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E_1936_Zeitung_Nr.063

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BERN, Dienstag, 4. August 1936 Nummer 20 Rp. 32. Jahrgang - N» 63 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Amgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.-, jthrlicb Fr. lt.— Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtllch abonniert Ausgabe B (mit gew. Unlallversieh.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) Tierteljährlich Fr. 7.50 Ein neues Projekt des Bundesrates: Spritbeimischung zum Oel Ein Interview der „Automobil-Revue" mit Bundespräsiden^Meyer Die Audienz der Vertreter der Via Vita beim Bundesrat lässt auf sich warten, denn Herr Bundespräsident Meyer tritt am 3. August seine Ferien an, so dass die Aussprache nicht vor Ende dieses Monats wird stattfinden können. So lange in Ungewissheit zu verharren, brachten wir indessen nicht über •uns. Und so haben wir an der Tür unseres obersten Magistration angeklopft und den Herrn Bundespräsidenten um ein Interview gebeten, das er uns bereitwillig gewährte, trotzdem er eben von einer vierstündigen Konferenz zurückkehrte. Der Eindruck des 5. Juli. Unsere erste Frage galt natürlich der Protestaktion der Benzinkonsumenten. < Wie denken Ihre Kollegen und Sie selbst, Herr Bundespräsident, über diese Kundgebung ? > Ein Lächeln huscht über das Gesicht Herrn Dr. Meyers, wie er uns erklärt, der Bundesrat nehme den Urhebern dieser « Symphonie der Ruhe> ihre Demonstration nicht übel, er sei im Gegenteil bereit, sich weiter mit uns an den Verhandlungstisch zu setzen. « Aber hat nicht Herr Pilet-Golaz uns Automobilisten in Montreux mit der « nährenden und verwüstenden Rhone » verglichen, ist nicht aus seinem Munde der Vorwurf gegen uns gefallen, wir hätten brutal an den unserer Freiheit gezogenen Schranken gerüttelt ? Das war doch eine etwas heftige Sprache ? » Selbstredend erwarteten wir nicht, der Bundespräsident werde seinen Kollegen vom Post- und Eisenbahndepartement desavouieren, denn die gouvernementale Solidarität ist kein leeres Wort. Immerhin aber gab Herr Dr. Meyer zu, ein Redner deutscher Zunge und weniger überschäumenden Temperaments, wäre in der Drastik seiner Wortbilder doch wohl nicht so weit gegangen. «Freilich soll man auch nicht zu sehr an rhetorischen Wendungen heramklauben. Wir müssen anerkennen, dass die Aktion vom 5. Juli in keiner Art und Weise den Stempel des Gesetzwidrigen F E U I L L E T O N Der Seewolf. Von Jack London. SchlusB. Die «Ghost» schien lebendig zu werden, als ihre Segel sich zum erstenmal blähten. Der Klüver ging hoch. Als er in den Wind kam. schwang sich der Bug der «Ghost» herum, und ich musste das Rad einige Spaken zurückdrehen, um das Schiff wieder in den Kurs zu bringen. Ich hatte mir eine automatische Klüverschoot erdacht, die den Klüver von selbst herüberbrachte, so dass Maud ihn nicht zu bedienen brauchte; sie hatte aber kaum den Klüver hoch, als ich das Ruder hart umlegte. Es war ein gefährlicher Augenblick, denn die < Ghost» lief bis auf Stein Wurfweite geradeswegs auf den Strand zu. Aber gehorsam drehte sie sich in den Wind. Die Segel schlugen heftig — ein Geräusch, das meine Ohren mit Entzücken hörten —, und dann standen sie wieder prall auf der andern Seite. Meine Dienstzeit als Steuermann in den Robbengründen kam mir jetzt ausgezeichnet zustatten. Ich brachte das Schiff gut aus der inneren Bucht heraus und ging in einem weiten Bogen in die äussere hinein. Noch ein Enchetat Jeden Dienstag and Freitag Wöchentliche Beilage „Auto-Magazin". Monatlich 1 mal „CMba LIM«" REDAKTION u. ADMINISTRATION: Brettenralnstr. 97, Bern Telephon 28.222 - Postcheck III414 • Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Geschäftsstelle Zürich: Löwenstrasse 51, Telephon 39.743 oder Umstfirzlerischen an sich trug. Aber wir hoffen, die Automobilisten werden sich im selben Geist der Solidarität zusammenfinden, wenn es darum geht, ein anderes Problem der Abklärung entgegenzuführen: die Frage Bahn-Auto.» Um die Kernpunkte aus den bisherigen Darlegungen des Herrn Bundespräsidenten herauszuschälen, so lassen sie sich folgendermassen umschreiben: der Bundesrat macht sich zwar aus dem nahezu hundertprozentigen Gelingen der Stillegung kein Hehl, aber er kann sich auch jetzt noch nicht zu einem entscheidenden Kurswechsel in seiner Automobilpolitik entschliessen. Eine neue Idee: Spritbeimischung zum Oel. In einem Punkte allerdings hat uns der 5. Juli einen Erfolg beschieden: darin nämlich, dass sich der Bundesrat, wie uns Herr Dr. Meyer mit aller Bestimmtheit erklärt, von der Spritbeimischung zum Benzin abgewendet hat und mit allen Mitteln bemüht ist diese Massnahme zu vermeiden. «Gewiss, wir hatten den Alkohotbeimischungszwang ins Auge gefasst, weil er uns unter allen Vorschlägen, die uns unterbreitet wurden, als die günstigste Lösung erschien. Wir behaupten nicht, damit einen Weg gefunden zu haben, der jedermann zufriedenstellt, aber immerhin verkörperte er das geeignetste Mittel, um mit den gewaltigen Alkoholvorräten aufzuräumen. Nach wie vor prüfen wir alle sich bietenden Möglichkeiten, um zu einer Lösung zu gelangen.» Und bei dieser Gelegenheit weiht uns Herr Bundespräsident Meyer in ein Projekt ein, das sich gegenwärtig im Studium befindet und nach seiner Auffassung nirgends auf Widerstand stossen sollte: die Beimischung von Sprit zum Oel. Seit einigen Tagen befasst sich das Laboratorium der Alkoholverwaltung mit experimentellen Untersuchungen nach dieser Richtung hin. Der Alkohol würde in einem noch zu bestimmenden Verhältnis — das möglicherweise 30 Prozent beträgt — den Heizölen, dem Mazout usw., beigemischt Dabei I scheinen sich allerdings grössere Schwierig- leerten zu ergeben als bei der Mischung von Sprit mit Benzin. Aber man hofft, es werde gelingen, sie zu überwinden. Die neue Mischung Hesse sich auch für Schwerölmotoren verwenden, könnte somit auch in die industriellen Betriebe abgeleitet werden. Sofern sich dieser Plan als durchführbar erweist, erschliesst er eine Aussicht auf die Liquidierung der zugegebenenmassen beträchtlichen Alkoholmengen, die sich in den Lagern angehäuft haben. Und die Sprit-Benzinmischung bliebe auf die Fahrzeuge des Bundes beschränkt. Am Prinzip, gegen das wir Automobilisten Front gemacht haben, würde damit zwar nichts geändert Ob Benzin oder Oel — für die Folgen der Misswirtschaft der Alkoholverwaltung hätten auch bei einer derartigen Lösung Volkskreise einzutreten* die am Fiasko dieses Betriebes vollkommen unbeteiligt und unschuldig sind. Was Herr Bundespräsident Meyer auf diese unsere Zwischenbemerkung .erwidert: «Worüber beklagen sich denn eigentlich die Automobilisten? Wie können sie glauben, wir hätten es darauf angelegt, ihnen das Leben sauer zu machen? Soweit die Regie in Im waadfländischen Dorfe Echallens wollte ein geistig beschränkter Analphabet, der einen kleinen Handkarren zog, die Hauptstrasse nach links zu einem auf jener Seite gelegenen Hause queren, wobei er die Strasse nicht senkrecht zur Fahrbahn, sondern schräg und allmählich überkreuzte. Hinter ihm war mit 30—40 km Geschwindigkeit ein Autofahrer angelangt, der zunächst den Mann mit dem Handkarren vergeblich durch wiederholtes Hupen aufmerksam zu machen suchte und sich dann anschickte, ihn mit vermindertem Tempo (25—30 km) und unter unablässigem Hupen links zu überholen. Da die Signale auch jetzt noch nicht beachtet wurden, versuchte der Automobilist schliesslich unter nochmaligem Bremsen zu äusserst links am Strassenrand an ihm vorbeizukommen, doch tat der Fussgänger, der sich unterdessen gleichfalls immer mehr dem linken Strassenbord genähert hatte, nun plötzlich einen Sprung nach links, so dass er mit dem auf gleicher Höhe angelangten Wagen zusammenstiess und schwer verletzt wurde. Schlag, und die «Ghost» hatte die offene See erreicht Nun hatte sie den Hauch des Ozeans gespürt und atmete selbst im gleichen Rhythmus, indem sie die breitrückigen Wogen sanft hinauf- und hinabglitt. Es war trübe und wolkig gewesen, jetzt aber brach die Sonne hindurch — ein willkommenes Vorzeichen — und schien über die geschweifte Küste. Die ganze Mühsalinsel erstrahlte im Sonnenschein. Selbst das unheimliche südwestliche" Vorgebirge sah weniger unheimlich aus, und hie und da, wo der Gischt hoch emporsprang, glänzte und funkelte es in der blendenden Sonne. «Ich werde stets mit Stolz daran denken», sagte ich zu Maud. Sie warf mit einer königlichen Gebärde den Kopf zurück und sagte: «Du liebe Mühsalinsel! Ich werde dich immer lieben.» «Und ich auch», sagte ich rasch. Unsere Blicke wollten sich treffen, und doch zwangen wir sie aneinander vorbei. Einen Augenblick schwiegen wir fast unbeholfen, dann aber sagte ich: «Sehen Sie die schwarzen Wolken in Luv. Sie werden sich erinnern, dass ich Ihnen gestern abend sagte, das Barometer fiele.» «Und die Sonne ist verschwunden», sagte sie, den Blick immer noch auf unsere Insel gerichtet «Die Fahrt geht nach Japan», rief ich heiter. «Ein günstiger Wind und volle Segel, was wollen wir mehr?» Ich verliess das Rad und lief nach vorn, warf Fock- und Grosschoot los und machte alles zum Empfang des Windes bereit. Es war Sturm, ein tüchtiger Sturm, aber ich entschloss mich, so lange wie möglich die Segel oben zu behalten. Leider war es unter diesen Umständen nicht möglich, das Ruder festzumachen, und so musste ich darauf gefasst sein, die ganze Nacht am Rade zu stehen. Maud bestand darauf, flieh abzulösen, es zeigte sich aber doch, dass sie nicht Kraft genug hatte, in schwerer See zu steuern. Sie war ganz niedergeschlagen, fand aber bald genug zu tun: Falle und Leinen mussten gestrafft, das Essen in der Kombüse gekocht, Betten gemacht und Wolf Larsen gepflegt werden, und sie beendete ihr Tagewerk, indem sie in der Kajüte und im Zwischendeck gründlich aufräumte. Ich steuerte die ganze Nacht ohne Ablösung, der Wind wuchs langsam und beständig, und die See mit ihm. Um fünf Uhr morgens brachte Maud mir heissen Kaffee und Kuchen, den sie gebacken hatte, und um sieben flösste mir ein tüchtiges, kochend heisses Frühstück neues Leben ein. Den ganzen Tag wuchs der Wind. Und immer noch schäumte die «Ghost» dahin, raste Meile auf Meile mit einer Geschwindigkeit die ich auf mindestens elf Knoten die INSERTIONS-PREIS: Die aehtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. Grfissere Inserate nach Spezialtarit. InseraWnschlnss 4 Tan« vor Enehetnen der Nnmmern Wir berichten heute Vorbereitungen für grosse Fahrt Alfa-Sieg an der Coppa Ciano. Int Alpenfahrt gesichert. Schweiz. Sportfliegertag. Louis Bleriot f. Ober: Beilage: Die Pflege der Karosserie. Frage steht, haben sie doch bisher nicht die geringste Konsequenz aus deren Geschäftsführung zu tragen gehabt Wir suchen Lösungen, die uns helfen könnten, um über die Fortsetzung Seite 2. VerLehrsreseDn Aus dem Bandesgericht. Der Fussgänger, der vorher seinen Unterhalt als Landarbeiter verdient hatte, wurde infolge der erlittenen Verwundungen völlig arbeitsunfähig und belangte den Autofahrer auf 34,760 Fr. Schadenersatz und Genugtuung. Der Unfall hatte sich im Juli 1932, also vor Inkrafttreten des eidg. Automobilgesetzes ereignet, aber die Anforderungen, die das Bundesgericht (I. Zivilabteilung) in seinem Urteil vom 7. Juli an das Verhalten des Fussgängers stellte, decken sich mit der seither an Art. 35 MFG aufgestellten eigentlich selbstverständlichen Vorschrift, dass sich der Fussgänger beim Nahen von Motorfahrzeugen an die Strassenseite zu halten habe, wenn keine Trottoirs da sind. Wenn der Fussgänger die Strasse queren will, soll er «sich vorher überzeugen, dass die Fahrbahn frei ist; der Kläger wäre ganz besonders verpflichtet gewesen, weil er einen Handkarren zu ziehen hatte und deshalb in seiner Bewegungsfreiheit gehindert war. Dass er die Strasse nicht senkrecht zur Fahrbahn, sondern schräg überquerte, bedeutete unter Stunde schätzte. Ich musste die Gelegenheit wahrnehmen, aber bei Einbruch der Nacht war ich völlig erschöpft. Obgleich ich in glänzender körperlicher Verfassung war, hatte ich jetzt doch die Grenze meiner Kraft erreicht. Dazu flehte Maud mich an, beizudrehen, und ich wusste, dass das, wenn Wind und See weiter so wuchsen, bald nicht mehr möglich war. So traf ich denn bei Dunkelwerden meine Vorbereitungen. Aber ich hatte nicht mit den ungeheuren Schwierigkeiten gerechnet, die das Reffen dreier Segel für einen einzigen Mann bedeutete. Immer wieder machte der Sturm meine Anstrengungen zunichte, riss mir die Leinwand aus den Händen und zerstörte in einem Augenblick, was ich in zehn Minuten schwersten Kampfes erreicht hatte. Meine Fingerspitzen bluteten, und alle Nägel waren abgebrochen. Vor Schmerz und Erschöpfung weinte ich heimlich im Dunkeln, wenn Maud es nicht sah. " Verzweifelt gab ich es auf, das Grosssegel zu reffen, und entschloss mich, den Versuch zu machen, unter gereffter Fock beizudrehen. Noch drei Stunden brauchte ich, um Grosssegel und Klüver zu beschlagen, und um zwei Uhr morgens konnte ich, mehr tot als lebendig, feststellen, dass mein Versuch geglückt war. Die gereffte Fock tat ihren Dienst. Die «Ghost» hielt sich dicht am Winde und zeigte