sporting hamburg MÄRZ 2020

sportinghh
  • Keine Tags gefunden...

Stadtsportmagazin

Parkour

© Foto: DOSB/picture alliance

34

© Foto: DOSB/picture alliance

Die Truppe von Parkour Creation e.V. bei der Preisverleihung „Sterne des Sports“ in Gold mit

Dr. Reiner Brüggestrat (li., Hamburger Volksbank eG).

Wir sind stolz

auf Euch.

Wenn Hamburger Ideen und Projekte national Punkte

einsammeln, ruft das uns auf den Plan, weil: finden wir

natürlich supergut.

In diesem Fall waren es Sterne, Sterne des

Sports. Und die Vorstellung, dass die Vertreter

aus Hamburg, begleitet von den Kollegen

der Hamburger Volksbank, allen voran

Vorstandssprecher Dr. Reiner Brüggestrat,

beim nationalen Finale in Berlin sozusagen

für Hamburg einlaufen, ist irgendwie klasse. Auch mit von der Partie: der Hamburger

Sportbund. Qualifiziert hatte sich, quasi als Landessieger, der Verein Parkour Creation e.V.

mit seinem Projekt „DIE HALLE“. Das sind die Jungs und Mädels, wir berichteten schon

mehrfach, die sich schon vor geraumer Zeit die Idee in den Kopf gesetzt haben, Parkour

als Lebenseinstellung zu entwickeln und in die Welt zu senden.

Parkour gewann auch die doppelte Raute von Angie :-))

Ein großes Thema, weswegen wir uns

kurz nach der Preisverleihung mit Biko,

Michel, Joe und Felix von Parkour

Creation und mit Dr. Reiner Brüggestrat

von der Volksbank direkt vor Ort

im Oberhafenquartier getroffen haben.

Hintergrund-Atmo lieferten die Schüler

von der Gemeinschaftsschule am Heim-

garten aus Ahrensburg. Sehr süß: Die Kids hatten sich mit einzelnen

Projekten Geld verdient, um an ihrem Vorhabentag (was für eine

schöne Bezeichnung) „DIE HALLE“ besuchen zu können.

Deren Betreiber bezeichnen sich als „Sozialunternehmer“, diskutieren

viel auf der „Metaebene“, und das zu Recht und mit großer

Leidenschaft. Setzt man sich mit so Begriffen wie Mut auseinander,

den es braucht, um von A auf B zu springen, von

Übung mal ganz abgesehen, erfasst man die Idee

der „Nachhaltigkeit für das Körper-, Selbst- und

Umfeldbewusstsein“ durchaus, mit der sich die Macher*innen

der Halle an ihre Besucher*innen wenden. Derer sind es über

40.000 jährlich. Die vier jungen Männer beeindrucken durch ein

ureigenes Selbstbewusstsein, Reiner Brüggestrat unterstreicht

den „ungebremsten Enthusiasmus, die Professionalität und den

Unternehmergeist“ des Vereins, der da sogar „versucht, das Ganze

frei von wirtschaftlichem Interesse zu entwickeln“. Kein Widerspruch.

Anfragen von angesagten Energy-Drinks für Kooperationen wurden,

Kohle hin oder her, abgelehnt. Selbst das kann Volksbank-Chef

Brüggestrat total nachvollziehen: „Ethischen Prinzipien zu folgen

ist auch unsere Kultur als Genossenschaft, auch wir folgen einem,

unserem Wertekompass.“ Der unternehmerische Aspekt bezieht

sich auch auf den Arbeitseinsatz, „sie verdienen offensichtlich

durchaus ihren Lebensunterhalt, aber das mit einem hohen Grad der

Selbstausbeutung“, stellt Brüggestrat fest. Und dabei hat der Parkour

Creation e.V. offensichtlich noch lange nicht fertig. Sie bieten schon

jetzt extern in Sportvereinen und Schulen Kurse an,

bilden Trainer und Übungsleiter aus, sind mit ihrem

Verein inzwischen deutschlandweit unterwegs,

pflegen sogar ein internationales Parkour-Projekt

im Nord-Irak. Gearbeitet wird viel, immer wieder

wird neu gedacht, grundsätzlich konsensual. Das klingt

fast fantastisch, aber sie sind dabei extrem überzeugend,

wie sie ihren Verein auch als, um nordisch zu bleiben,

Signal verstehen: „Wir wollen ein Leuchtturm sein“, sagt

Joe, „gerade für die vielen kleinen und mittelgroßen

Vereine“, die sich neu aufstellen müssen und wollen.

„Weil so wichtig für unsere Gesellschaft“, rundet Joe ab.

Ach ja, so viel zu abrunden: „DIE HALLE“ wurde in Berlin

4., bekam den kleinen Stern, und Mitinitiator Batte wurde

3. beim Publikumspreis. Das war dann aber alles irgendwie

fast Nebensache, die Jungs haben ihren Punkt gemacht,

hatten ein sehr motivierendes, spannendes Wochenende

in Berlin, hatten ganz Hamburg hinter sich und werden sich

sicher noch einmal bewerben. Und dass wir das Gefühl haben,

da hat jemand im Finale vielleicht die Idee hinter der Idee von

„DIE HALLE" nicht ganz durchgeholt, das wollten wir eigentlich

gar nicht schreiben. Mmmh.

Interview in der Parkour-Halle, die Hamburger Volksbank vor Ort.

„DIE HALLE“ wurde 2017 als erste Halle für Parkour und Freerunning

in Norddeutschland eröffnet.

Mit dem Projekt „DIE HALLE“ wurde im Oberhafenquartier

ein kultureller Möglichkeitsraum geschaffen, der

Sport, Kunst und Freizeit spielerisch und unkonventionell

miteinander vernetzt.

Parkour Creation e.V. setzt seinen Schwerpunkt auf Projekte

zur Integration durch Sport von Geflüchteten, Menschen

mit Migrationshintergrund und von sozial benachteiligten

Kindern und Jugendlichen. Nach dem Motto „Die Halle für

alle“ ist der niedrigschwellige Zugang wichtiger Teil des

Konzepts, damit möglichst viele Menschen unabhängig von

Alter, Religion, Geschlecht oder Herkunft zusammen Sport

treiben können.

Seit 2016 ist Parkour Creation Stützpunktverein des DOSB für Integration durch Sport, seit 2018 gibt es Projekte zur Inklusion

von Kindern und Jugendlichen mit besonderen körperlichen und geistigen Herausforderungen.

© Foto: Nino Herrlich

© Foto: sporting hamburg

© Foto: Olaf Janko

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine