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E_1936_Zeitung_Nr.054

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F E U I L L E T O N Der

F E U I L L E T O N Der Seewolf. von Jack London. 42. Fortsetzung. «Jetzt ist mir wieder gut», sagte sie und blickte mich dankbar an. «Lassen Sie uns weitergehen.» Eine Viertelstunde landeinwärts stiessen wir auf die jungen Bullen, die sich hier in der Einsamkeit ihres Junggesellendaseins austobten und Kraft sammelten für die Tage, da säe sich die Würde von Ehemännern erkämpfen sollten. Jetzt ging ailes glatt. Ich wusste genau, was ich zu tun hatte. Ich schrie, machte drohende Bewegungen mit dem Knüppel und stiess die Faulsten sogar mit dem Riemen, und auf diese Weise schnitt ich schnell einige zwanzig der jungen Burschen von ihren Kameraden ab. Ich trieb die kleine Herde einige hundert Schritt weiter landeinwärts, und als Maud mich einholte, hatte ich bereits das Abschlachten beendet und war dabei, die Tiere abzuhäuten. Eine Stunde später machten wir uns stolz auf den Rückweg, den Pfad zwischen den Harems entlang. Zweimal machten wir noch den Weg und kehrten mit Häuten beladen zurück, dann glaubte ich, genug für unser Dach zu haben. «Es ist gerade wie eine Heimkehr», sagte Maud, als ich das Boot auf den Strand laufen Hess. Ihre Worte weckten ein zitterndes Echo in meiner Seele, alles war mir so lieb und vertraut, und ich sagte: «Mir ist, als hätte ich stets dieses Leben gelebt. Die Welt der Bücher und Buchgelehrten ist so unwirklich, eher Traum als Tatsache. Es ist sicher, dass ich alle meine Tage gejagt und gekämpft habe. Und Sie scheinen auch ein Teil davon zu sein. Sie sind » ich war nahe daran, «mein Weib, meine Gefährtin» zu sagen, besann mich aber noch und sagte schnell: «Sie haben die Prüfung gut bestanden.» Aber ihr Ohr hatte mein Stocken bemerkt, und sie warf mir einen raschen Blick zu. «Das wollten Sie nicht sagen.» «Nein, sondern dass die grosse Dichterin Maud Brewster jetzt das Leben einer Wilden führt und sich glänzend damit abfindet», sagte ich leichthin. «Oh!» war alles, was sie antwortete. Aber ich hätte schwören mögen, einen Klang von Enttäuschung in ihrer Stimme zu hören. Doch .mein Weib, meine Gefährtin' hallte in mir den Rest des Tages und noch manchen andern Tag nach, nie aber lauter als an diesem Abend, als sie das Moos von den glimmenden Scheiten nahm, das Feuer anfachte und das Abendbrot kochte. Geheime Wildheit musste in mir wachgerüttelt sein, denn die alten Worte, die so eng mit den Wurzeln der Urrasse verbunden waren, packten und durchschauerten mich. Und ich hörte sie, bis ich, sie vor mich hinmurmelnd, einschlief. Ich erwachte mit einem drückenden, geheimnisvollen Gefühl. Etwas in meiner Umgebung schien mir zu fehlen. Aber das Geheimnisvolle und Drückende verschwand, als ich einige Augenblicke wach gelegen hatte und mir darüber klar geworden war, was mär fehlte: Es war der Wind. Ich war in einem Zustand der Nervenanspannung eingeschlafen, wie man ihn beim Vernehmen andauernder Geräusche oder Bewegungen bekommt, und erwacht war ich noch gespannt und vorbereitet auf einen Druck, der nun nicht mehr auf mir lastete. # Es war ein klarer Tag, und die Sonne schien. Ich hatte lange geschlafen und trat nun mit plötzlich erwachter Energie aus meiner Hütte, entschlossen, die verlorene Zeit einzuholen, wie es sich für einen Bewohner der Mühsalinsel ziemte. Draussen aber blieb ich plötzlich stehen. Ich musste wohl meinen Augen trauen, und doch war ich einen Augenblick betäubt von dem, was sich mir offenbarte. Dort, am Strande, keine fünfzig Fuss entfernt, lag ein entmastetes Schiff. Masten und Spieren, Wanten, Schote, Leinen und zerfetzte Segel hingen in einem Gewirr über Bord. Ich rieb mir die Augen. Es war die Kombüse, die wir gezimmert hatten, es waren die mir so vertraute Achterhütte und die niedrige Kajüte, die sich kaum über die Reling erhob. Es war die ,Ghost\ Welche Laune des Schicksals hatte sie hierher geführt — gerade hierher? Welcher. Zufall oder welche Zufälle? Ich blickte auf die finstere, unübersteigbare Wand hinter mir und fühlte tiefe Verzweiflung. Entrinnen war hoffnungslos, ganz unmöglich. Ich dachte an Maud, die in der Hütte schlief, welche wir erbaut hatten. Ich erinnerte mich ihres « Gute Nacht, Humphrey », « mein Weib, meine Gefährtin », tönte es durch mein Hirn, aber ach, jetzt klang es wie Grabgeläute. Dann wurde mir schwarz vor Augen. AUTOMOBIL-REVUE FREITAG, 3. JULI 1936 — N° 54 Wahrscheinlich war es nur der Bruchteil einer Sekunde, aber mir erschien es wie eine Ewigkeit, bis ich wieder zu mir kam. Dort lag die .Ghost', den Bug gegen die Küste. Ihr zersplitterter Bugspriet ragte über den Strand, das Gewirr ihrer Spieren schlug gegen die dunkle Schiffsseite, wenn die Wellen sie hoben. Plötzlich fiel mir der seltsame Umstand auf, dass sich nichts an Bord regte. Müde vom nächtlichen Kampf mit der See mochten alle noch schlafen. Mein nächster Gedanke war, dass Maud und ich doch noch entkommen könnten. Wenn wir das Boot erreichten und um die Landzunge fuhren, ehe jemand erwachte? Ich wollte sie rufen und sofort mit ihr aufbrechen, als ich mich entsann, wie klein die Insel war. Wir konnten uns nicht auf ihr verstecken. Alle schliefen. Warum nicht jetzt an Bord der ,Ghost' kriechen — ich kannte ja den Weg zu Wolf Larsens Koje — und ihn töten, ehe er erwachte? Dann — nun, dann würden wir ja sehen. War er erst tot, dann war Zeit, an alles andere zu denken. Und ausserdem: Wie die Lage sich auch gestalten mochte — schlechter, als sie jetzt war, konnte sie kaum werden. Mein Messer hing mir an der Hüfte. Ich ging wieder in die Hütte, um die Büchse zu holen, vergewisserte mich, dass sie geladen war, und schritt zur ,Ghost' hinab. Mit einiger Schwierigkeit und nicht, ohne mich bis auf die Haut zu durchnässen, kletterte ich an Bord. Die Backluke stand offen. Ich blieb stehen, um den Atemzügen der Mannschaften zu lauschen, aber nichts regte sich. Ich musste keuchen bei dem Gedanken, der mir plötzlich durch den Kopf fuhr: Wenn die ,Ghost' verlassen war! Wieder lauschte ich. Nichts. Vorsichtig stieg ich die Schiffstreppe hinab. Der Raum strömte den muffigen, kalten Geruch aus, der einer leerstehenden Wohnung anhaftet. Rings über den Fussboden verstreut lagen abgelegte Kleidungsstücke, alte Seestiefel, zerlöchertes Oelzeug — all die wertlosen Dinge, die sich während einer langen Fahrt in der Back ansammeln. «In grösster Hast verlassen! » war meine Schlussfolgerung, als ich wieder an Deck stieg. Die Hoffnung wurde wieder lebendig in meiner Brust, und ich sah mich mit grösster Kaltblütigkeit um. Ich bemerkte, dass die Boote fehlten. Das Zwischendeck erzählte dieselbe Geschichte wie die Back. Auch die Jäger hatten eiligst ihre Habseligkeiten zusammengepackt Die ,Ghost' war verlassen. Sie gehörte Maud unä mir. Ich dachte an die Vorräte und an die Apotheke unter der Kajüte, und mir kam der Einfall, Maud mit etwas- Gutem zum Frühstück zu überraschen. Die Reaktion und das Bewusstsein, dass ich die schreckliche Tat, deretwegen ich gekommen war, nicht auszuführen brauchte, beseelten mich mit kindlichem Eifer. Als ich um die Kombüse bog, dachte ich mit neuer Freude und Befriedigung an die prächtigen Kochgeräte drinnen. Ich sprang auf den Rand der Achterhütte und sah Wolf Larsen. So überwältigt, so betäubt war ich vor Ueberraschung, dass ich noch drei oder vier Schritte weiterging, ohne anhalten zu können. Er stand auf der Laufbrücke — nur Kopf und Schultern sichtbar — und starrte mir gerade ins Gesicht. Seine Arme ruhten auf der halbgeöffneten Schiebeluke. Er machte keine Bewegung — er stand nur da und starrte mich an. Keiner von uns beiden sprach. In seinem Schweigen, seiner Unbeweglichkeit lag etwas Unheilverkündendes. All meine alte Furcht kehrte zurück, und dazu kam eine neue, die hundertmal grösser war. Und so standen wir da und starrten uns an. Ich wurde mir der Notwendigkeit bewusst, zu handeln. Aber meine alte Hilflosigkeit hatte mich wieder gepackt, und so wartete ich, dass er die Initiative ergreifen sollte. Die Augenblicke schwanden, und ich sah plötzlich, dass meine Lage dieselbe war wie damals, als ich mich dem grossen Röbbenbullen genähert hatte: Die Absicht, ihn zu töten, wurde verdrängt von dem Wunsche, ihn fortlaufen zu sehen. Aber endlich dachte ich doch daran, dass ich gekommen war, um selbst zu handeln, nicht, um Wolf Larsen das Heft in die Hand zu geben. Ich spannte beide Hähne der Büchse und richtete den Lauf auf ihn. Hätte er sich bewegt oder versucht, sich von der Laufbrücke auf mich zu stürzen, ich würde ihn niedergeschossen haben. Aber er blieb unbeweglich stehen und starrte mich weiter an. Und wie ich ihm, die erhobene Büchse in den Händen, ins Gesicht blickte, hatte ich Zeit, zu sehen, wie verstört und abgezehrt es aussah. Es war, als hätte eine furchtbare Gemütsbewegung es verwüstet. Die Wangen waren eingesunken, die Stirn war gerunzelt und sorgenvoll. Seltsam erschienen mir seine Augen, und zwar nicht nur im Ausdruck, sondern in ihrer physischen Beschaffenheit, als ob Sehnerven und Bewegungsmuskeln irgendwie beschädigt wären und die Augäpfel sich verrückt hätten. Forlsetzung folgt Kühlung durch Luftgebläse Mein Motor besitzt eine direkte Kühlung durch Gebläse, die keinerlei Wasser erfordert. Auch die stärkste Winterkälte kann ihm nichts anhaben; ein Heisslaufen im Hochsommer ist ausgeschlossen. 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N° 54 — FREITAG, 3. JULI 1936 AUTOMOBIL-REVUE Beimischungszwang im Spiegel anderer Wirtschaftskreise wie man auch aueserhalb der Automobilisten über den Unsinn der Spritbeimiscbung denkt, mögen die nachstehenden Zitate belegen. Sie bestärken une in der Auffassung, dass wir uns mit unserem Widerstand gegen diese « Sanierungsmethode » nicht allein auf weiter Flur befinden. tung zu erzielen wären. «•Viel Staub hat alsdann die Alkoholvorlage (Wochenbericht der Bank Julius Bär & Co., aufgewirbelt. Das ganze Projekt erscheint Zürich.) uns reichlich sinnlos. Alkohol als Benzinbeimischung mächt dasselbe nur teurer. Würde Vorschläge zur Besserung; sie sind aber nur Die Alkoholverwaltung bringt verschiedene man das den Automobilisten zugedachte Alkoholquantum gar nicht herstellen, so Hessen Hauptsache mit der Frage der Verwendung Palliativmittel; sie beschäftigen sich in der sich im vornherein bestimmt mehrere Millionen ersparen. Wenn man also das Brennobst zin 3 % dieses Obstsprits beigemischt werden. der vorhandenen Vorräte. Es sollen dem Ben- verbrennen oder in den Bodensee werfen Das wäre eine komplette Abwälzung des Defi- würde, könnte die Belastung des Automobilisten um die Höhe der Herstellungskosten für den Alkohol, den er ja gar nicht benötigt, gekürzt werden. Tatsächlich gibt es aber Verwendungsmöglichkeiten für das Brennobst, und zwar als Viehfutter oder Dörrobst, so dass sich dadurch noch ein gewisser Erlös erzielen Hesse. Wenn schon der bis zur Grenze des Tragbaren mit Steuern und Zöllen beanspruchte Automobilist in unverständlicher Weise nochmals belastet werden soll, so wäre es viel ehrlicher, dies durch eine Fiskal- oder Zollmassnahme zu tun. Drängt man ihm aber Alkohol auf, so begeht man neben einer schwerwiegenden steuerlichen Ungerechtig- Alle Achtung von Ihnen, dass Sie sich so unentwegt dafür einsetzen, dass wir Autofahrer endlich einmal Front machen gegen die Ausbeutung •durch den Bund. Als Berufschauffeur mache ich meine Ferientouren immer per Velo, da das Geld nicht reicht für die teure Bahn. Wollen hoffen, dass alle Autobesitzer am 5. Juli ihre verschiedenen «Pferde» im Stall ruhen lassen, um unseren Behörden zu zeigen, dass wir willens sind, alle Hebel in Bewegung zu setzen, wenn es gilt, gegen die untragbare Belastung des Autos anzukämpfen. H.B. Fast 20% meines Einkommens nimmt der Staat. Ich bin ein einfacher Reisender. Mein Beruf zwingt mich dazu, heute zu dessen Ausübung ein Auto zu verwenden. Ca, 38% meines Einkommens muss ich wieder für den Betrieb und Unterhalt meines Wagens hervorgeben. Hievon nimmt bekanntlich der Staat reichlich die Hälfte. Um also meinem Verdienste nachgehen zu können, muss ich dem Staate rund 20% von meinem Einkommen als ausserordentliche Steuer abladen. Dass ich mit der am 5. Juli a. c. vorgesehenen Stillegung 'des Autoverkehrs einverstanden bin, •werden Sie daher ohne weiteres verstehen. A. V. keit eine grobe Selbsttäuschung. Man stellt einen Stoff her, der gar nicht benötigt wird, belastet die Wirtschaft mit den Herstellungskosten und entzieht ihr ausserdem die Erlöse, die eventuell durch anderweitige Obstverwer- zits auf die Autobesitzer. Es könnten auf diese Weise jährlich 60 000 hl Sprit an den Mann gebracht werden. Dieser Ausweg muss als Notbehelf taxiert werden. Das Gefährliche an ihm ist, dass damit das Gewissen der Brenner entlastet und jeder Ansporn, eine andere Verwendung der Ob st ab fälle zu versuchen, dahin)'allen würde. Die Massenfabrikation des Sprits würde weitergehen. Der Vorschlag würde der Alkoholverwaltung die Möglichkeit verschaffen, die in den jetzigen Vorräten verschwundenen Millionen wieder zurückzuerhalten; an der zerfahrenen Sachlage würde jedoch nichts geändert. (Schweiz. Arbeitgeberzeitung.) Wie unsete £esec ü&ee die SMCeguny denken Zur Stillegung am 5. Juli 1936. Die Stillegung des Automobilverkehrs am 5. Juli wird nicht ein unbedachter Akt der Rache sein, sondern eine ernste Demonstration gegen die hohen Benzin- und Rohöle, die aus den Autofahrern herausgepresst werden. Diese erste Maßnahme sollte den Behörden zum Bewusstsein verhelfen, dass der Automobilismus ein massgebender Faktor im schweizerischen Wirtschaftsleben ist. Wenn die Herren nach diesem ersten Auftakt sich nicht eines andern besinnen, dann werden sich jenen, die am 5. Juli auf die Benützung ihres Wagens verzichteten, wohl auch die Motorlastwagen aller Kategorien, die gewerblichen Transportunternehmer zu einem weiteren Stillegungstasr anschliessen. Dann wird die Wirkung bestimmt nicht ausbleiben. An diesem Vorhaben kann une kein Mensch hindern, wenn auch an einem Tag keine Milch, kein Brot und kein Fleisch usw mit dem Auto transportiert wird, wenn auch die Waren in den Lagerhäusern eich etwas stauen. ' Im November 1918 sind die Bahnen auch nicht gefahren. „Haben da die Herren 'vom Bahnpersonal uns befragt oder auf die Landesbewohner Rücksicht, genommen? Heute eollen nun die Autobesitzer dafür da sein, die überschuldeten Bundesbahnen zu sanieren, um dem Personal seine. Existenz zu sichern? Heute soll das Autogewerbe an die Wand gedrückt werden durch übersetzte Zölle, Taxen usw., obwohl man damit die Bundesbahnen nicht sanieren kann? Der 5. Juli 1936 sei ein Markstein im schweizerischen Automobilwesen! An den Behörden liegt es, dafür zu» sorgen, däss keine weitern- solchen Tage folgenl W. R. Man muss sich nur zu helfen wissen! Mein Lastwagenverkehr wird seit der unsinnigen Benzinverteuerung zusammengelegt. Die Kundschaft ist verständig genug und nimmt es hin, wenn die bestellten Brennmaterialien einen oder 1% Tage früher oder später geliefert werden. Mein Personenwagen rollt Sonntag für Sonntag mit dem letzten Tropfen Benzin über die Grenze ins Badische. Dort wird unter Verwendung von Registermark getankt, und zwar soviel, dass bei Rückkehr nur noch ein kleines Quantum für die Ausfahrt am' nächsten Sonntag übrig bleibt; also eine Menge, die vom Zoll nicht erfasst werden kann, Meine Sommerferientouren gehen, anstatt- ins Hebe Graubünden, via Deutschland nach Holland. Es ist erstaunlich, wie selbst Aussenstehende die Situation erfasst .haben.und.mit den Automobilisten einig gehen. . F. H, in B. Mit Schimpfen kommt man- nicht weiter. Man schreibt uns: «Mit grosser Genugtuung» begrüsse ich alle und jede Massnahmen der automobilistischen Verbände zur Bekämpfung der staatlichen Aüsbeutungspolitü und wünsche dem Auto am 5. Juli einen vollen Erfolg, und nebenbei den S.B.B. und gewissen städtischen Strassenbahnünternehmungen lange Gesichter. Doch mutet es als Inkonsequenz an, wenn mit der Ankündigung des Abwehrkampf es* zugleich an der Durchführung des Grand Prix festgehalten wird, der dem Bundessäckel und den S. B. B. grc-sse Gelder einbringt. Mit zahlreichen andern Automobilisten bin ich auch der Meinung, dass bei der Durchführung der Veranstaltungen der verschiedenen Sektionen der grossen Clubs unter heutigen Verhältnissen etwas mehr Zurückhaltung ani Platze' wäre, die indirekt immer eine Bereicherung der Bundeskasse bedeuten und dem Gastwirtschaftsgewerbe gerade das nicht beweisen, was man am 5. Juli zeigen will, nämlich seine Verbundenheit mit dem vielgeschmähten Automobil, Damit würde sicher auch etwas erreicht und gewissen Leuten die Augen ebenso geöffnet. Immerhin bedeutet der 5. Juli einen begrüssenswerten Anfang, bei dem der Automobilist Gelegenheit erhält, seine Disziplin unter Beweis zu stellen, die auch der «freie» Schweizer «oll aufbringen können. Die, Nationaleigenschaft des hlossen Schimpfens am Biertisch hilft ihm nie weiter, am allerwenigsten im vorliegenden Falle.» Dr. 0. R. in Z. ,. Dazu teilt uns, als Erwiderung auf den Passus, der den Grossen Preis der Schweiz betrifft, der Pressechef dieses Rennens mit: ' «Jedes Ding hat seine zwei Seiten, auch die Gsand-Prix-Aflgelegenheit. von welcher Ihr Einsentier schreibt. Wer hinter die Kulissen hat sehen können, wird wissen, dass der Entschluss zur Durchführung des Grossen Preises der Schweiz für Automobile den Organisatoren angesichts der gegenwärtigen Umstände sicher nicht leicht fiel. Wenn, der Beschluss zur Durchführung des Rennens trotzdem gefasst wurde, so spielten wirtschaftliche Erwägungen sehr stark mit. Es wurde kürzlich an dieser Stelle dargelegt, welch eminente wirtschaftliche Bedeutung eine derartige Organisation für die Stadt Bern und ihre Umgebung und — das ist ja klar und nicht zu vermeiden, selbst wenn man es wollte — auch für die Bundesbahnen besitzt. Es liegt auf der Hand, dass sich die Organisatoren des Grand Prix mit nichten etwa von der übrigen Aktion der Strassenbenützer desolidarisieren wollten oder könnten. Im Gegenteil stehen auch sie in vorderster Reihe im Kampf um die Rechte des Automobilisten und gegen die Vergewaltigung, welche ihm zuteil wird. Aber durfte.in Zeiten .wirtschaftlicher Not. deshalb von.:einer Veranstaltung abgesehen werden, welche doch, immerhin einige Hunderttausende in Umlauf bringt, die sonst in den. Taschen derjenigen bleiben würden, welche sie noch ausgeben können? Jeder •wirtschaftlich Vernünftige wird sofort erwidern müssen, dass das wohl unverantwortlich wäre. Gut, auch die Bundesbahnen verdienen. Warum sollten sie es nicht? Ist nicht die ganze Stellung der.S.B.B. dem Automobilisten gegenüber aus der Finanzmisere erwachsen, an welcher die S. B..IL kranken? Es hiesse also doch wohl den Teufel mit dem Beelzebub austreiben, wollte man den Grand Prix deshalb nicht durchführen, damit die Bundesbahnen diese Einnahmen nicht haben. Wir Automobilisten haben sogar alles Interesse daran, dass die Bahneinnahmen steigen, weil damit automatisch der — allerdings auch jetzt durch nichts zu rechtfertigende — Druck auf den Automobilisten sich mindern würde. Wir dürfen jedenfalls nicht aus den Augen lassen, dass. in dem ganzen Kampf das Vermögen unseres Gesamtvolkes auf dem Spiele steht. Und gerade deshalb wäre es falsch, sich seine Massnahmen nicht gründlich zu überlegen, Dia Nichtabhaltung des Grossen Preises der Schweiz würde nur Schaden bringen, als Protestaktion a,bet jedenfalls eine durchaus platonische Geste bleiben, denn man soll das Kind nicht mit dem Bade ausschütten.» d