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NK 07_2020

16 FINANZEN

16 FINANZEN NOWAK./.LAVYLITES: KOMMT ES ZU EINEM 600.000-EURO-RECHTSSTREIT? Dennis Nowak gehört zu den Network-Marketing-Urgesteinen, die in ihrem Networker-Leben alle Höhen und Tiefen durchlebt haben. Was er auch anpackte, Dennis kam, sah und siegte. Doch meist, wenn er ganz oben war, lernte er ein anderes Geschäft kennen, das für ihn noch interessanter war, wo er die Aussicht auf ein noch höheres Einkommen hatte. Seinen letzten Clou startete er 2014 mit dem damals gerade ein Jahr alten ungarischen Network-Marketing- Unternehmen Lavylites, für das er eine riesige Vertriebsstruktur regelrecht aus dem Boden stampfte. Entsprechend schnell brachte er es auf ein durchschnittliches Monatseinkommen von 60.000 Euro und mehr. tiv auf Lavylites-Vertriebspartner und die ganze Branche abfärben könnte. Auf Anfrage der Network-Karriere zu den Gründen der Nowak-Pro vi sions- Kontensperre teilt Tibor Jakabovics schriftlich mit: „Wir haben einen Streit bezüglich dieses Kontos. Es ist jedoch ein internes Problem und wir finden es nicht ney Novak und/oder evtl. Planungen, auf einen Internetvertrieb umzustellen?“ Dazu schreibt Tibor Jakabovics: „Es ist auch ein internes Thema und aufgrund unserer Standards finden wir es nicht richtig, es öffentlich zu diskutieren. Es gibt keine Planungen auf einen Internetvertrieb umzustellen. Wir arbeiten weiter daran, wie seit der Lavylites-Gründung das Netzwerk zu stärken und auch in naher Zukunft das Gleiche Doch auch an Dennis gehen die aufreibenden Network- Marketing-Jahrzehnte nicht spur los vorbei. Nicht, dass er sich komplett in den Ruhestand verabschieden wollte, dafür fühlte er sich dann noch zu jung und zu unternehmenslustig. Aber statt durch die Welt zu hetzen, ständig auf der Bühne zu stehen und Umsatz zu pushen, wollte er lieber mehr Network-Marketing-Unternehmen und deren Spitzenleute coachen. Jedoch verkaufen wollte er sein mit viel Kraft und Engagement aufgebautes und gut funktionierendes Lavylites-Geschäft auch nicht. Da lag es nahe und ist in der Branche durchaus nicht unüblich, dieses Geschäft an seine Tochter Cidney zu übergeben, die schon seit ihrer Kindheit das Network-Marketing-Geschäft kannte und von ihm alles gelernt hatte. „Ich mische mich nicht in das Geschäft von Cidney ein, sie soll ihre eigenen Ideen umsetzen und auch ihre eigenen Fehler machen können. Aber sie kann bei mir immer einen Rat holen“, sagte Dennis Nowak im letzten Jahr gegenüber der Network- Karriere. Dennis nahm den Wechsel in Abstimmung mit Tibor Jakabovics, dem Gründer und Inhaber von Lavylites vor und Cidney stimmte zusammen mit Rechtsanwalt Stephan Schulenberg mit der Lavylites-Geschäftsleitung die vertraglichen Punkte ab. Das Geschäft konnte mit einer neu gegründeten deutschen Gesellschaft weiterlaufen. Cidney nahm sich zunächst den neuen Lavylites-Markt Kolumbien vor, wo sie dank ihrer perfekten spanischen Sprachkenntnisse sehr gut und erfolgreich zurechtkam. Dennis Nowak konnte sich fortan sein Leben so einrichten, wie er es wollte: Firmen beraten, Ideen kreieren und sich seinem Hobby der Seefahrt widmen. Zumindest so lange, bis ihm seine Tochter mitteilte, dass Lavylites mit den laufenden Provisionen im Rückstand wäre. Dennis sah dies auf der einen Seite noch nicht alarmierend, schließlich stand das Unternehmen finanziell auf gesunden Beinen. Zumindest hatte er immer diesen Eindruck. Auf der anderen Seite zahlte Lavylites laut Marketingplan die Provisionen wöchentlich. Das gab Dennis und seiner Tochter dann schon zu denken. Also fragten sie bei Tibor Jakabovics an, warum die Zahlungen immer weiter hinausgezögert werden. Jakabovics teilte mit, dass das Provisionskonto, auf dem sich zwischenzeitlich rund 600.000 Euro angesammelt haben, gesperrt sei. „Eine konkrete Begründung dafür gab Tibor Jakabovics nicht ab“, so Dennis und Cidney gegenüber der Network-Karriere. 20.000 Vertriebspartner, 50.000 Kunden und ca. 1,6 Millionen Euro stabilem Monatsumsatz sind die aktuellen Zahlen des Cidney- Lavylites-Team. Wenn der Net work- Karriere bekannt wird, dass bei einer solchen Basis Knall auf Fall die Provisionszahlungen eingestellt werden, dann fragt sie direkt bei dem betreffenden Unternehmen nach. Schließlich geht es in diesen Größenordnungen dann nicht mehr nur um einen Disput zwischen Lavylites und den Nowaks. Denn es ist zu befürchten, dass ein solcher Fall vor den Gerichten landet und damit ein öffentliches Thema wird, was nega- angemes- sen, es öffentlich zu diskutieren. Wir als Unternehmen sind der festen Überzeugung, dass dieses Problem innerhalb des Unternehmens geklärt werden kann, in ein paar Wochen.“ Unabhängig vom Fall Nowak ist der Network-Karriere auch bekannt, dass die Lavylites-Top-Führungskraft Sika Istvan suspendiert wurde. Network- Karriere fragte auch dazu bei Tibor Jakabovics an: „Welche Gründe hat die Suspendierung von Sika Istvan? Wurden von Sika Istvan ebenfalls Provisionen einbehalten? Wenn ja, in welcher Höhe? Besteht hier ein Zusammenhang zu den von Ihnen eingeleiteten Maßnahmen gegen Cid- zu tun. Wir denken an diese Organisation, die Bestand hat für Generationen. Lavylites ist unser Leben.“ Kommt es nun zu einem 600.000- Euro-Rechtstreit? Tibor Jakabovics signalisierte also gegenüber der Network-Karriere, dass das Problem in den nächsten Wochen innerhalb des Unternehmens geklärt werden kann. Cidney Nowak, ganz der streitsame Papa, möchte sich nicht länger hinhalten lassen: „500.000 Euro ausstehende Provisionen sind sehr, sehr viel Geld. In diesen Größenordnungen hört irgendwo das bisherige Vertrauen auf. Da geht es um Sicherheiten. Wenn Lavylites bezahlen kann, was ich nicht zu beurteilen vermag, wäre es für Lavylites einfach, die ausstehende Summe, oder zumindest einen Großteil davon, risikolos auf einem Treuhandkoto zu hinterlegen. Ich habe meine Anwälte beauftragt, vor dem zuständigen Landgericht in Ungarn Klage einzureichen, was zwischenzeitlich erfolgt ist. “Wie die ganze Sache ausgeht, wird sich zeigen. Unabhängig vom Ausgang des Rechtsstreits dürften die wirklichen Beweggründe interessant sein, die Tibor Jakabovics spätestens bei einem Prozess vortragen muss, um die Sperrung des 600.000 Euro-Provisionskontos zu rechtfertigen. Network-Karriere berichtet über den weiteren Verlauf. 07.2020

TITELINTERVIEW 17 LET’S TALK MONEY – NIE WIEDER KRISEN WEGEN GELD Während die Welt noch mit der aktuellen Corona-Krise und ihren Folgen kämpft, kehrt in Deutschland und seinen Nachbarländern langsam die Normalität zurück. Einige Menschen hätten ohne die Medien fast nichts davon bemerkt, andere – die meisten – trifft es sehr hart. Mit den Lockerungen zeigen sich jedoch auch die ersten wirtschaftlichen und sonstigen Auswirkungen, und Fachleute sprechen bereits von einer eventuellen Finanzkrise, die als Folge auftreten kann. Laut ifo Konjunkturprognose wird die Wirtschaft deutlich schrump fen und Unternehmen rechnen laut Umfragen mit einer Normalisierung wohl erst in neun Monaten. Nun sind Prognosen dieser Art zum einen sehr dynamisch und zum anderen sehr abstrakt, da sie die Folgen für Normalverdiener nicht abbilden, somit findet sich eine Familie oder eine alleinerziehende Mutter nicht darin wieder. Dieses Interview bildet den Auftakt einer Themenserie mit dem Geldtrainer, Autor und Unternehmer Andreas Enrico Brell aus Hamburg. „VIELLEICHT IST JA NICHT DIE KRISE DAS PROBLEM, SONDERN UNSER VERHALTEN VOR DER KRISE“ So provokant sieht dies zumindest Andreas Enrico Brell, der in mehr als zwei Jahrzehnten weit mehr als zehntausend Gespräche mit Menschen jedes Kontostandes geführt hat. Network-Karriere: Wie meinst du deine Aussage, dass unser Verhalten das Problem ist? Andreas Enrico Brell: Die Welt lebt über ihre Verhältnisse. Wir beuten uns selbst aus. Wir tun so, als ob. Der Bumerang ist wie ein Kartenhaus, das beim kleinsten Windstoß zusammenbricht, weil das Fundament fehlt oder wackelt. Meine persönliche finanzielle Krise liegt Jahre zurück, doch seitdem hat sich in der Welt kaum etwas verändert. Krisen sind wunderbare Gradmesser. Was ich gerade beobachte, ist das Gegenteil von Weiterentwicklung: Gestern noch vorsichtig, Abstand halten in allen Lebenslagen. Zu Hause bleiben. Heute schon wieder dicht auffahren, hupen und schimpfen. Endlich wieder Hektik. Endlich wieder rennen und retten, was noch zu retten ist. Und schnell muss es gehen. Noch mehr als vorher. Faszinierend, wie schnell doch die alten Programme wieder Besitz von uns ergreifen. Alle frommen Bekundungen, was sich ändern sollte, bleiben Lippenbekenntnisse ohne Inhalt, die an die guten Vorsätze zum Jahreswechsel erinnern. Vor allem bei Geld zeigt sich in dieser Krise, dass sich wohl nichts ändern wird. Es geht genauso weiter und wird sogar noch schlimmer. Mit einem entscheidenden Unterschied: Nicht jeder kann einfach so wie die EZB in den Keller gehen und neues Geld drucken. Kennst du den Satz: „Die Netto-Neuverschuldung hat abgenommen.“ Heißt übersetzt: „Wir haben mal wieder Schulden gemacht, nur etwas weniger als letztes Jahr.“ Private Haushalte kennen keinen Verlustvortrag. Wenn die scheinbar einzige Lösung für ein glückliches Leben in ständiger Neuverschuldung besteht, dann denkt sich ganz schnell fast jeder „Was die können, das kann ich auch.“ Nur kann das eben nicht jeder und tut es trotzdem. Die Konsequenzen sind fatal. NK: An was denkst du dabei? Andreas Enrico Brell: An das Leben auf Pump. Hast du dich mal gefragt, weshalb es diese Vielfalt von Finanzierungsmöglichkeiten am Markt gibt? Ganz einfach – weil eine Nachfrage besteht. Du kaufst dir eine Einbauküche und zahlst sie über viele Jahre ab. Ohne Zinsen. Ist das nicht toll? Da ist doch auch noch die Designercouch drin. Da werden die Nachbarn aber staunen. Nach sechs Monaten wachst du auf und bemerkst, dass dir immerhin schon die Besteckschublade gehört. Oder du least dir ein Auto, weil du es ja absetzen kannst. Und plötzlich ist da ist nichts zum Absetzen, weil dein wichtigster Kunde und dein Umsatz weg sind – wie auf Fingerschnipp. Das interessiert nur die Bank leider gar nicht. Was wird aus deinem Haus, wenn du Zins und Tilgung nicht mehr bedienen kannst? „Für uns kein Problem, wir stehen im Grundbuch.“ Nein, so funktioniert das nicht. Es geht so weit, bis du vom Hin- und Herschieben lebst. Vom Dispo zwischen Kreditkartenlimit und ersehnten Wundern auf dem Konto springen wie von Baum zu Baum, in der Hoffnung, dass es gut geht. Das klingt nicht nach einem Plan. Und die Realität dazu wird mehr und mehr erdrückend, wenn aus einem Liebespaar eine junge Familie mit Hypothek für das Haus, Kreditrate für die Einrichtung und Leasingrate für das Auto wird. Auf Naht genäht, da darf nichts passieren. Und der Urlaub wird zum ultimativen Jahreshighlight, um mal kurz durchzuatmen. Mir sind inzwischen tausende solcher Beispiele begegnet. Eines davon war ich selbst, deshalb spreche ich auch heute so klar darüber. Ich habe dieses Verhalten ausführlich ausprobiert, seit ich als Jugendlicher zu Hause ausgezogen bin – und es hat mir langfristig nicht gefallen und vor allem nichts gebracht. Heute mache ich Scherze darüber, früher war das überhaupt nicht witzig. Es hat mich sehr belastet und geprägt.

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Network-Karriere / Ausgabe 10/14 - "10 Jahre"

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