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Berner Kulturagenda 2018 N°7

Berner Kulturagenda 2018

DO 22. – MI 28.2.2018 N°7 / www.bka.ch Seite 3 Im Matte Theater feierte das Zweipersonenstück «Hinter der Lüge» Premiere Mich Gerber tauft sein neues Album «Shoreline» in der Heiteren Fahne Pegelstand, Kolumne von Sibylle Heiniger Seiten 4 bis 11 Agenda, Ausstellungen und Kino Seite 12 In der Kunsthalle wird die Gruppenausstellung «Die Zelle» eröffnet Die Berge und wir: Im Alpinen Museum ist die Ausstellung «Schöne Berge. Eine Ansichtssache» zu sehen Das Kollektiv Ritalina zeigt «#wwwonderland» im Schlachthaus Theater Drei Klassiktipps in der Übersicht Sebastien Bozon Werkstatt für Wagemutige Die dänische Saxofonistin Mette Rasmussen spielt an der Jazzwerkstatt im Progr in diversen Formationen. Damit setzt der künstlerische Leiter Benedikt Reising ein Zeichen gegen die Männerdominanz in der Jazzszene. 3 Fenster zur Desillusion Körperraum ZVG Kulturtipps von Emanuel Bundi In Meikirch ist Emanuel Bundi aufgewachsen. Am Do., 22.2., kehrt der Autor, Aufklärer und Punk zurück und präsentiert Spoken-Word-Texte im Kulturspycher (20 Uhr). Machen Sie den ersten Satz: Stimmt Nein bei «No Billag», wenn nicht für die Schweiz, dann eben für mich. Und was soll der letzte sein? Gib mir einen Knochen, ich beisse, und hüte dich vor dem Wolf. Wohin gehen Sie diese Woche und wozu? 1. Am Do., 22.2., schaue ich mir Christoph Simons Programm «Zweite Chance» im Reberhaus Bolligen an (20 Uhr). Hinter seinen traurigen Augen steckt in der Regel ein schöner Zynismus mit viel Liebe. 2. Zwischen Fr., 23., und So., 25.2., zieht es mich ins Kino Rex ans SonOhr. Die zeigen dort dann keine Filme, sondern Hörspiele. Das klingt wohl ... 3. Am Mi., 28.2., gehe ich an die Eröffnung der Ausstellung «Reagenz. Grenze des Systems: Koi Moutsokou und Georgy Kutyrev» im Kunstraum Dreiviertel im Monbijou (19 Uhr). Dort ist alles klein und übersichtlich, so gar nicht pompös, und die Kunst ist meist gut. Stephan Melzl verunsichert lustvoll die Betrachtenden. Im Kabinett des Museums Franz Gertsch läuft die Retrospektive «Flugschau» über den Basler Maler. Der Künstler spielt mit dem Bild-im-Bild-Effekt: «Window» (2016). Stephan Melzl / Kunstsammlung Mobiliar Ein weibliches Wesen mit Batman-Maske und Leintuch-Cape steht am Rand eines Schwimmbeckens. Aus dem Wasser ragen die Hinterköpfe zweier Männer. Eine Gefahr, vor der sie gerettet werden müssten, ist nicht zu sehen. Führt die Superheldin etwas im Schilde oder spendet sie bloss Schatten? Giftige Farbe Stephan Melzl malt keine eindeutigen Narrative, sondern stellt Rätsel. Oft wirken die Ölgemälde beunruhigend und bedrohlich, ähnlich wie Albträume, ohne Gewalt zu zeigen. Da ragen gesichtslose Herren in Anzügen hinter einem Mädchen in einen Feuerhimmel empor, da betrachten Müssiggänger Landschaften in giftig-radioaktiven Gelb- und Grüntönen. Das Flugzeug, ein häufiges Motiv, dient als Bombe, dann wieder als Kreuz. Die Illusion der Malerei wird gebrochen, am deutlichsten beim Bild-im-Bild-Effekt durch Smartphones und Browserfenster. Melzl, 1959 in Basel geboren, hat Malerei in Frankfurt am Main studiert, wo auch sein Atelier liegt. Beim Malen trägt er mehrere Farbschichten auf Holzplatten im Hochformat auf. Sein Schaffen ist auch ein Spiel mit der Kunstgeschichte. Ob religiöse Ikonografie, Barock, Pop Art, deutsche Romantik, Sport- und Boulevardfoto-grafie oder Surrealismus: Zitate finden sich überall. «Flugschau» im Museum Franz Gertsch ist seine erste Einzel ausstellung in einem Schweizer Museum. Céline Graf Museum Franz Gertsch, Burgdorf Vernissage: Fr., 23.2., 18.30 Uhr Ausstellung bis 3.6. www.museumfranzgertsch.ch Eine Bühne als Körper: Im Solostück «Bienvenue» räumt die Tänzerin Eugénie Rebetez in ihrem Inneren auf. Zu sehen in der Dampfzentrale. Im blauen Kittel und mit Staubwedel bewaffnet wirbelt Eugénie Rebetez über die Bühne. Die Figur wirkt gefangen in ihrer Einsamkeit und interagiert mit allem, was sie umgibt: Geräusche, Musik und Requisiten. In der Tanzperformance «Bienvenue» wird der Bühnenraum zum Inneren ihres Körpers und zum Zuhause: Rebetez räumt zu Pop-Ohrwurm-Hits von Gloria Gaynor und Rihanna darin auf. Es ist ein Zuhause, das vom Atem, Geräuschen, Erinnerungen, Emotionen und der Sprache bewohnt wird. Dort sind auch Ängste und Zweifel daheim, aber vor allem Lebensfreude und Humor. Mit Leichtigkeit und Mut fragt sich Rebetez: Wie befreit man sich von Altlasten? Wie wird man Scham, Zweifel und Ängste los? Komplex und ambivalent Die 34-jährige Jurassierin wird auf der Bühne zur lebenden Skulptur, ihr Körper steht im Zentrum eines künstlerischen Prozesses, komplex und ambivalent. Rebetez studierte Tanz und Choreografie in Belgien und Holland. Ihr drittes Solostück «Bienvenue» wurde vergangenes Jahr am Zürcher Theaterspektakel uraufgeführt. Regie führt Martin Zimmermann des Duos Zimmermann und de Perrot. Lula Pergoletti Dampfzentrale, Bern Do., 22. und Fr., 23.2., 20 Uhr www.dampfzentrale.ch