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E_1931_Zeitung_Nr.008

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Ausgäbet Deutsch« Schwete BERN, Freitag, 30. Januar 1931 Nummer 20 Cts. 27. Jährgang. — N° 8 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Erscheint Jeden Dienstag und Freitag Monatlich „Gelb« Liste** Halbjlhrtleb Fr. 5.-, jahrlich Fr. 10.-. Im Ausland unter Portcnraehtag, •olern nicht postamtlich bestellt. Zuschlag rar postamtliche Bestellung 30 REDAKTION n. ADMINISTRATION: Breltenrainstr. 97, Bern Rappen. Posteheck-Rcchnuns 111/414. Telephon Bollwerk 39.84 Telegramm-Adresse: Autorevue. Bern INSERT1O\S-PBEIS: Die aehtgespaltene 2 mrn hohe Grundzeile ode» deren Raum 45 Cts. für die Schweiz; für Anzeigen aus dem Ausland 60 CU. Grössere Inserate nach Seitentaril. Inseratenschluss 4 Tage vor Erscheinen der Kammern Der „Halter" des Automobils Die Botschaft zum Entwurf des eidg. Automobilgesetzes bemerkt, es erscheine überflüssig, den Halterbegriff im Gesetze besonders zu definieren; gibt aber dann doch folgende Anhaltspunkte, aus denen ungefähr E U I L L Ramosi Eine begriffliche Auseinandersetzung Roman von V. Williams. 'Ans dem Englischen übersetzt von Otto Element. (13. Fortaetzuns) «Er hat recht!» meinte Joan. «Dieser Ali, sehr schlechter Mensch!» bemerkte Mussa nachdenklich. «Ich glaube, er wird vielleicht Schlimmes tun gegen Miestär Cradock ... !» Am Fuss der langen Rampe, über die vor mehr als dreissig Jahrhunderten leichte Wagen zum Tempel der Pharaonin Hatschepsut gerast waren, warteten ihre Esel. Sie ritten durch den goldenen Glanz des Nachmittags zum Nil zurück. Dort Hessen sie die Tiere aus dem Fluss ihren Durst löschen, und vom Sattel befreit, sich im warmen Sande kollern. Den Strom überquerten sie mit einer kleinen Fähre des Hotels, deren Bootsmänner zum Rudertakt ein eintöniges Liedchen summten. An der Landungsbrücke entliess Joan Mussa für den Rest des Tages und schritt langsam den Weg zwischen den bunten Blumenbeeten hinauf. Auf der Strasse vor dem Hotel schien ganz Luksor versammelt. Touristen kehrten von ihren Ausflügen heim und helle Kleider schimmerten unter den kühlen Arkaden, wo schöne Frauen die kostbare Ware indischer Seidenhändler bewunderten. Von der Terrasse, wo die Teetische standen, hörte Joan ihren Vornamen rufen. Eine weissgekleidete Gestalt lief ihr winkend entgegen. ersichtlich ist, wie der Begriff aufzufassen ist «Der Halter braucht nicht notwendigerweise der Führer oder Eigentümer des Motorfahrzeugs zu sein. Halter ist derjenige, zu dessen Haus oder Betrieb das Motorfahrzeug im Zeitpunkt des Unfalles gehört, das heisst derjenige, der den wirtschaftlichen Nutzen des Fahrzeuges hat, mag er Eigentümer sein oder nicht. Ein verursachter Schaden soll eben von demjenigen getragen werden, dem der Vorteil des Motorfahrzeuges zukommt.» In der Expertenkommission wurde von Herrn Guinand folgende Definition vorgeschlagen: « Le possesseur, au sens de la präsente loi, est celui qui a sous sa garde le vehicule automobile, qui s'en sert pour son propre compte, en retire les Profits et en supporte les charges charges et qui notamment est titulaire de l'assurance de responsabilite civile du v6hicule.» Zweck dieses Artikes ist nicht, zu prüfen, ob die Unterlassung einer Definition des immerhin sehr wichtigen Begriffs — man denke zum Beispiel an die Deckung des Schadens über die Versicherungssumme hinaus — zweckmässig ist, sondern auf einen Entscheid des Bezirksgerichts Zürich hinzuweisen, der auf die Stellungnahme der Gerichte zu dieser Frage einen interessanten Ausblick gibt. Das Bezirksgericht Zürich hatte folgenden Tatbestand nach deutschem Recht zu beurteilen, was aber die Anwendung der gleichen Grundsätze für das schweizerische Recht nicht hindern dürfte: Der Autolenker, dem ein tödlicher Unfall zustiess, fuhr als Angestellter seiner Ehefrau als Inhaberin einer Handelsfirma auf einem Wagen, der wegen Reparatur des eigenen Autos von einem Dritten gegen Entgelt geliehen worden war. Die Ehefrau wurde als Halterin des Autos solidarisch mit dem Lenker zur Deckung des Schadens verurteilt. Dabei wurde — selbstverständlich immer in Anlehnung an die deutsche Praxis — zunächst zurückgewiesen, dass in Analogie zum Begriffe des «Tierhalters» ein Gebrauch von einer gewissen Zeitdauer erforderlich sei, denn beim Automobil komme der Gesichtspunkt der gegenseitigen Angewöhnung für die Beaufsichtigung, wie beim Tier, nicht in Betracht. Die Benützung für einen Tag sei auch nicht als vorübergehender Gebrauch aufzufassen. Viel eher ergebe sich die Abgrenzung des Begriffs des Halters aus dem Umstände, wer den Führer gestellt habe. Wenn der Vermieter den Wagen mit Führer zur Verfügung stelle, sobleibe er Halter, werde der Führer aber vom Mieter gestellt, so sei dieser auch als Halter aufzufassen. Ist dieses Kriterium auch für den Begriff des Halters im neuen Entwurf berechtigt ? Vor allem ergibt sich, dass man mit den in der Botschaft gegebenen Anhaltspunkten nicht auskommen wird. Den wirtschaftlichen Nutzen des Autos hatte in diesem Falle schliesslich ausser dem Vermieter, der den Mietzins bezog, auch die Firma, welche ihre Waren auf dem Auto transportieren Hess, wozu darauf hingewiesen werden soll, dass nach deutschem Recht nicht ausgeschlossen ist, in gewissen Fällen Mieter und Vermieter als Halter aufzufassen. Auf die Stellung des Führers ganz oder im Zweifelsfalle abzustellen, scheint mir deshalb richtig, weil die Ursache der Unfälle und damit der Haftung wesentlich von der Person des Führers abhängen und es deshalb nicht ungerecht ist, wenn die Folgen eben auf den Geschäftsherrn des Führers fallen. Einem Vermieter noch die Verpflichtung aufzubürden, sich über die Person des vom Mieter gestellten Führers zu erkundigen, geht zu weit, allerhöchstens sollte er sich im Zweifel überzeugen, ob die Führerbewilligung erteilt sei. Auch für den Geschädigten ist diese Lösung nicht unbefriedigend. Er hat gegen den Mieter als Halter, trotz Abschluss der Versicherung, mit dem frühern Halter, dem Vermieter, gemäss Entwurf Art. 39, Anspruch auf Deckung durch die Versicherung, da der alte Halter bis zur amtlichen Uebertragung des Fahrzeugausweises im Rahmen der Versicherung, also insbesonders in der Höhe der Versicherungssumme, haftbar bleibt. Damit bleibt natürlich auch die Haftung seiner Versicherungsgesellschaft bestehen, gegen welche deshalb, meiner Ansicht nach, der Geschädigte auch in diesem Falle, gemäss Art. 47, direkt klagen kann. Auch für die Haftpflichtversicherung hat die Lösung keine Bedenken. Sie wird allerdings beim Abschluss darauf abstellen, wer voraussichtlich das Auto lenken wird, aber sie könnte bei Abweichungen von ihren Voraussetzungen oder von diesbezüglichen Erklärungen des Versicherungsnehmers dem Geschädigten keine ihre Leistungspflicht kürzende Einrede entgegenhalten (Entwurf Art. 48). Dagegen ergibt sich eine gewisse Schwierigkeit gegenüber der Bestimmung des Art. 8, wonach bei einem Wechsel des Halters der Fahrzeugausweis, bei Vermeidung von einer Ordnungsbusse, binnen 14 Tagen übertragen werden muss, da für kurze Mietdauer der Verwaltungsapparat zu schwerfällig wäre. Auch Art. 46, Abs. 2, wonach die Versicherung das Recht hat, bei einem Wechsel des Halters vom Versicherungsvertrag zurückzutreten, würde in solchen Fällen nicht befriedigen. Aus diesen Gründen aber die Stellung des Führers für die Auslegung des «Halter »-Begriffes nicht zu verwenden, scheint mir nicht richtig zu sein. Die hinderlichen Bestimmungen sind vielmehr dahin auszulegen, dass sie nur gelten, wenn der «Wechsel» des Halters von gewisser Dauer ist, besonders ein abermaliger Wechsel auf den frühern Halter nicht in Aussicht genommen ist. So wird blosse Vermietung nicht als Wechsel gemäss Art. 8 aufzufassen sein und die Versicherungsgesellschaften werden sich wohl damit begnügen können, sich beim Abschlüsse gewisse Zusicherungen über den Gebrauch des Wagens durch Mieter etc. geben zu lassen, damit ihnen bei Uebertretung derselben der Regress gemäss Art. 48, Abs. 2 zusteht. Mit Guinand für den «Halten-Begriff auf den Inhaber der Police abzustellen, scheint mir bei der scharfen Haftung des Halters iür Dritte nicht angemessen. Es wird dabei auch zu wenig berücksichtigt, dass die Versicherung doch weniger an der Person des Abschliessenden, als am Wagen selbst haftet. Gerade der Uebergang der Versicherung auf den neuen Halter zeigt, dass die Unfälle gedeckt sein sollen, welche durch den Gebrauch des Wagens ohne grundsätzliche Rücksicht auf die Person des Führers verursacht werden. Dr. H. Meyer-Wild, Zürich, Mehr als 18.000 neue Verkehrsbewilligungen Vom 1. Januar bis 31. Dezember 1930 Im Jahre 1930 wurden genau 18,389 neue Verkehrsbewilligungen ausgestellt. — Der Monat Dezember verzeichnet 424 neu in den Verkehr gestellte Motorfahrzeuge. «Molly!» Joans Gedanken flogen zu einer langen, dunklen Pinienallee zurück, die angenehm nach Harz duftete und in der zwei junge Mädchen, eine mit glatten braunen Haaren, die andere sehr blond und niedlich, in ihren schwarzen Klosterkleidern für die Schwester Tannenzapfen sammelten. Sie hatte Molly Dalton seit jener Zeit nicht wiedergesehen, als sie vor dem Krieg gemeinsam im Brüsseler Kloster ihre Pensionszeit verlebten. Wie alt sie sich bei dieser Erinnerung vorkam! Zehn Jahre waren vergangen seit dem Abschiedsmahl, wo sie sich mit allerlei Versprechungen für das nächste Schuljahr in der Pinienallee getrennt hatten, ohne zu wissen, dass es kein nächstes Schuljahr mehr geben werde und dass das Schweigen über dem friedlichen Klosterpark nur die Stille vor dem Sturm war. Einen Monat später zitterten Brüssels Strassen unter den Tritten feldgrauer Bataillone und dem Rattern der Munitionswagen, und die Luft bebte vom fernen Dröhnen der Geschütze. Und hier war nun Molly Dalton wieder — so hübsch wie nur je, mit den hellrosa Wangen und den sanften Veilchenaugen, mit Haaren, die zwar nach der Mode geschnitten waren, sich aber doch in schönen Wellen um ihren schlanken Hals schmiegten. «Joan, Liebling!» rief Molly. «Du in Aegypten? Dich schickt der Himmel! Komm' schnell, sonst ist er wes!» Molly packte die wiedergefundene Freundin am Arm und fegte mit ihr den Kai entlang. «Aber Molly. Wo? Wer?» «Beim Tempel! Morgen ist der letzte Vollmondstag! Und Papa hat Leibweh. Oh, bitte, beeile dich, sonst wird er schon fort sein!» «Aber, mein Kind, ich bin ja ganz schmutzig! Ich muss baden und mich umziehen ...» «Das macht nichts! Es ist ja nur Colin...» «Wer ist das?» «Ein Künstler! Er ist Zeichner bei der schottischen Ausgrabungsgesellschaft, die dort drüben arbeitet. Wir sind — — wir sind verlobt. Und, Joan, du bist doch verheiratet, nicht? Ja, natürlich, ich erinnere mich genau!» Joan Averil blieb atemlos stehen. «Meine Liebe, du bringst mich um! Ich bin den ganzen Tag auf den Bergen umhergeklettert und kann dieses Tempo unmöglich aushalten. Wohin gehen wir?» «Nur bis zum Luksor-Tempel. Er skizziert dort. Wenigstens tat er so, als ich ihn vor einer Stunde verliess...!» Sie legte die hohle Hand an den Mund und schrie: «Colin, Colin!» Von den gelben Säulen am Ende der Promenade klang ein Ruf durch die stille Luft zu ihnen herüber. «Gott sei Dank, er ist noch da!» sprudelte Molly vergnügt. «Komm' nur, Joanie, er wird dir alles erklären.» In dem viereckigen Hof, mit seinen doppelreihigen Säulenreihen, erhob sich ein rothaariger Jüngling von seiner Staffelei. «Colin!» rief Molly begeistert. «Wir sind gerettet! Das ist Joan Willmot, die in der Schule in Brüssel meine beste Freundin war. Und sie ist verheiratet. Öu hast mir damals ein Stückchen deines Hochzeitskuchen aus Amerika geschickt, erinnerst du dich, Joan?» Das Dezember-Ergebnis. Der Monat Dezember weist, wie immer, eine sehr geringe Vermehrung der neuen Verkehrsbewilligungen auf. Im Vergleich zum Jahresergebnis stellt die Dezemberziffer statt etwa 8 Prozent nur 2—3 Prozent aller in diesem Jahre ausgestellten Verkehrsbewilligungen dar. Die Gründe liegen hier nicht nur in den Auswirkungen der Krise auf den Automobilmarkt, sondern auch darin, dass nur wenige Motorfahrzeugbesitzer im letzten Monat noch eine Steuer für 3 bzw. 6 Monate zu zahlen geneigt sind. Anderseits ist zu konstatieren, dass einzelne Kantone begännet», die Ausstellung von Verkehrsbewilligungen in den letzten Wochen vor Jahresende zu si» stieren, so Bern für den 20.—31. Dezember. Die Zunahme von 424 Motorfahrzeugen für den Monat Dezember 1930 ist im Vergleich zum Vorjahre gering, denn im Dezember 1929 gelangten 486 Motorfahrzeuge in den Verkehr. Gegenüber dem Vormonat November, der 573 in den Verkehr gestellte Motorfahrzeuge notierte, ist ein noch grösserer Rückgang zu erkennen. Der Rückgang gegenüber dem Monat Dezember 1929 fällt restlos auf Nachdem sich der junge Mann die Hand an einem Leinwandfetzen abgewischt hatte, reichte er sie Joan. «Das trifft sich ausgezeichnet!» erklärte er. «Wie nett von Ihnen, dass Sie Mollys Gardedame spielen wollen! Dann ist ja alles in Ordnung, nicht?» Joan blickte amüsiert von einem zum andern. «Hätte einer von euch vielleicht die Liebenswürdigkeit, mir zu verraten, worum es sich handelt?» «Aber Molly!» schalt der Maler. «Hast da ihr denn noch nichts gesagt?» «Sag' du's ihr doch!» schmollte seine Braut. «Nun,» begann Colin langsam, «es ist nämlich so: Ich bin mit einer Forschungsexpedition hier und wohne in einem Hause drüben am Berge. Molly möchte unbedingt einmal den Mond über dem Gebirge aufgehen sehen. Dazu muss sie die Nacht in meinem Heim verbringen, denn die Strassen auf der anderen Seite sind nach Einbruch der Finsternis nicht allzu sicher. Jedenfalls kann man keinen Eseltreiber dazu bewegen, nächtlicherweise da zu gehen, denn sie fürchten sich jämmerlich vor den dort spukenden Geistern. Der Mann, mit dem ich zusammenwohne, fährt heute abend nach Kairo und so wird sein Zimmer frei. Mollys Vater hätte mitkommen sollen, aber er leidet an ägyptischen Leibschmerzen. Und morgen ist die letzte Vollmondnacht. Den nächsten Vollmond wird Molly hier nicht mehr sehen, weil sie in der kommenden Woche abreist. Selbstverständlich kann sie nicht die Nacht allein bei mir bleiben. So dachte ich, das heisst Molly meinte — wenn sie eine verheiratete Frau fände...»