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E_1928_Zeitung_Nr.078

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AUTOMOBIL-REVUE - REVUE

AUTOMOBIL-REVUE - REVUE AUTOMOBILE 1928 — No ?8 Der geschmeidige sparsame komfortable Quali täts wagen. Am stehenden Berg - Kilonieterrennen Grand Saconnex, Genf, überzeugt Amilcar unbestritten. 1 ourenwagen, Klasse i5oo ccm: 1 »Amateur, Frl. Sarbach in 1.02.4(57.690km). Sportwagen, Klasse 1100 ccm: 1« Amateur, Frl. Sarbach in 52,4 (68.700 km). Beste Damenzeit. Rennwagen, Klasse 1100 ccm: 1» XL. Sarbadi schlägt den bestellenden Rekord in 36 Sek., erreicht die drittbeste Tageszeit mit der fabelbaften Durchschnittsgeschwindigkeit von 100 km. GENEVE uascu or a societe USfti^1^ ^#%^l B ü VW V Seul representant en Suisse: JaCQUGt, chemisier, G6R6V6,2, rue du Rhone; ZÜNCtl, Bahnhofstr. 12. Demandez lui son catalogue et ses echantillons.

Philosophie und Romantik au! Vollginnmi. Von Diogenes führt keine Entwicklungslinie zu — Henry Ford. «Diese Kind lehrt mich, dass ich immer noch etwas Ueberflässiges besitze!» rief Diogenes aus, als ein Kind sein Essgeschirr zerbrochen hatte. «Wir fangen erst an, die Hilfsquellen unseres Landes zu nutzen,» schreibt Henry Ford in der Einleitung zu seinem berühmten Werk. Zwischen diesen beiden Extremen, dem Philosoph, der uns belehrt, dass wir mit materiellen Gütern zu stark beschwert seien, und dem Techniker, der uns sagt, dass wir allein durch die Vervollkommnung der Maschine und deren Anwendung bessere soziale Zustände schaffen können, irrt, wie Henri Dubreuil in seiner interessanten Ford-Studie sagt, der europäische Geist immer noch umher. «Wir sind arm wie die alten Bettelsackphilosophen — freilich, ohne uns zu ihrem Geist zu bekennen! — und vor uns steht ein grosses, reiches — das amerikanische — Volk, dessen Seele nicht unter den gleichen — geschichtlichen! Erinnerungen zittert.» Der «klassisch» gebildete Europäer gefällt sich tatsächlich gelegentlich immer noch in neurasthenischen Zuständen, hysterischer Reizbarkeit, Schlaflosigkeit, wirkt DR. 0. SAMMETS Nervocalmin sehr beruhigend und nervenstärkend Central-Apotheke Zürich BAHNHOFSTRASSE 108, beim Hauptbahnhof. Prompter Versand. der zu nichts verpflichtenden Pose des Weltweisen, der den Techniker weit hinter den Philosophen rangiert. Was vom Standpunkt der Geistes-Automatik Macht oder Freiheit — die höchste Stufe bewussten Denkens! — ist, unterscheidet sich aber nicht wesentlich von dem kinematischen Prinzip der Erfindung und Vervollkommnung der Maschine. In der Verwirklichung des machinalen Gedankens spiegelt der Geist sich selbst, gewinnt er seine Autonomie, seine Selbständigkeit, seine Freiheit. Die Maschine — diese «eiserne Vernunft!» — ihr ist der Geist konstruktiv einverleibt — ist deshalb der Masstab kultureller Entwicklung. «Die Mechanik und die Wissenschaft vom persönlichen Geist ringen nach demselben Ideal.» Der Techniker ist ein Philosoph, der Philosoph ein Techniker. Den Begriff der Maschine erfassen heisst, verstehen, wohin die Entwicklung der Menschheit zielt: Die elementare Welt durch den menschlichen Willen zu beherrschen. Das ausschlaggebende Interesse an der Maschine ist die Beziehung auf menschliche Zwecke und Bedürfnisse. Ein Grundbedürfnis der Menschheit ist die «Bewegungserzwingung». «Im Beginn seiner Bahn half sich der Mensch, so gut es «gehen» wollte! «Im machinalen Gedanken offenbart sich der wunderbare Trieb nach Ausdehnung der menschlichen Machtsphäre. Dieser Trieb ist — wie Reuleaux sagt — den einzelnen Menschenrassen ungleich zugemessen und Hess sie deshalb ungleich zur Entwicklung kommen. Die Maschine — heisst es in seiner «Bedeutung der Maschine für die Menschheit — ist «ein allumfassender •• Begriff, ein weltgeschichtlicher Ausdruck des letzten geistigen Strebens der Menschheit». Sie wird die Menschheit freier und unabhängiger machen ven Raum und Zeit, sie der Erfüllung ihres ältesten Traumes näher~ bringen. Selbst Proudhon sah in der, Maschine eine Rebellion des Geistes gegen die Unfreiheit, wenn er sagte: «In der Gesellschaft ist das Erscheinen der Maschine Antithese, die umgekehrte Formel der Arbeitsteilung. Sie ist der Protest des industriellen Genies gegen die,zerstückelte und mörderische Arbeit.» Ein Träger dieser Ideen ist Henry Ford. Den maschinellen Fortschritt weiter und weiter vorzutreiben, um den ungeheuren Zeitund Kraftaufwand, den die Menschheit heute noch auf die Befriedigung materieller Bedürfnisse verwendet und verschwendet, mehr und mehr zu vermindern, ist sein Ideal. Maschinismus — sagt Ford wiederholt — ist das Mittel zum sozialen und geistigen Aufstieg der Menschheit. Maschinismus ist geisttötend, ohne Poesie, ohne Romantik, sagen — von «Drang nach reiner Geistigkeit (!!) beseelt» — seine Gegner. Mit Verlaub, ihr Freunde von der andern Fakultät! Unrecht wie eure Begeisterung für die alte Bettelsackphilosophie ist eure rückwärtsgerichtete romantische Sehnsucht! Ihr schwärmt für Postkutschenpoesie und geratet in Harnisch, wenn der Express einmal fünf Minuten Verspätung hat! Eure Gefühle verwirren sich — ihr fahrt mit der Stange im Nebel herum! — legt man euch auf die Erklärung des Begriffes eurer Romantik fest. Ihr versteht darunter das Herumvagabundieren in nebelhaften Gefühlskomplexen. Der Maschinismus — sagt ihr — habe die Poesie erschlagen. Das ist ein Irrtum. Die Technik hat im Gegenteil die Poesie erst auf die Beine gestellt, hat die zarte Fee mit Siebenmeilenstiefelchen chaussiert, hat ihr Dädalusflügel verliehen. Als Justinus Kerner, der Dichter und Arzt, gelegentlich der Eröffnung der ersten Eisenbahn zwischen Nürnberg und Fürth in bewegliche Klagen über den bevorstehenden Tod der alten Landstrassenpoesie ausbrach, antwortete ihm sein grosser Bruder in Apoll — Gottfried Keller — die Schönheit der Technik dithyramisch preisend: «Was deine alten Pergamente Von tollem Zauber kund dir tun, Das seh' ich durch die Elemente Im Geistesdienst verwirklicht nun. Ich seh' sie keuchend glüh'n und sprühen, Stahlschimmernd bauen Land und Stadt, Indes das Menschenkind zu blühen Und singen wieder Müsse hat. Und wenn vielleicht in hundert Jahren, Ein Luftschiff hoch mit Griechenwein Durchs Morgenrot kam' hergefahren — Wer möchte da nicht Fährmann sein?» Beim Apoll, Gottfried Keller hat gut prophezeit, der. gute Justinus Kerner aber weidlich übertrieben; denn — beim Hermes, ihr Brüder von der reinen Geistigkeit i — die Schattenseiten des Reisens in jener guten alten Zeit waren, bei Licht besehen, beträchtlich. So beklagte sich Sophie von Schwerin wiederholt in ihren Briefen bitter über die Mühsale einer Postkutschenfahrt. Da in den meisten kleinen Stäcften die «Post mit Bürgerpferden bedient» wurde, diese aber mehf als einem Zweck dienten und nicht «auf die Ungewisse Erscheinung einer Extrapost vergeblich warten» konnten, fanden sie die titl. Reisenden bei ihrer Ankunft auf einer Station meist auf der Weide, wo sie dann mit grosser Mühe eingefangen und eins nach dem andern angebunden wurden. Was diesen Bürgerpferden an Qualität abging, ward durch die Quantität reichlich ersetzt; denn, wenn auch für jeden Wagen nur sechs Pferde bestellt und bezahlt waren, so wurden meist acht bis zehn, ja zwölf dieser «katzenartigen (!!) Geschöpfe» angespannt. «Da nun aber jedes beinahe einen andern Her r n hatte, und keiner das seine fremder Willkür anvertrauen wollte, so mehrte sich mit der Zahl der Pferde auch die der Begleiter, die teils neben, teils auf dem Wagen die Fahrt mitmachten. Die grösste Schwierigkeit fand sich nun aber noch beim Anspannen mit so verschiedenartigem Geschirr und Sielenzeug. Erst nach dem ersten Anziehen, welches mit unsäglicher Anstrengung, Geschrei und Peitschenhieben den schweren Wagen aus dem tiefen Sande hob, konnte überschlagen werden, wieviel Stricke und Strippen reissen und wieviel halten könnten, und wenn dann alles von neuem zusammengeknüppert war, ging die Reise weiter.» (Aus Sophie von Schwerin, ein Lebensbild, von A. v. Romberg). Gewiss ein einzigartiges romantisches Erlebnis, eine solche Fahrt in der Postkutsche, bespannt mit sechs bis zwölf «katzenartigen Geschöpfen!» Bis zu zwölf verschiedene Hafermotore mit Seitensprüngen vor einer Postkutsche! Beim Hermes — ein Anblick für nektartrunkene Götter! Wirklich ein seltsames Gewächs, die «blaue Blume» dieser Reiseromantik! Und ihr klagt, Freunde, dass sie auf dem Asphalt nicht mehr gedeihen könne! Kurzsichtige (mit Intelligenzbrillen) — die ihr seid! Die blaue Blume blüht noch immer und schöner als je! Hundertpferdig rollt die Romantik durch und um die Welt! Diese Romantik — sagt ihr — rieche nach Benzin! Freunde, ihr seht die Welt aus der Sperlingsperspektive: «Das Auto, das stinkt nur und wirft uns nichts ab! «Der Spatzen Klagelied — von einem Komiker erlauscht! — ins romantische übersetzt: «Wie herrlich waren doch die gleich Aepfeln der Hesperiden .geformten und gefärbten duftenden Gaben der Rosmatite!» Auch ihr/Freunde verflossener Romantik, trauert wie die Sperlinge dem Geschlecht der Rosinante nach. Dieses Geschlecht ist hinter dem Tempo der Zeit, vom Benzinross mit ungezählten Pferdelängen distanziert, zurückgeblieben. Kein racer der Welt hat Nerven wie das Benzinross, kein frommer Kaltblütler aus hippischem Geschlecht seine Kräfte, kein noch so dickes Brauerpferd seine Geduld! Nur rückfällige Poeten — sagt man — besteigen nach den Pegasos (er hat wahrhaftig auch seine Schuldigkeit getan); moderne Sir Michaels Abenteuer. Roman ron K. 0. R. Browne. Gopyright 1928 by Georg Müller, Verlag, München. (Portsetzung vom Hauptblatt.) «Ich habe mit Ihnen zu sprechen, Mr. James.» «Bitte», sagte Mike und vergass augenblicklich Mr. Cherry mit allen seinen Taten. Er ging an. ihrer Seite weg, während ihm sein Gegner mit ausserordentlich unangenehmen Ausdruck nachschaute. Am Ende der Terrasse blieb Anne stehen und blickte Mike gerade ins Gesicht. Er lächelte sie froh und verzeihend an, denn er meinte, sie sei bei näherer Ueberlegung zur Einsicht gekommen, dass ihre feindselige Haltung gegen ihn ungerecht gewiesen, und käme nun, ihn deshalb um Entschuldigung zu bitten. Er war grossmütig gestimmt. «Ich freue mich zu sehen,» bemerkte er, «dass Sie anderen Sinnes geworden sind. Sie sagten gestern, wenn ich nicht gleich verschwände, würden Sie allen alles erzählen. Ich weiss zwar nicht, was Sie erzählen hätten können, aber ich freue mich doch, dass Sie es nicht getan haben.» Anne errötete leicht. «Mr. James,» sagte sie mit einer Stimme, die zu gleichen Teilen aus Eis und Stahl bestand, «wollen Sie ihn, bitte, gleich zurückgeben?» «Wie?», sagte Mike überrascht. «Ihn zurückgeben? Was zurückgeben?» «Sie wissen es!» «Ich weiss nichts!» «Mrs. Bytheways Schmuck», sagte Anne kurz und deutlich. «Was?* Anne machte eine ungeduldige Bewegung. «Ach, bemühen Sie sich doch nicht mehr! Ich weiss, Sie haben ihn und Sie müssen ihn zurückgeben.» Mike schluckte mühsam. *«Aber, mein liebes Mä ich habe ihn nicht. Wie auf der Welt ?» «Bitte», sagte Anne müde, «versuchen Sie doch nicht zu leugnen. Schauen Sie, ich weiss, dass Sie ihn 'haben.» Mike schüttelte den Kopf wie betäubt. «Das verstehe ich nicht. Wieso wollen Sie das wissen?» «Weil ich gesehen habe, wie Sie ihn genommen haben.» «Sie haben mich gesehen — ah — hören Sie » «Ich meine das erstemal.» «Ich werde hoffentlich gleich aufwachen», sagte Mike. «Was meinen Sie denn mit dem ersten Mal?» Ach, ich .habe Sie nicht gerade gesehen, wie Sie den Schrank plünderten,» sagte Anne scharf, «aber gleich danach sah ich Sie. Die Hauptsache ist, werden Sie ihn zurückstellen? Mike schöpfte tief Atem. «Schauen Sie», sagte er, «wir müssen das klarstellen. Ich verstehe nicht im mindesten, wovon Sie sprechen. Ich versichere Sie, dass ich die blöden Sachen nicht habe. Ich — habe — die — blöden — Sachen — nicht. Ich möchte sie gar nicht haben. Brauche sie nicht. Habe sie nie gel —» «Ach, seien Sie doch ruhig!», rief Anne. «Was nützt denn dieses Reden?» Sie zögerte einen Augenblick, dann fuhr sie rasch fort. «Schauen Sie, wenn Sie sie zurückgeben und — und gleich fortgehen — dann — dann will ich nichts sagen. Sie — Sie haben mir einmal einen Dienst erwiesen und es wäre mir schrecklich — aber Sie müssen sie augenblicklich zurückstellen, sonst —» «Mr. James!,» rief eine Stimme, eine laute, herrische Stimme. Mike wandte sich um. In der Bibliothektür stand Mrs. Bytheways mächtige Gestalt und ihr Gesicht trug einen bitterbösen Ausdruck. Es war ein unheilvolles Gesicht, ein gewitterndes Gesicht, ein Gesicht, das üble Dinge vorauszusagen schien. «Ja», sagte Mike, dem das Gesicht missfiel. «Kommen Sie her!» «Wie, bitte?» «Kommen Sie — her!» Mike zögerte und schaute Anne an. Zu seiner Ueberraschung sah er, dass sie tief erblasst war. «Oh», sagte sie in zornigem Flüsterton. «Warum sind Sie nicht gegangen, solange Sie konnten?» Und damit wandte sie sich und entfloh die Terrasse entlang. Mike ging langsam und vollständig verwirrt auf das Haus zu. Jetzt traten die Ereignisse so rasch ein, dass er sich ihnen nicht gewachsen fühlte. Er begriff zum Beispiel nicht im mindesten Annes Benehmen und ebensowenig verstand er, warum ihn Mrs. Byheway so niederschmetternd anschaute, als sei er eines Verbrechens überführt. «Kommen Sie her!» sagte sie und ihre Stimme klang wie das Schicksal. Mike trat über die Schwelle. Im selben Augenblick öffnete sich die Tür von der Halle und Mr. Bytheway schob sich herein. Sein Gesicht zeigte beträchtliche Besorgnis, das sanfte Auge weilte furchtsam auf dem Antlitz seiner- Gattin. «Du brauchst mich, Hermione?» Ein versengender Blick traf ihn. «Jawohl», schnob sie ihn an. In der Hand hielt sie einen Brief, mit dem sie ihm plötzlich so vor den Augen herumfuchtelte, dass er zurückfuhr und gegen einen Sessel anstiess* in den er dann zusammensank — ein Häufchen Unglück! «Dieser Brief», sagte Mrs. Bytheway, «ist von Squirl und Mumpeter!» «Squirl und Mumpeter,» murmelte Mr. Bytheway, «der Name kommt mir bekannt vor, aber ich kann mich nicht recht erinnern — ich fürchte, er ist mir entfa » «Ich werde ihn vorlesen!» sagte seine Gattin. «Vielleicht erinnerst du dich dann!» Sie räusperte sich und las mit gänzlich ausdrucksloser Stimme. «Sehr geehrte gnädige Frau! Bezugnehmend auf Ihre kürzliche Nachfrage wegen eines Sekretärs für Ihren Herrn Gemahl, bemerken wir, dass Mr. Bytheway am 2. d. M. nicht, wie vereinbart war, in unserer Filiale Bedford eingetroffen ist, um sich, Mr. Gooch anzusehen. Wir wären Ihnen daher sehr verbunden, ob Sie schon anderweitig versehen sind oder ob wir unsere Bemühungen noch fortsetzen sollen.» Die ausdruckslose Stimme schwieg und eine kurze, schreckliche Pause entstand. Mike sah Mr. Bytheway an. Dieser erschauerte, versank noch tiefer in seinen Stuhl und schaute Mike an; in seinem Blick lag Verzweiflung und die Bitte um Hilfe von einem Verschwörer an den andern. Mrs. Bytheways kaltes vorstehendes Auge durchbohrte erst Mike, dann ihren Gatten. Die Temperatur des Zimmers fiel um einige Grade. «Herbert,» sagte Mrs. Bytheway, «wer ist dieser Mensch?» Vierzehntes Kapitel. Am anderen Ende der Terrasse brütete Mr. Cherry finster über unschönen Gedanken. Finster hatte er die kurze Unterhaltung von Anne und Mike beobachtet; dann Mrs. Bytheways herrischen Ruf gehört, gesehen, wie die Gouvernante ins Haus stürzte und endlich den Sekretär durch die Fenstertür in der Bibliothek verschwinden gesehen. Danach drang nur mehr undeutliches Gemurmel zu ihm. {Fortsetzung folgt.)