Tassilo, Ausgabe Juli/August 2018 - Das Magazin rund um Weilheim und die Seen
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Rahmen spannender Führungen,<br />
sofern sie interessiert sind, tiefen<br />
Einblick in den Islam.<br />
Den Gebetsra<strong>um</strong> darf jeder betreten — auch Nicht-Muslime. Wichtig ist<br />
nur ein respektvolles Miteinander <strong>und</strong> <strong>die</strong> Einhaltung der Hausregeln.<br />
gebetet wird.“ Deutsch, türkisch,<br />
bosnisch, albanisch <strong>und</strong> arabisch.<br />
Gebetet wird – wie es der muslimische<br />
Glaube vorschreibt – fünf<br />
Mal am Tag, stets nach Süd-Ost,<br />
nach Mekka gerichtet. „Im Sommer<br />
beginnt das erste Gebet bereits<br />
<strong>um</strong> 4 Uhr morgens, das letzte<br />
<strong>um</strong> 22.30 Uhr.“ Im Winter dagegen<br />
ist der Gebetsra<strong>um</strong>, dessen obere<br />
Etage für Frauen errichtet wurde,<br />
zwischen 7 <strong>und</strong> 18 Uhr geöffnet.<br />
Unabhängig davon gibt es allgemeine<br />
Geschäftszeiten mit Ansprechpartnern<br />
wie Gönül Yerli,<br />
<strong>die</strong> zu allen möglichen Themen<br />
Rede <strong>und</strong> Antwort steht, berät<br />
<strong>und</strong> Hilfe leistet – ein Vollzeitjob.<br />
<strong>Das</strong> klassische Beten ist nämlich<br />
nur ein kleiner Aufgabenbereich<br />
der Islamischen Gemeinde. „Unsere<br />
Hauptaufgabe ist sicherlich<br />
<strong>die</strong> Integrationsarbeit.“ Damit<br />
meint Gönül Yerli keine klassische<br />
Flüchtlingshilfe, sondern Aufklärungsarbeit<br />
in Sachen Islam. „Wie<br />
gelingt es einem in Deutschland<br />
lebenden Muslim, seinen Glauben<br />
in Einklang zu bringen mit<br />
Demokratie, G<strong>r<strong>und</strong></strong>gesetz <strong>und</strong><br />
Arbeitsalltag?“ Allein aufg<strong>r<strong>und</strong></strong><br />
der fünf Gebetszeiten pro Tag<br />
eine schwierige Aufgabe, „da ein<br />
Arbeitgeber verständlicherweise<br />
nicht auf Leute zählen kann, <strong>die</strong><br />
ständig für einige Minuten verschwinden“.<br />
Es funktioniert also<br />
nur mit Kompromissen <strong>und</strong> einem<br />
ges<strong>und</strong>en Miteinander aller Bürger<br />
– unabhängig der Religionszugehörigkeit.<br />
Genau das lebt <strong>die</strong><br />
Islamische Gemeinde Penzberg<br />
vor. Die Moschee ist nämlich ein<br />
öffentlich zugänglicher Ort für jedermann.<br />
„Egal ob Muslim oder<br />
Christ, wer sich an unsere Hausregeln<br />
hält, unter anderem z<strong>um</strong><br />
Betreten des Gebetsra<strong>um</strong>es <strong>die</strong><br />
Schuhe auszieht sowie respektvoll<br />
mit anderen Besuchern <strong>um</strong>geht,<br />
ist bei uns jederzeit herzlich willkommen“.<br />
Christen dürfen sogar ihre eigenen<br />
Gebete in der Penzberger Moschee<br />
beten. Und bekommen im<br />
Führungen für Touris<br />
<strong>und</strong> Schulklassen<br />
Vormittags sind ständig Schulklassen<br />
zu Besuch – sowohl aus<br />
näherer als auch weiterer Entfernung.<br />
„Die einheimischen<br />
Bürger haben wir ohnehin schon<br />
alle durch“, sagt Gönül Yerli <strong>und</strong><br />
grinst. Die Touristen aus aller Welt<br />
werden ebenso nicht weniger.<br />
Neben den Führungen für Schüler,<br />
Einheimische <strong>und</strong> Touristen<br />
findet in der Moschee auch regelmäßiger<br />
Religionsunterricht statt.<br />
Darüber hinaus werden <strong>die</strong> Schulungsrä<strong>um</strong>e<br />
für Deutschunterricht<br />
genutzt. „Wir stellen sozusagen<br />
dem Staat <strong>die</strong> Rä<strong>um</strong>lichkeiten<br />
zur Verfügung, <strong>um</strong> Sprachkurse<br />
zu geben.“ Im Detail handelt es<br />
sich <strong>um</strong> Deutschunterricht für Migranten<br />
mit langfristigem Bleiberecht,<br />
<strong>die</strong> den 600-St<strong>und</strong>en-Kurs<br />
absolvieren können. „Meine Aufgabe<br />
an <strong>die</strong>ser Stelle ist, darauf<br />
zu achten, dass <strong>die</strong> Leute nicht<br />
<strong>die</strong> Lust verlieren <strong>und</strong> dran bleiben<br />
am Erlernen der deutschen<br />
Sprache“, sagt Gönül Yerli, <strong>die</strong><br />
außerdem größten Wert auf enge<br />
Zusammenarbeit mit allen anderen<br />
religiösen Gruppierungen in<br />
Penzberg legt.<br />
Neben regelmäßigen Treffen einer<br />
Interreligiösen Gemeinschaft wird<br />
immer wieder gemeinsam mit den<br />
Katholischen <strong>und</strong> Evangelischen<br />
gebetet. Unter anderem nach den<br />
grausamen Terroranschlägen in<br />
Europa, „in dem wir durch ein<br />
öffentliches, gemeinsames Gebet<br />
sehr eng zusammengestanden<br />
sind <strong>und</strong> ein Zeichen gesetzt haben“.<br />
Denn eines möchte Gönül<br />
Yerli an <strong>die</strong>ser Stelle nochmals<br />
ausdrücklich betonen: „Radikale<br />
Menschen haben in der Penzberger<br />
Moschee nichts zu suchen.“ <strong>Das</strong><br />
gilt für Rechtsradikale ebenso sehr<br />
wie für radikalisierte Muslime. js<br />
juli / august <strong>2018</strong> | 53