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E_1949_Zeitung_Nr.012

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Nr. 12 — BERN, Freitag, 18. Mira 1949 Zweite Salon-Nummer 45. Jahrgang — Nummer: 40 Rp. ERSTE SCHWEIZERISCHE AUTOMOBILZEITUNG ZENTRALBLATT FÜR DIE SCHWEIZERISCHEN AUTOMOBIL- UND VERKEHRSINTERESSEN ERSCHEINT JEDEN MITTWOCH - REDAKTION UND ADMINISTRATION.- BREITENRAINSTRASSE 97, BERN, TELEPHON (031) 2 »2 22 - GESCHÄFTSSTELLE ZÜRICH: STAMPFENBACHSTR. 40, ZÜRICH 23, TELEPHON 2« »6 77/71 Der Genfer Automobil-Salon ist eröffnet Der Donnerstag, 17. März, das Datum der Eröffnung des Rekord- und Jubiläumssalons 1949 in Genf, glaubte es sich schuldig zu sein, dort, wo noch eine Woche zuvor sich Schneehaufen an den Strassenrändern getürmt hatten, das Gesicht eines Frühlingstages zur Schau zu tragen, als die geladenen Gäste sich um die Mittagsstunde zu dem üblichen, vom Organisationskomitee veranstalteten Bankett einfanden. Dieses hatte, entsprechend dem bisher nie gekannten Ausmass der 19. Internationalen Automobil-, Motorradund Fahrradausstellung, mit seinen rund 350 Gedecken im grossen Ballsaal des Hotel des Bergues ebenfalls Rekordcharakter angenommen. In der Tat konnte der Präsident des Örganisationskomitees, Herr Charles Dechevrens, in seiner Eröffnungsansprache eine enorme Schar prominenter Gäste begrüssen, voran den Ehrenpräsidenten der Veranstaltung, Bundespräsident Nobs, und andere Vertreter der eidgenössischen Behörden, einschliesslich des National- und des Ständerates wie der Bundesverwaltung, ferner des Genfer Staats- und Stadtrates, im weiteren Repräsentanten anderer Kantonsregierungen und Verwaltungen sowie bedeutender Schweizer Städte, das hohe Offizierskorps mit General Guisan an seiner Spitze, ausserdem Vertreter der ETH, der schweizerischen Zentrale für Handelsförderung, der Handelskammern und der grossen Messen unseres Landes. Neben den in Genf ansässigen Konsuln der im Salon ausstellenden Staaten verzeichnete man die Anwesenheit hoher Funktionäre Tier,--grössen internationalen Organisationen in Genf, vor allem des dortigen Zentrums der Vereinigten Nationen und des Internationalen Arbeitsamtes sowie endlich der Vertreter internationaler industrieller, touristischer und sportlicher Verbände. Im übrigen unterliess es Präsident Dechevrens nicht, in seiner Rede den Jubiläumscharakter des diesjährigen Salons zum Ausdruck zu bringen, denn wie bekannt, war es schon 1924, dass in Genf nach einer nationalen Automobilausstellung vom Vor jähr der erste internationale Salon eröffnet wurde. Der steigende Erfolg dieser Veranstaltung wurde durch einige wenige, aber eindrückliche Zahlen beleuchtet, aus denen hervorgeht, dass sich im Laufe dieses Vierteljahrhunderts die Zahl der Aussteller verdoppelt und die Bodenfläche nahezu verdreifacht hat. Die ersten neun internationalen Salons waren vom Initianten der ersten nationalen Genfer Automobilausstellung, Robert Marchand, dem heutigen Ehrenvorsitzenden des Organisationskomitees, präsidiert, während dessen Nachfolger, Herr Charles Dechevrens, nun seit fünfzehn Jahren, d. h. während zehn Salons (die Kriegszeit war die Ursache des zeitweiligen Unterbruchs der jährlichen Abhaltung der Ausstellung) die Verantwortung für das Gelingen der grossen Veranstaltung trägt. Deren heute 25jähriges Bestehen gab dem Redner Anlass, die Pioniere des Salons zu ehren, vor allem Robert Marchand, ferner seinen « getreuen Sekundanten », den Vizepräsidenten des Organisationskomitees, Albert Goy, und die übrigen heute noch an der Leitung beteiligten Mitarbeiter der ersten Stunde. Mit Anerkennung wurde auch der zwanzig Marken und Firmen gedacht, die seit 1924 an allen Salons teilgenommen haben, ohne einen einzigen auszulassen. In dem den Tagesfragen gewidmeten Teil der Rede kam es wieder zu dem traditionellen Zwiegespräch zwischen dem Vertreter der Automobilinteressen und der Bundesbehörden. Es gestaltete sich diesmal um so interessanter, als erstmals der Chef des Eidg. Finanzdepartements an • der Bankettafel sass. Ohne sich in Details zu verlieren, fasste Herr Dechevrens die Wünsche und Bedürfnisse des Automobils in den fünf Worten zusammen: « Weniger schwere Fiskallasten — moderne Strassen! » In der von B u n d e s - Präsident Nobs den Strassenverkehrsinteressenten gegenüber kürzlich abgegebenen Zusicherung, dass der Bundesrat wenigstens in naher Zukunft nicht beabsichtige, im Programm der Bundesfinanzsanierung eine Erhöhung der gegenwärtigen Zollansätze und Gebühren auf den Treibstoffen, Fahrzeugen usw. vorzunehmen, möchte der Redner eine Art « Waffenstillstandserklärung » sehen. Er gab der Hoffnung Ausdruck, dass es in der Zwischenzeit möglich sein werde, den Bundesrat zu veranlassen, sich den Vorschlägen der ständerätlichen Kommission anzuschliessen, wonach der Bund die Hälfte der Zolleinnahmen auf den Treibstoffen den Kantonen für den Ausbau ihrer Strassen zur Verfügung zu stellen hätte. Wenn Bundespräsident Nobs in seiner anschliessenden Rede eine Erhöhung der derzeitigen Bundeszuwendungen an das Strassenwesen von ca. 15 auf 30 Mill. Fr. zusagte, so besteht damit für die Verhandlungen der « Waffenstillstandszeit • immerhin noch eine tüchtige Marge Im übrigen wird man es dem Leiter unserer Landesfinanzen aufs Wort glauben, wenn er unter der Heiterkeit seiner Zuhörer erklärte, er sei derjenige Eidgenosse, dem die Steuern am meisten Sorgen bereiten. Auch sonst hinterliess die Rede des Bundespräsidenten einen recht* sympathischen Eindruck, so wenn der erste Magistrat der Eidgenossenschaft Wert darauf legte, unumwunden seine Auffassung zu bekräftigen, dass das Automobil "kein Luxus, sondern eine soziale Einrichtung darstelle, dessen ethische Bedeutung er ebenfalls nicht übersieht. . -• ••'"?., Bundespräsident Nobs befand sich damit in Uebereinstimmung mit dem letzten Bankettfedner, dem Genfer Staätsratspräsidenten Charles Duboule, der das Automobil als unentbehrliches Element- des wirtschaftlichen Lebens aufgefasst wissen will. Dementsprechend schätzt er auch die Bedeutung des Genfer Salons als einer Veranstaltung ein, die nicht nur für die Industrie, sondern auch für das Publikum im allgemeinen von vitaler Wichtigkeit ist. In seiner Eigenschaft als Chef des kantonalen Justiz- und Polizeidepartements weiss Staatsrat Duboule auch den Wert der auf dem Gebiet der Verkehrssicherheit angestrebten Verbesserungen voll zu würdigen, handle es sich um die Anlage breiterer Strassen, die Lösung der Scheinwerferprobleme oder die Signalisierung. Dagegen gibt er gerne zu, dass hinsichtlich der Strassenhaltung der Fahrzeuge und der Wirksamkeit der Bremsen bereits bedeutende Fortschritte erzielt worden sind. Nach soviel guten Worten, die dem Automobil galten, trat dieses selbst noch vor der Eröffnung der Ausstellung glanzvoll in Erscheinung, als die Gäste auf ihrer Fahrt nach dem Ausstellungsgebäude bei einem Halt auf der Place Neuve den Korso der neuesten Modelle an sich vorbeidefilieren sahen. Der Zug dieser Fahrzeuge, die sich durch die beflaggten Strassen der Stadt bewegten und deren elegante Formen bei der Bevölkerung berechtigte Neugier und Bewunderung erregte, begleitete darauf die offiziellen Autos nach dem Palais des Expositions. Dort setzte nach dem symbolischen Akt der E r ö f f n u n g durch den wiederholt mit spontanem Beifall begrüssten Bundespräsidenten der gewohnte Rundgang ein. Die Besucher waren sich wohl alle einig über den grossartigen Eindruck dieser gewaltigen Schau, die gleich nach dem Durchschreiten der diesmal am Boulevard Carl- Vogt gelegenen Eingangspforte schon in der ersten Halle, jener der Karosserien, eine überraschende Tiefenperspektive bietet. Das ganze Erdgeschoss des Ausstellungsgebäudes seinerseits, bildet nach wie vor den Ehrenplatz für'die Personenwagen, die bisher noch nie in solcher! Zahl eingetroffen waren: eine glänzende Parade, die vom Ausland bestritten wird, während neben den Karosserien die Gruppen der industriellen Fahrzeuge sowie der Motor- und Fahrräder, der Nautik und die zahlreichen Stände verschiedener Aussteller beredte Zeugen schweizerischer Qualitätsarbeit enthalten. Die Marken- und Firmenschilder in Beige mit bordeauroter Aufschrift sind von einer glücklichen, einheitlichen Wirkung. Eine für die Journalisten willkommene Neuerung bedeutet das neben der Nautikabteilung eingerichtete Pressezimmer wie für die kommerziellen Besucher des Salons die benachbarten Konferenzräume. Ebenso weiss man die ausserhalb des Ausstellungsgebäüdes getroffenen Massnahmen zur Vermeidung von Verkehrsstockungen und die in dessen Nähe eröffneten weiten Parkplätze zu schätzen. hb. Gesamtübersichf über die Im Parterre des PoloU d«s Expositions wtergebrochte Attsslelivng der Personenwagen. (Photo Wassermann, Genf) Die Herren Dechevrens, Präsident des Organisalionskomilees ), tundesofftzieUm Präsident Nobs (Mitte) und Staatsrat Duboule (rechts) bei Eröffnung des Genfer Salons. [ iPhoto Wassermann, Gfrtfl AUS DEM INHALT 1. BLATT: Ansprachen bei der Salon-Eröffnung Der UNO-Entwurf zu einer internationalen Strassenverkehrs-Konvention Sportnachrichten 2. BLATT: Amerikanische Personenwagen Bilderseite 3. BLATT: ; Die Architektur der modernen Personenwagen Widerspruchsvoller Motorenbau Autoproduktion der USA 1948 4. BLATT: Zukunftsträchtige Motoren ••?•