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E_1938_Zeitung_Nr.046

E_1938_Zeitung_Nr.046

BERN, Dienstag, 7. Juni 1938 Nummer 20 Cts. 34. Jahrgang — No £6 ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-FR EISE: Amöbe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5.-, Jährlich Fr. 10.— Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert Ausgabe B (mit gew. Unf allversieh.) vierteljährlich Fr. 7.50 Ausgabe C (mit Insassenversicherung) vierteljährlich Fr. 7.50 Erscheint jeden Dienstag und Freitag Wöchentliche Beilage „Auto-Magazin". Monatlich 1 mal „Gelbe liste" REDAKTION u. ADMINISTRATION: Breltenrainstr. 97, Bern Telephon 23.222 - Postcheck III414 - Telegramm-Adresse: Autorevue, Bern Gesehartestelle Zürich: Lowenstrasse 51, Telephon 39.743 INS ERTIONS- PREIS: Die achtgespaltene 2 mm hohe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. Grössere Inserate nach Spezialtarif Inseratenscbluss 4 Tage vor Erscheinen der Nummer Das Kind auf der Strasse « Am Samstagvormittag um 9 Uhr fuhr ein Last- Automobil in massigem Tempo die Bucheggstrasse abwärts. Auf der Höhe des Hauses 27 sprang der "darin wohnhaft gewesene dreijährige Hansjörg Menzi vom Trottoir vor dem Auto auf die Fahrbahn, -wurde vom Vorderrad erfasst, kam unter den Wagen zu liegen und wurde vom Hinterrad überfahren. Kurz nach der Einlieferung ins Kantonsspital ist der Knabe seinen schweren Verletzungen erlegen. » Meldungen wie diese führen in unserer Presse leider schon lang© kein Einzeldasein mehr und wer die Unfallchroniken etwas näher verfolgt, dem wird die Feststellung nicht erspart bleiben, dass sie sich zu Zeiten in beängstigender Weise häufen. Mit einem bedauernden Achselzucken oder einem Ausbruch der Empörung über « diese Autofahrer » wird jedoch weder das Flämtnchen eines allzufrüh ausgelöschten Lebens neu entfacht, noch werden ander© vor dem gleichen Schicksal bewahrt. Lernen sollten wir aus diesen lakonischen Notizen, hinter denen sich so viel Tragik und Schmerz verbirgt, als warnende Beispiele müssen wir sie unserem Gedächtnis unablässig neu einprägen. Wir: das sind die Automobilisten sowohl als auch die Eltern und Erzieher. Ihnen auferlegt die Verantwortung für des Kindes Leben und Sicherheit Pflichten, an welche sie, wie die düstere Rubrik der Unfälle eindrücklich dartut, kaum genug erinnert werden können. Daran ändert es nichts, dass di© Verkehrserziehung der Jugend im Elternhause unverkennbar fortschreitet, dass der Verkehrsunterricht in der Schule Fuss gefasst und dort schon Vortreffliches geleistet hat. Trotzdem tritt das anscheinend Unvermeidiche, Unausweichliche immer wieder ein, und mit beinahe schon stereotyper Gleichmässigkeit findet sich in den Zeitungsnachrichten der Satz, das Kind sei buchstäblich ins Auto hineingelaufen. Denn was echte Jugend ist, die will und muss ihren Spieltrieb austoben. Allzuleicht steigert sie sich dabei m einen Eifer hinein, der sie für die Gefahren des Verkehrs mit Blindheit schlägt. « Dass ihr mir nicht auf die Strasse geht », hat die Mutter ihr© Buben und Mädel ermahnt, ja richtig. Aber dann hüpfte der Ball, mitten drin wie sie gerade am schönsten daran waren, den « andern» den Meister zu zeigen, aus der Spielanlage oder dem Vorgarten auf die Strasse hinaus, eines der Kinder rannte ihm nach, mit fliegenden Haaren und nur den Ausreiisser im Auge, den es schnell, schnell wieder zurückzuholen galt — und das Un- Blatt Im Wind. Von Joe Lederer. 41. Fortsetzung. Als er gegangen war, holte sie ihre Platten hervor, das 3. Brandenburgische Konzert tönte durchs Bungalow und über die Bambuswipfel hinweg. Sie beschloss, beim ersten Nachlassen der Hitze nach Shanghai zurückzufahren. Sie hört© der Orchestermusik zu und dachte an Hubert. Es war nicht viel zu tun im Office. Aber Hubert war ein Jahr lang auf Urlaub gewesen, ein Jahr lang hatten Yuen und Ross für ihn gearbeitet, er konnte jetzt ficht schon wieder vom Schreibtisch aufstehen und verreisen. Er war erschöpft von der Hitze und noch mehr von der Einsamkeit. Sobald er aus dem Büro fort war und den täglichen Brief an Cary geschrieben hatte, gab es nichts, was ihn beschäftigte. Er sass da, allein mit sich fassbare war geschehen. Ein Augenblick völliger Hingabe ans Spiel und selbstvergessenen Aufsehens in dessen fiebernder Spannung hatte genügt, um in dem unglücklichen kleinen Geschöpf die Welt um sich und die Strasse mit ihrem Verkehrsgetriebe versinken zu lassen. Und wie oft hat harmloses, munteres Trottinettfahren schon Opfer gefordert. Hübsch ordentlich begann es im Hof oder auf dem Trottoir, ein paar Gespielen kamen hinzu und weil Jugend keine Tugend kennt und ein jeder schneller und stärker sein will, war bald das hitzigste « Rennen» im Gang. Der Gehsteig wurde zu schmal, der Hof zu eng, vielleicht auch winkte auf der andern Seit© der Strasse ein Kamerad. Und unversehens tollte eines der Kinder wie ein Wirbelwind auf die Fahrbahn hinaus, des Wagens nicht achtend, der eben nahte... Wenn das Rollschuhfahren heute, auf dem Land© namentlich, wieder Trumpf ist, und wenn die Jugend- diesem Vergnügen mit ungestümer Leidenschaft huldigt, dann hat nicht zuletzt der neuzeitliche Strassenbau dazu beigetragen. In den Dörfern wie auf freier Strecke, vornehmlich aber in der Nähe einzelner Gehöfte erfreuen sich die Strassen steigender Beliebtheit als Spielplätze. Ganz von ungefähr kommt das nicht, denn natürlich haben es die Knirpse rasch genug herausgekriegt, dass das prächtig glatte, staubfreie Band einer modernen Verkehrsader dem holprigen Pflaster des Gevierts vor der Scheune oder einer kiesübersäten Fläche bei weitem vorzuziehen sei. So nehmen sie denn von der Fahrbahn Besitz, um ungesorgt ihren Tatendrang in Rollschuhkünsten, sämtlichen Varianten des Ballspiels und was der Dinge mehr sind, zu stillen. Aber hinter der Lockung lauert Gefahr : auf den guten Strassen pulsiert der Verkehr am dichtesten. Und keine Staubwolke, kaum ein Geräusch kündet dem in sein Tun versunkenen Jungvolk, sich zeitig in Sicherheit zu bringen. Um so weniger dürfen es die Eltern an Ermahnungen und der nötigen Aufsicht fehlen lassen, wenn sie nicht ein© schwere Verantwortung auf sich laden wollen. Aber nicht bloss beim Spiel, oder wenn es in sausender Hast vom Hause aus auf den Fahrdamm fegt, kann das Kind dem Verkehrstod stracks in die Arme laufen, nein, er holt sich seine Opfer auch dann, wenn es der oder die Kleine keineswegs eilig hat und « im Schritt» die Strasse quert. Was weiss ein drei-, vierjähriger Bub vom Bremsweg ? Niemand wird von ihm erwarten, dass er sich darauf verstehe, Geschwindigkeiten ab- selbst. Manchmal fing er an, darüber nachzudenken, ob er nicht später, wenn er genug verdient hatte, nach Europa übersiedeln sollte. In einer Luft leben, die kühl zu atmen war. Cary immer bei sich zu haben. Irgendwo, in Deutschland vielleicht oder London, ein Haus haben. Unter alten Bäumen spazieren gehen. O, apfelsinenfarbenes Europa ! Wenn er mit der Insurance Campany in London oder mit Lloyds in Verbindung käme. In London sitzen, in einer Villa in Swiss-Cottage und den weissen Kulis in Shangai Komimandos hinüberkabeln. Shih brachte Eis und Whisky. Nach dem zweiten Glas war die Sehnsucht nach Europa wieder verschwunden. Halbnackt und trag lag er in dem glatten Lederfauteuil, die Beine auf den Rauchtisch gestützt. Der grosse Fächer surrte. Mitte August hielt er es nicht mehr aus. Sogar was Ross dachte, war ihm egal, er nahm das Flugzeug nach Kiukiang, so sparte er drei Tage Zeit. Er hatte in Kiukiang im Hospital übernachtet, war beim zweiten Hahnenschrei aufgebrochen und kam morgens in Kuling i an. Das Dorf wimmelte von Menschen, Hubert hatte kein© Geduld mehr, er sprang aus dem Tragstuhl und ging das letzte Stück zu Fuss. Cary war nicht zu Hause. Sie war spazieren gegangen. Cheng sagte : « Manchmal Taitai geht spazieren.» Hubert frühstückte auf der Veranda, er sah ununterbrochen zur Strasse hinüber, aber nur die Wasserträger gingen vorbei, die Hausierer, die Kulis. Kein weissblondes Haar, kein helles Kleid. Er ging ins Haus, aber in Carys Schlafzimmer stiess er auf die Amah, die gerade ein weißseidenes Hemd zusammenfaltete. Di© Amah senkte die Lider. Sie hatte das Hemd forttragen wollen. Die Taitai hatte viel Wäsche, sie las Bücher, trank Whisky und sah die Wolken an, es war nicht anzunehmen, dass sie merkte, wenn etwas fehlte. Hubert spürte den leichten Duft von Verbenen, der im Schlafzimmer war. Im breiten Bett lagen die zerwühlten Kissen. Auf der Terrasse blieb er sitzen. Wie kühl die Luft war. Eigentlich könnte er wirklich In dieser Nummer: Eindrücke von der Besichtigungsreise der A.I.T. auf den Strassen Deutschlands. Prekäre Lage im internat Rennsport. Grossprojekt für die Umgestaltung des Londoner Strassennetzes. Neuer Kathodenstrahl-Indikator. zuschätzen, wo diese Wissenschaft selbst unzähligen Erwachsenen ein Buch mit sieben Siegeln bedeutet ? Für den Lenker eines Motorfahrzeugs ergibt sich daraus die Konsequenz, beim Anblick eines Kindes, das im Begriff steht, seinen Weg zu kreuzen, letzte Vorsicht walten zu lassen. Fahren können heisst vor allem richtig anzuhalten imstande sein. Was nun allerdings nicht im Entferntesten etwa so interpretiert werden darf, dass es angängig wäre, die ganze Schwere der Verantwortung für die Unberecbenbarkeit des Kindes im Strassenverkehr kurzerhand dem Automobilisten in die Schuhe zu schieben, sogar wenn der Gesetzgeber an seine Aufmerksamkeitspflicht ungleich schärfere Maßstäbe anlegt wie bei jeder andern Kategorie von Verkehrsteilnehmern. Vielleicht aber rüttelt die von der Statistik offenbarte Tatsache, wonach gerade der Jugend im Alter bis zu 4 Jahren die grössten Unfallgefahren drohen, jene aus ihrer Sorglosigkeit auf, deren Obhut die Kinder anvertraut sind. (Schluss Seite 2.) n Kanlonen Die Zürcher Verkehrsgesetz-Initiative. Es sind nun zwei Monate her, seit dem der Zürcher Kantonsrat das von über 37,000 Unterschriften begleitete Initiativbegehren für ein neues kantanales Verkehrsgesetz an den Regierungsrat zur Prüfung und Antragstellung weitergeleitet hat. Es ist auch bekannt, dass die Kantonale Strassenverkehrsliga bei der Einreichung des Volksbegehrens besonders nachdrücklich darauf hingewiesen hat, dass eine rasche Behandlung von vitalster zu Victoria hinübergehen und ihr guten Tag sagen. Er holte seinen Tropenhut, sagte Cheng, wo er zu finden wäre, wenn Cary zurückkäme und ging fort. Meyers Sommerhaus lag an der Hügellehne, steinerne Stufen führten steil bergauf. Er stieg langsam den Weg hinauf. Victoria stand am Gartenzaun und verhandelte mit einem Hühnerverkäufer. Sie rief blechern: «Hubert! Darling, welche Ueberraschung!» und Hess den Hühnerverkäufer mit seiner Ware im Stich. Victoria rief nach Florence, aber es kam keine Antwort, ausser dass drinnen im Holzhaus Türen klapperten. Erst nach zehn Minuten erchien Florence im Garten, blank gebürstet, frisch geschminkt und schlecht gelaunt. «Ich habe mir gedacht, dass du heraufkommen wirst», sagte sie zu Hubert. «Weisst du, du bist ein anhänglicher Charakter. Bist du noch immer so verliebt in deine Frau ? » «Florence!» sagte Victoria. «Lass sie nur», sagte Hubert. «Ich höre ohnehin nie zu, wenn sie etwas sagt.» «Das weiss ich», sagte Florence. Aber in