ersten zwei Silben weg und reden wir von Deinen Taten allein. Wie kommst Du dazu, einen an mich adressierten Brief zu unterschlagen?» Der von Rene Sonnenthal auf diese Frage aufgesetzte Gesichtsausdruck konnte keinesfalls unter die Bezeichnung «geistreich» fallen. Er war aber auch nicht der Mann, der sich so ohne weiteres ins Bockshorn iagen Hess. «Schau, Lilian, das ist nichts anderes als ein Verseben. Um aber nicht den Eindruck zu erwecken, den Brief absichtlich geöffnet zu haben, versteckte ich diesen und beabsichtigte, ihn nochmals durch die Post zustellen zu lassen-» «Sooo? Aber warum konntest Du mir das angeblich unbeabsichtigt geöffnete Schreiben nicht geben und mit mir über die Sache reden?» fragte Lilian. «Du kennst meine Meinung über diesen Punkt und ich wünsche hierüber keine weiteren Auseinandersetzungen», erwiderte RenS gereizt. Lilian merkte, dass sie etwas entgegenkommender werden musste, denn bei dieser Art und Weise von «Besprechung» ging ihre Sache sowieso schief aus. «Hör mal, mein Lieber! Ich kann mich sonst über Dich nicht beklagen. Wir harmonieren ausgezeichnet zusammen, aber in diesem einen Punkte scheinst Du kleinlich zu sein.» «Kleinlich? Ich habe Dir keinen Anlass gegeben, diesen Ausdruck mir gegenüber anzuwenden. Ich kann Dir aus bestimmten prinzipiellen Gründen einfach keinen Wagen kaufen.» «Deine Gründe sind für mich zu wenig einleuchtend. Soll ich noch lange zum Gespött meiner Freundinnen und den übrigen Bewohnern der Erde in Deinem «Märchenwagen» herumfahren? Würdest Du es zum Beispiel reizend finden, wenn ich in den Schlupfschuhen Deiner Grossmutter herumtrotteln würde? Deine Motorgondel ist mit Deinen Verhältnissen gar nicht in Einklang zu bringen»» «Der von Dir angeführte Vergleich ist gar nicht so absurd. Ich habe aber nun von diesem Thema endlich übergenug.» «Du bist und bleibst, wenigstens in dieser Sache, ein Philister!» «Lass bitte solche und ähnliche Bezeichnungen bei Seite. Ich bin nicht titelsüchtig, noch wünsche ich, zum Ritter irgend einer Legion geschlagen zu werden. Ich habe mein letztes Wort in der Sache gesprochen, und damit basta! Ich verweigere nach wie vor meine Zusage. Du hast es so weit getrieben, dass ich gezwungen bin, meine Autorität in den Vordergrund zu stellen-» Nach diesen Worten erhob sich die «Autorität» und schlug krachend die Türe ins Schloss, um das Schlafgemach aufzusuchen. Das war der bisher unerfreulichste Auftritt in der Ehe der Sonnenthals, selbständig und doch von einer Strenge der Sitten, wie er es eben wieder an Gertrud festgestellt hatte. Es war schwer, die rechte Einstellung zu ihnen zu finden. Melancholisch ging er zu Bett, während seine Begleiterin schon lange schlief: sie wollte, wollte nicht nachdenken, keine alten Erinnerungen haben. Nur frisch sein zur Fahrt morgen früh. Viel eher als dem Doktor recht war, blies sie zum Aufbruch, in des Wortes wirklicher Bedeutung: sie putzte schon an ihrem Auto herum und hupte dabei so lange direkt unter seinem Fenster, dass er endlich doch aufstand. «'Morgen,» rief sie nach oben, «Kater überwunden?» Kater — er? Welch eine unästhetische Voraussetzung! Und doch konnte er nicht verhehlen, dass er Kopfschmerzen habe; das kam natürlich vom Fahren. «Natürlich,» stimmte Gertrud ihm bei, als er sich sorgsam in die Decken hüllte. «Aber fahren und trinken ist eben zuviel. Und da wir fahren müssen, würde ich dir raten, enthaltsamer zu sein. Hans und ich — d. h. ich, belohne mich immer erst am Ziel mit einem guten Tropfen. Das wird man von den Konkurrenzen her so gewöhnt.» «Nun, die Zeit ist ja für dich auch vorüber.» Was war das schon für ein Ding? Autorität? Darüber musste sich Lilian noch rasch im Konversationslexikon nähere Aufklärung verschaffen. Zu diesem Worte musste es doch zweifellos einen entsprechenden Kommentar geben? Dieses Etwas konnte doch unmöglich ein verschriebenes Privileg der Männer sein? Automobil — Autonomie — Autopsie — Autor — aha, da kam's: Autorität — Ansehen, Würde, Macht, Einfluss. Person, die Autorität besitzt. Kritiklose Annahme der Ansichten einer solchen Person!'.'. Lilians Augen weiteten sich. Das wurde ja immer schöner. Sie sollte sich keine Kritik mehr erlauben dürfen? Als einziges Kind einer Beamtenehe wurde sie stets verhätschelt, und es wollte ihr nicht klar werden, dass auch in der Ehe eine begrenzte Autorität vorhanden sein müsse. Sie verlegte sich aufs Nachdenken und kam zum Schlüsse, dass der Begriff Autorität in der Schule seine Berechtigung haben kann, aber nicht in der Ehe. Erst jetzt wollte sie auch zeigen, dass sie ebenfalls zu den Autoritäten gehöre. Es stand ja wirklich nirgends geschrieben, dass diese Autorität den Männern reserviert sei. Die Stimmung im Hause Sonnenthal blieb die folgenden Tage sehr gedrückt. Der Hausherr ritt auf seinem Autoritätsgaul weiter und zeigte keine Spur von Entgegenkommen. Er freute sich gewissermassen seiner Ruhe. Vorher war das Thema «Wagen der Dame» täglich auf dem Programm. Ja, es war so aktuell, dass es immer wieder prolongiert wurde. Aber da seine Gemahlin keine Silbe mehr über die Sache sprach, wirkte diese Ruhe mit der Zeit etwas beängstigend. Aber was wollte «Sie» tun? Er hatte ihr ja unter Aufbietung seiner Autorität verböten, einen Wagen zu kaufen. Wird aber jemals ein Verbot von einer Frau respektiert? Kaum möglich! Im Gegenteil. Der Reiz, ein Verbot zu übertreten, ist stets grösser. Vide... Sündenfall im Paradis. Sonnenthals «beunruhigende» Ruhe dauerte bis an einen gewissen Tag, wo ihn seine Gemahlin, wie man zu sagen pflegt, vor ein fait accornpli stellte. Sie hatte nämlich — einfachste Sache der Welt — auf Grund ihrer femininen Autorität ein Damencoupe angeschafft. Fait accompli? Ja, bis auf die Zahlung! Ein Zurück gab es nicht mehr. Rene Sonnenthal musste die Sache ordnen. Bei seinem Ansehen konnte er keinen Skandal heraufbeschwören. Er war nach dieser Geschichte bedenklich heiser. Als letzte, damals verständliche Worte konnte seine Gemahlin noch vernehmen, dass sie bis zum 95. Altersjahre weder an Ostern, Geburtstag, noch Weihnachten damit zu rechnen habe, von ihm ein Geschenk zu bekommen. Etwa zwei Wochen später hatte Lilian Sonnenthal gerade Geburtstag. Wenn sie auch unter unerfreulichen Umständen zu ihrem Wagen gekommen war, bereitete ihr aber der Sport nun eine wirkliche Freude. Ihre Freude wollte aber kein Ende nehmen, als sie auf dem Geburtstagstisch ein ausgesuchtes, erstklassiges Autodress als Geschenk ihres «kleinlichen» Gemahls vorfand. Und der Friede war wieder hergestellt- Londoner Taubenkrieg. Der Rat der Londoner City beschloss vor einiger Zeit, einen Feldzug gegen die Tauben zu eröffnen, um die Zahl dieser Vögel, die hauptsächlich um Ludgate Hill und vor der St. Pauls-Kathedrale herumstreichen, zu verringern. Die Tauben hatten sich so stark vermehrt, dass die in der Umgebung gelegenen Gebäude arg beschmutzt wurden und auch die Strassenpassanten Belästigungen empfanden. Man fassle daher den Sie wandte ihm so erstaunt und schnell das Gesicht zu, dass sie fast gegen einen Meilenstein gerannt wäre. Entscliluss, einige hundert lauben zu vertilgen. Mit dieser Aufgabe wurde Mister Dalton, der städtische Rattenfänger und Mäusevertilger, betraut. Er eröffnete den Krieg gegen die Tauben unmittelbar vor Weihnachten. Ueber diese Schlacht zwischen den Tauben und der Daltonschen Armee, die am Tage vor dem Weihnachtsfest stattfand und mit einer schmählichen Niederlage der menschlichen Angreifer endete, berichtet ein Wiener Blatt folgendes: Die geflügelten Tiere erwiesen sich als klüger und vorsichtiger, als ihre Gegner es erwartet hatten, üalton, der um 9 Uhr vormittags mit seinen beiden Gehilfen erschien, stellte auf den Treppen der St. Pauls-Kathedrale einen grossen Käfig auf. Die Türchen wurden geöffnet und in das Innere des Käfigs das köstlichste Taubenfutter gestreut. Die Vögel kamen denn auch sofort neugierig herbei und betrachteten die Leckerbissen, die man ihnen bot. Sie trippelten sogar bis dicht an den Käfig heran, aber keine einzige von ihnen steckte auch nur den Schnabel hinein. Nun versuchte es Dalton mit einer anderen Kriegslist. Wartet nur, dachte er, wenn ihr einmal auf den Geschmack gekommen seid* werdet ihr es euch nicht lange überlegen! Er streute einige Hände voll des wohlschmeckendsten Futters vor dem Käfig aus. Die Tauben flogen neuerlich herbei und pickten, dankbar für das gute Weihnachtsgeschenk, das man ihnen da spendete, alle Körner mit Appetit auf, aber der Verführung, in den Käfig hineinzusteigen, um noch mehr von der feinen Speise zu gemessen, erlagen sie nicht, auch jene nicht, die zum Festmahl vor dem Käfig zu spät gekommen waren und nichts gefressen hatten. Fünf Viertelstunden harrte Dalton aus, dann verlor er die Geduld und begann unter dem lauten Protest der Umstehenden, insbesondere aber unter lärmendem Widerspruch der zuschauenden Jugend, die Zutraulichkeit der Tiere auszunutzen. Er nahm Maiskörner und Hess die Tauben aus seiner Hand fressen. Sassen sie auf seiner Hand, so griff er rasch zu und übergab die arglosen Tiere seinem Gehilfen zur weiteren Exekution. Auf diese Weise überrumpelte er vierzehn Tauben — natürlich junge und unerfahrene Geschöpfe —, aber dann hatten die Tiere auch diese Kriegslist durchschaut und Hessen sich nicht mehr verleiten, Körner aus der Hand zu picken. Unter dem Freudengeheul der Jugend räumte endlich Dalton mit seinen Gehilfen das Feld und die Tauben zogen sich, nachdem sie von den Kindern eine Sonderbelohnung erhalten hatten, ungeschlagen auf die Kirchengiebel zurück. Der zweite Angriff freilich brachte die Tauben zur Strecke. Sie wurden aber eigentlich ein Opfer der Witterungsverhältnisse. Am zweiten Weilmachtsfeiertag kam Dalton am Nachmittag, gerade als der Schneesturm einsetzte, wieder zur St.Pauls- Kathedrale. Am ersten Weihnachtstage hatte er die Tauben verschont, die am regnerischen Weihnachtssonntag nicht viel Nahrung gefunden hatten, daher hungrig und durch den nun beginneden Schneesturm bald ermattet waren. Als ein grosser Täuberich heisshungrig in den offenen Käfig eilte und sich das Futter schmecken liess, folgten rasch mehr als zweihundert Tauben und verkauften ihre Freiheit für ein paar Maiskörner. Als der Käfig voll war, ging Dalton weg. Er erklärte, er habe bereits wahrgenommen, dass nur die kräftigen und gesunden Tauben in Gefangenschaft geraten waren: vor den Eingängen «Herr des Himmels, pass' doch auf,» schrie er. «Sobald Du nicht mehr solche Torheiten sagst — gerne! Was heisst denn das: für mich sollte die Zeit vorüber sein? «Du wirst doch nicht erwarten, dass ich meine Frau solchen beständigen Gefahren ausgesetzt sehen und immer in der Angst schweben will, ob ein Telegramm kommt: «Ihre Gattin leider in einen Graben gestürzt» — oder: «von einem andern Wagen überfahren worden». Ich hab ja gestern selbst gesehen, wie unvernünftig Du fährst, wenn Dir irgendetwas nicht passt.» So! Das hatte er doch gemerkt, aber nun sollte sich die Strafe, die ihm zugedacht war, gegen sie wenden. «Du weisst ja, weshalb ich von Hans fortgegangen bin: nur,» sie betonte das Wort, «weil er mir plötzlich Schwierigkeiten wegen eines Konkurrenzfahrens gemacht hatte.» «Dein Mann war durchaus im Recht. Man braucht nicht darauf zu warten, bis eine Frau einem tot oder mit eingeschlagener Naseins Haus gebracht wird. Du bist viel zu hübsch dazu.» Er rückte ihr etwas näher. Aber eine Frau, die von oben, bis unten in festem Leder steckt, scheint zärtlichen Gefühlen nicht | zugänglich zu sein. «Ausserdem,» fuhr er fort, würde es mir nicht passen, meine Frau mit allen möglichen Elementen in Berührung kommen zu sehen, die nun einmal zu jedem Wettrennen drängen.» Sie blitzte ihn empört an, musste die Augen aber gleich wieder auf die Strasse richten, die sich allmählich, Bozen zu, immer mehr belebte. «Oh bitte, ich sage sicher nichts gegen den Sport als solchen.» «Das wäre auch dumm,» flocht sie ein. Er beachtete ihre Unhöflichkeit nicht und sie ärgerte sich über ihre Voreiligkeit. «Aber bis dahin warst Du mit Deinem Mann zusammen, das war etwas anderes, besonders da es sein Geschäft ist.» «Oh, bitte — ich bin keine Berufsfahrerin.» «Weiss ich! Um so weniger möchte ich Dich in Gemeinschaft mit allen möglichen Menschen sehen. Du selbst hast mir voii einigen erzählt, die Du zwar «Typen» nennst und es war sehr amüsant, aber solch grosses, unfehlbares Unterscheidungsvermögen hast Du doch nicht.» Was fiel ihm ein! Er tadelte an ihr herum — er! Und fast sagte er dieselben Sachen wie Hans. «Weshalb jagst Du plötzlich so?» unterbrach er sich. «Gerade hier ist es doch so in den Käfig hatte sich nämlich ein wütender Kampf inn das Futter entwickelt, aus dem natürlich die stärkeren Tiere als Sieger hervorgingen. Gerade also dio schwachen und kranken Tiere, die ohnedies bald verenden würden, blieben in Freiheit. Da es nicht in der Absicht der Behörde liegt, alle Tauben-rund um St. Paul auszurotten, kehrte Dalton Dienstag vormittags zur Kathedrale zurück, um dio kräftigen Exemplare gegen .schwache auszutauschen. Er hatte diesmal vier grosso Säcke mit. Er pfiff eine sanfte Melodie, streute Mais auf den gefrorenen Boden und dio Tauben, die er als krank oder schwächlich erkannte, Hessen sich, da sie ausgehungert waren, ohne Mühe ergreifen. Sie wurden dann schmerzlos getötet, während man von den gesunden Tauben mehrere der schönsten Exemplare wieder in Freiheit setzte. Das Spiel von Leben und Tod. Wie seltsam verschlungen oft die Lebenswege sind, bestätigt der folgende Bericht eines Arztes cnes Madrider Krankenhauses: Der 51jährige Pio Barrcs war viel in der Welt herumgekommen, ohne jemals krank gewesen zu sein. Eines Tages packt ihn eine schwere Depression, und er sucht einen Arzt auf. Sein Zustand ist ernst, und man bringt ihn ins Krankenhaus. Noch bevor man eine genaue Diagnose seines Zustandes feststellen kann, ereilt ihn der Tod. Einige Tage vorher war in demselben Krankenhaus in der Gynäkologischen Abteilung eine etwa 53jährige Frau Matea Redondo eingeliefert worden. Sie hatte stark gelebt und viel gelitten und suchte für ihren erschöpften Körper ärztliche Hilfe. Auch hier war die Kunst des Klinikers vergeblich; eines Tages trugen zwei Krankenwärter die Leiche der Frau in die Leichenhalle und stellten sie neben die des einige Stunden zuvor verstorbenen Barres. Bei der Feststellung der Personalien der Verstorbenen ergab sich, dass Matea Redondo im Jahre 1897 die Frau des Pio Barres gewesen war. Sie hatte damals ihren Mann nach einigen Monaten verlassen; er hatte sie vergeblich gesucht, da sie nach Amerika ausgewandert war. Im Leben hatten sie sich niemals wiedergesehen, aber der Zufall, die Krankheit und schliesslich der Tod, führte die beiden nach dreissigjähriger Trennung in der Leichenhalle desselben Krankenhauses zusammen. schön. Sieh 'mal, die Trauben fangen schon leise an, sich zu röten. Auch das Obst reift. Und das herrliche Tal. Fahr' doch langsam, blick' in die Höh': dort das Gebirge —» «Das sind schon die Dolomiten,» sagte sie. «Der Schiern und der Rosengarten und dort der Porphyrrücken, das ist die Mcndel — ich kenne das ja alles —». «Und bist deshalb gleichgültig gegen diese wundersame Schönheit geworden,» meinte er traurig. «Wie schnell wir abstumpfen!» «Nein, nein,» stiess sie aus, «das ist es nicht, ganz gewiss nicht —» Ach, am liebsten hätte sie die Hände vom Steuer genommen und geweint — richtig losgeheult! Wie konnte er denn ahnen, was dies alles für sie bedeutete. «Wollen wir nicht heute hier bleiben,» schlug er vor, entschieden durch die Stimmung der Landschaft erweicht und nicht so von Rachegefühlen erfüllt, « du scheinst mir auch abgespannt.» «Nicht ein bisschen,» versicherte sie. «Vergiss nicht, welchen Vorsprung die andern haben und dass wir sonst am Ende ihre Spur verlieren.» Recht, um ihm zu beweisen, wie ernst es ihr sei, glitt sie ohne Aufenthalt durch die entzückenden, alten Strassen. (Fortsetzung folgt).

- 1928 AUTOMOBIL-REVUE Kleinsfadfgeisf und Motorfahrzeug. Aus einem Vortrag, gehalten von Ing. C. Buchegger in der Automobilsektion Basel des T. C. S. Vor nicht langer Zeit wurde in einer Versammlung des Pressevereins in Basel durch ein Referat von Herrn Polizeilieutenant Sommer die Frage erörtert, wie die Presse durch die Möglichkeit «Aufklärung in die breite sten Schichten des Volkes zu bringen» an ider Unfallverhütung im Verkehr mithelfen könne. Seine Ausführungen gipfelten darin die Presse soll durch steten Hinweis auf die Gefahren und die Art, wie ihnen begegnet werden kann, der Vernunft zum Durchbruch verhelfen. Meine eigenen Beobachtungen lassen mich diese Dinge skeptisch betrachten Es wird jahrelanger Arbeit der Presse bedürfen, bis ein gewisser Erfolg zu verzeichnen ist. In einer Zeitepoche, in der der Gedankengang des Menschen in erhöhtem Masse nur darauf eingestellt ist: Jeder ist sich selbst der Nächste, hält es schwer, ohne grosse Zahl eingehender Vorschriften den einzelnen von seinem kleinlichen Standpunkt abzubringen. Damit bin ich schon mitten in das ge wählte Thema hineingesprungen. Auf der einen Seite grosszügiger Appell an Vernunft und Verstand, auf der andern Seite Vorschriften, die als kleinlich empfunden werden. Diese aber dafür in so grosser Zahl, dass sich der Durchschnittsmensch, d. h. jener, der nicht speziell damit zu tun hat, kaum mehr darin auskennt. Beobachten Sie das Verhalten unserer alten Leutchen auf der Strasse. Sie sind nicht mehr beweglich und daher sehr ängstlich. Gelegentlich erwartet man bestimmt, dass sie vorwärts gehen nud sie machen gerade eine Bewegung rückwärts. Ihren Gesichtern ist anzusehen, dass sie innerlich erbost sind. Wäre es hier nicht grosszügig gehandelt, wenn anwesende jüngere Fussgänger sich dieser Leutchen annehmen, d. h. hinzutreten und sie 1iber die Strasse begleiten würden? Am rechten Ort mit ihnen stehen bleiben, zur rechten Zeit sich mit ihnen in Bewegung setzen, wird sie anleiten, sich selbst sicherer zu fühlen im Strassenverkehr. Wird die Situation zu kritisch, so kann auch ein fahrender Wagen einmal durch Handzeichen aufgehalten werden. Der Motorfahrzeuglenker- wird einem solchen Verhalten sicher Verständnis entgegenbringen. Er soll es aber auch sonst an Rücksicht auf ältere, ungelenke Personen nicht fehlen lassen. Mit Verlangsamen der Fahrt, ev. sogar Anhalten, kann er sich viele Sympathien erwerben. Etwas für die Radfahrer: Jeder weiss, wie man manchmal in den Fall kommt, plötzlich auf die Bremse zu treten, weil ein Radler noch schnell vor dem Wagen durchzwängen muss, womöglich ist er vorher rechts vorgcfahreti. Gerät der Mann dann noch in eine Tramschiene, so hilft auch das plötzliche Bremsen nichts mehr, der Volksauf lauf und Schmähungen an die Adresse des bösen Automobilfahrers sind fertig. Wenn sich die Gesamtheit der Radfahrer dazu bequemt, vor dem Abbiegen nach rechts oder links ein Handzeichen zu geben, nicht zu zweit oder JiOiiSnODlBnt für die bessere Familie 2Ark» 12 Sorten, nur das Beste von rein Eier und Natnrbutter heigestellt. Makrönü, Waffeln, Haselntrusbukuits, Baslerkckerü usw., versendet in Büchsen von 2 kg gegen Nachnahme v. Fr. 10.— franko. Wer einmal bezogen, bestellt wieder! A. WIEDEMANN, Biskuitffabrik Horw bei Luzern. Erstklassige Zimmereinrichtungen u. 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Trotzdem ich persönlich dieser Auffassung beipflichte, so wäre es doch zu bedauern, wenn dadurch eine Trübung zwischen den beiderseitigen Verbänden entstehen würde, denn nur das Zusammenhalten aller auf Gummi Fahrenden kann einer eidgenössischen Verkehrsregelung, der wir dringend und rasch bedürfen, zum Durchbruch verhelfen. Einen ersten Ansatz zur eidgenössischen Regelung des Verkehrswesens haben wir mit grossem Mehr mit Hilfe der Radfahrer verworfen. Ganz richtig haben die Hauptinteressenten eine Initiative lanciert, die es dem Bunde durch Verfassungsänderung ermöglichen soll, den ganzen Verkehr einheitlich zu regeln. In dieser Angelegenheit darf man sich aber keinen Illusionen hingeben. Die Motorbesitzer haben verworfen wegen den vermehrten Anforderungen, die an sie gestellt werden. Die Radfahrer, weil in der Vorlage die Nummernschilder beibehalten waren. Bei beiden Kategorien waren also, wenigstens beim einzelnen Individium, engherzige Motive die Grundlage zum Neinsagen. Ich war kein Freund jener Vorlage, da ich ebenfalls für ein Verkehrsgesetz und nicht für ein Automobilgesetz bin. Bedenke ich aber die Folgen der Nichtannahme, so wird es mir bange für die nächsten Jahre. Bei Diskussionen habe ich schon oft die Frage aufgeworfen: ja wie soll denn das eidgenössische Verkehrsgesetz aussehen? Die Antwort lautete immer sehr einfach: Es sollen alle Strassenbenützer dem Gesetz unterstellt sein. Glauben Sie, dass ein Gesetz, das, alle beim Wickel nimmt, das vom Pierdebesitzer verlangt, eine Steuer zu bezahlen und eine Nummer für sein Fuhrwerk zu lösen, das vom Fussgänger verlangt, eine Haftpflichtversicherung abzuschliessen, um zah-ihnen, wenn sie nicht sofort Platz machen zeugen zu dicht aufzuschliessen und hinter len zu können, wenn er Ursache eines Unfalles ist, was leider ziemlich häufig ist, das Nur zu oft wird dadurch der Autolenker zu können, ein wütendes Läuten loszulassen. dem Velofahrer nicht nur das Nummernschild rascherem Tempo veranlasst, das ihm verhängnisvoll werden kann. Noch mehr ist die nicht nimmt, sondern noch leichter lesbare Schilder und ein Schlusslicht aufzwingt, das Tendenz zu verurteilen, im gleichen Moment dem Reiter vorschreibt, wenigstens auf der Rückseite irgend ein Licht anzuhängen, das die Tramdirektionen anweist, ihr Fahrpersonal habe etwas mehr Rücksicht auf den allgemeinen Verkehr zu nehmen, mit anderen Worten: Glauben Sie, dass ein Gesetz, wie es sein sollte, das in kurzen, klaren Sätzen jedem seine Pflicht vorschreibt, vor dem Volke bei der Abstimmung Gnade findet? Es wird auch hier der Kleinstadtgeist einer falsch verstandenen Freiheit über die grosszügige bessere Einsicht siegen und die Nein werden die Ja noch mehr überwiegen als beim Automobilgesetz. Bis aber dieses Gesetz nur zur Abstimmung kommt, vergeht Zeit, während welcher Kantönligeist lustig seine Blüten treibt. Am Ende geben wir gern einem Gesetz die Zustimmung, das uns noch grössere Lasten aufbürdet und weniger Vorteile bietet, wie das verworfene, nur um endlich zu einer einheitlichen Regelung zu kommen. Dann haben wir nach Jahren, was wir dieses Jahr schon hätten haben können, und das alles unter der Voraussetzung, dass die Verfassungsänderung als solche angenommen wird. Hier gilt es sowohl für den einzelnen als auch für die Verbände, mit der Aufklärungsarbeit und freiwilliger Einordnung heute schon zu beginnen. Was wir bzw. unsere Väter mit den Bahnen, mit dem Militärwesen und mit der Post erreichten, sollte auch mit dem Verkehrswesen zu erreichen sein. Die Bestrebungen in den Kantonen lassen aber eher das Gegenteil erwarten. Speziell die Die Forderung, die Tramschienen haben westlichen Landesteile fühlen sich nur zuaus dem Stadtinnern zu verschwinden, wird rasch in ihrer Kantonshoheit angegriffen. heute schon oft ausgesprochen. Gewiss hat Man sieht, die Hoffnung auf die baldige Verwirklichung des allein richtigen Gedankens nicht zugleich ausgesprochen sein, es habe sie ihre Berechtigung, aber es darf damit eines eidgenössischen Verkehrsgesetzes sind dies in den allernächsten Jahren zu geschehen. Es mutet mich immer etwas eng- klein, und doch sollte diese Frage sogar nach neiner ketzerischen Ansicht mindestens kontinental einheitlich geregelt sein. nern höre, die kürzlich im Ausland in grösherzig an, wenn ich die Kritiken von Einwoh- Solange bei uns Eisenbahnen und im städtischen Verkehr die Strassenbahnen sich müsse man mit 40 km/St, fahren, in London seren Städten waren. Beispiel: In Paris nicht besser dem allgemeinen Verkehr ein- habe man im Zentrum keine Tramschienen fügen, sind wir noch weit von diesem Ziel entfernt. Das Vorrecht, das die Strassenbaha geniesst, besteht zwar mit Recht. Säe st an feste Schienen und bestimmte Fahrzeiten gebunden, das sollte aber einzelne Wagenführer nicht veranlassen, Motorfahr- ROR SCHACH .1OTEL SCHIFF Grosse See-Terrasse Bckannt gute Küche und Keller. Telephon 7. 9«!..7,_tV Restaurant ZUriCfl Weisses Kreuz beim Stadelhoftr-tahnhot Tel. H. 6.68 empfiehlt den Herren Hutomobiüsten seine gutbürgerheheKüche u.reellen Weine. — Günstiger fluioparkplatz. Sitzungszimmer für 50 Personen GASTHÖFE ohnendo Ausflugsziele und Ferienaufenthalte lür Automobilisten verangen in ihrem eigenen Interesse sofort SpezialOfferte für ein solches Feld bei der Administr. der Automobil-Revue Ergrautes Haar erhält seine frühere Farbe wieder durch Birken - Briilan tin e Kein nenes Präparat, 40jähr. Erfahrung. Verbürgt Wirkung und Zuverlässigkeit. G e n e r a l d e p o t : LBaeP'SEPDfill, RömerscMoss-ApoMe, ZÜPJCll 7 - Telephon H. 6010 .. Asylstrasso 70 anzufahren, wenn ein Auto fast vorgefahren ist, wodurch der Motorfahrer gezwungen wird, hinten zu bleiben oder rasch vor dem Tram zu kreuzen. Beides ist mit grossen Gefahren verbunden. Meistens deshalb, weil noch etwas Unerwartetes dazu kommen kann. Entweder verbiete man das Vorfahren dem Tram gegenüber im Stadtzentrum ganz oder die Tramführer sind anzuweisen, in solchen Fällen ihrerseits den vorgeschriebenen Abstand von 20 m einzuhalten. Scheint Böswilligkeit oder mangelndes Verheit beim Autolenker der Grund zu sein, so ständnis für die allgemeine Verkehrssicherbleibt der Strassenbahu immer noch der Weg der Verzeigung. Es ist allerdings zu unterstreichen, dass es eine Anzahl Trainführer gibt, die es verstehen, sich in den Verkehr einzufügen, und meine Bemerkungen gelten nur für einzelne. Und so gut wie gegen die einzelnen Sünder bei den Motorfahrern die Polizei vorgeht, so hat die Tramverwaltung gegen ihre Sünder in dieser Hinsicht vorzugehen. Praktisch macht die Tramverwaltung von dem Recht der Verzeigung wegen Störung ihres Verkehrs nicht allzu oft Gebrauch. Sie beschränkt sich auf Fälle, wo Böswilligkeit vorliegt, was rühmend hervorzuheben ist und der Hoffnung Raum überlässr, dass sich die Strassenbahn, solange sie ihr Schienennetz noch im Stadtinnern hat, auch noch weiter dazu versteht, sich dem Verkehr als Ganzes besser anzupassen. mehr, in New-York sei es so, in Berlin wieder anders. Gewöhnlich wird dabei die Frage ausgesprochen, warum macht man dies und eiles bei uns nicht auch so und so. Diese Kriiker vergessen, dass auch in Weltstädten viele Jahre nötig waren, um zu diesen ge- ZÜRICH l Hotel-Rest. SEEHOF Sobiffländ« 28, beim Bellen», — Vorzügliche Küch«. Reine Natur-Weine. Stein a. Rh. Bleitfietio! Schönster Ausflugspunkt Prachtv. Runds, Grosse Spielplätze i. Gesellschaften. Bauern -Spezialit. HERISAU Hotel drei Könige Bekannt vorzügliche KOcha und Keller. Auto-Haltestelle. Tel. 2.45 Als 3E Jules Leus. 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Dass aber die städtischen Verwaltungen diesem Tempo nicht immer zu folgen vermögen, darf man ihnen nicht zum Vorwurf machen, denn wir sind es anderseits wieder, die mit dem Stimmzettel in der Hand die Mittel zur Durchführung bewilligen müssen. Erlaubt sich aber einer unserer Herren Regierungsräte eine selbständige Lösung, ohne lange herumzufragen, so sind wir nur zu schnell bereit, kein gutes Haar an dem Mann zu lassen. Etwas mehr Zutrauen an den ernsten Willen unserer das Staatsschiff führenden Männer würde der grösser werdenden Stadt wohl anstehen. Sorgen wir durch grosszügige Unterstützung der Behörden dafür, dass es ihnen leichter wird, Neuerungen einzuführen. Die beste Unterstützung besteht wohl darin, mit einseitiger Kritik an jeder Kleinigkeit zurückhaltend zu sein und an deren Stelle Besprechungen mit den massgebenden Beamten zu halten. Solche Besprechungen wirken oft überraschend. Sohluss nächster « Autlcr-Feierabend ». Mit dem Pfeil, dem Bogen... Der vielgelesene amerikanische Schrittsteiler Stewart Edward White schildert in einem seiner Werke, wie einige moderne Amerikaner, die vor einigen Jahren eine Reise ins Innere Afrikas unternahmen, dem auf Freskenfragmeuten festgehaltenen Beispiel der assyrischen Könige folgend, mit Pfeil und Bogen auf die Löwenjagd zogen. Wir entnehmen dem ungemein fesselnd und lebendig, bisweilen recht humorvoll geschriebenen und mit zahlreichen Photos versehenen, demnächst im Scherl Verlage, Berlin, in deutscher Uebersetzung erscheinenden Buche Whites nachfolgende Probe: Das Wiederaufleben des alten Bogenschützentums nach mittelalterlichen Richtlinien, im Gegensatz zu dem entarteten schwachen modernen Bogen, ist dem D$ Saxton Pope zu verdanken. Er und die kleine Gruppe seiner Freunde haben in den vergangenen Jahren viel Rehwild geschossen, haben nie ein angeschweisstes Tier verloren und ihm nie weiter als fünfzig Meter folgen müssen, nachdem es getroffen war. Das kann man vom Gewehr, wenigstens in der Hand des Durchschnittsjägers, nicht behaupten.