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E_1928_Zeitung_Nr.078

E_1928_Zeitung_Nr.078

Ausgabe: Deutsche Schweiz- Dienstag, 18. sepiem&er 1928. Nummer 20 Cts, 24. Jahrgang. — N° 78 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrs-Inferessen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag and Freitag ' Monatlich „G«lbe List«" Halbjährlich Ft. 5.—, jährlich Fr. 10.—. Im Ausland unter Portozuschlag, ADMINISTRATION: Breitenrainstrasse 97, Bern entern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag für postamtliche Bestellung im In- und Ausland 30 Rappen. Postcheck-Reehnung, II1/414 Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Aatorarue, Barn INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 Cts. Grössere Inserate nach Seitentarif, Inseratansehluss 4 Tage vor Erscheinen der betreffenden Nummer Sfrassenprobleme im Kanton Bern. Nachdem in der vergangenen bernischen Grossratssitzung die notwendigen Hilfsmassnahmen für die Landwirtschaft mit ziemlichem Donnergetöse und bissigen Bemerkungen gutgeheissen worden waren, ebneten sich die Wogen der Leidenschaft und der Rat, zur Behandlung der Bau- und Eisenbahndirektion übergehend, konnte sich ebenso wichtigen Verkehrsproblemen zuwenden. Neben den Eisenbahn-Interessenten traten in erfreulicher Weise auch die Befürworter der Strasse auf den Plan. Seitdem Regierungsrat Bösiger das Baudepartement des Kantons Bern übernommen hat, ist es im Strassenwesen ein gut Stück vorwärtsgegangen, dass alle Wünsche nicht auf einmal erfüllt werden können, ist für jedermann begreiflich. Will dagegen der Kanton Bern weiterhin im Ausbau seines Strassenwesens mit übrigen Kantonen Schritt halten — und es liegt dies im Interesse der bernischen Volkswirtschaft — so hat er zweifellos noch eine ganze Reihe an ihn herantretende Aufgaben zu erfüllen. Die Bemerkungen, Wünsche und Anfragen, die im Rate gefallen sind, haben ihre Berechtigung. Das Strassenbaugesetz von 1835 ist sicherlich veraltet, ein moderneres Gesetz ist notwendig geworden. Wenn auch zugegeben ist, dass mit neuen Strassenbaugesetzen, heute, da noch alles im Werden 'ist, vorsichtig umgegangen werden soll und es im Interesse aller wäre, wenn die Fragen auf eidgenössischem Boden geregelt werden könnten, so ist es anderseits notwendig, dass mit einem eventuellen kantonalen Strassenbaugesetz doch nicht allzulange zugewartet werde. Immerhin begreifen wir den Standpunkt des kantonalen Baudirektors in dieser Frage sehr gut. Welch grosses Interesse das bernische Oberland an einem guten Strassennetz besitzt, zeigen die Wünsche der Herren Grossräte Mühlemann und Messerli, die beide den Zustand der Passstrassen kritisierten und deren baldige Instandstellung verlangten. Aber auch andere Landesgegenden stellten sich mit ihren Begehren ein. Der Vertreter des Amtes Seftigen, Herr Grossrat Glaser, ist mit dem Unterhalt der Strassen in seinem Amte nicht zufrieden und wünscht ebenfalls deren rasche Instandstellung. Herr Grossrat Raaflaub plädierte für den besseren Unterhalt der beiden ältesten Zufahrtsstrassen nach Bern, den Aargauer- und den. Muristalden, und Herr Marschall sprach sich besonders für den Ausbau der Strasse Thörishaus-Gümmenen aus. Aus den Ausführungen des bernischen Baudirektors ging hervor, dass vom Bauprogramm 1924.320 km Strassenstrecken instand gestellt wurden und dass weitere 380 Kilometer für solche Arbeiten in Betracht fallen, wofür 15,2 Millionen Franken notwendig sind. Da der Kanton Bern mit einem Benzinzollanteil von 600,000 Franken rechnen kann und ihm zudem derjenige aus den Jahren 1925—1927 im Betrage von zwei Millionen Franken in Aussicht steht, glaubt die Baudirektion den meisten Ausbauwünschen Rechnung tragen zu können ohne ein Anleihen von vier Millionen mit achtjähriger Amortisationsfrist auflegen zu müssen. In erster Linie sollen die Ausbausträssen von Bern korrigiert und gepflastert werden. Da jedenfalls die Antwort des bernischen Baudirektors nicht allgemein befriedigen konnte und im Ausbau des bernischen Strässenwesens eine Verzögerung nicht eintreten sollte, wurde von Seite des Grossrates Messerli und 14 Kollegen eine Motion folgenden Inhalts eingereicht: «Mit Rücksicht auf das unaufhaltbare Anschwellen des Automobilverkehrs und der Ö[adiircH bedingten grössen VerkeftrsuttSieherheit wird der- Regierungsrat dringend.'eingeladen zu prüfen und beförderlichst Bericht und Antrag einzubringen: 1. Oh nicht das im Jahre 1924 vom Grossen Rat genehmigte Strassenbauprogramm betr. die Korrektion und den Ausbau der wichtigsten Durchgangsstrassen des Kantons Bern in beschleunigtem Tempo durchgeführt werden sollte. 2. Ob nicht für den Ausbau der Verbindungsstrassen ein umfassendes Projekt mit zeitlich umschriebener Bauzeit auszuarbeiten und zu finanzieren sei. 3. In welcher Weise der in Aussicht stehende Benzinzollanteil für den Ausbau der bernischen Strassen zu verwenden sei. Nicht nur in automobilistischen Kreisen wird diese Motion begrüsst werden. Wir sind gewiss, dass das ganze Bernervolk dem beschleunigten Ausbau unserer Durchgangsstrassen nur beipflichten wird. Es liegen derart grosse Verkehrsinteressen im Spiel, dass es für den Kanton Bern die schwerwiegendsten Folgen haben könnte, sollte er. wie früher, mit seinem Strassennetze hinter anderen Landesgegenden der Schweiz bleiben. Wir wissen auch, dass dies nicht im Willen des kantonalen Baudirektors liegt und dass-sich'die ganze Bernerregierung mit dem Grossen Rate wohl einer Anleihe nicht entgegenstellen wird, sofern sie die grosse Wichtigkeit des modernen Strassennetzes für das Wohl und Wehe der ganzen Bevölkerung einsehen werden. Da die Strasse auch heute noch, nicht nur von Automobilisten, sondern auch von andern Fahrzeugen und Fussgängern benutzt wird, ist es übrigens nicht gesagt, dass Strassen ausschliesslich aus Automobil- und Benzinzollsteuern erstellt werden müssen und die Allgemeinheit daran nichts mehr beizutragen hat. Der alte Grundsatz: Gleiches Recht aber auch gleiche Pflichten für Alle, darf auch auf diesem Gebiete nicht umgangen werden. K« Unser Aufomobil-Aussenhandel. D|e Ausfuhr im August 1928 hat sich gegenüber dem Monat des Vorjahres bereits vervierfacht. Leichte Erhöhung der Einfuhr. Während im August 1927 sowohl eine Senkung der Einfuhr als auch der Ausfuhr zu verzeichnen war, hat die Automobilausführ im August 1928 eine konstante und erfreuliche Erhöhung erfahren. Die Zahlen sprechen uns in eindringlicher Weise von den unablässigen Anstrengungen unserer Automobilindustrie. Was die Einfuhr anbelangt, so ist sie nur wenig gestiegen. Betrug der Einfuhrwert im August 1927 5,578,067 Franken, so im August dieses Jahres 6,069,980 Franken. Die Ausfuhrziffern haben sich dagegen beinahe vervierfacht. Betrug der Ausfuhrwert im August 1927 410,104 Franken, so hat er im August 1928 die Summe von 1,580,029 Franken erreicht. Auch die Einfuhrstücke sind im Rückgang begriffen, währenddem die Zähl der Ausfuhrstücke gestiegen ist. Die Einfuhr im August 1928. Stück Kg. Wert in Eh Total Deutschland a 8 15.76 20.375 b 1 1.78 2.097 c 4 28.64 13.911 d 28 318.93 162.862 e 9 135.35 77.500 f 9 306.75 212.748 g 18 155 h 60 660 490.308 Oesterreieh b 2 26 o I 5.75 5.000 d 6 71.84 54.450 f 1 25.07 20.355 g 79 500 80.331 Frankreich a 38 57.37 50.526 b 10 160 c 23 172.79 68.740 d 55 587.03 259.491 e 33 485.57 270.800 f 6 270.99 176.676 g 82 785 h 20 180 827.358 Italien a 6 13.76 11.201 *c 15 116.90 57.290 d 14 142.96 68.355 e 42 527.85 296.780 f 1 82.04 59.774 g 1 3.20 2.285 495.685 Belgien Holland Grossbritanien a 112 d 4 e 1 f 4 g b f a 243 b 5 Polen f Tschechoslovakei f Kanada f VereinigteStaatena 24 b 1 o 8 d 358 e 155 f 42 g h 4 137.52 44.54 13.70 93.16 15 50 31 348.01 10.88 4.93 324 25 44.66 4.46 65.89 4202.61 2158.37 915.23 9.06 59.64 116.044 20.200 8.000 67.040 70 200 340 339.504 14.282 5.073 320 40 150 39.573 3.065 19.932 1.712.899 1.184.510 614.672 8 327 211.354 540 358.899 320 40 150 22.017 3.604.995 August 1928 ä 431 617.08 577.223 b 7 17.74 19.830 o 51 390.02 164.913 d 492 6367.91 2.278.257 e 240 3320.84 1.837.590 f 63 1699.09 1.157.188 g 1 14.20 12.122 h 4 60.44 22.857 1289 11487.32 6.069.980 August 1927 a 393 452.08 441.774 b 8 20.61 16.132 c/i 722 8851.41 5.120.161 5.578.067 1123 9324.10 Zunahme der Einfuhren 491.913 Was die Einfuhr anbelangt, so nehmen die Vereinigten Staaten als Lieferanten immer noch die Spitze ein. Ihr Einfuhrkontingent beträgt im August 1928 3,604,995 Franken, d. h. 59,3% (58% im Juil 1928), gegenüber 2,466,631 oder 44,2% im August 1927. Die Hälfte des eingeführten Wertes bezieht sich auf Automobile und Chassis von 800 bis 1200 kg, währenddem diejenigen von 1200 bis 1600 kg einen Drittel der Einfuhr ausmachen. Frankreich und Italien nehmen den T O N Sir Michaels Abenteuer. Roman ron K. 0. R. Browne Copyright 1028 by Georg Müller, Verla*. Manchen. (35. Fortsetzung) «Sir Michael!» keuchte sie. «Sir Michael' Man hat mich bestohlen!» Eine Weile starrten sie sie an. Dann riefen beide wie ein Mann. «Was?» «Bestohlen hat man mich!» «Bestohlen ?> «Meinen Schmuck!» stiess Mrs. Bytheway hervor und rang die Hände. «Alles ist weg! Ich wollte es eben aus dem Schrank nehmen, und es war nicht mehr dort. Es ist weg — alles!» Es erfolgte eine kleine Pause, während die hocherregte Dame nach Atem rang und Mike sie noch immer anstarrte, da er zu erstaunt war, etwas anderes zu tun. Mr. Cherry, obwohl ebenso überrascht, zeigte sich doch der Situation gewachsen. «Aber — sind davon sicher?» «Natürlich bin ich sicher! Wir haben doch überall gesucht! Nein, es ist schon gestohlen, meine Schmuckkassette mit allem! Herbert! Herbert! Herbert!» rief sie nun, indem sich ihre Stimme zu einem durchdringenden Gekreisch steigerte. Mrs. Bytheways ärgster Feind hätte ihr nicht einen Mangel an Lungenkraft vorwerfen können. Ihr schriller Ruf durchdrang die morgendliche Stille, scheuchte eine Dohlenfamilie aus dem nächsten Baum und erschreckte einen der Untergärtner derartig, dass er sich mit der Hacke auf den Fuss schlug. Im Hause öffneten sich die Fenster und erschreckte Domestikengesichter lugten herab, und aus der Bibliothek steckte Mr. Bytheway sein Schafgesicht hervor. «Hast du mich gerufen, Hermine?» fragte er. — «Komm her, Herbert, man hat mich bestohlen!» «Was?» «Man hat mich bestohlen! Komm sofort her!» Ihr Gatte erschien nun auf der Terrasse, er kam im langsamen Trab näher, ein Markenalbum noch in der Hand. «Ich habe nicht recht verstanden, was du sagtest, meine Liebe » «Herbert, mein Schmuck ist gestohlen worden! Mein Halsband, meine Ringe und Broschen — alles! Ich habe sie gestern abend selbst aufgehoben und nun sind sie weg! Weg!» «Aber nicht doch», sagte Mr. Bytheway etwas unklar. «Weg* sag ich dir!» rief seine Gattin mit bebender Stimme. «Ich wollte eben eine Brosche aus dem Schrank nehmen, um etwas an der Nadel richten zu lassen und da sehe ich, dass alles fort ist.» «Aus dem Schrank?» fr agte Mr. Bytheway hilflos. «Meine Schmuckkässette! Ein Räuber war im Haus!» Mr. Bytheway fuhr zusammen und warf einen nervösen Blick über die Schulter. «O sicher nicht, Hermione!» «Schick augenblicklich nach der Polizei, Herbert!» Mr. Bytheway fuhr wieder zusammen. Wie bei den meisten Engländern kam seiner Bewunderung für die Polizei nur sein Widerstreben gleich, persönlich mit ihr etwas zu tun zu haben. «Aber, meine Liebe » «Schick um die Polizei!» Hier fand es Mr. Cherry, der ganz derselben Meinung war wie der Hausherr, an der Zeit, sich einzumischen. «Verzeihen Sie, Mrs. Bytheway, aber ich finde, es wäre besser, die Polizei nicht zu holen, ehe wir ganz sicher sind, dass ein Einbruch stattgefunden hat.» «Aber » «Es ist ja natürlich nur Ihre Angelegenheit,» fuhr'^er geschmeidig fort, «aber mir scheint es, als könne es doch noch eine Erklärung geben, die in der augenblicklichen Erregung übersehen wurde. Ich finde, man sollte eine gründliche Suche vornehmen, ehe man weitere Schritte unternimmt. Denn wenn wir die Polizei rufen und es stellt sich dann als überflüssig heraus — nun, dann», Mr. Cherry zuckte weltmännisch die Achseln, «dann spricht sich das herum, und die Leute werden lachen.» Er hatte ihren wunden Punkt berührt. Sie blieb einen Augenblick in tiefem Nachdenken versunken. «Da haben Sie nicht unrecht, Sir Michael», sagte sie. «Ich habe wohl überall gesucht, doch will ich weiter suchen, um ganz sicher zu gehen. Und ich will die Dienerschaft befragen. Komm, Herbert!» Sie setzte sich schwerfällig in Bewegung, von ihrem Gatten widerstrebend gefolgt. Als das Paar verschwunden war, wandte sich Mr. Cherry mit einem wütenden Blick zu Mike, der ihm denselben in gleicher Weise zurückgab. Sie hatten beide genau- denselben Gedanken. Weil Mike die Methode des Gauners nicht verstehen konnte, hegte er keinen Zweifel, dass dieser den Diebstahl begangen. Und Mr. Cherry war ebenso sicher, dass der Kerl von einem Sekretär der Schuldige sei, wenn ihm die Art seines Vorgehens auch ganz unverständlich blieb. «Also dies», sagte Mike, «ist sehV töricht von Ihnen, Bruderherz. Ich denke —» «Spielen Sie keine Komödie!», fuhr Mr. Cherry auf. «Also darauf ging es hinein, wie? Aber lassen Sie sich gesagt sein —» Er brach plötzlich ab, als Anne Kents schlanke Gestalt in der Tür erschien. Sie sah sich suchend um und kam dann rasch auf sie zu. Mr. Cherry keine Beachtung schenkend, wandte sie sich kurz an Mike. (Fortsetzung siebe im Autler-Feierabendi,