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SchlossMagazin Fünfseenland März 2018

12 | REGION | JUDITH

12 | REGION | JUDITH JANOWSKI Eigentlich wollte sie im Theater landen. Denn der ganz besondere Theatergeruch von Aufregung, Schminke und Requisite hatte Judith Janowski schon als Kind gefesselt. Als Tochter einer erfolgreichen Primaballerina und eines weltberühmten Dirigenten verbrachte sie bereits in jungen Jahren viel Zeit im Ballettsaal oder den Orchestergräben der großen Opernhäuser. „Meine Mutter fing recht bald nach meiner Geburt wieder an zu tanzen und nahm mich einfach mit zu den Proben und Aufführungen. Der Bühnenduft ist für mich immer noch essentiell“, betont die heute 48-Jährige. Jahrelang ging sie selber zum Ballett und spielte Klavier. Doch als Kind zweier so wettbewerbsorientierter Eltern war sie in den praktischen Übungen deutlich weniger ehrgeizig. „Eine Profikarriere kam mir nie wirklich in den Sinn. Aber den Theaterbetrieb wollte ich schon sehr früh von der organisatorischen Seite gestalten“. So war es naheliegend, dass sie nach dem Abitur und einem Jahr „Studium Generale“ an der Pariser Sorbonne zunächst Theaterwissenschaft in der „scheußlichen Uni“ Bochum studierte. Später wechselte sie dann nicht nur die Fächer, sondern auch den Studienort: In München schrieb sie sich für Germanistik und Politik ein. Ihr beruflicher Start ins Theaterleben führte sie über Künstleragenturen an die Bayerische Staatsoper. Unter der Intendanz von Sir Peter Jonas war sie in der künstlerischen Organisation tätig, also mittendrin im Theatergeruch. „Schon in meiner Jugend hatte ich mitbekommen, wie der Theaterbetrieb läuft. Probenplanungen, Vertragsverhandlungen, die Vorbereitungen von Künstlern hatten mich immer interessiert.“ Doch als dann ihr erstes Kind kam, kehrte sie der Opernwelt den Rücken zu. „Die Tätigkeit in einem künstlerischen Betriebsbüro war mit Kindern in den 90er Jahren nur schlecht vereinbar.“ So begann sie nach einigen Zwischenstationen mit der Organisation von Kinderkonzerten bei concierto in München. 2015 wurde die Mutter dreier Kinder Geschäftsführerin des Münchner Odeon-Jugendsinfonieorchesters. Fast zeitgleich fing sie auch beim Klassikfestival Ammerseerenade an und übernahm dort die künstlerische Organisation und das Marketing. Seit gut einem Jahr ist Judith Janowski nun Generalsekretärin der Carl-Orff-Stiftung. Kommunikations-Schnittstelle im Orffschen Kosmos TEXT Maren Martell FOTO Thorsten Jordan Seit bald einem Jahr ist Judith Janowski Generalsekretärin der Carl-Orff-Stiftung Zu Orff kam sie über das Klassikfestival Ammerseerenade. Seit fast einem Jahr ist Judith Janowski Generalsekretärin der Carl-Orff-Stiftung. In München wohnend pendelt die Tochter eines bekannten Künstlerpaares jede Woche in ihr Büro im Ziegelstadel in Dießen. Ihr Schreibtisch steht direkt unter dem ehemaligen Arbeitszimmer des berühmten Komponisten. Besonders freut es sie, dass es in diesem Sommer wieder ein Carl Orff Fest geben wird, mit zehn Veranstaltungen rund um den See.

| REGION | 13 Von ihrem Schreibtisch im früheren Wohnhaus von Carl Orff, im Dießener Ziegelstadel blickt sie Richtung Ammersee und Kloster Andechs. Auf dem weitläufigen Grundstück ragt das dreieinhalb Meter hohe Rad der Fortuna in den blauen Winterhimmel. Die monumentale Bronzeskulptur der Bildhauerin Antje Tesche- Mentzen war im vergangenen Sommer feierlich eingeweiht worden – eine der ersten größeren Veranstaltungen, die die Handschrift von Judith Janowski trug. Die Neubesetzung des Postens der Generalsekretärin ergab sich, nachdem sich die Stiftung im Winter 2016/17 neu ausrichten wollte und einen Neustart wagte. Die Carl-Orff-Stiftung wurde nach dem testamentarischen Willen des Komponisten 1984 gegründet. Sie finanziert sich aus den Tantiemen des Orffschen Werks. Ihre Aufgabe ist, den künstlerischen und pädagogischen Nachlass Orffs zu erhalten und sein geistiges und künstlerisches Erbe zu wahren und zu verbreiten. Judith Janowski sieht sich selbst als stiftungsinterne „Kommunikations-Schnittstelle“ und als Kontaktstelle nach außen. Sie hat sich die Förderung der praktischen Umsetzung von Idee und Konzepten des Vorstands und des Kuratoriums auf die Fahne geschrieben. „Hier am Ziegelstadel, dem Sitz der Stiftung läuft alles zusammen.“ Ein Höhepunkt wird in diesem Jahr sicher das von Florian Zwipf-Zaharia veranstaltete Carl Orff Fest im Sommer sein. Mit zehn Veranstaltungen in fünf Tagen wird dem Publikum in Dießen, in Andechs und St. Ottilien der große Orff- Kosmos präsentiert. Janowski ist vor allem durch die Ammerseerenade zu Orff gekommen. Durch ihr bisherigen Tätigkeiten kann Judith Janowski konzeptionell und organisatorisch mit dem Wissen um die Bedürfnisse von Künstlern souverän umgehen. Recht schnell habe der frühere Orff-Schüler Wilfried Hiller das erkannt und zu ihr gemeint: „Du bist halt eine von uns.“ Zum Ammersee hat sie ohnehin schon lange eine Beziehung. Seit 1982 haben ihre Eltern, der weltberühmte Dirigent Marek Janowski und die frühere Primaballerina Marina von Othegraven in Riederau ein Haus. Als Katamaranseglerin hat es ihr der See besonders angetan. Außerdem liebt sie die Umgebung. Nicht selten nimmt sie von München kommend ihre Hündin Hermine mit in den Ziegelstadel. # CARL ORFF FEST ANDECHS AMMERSEE 8. Juli und 8. bis 12. August 2018 www. carl-orff-fest.de