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Taxi Times München - August 2017

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ANTRIEB TAXI-AN- UND

ANTRIEB TAXI-AN- UND VERKÄUFER MICHAEL MUCH »LIEBER EIN WERKSTATT­ GEPRÜFTES TAXI ZUM HALBEN NEUPREIS« Wer ist noch von der Abgas-Affäre betroffen? Volkswagen inklusive Audi sind längst überführt, bei Daimler ermittelt seit Wochen die Staatsanwaltschaft. Die Verdachtsmomente, ebenfalls sogenannte Abschaltvorrichtungen verwendet zu haben, werden konkreter. Jetzt kommen auch noch Kartellabsprachen hinzu. In den Medien rätseln die Wirtschaftsredaktionen, was die Skandale die Autohersteller kosten könnten. Was es die unzähligen Firmen und den Endverbraucher kosten wird, ist kein Thema. Bei uns schon. Wir haben mit Michael Much gesprochen. Er betreibt ein Autohaus, das sich auf den An- und Verkauf gebrauchter Taxis spezialisiert hat. TAXI TIMES: Herr Much, die Restwerte der Diesel-(Firmen-)wagen verzeichnen einen massiven Abwärtstrend. Der Bundesverband freier Kfz-Händler rechnet mit einem Wertverlust des Diesels von bis zu 20 Prozent. Sind Ihre gebrauchten Diesel-Taxis, die Sie aktuell zum Verkauf anbieten, davon auch betroffen? MICHAEL MUCH: Aktuell ist die Nachfrage nach gepflegten, zulassungsfertigen Gebrauchttaxis noch immer stabil. Das mag man kaum glauben … Wir vermuten, dass gerade wegen der undurchsichtigen Zukunft der Dieselfahrzeuge ein Unternehmer lieber ein werkstattgeprüftes Taxi zum halben Neupreis kauft, um Planungssicherheit zu haben. Die hat man – schenkt man den zahlreichen Presseberichten Glauben – bei einem Neufahrzeug aktuell nicht mehr. Im privaten Gebrauchtwagenmarkt spricht man von einer Schwemme an schwer verkäuflichen Dieselmodellen. Jeder will seinen Diesel verkaufen, kaum noch einer einen Gebrauchten kaufen. Trauen Sie sich eigentlich noch, Angebote für einen W 212er mit Euro 5 abzugeben? Wir geben für jedes gebrauchte Taxifahrzeug ein Angebot ab. Junge, gepflegte Gebrauchttaxis kaufen wir nach wie vor zu guten Preisen an. Fahrzeuge, die nicht mehr in Deutschland zum Einsatz kommen „dürfen“, verkaufen wir ins Ausland. Zu unveränderten Konditionen? Hier sind die Exportpreise in der Tat weiter unten als noch vor einem Jahr. Leasingfirmen beklagen, dass der Restwert nach Ablauf der Leasingzeit aufgrund des drohenden Wertverlustes kaum noch zu kalkulieren ist. Sie bieten ebenfalls eine Finanzierung auf Leasingbasis an. Aktuell immer noch? Wir bieten seit 20 Jahren ein Finanzierungsmodell, das Taxileasing in Kooperation mit unserem Partner Lease Trend, an. Der Restwert liegt bei 30 %, auf Wunsch auch bei 20 % – ohne Kilometerbegrenzung. Der Kunde entscheidet, ob er das Taxi übernimmt oder an die Leasinggesellschaft zurückgibt. Die meisten Taxiunternehmer kaufen das Fahrzeug zum Restwert – das ist bis heute so. Wir wollen hier auch nichts zulasten unserer Kunden verändern. Schauen wir mal in die Glaskugel: Welche Taximodelle werden Sie in sieben Jahren an- und verkaufen? Diesel-E-Klassen-Limousinen und T-Modelle, Vitos und andere Kleinbusse. Vielleicht schon die ersten gebrauchten Elektrotaxis von Mercedes. Aber sind wir doch mal realistisch: Wer sieht in sieben Jahren ein flächendeckendes Elektrotankstellennetz in Kommunen und Großstädten, das die gewünschten E-Fahrzeuge gleichzeitig laden kann? Was passiert mit den rund 90 000 Kreuzfahrt- und Frachtschiffen? Allein die 15 größten Schiffe der Welt stoßen pro Jahr so viele Schadstoffe aus wie 750 Millionen Autos, so der NABU (Naturschutzbund Deutschland). Lassen Sie uns dazu gerne in 2027 noch einmal ein Interview machen. Machen wir. Bis dahin danke für das heutige Interview. jh FOTO: Taxi Times 20 AUGUST / 2017 TAXI

ANTRIEB Ungesundes München 123km SCHLECHTE LUFT AUF 123 KILOMETERN LÄNGE Abgasmanipulationen, Dieselfahrverbot, Kartellvorwürfe. Die Politik bemüht sich um Schadensbegrenzung. Was bedeutet das für das Münchner Taxigewerbe? FOTOS: Fotolia / Regormark, Regierung von Oberbayern Das ganze Dilemma des Dieselskandals wird deutlich, wenn man die aktuelle Aussage einer gewissen Elzbieta Bienkowska Satz für Satz analysiert: Die Dame ist EU- Industriekommissarin und sie hat in einem Schreiben an die Verkehrsminister gefordert, im Abgasskandal manipulierte Fahrzeuge bis 2018 stillzulegen – es sei denn, sie werden bis Ende des Jahres umgerüstet. Gleichzeitig warnt sie vor einem allgemeinen Fahrverbot. „Politiker und Industrie können kein Interesse an einem rasant kollabierenden Diesel-Markt infolge lokaler Fahrverbote haben. Das würde der Industrie nur die Mittel entziehen, in emissionsfreie Autos zu investieren.“ Besser als Frau Bienkowska kann man die Zwickmühle nicht beschreiben, in der sich die Auto-Industrie und die ihr hörigen deutschen (Unions-)Politiker derzeit befinden. Beim Versuch, die rechtlich klar definierten Grenzwerte für den Maximal-Ausstoß von Feinstaub und Stickstoffdioxid einzuhalten, hat man sich auf die Messungen einer Auto-Industrie verlassen, deren versprochenen Werte aber nur auf dem Prüfstand einzuhalten waren – teils mit manipulierten Abgaseinrichtungen. Das fällt den Kommunen und den verantwortlichen Politikern jetzt auf die Füße, denn die im Stadtgebiet durchgeführten Schadstoffmessungen brachten seit Jahren ganz andere Messungen zutage. Bereits im Jahr 2012 führte dies zu einer Klage der Deutschen Umwelthilfe e. V. (DUH), die in diesem Jahr mit einem rechtskräftigen Urteil des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs (BayVGH) ihren Höhepunkt erlebte (Taxi Times München berichtete ausführlich in seiner April-Ausgabe). Der Freistaat Bayern wurde verpflichtet, für die Stadt München zeitnahe Vorbereitungen für ein Dieselverbot zu treffen. Konkret bedeutet das, der Freistaat hätte bis Ende Juni ein Verzeichnis aller Straßenabschnitte offiziell bekannt geben müssen, in denen der Emissions-Grenzwert für Stickstoffdioxid aktuell überschritten wird. Bis Ende August muss der Öffentlichkeit zudem mitgeteilt werden, dass Verkehrsverbote für Fahrzeuge mit Dieselmotor in den Luftreinhalteplan aufgenommen werden sollen, welche zeitlichen und sachlichen Einschränkungen für diese Verkehrsverbote gegebenenfalls geplant sind und bei welchen Straßen von Verkehrsverboten abgesehen werden soll. Zusätzlich wurde noch eine weitere Deadline gesetzt: Bis Ende des Jahres muss man ein vollzugsfähiges Konzept veröffentlicht haben. OB REITER BEFÜRCHTET EIN DIESELVERBOT Die neuen Zahlen waren nun allerdings so alarmierend, dass man sie erst vor rund drei Wochen veröffentlichte. Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter hat wohl schon deutlich vorher einen Hinweis bekommen, denn er sorgte bereits im Juni mit einem angedachten Dieselverbot für Schlagzeilen. Der von der EU zugelassene Mittelwert von 40 Mikrogramm Stickstoffoxid pro u TAXI AUGUST / 2017 21

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