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E_1939_Zeitung_Nr.036

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BERN, Dienste«, 2. Mai 1939 Gelbe Liste Nummer 20 Cts. 35. Jahrgang — No 36b ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBIL-ZEITUNG Zentralblatt für die schweizerischen Automobil- und Verkehrsinteressen ABONNEMENTS-PREISE: Autgabe A (ohne Versicherung) halbjährlich Fr. 5—, jährlich Fr. 10.— Ausland mit Portozuschlag, wenn nicht postamtlich abonniert. Ausgabe B (mit gew. Unfallvenich.) vierteljährlich Fr. 7.50. Ausgabe C (mit Insassen Versicherung) vierteljährlich Fr. 7.75. Erscheint jeden Dienstag und Freitag Wöchentliche Beilage „Auto - Magazin«. Monatlich 1 mal „Gelbe Liste" REDAKTION n. ADMINISTRATION: Breitenrainstr. 97, Bern Telephon 28.222 Postcheck III414 - Teleijf»mm-Adresse : Autorevue, B»rn Gesehlrtsstelle Zürich t Löwenstrasse 51, Telephon 39.743 INSERTIONS-PREIS: Die achtgespaltene 2 min höbe Grundzeile oder deren Raum 45 Rp. Grössere Inserate nach Spezialtarif. Inseratmschluss 4 Tage vor Erscheinen der Nummer Jtehx JCam&utdscAaft im Wohl die umfassendste Bindung, die die Menschen eines Landes in sich schliesst, ist die Verkehrsgemeinschaft der Strasse. Nach sozialen Schichten, Berufsgruppen, politischer Weltanschauung, konfessionellem Bekenntnis und nach Sprache sind wir in die verschiedensten Verbände eingeordnet und dadurch auch zugleich in mehr oder weniger tiefen Gegensätzen voneinander geschieden. Auf der Strasse aber begegnen wir uns alle als Gleiche unter Gleichen. Hier sind wir auf Gedeih und Verderb aufeinander angewiesen. Ein heilsamer Zwang — wenn wir ihn recht verstehen — nötigt uns tagtäglich, uns einzuordnen in die bewegte Menge unserer Mitmenschen. Jeder von uns muss sich auf der Strasse mti allen andern auseinandersetzen. Er muss mit ihrer Gegenwart und ihren Ansprüchen und Mängeln rechnen wie sie mit den seinen. oder Missbilligung durch unsere Verkehrspartner ausstrahlt. Wo diese Mächte versagen, tritt das Gesetz in seine Rechte ein und ordnet durch Zwang, was der Freiheit nicht glücken will. Die auf freiem Willen und den Geboten der Sittlichkeit im weitesten Sinne beruhende Ordnung des Strassenyerkehrs kann wohl nicht treffender bezeichnet werden als durch das schöne Wort Kameradschaft Es ist ein erfreulicher Zug in der heutigen Auffassung von der Ordnung des Strassenverkehrs, dass selbst Behörden statt der Paragraphen der starren Rechtsordnung auch die gefühlsbetontere Vorstellung der Kameradschaft anrufen, wenn sie sich ernsthaft um die Sicherung von Ruhe und Sicherheit, Ge- merksam durch. /m^to* tägliches V^ehrsbewegühgen, den ganzen Bereich der • eigentlichen Unwägbarkeiten erfasst nur das feinere Organ einer wachen öffentlichen Meinung und; allgemein anerkannten Sitte. Und was durch diese Gemeinschaft der Gutgesinnten gebilligt wird und nach Möglichkeit seine Verwirklichung findet, ist die Kameradschaft der Strasse. Die Verführung ist gross, aufzuzählen, in |wie viel hundert Arten einzelner Handlungen und umgekehrt in wie manchem Verzicht auf ein Tun, welches dem unmittelbarsten persönlichen Interesse entspräche, diese,,anonyme Gemeinschaft aller täglich ihren Ausdruck findet. Wir wollen uns bloss auf die allgemeinen Grundlinien besinnen, auf die Ohne Vorsicht und gegenseitiges Verständnis für die Nöte des andern lässt sich eine Verkehrssituation wie diese hier nicht «in Minne» entwirren. Vielleicht nehmen Sie sich die Mühe und zählen die Sünden, die sich in unserem Bilde Fussgänger zuschulden kommen lassenl Wie über jeder menschlichen Gemeinschaft spannt sich auch über der Verkehrsgemeinschaft der Strassenbenützer ein Netz von ordnenden Normen aus, die die Gegensätze versöhnen sollen. Jedem seinen Bewegünsbereich sichern, aber auch jedes einzelnen Bewegungsbereich gegen die Ansprüche der andern abgrenzen. Blosse Sitte regelt die Beziehungen im Rahmen des gutwilligen Einverständnisses jedes Strassenbenützers und innerhalb des Kraftfeldes, das die Billigung sundheit und Leben der Menschen auf der Strosse bemühen. Denn das Gesetz vermag wohl einen Kode* allgemeiner grundsätzlicher Vorschriften über das Verhalten im Verkehr aufzustellen ; die für den. Verkehrsfrieden aber vielleicht noch viel wesentlicheren feinen Unterschiede im Benehmen des einzelnen oder ganzer Gruppen von Verkehrsteilnehmern, die mannigfachen Auslegungsmöglichkeiteh irgend einer Norm im einzelnen Fall der Hunderttausende Ein gefreuter Anblick sind solche Knäuel von Radfahrern für den Mann /im Volant nicht unbedingt. Jedoch, der Polizist steht wie ein rocher de bronze mitten im Strom und dirigiert ihn mit überlegener Ruhe.