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wd | Winter 2020 - BEILAGE

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Der Ruf der Wildnis Chaleturlaub – ein Abstecher ins Nirgendwo Das knisternde Feuer im Kamin muss ein herrliches, wohlig warmes Licht in den kleinen Raum geworfen haben. Und auch wenn die dicken Holzbalken der Decke so tief hingen, dass man achtgeben musste, um sich nicht daran den Kopf zu stoßen, so war in diesem winzigen Zimmerlein doch viel mehr als man fürs Leben brauchte. Draußen peitschte derweil der johlende Sturm mit aller Gewalt gegen das Holz der eigenhändig gebauten Blockhütte. Manchmal so stark, dass das ganze Bauwerk zu wimmern begann, während sich draußen die Tannen ächzend unter der Schneelast immer niedriger duckten. Dann legte ein 21 Jahre junger Mann noch ein Holzscheit aufs Feuer, setzte sich wieder an den klapprigen Tisch und schrieb weiter. Die Nächte waren lang im kanadischen Winter, so wie es auch die Reise hier herauf in den hohen Norden gewesen war. Es war mehr als nur die Abenteuerlust, die Jack London viele tausend Kilometer nach Norden hat ziehen lassen. Der Goldrausch fiel damals wie ein Lauffeuer überall über die Menschen einher und 1897 war London einer der ersten, der nicht weit vom Yukon einen Claim absteckte. Einige Jahre später veröffentlichte er den wohl berühmtesten Roman jener Zeit. Der Ruf der Wildnis spielt dort oben, in der rauen Natur, in der Zeit des Goldrausches. Heute ist die kleine Hütte, in der London damals lebte, nicht nur für Fans ein gern besuchtes Relikt. Es ist ein echtes Stück Wildnis. Mehr als einhundert Jahre später fällt es uns doch erstaunlich leicht, sich in die beschriebene, wahnwitzige Situation Jack Londons zu denken. Der Ruf der Wildnis steckt zweifelsfrei in uns allen und kaum jemand wird beim Lesen der obigen Zeilen nicht das Bild einer gemütlichen, urigen Hütte vor Augen gehabt haben. Es ist die Sehnsucht nach einem echten Abenteuer, aber auch nach einem Zuhause, das sich wie ein Schutzschild um einen legt, Wärme und Geborgenheit spendet, ganz egal was gerade um einen herum passiert. Londons Hütte ist in unserer Zeit zu einem so starken Sinnbild herangewachsen, dass man sich nicht einmal entscheiden konnte, wo man sie der Öffentlichkeit besser präsentieren könne. Heute steht die obere Hälfte im Jack-London-Museum in Kalifornien, während die untere Hälfte weiter in Dawson stehen bleiben durfte. Die fehlenden Hälften wurden kurzerhand rekonstruiert. Es lässt sich also wirklich viel in so eine Holzhütte und die umliegende Wildnis interpretieren. Und manches ist dabei auch gar nicht an den Haaren herbeigezogen: Wissenschaftler erforschen schon lange die Wirkung des Waldes auf uns Menschen und stoßen dabei immer wieder auf erstaunliche Details. Dabei liegt der Fokus längst nicht mehr nur auf guter Luft oder wohltuender Ruhe. Tatsächlich gibt es Studien, wie beispielsweise aus dem Nationalpark Schwarzwald, die vermuten lassen, dass uns allein schon die Wildnis selbst guttut. Und je wilder sie ist, desto besser! Heute ist ein Abstecher in die Natur schon lange keine aufwändige Reise mehr. Urige, bestens ausgebaute Chalets werden immer beliebter. Ob als Pärchen, mit der ganzen Familie oder dem Freundeskreis: Wir genießen die Wildnis, die Heimeligkeit des Holzes, die Wärme des Kamins. Chalets wirken in der verschneiten Gebirgswelt wie ein Vorposten der Zivilisation. An einem eigentlich lebensfeindlichen Ort lassen wir es uns gut gehen. Abgeschieden. Auf Wunsch vollkommen isoliert. Gerade im Alpenraum erleben immer mehr Menschen das Abenteuer Chalet, Luxus und die Behaglichkeit. Tagsüber erkundet man dann die Umgebung. Eine Wanderung, die nicht am Hotel oder dem Hüttenparkplatz beginnt und endet, sondern direkt im Herzen der Natur, hat einen ganz eigenen Touch. Outdoorsportler freuen sich über vielfältige Möglichkeiten, gerade jetzt im Winter. Schneeschuhwandern, Langlaufen, Skitouren – wer sein Chalet als Sport-Basislager nutzt, kann schnell eins mit der Natur werden und freut sich am Abend umso mehr auf die Vorzüge der kleinen Holzhütten mitten im Nirgendwo. Mit größtmöglicher Privatsphäre lassen wir uns dann nur zu gern von gutem Essen, einer Sauna, dem Whirlpool auf der Terrasse, oder einem guten Glas Wein verwöhnen. In einem Chalet, wo manchmal schon in einem kleinen Raum viel mehr zu finden ist, als wir fürs Leben brauchen. Während aber bei Jack London draußen Schneestürme und Wölfe lauerten, lassen wir Termindruck, Stress und Hektik vor der Tür. Ganz egal ob gerade über uns die Sterne funkeln, oder lautlos dicke Flocken vom Himmel tanzen. Es ist manchmal schon erstaunlich, wie sich die Umstände geändert haben, das Gefühl aber dasselbe geblieben ist. written by BENNI SAUER 9