oho #3 - Das Magazin des Fürstentums Liechtenstein

liechtenstein.marketing

Das neue Liechtenstein-Magazin nimmt Sie mit auf eine Entdeckungsreise. In den Rubriken Kultur/Genuss, Natur/Freizeit, Wirtschaft/Bildung sowie
Staat/Fürstenhaus gewähren wir Ihnen Einblick in die kleinen und grossen Geschichten des Mikrokosmos Liechtenstein. Der Themenschwerpunkt in dieser Ausgabe ist das Kulturleben im Fürstentum Liechtenstein.

oho

Das Magazin des

Fürstentums Liechtenstein

#3 2016/17

Staat / Fürstenhaus

Wirtschaft / Bildung

Kultur / Genuss

Natur / Freizeit

Erbprinzessin Sophie

im Interview

Grenzüberschreitende

Zusammenarbeit

Bio-Produkte mit dem

gewissen Etwas

Entspannung und

Sport vereint


Für mehr Flexibilität

in der

Prozessabwicklung.

kyberna.com


«hoi metanand»

Brücken schaffen Begegnungen

Auf den folgenden Seiten präsentieren wir Ihnen die neue

Ausgabe des Liechtenstein-Magazins «oho» – eine Ausgabe,

welche unter dem Themenschwerpunkt gutnachbarschaftliche

Beziehungen steht.

Gerade weil sich dieses Thema auf so viele Bereiche unseres

Lebens übertragen lässt, liegt der Fokus bewusst auf

den Menschen im Land und ihrem Engagement. Lange haben

wir über die Kulisse unseres Cover-Shootings sinniert

und uns schliesslich – aufgrund ihrer starken Symbolkraft

– für die Alte Rheinbrücke entschieden. Die 135 Meter lange

Holzbrücke, welche den liechtensteinischen Hauptort Vaduz

mit der Gemeinde Sevelen im Kanton St. Gallen verbindet,

ist die älteste erhaltene Holz-Rheinbrücke im Alpenraum.

Noch bis zum Zollvertrag im Jahre 1923 waren auf

beiden Seiten der Brücke Zollämter stationiert. Heute ist die

Rheinbrücke ein historisches Zeugnis der gemeinsamen

Vergangenheit der Länder und ein Sinnbild der tiefen Verbundenheit.

Brücken bauen verbindet, ermöglicht Begegnungen

und macht Freundschaften möglich. Jeder von uns

kann dazu sicher eine Geschichte erzählen. Überqueren

auch Sie die Brücke und staunen Sie selbst über die vielen

Facetten des Fürstentums Liechtenstein. Es lohnt sich.

Ich wünsche Ihnen eine spannende Lektüre.

Das Verbindende steht im Vordergrund

Vom 13. bis 23. Oktober 2016 ist St. Gallen fest in Liechtensteiner

Hand: Das Fürstentum präsentiert sich als

Ehrengast an der 74. OLMA unter dem sympathischen

Motto «hoi metanand» – dem typischen Gruss in unserem

Land. Nach den Jahren 1952, 1964, 1979 und 1993 wird es

im Jahre 2016 die fünfte Teilnahme Liechtensteins als

Ehrengast an der OLMA sein. Eine ideale Gelegenheit, um

die gute und langjährige Beziehung zwischen Liechtenstein

und der Schweiz in den Vordergrund zu stellen.

Nicht die Unterschiede, sondern das Verbindende soll im

Mittelpunkt stehen. Wir wollen bei den Besuchern Emotionen

wecken und überraschende Erlebnisse ermöglichen.

Das ist der Schlüssel, um in guter und herzlicher Erinnerung

zu bleiben.

Es freut mich sehr, dass sich die vorliegende Ausgabe des

Liechtenstein-Magazins «oho» – passend zum OLMA-Auftritt

Liechtensteins – dem Thema «gutnachbarschaftliche

Beziehungen» widmet. Denn diese sind wesentliche Voraussetzungen

für den wirtschaftlichen Erfolg unserer Region.

Es muss unser aller Ziel sein, diese guten Beziehungen zu

unseren Nachbarländern zu pflegen und zu festigen,

sodass Liechtenstein weiterhin seiner Rolle als sympathischer

und verlässlicher Partner gerecht wird.

Ernst Risch

Geschäftsführer Liechtenstein Marketing

Herausgeber

Marlies Amann-Marxer

Ministerin für Infrastruktur

und Umwelt sowie Sport

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oho#3

Staat/Fürstenhaus

Wirtschaft/Bildung

Interview mit Erbprinzessin Sophie 6

Zollvertrag mit der Schweiz 12

Grenzüberschreitende Polizeiarbeit 14

Blick aus Wien 16

Grenzgänger: Wichtige Arbeitskräfte 18

Bautechnologiekonzern Hilti 22

ThyssenKrupp Presta 23

Duales Bildungssystem 25

Jungunternehmer mit guten Ideen 28

Intamin sorgt für Achterbahngefühl 30

Made in Liechtenstein 33

4


Kultur/Genuss

Natur/Freizeit

Innovativer Landwirt 34

Eselfest in Malbun 38

Topevents 2016/2017 40

Walser-Architektur 43

Kulturmomente 45

Nachbarschaftskultur 46

Schriftsteller mit grossen Visionen 48

JUFA Hotel Malbun-Alpin-Resort 50

Träumen und Geniessen 51

Koch mit Leidenschaft 52

Käsknöpfle zum Dahinschmelzen 54

Berg- und Talerlebnisse 56

Fürstliche Wanderung 58

Fünf-Schlösser-Fahrradtour 59

Der Spinnenforscher 62

Liftangestellter mit Promifaktor 64

Skistar Tina Weirather 68

Fussballlegende Mario Frick 72

Liechtenstein in Kürze 74

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Staat/Fürstenhaus

«Ich bewundere den

Erfindergeist der

Liechtensteiner»

22 Jahre ist es her, dass sich Ihre Königliche Hoheit Erbprinzessin Sophie

und Seine Durchlaucht Erbprinz Alois ewige Treue geschworen haben.

22 Jahre, in denen die Herzogin vier Kindern das Leben geschenkt, sich in

sozialen Tätigkeiten engagiert und die Herzen der Bürger gewonnen hat. Im

Interview spricht die gebürtige Bayerin über ihr Leben und ihren Einsatz für

eine bessere Welt. Mit dabei: ihre treue Begleiterin, Dackelhündin Tipsy.

Interview: Niki Eder · Fotos: Roland Korner

Königliche Hoheit, Sie sind in Bayern aufgewachsen,

haben dort die Schule besucht und studiert.

Schlägt nach so vielen Jahren Wohnsitz in Liechtenstein

immer noch das bayerische Herz in Ihnen

oder fühlen Sie sich mittlerweile als «waschechte»

Liechtensteinerin?

I. K. H. Erbprinzessin Sophie von und zu

Liechtenstein: Natürlich wird das bayerische

Herz immer in mir schlagen. Aber mittlerweile

habe ich es auch zu einem sehr grossen Teil an

Liechtenstein verloren.

Schaffen Sie es bei Ihrem gedrängten Terminplan

noch, Familie und Freunde in Bayern zu besuchen?

Den Kontakt zu meinen Verwandten versuche ich

natürlich zu pflegen – und bei einer so grossen

Familie wie der meinen ist man damit bereits gut

beschäftigt. Meine Schulfreundschaften konnten

sich aufgrund des Zeitmangels leider nicht halten.

Unterhalten Sie sich eigentlich mit Ihren Eltern

und Geschwistern im bayerischen Dialekt?

Meine Mutter stammt aus Schweden und schon allein

deshalb haben wir zu Hause nie Bayerisch geredet.

So kann ich auch gut nachvollziehen, wenn meine

Kinder heute zu mir sagen: «Bitte Mami, rede nicht

im Liechtensteiner Dialekt. Das klingt furchtbar.» Wir

sagten damals genau das Gleiche zu unserer Mutter.

Haben Sie sich irgendwelche bayerischen Traditionen

auf Schloss Vaduz bewahren können?

Typisch bayerische Traditionen fallen mir nicht

ein. Aber ab und zu essen wir gerne Weisswürste

oder einen Schweinsbraten. Wir trinken auch gerne

Bier, schätzen aber ebenso einen guten Wein.

Und was lieben Sie an Ihrer heutigen Heimat

Liechtenstein am meisten?

Da gibt es vieles. Die ersten drei Jahre unserer Ehe

wohnten mein Mann und ich in London, wo es zur

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oho#3

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Johann Baptist Dallinger von Dalling, Detail aus

«Der Hof des Reitstallgebäudes in Eisgrub», 1819

© LIECHTENSTEIN. The Princely Collections, Vaduz–Vienna

Zeit, Vertrauen in

Leistung umzusetzen.

Wenn Sie Ihre Anlageziele mit einem verlässlichen Partner an Ihrer Seite erreichen möchten.

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Staat/Fürstenhaus

oho#3

Normalität gehört, dass die Männer bis spät in die Nacht

arbeiten. Gerade nach dieser Zeit genoss ich es sehr, in

Liechtenstein leben zu dürfen, wo das Familienleben doch

mehr gepflegt wird. Ich schätze es ausserdem, einfach loslaufen

zu können und gleich direkt in der Natur zu sein.

Ich liebe die Berge. Ich mag das milde Klima und sogar

den Föhn, wenn er nicht zu stark bläst. Und nicht zuletzt

habe ich natürlich die Leute in Liechtenstein sehr gerne.

Was genau schätzen Sie denn an den Menschen in

Liechtenstein?

Sie sind sehr gradlinig, offen und unkompliziert. Und ich

bewundere ihre Effizienz und ihren Erfindergeist. Der ist

wirklich beeindruckend. Das erwähne ich auch immer,

wenn ich im Ausland mit dem Vorurteil konfrontiert werde,

dass es in Liechtenstein nur Banken gibt.

Wenn Sie einem Touristen eine Sehenswürdigkeit in

Liechtenstein empfehlen müssten, die er sich auf keinen

Fall entgehen lassen darf – welche wäre das?

Steg und Malbun sind auf jeden Fall einen Besuch wert.

Steg ist auch von der Siedlungsgeschichte her sehr interessant.

Wer schwindelfrei ist, dem empfehle ich zudem

die Fürstensteig-Wanderung. Ich selbst kann den Weg leider

nicht mehr gehen.

Nicht mehr?

Ich bin den Fürstensteig nur einmal gegangen. Aber als

ich in die Tiefe blickte, habe ich gemerkt, dass ich das

künftig besser bleiben lasse. Seither bevorzuge ich persönlich

Rundwanderungen wie den Fürstin-Gina-Weg.

uns jetzt grundsätzlich um Frauen in belasteten Situationen.

Somit beschäftigen uns auch Themen wie Fehlgeburt,

Überlastung oder Stress in der Schwangerschaft.

Im Weiteren ist das Abklären sozialrechtlicher Fragen

ein grosses Bedürfnis. Auch das Angebot von love.li in

der Sexualpädagogik wird mit ca. 200 Seminaren pro

Jahr sehr gut angenommen.

Die Beratungsstelle schwanger.li hat sowohl in Schaan,

Buchs wie auch in Feldkirch ein Büro. Was war der Grund,

in allen drei Ländern einen Sitz zu eröffnen?

Die ersten psychosozialen Beratungsstellen eröffneten wir

in Schaan und in Feldkirch – aus dem Grund, da mir die

Kontaktaufnahme im angrenzenden Nachbarland als niederschwelliger

erschien. Ansonsten besteht immer die Gefahr,

dass man der eigenen Nachbarin über den Weg läuft.

Feldkirch ist für Liechtensteinerinnen einfach anonymer.

Die Beratungsstelle in Buchs kam dann ein paar Jahre

später hinzu.

Wie viele Frauen nehmen pro Jahr das Angebot wahr?

Ungefähr 700 Frauen und Paare aus der Region liessen

sich im vergangenen Jahr von uns beraten. Darunter gibt

es auch Personen mit Migrationshintergrund sowie die

eine oder andere Flüchtlingsfrau. Je nach Situation erhalten

die Frauen von uns auch finanzielle Unterstützung.

Die Sophie von Liechtenstein Stiftung ist nicht Ihr einziges

soziales Engagement. Im Mai 2015 haben Sie von

Fürstin Marie die Präsidentschaft des Liechtensteini-

Anfang 2006 gründeten Sie die Sophie von Liechtenstein

Stiftung für Frau und Kind, welche Frauen, die

ungewollt schwanger werden, eine positive Lebensperspektive

für sich und ihr Kind bieten will. Was hat Sie

zu diesem Engagement bewegt?

In meiner Londoner Zeit wurde mir klar, wie einfach und

unbeschwert mein Leben doch ist. Ich hatte viel Kontakt

zu internationalen Frauen und wir haben uns oft über die

Situation von werdenden Müttern unterhalten sowie über

die Länderunterschiede. Aufgrund dieser Diskussionen

begann ich mich zu fragen, was denn mit all den anderen

Frauen ist, die nicht in so glücklichen Umständen leben

– jenen Frauen, die allein sind oder mit finanziellen Sorgen

zu kämpfen haben. Aus dieser Reflexion heraus entstand

später die Gründung der Stiftung.

Die Stiftung trägt die Beratungsstelle schwanger.li. Mit

welchen Problemen werden Frauen hier unterstützt?

Zu Beginn konzentrierte sich die Stiftung auf Schwangerschaftskonflikte.

In den vergangenen Jahren ist unser Gebiet

allerdings sehr viel breiter geworden. Wir kümmern

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Staat/Fürstenhaus

schen Roten Kreuzes (LRK) übernommen, womit dieses

Amt nun bereits in dritter Generation in den Händen der

fürstlichen Frauen liegt. Was waren Ihre bisher eindrücklichsten

Erfahrungen?

Es gab bereits einige erinnerungswürdige Momente. Die

Tätigkeit im Roten Kreuz ist sehr intensiv, aber vor allem

auch bereichernd und schön. Zum Beispiel kam die Caritas

vergangenen Herbst mit der Anfrage auf uns zu, einen

gemeinsamen Spendenaufruf für Syrien zu machen – was

wir auch gerne gemacht haben. Die positive Reaktion und

Grosszügigkeit der Liechtensteiner war überwältigend.

Sehr beeindruckt hat mich auch die 32. Internationale

Rotkreuz- und Rothalbmond-Konferenz in Genf, an welcher

190 nationale Gesellschaften vor Ort waren. Eine

gute Gelegenheit, um Ansprechpartner zu gewinnen und

künftige Zusammenarbeiten zu diskutieren. Ein gemeinsames

Projekt der europäischen Kleinstaaten wird sich

künftig zum Beispiel mit dem Bau von erdbebensicheren

Häusern in Nepal befassen.

Was ist Ihr persönlich wichtigstes Anliegen, für welches

Sie sich künftig in Ihrem Amt als Präsidentin des LRK

einsetzen wollen?

Ich würde mich sehr freuen, wenn es uns gelingen würde,

das Rote Kreuz wieder ein wenig zu «verjüngen» und

bekannter zu machen.

Das LRK führt unter anderem das Kinderheim in Schaan,

das vornehmlich Jugendlichen aus den ärmsten Gegenden

Osteuropas ein paar unbeschwerte Tage ermöglichen

will. Besuchen Sie die Kinder auch persönlich?

Zwei Anlässe sind immer fix eingeplant. Einmal werden

die Kinder von Fürstin Marie auf Schloss Vaduz eingeladen.

Und dann besuche ich sie einmal im Kinderheim

Gamander, wo wir zusammensitzen und uns unterhalten.

Da gibt es sehr berührende, aber auch lustige Momente

– zum Beispiel, wenn sie mich fragen, ob ich als Erbprinzessin

eine Krone trage. (schmunzelt)

Verändert der intensive Kontakt mit der Armut und dem

Leid anderer Menschen den Blick auf das eigene Leben?

Dieses Bewusstsein war bei mir eigentlich schon immer

vorhanden. Auch in meiner Verwandtschaft gibt es Menschen,

die von heute auf morgen alles verloren haben. Das

regt natürlich zum Nachdenken an. Es beginnt bei den

kleinen Dingen im Alltag. Zum Beispiel freue ich mich

immer wieder über unser Badezimmer, das wir nicht mit

zehn anderen teilen müssen. Dann ist es ein enormer Luxus,

aus dem Wasserhahn trinken zu können. Und wie

andere Leute auch frage ich mich oft, ob ich etwas tatsächlich

brauche oder eben nicht. Ich habe ein schlechtes

Gewissen, wenn ich zu viel eingekauft habe und Lebensmittel

wegwerfen muss. Das widerstrebt mir zutiefst. Und

was wir uns immer bewusst sein sollten: Es ist nicht

selbstverständlich, in einem Land leben zu dürfen, in welchem

eine Frau ohne Angst alleine im Wald spazieren gehen

kann. Diese Sicherheit bedeutet Lebensqualität.

Ihr Herz schlägt auch für Vierbeiner und Sie sind

Schirmherrin des Tierschutzvereins Liechtenstein. Seit

einigen Monaten bereichert eine junge Dackeldame, die

Sie ja auch zum Interview begleitet hat, Ihre Familie.

Stellt die kleine Tipsy das Schloss nicht auf den Kopf?

Tipsy hat natürlich schon neues Leben in die Familie gebracht,

aber sie ist zum Glück eine sehr Anständige. Gewisse

«Sicherheitsvorkehrungen» mussten wir natürlich

treffen. Dackel sollten zum Beispiel keine Treppen laufen,

das ist nicht so gut. So wird sie umso häufiger getragen,

was ihr sehr gefällt. Tipsy stammt übrigens aus dem Dackel-Wurf

meiner Schwester. Eigentlich wollte ich aus

Zeitgründen gar keinen Hund. Aber letztendlich konnte

ich ihr nicht widerstehen.

Und jetzt ist Tipsy Ihre ständige Begleiterin?

Wenn es irgendwie möglich ist, ist Tipsy dabei – auch in

den Ferien. Ich geniesse ihre Anwesenheit sehr. Eine

Freundin von mir sagte mal im Scherz: «The last child always

wears fur» ... Das hat schon was. (lacht).

Kommen wir zu einem ganz anderen Thema. Als Nachfahrin

der Stuarts werden Sie von den Jakobiten als

Thronprätendentin des britischen Throns betrachtet.

Das letzte Mal, dass jemand aus dieser Erbfolge Anspruch

auf den Thron erhoben hat, war im 18. Jahrhundert

– somit rechnet niemand damit, dass Sie Ihr Erbe

antreten wollen. Oder überraschen Sie uns vielleicht?

Diese Geschichte war bei uns zu Hause nie ein Thema

und bis zur Abiturreise nach London wusste ich nicht

einmal davon. Ein Bekannter meiner Englischlehrerin

sprach mich damals mit den Worten an: «But you’re a

Stuart.» Und ich dachte nur: Worüber redet der Mann?

Bei unserer Rückkehr fragte ich meine Eltern, die sich

köstlich amüsierten und mich schliesslich aufklärten. Ich

kann also versichern, ich werde den Anspruch auf den

britischen Thron nicht erheben.

Sie sind Herzogin, Ihr Mann Erbprinz. Sie haben damit

den höheren Adelsrang als Ihr Gemahl. Spielten die Titel

beim Kennenlernen eine Rolle?

Überhaupt nicht. Beim Adelsgeschlecht der Liechtensteins

ist nicht definiert, in welchem Rang sie heiraten

dürfen. Beim Adelsgeschlecht der Bayerns existieren

zwar gewisse Vorgaben, aber nicht für die weiblichen

Nachkommen.

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Heute sind Sie Mutter von vier Kindern. Viele glauben,

dass adlige Kinder auf einem Schloss völlig anders aufwachsen

als «Normalbürger». Ist der Familienalltag der

Fürstenfamilie tatsächlich so unterschiedlich?

Unsere Kinder wachsen grundsätzlich gleich auf wie alle

anderen Kinder in Liechtenstein auch. Sie besuchen die

Schule, können ihre Freunde aufs Schloss einladen und

diese in ihrem Zuhause besuchen. Da gibt es keinen Sonderstatus.

Ihr Sohn Prinz Wenzel ist Liechtensteins künftiger

Thronfolger. Brachte die Vorbereitung Ihres Sohnes auf

seine künftige Aufgabe mit sich, dass er bereits als Kind

eine spezielle Erziehung erfuhr?

Als Kind erhielt Wenzel genau die gleiche Erziehung wie

seine Geschwister. Wir sprechen aber in unserer Familie

grundsätzlich oft über Geschichte und Politik. Mittlerweile

ist Wenzel 21 Jahre alt und studiert Jus. Wenn er in

Liechtenstein ist, verbringt er viel Zeit mit seinem Vater,

der ihn über gewisse Dinge und Aufgaben informiert. So

wächst er langsam in seine spätere Aufgabe hinein.

Und was für Themen behandelt Ihr Lesestoff?

Quer durch, von Geschichte über Politik, Religion bis hin

zu Reisebeschreibungen – obwohl ich zugeben muss, dass

ich selbst gar nicht so gerne reise.

Sie reisen nicht gerne? Das hört man selten.

Reisen verbinde ich mit Stress. Wenn wir mit der Familie

unterwegs sind, muss ich an so viele Dinge denken und

so viel organisieren. Auspacken – Einpacken. Zu Hause ist

es entspannter. Nur ins Ferienhaus meiner Eltern nach

Portugal fahre ich gerne. Das hat aber eigentlich nichts

mit Reisen im eigentlichen Sinne zu tun. Es ist mehr eine

Standortverschiebung, da ich mich dort ja zu Hause fühle.

Gibt es einen versteckten Wunsch, den Sie sich gerne

irgendwann einmal erfüllen wollen?

Ganz ehrlich bin ich momentan wunschlos glücklich. Vielleicht

ist das aber auch so, weil ich gerade nicht die Musse

habe, mich mit dem «Was wäre, wenn ...» zu beschäftigen.

Jetzt geht es darum, etwas zu bewegen. Und da erfüllen

mich meine sozialen Aufgaben sehr.

Welche Werte wollen Sie Ihren Kindern mit auf ihren

Lebensweg geben?

Für mich ist der Glaube sehr wichtig. Ich hoffe, dass wir

ihnen diesen vorleben und auf natürliche Weise vermitteln

konnten. Daraus ergeben sich wieder andere Werte

wie Anstand, Ehrlichkeit oder der Sozialgedanke. Eine

der grössten Herausforderungen in der Kindererziehung

heute sehe ich in der Vermittlung einer gewissen Bescheidenheit,

auch einmal auf etwas warten zu können.

Wir leben in einer Zeit, in welcher «Wunschbefriedigung

auf Klick» an der Tagesordnung liegt. Ein Buch oder Lied

liegt nur einen Klick entfernt – und das 24 Stunden lang.

Dabei ist die Fähigkeit, auf etwas warten zu können, so

wichtig.

Und was wünschen Sie sich, dass Ihre vier Kinder einmal

über ihre Mutter sagen werden?

Ich wünsche mir, dass meine Kinder einmal sagen werden,

dass ihre Mutter immer für sie da war und ein offenes

Ohr für ihre Sorgen und Nöte hatte.

Wo findet eine Erbprinzessin Erholung von ihrem sozialen

Engagement und ihren Aufgaben als Mutter?

Am liebsten tanke ich Energie in der Natur oder beim

Lesen. Momentan steht dank Tipsy natürlich Spazierengehen

hoch im Kurs. Vielleicht war das auch einer der

Gründe für die Anschaffung des Hundes. Denn für Spaziergänge

wurde die Zeit in den letzten Monaten immer

knapper. Jetzt muss ich raus. Es gibt keine Ausreden

mehr.

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Staat/Fürstenhaus

Zeugnis einer

tiefen Freundschaft

Nach den Wirren des Ersten Weltkriegs musste

sich Liechtenstein ein Stück weit neu erfinden.

Das Fürstentum wandte sich von Österreich ab,

um eine Zollunion mit der Schweiz einzugehen.

Mit der Unterzeichnung des Zollanschlussvertrags

1923 legte Liechtenstein den Grundstein für den

wirtschaftlichen Aufschwung der folgenden

Jahrzehnte. Text: Stefan Lenherr

Die engen Bande, die bis heute mit der Schweiz bestehen,

pflegte das Fürstentum Liechtenstein ursprünglich

mit dem damaligen Kaisertum Österreich. Ein im

Jahr 1852 geschlossener Zollvertrag eröffnete dem armen

Bauernstaat neue Perspektiven. Der Ausbruch des

Ersten Weltkriegs stürzte die Partnerschaft jedoch in

eine tiefe Krise. Der liechtensteinische Historiker Rupert

Quaderer-Vogt hat sich intensiv mit den Geschehnissen

dieser Zeit befasst und seine Erkenntnisse in

dem dreibändigen Werk «Bewegte Zeiten in Liechtenstein

1914 bis 1926» festgehalten. «Man kann von einer

Zäsur sprechen in der liechtensteinischen Geschichte»,

sagt er. Angesichts von Lebensmittel- und Rohstoffknappheit

– zeitweise konnte mangels Kohlenachschub

nicht einmal mehr das Regierungsgebäude in Vaduz

beheizt werden – tat die Bevölkerung ihre Unzufriedenheit

immer lauter kund. Nicht zuletzt verlor auch

das Geld der Liechtensteiner rapide an Wert. Die militärische

Niederlage Österreich-Ungarns mit ihren Folgekosten

liess die österreichische Krone – das offizielle

Zahlungsmittel in Liechtenstein – ins Bodenlose sinken.

«Der Ruf in der Bevölkerung nach einer Abkehr

von Österreich wurde immer lauter», so Quaderer-Vogt.

Im August 1919 löste Liechtenstein den Zollvertrag mit

Österreich schliesslich auf.

Am 29. März 1923 wurde der Zollvertrag von Bundesrat Giuseppe

Motta und dem fürstlich liechtensteinischen Geschäftsträger in der

Schweiz, Emil Beck, unterzeichnet und trat am 1. Januar 1924 in

Kraft. In der Präambel zum Zollvertrag heisst es, dass der Vertrag

unter anderem geschlossen worden sei, um «… die zwischen der

Schweiz und dem Fürstentum Liechtenstein bestehenden freundschaftlichen

Beziehungen fester und inniger zu gestalten …».

(Quelle: Amt für Kultur, Landesarchiv)

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oho#3

Das Foto zeigt eine Hyperinflations-Banknote zu 500’000 Kronen aus

dem Jahr 1922. (Quelle: Österreichisch-Ungarische Bank)

Doch wie weiter?

«Liechtenstein suchte einen neuen Partner mit einer gesunden

Wirtschaft und einer stabilen Währung», sagt Quaderer-Vogt. In

seiner Not streckte Liechtenstein die Fühler in Richtung seines

westlichen Nachbarn aus. Die neutrale Schweiz war vom Krieg

verschont geblieben und besass eine gesunde Währung. Allerdings

gab es Vorbehalte angesichts der Avancen des kleinen

Nachbarn. «Gegen Ende des Krieges und auch danach wurde in

Liechtenstein unheimlich viel geschmuggelt», erklärt Quaderer-

Vogt. Einige Stimmen in der Schweiz warnten davor, mit diesem

«verdorbenen Volk» eine Zollunion einzugehen. Und auch in der

direkten Nachbarschaft, in den Gemeinden über dem Rhein, zeigte

man sich von der Idee wenig begeistert. Glücklicherweise hatte

Liechtenstein mit dem Bundesrat des Aussenpolitischen Departements,

Giuseppe Motta, einen prominenten Fürsprecher. «Für einmal

war die Schweiz der grössere Staat, der einem kleinen

Staat gegenüber grosszügig auftreten konnte. Auch aus

diesem Gesichtspunkt heraus sagte Motta, müsse

man diesem armen Staat unter die Arme greifen»,

erklärt Rupert Quaderer-Vogt. Am 1. Januar 1924

trat der Zollanschlussvertrag in Kraft. In der

Präambel heisst es, dass der Vertrag unter anderem

geschlossen worden sei, um «… die zwischen

der Schweiz und dem Fürstentum Liechtenstein

bestehenden freundschaftlichen

Beziehungen fester und inniger zu gestalten …».

Interview

Einführung des Schweizer Franken

Zu diesem Zeitpunkt hatte die Liechtensteiner Bevölkerung eine

andere wichtige Weichenstellung längst vorgenommen. Während

auf dem politischen Parkett noch rege über die Einführung einer

eigenen Währung diskutiert wurde, hatte das Volk in der Praxis

längst den Schweizer Franken eingeführt. In seinem Buch veranschaulicht

Quaderer-Vogt die Entwicklung mit einer Anekdote.

In einer Debatte des schweizerischen Nationalrats über den Zollanschlussvertrag

mit Liechtenstein habe der Präsident der Zolltarifkommission

geschildert, wie man ihm in Liechtenstein die

Einführung des Schweizer Franken erklärt habe: «Eines Morgens

habe der Schmied in Balzers seinen Kunden, den Bauern, erklärt,

dass er ihre Werkzeuge nur mehr spitze, wenn sie ihm den Lohn

in Frankenwährung auszahlten. Die Bevölkerung habe das einen

Tag lang nicht tun wollen. Da habe ihnen der Schmied erklärt,

dann liege er unter seinen Birnbaum im Lande draussen und

warte, bis die Herrschaften kommen. Am andern Tag seien sie

gekommen und hätten sich einverstanden erklärt, ihm aber die

Gegenbedingungen gestellt, dann müsse auch er ihnen ihre Produkte

in Schweizer Franken zahlen. Das sei dann geschehen,

und in kurzer Zeit hätten sich diese Verhältnisse über das ganze

Land verbreitet. Letzten Endes sei es die Regierung gewesen, die

dann nachgehinkt sei.» Am 26. Mai 1924 schliesslich wurde der

Franken mit Inkrafttreten des «Gesetzes betreffend die Einführung

der Frankenwährung» zum offiziellen Zahlungsmittel in

Liechtenstein erhoben.

Neuer Aufschwung

In Liechtenstein keimte nach den entbehrlichen Jahren während

und nach dem Ersten Weltkrieg dank der beschlossenen Partnerschaft

mit der Schweiz wieder Hoffnung auf. Es stellte sich auch

tatsächlich ein leichter Aufschwung ein. Das Wirtschaftswunder,

welches das heutige wohlhabende Liechtenstein hervorgebracht

hat, setzte jedoch erst nach dem Zweiten Weltkrieg ein. «Sicher

gründet der heutige Wohlstand auch auf eigener Leistung», resümiert

Quaderer-Vogt, «aber man sollte nicht glauben, dass Liechtenstein

den wirtschaftlichen Aufschwung auf sich allein gestellt

hätte bewerkstelligen können. Wir haben das Glück, dass uns andere

Länder – allen voran die Schweiz – wohlgewogen sind.»

Der Historiker Rupert

Quaderer-Vogt erklärt im Interview,

wie Liechtenstein nach dem

Ende des Ersten Weltkriegs einen

Kurswechsel vollzog und sich

stärker der Schweiz zuwandte.

www.liechtenstein.li/zollvertrag

Foto: Liechtenstein-Institut

Der liechtensteinische Historiker Rupert Quaderer-Vogt ist Autor des

dreibändigen Werks «Bewegte Zeiten in Liechtenstein 1914 bis 1926».

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Staat/Fürstenhaus

Gemeinsame Einsätze

Warum die liechtensteinische Landespolizei auf eine enge Kooperation mit

den Nachbarländern setzt. Text: Silke Knöbl

Netzwerken ist wichtig – auch für die liechtensteinische

Landespolizei. Für sie stehen dabei der Informationsaustausch

und die Zusammenarbeit mit

Polizeibehörden aus dem Ausland im Vordergrund.

Insbesondere mit den Kollegen in der Schweiz und

Österreich hält die Landespolizei engen Kontakt.

Wertvolle Synergien

Diese grenzüberschreitende Zusammenarbeit

wird durch einen Polizeikooperationsvertrag geregelt.

«Wir wägen immer ab, ob wir eigene Bereiche

aufbauen oder stattdessen mit den Nachbarstaaten

zusammenarbeiten sollen», erzählt Jules Hoch,

Chef der liechtensteinischen Landespolizei. Ein

Beispiel hierfür ist die Kriminaltechnik: Bei Diebstählen

oder Einbrüchen sichert die Landespolizei

die Spuren am Tatort. Für die Auswertung dieser

Daten greift sie auf die Schweizer Polizei zurück.

«Eigene Speziallabore einzurichten würde für uns

keinen Sinn machen», sagt Hoch.

Umgekehrt beteiligt sich die Landespolizei bei

Einsätzen im Ausland. «Wir sind Mitglied im Ostschweizer

Polizeikonkordat», erklärt Hoch. Bei dieser

Organisation haben sich die Polizeikorps der

Ostschweizer Kantone zusammengetan, um sich

in der polizeilichen Arbeit gegenseitig zu unterstützen.

«Deshalb sind wir unter anderem beim

jährlich stattfindenden Weltwirtschaftsforum

in Davos präsent», sagt Hoch. Als Mitglied

von Schengen, Europol und Interpol hilft

die Landespolizei zudem mit, internationale

Fälle aufzuklären.

Hohe Sicherheit und

Lebensqualität

Die Kriminalität im Fürstentum

Liechtenstein ist im Vergleich zu anderen

Ländern gering. Der Kleinstaat

zählt deshalb auch zu den sichersten

Ländern der Welt. «Die ländliche Struktur

spielt dabei eine wesentliche Rolle», erklärt

Hoch. «Wir haben keine Ballungszentren, und die

Bürger sind sehr aufmerksam», ergänzt er. Das

alles wirke sich positiv auf die Sicherheit des Landes

und schliesslich auf die Lebensqualität aus.

Vom Pfarrherrn zum Polizisten

Bis zum 18. Jahrhundert waren Pfarrherren und Landammänner für Ruhe und Sicherheit in den

elf Liechtensteiner Gemeinden zuständig. Eine Polizei gab es damals noch nicht. Erst im 19. Jahrhundert

wurden Landweibel und später nebenamtliche Polizeisoldaten damit beauftragt, für

Ruhe, Ordnung und Sicherheit zu sorgen. 1932 wurde das Fürstlich Liechtensteinische Sicherheitskorps

gegründet. Sieben Polizisten verrichteten damals ihren Dienst im Regierungsgebäude.

Heute beschäftigt die Landespolizei inklusive Bereitschaftspolizisten rund 160 Mitarbeitende. Als

einzige polizeiliche Behörde in Liechtenstein erfüllt sie zahlreiche Aufgaben und unterhält dazu

verschiedene Kommissariate. Darüber hinaus verantwortet sie den Betrieb des einzigen Gefängnisses

in Liechtenstein. Da das Fürstentum weder über einen Nachrichtendienst noch über eine

eigene Armee verfügt, ist einzig die Landespolizei für die Gewährleistung der inneren Sicherheit

zuständig. www.landespolizei.li

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oho#3

Jules Hoch

Funktion: Polizeichef

Jahrgang: 1963

Laufbahn: Jules Hoch wurde

1999 Chef der Kriminalpolizei.

2013 ernannte ihn die liechtensteinische

Regierung zum Polizeichef.

Zivilstand: verheiratet, 3 Kinder

Interview

Ein Gespräch mit Liechtensteins

Polizeichef Jules Hoch über die

häufigsten Delikte, die Polizeiausbildung

und warum Polizistinnen

bei der Landespolizei fehlen.

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www.liechtenstein.li/landespolizei

Fotos: Landespolizei


Staat/Fürstenhaus

Foto: istock

Blick aus Wien

Seit jeher besteht zwischen Österreich und Liechtenstein eine enge Beziehung, stammt

doch das liechtensteinische Fürstenhaus, das zu den ältesten Adelsfamilien Europas

gehört, aus dem Raum südlich von Wien. Zudem verbinden die beiden Staaten über 40

Verträge, eine offene Grenze sowie der EWR. Im Interview spricht die Liechtensteiner

Botschafterin in Wien, I. D. Maria-Pia Kothbauer, Prinzessin von und zu Liechtenstein,

über die nachbarschaftlichen Beziehungen, vergangene Höhepunkte und künftige

Herausforderungen in ihrer Arbeit. Interview: Patrik Schädler

Durchlaucht, Sie sind seit Dezember 1997 residierende

Botschafterin Liechtensteins in Wien. Wie sehen Sie

Liechtenstein mit Blick aus der österreichischen Hauptstadt?

Als einen guten und verlässlichen Partner und Freund Österreichs.

Als ein Land, das die gleichen Interessen und Werte

teilt und mit welchem die Zusammenarbeit ungemein vielseitig

ist. Als ein Land, das die Herausforderungen der letzten

Jahre gut gemeistert hat und notwendige Reformen angegangen

ist. Und als ein Land, das es geschafft hat, trotz

Weltwirtschaftskrise schuldenfrei zu bleiben.

Das Aufgabengebiet der liechtensteinischen Vertretung

in Wien umfasst vier Bereiche: Sie ist einerseits Botschaft

des Fürstentums Liechtenstein in Österreich und

Tschechien und andererseits Ständige Vertretung bei der

OSZE und den Vereinten Nationen in Wien. Wie bekommen

Sie das alles unter einen Hut?

Das ist gewiss eine Herausforderung, hat aber auch sein

Gutes. Der Vorteil ist, dass man rasch lernt, Prioritäten zu

setzen, und vielseitig bleibt. Wir haben ein ausgezeichnetes

Team in Wien, das hilft. Über die Jahre konnten wir in unseren

Aufgabenbereichen Expertise und ein sehr dichtes Beziehungsnetz

aufbauen, auf das wir zurückgreifen können.

Wie beurteilen Sie die aktuelle Beziehung zwischen

Österreich und Liechtenstein? In welchen Bereichen gibt

es erhöhten Diskussionsbedarf?

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oho#3

Die Beziehungen sind ausgezeichnet, historisch

gewachsen, freundschaftlich, eng

und belastbar. Es verbinden uns über 40

Verträge, eine offene Grenze und der

EWR. Liechtenstein ist ein geschätzter Arbeitgeber

für viele Österreicher. Im Bereich

Steuern und im regionalen Verkehr ist der Austausch

auf Expertenebene intensiv.

Sie sind nun seit achtzehn Jahren Botschafterin in Wien.

Wenn Sie zurückblicken: Welches Ereignis würden Sie

als Ihren persönlichen Höhepunkt bezeichnen?

Höhepunkte gibt es einige: die Eröffnung und der Aufbau

der liechtensteinischen Botschaft in Wien im Jahr 1998, die

Staatsbesuche aus Anlass der Restaurierung der beiden

Palais Liechtenstein in Wien in den Jahren 2004 und 2013

sowie der positive Abschluss der Verhandlungen über die

Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen mit der

Tschechischen Republik im Jahr 2009, die während drei

Jahren in Wien geführt wurden. Aber für einen Botschafter

sind es weniger diese Höhepunkte, die einem Genugtuung

geben, sondern vielmehr zu spüren, dass man an der Tragfähigkeit

der Beziehungen zwischen zwei Ländern mitgearbeitet

hat und dass unserem Land in Österreich auch in

schwierigeren Momenten Sympathie entgegengebracht

wird. Das war insbesondere im Zusammenhang mit manchen

Finanzplatzthemen der Fall. Negative «Höhepunkte»

sind die Krise in der Ukraine und generell die Sicherheitslage

in Europa, die uns in der OSZE beschäftigen und uns in

der Zusammenarbeit in Europa hemmen.

I. D. Botschafterin Maria-Pia Kothbauer (Mitte) mit Regierungschef

Adrian Hasler und Regierungsrätin Aurelia Frick beim

traditionellen Liechtenstein-Empfang der Botschaft 2015 im

Gartenpalais in Wien.

Trotz aller Anstrengungen ist Liechtenstein

für viele in Österreich noch «Terra

incognita». Wie erklären Sie Liechtenstein

einem Österreicher in einem Satz?

Einer der acht Nachbarn Österreichs, mit

Vorarlberg landschaftlich und im Wesen verwandt,

eine deutschsprachige konstitutionelle Erbmonarchie

mit einer stark ausgeprägten direkten Demokratie,

wirtschaftsliberal, unternehmerfreundlich und

innovativ, urban und ländlich zugleich, schuldenfrei, ein

Land mit einer sehr hohen Lebensqualität.

Liechtenstein befindet sich in einem Strukturwandel.

Wo sehen Sie die Risiken – wo die Chancen?

Die Liechtensteiner sind in der Regel selbstkritisch und

pragmatisch. Das ist eine gute Ausgangsbasis für Strukturwandel

und Innovation. Die Chancen bestehen darin,

dass wir Schritte früher als andere setzen und damit einen

guten Platz im hart umkämpften Markt finden können.

Bei aller nachvollziehbaren Betonung des Wirtschaftsstandortes

scheint es mir wichtig, dass wir uns

nicht zu eindimensional ausrichten und in Zukunft auch

geisteswissenschaftlichen Berufen in unserem Land einen

Platz einräumen. Im sozialen Bereich müssen wir uns den

Zusammenhalt in unserer Gesellschaft bewahren.

Welche «Geheimtipps» würden Sie einem Besucher empfehlen,

der erstmals aus Wien nach Liechtenstein reist?

Eine Wanderung durch Schellenberg, den Besuch des Russendenkmals

und zum Abschluss Käsknöpfle im «Löwen»

in Hinterschellenberg – am kleinen Grenzübergang zwischen

Österreich und Liechtenstein.

Welchen Wert hat für Sie …?

Freiheit: Muss man nützen und verteidigen.

Geld: Gibt einem die Möglichkeit, etwas umzusetzen.

Privatheit: Darüber denke ich nicht sehr viel nach.

Ehrlichkeit: Ein sehr schöner Charakterzug und eine

tägliche Herausforderung.

Familie: Ich bin wirklich froh, eine zu haben.

Politik: Hat mich immer interessiert.

Sport: Da fehlt mir das Selbstbewusstsein von Churchill.

Ich habe immer ein schlechtes Gewissen, wenn ich

daran denke.

Lebensqualität: Das, was ich erlebe.

Liechtenstein: Steht sehr gut da.

17


Wirtschaft/Bildung

Arbeitsmarkt ohne

Grenzen

Hohe Symbolkraft: Die 1901 gebaute, 135 Meter lange

Holzbrücke zwischen Liechtenstein und der Schweiz

symbolisiert die enge Zusammenarbeit beider Nachbarländer

– auch was den Austausch von Arbeitskräften

anbelangt.

18


Der Wirtschaftsstandort Liechtenstein bietet annähernd

gleich viele Arbeitsplätze, wie das Land Einwohner

zählt. Der Werk- und Finanzplatz ist deshalb auf

Fachkräfte aus den Nachbarländern angewiesen. Fast

20’000 Menschen pendeln jeden Tag aus der Schweiz,

Österreich und auch Deutschland zur Arbeit nach

Liechtenstein. Text: Stefan Lenherr

Es ist eine meisterliche Quote, die Liechtenstein in Sachen Arbeitsplatzdichte

aufweisen kann. Gemäss den aktuellsten Zahlen des Amts für Statistik

haben 36’680 Menschen in Liechtenstein Arbeit, bei einer ständigen

Bevölkerung von 37’706 – das ergibt eine Quote von satten 98,2

Prozent. Damit liegt Liechtenstein im Ländervergleich klar an der Spitze

vor Luxemburg (70,2 Prozent), der Schweiz (59,7 Prozent), Deutschland

(52,6 Prozent) und Österreich (47,9 Prozent). Der Werk- und Finanzplatz

Liechtenstein bietet dabei nicht nur der einheimischen Bevölkerung zahlreiche

Möglichkeiten, in den unterschiedlichsten Berufen eine Arbeitsstelle

zu finden, er ist auch ein bedeutendes Wirtschaftszentrum für die

gesamte Region. Nicht weniger als 10’500 Arbeitskräfte pendeln täglich

aus der Schweiz und über 8’200 aus Österreich über die Grenze, um in

Liechtenstein ihre Brötchen zu verdienen. Rund 600 Menschen nehmen

sogar die Anfahrt aus Deutschland in Angriff.

Die hohe Zahl an Grenzgängern erklärt sich auch damit, dass das Fürstentum

bei der Vergabe von Aufenthaltsbewilligungen angesichts der

knappen Ressource Land zurückhaltend ist. So lassen sich auch viele EU-

Bürger aus Deutschland oder Italien in der unmittelbaren Nachbarschaft

nieder, um in Liechtenstein arbeiten zu können. Von dieser Möglichkeit

profitieren nicht zuletzt auch die Unternehmen in Liechtenstein selbst,

hätten sie doch einen äusserst schweren Stand, wenn sie die benötigten

Fachkräfte nicht in den Nachbarländern rekrutieren könnten. «Mehr als

die Hälfte der in Liechtenstein beschäftigten Arbeitskräfte pendeln jeden

Tag über die Grenze, um bei uns zu arbeiten», sagt Christian Hausmann,

der Leiter des liechtensteinischen Amts für Volkswirtschaft. «Angesichts

solcher Werte liegt es auf der Hand, dass Zupendler für

unseren Wirtschaftsstandort enorm wichtig sind.»

Raluca Voicu, Projektleiterin Business Development Tools

bei Oerlikon Balzers.

«Liechtenstein und

Oerlikon Balzers bieten

mir internationales Flair»

Raluca Voicu ist eine von über 10’000 Personen,

die jeden Tag von ihrem Wohnort in der Schweiz

nach Liechtenstein pendeln. Die gebürtige Rumänin

wohnt in Feusisberg im Kanton Schwyz und

arbeitet seit drei Jahren bei Oerlikon Balzers. Das

international tätige Industrieunternehmen beschäftigt

am Hauptsitz in der liechtensteinischen

Gemeinde Balzers über 700 Mitarbeiter aus der

ganzen Welt und geniesst am Markt dank seiner

zahlreichen Innovationen und der hohen Qualität

der Entwicklungen einen hervorragenden Ruf.

Den rund 80 Kilometer langen Anfahrtsweg an

ihren Arbeitsplatz nimmt Voicu dementsprechend

gerne in Kauf.

«Liechtenstein und Oerlikon

Balzers bieten mir beide internationales

Flair – und

ein Umfeld, in dem ich

mich wohlfühle und durch

das ich vielfältige Inputs

bekomme», sagt sie, «das

ist für mich sowohl aus beruflicher

als auch privater

Sicht sehr wichtig.» Die rund

50-minütige Autofahrt von ihrem

Wohnort nach Balzers nutzt Voicu, um

sich gedanklich auf anstehende Aufgaben und

Meetings vorzubereiten, über Projekte nachzudenken

oder manchmal auch einfach, um die schöne

Fahrtstrecke den Walensee und Zürichsee entlang

zu geniessen.

Video-Interview

Christian Hausmann, Leiter des

Amts für Volkswirtschaft, erklärt

das Jobwunder Liechtenstein und

die Bedeutung ausländischer Fachkräfte

für den Wirtschaftsstandort.

www.liechtenstein-business.li/

grenzgaenger

19

Foto: Heinz Preute


Aus Liechtenstein

in die ganze Welt.

Aus der ganzen Welt

nach Liechtenstein.

Oerlikon Balzers ist ein weltweit führender Anbieter von Beschichtungen.

Durch unsere innovativen und umweltfreundlichen

Beschichtungslösungen erhöhen wir die Leistungsfähigkeit

von Werkzeugen und Präzisionsbauteilen und verlängern

deren Lebensdauer. Davon profi tieren zum Beispiel die Automobil-

und Luftfahrtindustrie, aber auch die Metall- und

Kunststoffverarbeitung.

Als einziger Anbieter sind wir mit über 100 Beschichtungszentren

in Europa, Asien und Amerika präsent. Die einheitlich

hohe Qualität, für die wir weltweit stehen, erzielen wir

durch standardisierte Fertigungsprozesse – auf der Basis von

Forschung und Entwicklung aus Liechtenstein. Mit Oerlikon

Metco bilden wir das Surface Solutions Segment der Oerlikon

Gruppe und haben das Know-How, das Portfolio und die

weltweite Präsenz noch weiter ausgebaut.

Global denken, lokal handeln: Für Oerlikon Balzers von Anfang

an eine Selbstverständlichkeit. So bringen wir unsere Innovationskraft

aus Liechtenstein in die ganze Welt. Und das

seit 70 Jahren!

Mehr Infos unter: www.oerlikon.com/balzers

20


Wirtschaft/Bildung

oho#3

Attraktive Industriearbeitsplätze

Vor dem Wandel Liechtensteins vom ärmlichen Agrarstaat zum modernen

Wirtschaftsstandort waren es die Einheimischen, die über der Grenze

in Österreich oder der Schweiz auf Arbeitssuche gingen. Doch seit dem

Ende des Zweiten Weltkriegs geht es mit der Wirtschaft in Liechtenstein

steil nach oben. In den vergangenen 20 Jahren hat sich das Bruttoinlandsprodukt

auf aktuell rund 5,3 Milliarden Franken verdoppelt. Dafür ist

nicht nur der international ausgerichtete Finanzplatz verantwortlich. Tatsächlich

sind über 40 Prozent der in Liechtenstein beschäftigten Personen

in der Industrie und im Gewerbe tätig – ein im Vergleich zu anderen

mitteleuropäischen Staaten ein beachtlich hoher Wert. Unter den rund

4’300 Unternehmen in Liechtenstein finden sich klingende Namen wie

der Bautechnologiekonzern Hilti, der Automobilzulieferer ThyssenKrupp

Presta oder das Industrieunternehmen Oerlikon Balzers. Sie gehören zu

den zehn grössten Unternehmen Liechtensteins, die zusammen rund ein

Viertel aller Arbeitsplätze in Liechtenstein stellen. Daneben gibt es allerdings

zahlreiche kleine und mittlere Unternehmen, die oft hoch spezialisiert

sind, in ihrem Bereich zu den besten der Welt gehören und für die

es schlicht Spass macht, zu arbeiten, wie Christian Hausmann die Attraktivität

des Wirtschaftsstandorts Liechtenstein erklärt. «Natürlich, wir

haben ein hohes Lohnniveau. Aber wir haben auch viele hoch technologisierte

Industriebetriebe, in denen man sich persönlich in seinem Bereich

voll entfalten kann.»

Industriesektor

14’354

Arbeitsplätze

37’706 Einwohner

4’331 Unternehmen

38’363 Arbeitsplätze

Zupendler aus

Deutschland

603

Dienstleistungssektor

23’711

Arbeitsplätze

Zupendler aus

Österreich

8’226

Liechtensteins

Grenzen

Liechtenstein ist ein souveräner Staat, der gänzlich

ohne eigene Grenzbeamte auskommt. An der

Grenze zwischen der Schweiz und Liechtenstein

hätten sie ohnehin nichts zu tun: Seit 1923 bilden

die beiden Nachbarländer eine Zollunion. Bloss die

jeweiligen Landesflaggen und Grenztafeln auf den

Rheinbrücken erinnern daran, dass es sich um

zwei verschiedene Staaten handelt. Auch an der

Grenze zu Österreich können Reisende oder Pendler

auf dem Weg zur Arbeit ihren Pass getrost im

Handschuhfach liegen lassen. Sowohl die Republik

Österreich, die ein EU-Mitgliedsstaat ist, als

auch Liechtenstein sind dem Schengener Abkommen

beigetreten, weshalb es an den Grenzübergängen

zwischen den beiden Ländern keine Personenkontrollen

mehr gibt. Die einzige Zollstation

findet sich an der Grenze zu Österreich in Schaanwald.

Diese wird auf liechtensteinischer Seite jedoch

vom Schweizer Grenzwachtkorps betreut.

Zupendler aus

der Schweiz

10’506

Quelle: Amt für Statistik, Stand Ende 2014

Zu den besten zu gehören, ist angesichts hoher Lohnkosten

die einzige wirksame Überlebens- und Wachstumsstrategie

für liechtensteinische Unternehmen. «Die liechtensteinische

Wirtschaft hat sich mit ihren Produkten immer über

Qualitäts- und Technologieführerschaft definiert, nie über

Kostenführerschaft», sagt Hausmann. Deshalb wird es auch

künftig entscheidend sein, die freundschaftlichen Beziehungen

zu den Nachbarländern zu pflegen, damit dank

durchlässiger Grenzen die benötigten Fachkräfte in Liechtenstein

ihrer Arbeit nachkommen können.

21


Wirtschaft/Bildung

Foto: Hilti

Der Botschafter

mit dem roten Koffer

Meilensteine

Die Meilensteine in der 75-jährigen

Geschichte von Hilti und wie

das neue Innovationszentrum in

Liechtenstein die Zukunft des

Konzerns sichern soll unter:

www.liechtenstein-business.li/

hilti

Die Schweiz hat Swatch, Deutschland Volkswagen – und Liechtenstein? Das Fürstentum bietet

keineswegs nur Finanzdienstleistungen an, sondern exportiert auch weltberühmte Produkte.

Die bekanntesten: Elektrogeräte des Bautechnologiekonzerns Hilti. Text: Stefan Lenherr

Auf Reisen wird dem Liechtensteiner erst richtig bewusst, was für

ein Exot er ist. Auf den Flughäfen dieser Welt muss er den Zollbeamten

oft erklären, dass er keineswegs einen Fantasiepass in den

Händen hält, sondern das Land, das er seine Heimat nennt, tatsächlich

existiert. Zur Beweisführung ist im Liechtensteiner Pass

praktischerweise eine Landkarte Westeuropas integriert, in der

das kleine Fürstentum eingezeichnet ist. Und glücklicherweise

gibt es die Firma Hilti. Denn überall auf der Welt haben Menschen

plötzlich Bilder von Bohrmaschinen und roten Koffern vor ihrem

inneren Auge, wenn man von Hilti – einem ur-liechtensteinischen

Unternehmen – spricht. Mit seiner Befestigungs- und Abbautechnik

ist der Bautechnologiekonzern einer breiten Öffentlichkeit bekannt.

Heute umfasst das Produktportfolio des Systemanbieters

mit eigenem Direktvertrieb unter anderem auch Laser-Messtechnik,

Brandschutzsysteme oder Installationstechnik ebenso wie

technische Beratung, Softwarelösungen und Serviceleistungen.

Hilti ist mit über 1’600 Mitarbeitern am Hauptsitz in Liechtenstein

einer der wichtigsten Arbeitgeber des Landes. Weltweit beschäftigt

das Unternehmen mehr als 23’000 Mitarbeiter. Als die

Brüder Martin und Eugen Hilti im Jahr 1941 die Maschinenbau

Hilti OHG gründeten, hatten sie noch fünf Mitstreiter. Zu den

Kunden der ersten Stunde zählten die Schweizer Textil- und die

deutsche Automobilindustrie, die in Schaan einzelne Produktteile

fertigen liessen. Doch schon bald machte sich der junge Betrieb

daran, eigene Produkte zu entwickeln. Im Jahr 1967 gelang

schliesslich der ganz grosse Wurf: Der Bohrhammer «Hilti TE 17»

mit elektropneumatischem Schlagwerk eroberte die Baubranche

im Sturm.

Viel Geld für neue Innovationen

Hilti tut einiges dafür, damit der Name auch in Zukunft mit neuen

Lösungen erster Güte in Verbindung gebracht wird. So hat der

Konzern für rund 120 Millionen Franken ein neues Innovationszentrum

am Hauptsitz in Schaan gebaut, um am «Next Big Thing»

zu tüfteln. Mit der neu errichteten Ideenschmiede beweist Hilti

die Verbundenheit mit Liechtenstein. Und sie lässt dessen Bürger

hoffen, dass sie auch in Zukunft interessierten Ausländern ein

«Aha-Erlebnis» bescheren können, wenn sie erklären, dass die

weltbekannte Firma Hilti eine ur-liechtensteinische ist.

22


oho#3

Lenksysteme für

die Autos der Zukunft

In den 75 Jahren seit der Gründung hat sich ThyssenKrupp Presta zu einem global führenden

Zulieferer der Automobilindustrie entwickelt. Das Unternehmen ist mit rund 2000 Mitarbeitern

am Hauptsitz in Liechtenstein der grösste private Arbeitgeber des Landes und will mit neuen

Technologien die automobile Zukunft aktiv mitgestalten. Text: Stefan Lenherr

Am 28. Oktober jährt sich der Gründungstag

der Press- und Stanzwerk AG, die sich

heute ThyssenKrupp Presta nennt, zum

75. Mal. Das Unternehmen gehört zu den

Industriepionieren, die den Aufschwung

der liechtensteinischen Wirtschaft nach

dem Zweiten Weltkrieg massgeblich mitprägten,

und zählt heute zu den wichtigsten

Stützen des heimischen Werkplatzes.

Allerdings hat die Presta auch sehr

schwierige Zeiten durchlebt. Das Unternehmen

produzierte zu Beginn Munitionskomponenten

und später Schrauben in

grossen Mengen. Gegen Ende des Zweiten

Weltkrieges gingen die Aufträge jedoch

zurück und in den 1960er-Jahren stand

selbst die Möglichkeit eines Verkauf in die

USA im Raum. Erst der Einstieg ins Automobilgeschäft

brachte die Wende.

Mitarbeiter der ThyssenKrupp Presta

feilen in der Akustikhalle am Hauptsitz

in Eschen an neuen Technologien

für die Automobilindustrie.

Foto: ThyssenKrupp-Presta

Neue Trends als Chance

Das Unternehmen erarbeitete sich eine

Stellung als gefragter Zulieferer in der

Autoindustrie und expandierte fortan

mit eigenen Standorten in der ganzen

Welt. Einen kräftigen Wachstumsschub

erfuhr ThyssenKrupp Presta im Jahr

2003 mit der Übernahme des Lenkungsgeschäfts

von Mercedes-Benz. Auf einen

Schlag stieg die Anzahl der Mitarbeiter

um 1’700 Personen und der Umsatz des

Unternehmens erhöhte sich um satte 300

Millionen Euro. Bis heute ist das Wachstum

der Presta ungebremst. Sie zählt

weltweit zu den erfolgreichsten Herstellern

von Lenksystemen und ist Technologieführer

auf dem Gebiet der Massivumformung.

Am Hauptsitz in Eschen sowie

an seinen Standorten in Europa, Nordund

Südamerika sowie Asien beschäftigt

das Unternehmen aktuell über 7’000

Mitarbeiter, die im vergangenen Jahr einen

Umsatz von 1,9 Milliarden Franken

generierten. Das Ende der Fahnenstange

ist dabei längst nicht erreicht, wie CEO

Guido Durrer erläutert: «Da wir direkt

von der Automobilindustrie und den jeweiligen

Märkten abhängig sind, bieten

sich uns aufgrund des Marktwachstums

grosse Wachstumsmöglichkeiten.» Durrer

sagt, technologisch würde sich die

Automobilindustrie stärker in Richtung

autonomes Fahren und Elektrifizierung

entwickeln. Und da wittert die Presta

ihre Chance, ganz vorne mitmischen zu

können. «Mit der Lenkung sind wir bezüglich

beider Trends direkt betroffen

und können von diesem Technologiewechsel

profitieren.» Dabei kommt dem

Hauptsitz des Unternehmens im liechtensteinischen

Eschen eine entscheidende

Rolle zu. «Hier findet die Entwicklung

der zukünftigen Produkte statt, die dann

im globalen Produktionsnetzwerk mit 16

Standorten produziert werden», sagt

Durrer.

23


Freiheit heisst,

in die Höhe getragen zu werden.

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24


Duales SystemDuales System

Wirtschaft/Bildung

oho#3

Ausbildung made

in Liechtenstein

Uni Vaduz, HSG in St. Gallen, oder doch lieber nach Innsbruck oder

Wien? Wohin sollte der Weg nach erfolgreich bestandener Matura

führen? Annina Götz entschied sich im Sommer 2015 für Schaan,

für eine Berufslehre als Kauffrau. Text: Michael Benvenuti

Die Entscheidung von Annina Götz

für eine Lehre war ganz bewusst:

«Ich wollte etwas Praktisches machen

und konkrete Ergebnisse sehen.»

Ausserdem wollte sie ihre Sozialkompetenz

steigern. «Ich habe sehr

ungern telefoniert, scheute den Kontakt

mit Menschen, wusste nicht, wie ich mit Kritik umgehen

sollte, wie man sich präsentiert und Ideen verkauft.»

Heute kann sie es. Die 19-Jährige klingt freundlich und

kompetent am Telefon, ist offen im Gespräch, lacht, gestikuliert

– von Unsicherheit keine Spur.

Auch ihre Angst, dass sie den Anforderungen in der Berufsfachschule

nicht gewachsen sein könnte, ist längst verflogen.

«Ihr Notenschnitt beträgt 5,3», erzählt Ivan Schurte,

Bereichsleiter Berufsbildung bei der Wirtschaftskammer

und zugleich Vorgesetzter von Annina, stolz. Dieser Schnitt

sei deshalb so bemerkenswert, weil die junge Frau die ersten

vier Semester in einem einzigen Jahr absolvieren muss.

«Way-up» nennt sich diese komprimierte Form der Lehre

und richtet sich speziell an Maturanten. Für Annina Götz

dauert die Ausbildung deshalb nur zwei Jahre statt deren

drei. Über ihre weitere Karriere hat sich die sympathische

Schellenbergerin zwar noch keine Gedanken gemacht, für

Ivan Schurte steht aber fest: «Am Ende wird sie eine Gewinnerin

sein. Ihr stehen alle Türen offen, ihr Weg ist sehr

nachhaltig.»

den Unternehmern gefordert werden. Dadurch fällt ihnen

der Übertritt in den Arbeitsmarkt oft leichter als Absolventen

allgemeiner Bildungsgänge. Diesen Vorteil streicht

auch Liechtensteins Bildungsministerin Aurelia Frick heraus:

«Der Lernende lernt praxisnah. Konkrete Arbeitsresultate

motivieren und durch Einbindung in den Betrieb lernt

er Verantwortung zu übernehmen. Teamfähigkeit und Sozialkompetenz

eignet er sich in einem realen Arbeitsumfeld

an. Das sind Eigenschaften, die am Arbeitsmarkt gesucht

werden.»

Dem kann Ivan Schurte nur zustimmen: «Die duale Berufsbildung

ist ein stabiles Fundament für erfolgreiche Unternehmen.»

Die in anderen Ländern vorangetriebene Steigerung

der Akademikerquote sieht er entsprechend kritisch:

«Ich kann nicht gleich viele Häuptlinge wie Indianer haben.

Foto: Michael Zanghellini

Stabiles Fundament für erfolgreiche Unternehmen

Das Modell der Berufslehre ist in Liechtenstein seit Jahrzehnten

tief verwurzelt, geniesst in der Gesellschaft ein

sehr hohes Ansehen und ist so simpel wie erfolgreich: Die

Lernenden werden parallel im Lehrbetrieb und in der Berufsfachschule

für einen bestimmten Beruf ausgebildet und

erwerben in der Regel exakt jene Kompetenzen, die von

Annina Götz entschied sich nach der Matura bewusst für eine

Berufslehre als Kauffrau.

25


Wirtschaft/Bildung

Mit «100pro!» dem

Fachkräftemangel

entgegenwirken

Foto: ThyssenKrupp Presta

Auch ThyssenKrupp Presta setzt bewusst

auf die duale Berufslehre.

Hier braucht es einen gesunden Mix.» Hätte denn die duale

Berufsbildung das Zeug zum Exportschlager? «Ja», ist Werner

Kranz, Leiter des Amts für Berufsbildung und Berufsberatung,

überzeugt, «die Berufslehre ‹made in Liechtenstein› hat

mit Bestimmtheit das Zeug zum Exportschlager. Angesichts

der tiefen Jugendarbeitslosigkeit und des hohen Fachkräftebedarfs

ist eine Exportentwicklung der dualen Berufsbildung in

andere Länder mehr als nur spürbar.»

Die Lehre habe zweifellos vielen Unternehmen in Liechtenstein

massgeblich geholfen, zu Weltmarktführern zu reifen,

betont Schurte. Ob das Bildungsmodell allerdings problemlos

1:1 in beliebige Länder exportiert werden könnte, bezweifelt

er. «Damit es funktioniert, braucht es auch ein entsprechendes

soziales Umfeld. In der Gesellschaft muss die Einstellung

zu Leistungsbereitschaft und Ehrgeiz verankert sein.»

Um den Stellenwert der dualen Berufslehre weiter zu

erhöhen und Lehrbetrieben wie Lernenden unter die

Arme zu greifen, hat die Wirtschaftskammer Liechtenstein

die Initiative «100pro!» ins Leben gerufen. Das

Programm fusst auf drei Pfeilern: dem Lernenden-Coaching

(LC), dem Betriebs-Coaching (BC) und der

Verbundausbildung.

Das LC bietet für die Jugendlichen eine ganz praktische

Unterstützung im schulischen Bereich. Neben schulischer

Nachhilfe, Semesterbesprechungen und Lerntypenberatungen

werden auch Hausaufgaben im Rahmen

der Hausaufgaben Lobby (HALO) betreut, um den schulischen

Erfolg der Lernenden zu sichern. Mit dem Betriebscoaching

von «100pro!» werden die Lehrbetriebe

von administrativen Aufgaben wie der Rekrutierung

der Lernenden, der Erstellung von Ausbildungsplänen

oder der Durchführung von Qualifikationsgesprächen

entlastet und können sich so ganz auf die praktische

Ausbildung konzentrieren. Die Verbundlehre soll auch

Kleinbetrieben und spezialisierten Unternehmen die

Möglichkeit bieten, ganzheitliche Ausbildungsplätze zu

schaffen. Die Lernenden werden bei der Wirtschaftskammer

Liechtenstein angestellt und absolvieren ihre

fachliche Ausbildung nach einem vorgegebenen Einsatzplan

abwechselnd bei mehreren beteiligten Lehrbetrieben.

Der Verbundvertrag regelt dabei die genaue Zusammenarbeit

zwischen der Wirtschaftskammer und

den einzelnen Unternehmen.

Bildungswege zunehmend individuell

In der Erstausbildung beträgt das Verhältnis zwischen den Abschlüssen in

der beruflichen Grundbildung und der gymnasialen Maturität in Liechtenstein

rund 70 zu 30. In der beruflichen Grundbildung nehmen der Metallund

Maschinenbau sowie das Bildungsfeld Organisation/Verwaltung/Büro

die Spitzenpositionen ein. Es folgen die technischen Berufe, die Heilbehandlung,

der Verkauf und das Baugewerbe. Die Zahl der Lehrabschlüsse in

Liechtenstein bewegt sich seit 2005 auf relativ konstantem Niveau bei rund

300 bis 350. Insgesamt werden von den rund 340 aktiven Lehrbetrieben ca.

1’200 Lernende ausgebildet. Immer mehr werden nach dem Lehrabschluss

Weiterbildungsmöglichkeiten wahrgenommen. Dazu gehören insbesondere

die höheren Fachschulen oder die Fachhochschulen. Das liechtensteinische

Bildungssystem bietet damit sehr viele Möglichkeiten für die persönliche

und berufliche Entwicklung, und zwar aus jeder Ausgangsposition.

26

Aktuell betreut «100pro!» 170 Lernende in verschiedenen

Bereichen. 25 absolvieren eine Berufslehre im Verbund

von verschiedenen Betrieben, 60 Lernende kommen

in den Genuss des BCs und durchschnittlich 80

Jugendliche werden im LC betreut. «Durch die aktive

Kombination von Fach- und Ausbildungskompetenzen

gelangen erfolgreiche junge Berufsleute auf den Arbeitsmarkt.

So wird dem Fachkräftemangel entgegengewirkt»,

ist Ivan Schurte, Bereichsleiter von «100pro!» bei

der Wirtschaftskammer, überzeugt.

Interview

Für Remo Kluser, Leiter Berufsausbildung

bei der Hilti AG, hat

die duale Berufsbildung das Zeug

zum Exportschlager, wie er im Interview

betont.

www.liechtenstein.li/

berufsbildung


oho#3

BACHELOR (BSc)

Architektur

Betriebswirtschaftslehre

MASTER (MSc)

Architecture

Entrepreneurship

Finance

Information Systems

DOCTORATE (PhD)

Architecture and Planning

Business Economics

www.uni.li 27


Wirtschaft/Bildung

Der Selbstlose

Florian Büchel weiss, was er beruflich will. Das war

nicht immer so. Deshalb hat er mit zwei Freunden

mychoice.info gegründet. Mit dieser Online-Plattform

hilft er Jugendlichen bei der Lehrstellensuche –

ehrenamtlich. Text: Silke Knöbl

«Früher wollte ich Eishockey-Goalie werden», erzählt Florian Büchel. Warum?

Weil ihn der Sport fasziniert hat. Gespielt hat er nie. Später wollte er

Landschaftsarchitekt werden. «Die Natur hat mich schon immer begeistert.»

Entschieden hat er sich schliesslich für eine kaufmännische Lehre

bei einer Liechtensteiner Bank. «Ich wollte in die Fussstapfen meines Vaters

treten.»

Wer jung ist, weiss vielfach nicht, welchen Beruf er erlernen soll. Viele Berufe

kennt man nicht und bei anderen weiss man nicht genau, was dahintersteckt.

Hinzukommt, dass die Jugendlichen nicht allein entscheiden.

Beeinflusst werden sie von den Lehrern und vor allem auch von den Eltern.

Das war auch bei Florian Büchel nicht anders. Deshalb will er Jugendlichen

die Berufswahl mit einem eigenen Projekt erleichtern:

mychoice.info.

Einblick in die Berufswelt

Es ist eine Plattform, auf der verschiedene Berufe mit Videos vorgestellt

werden. Neutral und authentisch. «Die Jugendlichen informieren sich heute

primär im Internet», sagt Florian Büchel. «Und ein multimediales Angebot

dieser Grössenordnung gibt es in der Region noch nicht.» Die Plattform

soll nicht nur Jugendlichen, sondern auch deren Eltern einen Einblick in

die Berufswelt geben.

Das Projekt stemmt er in der Freizeit – gemeinsam

mit seinen beiden Jugendfreunden Kevin Gabathuler

und Kevin Frick. Die drei haben ihre Kindheit

im selben Dorf verbracht; sie gingen in dieselbe

Schule und spielten gemeinsam Fussball. Bislang

haben sie über 2’400 Arbeitsstunden in die

Plattform gesteckt.

Lehrberufe

entdecken

Die Videos auf mychoice.info vermitteln

Einblicke in Lehrberufe

verschiedener Branchen.

www.mychoice.info

28


oho#3

Florian Büchel gibt Schülern

Einblicke in die selbst entwickelte

Plattform mychoice.info.

Ausgezeichnetes Projekt

Der Aufwand lohnt sich: Die Gründer gewannen

Wettbewerbe, etwa den Ideenkanal

Liechtenstein sowie das 11. Interregionale

Jugendprojekt. Zudem erhielten sie

einen Förderpreis in der Höhe von 15’000

Schweizer Franken von einer Stiftung, die

hilft, Bildung und berufliche Weiterbildung

von Jugendlichen und jungen Erwachsenen

in der Region zu fördern.

Fotos: Roland Korner

Das Geld fliesst vollumfänglich ins Projekt.

Denn die qualitativ hochwertigen Videos

werden mit Unterstützung einer externen

Firma produziert und sind teuer.

Zudem soll mychoice.info in den nächsten

Monaten auch auf die Schweiz ausgedehnt

werden. «Wir wollen mehr Jugendliche erreichen»,

sagt Florian Büchel.

Um die Aktivitäten voranzutreiben, ist er

regelmässig in Kontakt mit verschiedenen

Berufsverbänden in Liechtenstein und der

Schweiz. Florian Büchel ist der Kommunikator

und Finanzchef im Projekt. Die beiden

Rollen liegen ihm. Das Wissen und die

Erfahrung hat er sich unter anderem im

Betriebswirtschaftsstudium an der Uni

Liechtenstein angeeignet. «Die Ausbildung

war sehr praxisorientiert», erzählt Florian

Büchel. Nicht zuletzt hilft sie ihm auch,

den eigenen Berufsweg weiterzugehen.

Verantwortungsvolle Aufgabe

Der 26-Jährige arbeitet seit September

letzten Jahres bei einem Immobilien- und

Treuhandunternehmen in Vaduz. Die Firma

wird von seinem Vater und zwei weiteren

Partnern geführt. In ein paar Jahren

wird der junge Liechtensteiner die Rolle

seines Vaters übernehmen. Eine gute

Nachfolgelösung und eine herausfordernde

Aufgabe, auf die sich Florian Büchel bereits

sehr freut.

mychoice.info wird er weiterhin ehrenamtlich

betreuen. «Es ist nicht unsere Absicht,

Profit damit zu erzielen», sagt der Social

Entrepreneur. «Schliesslich habe ich meinen

Beruf, um Geld zu verdienen.»

Jungunternehmer

unter

sich: v. l. Kevin

Gabathuler,

Kevin Frick,

Florian Büchel

Universität Liechtenstein

Die staatliche Hochschule ist jung, regional

verankert und international aktiv. Sie bietet

Bachelor-, Master- und Doktoratsstudiengänge

sowie Weiterbildungsprogramme in

den Bereichen Architektur und Raumentwicklung,

Entrepreneurship, Finanzdienstleistungen

und Wirtschaftsinformatik an.

www.uni.li

29


Wirtschaft/Bildung

Rekordhalter der

Vergnügungsbranche

Achterbahnen sind die grossen Attraktionen der zahlreichen

Vergnügungsparks rund um den Globus. Höher, schneller,

spektakulärer: Im Geschäft mit Loopings, Katapultstarts und

Überschlägen mischt mit Intamin Amusement Rides ein

liechtensteinisches Unternehmen ganz vorne mit. Text: Stefan Lenherr

Auch im überschaubaren Wirtschaftsraum Liechtenstein

gibt es sie noch, die Hidden Champions. So werden Firmen

genannt, die in ihrer Branche zu der absoluten Weltspitze

gehören, aber in der Öffentlichkeit kaum bekannt

sind. Intamin – das Akronym steht für International

Amusement Installations – ist eine davon. Seit der Gründung

1967 zeichnete das Unternehmen bei über 100 Achterbahnen

für die Planung und den Bau verantwortlich

und ist mit seinen Anlagen auf Vergnügungsparks der

ganzen Welt präsent – unter anderem im Disneyland Paris

oder im Europapark Rust. Und doch ist Intamin kein

Name, der ausserhalb der Branche geläufig ist.

Die Werbetrommel rühren, das ist nicht die Sache von Intamin-Chef

Patrick Spieldiener. Und es stört ihn kein bisschen,

wenn die Leute in Paris, London, Las Vegas oder

Abu Dhabi mit einer Achterbahn aus der Intamin-Schmiede

fahren, ohne davon Notiz zu nehmen. «Wir legen da

überhaupt keinen Wert drauf», sagt Spieldiener und erklärt

auch, weshalb. «Kunden, die mit uns neue Bahnen

realisieren, müssen sich sehr stark engagieren. Daher ist

unsere Haltung, dass sie diejenigen sein sollen, die den

Werbeeffekt erzielen und die Lorbeeren einheimsen.» Es

sei für ihn deshalb auch absolut tabu, über aktuelle oder

anstehende Projekte zu sprechen.

Neue Bestmarken im Visier

Weil Parkbetreiber in Sachen Öffentlichkeitsarbeit naturgemäss

weniger Zurückhaltung an den Tag legen, ist dennoch

zu erfahren, dass Intamin derzeit in Orlando im US-

Bundesstaat Florida an einem Grossprojekt beteiligt ist.

Der Gründer des Unternehmens US Thrill Rides, Bill Kitchen,

plant laut dem Branchenblatt «InPark Magazine» als

Hauptattraktion die rund 300-Millionen-Dollar teure

Attraktion Skyplex inklusive einer Achterbahn, welche

gleich mehrere Bestmarken aufstellen soll. Unter anderem

wird der «Skyscraper», der voraussichtlich im Jahr 2018 in

Betrieb geht, mit 173 Metern die höchste Achterbahn der

Welt sein. Damit das Vorhaben gelingt, vertraut er auf die

Dienste von Intamin. Gegenüber dem «InPark Magazin

ist Kitchen voll des Lobes für die liechtensteinische Firma.

«Wir könnten nicht glücklicher sein, Intamin mit an Bord

zu haben.» Schliesslich sei Intamin dafür bekannt, Rekord-Achterbahnen

zu bauen.

30


oho#3

Foto: Jean-Jacques Ruchti

Patrick Spieldiener ist Präsident von Intamin

Amusement Rides und Intamin Transportation,

beide mit Hauptsitz in Schaan, Liechtenstein.

Mobilität von morgen

Neben dem Geschäft mit Vergnügungsbahnen

führt Spieldiener eine weitere Firma für Transportlösungen.

In einigen Städten wie Moskau oder

Hamburg sind die Monorail-Systeme, also eingleisige

Hochbahnen, bereits erfolgreich im Betrieb.

Zuletzt hat Intamin Transportation den Auftrag

erhalten, eine Monorail in der italienischen Stadt

Bologna zu bauen. Der sogenannte Marconi Express

soll den Flughafen mit dem Hauptbahnhof

verbinden. Ähnliches schwebt Intamin-Geschäftsführer

Patrick Spieldiener für den Liechtensteiner

Hauptort vor. Eine Bahn vom Rheinpark Stadion in

die Innenstadt von Vaduz wäre relativ günstig zu

realisieren und dazu eine Touristenattraktion.

Interview

Die Intamin-Achterbahn

Millennium Force im US-

Bundesstaat Ohio brach bei

ihrer Eröffnung gleich

mehrere Weltrekorde.

Intamin-Chef Patrick Spieldiener

verrät, welches seine Lieblings-

Achterbahn ist und worauf sich

Besucher von Vergnügungsparks

in Zukunft freuen dürfen.

www.liechtenstein-business.li/

intamin

31

Fotos: Intamin


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Schneller als ein Formel-1-Ferrari

Am schnellsten, am höchsten, am spektakulärsten: Superlative

sind in einem gesättigten Markt wie den USA überlebensnotwendig,

um der Konkurrenz ein Schnippchen schlagen zu

können. Und mit Rekorden kennt man sich bei Intamin wahrlich

aus. So zeichnet das Unternehmen auch für die aktuell

schnellste Achterbahn der Welt verantwortlich, die Formula

Rossa im Freizeitpark Ferrari World in Abu Dhabi. Die Besucher

werden hier mithilfe eines 25’000 PS starken hydraulischen

Systems innerhalb von 4,9 Sekunden auf Tempo 240

beschleunigt. Angesichts solcher Werte gerät auch der auf

Understatement bedachte Intamin-Chef ein wenig ins

Schwärmen. «Da stecken schon gewaltige Ingenieursleistungen

dahinter. Solch eine Beschleunigung schafft nicht einmal

ein Formel-1-Ferrari.» Dabei sei das Ende der Fahnenstange

noch längst nicht erreicht. Die technische Entwicklung erleichtert

den Ingenieuren und Designern, mit den Achterbahnen

neue Rekorde aufzustellen. «Der Mensch kann heute

nicht mehr aushalten als vor 100 Jahren, bevor er einen Black

out erfährt», erklärt Spieldiener, «mit den heutigen technischen

Mitteln können wir aber den Beschleunigungsverlauf

viel genauer vorausplanen. Da ist noch vieles möglich.»

Innovation entscheidend

Auch nach fast 50 Jahren im Geschäft werden Spieldiener

und seine weltweit 500 Mitstreiter nicht müde, an neuen Attraktionen

zu tüfteln. Auf den Lorbeeren ausruhen, das kann

man sich bei Intamin ohnehin nicht erlauben. «In unserer

Branche ist Innovation matchentscheidend.»

Jedes Jahr entwickelt das Unternehmen daher mindestens

eine neuartige Anlage. Denn die Konkurrenz schläft nicht.

Im Gegenteil, sie kopiert, was funktioniert. Eine Neuentwicklung

hat eine Halbwertszeit von zwei bis vier Jahren, sagt

Spieldiener, dann ist der Vorsprung dahin und die Mitbewerber

haben dasselbe im Angebot im Programm, bloss günstiger.

«Dann ist es für uns nicht mehr so interessant. Wir

müssen immer einen Schritt voraus sein.»

Und was bringt die Zukunft? «Ein Trend ist sicher, dass man

künftig mit einer Virtual-Reality-Brille auf dem Kopf in die

Achterbahn steigt», sagt Spieldiener. Damit könne man einer

Bahn ein zweites Leben geben, weil sich das Fahrgefühl auf

diese Weise völlig verändert. Wenn Intamin die irdischen

Grenzen einmal ausgereizt haben sollte, bleiben also immer

noch höhere Sphären. «Wenn man etwa das Gefühl der Beschleunigung

synchronisiert mit dem, was man durch die

Brille sieht, erschliessen sich zahlreiche neue Möglichkeiten:

Etwa eine Reise durchs Weltall.»

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den Geschäftserfolg

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33


Kultur/Genuss

Spürsinn für

innovative Ideen

Der Bio-Hof, den Landwirt Franky Willinger mit seiner Frau Leni seit 2009 im

Vaduzer Riet als Pächter betreibt, ist ein Vorzeigehof. Mit viel Tatendrang und

Innovationskraft hat das junge Paar neben der Milchwirtschaft einen Hühnerstall

für Bio-Eier sowie eine Direktvermarktung aufgebaut. Ein Unternehmenskonzept,

bei dem die Liebe zur Natur und zum Tier im Vordergrund steht.

Text: Niki Eder · Fotos: Eddy Risch

34


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4.40 Uhr. Draussen ist

es stockdunkel – und

kalt. Während der

Grossteil der Bevölkerung

noch friedlich

schlummert, heisst es

für Franky und Leni

Willinger Aufstehen.

Ihre 50 Milchkühe

warten schon. Genau

wie Hofhund Tina, der

Herrchen und Frauchen

beim Betreten

des Stalls freudig wedelnd

begrüsst. Auf

dem Weg zum Melkstand

krault der 33-jährige Landwirt noch hier und da die

Stirn eines zutraulichen Rinds, dann beginnt die Arbeit. Die

Milchkühe reihen sich schon erwartungsvoll auf. «Jedes

Tier hat seinen eigenen Charakter», sagt Franky Willinger.

«Es gibt echte Persönlichkeiten unter ihnen. Die wachsen

einem dann besonders ans Herz.»

Während der Landwirt seine Kühe melkt, kümmert sich seine

Frau Leni um die Boxen und die Fütterung der Kälber.

Die beiden sind ein eingespieltes Team, arbeiten Hand in

Hand – und haben bereits viel geleistet, bis sie sich um 7.30

Uhr mit ihren zwei Kindern, der 4-jährigen Malin und dem

6-jährigen Björn, an den Frühstückstisch setzen. Die gemeinsame

Zeit mit der Familie ist dem Ehepaar wichtig.

Hier tanken sie neue Kraft und Energie, um sich den Aufgaben

des Tages zu stellen. Denn an diesen mangelt es auf einem

Bauernhof nie. Gleich nach dem Frühstück steht die

Arbeit im Hühnerstall an. Und neben den Milchkühen und

Hennen müssen auch noch die 40 Stück Jungvieh sowie die

zwei Esel versorgt werden, die auf dem Hof beheimatet sind.

Einen Jugendtraum verwirklicht

Franky Willinger liebt seinen Beruf. Doch der Weg dahin

gestaltete sich nicht ganz gradlinig. Zwar verbrachte er

schon als Kind jede freie Minute entweder im Schaf- und

Schweinestall seiner Grossmutter oder ansonsten im Kuhstall

des Nachbarn, doch es fehlte einfach der eigene Bauernhof,

den er einmal übernehmen konnte – und damit die

Option auf Selbstständigkeit. Als die Berufswahl anstand,

verabschiedete er sich somit von seinem Traum einer Bauernlehre

und trat eine KV-Ausbildung bei einem Triesenberger

Transportunternehmen an. Die Lehre schloss Franky

Willinger auch erfolgreich ab – doch sein Hobby, die Landwirtschaft,

gab er dafür nicht auf. Den grössten Teil seiner

Freizeit half er auf dem Hof des Nachbarn mit oder arbeitete

im Sommer auf einer Alp.

Es zeichnete sich

schnell ab: Das Büroleben

war auf Dauer

nicht sein Ding. Und so

legte Franky Willinger

mit 20 Jahren eine

Auszeit ein – und reiste

für ein Jahr nach

Kanada, um dort auf

einem Bauernhof zu

arbeiten und nebenbei

Englisch zu lernen.

Eine tolle Erfahrung,

welche ihn zwei Jahre

später erneut nach Kanada

zog. Bei dieser Reise lernte Franky auch seine heutige

Frau kennen. «Das war mehr als ein Zufall», erzählt der

Triesenberger. «Ich reiste mit einem Freund quer durch das

Land, als wir in einem Pub auf eine Gruppe Girls aus der

Schweiz trafen, bei der auch Leni dabei war.» Zurück in

Liechtenstein, konnte Franky seine neue Bekanntschaft

nicht vergessen – und so fädelte er es geschickt ein, dass er

der in Sax wohnenden Leni eines Abends in einer Bar wieder

über den Weg lief. Von da an waren die beiden unzertrennlich.

Auch Leni, die selbst auf einem Bauernhof aufgewachsen

war und sich zur Köchin ausbilden liess, träumte von einem

Leben auf dem Bauernhof. Und so unterstützte sie ihren

Freund darin, endlich die Lehre als Landwirt zu beginnen.

«Ich bin sicher, dass ich sie irgendwann sowieso gemacht

hätte», so der Triesenberger. «Aber Leni hat diese Entscheidung

sicher beschleunigt.» Zwei Jahre besuchte Franky Willinger

die Landwirtschaftsschule in Salez. Und in den darauffolgenden

Jahren liess er sich berufsbegleitend bis zum

Landwirtschaftsmeister ausbilden. Nun fehlte nur noch der

passende Hof, welchen das junge Paar im Ausland

finden wollte. Die Reise nach Kanada,

um sich dort ein bisschen

umzusehen, war bereits gebucht.

Doch dann kam alles

anders, als sie dachten.

Pacht des Riethofs als Chance

Anfang 2008 stiess das junge Ehepaar

auf eine Anzeige, in welcher

die Gemeinde Vaduz den Riethof

im Vaduzer Riet zur Pacht ausschrieb.

«Zwar dachten wir nicht, eine reelle Chance

zu haben, aber wir hatten ja nichts zu verlieren

und so gaben wir unsere Bewerbung ein»,

35


Ihr Erfolg durch unser

kreatives Zusammenspiel

Wir sind Ihr Partner in Sachen Strategie, Kommunikation und Design.

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OLIVER HARTMANN › GRAFIK


Kultur/Genuss

oho#3

erzählt Franky Willinger. «Als schon wenige Monate später die Zusage

kam, konnten wir es kaum glauben.» Der Triesenberger Landwirt hatte

sich gegen 30 Mitbewerber durchsetzen können. Ein Glücksfall, der alle

Auswandererpläne für die nächsten Jahre in den Hintergrund rücken liess.

Im März 2009 übernahmen Franky und Leni, die mittlerweile geheiratet

hatten, die leeren Gebäude des Riethofs. Die Kühe und Maschinen dazu

musste der Landwirt selbst anschaffen. Sein Hunger nach Innovation war

damit allerdings noch nicht gestillt. Und so war der Triesenberger gleich

Feuer und Flamme, als die Anfrage eines Unternehmers aus Liechtenstein

kam, ob er nicht Bio-Eier für die Region produzieren wolle. «Die Investition

in einen neuen Hühnerstall war eine unserer besten Entscheidungen»,

sagt Franky Willinger. «Bio-Eier aus der Region sind

Mangelware – und so ist die Nachfrage entsprechend gross. Heute beliefern

wir zweimal pro Woche 20 Läden in Liechtenstein und im angrenzenden

St. Galler Rheintal mit unseren Eiern und diversen anderen Produkten.»

Eier, die mit gutem Gewissen gegessen werden können. Denn die 500

Hühner auf dem Hof machen einen sichtlich glücklichen Eindruck.

Ihr Federkleid ist prachtvoll und sie können sich frei zwischen Stall und

grosszügigem Aussengehege bewegen. Aufgrund modernster Technologie

erfolgt die Fütterung vollautomatisch und die Eier werden per Förderband

in den Bearbeitungsraum transportiert,

wo Leni oder Franky sie zweimal pro

Tag kontrollieren, putzen, nach Grösse

sortieren und abpacken. Oft werden

sie bei dieser Arbeit auch von Frankys

Vater unterstützt, der mittlerweile

in Pension ist.

Doch der Hühnerstall ist nicht

die einzige Innovation des Riethofs.

Das Paar hat auch eine Direktvermarktung

aufgebaut, über

die sie neben den Bio-Eiern auch

Fleischwaren, Alpkäse, Fondue, Konfitüre

und vieles mehr anbieten. «Bei der Vermarktung

ist Leni der Chef, und ich helfe, wenn sie Unterstützung

braucht», erklärt Franky Willinger. «Im Stall läuft es andersherum.» Und

als ob all das noch nicht genug Verantwortung wäre, engagiert sich der

Landwirt nebenbei noch in diversen Organisationen wie dem Liechtensteiner

Milchverband, der Alpgenossenschaft oder der Bildungskommission

des Lehrverbunds St. Gallen-Appenzell-Liechtenstein.

Wer das Leuchten in den Augen von Franky Willinger sieht, wenn er von

seiner Arbeit erzählt, weiss: Er ist Landwirt mit Leib und Seele. «Auch

wenn es viele Vorschriften gibt, gefällt mir die Vielseitigkeit an diesem

Beruf. Wenn man innovativ ist und Power hat, gibt es zahlreiche Möglichkeiten,

um etwas auf die Beine zu stellen.» Und so verwundert auch

sein Fazit nicht: «Natürlich ist das Bauernleben streng, aber vor allem ist

es auch schön. Wer kann schon von sich behaupten, sein grösstes Hobby

zum Beruf gemacht zu haben?»

Liechtenstein ist

Bio-Weltmeister

In Liechtenstein unterstützt der Staat eine nachhaltig

ausgerichtete Landwirtschaft und so produziert jeder

Landwirtschaftsbetrieb innerhalb eines Labelprogramms.

Mehr als 30 Prozent halten sich dabei an die

strengen schweizerischen Richtlinien der Bio-Produktion.

Mit diesen Werten ist Liechtenstein im Länderranking

Bio-Weltmeister. Zwar gewinnen nach wie vor die

grossen Länder wie Australien, Argentinien oder die

USA, doch das ändert sich schnell, wenn man den prozentualen

Anteil der Bio-Landwirtschaft an der gesamten

landwirtschaftlichen Produktion betrachtet. Hier

können sich die kleinen Länder profilieren –

allen voran Liechtenstein. Mit einem beeindruckenden

Anteil von mehr als 30 Prozent Bio-

Betrieben schneidet das Fürstentum Liechtenstein

hierbei als Bio-Weltmeister ab.

Unsere Landwirtschaft in Zahlen

• 0,8 % der Beschäftigten in Liechtenstein

arbeiten in der Land- und Forstwirtschaft.

• 109 Landwirtschaftsbetriebe sind anerkannt.

• Davon sind 33 Bio-Landwirtschafsbetriebe (30,3 %).

• Rund 3’600 ha beträgt die landwirtschaftlich bewirtschaftete

Nutzfläche. Sie nimmt cirka 22 % der

Landesfläche ein.

• Es gibt rund 6’000 Stück Rindvieh, davon 2’800

Kühe. Ein Drittel des Rindviehs wird auf liechtensteinischen

Alpen gesömmert.

• Rund 60 Milchbetriebe produzieren 14 Mio.

Kilogramm Milch.

• 48,5 Jahre ist das Durchschnittsalter der

Betriebsleiter.

(Quelle: Amt für Statistik, Landwirtschaftsstatistik 2013)

Foto: Roland Korner

37


Kultur/Genuss

Sturer Esel – von wegen!

Beim legendären Eselfest in Malbun gibt es nur Gewinner.

Doch eine Frage bleibt: Wer ist nun sturer – Mensch oder Tier?

Ein Augenschein beim lustigsten Volksfest Malbuns.

Text und Fotos: Doris Büchel

38


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Sturer Esel! Zu dieser Aussage lässt sich wohl manch ein Zuschauer hinreissen,

wenn jeweils im August das legendäre Eselfest gefeiert wird.

Sturer Esel? Die Frage sei erlaubt: Wer ist nun stur – der Mensch, der da

zieht und schiebt und lockt, um den Esel mit allen (legalen) Mitteln

schnellstmöglich zum Bezwingen des Parcours zu bewegen? Oder der

Esel, der nicht wirklich einsieht, wieso es dermassen eilt, wo doch am

Ende des Tages so oder so fuderweise Streicheleinheiten und ein Sack

Karotten auf ihn warten? Aber eines nach dem anderen …

Der Esel lässt sich gerne Zeit

Es war ein Prachtstag im August 2015, den sich die Organisatoren rund

um Präsident Normann Bühler zur Austragung des 19. Eselfests ausgesucht

hatten. Sattgrüne Wiesen, ein stahlblauer Himmel und ein laues

Lüftlein lockten Hunderte Zuschauer aus dem In- und Ausland nach Malbun,

um sich das Spektakel unterhalb der Friedenskapelle anzusehen.

Enttäuscht wurde dabei keiner: Die Startliste war lang, erstmals waren

auch Lamas und Alpakas am Start. Und entgegen einem gängigen Wettkampf,

bei dem es vor allem um Schneller, Höher und Besser geht, ist

beim Eselfest die Freude der Zuschauer dann am grössten, wenn beim

Parcours nicht alles wie am Schnürchen läuft – was zuweilen der Fall ist.

Doch was der Laie beim Esel gerne als stur und störrisch bezeichnet,

wird dem sanftmütigen und intelligenten Tier nur teilweise gerecht. In

Wahrheit lässt sich der Esel einfach gerne Zeit. Seine Zeit. Unter uns:

Wer sagt denn, dass alles immer schnell und nach Plan verlaufen muss?

Wieso nicht einfach mal einen Moment innehalten, um das wunderbare

Bergpanorama zu geniessen? Einen Happen grünes Gras zu kosten?

Oder einfach so, der puren Freude zuliebe? Eben. Freude hatten am

Schluss übrigens fast alle: Die Zuschauer, die sich köstlich amüsierten,

der Sieger, der den Parcours mit Esel Tommy in lediglich 58 Sekunden

bewältigte, und sogar Esel Sorry, der – passend zum Namen und den

vier komplett verweigerten Hindernissen – ein Vielfaches der Siegerzeit

für die insgesamt sieben Hürden benötigte und somit das Schlusslicht

der Rangliste bildete. Doch Tommy wie auch Sorry war’s einerlei. Denn:

Beim Eselfest Malbun gibt’s am Schluss nur Gewinner und für alle denselben

Preis – einen grossen, prall gefüllten Sack Karotten und massenhaft

Streicheleinheiten.

Wer’s verpasst, ist selber schuld

Übrigens: Nebst dem Hindernisparcours gibt es beim Eselfest auch einen

«Esel Grand Prix». Gewinner ist, wer vor den Augen und Zurufen der vielen

Zuschauer am Wegrand die Strecke vom Alpenhotel Vögeli bis zur

Talstation Sareis und zurück am schnellsten zurücklegt. Auch bei diesem

äusserst unterhaltsamen Rennen zeigt sich, dass sich Esel lieber

überzeugen als dressieren, geschweige denn aus der Ruhe bringen lassen.

Und weil dabei sein beim Eselfest wichtiger ist als Gewinnen, dreht

manch eine Reiterin oder ein Reiter eine Ehrenrunde – nicht immer freiwillig

zwar, aber trotzdem. Egal: Denn am Ende des Tages sind sowieso

alle gleich und haben ihren Grund zur Freude: Die Esel, die sich auf den

grünen Weiden ihrer Lieblingsbeschäftigung zuwenden – dem Fressen;

und die Menschen, die den Tag in geselliger Runde im oder rund um das

Festzelt, im Herzen Malbuns, ausklingen lassen.

Eselfest 2016

Gute Nachrichten: Am 6. August 2016 feiert der

Verein Eselfest Malbun Jubiläum. Dann nämlich

geht das beliebte Eselfest bereits zum 20. Mal

über die Bühne. Regelmässig trifft sich deshalb

das siebenköpfige Organisationskomitee, um erneut

ein abwechslungsreiches und stimmungsvolles

Rahmenprogramm für Jung und Alt auf die

Füsse zu stellen. «Wir laden alle ein, am 6. August

nach Malbun zu kommen und aktiv an unserem

Eselfest dabei zu sein», sagt Normann Bühler, Präsident

des Vereins. Dabei hält das OK an seinem

bewährten Konzept fest, bei dem sich alles um die

Esel und die Geselligkeit dreht. Doch keine Bange:

Für alle, die zufällig keine eigenen Esel im Stall

haben, stellen die Vereinsmitglieder ihre eigenen

Tiere zur Verfügung. Und auch die Alpakas und

Lamas werden wieder Teil des Familienfestes

sein.

Naturverbundene Jugend

Übrigens: Um Nachwuchs braucht sich der Verein

keine Sorgen zu machen – weder bei den Tieren,

noch bei den Mitgliedern. Der Verein zählt rund

60 Mitglieder und ständig rücken Junge nach.

«Die Triesenberger Jugend ist sehr natur- und tierverbunden»,

so Bühler. Nach so vielen guten Neuigkeiten

steht einem gelungenen 20. Eselfest in

Malbun nichts mehr im Weg.

Online-Video

Das Eselfest hautnah erleben?

Ein lustiges Video und weitere

Bilder gibt es unter

www.tourismus.li/eselfest


Kultur/Genuss

Event-Highlights

2016/2017

Egal ob jung oder alt, ausgeflippt oder traditionell – Langeweile ist in Liechtenstein tabu.

Und so sorgt das ganze Jahr über eine Vielzahl an Veranstaltungen in allen Gemeinden

für breit gefächerte Unterhaltung. Besucher können regionale und internationale

Theaterproduktionen geniessen, sich bei Lesungen oder beim Filmfest Vaduz in neue

Gedankenwelten entführen lassen oder bei Musikfestivals die Sohlen heisstanzen.

Im Folgenden eine kleine Auswahl an Events in Liechtenstein. Die gesamte Liste der

aktuellen Veranstaltungen findet sich unter www.tourismus.li/events.

EM-Meile in Vaduz

10. Juni – 10. Juli 2016, Vaduz Städtle

www.em-meile.li

17. LGT Alpin Marathon

11. Juni 2016, von Bendern bis Malbun

www.lgt-alpin-marathon.li

FL1 Life Festival

1. – 2. Juli 2016, Schaan,

SAL Saal am Lindenplatz

www.fl1.life

Rock around Malbun

2. – 3. Juli 2016, Malbun

www.rockaroundmalbun.li

24. LiGiTa Liechtensteiner

Gitarrentage

2. – 9. Juli 2016,

Liechtensteiner Unterland

www.ligita.li

2016 CEV Beachvolleyball

20. – 24. Juli 2016, Vaduz Städtle

www.beachvolley.li

Filmfest Vaduz

4. – 8. August 2016, Vaduz,

Peter-Kaiser-Platz

www.filmfest.li

Eselfest in Malbun

6. August 2016, Malbun,

Liftstation Täli

www.eselfest.li

Liechtensteiner Staatsfeiertag

15. August 2016, Vaduz

www.staatsfeiertag.li

The Princely Liechtenstein Tattoo

1. – 3. September 2016,

Schellenberg, Burgruine

www.princely-tattoo.li

21. LIHGA

(Liechtensteinische Industrie-,

Handels- und Gewerbeausstellung)

2. – 10. September 2016, Schaan,

Messeplatz

www.lihga.li

Golden Fly Series –

Weltklasse-Leichtathletik

8. September 2016, Schaan, Lindenplatz

www.verein-isl.li

Beizafestival

23. September 2016, Schaan

www.beizafestival.li

Triesenberger Wochen –

typisch einheimische Gerichte

14. Oktober bis 20. November 2016,

Triesenberg

www.triesenberger-wochen.li

Saisonstart Skigebiet Malbun

8. Dezember 2016, Malbun

www.bergbahnen.li

Weihnachtsmarkt Vaduz

10. und 11. Dezember 2016,

Vaduz Städtle

www.erlebevaduz.li

Fasnacht

23. – 28. Februar 2017, Liechtenstein

www.fasnacht.li

slowUp Werdenberg-Liechtenstein

7. Mai 2017, Liechtenstein/Werdenberg

www.slowup-werdenberg-liechtenstein.ch

Liechtensteiner Staatsfeiertag

15. August 2017, Vaduz

www.staatsfeiertag.li

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Foto: Roland Korner

Liechtenstein ist Ehrengast

an der OLMA 2016

Vom 13. bis 23. Oktober 2016 präsentiert sich Liechtenstein bereits zum

fünften Mal als Ehrengast an der OLMA, einer der grössten Publikumsund

Konsumgütermessen der Schweiz. Das Motto lautet «hoi metanand»

und soll bei den Besuchern Sympathie und Neugier auslösen.

«hoi metanand» – jeder, der in Liechtenstein schon zu Besuch war, hat diesen typischen Gruss

mindestens schon einmal gehört. Er drückt die der Bevölkerung so eigene Nähe, Offenheit und

Herzlichkeit aus. Und genau dies will auch der Auftritt Liechtensteins an der OLMA vermitteln.

Das Land will positiv überraschen und in guter und herzlicher Erinnerung bleiben.

Liechtenstein entdecken

Das Herzstück des Messeauftritts ist die Liechtenstein-Sonderschau auf über 600 m 2 Fläche. Die

Besucher haben hier die Möglichkeit, Liechtenstein während 10 Tagen in all seinen Facetten zu

entdecken, zu erleben und in direkten Kontakt mit Liechtenstein zu treten. Dabei steht die gute

und langjährige Beziehung zwischen Liechtenstein und der Schweiz klar im Vordergrund.

Höhepunkt des OLMA-Auftritts in St. Gallen ist der Tag des Ehrengastes am Samstag, 15. Oktober

2016. Liechtensteiner Vereine präsentieren in diesem Rahmen die Vielfalt des Fürstentums

in einem bunten Programm. Während am Vormittag rund 1’000 Liechtensteiner in einem fröhlichen

Umzug durch die St. Galler Innenstadt ziehen, findet am Nachmittag auf dem

OLMA-Gelände ein von Liechtensteinern gestaltetes Arenaprogramm statt. Der Tag ist also

ideal, um Liechtenstein gemeinsam mit Familie und Freunden ganz persönlich zu erleben.

Auch die beliebte Tierausstellung der OLMA steht 2016 ganz im Zeichen des Fürstentums.

Sie zeigt die Besonderheit und Leistungsfähigkeit der liechtensteinischen Nutztierzucht

auf. In diesem Sinne: Auf zur OLMA! Ein spannendes Erlebnis und so einige Überraschungen

sind garantiert.

Weitere Infos unter: www.olma.li

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Fürstliche Momente

Museums- und

Erlebnispass

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Liechtenstein erleben.

Mit der «Liechtenstein all inclusive»-Karte entdecken Sie über 20 spannende

Attraktionen im Wert von rund 200 Franken und dies zu einem Schnäppchenpreis

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Die Höhensiedlung

auf «Hinder Prufatscheng»

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400 Jahre altes Walserhaus in Triesenberg

Triesenberg ist ein traditionsbewusstes Bergdorf in Liechtenstein. Entstanden aus einer Walsersiedlung

im 13./14. Jahrhundert, hat die Gemeinde über all die Jahre ihre Geschichte in Ehren gehalten.

Patrik Birrer, Leiter der Denkmalpflege Liechtenstein, hat sich intensiv mit der Architektur

der alten Häuser befasst und erklärt, wie der Walser-Geist nach rund 700 Jahren noch heute in der

Wohnbausiedlung spürbar ist. Interview: Niki Eder

Herr Birrer, oft spricht man davon, dass die

Holzbauweise typisch walserisch ist. Gibt es

tatsächlich eine charakteristische Walserhaus-

Architektur, die sich durch alle Walsersiedlungen

hindurch zieht?

Patrik Birrer: Die Holzbauweise ist aufgrund der

waldreichen Gegenden und des vorhandenen Baumaterials

in unserem Alpengebiet seit alters her

die bevorzugte Bauweise. So ist die Holzbauarchitektur

nicht per se typisch walserisch. Aber im

Wissen darum, dass viele Walsersiedlungen erst

aufgrund der Rodungstätigkeit entstanden sind,

macht die Verwendung des ausreichend zur Verfügung

stehenden Baumaterials Holz natürlich Sinn.

Hierzulande zeigt sich die Wahl der Baumateria-

lien und der Bautechniken in den drei hauptsächlichen

Anwendungen Mauerwerk, Ständerbau und

Strickbau. In der Nutzung der unterschiedlichen

Holzbautechniken kann eine zeitliche Entwicklung

abgelesen werden. Der Bohlenständerbau

kommt vor dem Strickbau, welcher erst um 1500

nach und nach einsetzte. Vorherrschend war das

zweigeschossige, unterkellerte Holzhaus oder das

Holz-Stein-Haus – z. B. mit gemauerter Küche.

Und wie muss man sich den Innenbereich der

alten Walserhäuser vorstellen?

Wichtig für die Wohnhaustypologie und die Entwicklung

der Raumordnung war stets die Feuerbzw.

Herdstelle als zentraler Ort in einem Haus.

Patrik Birrer,

Leiter der Denkmalpflege

Liechtenstein

43


Kultur/Genuss

Die Entwicklung von der offenen Feuerstelle bis hin zum geschlossenen,

rauchfreien Eisenherd samt Stubenofen bestimmte die räumliche

Entwicklung im Wohnhaus massgeblich. Bezüglich Raumstrukturen

findet sich im hiesigen Siedlungsgebiet vom ausgehenden

Mittelalter bis nach Ende des Ersten Weltkrieges daher derselbe

Wohnraumtyp des sogenannten «Drei-Raum-Hauses». Die funktionale

Dreiteilung des Erdgeschosses in Stube und Nebenstube mit dazu

quergestellter Küche und mit Kammern im Obergeschoss setzte sich

bereits ab dem Spätmittelalter durch. Von einer eigentlichen «Walser-Architektur»

sprechen wir heute somit nicht mehr. Charakteristisch

sind in Triesenberg die alten, sonnenverfärbten Holzhäuser

mit ihren markanten Giebelfassaden gegen die Talseite aber allemal.

Es gibt viele architektonische Zeitzeugen der alten Walserkultur in

Triesenberg. Welches würden Sie als das bedeutendste Gebäude

bezeichnen?

Von besonderer historischer Bedeutung ist sicher die Kapelle

St. Theodul auf Masescha, die erste Kirchengründung der eingewanderten

Walser am Berg. Der erste Bau wurde wohl um 1300 errichtet

und 1465 wird die Kapelle erstmals schriftlich erwähnt. Im nächsten

Jahr soll die Kapelle übrigens wieder umfassend restauriert werden.

Durch die rege Bautätigkeit seit den 1950er-Jahren hat sich das

Dorfbild sehr geändert und die Weiler wachsen mehr und mehr

zusammen. Wie würden Sie im Sinne der Denkmalpflege die Ortsbildqualität

in Triesenberg bewerten?

Alle Gemeinden in Liechtenstein haben sich in den letzten Jahrzehnten

massgeblich verändert. Triesenberg hat aufgrund seiner

typischen Siedlungsstruktur zumindest den Dorfcharakter erhalten

können. Wenn es gelingt, auch künftig eine gesunde Mischung von

alter und neu wachsender Bausubstanz nebeneinander qualitätvoll

bestehen zu lassen, leisten wir einen wesentlichen Beitrag für ein

intaktes Ortsbild. Es gibt in Triesenberg noch zahlreiche Baudenkmäler,

die für die Identität der Gemeinde sowie für Liechtenstein

von grosser Bedeutung sind und daher gepflegt und geschützt werden

müssen.

Das Walsermuseum im

Triesenberger Dorfzentrum

Walser-Kultur

Das ausführliche Interview mit

Patrik Birrer und weitere Infos

zum Walsertum gibt es unter:

Wo ist die ehemalige Streusiedlung der

Walser heute noch in der Gemeinde erkennbar?

Prähistorische Streufunde und romanische Flurnamen

wie Guflina, Lavadina usw. weisen vielfach

auf eine vorwalserische Nutzung des Gebietes hin. Die

Walser besiedelten zuerst die höheren Lagen und breiteten sich

erst später talwärts aus. Es bildeten sich dabei Siedlungen mit unterschiedlichen

Weilern. Masescha war einer der ersten Siedlungsorte

der Walser, liegt in etwa 1’250 Metern Höhe und gehört heute

noch zu den schönsten Lagen im Land. Trotz reger Bautätigkeit

der letzten Jahrzehnte sind aber auch die anderen Weiler im Dorf

noch gut erkenn- und spürbar. Einen ganz speziellen und beschaulichen

Ort stellt sicherlich die als Rodungsinsel entstandene Höhensiedlung

auf «Hinder Prufatscheng» dar. Geprägt wird der Weiler

durch zwei Wohnbauten aus der Mitte des 16. und 19.

Jahrhunderts und mehrere Heuställe. Im 18. Jahrhundert lebten

hier vier Familien, hundert Jahre später noch zwei. Seit 1979 ist

das alte und denkmalgeschützte «Prufatschengerhaus» im Besitz

der Gemeinde Triesenberg, welche das Objekt in der Folge

1983/84 vorbildlich renoviert und teilweise rekonstruiert hat.

www.tourismus.li/walser

In welchen Bereichen spüren Sie persönlich, dass der einstige

Walser-Geist noch in der Gemeinde lebt?

Die «Freien Walser» wurden von den Landesherren für

ihre Rodungstätigkeit mit besonderen Freiheitsrechten

ausgestattet. So besassen sie mit der «Freien

Erbleihe» ein besonders günstiges Besitz- und Nutzungsrecht.

Sie waren von Steuern befreit und

hatten lediglich einen Zins zu entrichten. Im Jahr

1618, unter den Grafen von Hohenems, wurden die

besonderen Rechte der Walser aufgehoben, d. h. sie

wurden wie die anderen Landesbürger leibeigen. Dieses

freie Gedankengut, verbunden mit einer grossen Portion

Stolz, Selbstbewusstsein und sprachlicher Eigenständigkeit

spürt man heute noch. Dies macht die Zusammenarbeit mit den

«Bärgern» mitunter spannend und auch herausfordernd. Im Mainstream

der heutigen Zeit ist der durchaus noch lebendige «Walser-

Geist» daher eine wahrliche Bereicherung unserer Kultur im

Rheintal!

Walser-Tipp

Wer sich für die Sagen, Legenden und Geschichten der

alten Walser interessiert, kommt auf dem WalserSagenWeg

voll auf seine Kosten. Wandernde begegnen auf dem Weg

durch die wunderschöne Kulturlandschaft bizarren Gestalten

wie zum Beispiel den «Wildmannli» oder dem «Feuerroten

Geissbock» und erfahren, was es mit dem «Nachtvolk»

auf sich hat. Ein Abenteuerweg der besonderen Art.

www.tourismus.li/sagenweg

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Publireportage

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«Alles von Hand –

Bauernarbeit vor 100 Jahren»

Das MuseumMura besitzt eine in Liechtenstein einzigartige

Sammlung von volkskundlichen Objekten, die sowohl

die Entwicklung des Gewerbes wie auch der Landwirtschaft

dokumentieren. Ein Teil seiner Schätze wird in der

aktuellen Ausstellung gezeigt, die sich dem Thema Arbeit

auf den Feldern widmet.

The Princely Liechtenstein

Tattoo Historische Burgruine Schellenberg

Das «Princely Tattoo» feiert 2016 sein 5-Jahre-Jubiläum

auf der historischen Burgruine Schellenberg. Erneut

erwarten die Besucher hochkarätige Militärund

Polizeimusik aus Europa, überregionale

Spitzenformationen, fantastische Stimmung, unvergessliche

Shows und eine eindrucksvolle Atmosphäre.

Fans und Zuschauer schätzen den Anlass vor

allem wegen des einzigartigen Charmes, welcher auf

der von Wäldern umgebenen historischen Burgruine

herrscht.

Weitere Informationen & Tickets

1. bis 3. September 2016

300 Teilnehmer / 7 Nationen / rund 5’000 Zuschauer

www.princely-tattoo.li

KULTUR IN LIECHTENSTEIN

Dauer: bis März 2017

Öffnungszeiten: Jeden ersten Sonntag im Monat,

13.30-18 Uhr, Eintritt: frei

Führungen: während der Woche auf Anfrage möglich

www.museummura.li

Themenwege und Lehrpfade

Die beste Art und Weise, Erholung mit Natur und Wissen zu

verbinden? Themenwege und Lehrpfade! In Liechtenstein gibt

es 16 Wege, die auf ganz unterschiedliche Weise Informationen

vermitteln. Da gibt es zum Beispiel den Forscherweg in Malbun,

den WalserSagenWeg in Triesenberg, den Historischen Höhenweg

von Bendern nach Schellenberg oder den Kulturweg in

Schaan. Für jeden Geschmack ist etwas dabei. Ein spannendes

Erlebnis für die ganze Familie ist garantiert.

Weitere Informationen

www.tourismus.li/themenwege

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Kultur/Genuss

Nachbarschaftskultur

Ein kleines Land wie Liechtenstein kann und darf sich nicht abschotten.

Globalisiertes Denken und Handeln bestimmen den Alltag. Und das bereits seit

1806, als Liechtenstein seine Unabhängigkeit erlangte. Die Beziehungspflege zu

den unmittelbaren Nachbarn gehört ebenso zum Tagesgeschäft wie die

internationale Ausweitung von politischen und wirtschaftlichen Bemühungen.

Auch die Kultur trägt dazu bei: Sie liefert für die internationale Vernetzung

Anknüpfungspunkte. Text: Elisabeth Huppmann · Illustration: Stephanie Ganahl (Kunstschule)

Jeder weiss, dass eine gute Nachbarschaft viel wert ist. Ein

kleines Land wie Liechtenstein, das mit seinen 160 km 2

schnell an seine Grenzen stösst, ist sich seiner Nachbarn

sicherlich stärker bewusst als manch grosses Land. Der

Blick ist unweigerlich nach aussen gerichtet, ohne dabei die

eigenen Besonderheiten aus den Augen zu verlieren. Daraus

resultiert eine konsequente Nachbarschaftspflege.

Ein Nachbar erlebt das Umfeld und somit politische, wirtschaftliche

und soziale Veränderungen gleich. Er sieht sich

mit den gleichen Problemen und Herausforderungen der

heutigen Zeit konfrontiert. Und dennoch sieht und bewertet

er diese anders. Aufgrund unterschiedlicher Erfahrungen

und Fähigkeiten sind unterschiedliche Lösungsansätze

möglich. Um davon profitieren zu können, muss jedoch ein

erster Schritt aufeinander zu gemacht werden. Man muss

sich kennen- und schätzen lernen, Gemeinsamkeiten erkennen

und Unterschiede nicht als abschreckend, sondern als

befruchtend empfinden. Fern von politischem und wirtschaftlichem

Vorteilsdenken schafft die Kultur erste Berührungspunkte,

die zu echten Anknüpfungspunkten werden

können. Eine kulturelle Vernetzung auf internationaler Ebene

ist die Folge.

Grenzenlose Kultur

Denn im Gegensatz zum Staat kennt die Kultur keine Grenzen.

Sie vermittelt dort, wo sprachliche oder gesellschaftskulturelle

Unterschiede den Austausch erschweren. Sie

führt Menschen zusammen, regt zur Diskussion an und

zeigt neue Wege auf. Mit ihren historischen Wurzeln und

Elisabeth Huppmann,

Kulturmanagerin und Kulturbeauftragte

der Gemeinde

Mauren-Schaanwald

ihrer langjährigen Entwicklung trägt sie zudem zu einem

vertieften Identitätsgefühl bei. Ein wichtiger Prozess, dem

sich kein Land entziehen darf – egal, ob gross oder klein.

«Die ganze Kultur ist eine grosse, endlose Zusammenarbeit»,

wie es der schwedische Schriftsteller August Strindberg formulierte.

In dieser Zusammenarbeit gilt es eigene Ideen einzubringen,

andere Meinungen gelten zu lassen und offen für

Neues zu sein. Dies setzt eine gewisse Neugier voraus, die

ein weiteres Wesensmerkmal der Kultur ist.

Die Tatsache, dass sich in Liechtenstein über 3’000 Privatpersonen

– bei einer Bevölkerung von rund 37’500 Personen

– in Verbänden, Vereinen oder als Kulturschaffende betätigen,

macht deutlich, dass das Kulturengagement hierzulande

eine lange Tradition hat. Dieses Privatengagement wird

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vom allgemeinen Wohlstand begünstigt und von der öffentlichen und

wirtschaftlichen Seite gefördert. Darüber hinaus setzen sich zahlreiche

Institutionen, die auch ausserhalb der Landesgrenzen einen guten

Ruf geniessen, für Kultur ein. Anders ist es wohl auch nicht zu

erklären, dass zahlreiche Stiftungen kulturfördernde Ziele verfolgen.

Dank dem langjährigen kulturellen Engagement aller kann – und

muss – Liechtenstein längst nicht mehr nur als Finanz- und Wirtschaftsstandort,

sondern auch als Kulturland angesehen werden. Kulturpolitische

Bemühungen der letzten Jahre, wie z. B. Kulturabkommen

mit der Schweiz und Österreich, verdeutlichen das Anliegen,

dieses Bild auch im Ausland zu vermitteln. Und was auf politischer

Ebene mit Abkommen zum Ausdruck gebracht wird, findet im Kulturbereich

mittels grenzüberschreitenden Projekten und Gastspielen

statt. Dabei reicht die Palette von klassischen Kulturprojekten wie

dem Kooperationsprojekt «Reiseziel Museum» (Zusammenarbeit mit

Vorarlberg), dem Kunst-Wettbewerb «Heimspiel» (Zusammenarbeit

mit der Ostschweiz und Vorarlberg) über Gastspiele des Wiener Burgoder

Volkstheaters, des Deutschen Theaters Berlin

oder des Schauspielhauses Zürich im TAK

Theater Liechtenstein bis hin zu gemeinsam

finanzierten Sammlungsankäufen

für das Kunstmuseum

Liechtenstein

(Sammlung Ricke, 2006).

Kulturaustausch

Ergebnisse der kulturellen

Beziehungspflege

sind aber nicht nur

Aktionen im eigenen

Land. Regelmässig ist

Liechtenstein an der

Frankfurter und Leipziger

Buchmesse vertreten, ist Teil

ausländischer Kulturfestivals

(Poolbar) und präsentiert sich an internationalen

Kulturgrossanlässen (Biennale

von Venedig). Das Liechtensteinische Landesmuseum

und das Kunstmuseum Liechtenstein pflegen

einen intensiven Austausch auf regionaler und internationaler Ebene.

Ein Engagement, das beiderseitigen Nutzen mit sich bringt, wie die

Vermittlung der Ausstellung «Matheliebe» ins Ägyptische Museum

München und zahlreiche bereits realisierte Gemeinschaftsausstellungen

belegen. Eine Besonderheit Liechtensteins ist es, dass dabei auch

die lokale Nachbarschaftspflege nicht vergessen geht. Sieben der elf

politischen Gemeinden betreiben eigene Kulturinstitutionen und fast

jede Gemeinde trägt durch ihre Kulturgütersammlungen zur Heimatund

Brauchtumspflege bei.

Kultur als Brückenbauerin

All dies belegt eindrücklich, wie intensiv Liechtenstein gutnachbarschaftliche

Beziehungen pflegt. Egal, ob auf lokaler, regionaler

oder internationaler Ebene. Die Vergangenheit hat bewiesen,

dass Kultur eine wichtige Brückenbauerin ist. In einem Land, das

von Bergen und dem Rhein begrenzt wird, ein nicht zu unterschätzender

Faktor. Die Kultur vermittelt zwischen Kommunen,

Regionen und Ländern, agiert grenzüberschreitend und völkerverständigend.

Sie trägt dazu bei, dass Nachbarschaft nicht nur

als «Gemeinschaft des Ortes» (nach der soziologischen Theorie

Ferdinand Tönnies) verstanden wird. Kultur schafft Nähe, weckt

Neugier, bietet Unterstützung, zeigt Gemeinsamkeiten und Unterschiede

auf, schärft den Blick, stärkt das Identitätsbewusstsein

und bringt soziokulturelle Grenzen zum Wanken.

Mit dem Engagement im Aussenbereich wird auch das Eigene

deutlicher. «Wenn wir uns mit den Augen der Nachbarn betrachten

könnten, würden wir uns oft beneiden»,

bringt es der Schweizer Journalist

Walter Ludin auf den Punkt.

Liechtenstein kennt den

Wert einer positiven

Aussensicht. Und so

ist die Pflege der

nachbarschaftlichen

Beziehungen

– egal, ob

auf politischer,

wirtschaftlicher,

sozialer

oder kultureller

Ebene – längst

Bestandteil heimischer

Kultur geworden.

Der Kultur eines

kleinen Landes, das um seine

Grenzen weiss, diese jedoch

nicht nur als Hindernis, sondern als

Chance wahrnimmt. Wird der Kultur der Stellenwert

beigemessen, der ihr gebührt, kann sie einen wichtigen

Beitrag zur gutnachbarschaftlichen Beziehungspflege, zum Miteinander

in Zeiten der zunehmenden Isolation, zum Gedankenaustausch

in Zeiten der scheinbar unüberwindbaren Gegensätze

leisten. Und wenn – wie es der österreichische Dramatiker

Johann Nepomuk Nestroy formulierte – «die Kultur im Herzen

jedes Einzelnen beginnt», dann trägt jeder zur Pflege der gutnachbarschaftlichen

Beziehungen bei. Eben echte Nachbarschaftskultur!

47


Kultur/Genuss

Ein Land zwischen

zwei Buchdeckeln

Historische und unterhaltsame Kriminal- und

Abenteuerromane sind sein Ding. So blickt Armin

Öhri, preisgekrönter Autor und Gründer des

Liechtensteiner Literatursalons, in seinem neuesten

Werk auch auf die Geschichte Liechtensteins

zurück. Auf einen Kaffee mit einem, der so gar

nicht dem Klischee eines Schriftstellers entspricht

und doch schreibt, weil er nicht anders

kann. Text: Doris Büchel · Fotos: Roland Korner

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«Liechtenstein – Roman einer Nation» lautet der bescheidene Titel

seines neuesten Werks. «Mein Ziel war, das Land Liechtenstein zu

porträtieren», sagt der Ruggeller Armin Öhri, der 1978 geboren

wurde und heute mit seiner Familie in Grabs lebt, auf der anderen

Seite des Rheins. So erschuf er einen umfangreichen Roman, eine

Art Nationalepos über die Geschichte seiner Heimat von den

1920er-Jahren bis heute. «Ich tat dies, indem ich meinen Protagonisten,

der 1921 geboren wurde, durch sein Leben begleite. Anhand

seiner Schicksalsschläge erfährt der Leser einiges über die Geschichte

Liechtensteins.» Die Rheinüberschwemmung von 1927 –

die schlimmste Naturkatastrophe, die das Land je heimgesucht

hat – wird dabei ebenso thematisiert wie etwa der

Kampf ums Frauenstimmrecht oder der Wandel

des Bauernstaats zur Industrienation.

Es ist nicht das erste Mal, dass Öhri in

einem Buch Fiktion mit geschichtlichen

Fakten auf seine ganz eigene Weise

vermischt. Im Gegenteil: Der 38-Jährige

orientiert sich gern an den Klassikern

des 19. Jahrhunderts, die dem

Abenteuer- und Kriminalgenre zuzuordnen

sind. Besonders angetan ist er von

dicken Schmökern wie Tolstojs «Krieg und

Frieden», Victor Hugos «Elenden» oder Robert

Musils «Mann ohne Eigenschaften». Als

«etwas vom Genialsten auf dem Buchmarkt»

bezeichnet Öhri allerdings «The Life and

Times of Scrooge McDuck» von Don Rosa. «Selten

habe ich ein Buch gelesen, das derart ausgefeilt

ist und in einer solchen Fülle Querverweise

auf alle möglichen Bücher, Kunstwerke

und historische Fakten gibt.»

Ein dicker Schinken

Mittwochmorgen, Café Kunstmuseum, Vaduz. Armin Öhri bestellt

Latte Macchiato und Croissant. Ist ein Interviewtermin um neun

Uhr nicht zu früh für einen Schriftsteller – ein Beruf, dem das Klischee

nachsagt, bis mittags zu schlafen, sich den Nachmittag mit

Nebensächlichkeiten zu vertrödeln, den Abend abzuwarten, um

sich dann die Nacht mit Schreiben um die Ohren zu schlagen? Er

lacht. Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall, folgt Öhris Alltag doch

einem ziemlich straffen Zeitplan: Der Vater eines vierjährigen Sohnes,

Berufsschullehrer und Dozent für wissenschaftliches

Schreiben, übt die Literatur als Nebenberuf aus. «Ich würde gern

viel mehr schreiben. Doch es ist für mich ein Hobby, dem ich auf

professioneller Ebene nachgehe.» Öhri schreibt, weil er nicht anders

kann, wenn möglich abends, wenn die Familie schläft. Er erinnert

sich: «Schon im Gymnasium faszinierten mich die alten

Römer. So setzte ich mich nachts vor den Computer und schrieb

meine Geschichten auf. Natürlich tat ich dies in erster Linie für

«Das ist mein Traum als

Schriftsteller – irgendwann

diesen Riesenschinken

zu veröffentlichen.»

mich, doch im Hinterkopf hatte ich schon damals, eines Tages ein

Buch über die Zeit Cäsars zu veröffentlichen.» Dieses Vorhaben hat

der engagierte Autor zwar noch nicht in die Tat umgesetzt, doch

arbeitet er bis heute daran. Hunderte von Originalquellen habe er

bereits gelesen und Hunderte von römischen und lateinischen Werken

studiert. «Das ist mein Traum als Schriftsteller – irgendwann

diesen Riesenschinken mit mehr als tausend Seiten zu veröffentlichen.»

Bevor es jedoch so weit ist, begeistert er seine Leserschaft

mit Werken wie der bisher dreiteiligen historischen Kriminalroman-Serie

um Julius Bentheim. Für «Die dunkle Muse» – Bentheims

erstem Fall – wurde er 2014 mit dem Literaturpreis der

Europäischen Union ausgezeichnet.

Absolute Weltspitze

Armin Öhri ist einer von vielen Autoren, die

das Land Liechtenstein bis heute hervorgebracht

hat. Die heimische Literaturszene

bezeichnet der Initiator des Literatursalons

und Präsident der «IG Wort – Autorenverband

Liechtenstein» deshalb als

«sehr lebendig». «Es gibt derzeit mehrere

Schriftsteller, die kontinuierlich veröffentlichen.

2014 war das erste Jahr, in dem wir

mindestens elf belletristische Publikationen

bei angesehenen Verlagen vorweisen konnten.

Das macht im Schnitt auf jede Liechtensteiner

Gemeinde eine. Wir sind in diesem Bereich

also absolute Weltspitze.» Seit der Gründung

des Literatursalons im Jahr 2011 laden die Veranstalter

in regelmässigen Abständen bekannte

und unbekannte Schreibende und neuerdings

auch Blogger aus der Region ein mit dem

Ziel, die bestehende Literaturszene noch besser

untereinander zu vernetzen. «Wir helfen einander,

tauschen uns aus, bieten Jungliteraten eine Bühne und gehen

unseren Weg gemeinsam», so Öhri. Vermehrt gebe es jetzt auch die

Möglichkeit, an internationalen Buchmessen wie Frankfurt oder

Leipzig aufzutreten. «So machen wir nicht nur für uns und unsere

Bücher Werbung, sondern auch für das Land Liechtenstein

Kultur-Tipp

Das Fürstentum Liechtenstein setzt auf heimisches Kulturschaffen und

inspiriert die Seele mit einer Vielzahl an Museen, Kulturdenkmälern

und internationalen Kulturausstellungen. Schlechtwetter-Programm

gesucht? Ein Besuch der Museumsmeile in Vaduz holt mit Sicherheit

die Sonne zurück in die Herzen. Im Bereich der Literatur bietet das

Literaturhaus Liechtenstein einheimischen und ausländischen Autoren

eine Plattform.

www.tourismus.li/museen, www.literaturhaus.li

49


Kultur/Genuss

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Alpin-Resort mit Ausblick

Die Höhenlage soll gleichermassen inspirieren, beruhigen und erholen – das verspricht das mit

drei Sternen ausgezeichnete JUFA Hotel Malbun-Alpin-Resort seinen Gästen. Eines steht jedenfalls

fest: Im neuen JUFA Hotel mangelt es nicht an Angeboten für die Stunden nach einem

Urlaubstag, einer Tagung oder einem Ausflug.

Im Februar 2016 eröffnete die österreichische JUFA-Hotelkette das

erste Hotel im Fürstentum Liechtenstein. Das JUFA Hotel Malbun-

Alpin-Resort auf 1’600 Metern direkt am Skilift wurde von Beginn

an gut angenommen. Nach dem ersten Winter startet das Team

nun voller Elan in die Sommersaison. Neben Naturliebhabern,

Outdoor-Junkies und Familien setzt das Alpin-Resort auch auf

Firmenkunden. Die Lage inmitten der liechtensteinischen Alpen

bietet das ideale Umfeld für Seminare, Workshops oder Teambuilding-Einheiten.

Von den Seminarräumen des JUFA Hotels aus

gibt’s einen fantastischen Ausblick auf die Berggipfel. Durch die

Höhenlage können auch Allergiker aufatmen, zumal die Luft frei

ist von Pollen. Auch Milben haben auf 1’600 Metern keine Chance.

Neben zwei Seminarräumen im Hauptgebäude, die bei Bedarf auch

zu einem grossen umgestaltet werden können, steht mit der

«JUFA-Kleinsporthalle» noch ein grosser Raum mit 10 ×18 Metern

zur Verfügung. Die Arena ist prädestiniert für Vorträge oder

grosse Firmengruppen ab 80 Personen. Alle Seminarräume sind

mit modernster Tagungstechnik ausgestattet. Für die Seminarpausen

sowie das Mittag- und/oder Abendessen steht das Team

der «Pradameestuba», so heisst das Restaurant im JUFA Hotel,

bereit. Tagespauschalen im Seminarbereich gibt’s im JUFA Hotel

Malbun-Alpin-Resort schon ab CHF 59.– pro Person.

Und wenn der Workshop länger dauert? Dann stehen 66 moderne

Hotelzimmer zur Verfügung. Für die Zeit nach dem Seminar hält

das Hotel viel bereit: Im Alpin-Wellness-Bereich mit drei verschiedenen

Saunen können die Gäste wieder Energie tanken oder sich

zuvor im Fitnessraum noch ordentlich auspowern. Auch ein gemeinsames

Fussballmatch in der JUFA-Arena ist möglich. Der

Abend klingt jedenfalls an der Bar des JUFA Hotels aus, um den

Tag noch einmal Revue passieren zu lassen und sich im Gespräch

vielleicht Ideen für den nächsten Workshop-Tag zu holen.

Einrichtungen wie Pradameestuba, Wellness-Oase, Restaurant,

Sporthalle oder die Kinderspiel-Bereiche können auch genutzt

werden, ohne im JUFA Hotel Malbun-Alpin-Resort zu nächtigen.

Zimmer

Pradameestuba

www.jufa.eu/malbun

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Seminarräume


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kommod – Hotel & Restaurant

Stilvoll, bodenständig und speziell

Das Restaurant ist Herzstück und Treffpunkt im «kommod». Es bietet

direkt neben dem wunderbaren Grün des Ruggeller Riets für

rund 100 Personen Platz. Alle sind herzlich willkommen – bereits

zum Frühstück oder später zum Kaffee trifft man sich im kommod-

Restaurant. Das vielseitige und schmackhafte Buffet mit Selbstbedienung

bietet den Gästen – seien dies Arbeiter, Geschäftsleute,

Hotelgäste, Seminar-Gruppen oder Jung und Alt aus der Gemeinde

sowie der Region – ein breit gefächertes Angebot mit frischen Produkten.

Gemütlich, bodenständig und preiswert.

kommod – Hotel & Restaurant

Industriering 14, Ruggell

T +423 377 37 77, www.kommod.li, info@kommod.li

Sücka – urchiges Berggasthaus

Urchig, gemütlich, das ist das Berggasthaus Sücka in Steg. Das

ideale Haus für Familienfeste wie Geburtstagsfeiern oder einfach

ein Ort, um die Hektik des Alltags zu vergessen und ein bisschen

Alpenluft zu schnuppern. Hier geniessen Besucher einen herrlichen

Ausblick über das Saminatal und lassen sich mit feinen,

möglichst regionalen Produkten aus Küche und Keller verwöhnen.

Auf die Gäste freuen sich Monika und Werner Schädler.

Berggasthaus Sücka, Triesenberg/Steg

T +423 263 25 79

www.suecka.li

info@suecka.li

Das Superior Familienhotel

Turna in Malbun

Drei Generationen sorgen sich im Hotel Turna im Sommer und Winter

um ihre Gäste. Mit dem neu erreichten Standard der ***Superior

bietet das Hotel einen erstklassigen Familienurlaub inmitten des Naturschutzgebietes.

Für Wanderer und Skifahrer gibt es gleich neben

der Türe den Sessellift. Entspannung findet man in der Wellness-

Oase mit herrlichem Blick auf die Bergwelt. Kulinarische Köstlichkeiten,

die höchstpersönlich vom Hotelier zubereitet werden, runden

das umfassende Angebot im Ferienparadies ab. Unser Saal steht für

bis zu 120 Personen für Familienanlässe, Firmenanlässe, Hochzeiten

usw. zur Verfügung. Das ganze Haus ist rollstuhlgängig.

Hotel Turna, Triesenberg/Malbun

T +423 265 50 40, www.turna.li

TRÄUMEN UND GENIESSEN

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Kultur/Genuss

«Ich koche puristisch

und mit Leidenschaft»

Ruben Brunhart, Sie haben mit 37 Jahren Ihre Zelte in Wien abgebrochen,

um in Ihre Heimat zurückzukehren. Wie kam es dazu?

Ruben Brunhart: Meine Patin, Erika «Ricki» Vogt, führte 28 Jahre lang das

Restaurant Zentrum in Balzers gemeinsam mit ihrem Mann Rudolf, der mittlerweile

leider verstorben ist. Als sie sich entschieden hatten, sich aus dem

Geschäft zurückzuziehen, fragten sie mich, ob ich ihr Nachfolger werden

möchte.

Regionale Gerichte mit Wiener

Einschlag: Der Haubenkoch

Ruben A. Brunhart lernte sein

Handwerk in Liechtenstein,

bevor es ihn für 14 Jahre nach

Österreich zog, wo er vornehmlich

in renommierten Häusern

kochte. Nun ist er zurück in der

Heimat. Seit Februar 2015 führt

er das Restaurant Zentrum in

Balzers. Ein Gespräch über die

Herausforderung, als Gourmetkoch

ein familienfreundliches

Speiserestaurant mit Dorfcharakter

zu führen. Text: Doris Büchel

Wie leicht oder schwer fiel Ihnen die Entscheidung?

Im Grunde fällte ich sie recht schnell. Mir war schon längere Zeit klar, dass

ich wohl früher oder später mit meiner Familie nach Liechtenstein und zu

meinen Wurzeln zurückkehren würde.

Wie sieht die Bilanz nach einem Jahr aus?

Da ich hier aufgewachsen bin, wusste ich ungefähr, worauf ich mich einlasse.

(lacht) Im Ernst, es ist auf jeden Fall ein Vorteil, dass mich die Leute bereits

kennen. So waren die Berührungsängste am Anfang sicherlich geringer. Zwar

hiess es hie und da noch, man wolle aus dem Zentrum ein exklusives Speiserestaurant

machen, doch diese Bedenken haben sich mittlerweile zerstreut.

Was wäre schlimm daran, als exklusives Speiselokal wahrgenommen zu

werden?

Mir war wichtig, den Charakter des Zentrums beizubehalten. Wir sind qualitativ

ein gehobenes Restaurant, aber nicht exklusiv. Jeder soll gerne zu uns

kommen, egal, ob er sich nach einem Sonntagsspaziergang einen Glace-Coupe

gönnt, zu einem gediegenen Abendessen oder Businesslunch vorbeikommt

oder am Stammtisch einen Jass klopft. Deswegen habe ich nur moderat

renoviert. So konnten sich unsere treuen Gäste weiter wohlfühlen. Das

war mir sehr wichtig.

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Kommt da nicht Ihre Kreativität zu kurz? Schliesslich sind Sie ein aufstrebender

Haubenkoch.

Ich bin in der Gastronomie gross geworden und war immer in Speiserestaurants

tätig. Mir gefällt die Mischung hier. Ausserdem: In ein Dorf wie

Balzers gehört ein Restaurant wie das Zentrum. Wir sind nicht in

Wien, wo täglich Tausende anonyme Menschen an deinem Lokal

vorbeilaufen. Wir leben hier auf dem Land, man kennt sich und

weiss viel besser, was die Leute wollen. Meine Kreativität kommt

in diesem Rahmen nicht zu kurz. Man arrangiert sich, für mich

ist das kein Problem. Mir ist wohl, so wie es ist.

Sie sind in doppelter Hinsicht ein ausgezeichneter Koch.

Ja, dabei habe ich auch als Küchenmeister immer viel Wert auf

Weiterbildung gelegt. Ich bin diätetisch geschulter Koch und

habe auch Prüfungen im Bereich Tourismus und Wirtschaft absolviert.

Das ist wichtig, denn das Gewerbe ist in den letzten Jahren

nicht einfacher geworden. Die Gastronomie und vor allem das

Kochen ist ein Knochenjob!

Sie sind mit 13 Gault-Millau-Punkten ausgezeichnet. Viele würden an

Ihrer Stelle damit Werbung machen. Sie hingegen stapeln in dieser Hinsicht

eher tief.

Diese Ehre freut mich zwar, aber wichtiger als meine Haube ist mir, meinen

Gästen eine ausgezeichnete Küche in einer angenehmen und ungezwungenen

Atmosphäre zu bieten. Natürlich bin ich stolz auf meine Auszeichnungen,

aber diese müssen nicht unbedingt an der Aussenfassade des Restaurants

sichtbar sein. Das Zentrum ist und bleibt ein Dorflokal.

Was zeichnet Ihre Küche aus?

Die Speisekarte wechselt häufig, da die Küche stark saisonal ausgerichtet ist.

Die Natur bietet so viele Möglichkeiten, die ich ausschöpfen möchte. Auch

wenn ich so oft es geht regionale Produkte verwende, ist der österreichische

Einschlag in meinen Gerichten unverkennbar. Da gibt es zum Beispiel das

Backhendl, das sehr gut ankommt. Dafür verzichte ich auf das typische Wienerschnitzel

– das gibt es schliesslich überall. Sehr wichtig ist mir ein gutes

Preis-Leistungs-Verhältnis. Ich koche nicht mit viel Schnickschnack, sondern

lieber puristisch und mit Leidenschaft.

Welches sind für Sie als Koch die grössten Unterschiede zwischen Wien

und Balzers?

Während man in Wien einen starken Einfluss der kaiserlich-königlichen Zeit

mit böhmischem Einschlag und traditionell verwurzelten Gerichten wie zum

Beispiel Beuschel und Gulyas merkt, sind es hier eher die klassischen alpenländischen

Gerichte. Gemeinsam ist beiden Orten, dass meine Arbeit dort

und hier nicht nach acht Stunden erledigt ist. 13-, 14-Stunden-Tage sind die

Regel. Ob in Wien oder Balzers – die meiste Zeit stehe ich in der Küche.

(lacht) Klar, in der Freizeit bietet Wien sicherlich vielfältigere Möglichkeiten

als Balzers. Aber wie gesagt, ich wusste, worauf ich mich einlasse, und habe

die Herausforderung gerne angenommen.

Ruben A. Brunhart

Ruben A. Brunhart ist 1977 in Balzers geboren. Seine

Kochlehre absolvierte er im Restaurant Adler in

Vaduz. Darauf folgten zwei Jahre im legendären Hotel

Real in Vaduz, bevor der Jungkoch zu Martin Sieberers

Trofana Royal in Ischgl wechselte. Auf Ischgl

folgte Wien, wo Brunhart während 14 Jahren in renommierten

Häusern kochte, unter anderem in seinem

eigenen Lokal Rubens im Palais Liechtenstein.

Zwar kehrte er Wien schon einmal den Rücken, um

bei Martin Real in der Heuwiese in Weite zu arbeiten,

doch zog es ihn erneut zurück nach Wien. Im Februar

2015 übernahm Haubenkoch Brunhart von seiner

Patentante das Restaurant Zentrum im Balzers.

Dieses besticht durch eine ausgewogene Mischung

aus Tradition und Moderne. Besonderen Wert legt

Brunhart, der 2015 mit 13 Gault-Millau-Punkten ausgezeichnet

wurde, auf ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis

sowie eine abwechslungsreiche, saisonale

Speisekarte mit Wiener Einschlag.

53


Kultur/Genuss

So ein Käse …

einfach himmlisch!

Allein der Gedanke an dieses Gericht weckt bei den meisten Liechtensteinern

die Vorfreude auf ein wunderbares Essen – und ist gleichzeitig Grundlage für

angeregte Diskussionen. Denn Käsknöpfle sind nicht gleich Käsknöpfle.

Text: Michael Benvenuti · Fotos: Oliver Hartmann

54

Jede Familie hat ihr eigenes Rezept, das wie ein kostbarer

Schatz gehütet und an die nächste Generation weitergegeben

wird. Wobei das Geheimnis weniger in der Zubereitung

des Teigs liegt als vielmehr in der Käsemischung, die

mit den Knöpfle vermengt wird. Als besonders gelungen

und schmackhaft gilt seit Jahrzehnten die Käsemischung

der Familie Biedermann von der «Wirthschaft zum Löwen»

in Hinterschellenberg. Für viele sind die Käsknöpfle sogar

die besten weit und breit.

«Die besten?» Othmar Oehri lacht herzhaft und

schüttelt den Kopf. Obwohl seine Käsknöpfle

weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt

sind, gibt sich der gebürtige

Ruggeller ganz bescheiden: «Das eine

«Frische regionale Zutaten von

bester Qualität: Die Grundlage

unserer Rezepte …»

Rezept gibt es nicht. Den einen

schmecken sie so, den anderen so.»

Oehri, ein Quereinsteiger als Koch,

steht nicht gerne im Rampenlicht.

«Wenn es den Gästen so gut geschmeckt

hat, dass sie uns weiterempfehlen, ist das für

mich Lob genug. Zufriedene Gäste sind die schönste

Anerkennung.» Ausserdem sei es gar nicht «sein» Käsknöpfle-Rezept,

betont Othmar Oehri und lenkt den Blick

auf seine Gattin Myriam. «Es kommt von ihrer Mutter. Und

sie hat es von ihrer Mutter übernommen.»

Seit Generationen wird das Rezept von der Mutter an die

Tochter vererbt, mit Othmar Oehri ist nun erstmals ein

Mann im Besitz des lukullischen Geheimnisses. Geändert

haben sich Zutaten und Zubereitung seither nicht, das Gericht

wurde nur leicht an die heutigen Essgewohnheiten

angepasst. «Weshalb sollte ich das Rezept ändern?», fragt

Othmar Oehri mit einem breiten Grinsen. «Den Leuten

schmecken die Käsknöpfle genau so, wie sie seit Jahrzehnten

zubereitet werden.» Tradition verpflichtet eben.

Wäre dieser Leitspruch nicht schon so abgedroschen,

müsste er gross über der Eingangstür der 1847 eröffneten

«Wirthschaft zum Löwen» im beschaulichen Hinterschellenberg

prangen. Der vor mehr als 450 Jahren erbaute

einstige Bauernhof wurde 1975 aufwendig und geschmackvoll

restauriert und steht mittlerweile unter

Denkmalschutz. Das Restaurant verfügt über drei heimelige

Stuben mit insgesamt 75 Sitzplätzen und zwei Terrassen

mit weiteren 60 Plätzen. Von der einladenden, grossen

Terrasse aus schweift der Blick über das Ruggeller Riet hinüber

ins Schweizer Rheintal und weiter nach Vorarlberg,

die grüne Grenze ist mit freiem Auge erkennbar.

«Im Sommer bei föhnigem Wetter

sehen wir bis ins Allgäu», erklärt

Othmar Oehri und zeigt auf eine Stelle

zwischen Oberriet, Rhein und Kummenberg:

«Sogar der Bodensee ist manchmal

zu erkennen, wenn auch nur als schmaler, silberner Streifen.»

Von Frühjahr bis Herbst ist der «Löwen» ein beliebter

Einkehrtreff für Wanderer und Radfahrer.

Am häufigsten verlangen die Gäste nach den urtypischen

Käsknöpfle, besonders beliebt sind aber auch Schwartenmagen

und verschiedenste Innereien wie die zarten, gerösteten

Kalbsleberle. Neben bodenständiger Hausmannskost

bietet der «Löwen» aber auch abwechslungsreiche,

saisonale, moderne Kost. Verantwortlich dafür ist Karl-

Heinz «Charly» Kirschner. Der gebürtige Oberösterreicher

war 34 Jahre in den besten Häusern auf der ganzen Welt

tätig, ehe er vor wenigen Jahren in Schellenberg landete.

Zusammen mit Myriam und Othmar Oehri versucht Karl-

Heinz den Spagat zwischen Tradition und Moderne. Was

allen Speisen gemein ist: frische regionale Zutaten von

bester Qualität.


Löwen-Rezept

für Käsknöpfle

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Zubereitung

Zutaten für 8 Portionen

600 g Mehl

8 Eier

1 dl Wasser

Pfeffer, Salz und Muskat

Appenzeller Käse

Gereifter Sauerkäse

Zwiebel

Butter

Aus Mehl, Eiern, Wasser, Pfeffer,

Muskat und Salz einen Teig herstellen

und diesen ca. 15 Minuten ruhen lassen.

Der Teig wird durch einen Knöpflehobel

ins kochende Salzwasser getrieben.

Die Knöpfle gut aufwallen lassen und

dann zusammen mit geriebenem

Appenzeller Käse und Sauerkäse in eine

Schüssel geben und gut vermischen.

Zwiebelringe in Butter goldgelb rösten

und auf das Gericht geben.

Käsknöpfle mit Blattsalat, Kartoffelsalat

oder Apfelmus servieren.

Tipp: Sollten die Käsknöpfle zu trocken

sein, dann etwas Brühwasser dazugeben,

bevor sie mit dem Käse vermischt werden.

55


Der Vorder-Grauspitz ist mit

2’599 m der höchste Gipfel Liechtensteins

Natur/Freizeit

Naturschönheit

verleiht

Höhenflüge

Aus geografischer Sicht könnte man sagen: Liechtenstein lebt auf «hohem»

Fuss. Ungefähr die Hälfte des Landes liegt im Gebirge. Genau das macht die

Besonderheit der Landschaft aus. Denn durch die unterschiedlichen Höhenlagen

der Vegetation beheimatet Liechtenstein verschiedenste Lebensräume

für eine artenreiche Tier- und Pflanzenwelt. Ein kleiner Foto-Exkurs in die

Schönheit des Landes – vom tiefsten Punkt im Ruggeller Riet (430 m ü. M.)

bis hin zur höchsten Erhebung, dem an der Grenze zu Graubünden gelegenen

Grauspitz (2’599 m ü. M.). Ein Naturschauspiel der Sonderklasse.

56


oho#3

Grenzenlose Aussicht bieten die Liechtensteiner Alpen.

Erholung im Naturschutzgebiet Ruggeller Riet.

Wander-Tipp:

Wer das Stichwort «Route 66» hört, denkt im

ersten Moment sicher nicht an Berge. Doch es

gibt sie wirklich, eine offiziell ausgeschilderte

«Route 66», die als Wanderung durch ein ganzes

Land führt. In drei Tagesetappen geht es

mit Wanderschuhen quer durch das Fürstentum

Liechtenstein – vom südlich gelegenen Berggebiet

Malbun bis zur nördlichsten Gemeinde

Ruggell. Ein unbezahlbares Naturerlebnis, das

Lust auf mehr macht.

www.tourismus.li/route66

Die «Route 66» führt durch ganz Liechtenstein.

57

Fotos: Franz Josef Meier (Grauspitz), Heidi Solèr, Zoom Photoclub


Natur/Freizeit

Die Wanderung über den Fürstensteig und

die Drei Schwestern ist die klassische

Bergtour schlechthin – für trittsichere

Wanderer ein unvergessliches Bergerlebnis

auf gesicherten Felssteigen.

«Wo sonst nur die Gemse sprang und des Menschen Fuss

sich scheute – da führt ein kühner Steg jetzt heute – die

schwielige Hand den Fels bezwang». So schrieb Rudolf

Schädler nach seiner Erstbegehung des Fürstensteigs

1897 in ein Gästebuch. Ein Jahr später wurde der Fürstensteig

auch für andere Bergsteiger zugänglich gemacht

und gilt heute als eine der schönsten Touren in Liechtenstein.

Schwindelfreiheit vorausgesetzt

Der Fürstensteig und die Drei Schwestern gelten als kühne

und grossartig angelegte Bergsteige, welche durch einen

wunderschönen und aussichtsreichen Gratweg verbunden

sind. Der Kuhgrat (2’123 m), der höchste Punkt

dieser abwechslungsreichen Bergwanderung, bietet eine

hervorragende Aussicht auf den Rätikon und zu den

Schweizer und Vorarlberger Bergen. Unvergesslich sind

auch der Blick hinab zu den Dörfern entlang dem Rhein

bis zum Bodensee sowie die prächtige Schuttflora.

Was Wanderer wissen sollten: Die Wanderung über den

Fürstensteig und die Drei Schwestern ist anspruchsvoll

und erfordert Trittsicherheit sowie Schwindelfreiheit. Innerhalb

von vier bis fünf Stunden reiner Gehzeit werden

rund 850 Höhenmeter zurückgelegt. Adrenalin im Körper

ist garantiert. Der Steig bietet neben kleinen Brücken, Leitern

und Stufen aus Holz auch einige ausgesetzte Stellen,

die mit Geländern und Drahtseilen gesichert sind. Die

grösste Herausforderung liegt dabei wohl darin, bei der

spektakulären Aussicht auf den Weg zu achten.

Aussicht mit

Adrenalinkick

58

Die Wanderroute: Gaflei - Fürstensteig - Gafleisattel -

Kuhgrat - Garsellikopf - Drei Schwestern - Sarojasattel

- Gafadurahütte - Planken

Wandertouren

Liechtenstein ist ein wahres Eldorado

für Wanderfreunde und hat für

jedes Niveau die richtige Tour zu

bieten. Wer sich einen Überblick

über die verschiedenen Touren verschaffen

will, kann dies hier tun:

www.wanderbar.li


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Fünf-Schlösser-Tour

Auf den Spuren der Adelsgeschlechter

Velo-Tipp

Im Liechtenstein Center im Herzen von Vaduz können

E-Bikes gemietet werden. Sie sind die perfekten Begleiter,

um die Fünf-Schlösser-Tour in vollen Zügen zu

geniessen. Dank der Unterstützung der Elektrobikes

werden auch leichte Steigungen ohne Anstrengung

zurückgelegt.

www.tourismus.li/bike

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Natur/Freizeit

Buchs

Die Etappen der Fahrrad-Tour

Wie der Name der Fahrrad-Tour bereits verspricht,

führt die 45 Kilometer lange Strecke vorbei an fünf

Schlösser und Burgen in Liechtenstein und der Schweiz.

Ausgangspunkt für die Schlösser-Tour ist Vaduz, der

Hauptort des Fürstentums Liechtenstein. Das Schloss

Vaduz ist das Wahrzeichen des Fürstentums und thront

seit etwa 700 Jahren über Vaduz. Seit 1938 ist es Wohnsitz

der fürstlichen Familie. Von Vaduz geht es weiter

nach Schaan, wo über die Energiebrücke der Rhein

überquert wird und die Strecke nach Buchs führt. Das

Schloss und das Städtchen Werdenberg sind grösstenteils

noch im Originalzustand aus dem 13. Jahrhundert.

Die anschliessende Steigung zur Burgruine Wartau

lässt sich mit einem E-Bike leicht bewältigen. Damit ist

der grösste Anstieg geschafft und nach einer kleinen

Pause geht es weiter zum Schloss Sargans. Bereits von

Weitem ist die Burg Gutenberg in Balzers zu erkennen,

die ebenfalls aus dem 13. Jahrhundert stammt und welche

auf einem über 70 Meter hohen Felssporn thront.

Sie ist das letzte geschichtliche Highlight der Fünf-

Schlösser-Tour. Von hier aus geht es auf gemütlichen

Radwegen wieder zurück zum Ausgangspunkt.

Schweiz

Wartau

Rhein

Sargans

60


oho#3

Schaan

Vaduz

Liechtenstein

Balzers

Photos: Martin Walser

Toureninfos

Weitere Informationen zur

Fünf-Schlösser-Tour:

www.tourismus.li/

schloessertour

61


Natur/Freizeit

Ins Netz

gegangen

550 bis 600 Spinnenarten wurden in

Liechtenstein bisher entdeckt. Die kleinste

misst nur 1 Millimeter Körperlänge, die

grösste immerhin 2 Zentimeter. Giftig sind

sie alle, für den Menschen gefährlich

aber keine. Text: Michael Benvenuti

Fotos: R. & A. Kühnis-Buchmann

Kleines Spinnen-Abc

Arachnophobie leitet sich aus dem Altgriechischen

ab (arachne = Spinne und phobos = Angst) und bedeutet

Angst vor Spinnen.

Das Habitat (Lateinisch habitat «[es] wohnt») bezeichnet

den charakteristischen Aufenthaltsbereich

einer bestimmten Tier- oder Pflanzenart.

Spinnenseide ist, bezogen auf ihr Gewicht, viermal

so belastbar wie Stahl und kann um das Dreifache

gedehnt werden, ohne zu reissen.

Spinnen sind keine Insekten, sondern sogenannte

Chelicerata, eine den Insekten nahe verwandte, aber

ältere Gruppe der Gliedertiere. Gift produzieren fast

alle der über 45’000 bekannten Spinnenarten.

62


«PFUI SPINNE?» Nein, dieser Ausdruck des Ekels würde Holger Frick

niemals über die Lippen kommen. Während bei manchen die haarigen

Achtbeiner Angst und Panik auslösen, üben sie auf den 36-jährigen Balzner

eine geradezu magische Anziehungskraft aus. «Besonders spannend

finde ich, dass Spinnen die Welt völlig anders erleben als wir. Während

bei uns Menschen die Wahrnehmung hauptsächlich visuell abläuft, geschieht

dies bei Spinnen über Vibrationen.» Als äusserst reizvoll empfindet

er zudem, dass über Spinnen noch relativ wenig bekannt sei. Zwar

würden in den Medien regelmässig die klassischen Horrorgeschichten

aufgewärmt, die faszinierende Seite der Spinnen bleibe aber unerwähnt.

«So gibt es Arten, bei denen die Männchen zur Paarungszeit vor den

Weibchen tanzen. Andere ahmen den Duft weiblicher Nachtfalter nach,

um die Männchen anzulocken und sie mit Lassos zu fangen. Wieder andere

haben unglaublich geformte Köpfe, die an Elefantenschädel und

Froschköpfe erinnern, Höcker, Stiele oder Hörner haben.» Diese Vielfalt

beeindruckt ihn.

Ein weiterer Aspekt seiner Leidenschaft für Spinnentiere sei der wissenschaftliche,

erläutert Frick: «Es warten noch viele Arten auf ihre Entdeckung,

die Stammesgeschichte der Spinnen ist sehr lang und zum Teil völlig

unklar.» Holger Frick ging selbst schon als Entdecker in die Geschichte

ein. 2009 erlangte er internationale Bekanntheit, als er auf der Alp Flix in

Graubünden eine neue Spinnenart fand und sie auf den Namen «Zamonische

Zwergspinne» taufte – benannt nach dem fiktiven Kontinent Zamonien

aus den Romanen von Walter Moers. Wissenschaft dürfe eben auch eine

unterhaltsame Seite haben, lacht Frick. 2012 beschrieb er dann in Italien

eine weitere bisher unbekannte Zwergspinnenart (Diplocephalus guidoi)

und benannte sie nach seinem inzwischen verstorbenen Grossvater, «dessen

Faszination für die Natur auf mich abgefärbt hat».

Bekannter Spinnenforscher und begeisterter Comicleser:

Holger Frick aus Balzers in Liechtenstein.

Bild: Jean-Jacques Ruchti

Eine Spinne, die ausschliesslich in Liechtenstein lebt, wurde bisher nicht

gefunden, mit 550 bis 600 Spinnenarten verfügt das kleine Fürstentum

aber über eine immense Artenvielfalt. Der Grund dafür ist, dass in Liechtenstein

sehr viele verschiedene Höhenstufen auf kleinstem Raum zu finden

sind und entsprechend viele verschiedene Habitate pro Höhenlage anzutreffen

sind.

Zu den grössten in Liechtenstein ansässigen Arten gehören die Wespenspinne,

die Gartenkreuzspinne und die Gerandete Jagdspinne mit einer

Körperlänge von rund 2 Zentimetern. Die kleinsten Exemplare

sind mit freiem Auge hingegen kaum zu erkennen. So misst die

Zwergspinne Glyphesis servulus nur 1 Millimeter Körperlänge. Gift

produzieren übrigens alle heimischen Spinnen. «Aber nur wenige

können die Haut eines Menschen durchdringen. Die Bisse sind in der

Regel nicht gefährlicher als Wespenstiche», gibt Frick Entwarnung.

Eine Welt ohne Spinnen kann sich der Biologe nicht vorstellen, auch wenn

diese Vorstellung für jeden Phobiker paradiesisch klinge. «Ohne Spinnen

sähe es bei uns ziemlich ungemütlich aus. Sie stehen in der Nahrungskette

ebenso wie Wölfe oder Adler ganz oben und zählen in der nördlichen Hemisphäre

zu den wichtigsten Raubtieren überhaupt.» So fressen allein die

Spinnen in Liechtenstein Tausende Tonnen Insekten pro Jahr. «Das ergäbe

eine 10 bis 20 Zentimeter dicke Schicht», rechnet Frick vor. Auch keine

schöne Vorstellung. Selbst für Arachnophobiker nicht.

Gelbe Spinne

Vierfleck Kreuzspinne

Wespenspinne

63


Natur/Freizeit

Wenn Thury Meier

frühmorgens als Erster

mit dem Täli-Lift

in seine Bergstation

fährt, geniesst er die

schöne Aussicht und die

Ruhe vor dem Sturm.

64


oho#3

Wenn die

Bergstation ruft

Er ist ein echtes Original: Thury Meier. Seit 16 Jahren arbeitet der

bärtige 65-Jährige als Liftangestellter der Bergstation Täli im

Liechtensteiner Skigebiet. Jeder kennt sein verschmitztes Lachen,

jeder schätzt sein Pflichtbewusstsein. Ein Malbun ohne Thury?

Undenkbar! Text: Niki Eder · Fotos: Martin Walser

«Hoi Thury», ertönt es im regelmässigen Abstand von wenigen

Sekunden – und das von morgens 9 Uhr bis nachmittags

4 Uhr. Genauso oft kommt ein fröhliches «Hoi» zurück,

gepaart mit einem breiten, bärtigen Grinsen. Thury

Meier gehört wahrscheinlich zu den meistgegrüssten Menschen

Liechtensteins – zumindest während der Wintersaison.

Seit 16 Jahren ist der gebürtige Luzerner Liftangestellter

der Bergstation Täli und jeder, der in Malbun sein

Skiglück versucht, kennt sein kantiges Gesicht und seine

liebenswürdige, direkte Art. «Natürlich kann ich mir nicht

alle Namen der Skifahrer merken», schmunzelt der 65-Jährige.

«Aber ich bin gut darin, mir Gesichter und Stimmen

einzuprägen.»

Wetterfest und kälteerprobt

Eigentlich wäre Thury Meier ja bereits seit einem Jahr im

Pensionsalter. Aber das Nichtstun liegt ihm nicht. Und die

Bindung zur Täli-Station ist einfach zu gross. «Zu meinem

Glück wollten mir meine Kollegen bei den Bergbahnen

Malbun noch nie meinen Arbeitsplatz streitig machen»,

schmunzelt Thury. «Vielleicht

schreckt es sie ab, dass die Sonne es erst sehr spät

bis zur Bergstation schafft.» Spät ist hier durchaus im

wörtlichen Sinne des Wortes gemeint. Erst Anfang Februar

schaffen es die Sonnenstrahlen über die Bergkuppe. Der

65-Jährige weiss haargenau, wann: «Seit der moderne

Sechsersessellift im Jahr 2006 in Betrieb genommen wurde,

zeigt sich die Sonne am 14. Februar. Bei der ehemaligen

Zweiersessel-Station, die etwas tiefer lag, tauchte sie

schon zwischen dem 8. und 9. Februar auf.»

Vermisst hat Thury Meier die wärmenden Sonnenstrahlen

allerdings nie. Er mag keine «Hitze» und eigentlich kann

es ihm gar nicht kalt genug sein. «Früher waren die Temperaturen

noch viel extremer», erzählt er. «Da stand ich bei

minus 24 Grad am Lift und hatte nur ein kleines Kastenhäuschen,

um mich aufzuwärmen.» Nicht zu vergleichen

mit dem grosszügigen Raum, der ihm heute zur Verfügung

steht. Doch trotz allen Komforts steht Thury immer

noch am liebsten draussen, direkt am Lift. «Mir macht der

Kontakt zu den Leuten einfach Spass.»

Die Täli-Station vor dem Bau

des modernen Sechsersessellifts.

65


«Um klar zu sehen,

genügt oft ein Wechsel

der Blickrichtung.»

Antoine de Saint-Exupéry

Landstrasse 153, 9494 Schaan

Niederlassung Unterland

Haldenstrasse 5, 9487 Bendern

www.bvd.li

66


Natur/Freizeit

oho#3

Ursprünglich war mal angedacht, dass der Angestellte von

seinem Platz hinter der Glasfront aus die Technik kontrollieren

sollte. Doch da Thury im Freien arbeiten wollte, hat

man ihm extra ein Kabel nach draussen verlegt und einen

Abstellknopf für den Lift montiert.

Ein bewegtes Leben

Thury Meier ist ein Mann mit 1’000 Geschichten. In jungen

Jahren erlernte er den Beruf des Konditors – einen Beruf,

den er nach Abschluss der Lehre gegen denjenigen des

Lastwagenfahrers eintauschte. Um die mangelnde Arbeit

im Winter zu kompensieren, begann er mit 37 Jahren als

Pistenfahrzeugfahrer in Brigels, wo die Verantwortlichen

schnell das Potenzial des jungen Mannes erkannten. Neben

der Verantwortung für die Pisten wurde ihm kurzerhand

auch die Bewirtschaftung einer Schneebar auf 2’100 m ü. M.

anvertraut. Und so hiess es für ihn die nächsten 12 Winter:

Frühmorgens mit dem Pistenfahrzeug rauf in die Berge –

und anschliessend ab an die Schneebar.

Als Thury Meier schliesslich auf die Stellenausschreibung

für einen Liftangestellten in Malbun stiess, dachte er, dass

die Zeit für eine Veränderung reif sei. Er bewarb sich, überzeugte

und durfte bereits wenige Wochen später seine neue

Stelle in Liechtenstein antreten. Seither ist er für den Betrieb

der Täli-Bergstation verantwortlich – eine Aufgabe,

der er sich noch heute mit dem gleichen Engagement widmet

wie damals. Später wurde er zusätzlich als Pistenfahrzeugfahrer

eingesetzt und für rund fünf Jahre hatte er sogar

eine Ganzjahresanstellung bei den Bergbahnen

Malbun.

Der «Tüpflischiisser»

Thury Meier ist ein lockerer Typ. Nur wenn es um seine

Täli-Bergstation geht, dann bezeichnet er sich selbst als

«Tüpflischiisser» – bzw. als den «pingeligsten Liftbetreiber»

überhaupt. «Wenn ich einen Tag freihabe und bei meiner

Rückkehr nicht alles genau so vorfinde, wie ich es haben

will, werde ich eklig», sagt er – und für einen kurzen Moment

verdüstert sich seine Miene. «Ich weiss nun mal, wie

alles sein muss, damit es reibungslos läuft.» An Aufgaben

mangelt es ihm nicht. Gerade, wenn ein Föhnsturm durch

die Berge fegt, ist der Aufwand gross, den Ausstieg an der

Liftstation perfekt zu präparieren. «Bei dieser Arbeit merke

ich mittlerweile, dass ich nicht mehr der Jüngste bin», gibt

Thury Meier zu. «Früher habe ich den Schnee allein beiseitegeschaufelt.

Heute muss ich meinen Kollegen bei der Talstation

funken und sie um Hilfe bitten, wenn die Schneeverwehungen

zu stark sind.

Es ist «seine» Täli-Bergstation, «sein» Malbun. Thury Meier

liebt seinen Arbeitsort auch nach 16 Jahren so sehr, dass es

ihn selbst in seiner Freizeit hierher zieht – zumindest in

Thury Meier – ein Gesicht, das in Malbun

jeder kennt.

den Wintermonaten. «Es ist einfach ein schöner Ort»,

schwärmt er. «Das Skigebiet ist klein, übersichtlich und familiär.

Bei uns geht niemand verloren. Egal, auf welcher

Piste er fährt, irgendwann kommt er wieder ins Zentrum

zurück.» Zu früheren Zeiten war er auch selbst gerne auf

den Skiern unterwegs, aber nach zwei Hüftoperationen

nimmt es Thury Meier etwas ruhiger. «Wenn ich heute freihabe,

nehme ich den Lift ins Bergrestaurant Sareis, wo ich

mich mit ein paar Senioren in einer gemütlichen Runde

treffe. Wir haben immer eine Gaudi.» Und gegen Abend,

wenn die anderen die Skier anschnallen, geht es für ihn

einfach wieder mit dem Lift nach unten.

Und was macht ein Thury Meier im Sommer? Mit Sicherheit

nicht faulenzen. Dann unterstützt er einen befreundeten

Landwirt bei der Bewirtschaftung der Bergalp Maiensäss.

«Im Tal ist es sowieso viel zu heiss. Da zieht es mich in die

Höhe», erzählt er. «Ich liebe die Bergluft.» Vor allem die

Bergluft, die nach Schnee riecht. Und so kribbelt es ihn

schon wieder in den Fingern, sobald der Herbst einkehrt.

Dann ruft ihn seine Täli-Bergstation – und diesem Ruf

konnte Thury Meier noch nie widerstehen.

Malbun-Tipp:

Neben seinen 23 Kilometern Skipisten hat das Wintersportgebiet

Malbun noch viel mehr zu bieten. So warten

15 Kilometer Langlaufloipen, romantische Winterwanderwege,

ein Eisplatz sowie ein Eiskletterturm darauf, von

ambitionierten Sportlern und Erholung suchenden Familien

erobert zu werden. In Kombination mit dem familiärherzlichen

Ambiente ist Malbun damit der beste Ort, um

sein persönliches Wintermärchen zu erleben.

www.tourismus.li/winter

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Natur/Freizeit

Tinas Gespür für

Schnee

Geboren in eine Familie von Olympiasiegern und Weltmeistern, ist Tina

Weirather mittlerweile selbst ein Star im internationalen Skizirkus und

trägt seit Jahren die Hoffnungen der liechtensteinischen Fans auf Weltcupsiege

und Medaillen. Text: Michael Benvenuti

Das Talent wurde Tina bereits in die Wiege gelegt. Mutter Hanni Wenzel ist

zweimalige Olympiasiegerin, vierfache Weltmeisterin, Gesamtweltcupsiegerin

1978 und 1980. Papa Harti Weirather holte 1981 den Abfahrtsweltcup und krönte

sich 1982 in Schladming zum Abfahrtsweltmeister. Tina sei so schlau gewesen

und habe sich von beiden Elternteilen nur das Gute ausgesucht, lacht Mama

Hanni: «Vom Papa hat sie die Begeisterung für die Abfahrt und die Geschwindigkeit,

von mir das Gespür für den Schnee.»

Ihre ersten Schwünge zog Tina, die eigentlich Christina heisst, im zarten Alter

von zweieinhalb Jahren in den Schnee. «Es war beim Skikurs der ‹Roten Teufel›

in Kitzbühel», erinnert sich Hanni Wenzel. Es war der Beginn einer grossen Leidenschaft.

«Tina hat nichts lieber getan, als Ski zu fahren. Beim Mittagessen zog

sie die Skischuhe nicht aus, um keine Zeit zu verlieren, und sie war vom

frühen Morgen bis zur letzten Liftfahrt auf der Piste.» 1992 war

Klein-Tina als Vorläuferin beim «Hanni Wenzel Cup» zu bestaunen,

zwei Jahre später startete sie in ihren ersten Skirennen

durch und liess schnell etwaige Zweifler an

ihrem besonderen Talent verstummen.

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Fotos: GEPA pictures/Harald Steiner

Verletzungsteufel als treuer Begleiter

Kein Wunder, könnte man daher denken, dass Tina Weirather

mittlerweile schon 6 Weltcuprennen gewonnen hat,

insgesamt 26-mal auf dem Podest stand und den Gesamtweltcup

2015/16 als ausgezeichnete Vierte abschloss.

Doch so reibungslos verlief die Entwicklung vom einstigen

Wunderkind zur absoluten Spitzenfahrerin nicht. Die

heute 27-Jährige musste auf ihrem Weg zum Gipfel viele

tiefe Täler durchschreiten und etliche Rückschläge verkraften

– denn der Verletzungsteufel war lange ihr ungebetener,

aber umso treuerer Begleiter. Das erste Mal

schlug er zu, als Tina 17 war und frisch gekürte Junioren-

Weltmeisterin in der Abfahrt. Beim Training zur Weltcupabfahrt

in Lenzerheide kam die Athletin des Skiclubs

Schaan schwer zu Sturz und zog sich Kreuzbandrisse in

beiden Knien zu. Ein Jahr später folgte bei einem Trainingssturz

im Pitztal der nächste Kreuzbandriss, und im

Januar 2010, in der Abfahrt von Cortina d’Ampezzo,

Kreuzbandriss Nummer vier.

Die ersten beiden schweren Bänderverletzungen nahm

Tina noch relativ locker, die dritte war zäh, der vierte

Kreuzbandriss dann «ein Weltuntergang», wie sie es einmal

im Gespräch mit dem ehemaligen liechtensteinischen

Skirennfahrer Marco Büchel beschrieb: «Ich musste mir

echt lange überlegen, ob es noch Sinn macht. Irgendwann

habe ich entschieden, es nochmals zu probieren.» Entscheidend

war letztlich ein Praktikum bei einer Lebensversicherung.

Da wurde ihr klar, «Skifahren ist einfach

das Geilste. Wenn du die Chance hast, diese Trainings zu

erleben, in einer Mannschaft zu sein, zu reisen, viele Leute

kennenzulernen, in der Natur zu sein, deine Grenzen

jeden Tag auszuloten, also wenn du diese Chance hast –

die kriegen ja vielleicht nur zwei von hundert –, musst du

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Natur/Freizeit

oho#3

sie packen.» So tauschte sie Bürojob und Computerarbeit wieder

gegen frische Natur, Schnee und Skier ein. Übrigens sehr zum

Leidwesen ihre Vaters Harti Weirather, der ihr den Rücktritt nahegelegt

hatte und auch heute noch mit einem mulmigen Gefühl

die Karriere seiner Tochter verfolgt. «Als Vater einer Tochter würdest

du am liebsten vom Start bis ins Ziel alles in Watte verpacken.

Oder dir wünschen, dass sie lieber Langlauf betreibt.»

Wie die Mutter, so die Tochter

Langlaufen stand für Tina Weirather allerdings nie zur Debatte.

Journalistin wollte sie mal werden. Plan A war aber immer schon

Skiprofi. Bis sie elf war, spielte sie in den Sommermonaten noch

regelmässig Tennis, trainiert von Melanie Molitor, der Mutter der

Schweizer Tennisausnahmekönnerin Martina Hingis. Dann hatte

sie genug von zwei Sportarten, wollte sich nur noch aufs Skifahren

konzentrieren. Mama Hanni Wenzel akzeptierte die Entscheidung

ihrer Tochter: «Ich versuchte in erster Linie, meinen Kindern

die Begeisterung für den Sport weiterzugeben.» Das ist ihr

gelungen. Ausserdem nahm sie ihrer Tochter den immensen

Druck, in die riesigen Fussstapfen der Eltern treten zu müssen.

«Mir war es von Anfang an wichtig, dass Tina ihre eigene Persönlichkeit

entwickelt. Als Tochter von Hanni und Harti stand sie seit

frühester Kindheit unter Druck und besonderer Beobachtung –

das war unangenehm. Deshalb sagten wir ihr immer wieder:

‹Egal, wer wir sind, du bist du. Deine Bedürfnisse stehen im Mittelpunkt,

nicht unsere.›» Sie spüre tatsächlich keinen Druck, sagt

Tina. Im Gegenteil: «Ich bin stolz auf meine Eltern und froh, so erfahrene

Menschen um mich zu haben.»

Auch wenn bei Hanni und Tina das Sprichwort «Wie die Mutter,

so die Tochter» in vielerlei Hinsicht zutrifft, vom Naturell her sind

sie doch verschieden. War Hanni eher die introvertierte Sportlerin,

ist Tina eine ausgesprochene Teamplayerin, fühlt sich in einer

Mannschaft richtig wohl und hat im Skizirkus viele enge

Freundinnen, darunter Anna Veith (ehemalige Fenninger) und

Lara Gut, ihre direkten Konkurrentinnen um Weltcupsiege und

Medaillen. Aber anders als Fenninger, Gut oder US-Superstar

Lindsey Vonn ist Tina Weirather keine Sportlerin, die polarisiert

und den Medien Stoff für Sensationsgeschichten liefert. «Ich bin

vielleicht langweilig», lacht sie. Sie beleidige weder Leute, noch

sei sie anderen ihre Erfolge neidisch.

Mit Papa Harti gleichgezogen

Wobei sie Letzteres auch nicht muss, denn Tina Weirather hat

selbst zahlreiche Erfolge vorzuweisen: In der Saison 2011/12 war

sie hinter Lindsey Vonn die zweitbeste Abfahrerin der Welt. Am

1. März 2013 feierte sie schliesslich im Super-G von Garmisch-

Partenkirchen ihren Premierensieg im Weltcup und war damit

die erste Tochter einer ehemaligen Weltcupsiegerin, die ebenfalls

einen Weltcupsieg einfahren konnte. In der darauffolgenden Saison

bestätigte Weirather ihre Topform in den Speeddisziplinen

und stiess auch im Riesenslalom an die Weltspitze vor. Als Lohn

für den Triumph im Riesentorlauf von Val d’Isère führte sie eine

Mit ihrem Super-G-Erfolg beim Weltcupfinale in St. Moritz machte Tina Weirather

das halbe Dutzend voll und zog an Weltcupsiegen mit Papa Harti Weirather

gleich. Foto: GEPA Pictures/Harald Steiner

Woche lang das Weltcup-Gesamtklassement an. Es folgten der

Sieg in der Abfahrt von Garmisch-Partenkirchen im März 2015

und der Erfolg im Super-G von La Thuile im Februar 2016. Beim

Weltcupfinale Mitte März 2016 in St. Moritz triumphierte Tina

Weirather im Super-G, machte damit das halbe Dutzend an Weltcupsiegen

voll und zog damit mit Papa Harti Weirather gleich.

Gleichzeitig übertraf sie als Gesamtweltcup-Vierte die magische

1’000-Punkte-Marke und nährte die Hoffnungen vieler Skifans,

dass Tina einmal die grosse Kugel ins kleine Fürstentum bringen

wird – wie dereinst ihre Mama Hanni Wenzel.

Tina Weirather

Geboren: 24. Mai 1989

Geburtsort: Vaduz

Verein: SC Schaan

Weltcupdebüt: 22. Dezember 2005

Weltcupsiege: 6

Gesamtweltcup: 4. (2015/16)

Abfahrtsweltcup: 2. (2011/12)

Super-G-Weltcup: 2. (2015/16)

Weitere Erfolge: RTL-Juniorenweltmeisterin 2006,

Abfahrts-Juniorenweltmeisterin 2007

71


Natur/Freizeit

Das Barometer

der Nati

Nach dem ersten internationalen Pflichtspiel lagen sich

die Akteure der liechtensteinischen Fussball-Nationalmannschaft

freudentrunken in den Armen und feierten

ihren triumphalen Auftritt: Eine 1:4-Niederlage in Belfast

beim «grossen» Nordirland. Doch diese Zeiten sind

vorbei, Ansprüche und Niveau im Fürstentum

sind gestiegen, der einstige

Fussballzwerg ist erwachsen geworden.

Text: Michael Benvenuti

Foto: Roland Korner · Bildcomposing: Büro für Gebrauchsgraphik, Vaduz

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FL-Fussball-Nationalmannschaft

Erstes Länderspiel, 9. 3. 1982, in Balzers

Liechtenstein – Schweiz 0 : 1

Höchster Sieg, 13. 10. 2004, in Luxemburg

Luxemburg – Liechtenstein 0 : 4

Höchste Niederlage, 9. 11. 1996, in Eschen

Liechtenstein – Mazedonien 1 : 11

Rekordspieler: Mario Frick (125)

Rekordtorschütze: Mario Frick (16)


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Niemand könnte die Entwicklung der Fussball-Nati, wie sie in

Liechtenstein genannt wird, besser beschreiben als Mario Frick.

Der mittlerweile 41-jährige Balzner ist Rekordteamspieler (125

Partien) und Rekordtorschütze (16 Treffer), er stand 1994 beim

allerersten internationalen Pflichtspiel Liechtensteins auf dem

Platz und bestritt 2015 auch das bisher letzte. «Mario Frick ist

das Barometer der Nati», sagt Radio-L-Sportchef

Chrisi Kindle über

den heutigen Spielertrainer des

FC Balzers. «Kein anderer verkörpert

den Weg vom damaligen Kanonenfutter

zur heutigen Mannschaft

so gut wie er.»

Nach 60 Minuten stehend k. o.

Kanonenfutter. Prügelknabe. Punktelieferant.

Das waren die gebräuchlichsten

Ausdrücke für

Liechtenstein in den Anfängen der

internationalen Auftritte. Aber zu

Recht, wie Mario Frick erzählt.

«Wir waren eine Amateurmannschaft,

eine sehr schlechte Amateurmannschaft.»

Das Leistungsgefälle

in der Mannschaft sei riesig

gewesen, «spätestens nach 60 Minuten waren wir stehend k. o.».

Die Erwartungshaltung war dementsprechend tief, so wurden

selbst Niederlagen mitunter euphorisch gefeiert. Wie das 1:4 am

20. April 1994 im Windsor-Park in Belfast gegen Nordirland.

«Wir sassen im Whirlpool und bejubelten die Niederlage wie einen

Sieg. Im ersten Pflichtspiel das erste Tor – es war fantastisch.»

Torschütze war der eingewechselte Daniel Hasler, heute

Co-Trainer beim FC Vaduz.

Bevor Mario Frick das erste Mal für Liechtenstein traf, dauerte es

noch einige Jahre. 1997 bei der 1:8-Schlappe gegen Rumänien

netzte der wieselflinke Stürmer zum zwischenzeitlichen 1:7 ein.

Bis zum Karriereende am 12. Oktober 2015 beim 0:3 in Wien gegen

Österreich scorte Frick, der über die Schweiz den Weg nach

Italien fand und dort sogar in der Serie A erfolgreich auf Torejagd

ging, weitere 15-mal für Liechtenstein. Auch wenn er sich an alle

seine Treffer bis ins kleinste Detail erinnert, den schönsten Moment

erlebte Mario Frick am 7. September 2010, als er just an seinem

36. Geburtstag im legendären Hampden-Park gegen Schottland

die 1:0-Führung für Liechtenstein erzielte. Unvergessen bleibt

auch sein Tor zum 2:2-Ausgleich am 7. Juni 2000 in Freiburg gegen

Deutschland. Am Ende war es freilich zu wenig, Goliath fegte

den müden David dank 5 Toren in den letzten 10 Minuten mit 8:2

vom Platz.

Gegen Portugal für Furore gesorgt

Es habe ihm nicht immer Spass gemacht, für sein Heimatland die

Schuhe zu schnüren, gesteht Mario Frick. «Die ersten Jahre waren

harzig.» Vor allem für einen Spieler wie Frick, für den nur zwei

Die Idee vom Doppellibero

In 22 Jahren im Nationalteam erlebte Mario Frick

natürlich einiges, vor allem viele verschiedene

Trainer. Einer blieb ihm dabei besonders in Erinnerung,

der Österreicher Alfred Riedl mit seinen

oft spontanen Einfällen. «Eines Tages kam er wenige

Stunden vor dem Anpfiff zu uns und sagte:

‹Jungs, ich habe eine Idee, wir spielen heute mit

Doppellibero.›» Die eigene Mannschaft, die diese

Variante im Training nie zuvor geübt hatte, war

von Riedls Coup wohl mehr überrascht als der

Gegner – Rumänien gewann 8:0.

Dinge zählten: Tore schiessen und Gewinnen. «Mit dem olympischen

Gedanken «Dabeisein ist alles» konnte ich noch nie etwas

anfangen.» Spürbar aufwärts sei es 2003 unter Trainer Walter Hörmann

gegangen, betont Frick: «Er modernisierte unser Spielsystem.»

Alles wurde professioneller, Trainingsmöglichkeiten, Analysen,

die Spieler selbst. Unter Hörmanns Nachfolger Martin

Andermatt – ein ausgewiesener

Taktikfuchs – sorgte Liechtenstein

dann international für Furore. Am

9. Oktober 2004 trotzte Liechtenstein

in der WM-Qualifikation

2006 Portugal mit den Superstars

Cristiano Ronaldo, Deco und Pauleta

zu Hause ein 2:2 ab, was bis

dato als grösster Erfolg für die

Nati bezeichnet werden kann. Es

war der erste Punkt Liechtensteins

in einer WM-Qualifikation.

Vier Tage später fertigte die LFV-

Auswahl Luxemburg auswärts mit

4:0 ab und feierte den ersten Auswärtssieg

überhaupt. Das Image

des Prügelknaben war endgültig

abgelegt. Galt Liechtenstein früher

als willkommener Aufbaugegner, mauserte sich die Mannschaft in

den vergangenen Jahren zu einem gefährlichen Aussenseiter, der

auch so manchem gegnerischen Trainer den Job kostete. «Einige

gingen freiwillig oder mussten gehen, weil sie gegen uns nicht gewinnen

konnten», erinnert sich Frick.

Comeback als Teamtrainer

Trotz der vielen Niederlagen – Mario Frick ist der erste Spieler

überhaupt, der in 100 Länderspielen als Verlierer vom Platz ging

– denkt er gerne an seine Einsätze im Teamdress zurück: «Es war

eine wunderschöne Zeit, die mich fürs Leben geprägt hat. Ich habe

viel gelernt und wurde reifer.» Und mit ihm das Team.

Mit dem EM-Qualifikationsspiel am 12. Oktober 2015 in Wien gegen

Österreich (0:3) beendete Mario Frick, der mittlerweile als gelernter

Stürmer in der Innenverteidigung zum Einsatz kam, seine

Teamkarriere. Für immer? «Nach heutigem Stand schon», antwortet

er mit einem verschmitzten Lächeln. «Aber sag niemals nie.»

Denn ein bestimmtes Spiel würde ihn besonders reizen: auswärts

gegen Italien, im Rahmen der WM-Qualifikation 2018. Italien ist

Fricks zweite Heimat, hier spielte und lebte er von 2000 bis 2009.

Am Widerstand des aktuellen Nationalteamtrainers René Pauritsch

würde ein Comeback von Mario Frick wohl nicht scheitern, im Gegenteil.

Pauritsch habe ihm schon mehr als einmal angeboten, zurückzukehren,

erzählt Frick. Wobei eine Rückkehr zum LFV für

den sympathischen Balzner ohnehin fix eingeplant ist: «Ich habe

schon vor vielen Jahren erklärt, dass es ein grosses Ziel von mir

ist, eines Tages die Nationalmannschaft zu trainieren.»

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Stuttgart

270 km

Fürstentum

Liechtenstein

Deutschland

München

240 km

Basel

190 km

Bern

230 km

Zürich

110 km

Bodensee

Österreich

Innsbruck

170 km

Schweiz

Italien

Mailand

250 km

Liechtenstein in Kürze

Fläche: 160 km 2

Einwohnerzahl: 37’366

Staatsform: Konstitutionelle Erbmonarchie auf demokratischer

und parlamentarischer Grundlage

Gemeinden: 11, Hauptort: Vaduz

Topografie: Tiefster Punkt: Ruggeller Riet

430 m ü. M., höchste Erhebung: Grauspitz 2’599 m ü. M.,

Grösste Ausdehnung: 24,8 km lang und 12,4 km breit

Beschäftigte nach Wirtschaftssektor: 38,8 % Industrie,

0,8 % Landwirtschaft und 60,4 % Dienstleistung

Währung: Die in Liechtenstein gültige Währung ist der Schweizer

Franken (CHF). Euro werden an den meisten Orten akzeptiert.

Staatsfeiertag: 15. August

www.staatsfeiertag.li

Telefon-Vorwahl: +423

Quelle: Amt für Statistik, Bevölkerungsstatistik 31.12.2014

Impressum

Herausgeber: Liechtenstein Marketing, Äulestrasse 30, 9490 Vaduz · Konzept: Liechtenstein Marketing, Medienbuero Oehri &

Kaiser AG, Eschen · Redaktionskoordination: Liechtenstein Marketing · Grafik/Layout: Medienbuero Oehri & Kaiser AG

Lithografie: PREPAIR Druckvorstufen AG, Schaan · Akquise und Distribution: Allmedia AG, Schaan Druck: BVD Druck+Verlag,

Schaan Auflage: 18’000 Exemplare (deutsche Ausgabe) · Erscheinung: Juni 2016

Shooting: Alte Rheinbrücke Vaduz–Sevelen · Fotograf: Roland Korner · Modelle: Alexandra Lanter und Philip Skaro (Titelseite),

Malin und Björn Willinger (Seiten 37 und 41)

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